{"id":46089,"date":"2018-09-19T11:15:09","date_gmt":"2018-09-19T09:15:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46089"},"modified":"2018-09-20T07:19:32","modified_gmt":"2018-09-20T05:19:32","slug":"us-medien-milliardaere-und-ihr-recht-auf-die-eigene-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46089","title":{"rendered":"US-Medien: Milliard\u00e4re und ihr \u201eRecht\u201c auf die eigene Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Das &bdquo;Time Magazine&ldquo; wurde von einem US-Milliard&auml;r durch einen &bdquo;privaten Kauf&ldquo; &uuml;bernommen. Der Vorgang beleuchtet eine ungute Tendenz auf dem US-Medienmarkt: super-reiche Individuen erkaufen sich private Medienmacht. Von <strong>Tobias Riegel<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5039\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-46089-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180919_Milliardaere_und_ihr_Recht_auf_die_eigene_Zeitung_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180919_Milliardaere_und_ihr_Recht_auf_die_eigene_Zeitung_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180919_Milliardaere_und_ihr_Recht_auf_die_eigene_Zeitung_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180919_Milliardaere_und_ihr_Recht_auf_die_eigene_Zeitung_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=46089-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180919_Milliardaere_und_ihr_Recht_auf_die_eigene_Zeitung_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"180919_Milliardaere_und_ihr_Recht_auf_die_eigene_Zeitung_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>In den USA hat ein Medium den Besitzer gewechselt. Was f&uuml;r sich genommen nicht nach einer gro&szlig;en Nachricht klingt, ist aus zwei Gr&uuml;nden doch wert, es n&auml;her zu betrachten: Zum einen ist das &bdquo;Time Magazine&ldquo; ein einflussreiches und traditionsreiches Blatt mit gro&szlig;er Reichweite und weitgehend &bdquo;seri&ouml;sem&ldquo; Ruf &ndash; wenn man die Kriterien der Branche zugrunde legt. Zum anderen wirft die Person des K&auml;ufers ein Licht auf eine bedenkliche Tendenz: das &bdquo;private&ldquo; Erwerben von Medien durch milliardenschwere Einzelpersonen.<\/p><p>Denn das 1923 gegr&uuml;ndete &bdquo;Time Magazine&ldquo; steht seit dem Wochenende dem politischen Sendungsbewusstsein des US-Industriellen Marc Benioff zur Verf&uuml;gung: Der Gr&uuml;nder des IT-Konzerns &bdquo;Salesforce&ldquo; und seine Frau kauften das &bdquo;Time Magazine&ldquo; f&uuml;r 190 Millionen Dollar vom Meredith-Verlag, wie etwa die &bdquo;FAZ&ldquo; <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/unternehmen\/salesforce-gruender-marc-benioff-kauft-time-magazine-15791802.html?GEPC=s2\">meldet<\/a>. Der Kauf des Wochenmagazins habe nichts mit dem IT-Unternehmen zu tun, sondern sei das private Projekt von Benioff und seiner Frau. Wie Medien berichten, wollen sich die Benioffs eigenen Versicherungen zufolge nicht in das Tagesgesch&auml;ft der Redaktion einmischen und auch die Chefredaktion vorerst nicht austauschen. Das &bdquo;Time Magazine&ldquo; erreicht laut &bdquo;FAZ&ldquo; mehr als 100 Millionen Leser in Print und Online. <\/p><p><strong>Milliard&auml;r kauft Medium mit &bdquo;enormen Auswirkungen auf die Welt&ldquo;<\/strong><\/p><p>Benioff sch&auml;tzt die Macht seines neuen Unternehmens <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/unternehmen\/it-medien\/us-magazin-salesforce-chef-benioff-und-seine-frau-kaufen-time-magazine\/23074860.html\">realistisch ein<\/a>:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wir investieren in ein Unternehmen mit enormen Auswirkungen auf die Welt.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Nun hat er sich mit dem Erwerb des Magazins das Privileg erkauft, in seinem Sinne direkte und enorme mediale Wirkung auf die Welt auszu&uuml;ben.<\/p><p>Ein einzelner Milliard&auml;r muss medial nicht destruktiver wirken als eine Aktiengesellschaft. So war der vorherige Eigent&uuml;mer des &bdquo;Time Magazine&ldquo; der Konzern Meredith, dem man auch nicht blind vertrauen m&ouml;chte. Schlie&szlig;lich hatte Meredith den Time-Verlag erst im Januar &uuml;bernommen &ndash; mit <a href=\"http:\/\/meredith.mediaroom.com\/2017-11-26-Meredith-Corporation-To-Acquire-Time-Inc-To-Create-Premier-Media-And-Marketing-Company-Serving-Nearly-200-Million-American-Consumers\">finanzieller Unterst&uuml;tzung<\/a> der f&uuml;r ihr radikales politisches Sendungsbewusstsein bekannten milliardenschweren Koch-Br&uuml;der. <\/p><p><strong>&bdquo;Time Magazine&ldquo; kein Einzelfall &ndash; Kontrollverlust in der US-Medienlandschaft?<\/strong><\/p><p>Es erscheint aber doch besonders aufreizend, wenn sich ein super-reiches Individuum allein so viel vom Kuchen der Massen-Aufmerksamkeit sichern kann wie nun Marc Benioff. Das erzeugt den Eindruck eines unkontrollierten Ausverkaufs von potenziell gef&auml;hrlichen Propaganda-Werkzeugen. Dieser Kontrollverlust betrifft sowohl die Medienkonsumenten als auch die Besch&auml;ftigten der betreffenden Medien. Die Risiken solcher &Uuml;bernahmen liegen nicht nur in der potenziellen propagandistischen Instrumentalisierung f&uuml;r private Gesch&auml;ftsinteressen. Sie liegen auch in der Unerfahrenheit der neuen Eigent&uuml;mer, die sich trotz dieses Mangels mutma&szlig;lich als die &bdquo;besseren Herausgeber&ldquo; und im positiven Sinne schillernde &bdquo;Au&szlig;enseiter&ldquo; betrachten. <\/p><p>Alarmierend ist der Vorgang um das &bdquo;Time Magazine&ldquo; auch darum, weil er kein Einzelfall, sondern Teil einer bedenklichen Tendenz ist. Denn Benioff ist nur das aktuellste Beispiel von Aneignung publizistischer Macht durch private Verm&ouml;gen. Da gibt es etwa noch die Investoren Jeff Bezos,&nbsp;John Henry,&nbsp;Carlos Slim, Chris Hughes und Warren Buffett. Sie alle sind Milliard&auml;re, die in j&uuml;ngerer Vergangenheit als Einzelpersonen in gro&szlig;e US-Medien investiert haben, wie unter anderem das &bdquo;Handelsblatt&ldquo; <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/unternehmen\/it-medien\/milliardaere-und-die-zeitungen-die-magie-der-macht\/11324176.html?ticket=ST-8689919-M73Audzn4nVRtJLTqceI-ap4\">berichtet<\/a>. Das letzte Beispiel in dieser bedenklichen Reihe war US-Unternehmer Patrick Soon-Shiong, der die Traditionszeitungen &bdquo;Los Angeles Times&ldquo; und &bdquo;San Diego Union Tribune&ldquo; <a href=\"https:\/\/www.washingtonpost.com\/lifestyle\/style\/los-angeles-times-owner-will-sell-paper-ending-a-long-troubled-relationship\/2018\/02\/06\/60f5f42e-0b5f-11e8-95a5-c396801049ef_story.html?noredirect=on&amp;utm_term=.e9948c066a3b\">&uuml;bernommen hatte<\/a>. Aber wie gesagt: Die super-reichen Individuen sind als Akteure der Propaganda nicht grunds&auml;tzlich gef&auml;hrlicher als weltumspannende Medien-Konzerne wie die News Corporation oder Bertelsmann. Das Ph&auml;nomen wirft nur andere Fragen auf.<\/p><p><strong>Sie investieren viel Geld &ndash; und wollen viel politischen Einfluss<\/strong><\/p><p>Das &bdquo;private&ldquo; Engagement in die absteigende Medienbranche bringt nicht nur Prestige und Einfluss &ndash; es kostet auch viel Geld: Warren Buffett kauft im Gegensatz zu Henry, Slim, Bezos oder Soon-Shiong keine Edel-Printprodukte, sondern investiert in kleine Medien, die in Not geraten sind: &Uuml;ber 30 Zeitungstitel hat seine Firma &bdquo;Berkshire Hathaway&ldquo; mittlerweile gekauft, wie das &bdquo;Handelsblatt&ldquo; <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/unternehmen\/it-medien\/milliardaere-und-die-zeitungen-die-magie-der-macht\/11324176.html?ticket=ST-8689919-M73Audzn4nVRtJLTqceI-ap4\">berichtet<\/a>. Auch Investor Carlos Slim, seit dem Jahr 2009 vor&uuml;bergehend <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/medien\/milliardaer-und-zeitungsmagnat-carlos-slim-nun-groesster-aktionaer-der-new-york-times\/11234808.html\">Hauptaktion&auml;r<\/a> bei der &bdquo;New York Times&ldquo;, hat laut Medienberichten bereits etliche Millionen Dollar in die Zeitung gesteckt. Am potenziell gef&auml;hrlichsten erscheint Amazon-Chef Jeff Bezos, der 2013 <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/gesellschaft\/us-zeitung-amazon-gruender-bezos-kauft-washington-post-a-914972.html\">laut Spiegel<\/a> 250 Millionen Dollar f&uuml;r die &bdquo;Washington Post&rdquo; bezahlt hat: Er fordert unter den neuen Medien-Milliard&auml;ren wohl am lautesten sein &bdquo;Recht&ldquo; ein, sich politisches Geh&ouml;r auf Basis seines Verm&ouml;gens verschaffen zu d&uuml;rfen. <\/p><p>Man muss sich immer wieder verdeutlichen, dass ein finanzieller Gewinn aus diesen Investitionen kaum zu erwarten ist. Das Medien-Engagement der US-Milliard&auml;re widerspricht also vordergr&uuml;ndig den Gesch&auml;ftsinteressen. Es sei denn, die Medien w&uuml;rden eingesetzt, um politischen Einfluss f&uuml;r eben diese Gesch&auml;ftsinteressen auszu&uuml;ben. Und genau das ist die Gefahr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das &bdquo;Time Magazine&ldquo; wurde von einem US-Milliard&auml;r durch einen &bdquo;privaten Kauf&ldquo; &uuml;bernommen. Der Vorgang beleuchtet eine ungute Tendenz auf dem US-Medienmarkt: super-reiche Individuen erkaufen sich private Medienmacht. Von <strong>Tobias Riegel<\/strong>.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><\/p>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,182,11,132],"tags":[2330,1181,919,1337,1556,1954],"class_list":["post-46089","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-medienkonzentration-vermachtung-der-medien","category-strategien-der-meinungsmache","category-ungleichheit-armut-reichtum","tag-bezos-jeff","tag-buffett-warren","tag-nyt","tag-oligarchen","tag-usa","tag-washington-post"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/46089","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=46089"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/46089\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":46104,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/46089\/revisions\/46104"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=46089"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=46089"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=46089"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}