{"id":46344,"date":"2018-10-02T12:04:50","date_gmt":"2018-10-02T10:04:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46344"},"modified":"2018-10-03T08:31:58","modified_gmt":"2018-10-03T06:31:58","slug":"toedlicher-wandel-durch-konfrontation-was-uns-vermutlich-ins-haus-steht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46344","title":{"rendered":"T\u00f6dlicher Wandel durch Konfrontation \u2013 Was uns vermutlich ins Haus steht"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/181002_am.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Das ist das Thema meines Beitrags in dem gerade neu erschienenen Buch <a href=\"https:\/\/www.westendverlag.de\/buch\/warum-wir-frieden-und-freundschaft-mit-russland-brauchen\/\">&bdquo;Warum wir Frieden und Freundschaft mit Russland brauchen&ldquo;<\/a>. Au&szlig;er meinem Beitrag (A.) h&auml;nge ich auch noch eine &Uuml;bersicht (B.) &uuml;ber die verschiedenen Autoren und die Themen ihrer Beitr&auml;ge an. Interessante Texte. Politisch breit angelegte Autorenschaft. Eigentlich das Spiegelbild der notwendigen Koalition f&uuml;r einen Neuanfang. Eine Frage dr&auml;ngt sich allerdings auf: Wo ist eigentlich die junge Generation, wenn es um Frieden und Verst&auml;ndigung geht? &ndash; In meinem Beitrag prognostiziere ich, was uns Gef&auml;hrliches ins Haus steht, wenn wir nicht endlich von Konfrontation auf Zusammenarbeit umschalten. Leider ist die Prognose sehr realistisch. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong><\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6741\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-46344-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181002_Toedlicher_Wandel_durch_Konfrontation_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181002_Toedlicher_Wandel_durch_Konfrontation_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181002_Toedlicher_Wandel_durch_Konfrontation_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181002_Toedlicher_Wandel_durch_Konfrontation_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=46344-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181002_Toedlicher_Wandel_durch_Konfrontation_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"181002_Toedlicher_Wandel_durch_Konfrontation_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>T&ouml;dlicher Wandel durch Konfrontation &ndash; Was uns vermutlich ins Haus steht<\/strong><\/p><p><strong>Von Albrecht M&uuml;ller<\/strong><\/p><p>Wenn man nach gro&szlig;en strategischen Leistungen von Politikern sucht, wird man selten f&uuml;ndig. Man wird Untaten finden &ndash; die Kriege der USA, die Erschaffung des Terrorismus als neue Bedrohung, die Politik der Sanktionen, die Privatisierung der Altersvorsorge, die schwarze Null &ndash;, positiv zu bewertende, gro&szlig;e strategische Leistungen sind und waren das nicht. Bei der Suche nach klugen und langfristig angelegten &Uuml;berlegungen und Entscheidungen bin ich ganz schnell beim Konzept der Ostpolitik angelangt. Was Willy Brandt und seine Mitarbeiter sich schon in den F&uuml;nfzigerjahren mitten im Kalten Krieg ausgedacht und dann in den Sechzigerjahren formuliert und umzusetzen begonnen haben, das war wohldurchdacht. Eine strategische Leistung der besonderen Art. Das gilt insbesondere f&uuml;r den Grundgedanken, der in die Formel &raquo;Wandel durch Ann&auml;herung&laquo; verpackt war.<\/p><p>&raquo;Ann&auml;herung&laquo; zu wollen und zu realisieren, hatte praktische Konsequenzen f&uuml;r die praktizierte Politik und f&uuml;r die &Auml;u&szlig;erungen der handelnden Personen. Etwas b&uuml;rokratisch anmutend wurde von &raquo;vertrauensbildenden Ma&szlig;nahmen&laquo; gesprochen. Die treibenden Kr&auml;fte der Ostpolitik sprachen fast schon penetrant von solchen vertrauensbildenden Ma&szlig;nahmen. Wir, die damals daran beteiligten Mitarbeiter, sahen mit Bedacht darauf, diesen Gedanken zu beherzigen. Wir lernten und kamen mit anderen &uuml;berein, es sei wichtig, sich in die Lage des Anderen zu versetzen. Damals lernten viele Deutsche, nicht nur die eigenen Opfer des Zweiten Weltkrieges zu beklagen, sondern auch die 27 Millionen Toten in der Sowjetunion wahr und ernst zu nehmen. Das half dabei, aus Gegnern im Kalten Krieg Partner der Entspannungspolitik werden zu lassen.<\/p><p>Hinzu kam dann der gl&uuml;cklicherweise gelungene Versuch, unter den Deutschen eine Mehrheit f&uuml;r diese Strategie zu finden. Das gelang einerseits dadurch, dass die Vorteile dieser Strategie zur Sprache gebracht wurden &ndash; Frieden, Familienzusammenf&uuml;hrung, Warenaustausch, Arbeitspl&auml;tze, Reisen, Sich Besuchen. Hinzu kam die emotionale Seite. Willy Brandt sprach von Vers&ouml;hnung, nicht nur von Vertragspolitik. Und er handelte danach, bedacht oder gef&uuml;hlsm&auml;&szlig;ig. Der Kniefall in Warschau hatte eine solche weitreichende emotionale Bedeutung, diesseits und jenseits des Eisernen Vorhangs.<\/p><p>Die Ostpolitik war insgesamt so etwas wie ein Gesamtkunstwerk. Dieses zu zerst&ouml;ren, wird heute mit aller Kraft und leider auch mit Erfolg versucht. Die SPD, die Partei des Willy Brandt, des Egon Bahr, des Helmut Schmidt und des Horst Grabert, kennt die Ostpolitik als gro&szlig;es Thema nicht mehr. Nicht selbst erlebt und einfach vergessen oder verdr&auml;ngt. Typisch daf&uuml;r ist, dass in der Fehler-Analyse der SPD, die Anfang Juni 2018 erschienen ist, die Autoren das Thema Ostpolitik und das Verh&auml;ltnis Deutschlands zu Russland nicht als wesentlich zur Sprache bringen &ndash; auch nicht der jeden Tag neu zu beobachtende Aufbau des Feindbildes Russland. Krieg und Frieden sind kein Thema mehr, und der strategische Gedanke &raquo;Wandel durch Ann&auml;herung&laquo; ist so umfassend entsorgt, dass die heute handelnden Politiker gar nicht in Betracht ziehen, dass die Idee ja auch im negativen Sinne realisiert werden k&ouml;nnte: negativer, t&ouml;dlicher Wandel durch Konfrontation. Dass der Wandel zum Schlechteren genauso logisch w&auml;re und genauso passieren k&ouml;nnte wie der positive Wandel durch Ann&auml;herung, ist offensichtlich nicht ins Bewusstsein gedrungen. Wenn wir das ber&uuml;hmte Geschichtsbewusstsein h&auml;tten, wenn unsere publizistischen und politischen Wegbegleiter ein bisschen Ahnung von der nicht zu weit zur&uuml;ckliegenden Vergangenheit h&auml;tten, dann d&uuml;rften sie &ndash; und damit wir alle &ndash; nicht so blau&auml;ugig in eine Konfrontation nach der anderen stolpern. <\/p><p>Auch die deutsche Seite ist in den letzten 25 Jahren eher durch Konfrontation als durch Verst&auml;ndigung und Vers&ouml;hnung hervorgetreten. Markant ist die Beteiligung am Kosovokrieg. Man musste wissen, dass dies von russischer Seite als unfreundlicher Akt gewertet werden w&uuml;rde. Bereits zuvor begann mit deutscher Zustimmung die Ausdehnung der NATO bis an die Grenze Russlands. <\/p><p>Der Westen, die Bundesrepublik Deutschland und die f&uuml;hrenden Parteien haben auf die ausgestreckte Hand der Verantwortlichen in Russland hinhaltend bis ablehnend reagiert. Sie haben den Geist, der noch das Ende der Blockkonfrontation im Jahre 1990 pr&auml;gte, vergessen. Ein nicht verborgen gebliebener Misstrauensakt war die k&uuml;hle Reaktion auf die Rede des russischen Pr&auml;sidenten im Deutschen Bundestag am 25. September 2001. Mehr als viele Worte sagte ein Blick auf die Regierungsbank. Putin hatte gerade vorgeschlagen, die Potenziale Russlands mit denen der anderen Teile Europas zu vereinigen. Diese Botschaft l&ouml;ste entsetzte, nachdenkliche bis uninteressierte Gesichter auf der Regierungsbank aus. Der damalige Au&szlig;enminister Joschka Fischer und Innenminister Otto Schily sahen aus, als sei ihnen nicht ein zukunftsf&auml;higes Angebot, sondern eine schlechte und obendrein langweilige Nachricht &uuml;bermittelt worden. Sie schauten abweisend und betroffen drein. Sie kannten vermutlich die Hintergr&uuml;nde der neuen Konfrontation. (Die volle Aufzeichnung der Rede <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=DVTsD0pl2zY\">findet sich hier<\/a>)<\/p><p>Die verschiedenen Misstrauensbekundungen zwischen 1990 und 2007 f&uuml;hrten dann dazu, dass der russische Pr&auml;sident bei einer anderen Gelegenheit, auf der M&uuml;nchner Sicherheitskonferenz 2007, eine eher abweisende Rede hielt. Das war die Rede eines entt&auml;uschten Liebhabers, der seine Konsequenzen aus der Zur&uuml;ckweisung zieht. Sp&auml;testens hier h&auml;tte die deutsche Seite aufmerken m&uuml;ssen, wenn sie die Interessen Deutschlands wahrnehmen w&uuml;rde, statt den Vorgaben aus den USA hinterherzulaufen. <\/p><p>Dann kam es laufend zu weiteren Provokationen: Der deutsche Au&szlig;enminister Steinmeier beteiligte sich im Februar 2014 an der Verabredung mit dem Pr&auml;sidenten der Ukraine, Wiktor Janukowitsch, und hat sich dann, unter dem Eindruck der Scharfsch&uuml;tzen-Sch&uuml;sse auf dem Maidan, nicht f&uuml;r die Umsetzung der Vereinbarung engagiert. Jeder aufmerksame Beobachter musste davon ausgehen, dass der deutsche Au&szlig;enminister zusammen mit dem franz&ouml;sischen und dem polnischen Kollegen, die bei den Gespr&auml;chen mit dabei waren, unter einer Decke steckte und damit den Putsch gegen den Pr&auml;sidenten, der die Zusammenarbeit mit Russland aufrechterhalten wollte, unterst&uuml;tzte.<\/p><p>Deutschland hat es zugelassen, dass auf seinem Territorium Truppenverschiebungen gr&ouml;&szlig;eren Ausma&szlig;es in die N&auml;he der russischen Grenze vorgenommen werden. Selbst die Bundeswehr hat sich daran beteiligt. Die Deutschen, an vorderster Front Bundesverteidigungsministerin von der Leyen, haben der US-Forderung nach Erh&ouml;hung der R&uuml;stungsausgaben zugestimmt, und sie werben in der gleichen Weise f&uuml;r das Milit&auml;r als Garant der Sicherheit. Verabredet war Abr&uuml;stung, jetzt wird aufger&uuml;stet, und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass dahinter die Strategie steckt, die Russen totzur&uuml;sten. So wird es jedenfalls auf russischer Seite empfunden werden.<\/p><p>Die deutsche Regierung hat die von den USA auferlegten Sanktionen mitgemacht. Ohne R&uuml;cksicht auf fr&uuml;here Abreden, den Handel und gegenseitige Investitionen auszubauen, sogar ohne R&uuml;cksicht auf die eigenen wirtschaftlichen Interessen.<\/p><p>Auch beim verabredeten Bau des &raquo;Nord Stream 2&laquo;-Projektes wackelt die deutsche Seite bedrohlich.<\/p><p>Russische Journalisten und russische Medien werden in Deutschland stiefm&uuml;tterlich bis feindselig behandelt. Ich habe den Umgang mit russischen Journalisten in der Zeit des Kalten Krieges und der begonnenen Entspannungspolitik in Bonn erlebt. Einer der wichtigen Vertreter russischer Medien war Mitglied unserer Volleyballmannschaft. Ich war zu jener Zeit Leiter der Planungsabteilung im Bundeskanzleramt und war nicht angehalten, Ber&uuml;hrungs&auml;ngste zu haben, im Gegenteil: Niemand w&auml;re damals auf die Idee gekommen, einem russischen Sender ein Studio zu verweigern, wie das jetzt mit RT Deutsch praktiziert wurde.<\/p><p>Die Fu&szlig;ballweltmeisterschaft ist ein eigenes neues Kapitel, genauso wie vorherige Olympiaden. Da wurde unterstellt, dass Russland diese Weltmeisterschaft nur mache, um sein Image aufzupolieren. Es wurde immer wieder darauf hingewiesen, den Russen gehe es schlecht und sie seien nicht besonders gastfreundlich. Andere Erfahrungen wurden dann mit Erstaunen und Misstrauen begleitet. Unter deutschen Medienschaffenden gibt es einen Russenhass, der einem am Charakter der betreffenden Journalisten zweifeln l&auml;sst.<\/p><p>Russland wird vom Westen immer wieder unterstellt, sie h&auml;tten in Syrien mit dem Krieg angefangen und den Giftanschlag von Salisbury veranlasst. &Uuml;berall werden sie als Misse- und &Uuml;belt&auml;ter dargestellt. Feindbildaufbau und Konfrontation statt Ann&auml;herung scheint heute offensichtlich das Gebot der Stunde zu sein.<\/p><p>Anzunehmen, dass diese st&auml;ndigen Misstrauensbekundungen und Unterstellungen und Feindseligkeiten ohne Reaktion bleiben, ist naiv. Wenn die Feindseligkeiten weitergehen, dann wird ein Wandel zum Schlechteren stattfinden. <\/p><p>Man sp&uuml;rt es schon. Bei einem Interview mit einer jungen russischen Journalistin zum Thema Au&szlig;enpolitik war deutlich zu sp&uuml;ren, dass eine Trotzreaktion ins Haus steht. Verletzter Stolz ist der emotionale Treibstoff beim Aufbau neuer Konfrontation. So wird der Westen mit seinem Verhalten dazu beitragen, dass es in Russland einen Wandel zum Schlechteren gibt: weniger Gastfreundschaft, weniger freundliche und freundschaftliche Gef&uuml;hle gegen&uuml;ber den Deutschen, Offenheit f&uuml;r nationalistische und militaristische Gruppen. Es ist der helle Wahnsinn. Das ist das Gegenteil einer produktiven sch&ouml;pferischen Strategie, es ist eine Strategie, die zum t&ouml;dlichen Wandel f&uuml;hren kann.<\/p><p>Dieser Wandel wird vermutlich bei verschiedenen Gruppen und Schichten der russischen Gesellschaft eintreten, nicht nur bei den nationalistisch gesonnenen Zeitgenossen und deren Organisationen, auch bei intelligenten, aufgeschlossenen Menschen. <\/p><p>Fangen wir mit den Nationalisten an. Wie der Westen insgesamt und insbesondere auch Deutschland mit Russland umgehen, das ist Wasser auf die M&uuml;hlen der Nationalisten in Russland. Wenn man vom Clash der Zivilisationen reden oder fantasieren will, hier wird der Weg dazu vorbereitet. Sie fanden die Freundlichkeit und Zugest&auml;ndnisse Michail Gorbatschows gegen&uuml;ber dem Westen schon unertr&auml;glich. Dann erlebten sie, wie Jelzin &ndash; n&uuml;chtern oder im Suff &ndash; ihr Land und ihre Ressourcen zu verscherbeln drohte, angetrieben durch andere im Hintergrund und beraten durch US-amerikanische Wirtschaftsfachleute. Und dann erlebten sie, dass auch Putin auf den Westen zuging, zum Beispiel mit seiner Rede vor dem Deutschen Bundestag. Jetzt k&ouml;nnen sie mit Befriedigung feststellen, dass Putins Freundlichkeit und Zugest&auml;ndnisse nicht honoriert worden sind. Das k&ouml;nnen sie nutzen, und das werden sie nutzen, und das f&uuml;hrt dazu, dass diese Gruppierungen gest&auml;rkt werden. Und das macht gegenw&auml;rtig und k&uuml;nftig eine Verst&auml;ndigung schon ein ganzes St&uuml;ck schwieriger. Der oft beschworene Clash steht de facto ins Haus.<\/p><p>Auch in Kreisen von Menschen, die eigentlich aufgeschlossen sind f&uuml;r die westliche Kultur und die deshalb auch gro&szlig;e Sympathien f&uuml;r die freundlichen Zugest&auml;ndnisse und das Werben von Putin hatten, wird die Konfrontation eine trotzige Reaktion ausl&ouml;sen. Ich versetze mich in die Lage dieser Menschen, die mir mental und kulturell nahestehen und deren Gef&uuml;hlswelt ich deshalb gut einsch&auml;tzen kann. Ich h&auml;tte mich mit ihnen &uuml;ber Jelzins Ausverkauf emp&ouml;rt und w&auml;re deshalb froh gewesen, dass Putin die russischen Interessen wieder zusammenhielt und auf den Westen zuging. Aber dann musste diese Gruppe beobachten, dass der Westen von Demokratie und Meinungsfreiheit redet, stattdessen aber eine Propagandamaschinerie aufbaut und laufen l&auml;sst, die rassistischen und faschistischen Charakter hat und an die Gleichschaltung der Medien durch die Nazis erinnert.<\/p><p>Wenn ich ein Mitglied dieser aufgeschlossenen liberalen Gruppierung in Russland w&auml;re, dann h&auml;tte ich mich dar&uuml;ber gefreut, dass nach dem wirtschaftlichen Niedergang, versehen mit allen Konsequenzen wie hoher Selbstmordrate und niedriger Lebenserwartung, mit Putin eine deutliche Wende eingetreten ist. Ich h&auml;tte mich dar&uuml;ber gefreut, dass es in Russland wirtschaftlich einigerma&szlig;en aufw&auml;rtsgeht. Aber dann erlebe ich, wie der Westen mit seinen Sanktionen diesen &ouml;konomischen Fortschritt zu st&ouml;ren und zu zerst&ouml;ren versucht, und ich w&uuml;rde erkennen, dass diese Politik gerade zu Lasten der Menschen geht, denen es nicht gut geht. Ich m&uuml;sste feststellen: Der Westen genie&szlig;t es, wenn es uns schlecht geht. Er nimmt sogar wirtschaftliche Nachteile hin, um es uns schlecht ergehen zu lassen. Der Westen und speziell Deutschland haben Menschen in Russland wehgetan, weil sie deren F&uuml;hrungspersonen bestrafen wollten. Und sie haben die ausgestreckte Hand zur&uuml;ckgewiesen. Das verletzt auch den kleinen Stolz von Menschen, die weder zum nationalistischen noch zum doktrin&auml;ren noch zum dogmatisch-religi&ouml;sen Lager geh&ouml;ren. Das linksliberale oder linke Lager wird durch die neue Konfrontation zum Wandel zum Schlechteren gezwungen.<\/p><p>D&uuml;mmer kann Politik eigentlich nicht sein.<\/p><p><strong>B. Inhalt<\/strong><\/p><p><strong>Adelheid Bahr:<\/strong> Vorwort<\/p><p><strong>Egon Bahr:<\/strong> Verantwortungspartnerschaft mit Moskau und Washington-Rede anl&auml;sslich der Verleihung des Dr. Friedrich Joseph Haass-Preises 2015<\/p><p><strong>Egon Bahr:<\/strong> Am Abgrund &ndash; Beitrag zur Buchpr&auml;sentation von Wilfried Scharnagl, Moskau 21.07.2015<\/p><p><strong>Wolfgang Bittner:<\/strong> Russland geh&ouml;rt zur europ&auml;ischen Familie &ndash; Was um Himmels willen treibt Deutschland gegen Russland?<\/p><p><strong>Peter Brandt:<\/strong> Deutschland, Russland und Europa<\/p><p><strong>Mathias Br&ouml;ckers:<\/strong> Der Kampf um die &raquo;Weltinsel&laquo; &ndash; Das aktuelle Russland-Bashing und die hysterische Putin-Phobie<\/p><p><strong>Daniela Dahn:<\/strong> Von Egon Bahr lernen hei&szlig;t verstehen lernen<\/p><p><strong>Friedrich Dieckmann:<\/strong> Ratloses Erschrecken &ndash; zum Stand der deutsch-russischen Beziehungen<\/p><p><strong>Frank Elbe:<\/strong> Zum Umgang mit Russland&nbsp;&ndash; R&uuml;ckkehr zu bew&auml;hrten Strategien<\/p><p><strong>Justus Frantz:<\/strong> Deutschland muss Vorbild sein f&uuml;r friedliche und freundschaftliche Beziehungen zu Russland<\/p><p><strong>Sigmar Gabriel:<\/strong> Wandel durch Ann&auml;herung &ndash; Zur Aktualit&auml;t der Rede Egon Bahrs vor 55&nbsp;Jahren in Tutzing<\/p><p><strong>Peter Gauweiler:<\/strong> Ein anderer Umgang mit Russland ist n&ouml;tig<\/p><p><strong>Richard Kiessler:<\/strong> Wider die &raquo;galoppierende Entfremdung&laquo;<\/p><p><strong>Gabriele Krone-Schmalz:<\/strong> &raquo;Warum wir Frieden und Freundschaft mit Russland brauchen&laquo;<\/p><p><strong>Wolfgang Kubicki:<\/strong> Frieden in Europa ist es wert, sich der M&uuml;he des Ausgleichs zu unterziehen<\/p><p><strong>Harald Kujat:<\/strong> Mut zum Ausgleich<\/p><p><strong>Oskar Lafontaine:<\/strong> Zeit f&uuml;r eine neue Entspannungspolitik &ndash; Warum Frieden und Zusammenarbeit mit Russland im europ&auml;ischen Interesse sind<\/p><p><strong>Albrecht M&uuml;ller:<\/strong> T&ouml;dlicher Wandel durch Konfrontation &ndash; Was uns vermutlich ins Haus steht<\/p><p><strong>Matthias Platzeck:<\/strong> Zur&uuml;ck zu politischer Vernunft &ndash; Deutschland muss endlich Initiative f&uuml;r ein sicheres Europa ergreifen<\/p><p><strong>Herwig Roggemann:<\/strong> Russlands Raum im Europ&auml;ischen Haus? Anmerkungen zur deutschen Russlandpolitik<\/p><p><strong>Florian R&ouml;tzer:<\/strong> US-Au&szlig;enminister James Baker: &raquo;Keinen Inch weiter nach Osten&laquo; &ndash; Die Eskalation des Konflikts mit Russland wurde von den USA und der NATO systematisch betrieben<\/p><p><strong>Evgeniya Sayko und Andr&eacute; Schmitz-Schwarzkopf:<\/strong> Zuh&ouml;ren, annehmen, verstehen &ndash; Junge, neue Wege f&uuml;r eine deutsch-russische Verst&auml;ndigung<\/p><p><strong>Hans-Joachim Spanger:<\/strong> Vom &raquo;Liberalen&laquo; zum &raquo;Pluralen&laquo; Frieden &ndash; Pl&auml;doyer f&uuml;r eine neue Entspannungspolitik<\/p><p><strong>Antje Vollmer:<\/strong> Egon Bahr&nbsp;&ndash; Eine unbestrittene Autorit&auml;t<\/p><p><strong>Konstantin Wecker:<\/strong> &raquo;Ich kann diese Verlogenheit nicht mehr ertragen&laquo;<\/p><p><strong>Willy Wimmer:<\/strong> Es ist &raquo;Tauroggen&laquo;, Dummkopf!<\/p><p><strong>Detlef Prinz:<\/strong> Statt eines Nachwortes: Ein trauriges Protokoll&nbsp;&ndash; das trotzdem Mut machen soll!<\/p><p><strong>Die Autoren<\/strong><\/p><p><strong>Anmerkungen<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><a href=\"https:\/\/www.westendverlag.de\/buch\/warum-wir-frieden-und-freundschaft-mit-russland-brauchen\/\">Warum wir Frieden und Freundschaft mit Russland brauchen<\/a><br>\nBibliografische Angaben: 208 Seiten, Klappenbroschur, 18 &euro; &ndash; erschienen im Westend Verlag<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/181002_am.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Das ist das Thema meines Beitrags in dem gerade neu erschienenen Buch <a href=\"https:\/\/www.westendverlag.de\/buch\/warum-wir-frieden-und-freundschaft-mit-russland-brauchen\/\">&bdquo;Warum wir Frieden und Freundschaft mit Russland brauchen&ldquo;<\/a>. Au&szlig;er meinem Beitrag (A.) h&auml;nge ich auch noch eine &Uuml;bersicht (B.) &uuml;ber die verschiedenen Autoren und die Themen ihrer Beitr&auml;ge an. Interessante Texte.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46344\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,35,170,11,14],"tags":[398,797,329,1987,1585,2013,401,1458,1268,2301,2249,1322,330,300,835,466,397,1723,915,1367,1245,259,252,260,2334,626,446,2181,1089,1019],"class_list":["post-46344","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-aufbau-gegenoeffentlichkeit","category-friedenspolitik","category-strategien-der-meinungsmache","category-veroffentlichungen-der-herausgeber","tag-bahr-egon","tag-bittner-wolfgang","tag-brandt-willy","tag-broeckers-mathias","tag-dahn-daniela","tag-entspannungspolitik","tag-gabriel-sigmar","tag-gauweiler-peter","tag-kalter-krieg","tag-konfrontationspolitik","tag-krone-schmalz-gabriele","tag-kubicki-wolfgang","tag-lafontaine-oskar","tag-mueller-albrecht","tag-nationalismus","tag-nato","tag-ostpolitik","tag-platzeck-matthias","tag-putin-wladimir","tag-ruestungsausgaben","tag-russia-today","tag-russland","tag-steinmeier-frank-walter","tag-ukraine","tag-vollmer-antje","tag-von-der-leyen-ursula","tag-wecker-konstantin","tag-wettruesten","tag-wimmer-willy","tag-wirtschaftssanktionen"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/46344","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=46344"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/46344\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":46354,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/46344\/revisions\/46354"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=46344"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=46344"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=46344"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}