{"id":46130,"date":"2018-09-21T09:00:59","date_gmt":"2018-09-21T07:00:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46130"},"modified":"2018-09-24T09:54:02","modified_gmt":"2018-09-24T07:54:02","slug":"merkel-und-die-medien-wenn-eine-hand-die-andere-waescht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46130","title":{"rendered":"Merkel und die Medien: Wenn eine Hand die andere w\u00e4scht"},"content":{"rendered":"<p>Die deutschen Zeitungsverleger ehren Kanzlerin Angela Merkel mit einem wichtigen Preis der Branche. Die Episode mag eine symbolische Rand-Facette sein &ndash; aber sie &ouml;ffnet den Blick auf das grunds&auml;tzliche Verh&auml;ltnis von Regierung und Privatmedien. Von <strong>Tobias Riegel<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1116\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-46130-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180921_Merkel_und_die_Medien_Wenn_eine_Hand_die_andere_waescht_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180921_Merkel_und_die_Medien_Wenn_eine_Hand_die_andere_waescht_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180921_Merkel_und_die_Medien_Wenn_eine_Hand_die_andere_waescht_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180921_Merkel_und_die_Medien_Wenn_eine_Hand_die_andere_waescht_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=46130-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/180921_Merkel_und_die_Medien_Wenn_eine_Hand_die_andere_waescht_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"180921_Merkel_und_die_Medien_Wenn_eine_Hand_die_andere_waescht_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Dem Befund, dass die Bundesregierung und die gro&szlig;en deutschen Medien mutma&szlig;lich zwei sich gegenseitig st&uuml;tzende Systeme sind, kann nur schwer widersprochen werden. Doch selten wird dieses Verh&auml;ltnis so offensichtlich wie in Situationen, in denen sich gegenseitig Gef&auml;lligkeiten erwiesen werden. Auch wenn in diesem Text keine direkte Verbindung zwischen Preisverleihung und politischen Ma&szlig;nahmen hergestellt werden soll:  Die Verleihung des Medienpreises &bdquo;Ehren-Victoria&ldquo; des Verbands deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) an Bundeskanzlerin Angela Merkel kurz nach <a href=\"https:\/\/netzpolitik.org\/2018\/das-eu-parlament-legt-einen-schleier-ueber-das-internet-votum-fuer-upload-filter-und-leistungsschutzrecht\/\">Einf&uuml;hrung<\/a> der ma&szlig;geblich von der CDU <a href=\"https:\/\/pbs.twimg.com\/media\/Dm5phn4WwAEG_cx.jpg:orig\">vorangetriebenen<\/a> &bdquo;Uploadfilter&ldquo; und eines umstrittenen Leistungsschutz-Rechts sowie der Ausnahme der Zeitungsaustr&auml;ger <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/mindestlohn-gericht-bestaetigt-ausnahme-fuer-zeitungszusteller-a-1204785.html\">vom Mindestlohn<\/a> ist eine solche Situation. <\/p><p>Mit dem am 5. November verliehenen Preis m&ouml;chten sich die Verleger nat&uuml;rlich nicht offiziell f&uuml;r Wohltaten von Regierungsseite bedanken. Statt dessen w&uuml;rdigen sie Merkels &ldquo;bisherige politische Gesamtleistung&ldquo; &ndash; angesichts der eifrigen Erf&uuml;llung neoliberaler Pl&auml;ne durch die Gro&szlig;e Koalition ist dieses Lob der privaten Medienwirtschaft wahrscheinlich nicht einmal geheuchelt. Die <a href=\"https:\/\/www.vdz.de\/nachricht\/artikel\/ehren-victoria-fuer-bundeskanzlerin-angela-merkel\/\">Ank&uuml;ndigung<\/a> spart nicht mit Schmeicheleien: &bdquo;Vom Beginn der Kanzlerschaft 2005 &uuml;ber die erfolgreiche Bew&auml;ltigung der Finanzkrise bis zur F&uuml;hrung in einem turbulenten Europa reichen ihre Verdienste.&ldquo; Dieser Satz verdient n&auml;here Betrachtung &ndash; denn <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/zehn-jahre-lehman-pleite-die-bankenkrise-ist-in-deutschland.694.de.html?dram:article_id=428189\">weder ist die &bdquo;Finanzkrise bew&auml;ltigt&ldquo;<\/a>, noch w&auml;re dies Merkels Verdienst gewesen. Den Zustand Europas unter Merkels F&uuml;hrung als &bdquo;turbulent&ldquo; zu bezeichnen, erscheint ebenfalls fragw&uuml;rdig. Zu guter Letzt ist es grunds&auml;tzlich absurd, wenn die Zeitungsbranche die Person kritiklos ehrt, zu deren Kontrolle die Journalisten eigentlich angetreten waren.<\/p><p><strong>Das unscharfe Wort von den &bdquo;Merkel-Medien&ldquo;<\/strong><\/p><p>Der VDZ ist ein Lobby-Verein deutscher Privatmedien, er vertritt <a href=\"https:\/\/www.vdz.de\/ueber-uns\/verband-ziele\/\">nach eigenen Angaben<\/a> rund 500 Verlage, die zusammen mehr als 6000 Zeitschriften verlegen. Pr&auml;sident ist seit 2017 der Chef des katholischen Medienunternehmens &bdquo;Liborius&ldquo;, Rudolf Thiemann. Thiemann machte schnell auf sich aufmerksam, indem er den VDZ als Plattform nutzte, um gegen die Konkurrenz des &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunks <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/unternehmen\/it-medien\/neuer-vdz-praesident-rudolf-thiemann-alles-andere-als-ein-chorknabe\/20545780.html\">zu wirken<\/a>.<\/p><p>Preisverleihungen sind symbolisch wichtig, doch sind sie nat&uuml;rlich nur eine kleine Rand-Facette des durch gegenseitige Abh&auml;ngigkeiten gepr&auml;gten Verh&auml;ltnisses zwischen Privatmedien und Regierung. Keine Preisverleihung kann eine jahrelange st&uuml;tzende oder diffamierende Berichterstattung aufwiegen. Und: Trotz ideologischer Verflechtungen zwischen vielen Medien und Regierung sowie Ehrungen wie der Victoria f&uuml;r die Kanzlerin &ndash; das unscharfe Wort von den &bdquo;Merkel-Medien&ldquo; stimmt vor allem bez&uuml;glich der deutschen Privatmedien nicht (immer): In besonders transatlantisch ausgerichteten Zeitungen wie der &bdquo;Bild&ldquo; oder dem &bdquo;Spiegel&ldquo; wendet sich die Berichterstattung im Zweifel auch manchmal gegen die Politik der deutschen Kanzlerin, wenn ihre Handlungen zu offensichtlich den US-Interessen widersprechen, wie etwa beim <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/nord-stream-2-deutsche-gaskunden-zahlen-2-7-milliarden-euro-drauf-a-1195091.html\">Thema Pipeline Nord Stream 2<\/a>. Da Merkel die offene Opposition zu den USA aber weitgehend scheut, ist auch solch offene Kritik die Ausnahme.<\/p><p>Von den vielf&auml;ltigen politischen Verpflichtungen gegen&uuml;ber widerstreitenden Interessen m&ouml;chten die &bdquo;freien&ldquo; Medienmacher aber nichts wissen: &bdquo;In turbulenten Zeiten sendet die Publishers&rsquo; Night das Signal, dass Zeitschriftenverlage in der digitalen Disruption unverzichtbarer Leuchtturm des Journalismus, Garant der unternehmerisch getragenen, freien Presse und pr&auml;gender Bestandteil unserer Gesellschaft sind.&ldquo; Die angebliche Vielfalt der Weltanschauungen dieser &bdquo;freien Presse&ldquo; &auml;u&szlig;ert sich jedoch nicht in der <a href=\"https:\/\/publishers-summit.vdz.de\/ps-publishers-night-hall-of-fame\/\">Auswahl der Preistr&auml;ger<\/a> aus j&uuml;ngerer Vergangenheit: Joachim Gauck, Wolf Biermann, Hubert Burda und &ndash; Henry Kissinger.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die deutschen Zeitungsverleger ehren Kanzlerin Angela Merkel mit einem wichtigen Preis der Branche. Die Episode mag eine symbolische Rand-Facette sein &ndash; aber sie &ouml;ffnet den Blick auf das grunds&auml;tzliche Verh&auml;ltnis von Regierung und Privatmedien. 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