{"id":46425,"date":"2018-10-08T11:11:20","date_gmt":"2018-10-08T09:11:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46425"},"modified":"2018-10-08T13:43:59","modified_gmt":"2018-10-08T11:43:59","slug":"stuttgart21-debatte-kombibahnhof-versus-umstieg21-ein-leserbrief-und-eine-antwort-von-winfried-wolf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46425","title":{"rendered":"Stuttgart21-Debatte \u201eKombiBahnhof\u201c  versus \u201eUmstieg21\u201c. Ein Leserbrief und eine Antwort von Winfried Wolf."},"content":{"rendered":"<p>Zum Artikel von <strong>Winfried Wolf<\/strong> &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46334\">Schienenverkehrsverhinderungspolitik<\/a>&ldquo; vom 2. Oktober erhielten wir eine kritische Lesermail von <strong>Volker Schmid<\/strong>. Winfried Wolf antwortet darauf ausf&uuml;hrlich. Es geht dabei um die Spaltung des Widerstandes gegen Stuttgart 21 und um zwei verschiedene Konzepte f&uuml;r den Umstieg. Es geht dabei auch um die aus Winfried Wolfs Sicht zwielichtige Rolle des BUND. Der &bdquo;Scheinkompromiss der Umweltorganisation BUND&ldquo; wirkt nach Meinung von Wolf wie ein Entlastungsangriff f&uuml;r die Deutsche Bahn AG angesichts des S21-Desasters. &ndash; Wir geben diese Debatte wieder, obwohl sie ein spezielles Thema betrifft. Aber zum einen sind vermutlich viele Leserinnen und Leser der NachDenkSeiten mit Umweltorganisationen verbunden, zum andern f&uuml;hrt die Verkehrspolitik v&ouml;llig zu Unrecht ein k&uuml;mmerliches Dasein. Dem m&ouml;chten wir entgegenwirken. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><\/p><ol type=\"A\">\n<li><strong>Mail Volker Schmid vom 4.10.2018<\/strong>\n<p>Liebe NDS-Redaktion, <\/p>\n<p>hier ein Leserbrief zum Artikel &ldquo;Schienenverkehrsverhinderungspolitik&rdquo; vom 2.10.18, 9:13, der (gerne unter Nennung meines Namens) auf den NDS ver&ouml;ffentlicht werden darf. <\/p>\n<p>Zun&auml;chst eine Anregung bzw. Bitte:<br>\nIch kann mir vorstellen, dass es gro&szlig;e M&uuml;he macht, zu allen pr&auml;sentierten Informationen Belege\/Quellen anzugeben, aber ich freue mich &uuml;ber jede Quellenangabe (gerade auch zu Zitaten), denn f&uuml;r die NDS bzw. den jeweiligen Autor ist es ein einmaliger Aufwand, w&auml;hrend im Fall einer fehlenden Quellenangabe alle Leser, die einer Sache nachgehen m&ouml;chten, unabh&auml;ngig voneinander denselben Rechercheaufwand betreiben m&uuml;ssen &ndash; und vielen davon fehlt die n&ouml;tige Zeit\/Energie, ganz zu schweigen von der Verschwendung an Ressourcen wie Energie. Au&szlig;erdem w&auml;re es unabh&auml;ngig von jeder Eigenrecherche gut zu wissen, auf welche Quellen\/Belege sich ein Autor nun genau st&uuml;tzt, denn auch wenn man als Leser selbst die m&ouml;gliche Quellen aufgesp&uuml;rt hat, bleibt immer ein Zweifel, ob es wirklich die ist, auf die sich der Autor bezieht. <\/p>\n<p>Au&szlig;erdem m&ouml;chte ich anregen, differenzierter zu berichten\/beurteilen. Beispielsweise was den BUND betrifft. Hier habe ich mir mal die M&uuml;he gemacht, herauszufinden, aus welcher Quelle das BUND-Zitat (&ldquo;Alle Vertr&auml;ge [bei Stuttgart 21; W.W.] sind aufgrund unfertiger Planungen&hellip;&rdquo;) stammen k&ouml;nnte. Ich habe das folgende <a href=\"https:\/\/www.bund-bawue.de\/fileadmin\/bawue\/Dokumente\/Themen\/Stuttgart_21\/S21_Neupositionierung_BUND_Positionspapier.pdf\">neunseitige Positionspapier gefunden<\/a>.<\/p>\n<p>Bei n&auml;herer Lekt&uuml;re erkennt man, dass der BUND nicht daf&uuml;r eintritt, dass S21 einfach weitergebaut werden m&uuml;sse. Zwar hei&szlig;t es in Ihrem Artikel &ldquo;Schienenverkehrsverhinderungspolitik&rdquo; nicht explizit, der BUND bef&uuml;rworte ein Weiterbauen ohne Plan&auml;nderung, aber implizit wird dem Leser diese Botschaft vermittelt.* Hier zwei Beispiele aus dem BUND-Positionspapier, die zeigen, dass es (wie so oft) nicht so einfach ist. <\/p>\n<ol>\n<li>Nach der Auflistung von Gr&uuml;nden, warum der BUND einen Baustopp f&uuml;r nicht realistisch betrachtet, ist zu lesen:<br>\n<blockquote><p>\n&ldquo;Noch aber bieten sich Chancen, das Projekt in Teilen abzuspecken und in Teilen zu erg&auml;nzen, um den innerst&auml;dtischen Bahnknoten so leistungsf&auml;hig zu gestalten, dass m&ouml;glichst viel Verkehr von der Stra&szlig;e auf die Schiene verlagert werden kann. Der Zeitpunkt hierf&uuml;r ist g&uuml;nstig, denn der Realisierungsstand beim eigentlichen Tiefbahnhof erlaubt noch weitgehende planerische Modifizierungen; am Flughafen und am geplanten Abstellbahnhof in Untert&uuml;rkheim wird noch gar nicht gebaut.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote>\n<\/li>\n<li>Es ist auch von einem &ldquo;Teilerhalt des Kopfbahnhofes&rdquo; die Rede.\n<p>Viel interessanter als die undifferenzierte Aussage, der BUND sage &ldquo;JETZT ist es f&uuml;r einen Baustopp zu sp&auml;t. JETZT m&uuml;ssen wir weiterbauen.&rdquo;, w&auml;re f&uuml;r mich eine Gegen&uuml;berstellung verschiedener Alternativkonzepte wie etwa dem Stuttgart21-KombiBahnhof-Konzept des BUND und &ldquo;Umstieg 21&rdquo;. Ich habe mich mal an einem bescheidenen und sehr punktuellen Anfang versucht und beziehe mich im Folgenden auf das oben verlinkte BUND-Positionspapier und die Umstieg-21-Brosch&uuml;re, <a href=\"https:\/\/www.umstieg-21.de\/broschuere.html%20\">die hier online verf&uuml;gbar ist<\/a>.<\/p><\/li>\n<\/ol>\n<ol type=\"A\">\n<li>Thema St&auml;dtebau\n<p>BUND: <\/p>\n<blockquote><p>\n&ldquo;Bei einem Verbleib von Kopfbahnhof-Bahnsteiggleisen und entsprechenden oberirdischen Zu- und Abfahrtsgleisen Richtung Nordbahnhof und Bad Cannstatt bestehen immer noch gro&szlig;e Fl&auml;chenpotentiale, um dringend notwendige innerst&auml;dtische Wohngebiete zu realisieren.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Umstieg 21: <\/p>\n<blockquote><p>\n&ldquo;Bei einem Umstieg kann das Areal [am Nordbahnhof] sofort freiger&auml;umt werden und unmittelbar mit einem Planungs- und Beteiligungsprozess f&uuml;r ein vision&auml;res, urbanes Quartier begonnen werden: Sofort und nicht erst in 10 bis 15 Jahren kann mit einer moderaten Wohnbebauung f&uuml;r den jetzt dr&auml;ngenden Wohnungsmangel begonnen (&hellip;) werden.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote>\n<p>=&gt;Hier meine ich eine &Auml;hnlichkeit der beiden Konzepte zu erkennen.<\/p><\/li>\n<li>G&auml;ubahn\n<p>BUND: <\/p>\n<blockquote><p>\n&ldquo;G&auml;ubahn nicht &uuml;ber Flughafen f&uuml;hren; Umsteigedrehscheibe Regionalbahnhof Vaihingen kurzfristig realisieren.&rdquo; (Einer der Punkte im Abschnitt &ldquo;Kostenreduzierung durch &bdquo;Abspecken&ldquo; der bisherigen Konzeption&rdquo;)\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Umstieg 21:<\/p>\n<blockquote><p>\n&ldquo;Express-S-Bahn, mit der man auf der G&auml;ubahntrasse in 20 Minuten vom HBF zum Flughafen gelangen w&uuml;rde &ndash; ohne weitere Baukosten und zu einem Viertel der Bahnticketkosten des ICE-Tarifs&rdquo;\n<\/p><\/blockquote>\n<p>=&gt;Hier scheint es widerspr&uuml;chliche Vorstellungen zu geben. Wie attraktiv man die Anbindung an einen Flughafen unbedingt machen muss (eingedenk des Beitrags des Flugverkehrs zur Umweltproblematik) &ndash; vielleicht hat der BUND hier einfach einen anderen Orientierungsrahmen. <\/p><\/li>\n<li>Kapazit&auml;t\n<p>BUND:<br>\nAls eine von vielen aufgelisteten &ldquo;Korrekturen am Projekt Stuttgart 21&rdquo; wird genannt: &ldquo;Verdoppelung der Kapazit&auml;ten im Nah- und Fernverkehr gegen&uuml;ber heute &ndash; das ist Berechnungen zufolge die Voraussetzung, um den Autoverkehr in Stuttgart um 20 % reduzieren zu k&ouml;nnen.&rdquo; <\/p>\n<p>Umstieg 21:<br>\nHier wird hervorgehoben, dass der bestehende Kopfbahnhof eine gr&ouml;&szlig;ere Kapazit&auml;t habe als S21 nach gegenw&auml;rtiger Planung. An verschiedenen Stellen wird deutlich, dass Erh&ouml;hungen der Bahn-Kapazit&auml;ten als wichtig betrachtet werden. <\/p>\n<p>=&gt;Offensichtlich teilen beide Positionen das Ziel der Erh&ouml;hung von Kapazit&auml;ten, z.B. um mehr Reisende vom Individual-Pkw-Verkehr auf die Schiene zu bringen. Beim BUND-Konzept kann man jedenfalls auch nicht von einem simplen &ldquo;Weiter so&rdquo; sprechen.<\/p><\/li>\n<li>Gegenseitiger Bezug \/ Austausch\n<p>Ich bin nicht sicher, welche der beiden Schriften die j&uuml;ngere ist und damit theoretisch die M&ouml;glichkeit gehabt h&auml;tte, sich auf die jeweils andere zu beziehen. Die Erstellungsdatumsangaben in den Metadaten der PDF-Dateien lassen vermuten, dass das BUND-Papier das um ca. zwei Jahre j&uuml;ngere ist. Auch wenn man die Phase der Erarbeitung miteinbeziehen sollte, gehe ich jetzt einmal vorsichtig von der Annahme aus, dass eher die BUND-Autoren sich auf Umstieg 21 h&auml;tten beziehen k&ouml;nnen als umgekehrt.<br>\nDas BUND-Konzept macht mir, wenn ich die Begr&uuml;ndungen gegen einen Baustopp durchlese, den Eindruck, dass ein Alternativkonzept wie Umstieg 21 den Verfassern entweder nicht bekannt war oder sie es nicht als sinnvolle Alternative anerkannten &ndash; im letzteren Fall w&auml;re interessant, warum. Wenn ich die Zeit finde, schreibe ich auch eine E-Mail an den BUND.<br>\nIn jedem Fall hoffe ich eher auf konstruktiven Austausch zwischen Stuttgart21-Kritikern, die Alternativkonzepte entworfen haben, anstatt (zumindest in der verk&uuml;rzten Form im NDS-Artikel &ldquo;Schienenverkehrsverhinderungspolitik&rdquo;) undifferenzierter Ablehnungen, die den BUND beim Leser in einem unangemessen schlechten Licht erscheinen lassen k&ouml;nnen. <\/p><\/li>\n<\/ol>\n<p>Noch eine Frage zu folgender Stelle: <\/p>\n<blockquote><p>\n&ldquo;Diese Dame und diese Herren sind auf die weitere Alimentierung durch Staatsknete und auf eine weitere Hofierung durch die Herrschenden versessen.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Ist damit auch der BUND gemeint? Wenn ja, w&auml;re ich an einer Erkl&auml;rung interessiert, inwiefern der BUND auf &ldquo;Alimentierung durch Staatsknete (&hellip;) versessen&rdquo; sein soll. Da fehlt mir wohl eine wichtige Information. <\/p>\n<p>* Zum Thema vermittelte Botschaften: Auf den NDS lese ich immer wieder interessante Hinweise zu Methoden von Propaganda, Meinungsmache etc., und gleichzeitig habe ich manchmal den Eindruck, dass die auf den NDS ver&ouml;ffentlichten Artikel zum Teil selbst eine Revision vor dem Hintergrund solcher Methoden vertragen k&ouml;nnten. Mein n&auml;chster Gedanke ist, dass einige solcher &ldquo;Methoden&rdquo; bestimmt auch mal unbewusst bzw. unbeabsichtigt angewendet werden &ndash; man ist ja schlie&szlig;lich auch nur ein Mensch. So m&ouml;chte ich wohlwollend bez&uuml;glich auf den Artikel &ldquo;Schienenverkehrsverhinderungspolitik&rdquo; genau das annehmen: dass hier z.B. nicht gezielt der BUND in Misskredit gebracht werden sollte. Dann frage ich mich aber, ob die NDS manchmal vielleicht bei der Kritik von Beitr&auml;gen in den Mainstream-Medien fairerweise auch etwas wohlwollender vorgehen sollten&hellip; <\/p>\n<p>Viele Gr&uuml;&szlig;e<br>\nVolker Schmid<\/p><\/li>\n<li><strong>Antwort Winfried Wolf vom 8.10.2018<\/strong>\n<p><strong>Stuttgart21-Debatte &bdquo;KombiBahnhof&ldquo;  versus &bdquo;Umstieg21&ldquo;<\/strong><\/p>\n<p><strong>&Uuml;ber den Scheinkompromiss der Umweltorganisation BUND, der wie ein Entlastungsangriff f&uuml;r die Deutsche Bahn AG beim S21-Desaster wirkt<\/strong><\/p>\n<p><em>Winfried Wolf<\/em><\/p>\n<p>Die Nachdenkseiten-Redaktion hat mir die kritischen Anmerkungen von Volker Schmid zu meiner Rede, die ich am 29. September auf der Stuttgarter Demonstration zum Jahrestag des &ldquo;Schwarzen Donnerstags&rdquo; und zu Stuttgart 21 hielt und die unter dem Titel &bdquo;Schienenverkehrsverhinderungspolitik&ldquo; auf den NDS ver&ouml;ffentlicht wurde, &uuml;bermittelt.<\/p>\n<p>Ganz offensichtlich hat sich V. Schmid intensiv mit dem Thema befasst und sich bem&uuml;ht, die Positionen des BUND und des Aktionsb&uuml;ndnisses gegen Stuttgart 21 bzw. von Umstieg21 nachzuvollziehen und zu vergleichen.<\/p>\n<p>Ich mache dann meinerseits mir die M&uuml;he, auf alle vorgetragenen Argumente einzugehen. Ich tat dies recht umfangreich &ndash; auch deshalb, weil die in der Zuschrift angesto&szlig;ene Debatte &uuml;ber den BUND und Stuttgart21 grunds&auml;tzlicher Art ist. Schlie&szlig;lich ist ein erheblicher Teil der gr&uuml;nen Szene in Stuttgart und Baden-W&uuml;rttemberg dabei tangiert.<\/p>\n<p><strong>Die Spaltung des Widerstands gegen Stuttgart 21 fand vor viereinhalb Jahren statt<\/strong><\/p>\n<p>Der Landesverband Baden-W&uuml;rttemberg des BUND war bis Januar 2014 Teil des Aktionsb&uuml;ndnisses gegen Stuttgart 21. Wenn Frau Dahlbender vom BUND j&uuml;ngst sagte: &ldquo;Wir waren strikt gegen S21, dann haben wir schweren Herzens das Ergebnis der Volksabstimmung akzeptiert, uns aber weiter kritisch gemeldet. Jetzt haben wir unsere Position &uuml;berdacht&rdquo;, dann ist das erheblich irref&uuml;hrend.[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] Gerhard Pfeifer, Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer des Regionalverbands des BUND Stuttgart, formulierte das im gleichen Interview noch deutlicher; er sagte: &bdquo;Unsere Mitglieder akzeptierten nach der Volksabstimmung, dass wir die vorderste Front des Widerstands aufgegeben hatten.&ldquo; <\/p>\n<p>Nun fand die Volksabstimmung am 27. November 2011 statt. Danach blieb der BUND noch gut zwei Jahre Mitglied im Aktionsb&uuml;ndnis gegen Stuttgart 21. Dieses f&uuml;hrte durchgehend u.a. die Montagsdemos gegen S21 durch und unterhielt die im Sommer 2010 eingerichtete Mahnwache gegen S21. Das Konto des Aktionsb&uuml;ndnisses zur Finanzierung der Aktivit&auml;ten gegen S21 wurde sogar als Unterkonto des BUND gef&uuml;hrt. Das hei&szlig;t, trotz Volksabstimmung gab es mehr als zwei Jahre lang die &Uuml;bereinstimmung, dass am grunds&auml;tzlichen &bdquo;Nein&ldquo; zu S21 festzuhalten sei.<\/p>\n<p>Dann, im Januar 2014, trat der BUND (Baden-W&uuml;rttemberg) zusammen mit dem VCD (BW) und Pro Bahn (BW) aus dem Aktionsb&uuml;ndnis aus. Damit traten alle den Gr&uuml;nen nahestehenden Umweltverb&auml;nde bzw. Frau Dahlbender als BUND-Landesvorsitzende, die SPD-Mitglied ist, aus dem Aktionsb&uuml;ndnis aus. <\/p>\n<p>Seither &ndash; also nunmehr seit mehr als viereinhalb Jahren &ndash; unterst&uuml;tzen diese Verb&auml;nde und deren f&uuml;hrende Vertreter den aktiven Widerstand gegen das Projekt Stuttgart 21 (wie er u.a. mit den Montagsdemos und der Mahnwache zum Ausdruck kommt) nicht mehr.<\/p>\n<p>Es ist eine Irref&uuml;hrung der &Ouml;ffentlichkeit, es sind im Neusprech fake-news, davon zu sprechen, dass man &ldquo;jetzt&rdquo; &ndash; im September 2018 &ndash; die &ldquo;Position &uuml;berdacht&rdquo; habe. In den gut vier Jahren von Februar 2014 bis September 2018 gab es seitens des BUND (Baden-W&uuml;rttemberg) keine grunds&auml;tzliche Kritik mehr an Stuttgart 21, wenn man mal von Aspekten des Artenschutzes (Juchtenk&auml;fer, Eidechsen usw.) und allgemeiner Kritik an Kostensteigerungen absieht. Es ist objektiv falsch und es wird seitens des grunds&auml;tzlich sehr gut informierten Redakteurs, der das Dahlbender-Pfeifer-Interview f&uuml;hrte, gezielt falsch dargestellt, wenn es dort hei&szlig;t: &bdquo;Zwei Jahrzehnte lang hat sich der Verband [der BUND; W.W.] gegen das Milliardenprojekt gewehrt. Nun wirft er das Handtuch.&ldquo; Im &bdquo;Badischen Tagblatt&ldquo;, wo man ohne Zweifel nicht so nah am Thema dran ist, werden dann solche fake-news m&ouml;glicherweise unbewusst zugespitzt, so wenn es dort hei&szlig;t: &bdquo;Mit dem BUND hat erstmals eine gro&szlig;e Gruppe von Gegnern des umstrittenen Tiefbahnhofs den Stand der Dinge akzeptiert.&ldquo;[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] Es sei wiederholt: Diesen Bruch gab es vor gut vier Jahren; es gibt ihn nicht aktuell.<\/p>\n<p>Das Aktionsb&uuml;ndnis gegen Stuttgart21&ndash; einerseits geschw&auml;cht durch den beschriebenen Weggang, andererseits gest&auml;rkt durch einige Neuzug&auml;nge &ndash; setzte auch nach Januar 2014 und setzt bis heute diesen grunds&auml;tzlichen Widerstand gegen das Monsterprojekt fort. Dieser Widerstand wird im Wesentlichen mit den Argumenten fortgesetzt, die bis Januar 2014 auch vom BUND (und der gr&uuml;nen Szene) vorgebracht wurden. Im Rahmen&nbsp; dieses Widerstands entwickelte dieses Aktionsb&uuml;ndnis die Konzeption &ldquo;Umstieg21&rdquo;. Diese Konzeption wurde im Juli 2016, also zwei Jahre VOR der aktuellen BUND-Position pro KombiBahnhof, &ouml;ffentlich vorgestellt. Das Projekt &ldquo;Umstieg21&rdquo; wurde dar&uuml;ber hinaus Anfang 2018 von ihren Verfassern, die Teil des Aktionsb&uuml;ndnisses gegen Stuttgart 21 sind, aktualisiert. Und nat&uuml;rlich kannte der BUND diese Konzeption; sie wurde &ouml;ffentlich vorgestellt; die entsprechende Brosch&uuml;re erschien in mehreren Auflagen und wurde &ouml;ffentlich vielfach debattiert. Es ist Teil dieser fake-news, wenn die BUND-Leute so tun, als w&uuml;rden sie die Konzeption &bdquo;Umstieg21&ldquo; nicht kennen. Oder wenn sie diese nur streifen und nicht inhaltlich auf diese umfassend ausgearbeitete Umstiegs-Konzeption eingehen.[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] <\/p>\n<p><strong>Baustopp oder Weiterbauen.<\/strong><br>\n<strong>Oder: Die Unwahrheit vom &ldquo;70-Prozent-Baufortschritt&rdquo;<\/strong><\/p>\n<p>Kritisiert wird meine Aussage, der BUND trete ein f&uuml;r ein &ldquo;Weiterbauen&rdquo; bei Stuttgart 21. Man w&uuml;rde erkennen, &ldquo;dass der BUND nicht daf&uuml;r eintritt, dass S21 einfach weitergebaut werden m&uuml;sse.&rdquo; <\/p>\n<p>Nun hei&szlig;t es im BUND-Original-Text: &ldquo;Ein Baustopp von Stuttgart 21 zum jetzigen Zeitpunkt ist aus Sicht des BUND allerdings nicht realistisch.&rdquo;<\/p>\n<p>Wer sagt, ein Baustopp sei nicht m&ouml;glich, der sagt logischerweise, dass weitergebaut werden wird (oder werden soll). Das vernimmt die Deutsche Bahn AG auch so. So kommt es auch in der &Ouml;ffentlichkeit an; genau so wird dies pr&auml;sentiert. Die &Uuml;berschrift zu dem Interview, das die &ldquo;Stuttgarter Zeitung&rdquo; am 19. September 2018 mit Brigitte Dahlbender und Gerhard Pfeifer vom BUND Baden-W&uuml;rttemberg f&uuml;hrte, lautete:&nbsp; &ldquo;BUND gibt den Kampf gegen Stuttgart 21 auf&rdquo;. <\/p>\n<p>Die Begr&uuml;ndungen f&uuml;r die Aufgabe des Kampfes waren zu den unterschiedlichen Zeiten naturgem&auml;&szlig; unterschiedliche. &bdquo;Baufortschritte&ldquo; gab es z.B. 2014 keine gr&ouml;&szlig;eren. Nun, im September 2018, begr&uuml;ndet der BUND die Aufgabe des Kampfes wie folgt: &ldquo;Baufortschritt: Mitte 2018 sind mit fast 70 % mehr als zwei Drittel der insgesamt 57 Kilometer Tunnelstrecken gebohrt, die neue Neckarbr&uuml;cke bei Cannstatt und der Nesenbachd&uuml;ker sind zu gro&szlig;en Teilen fertig.&rdquo;<\/p>\n<p>Die Formulierung mit den &bdquo;70 Prozent&ldquo; ist w&ouml;rtlich diejenige, die die Deutsche Bahn AG benutzt. L&auml;sst man sich auf die Argumentationslinie der &bdquo;Baufortschritte&ldquo; ein, dann ist nicht entscheidend, wie viele Tunnel-Kilometer &ldquo;gebohrt&rdquo; sind, sondern wie viel GELD VERBAUT ist.<\/p>\n<p>Nach aktuellem Stand wurden bisher maximal 3 Milliarden Euro oder ein gutes Drittel der derzeit von der Deutschen Bahn AG eingestandenen Bausumme verbaut. Das klingt bereits deutlich anders als &ldquo;70 Prozent&rdquo;. Hinzu kommt: Der BUND nennt ausschlie&szlig;lich die von der DB AG inzwischen eingestandene Baukostensumme von 8,2 Milliarden Euro. Verschwiegen wird, dass der &ndash; doch nicht unwichtige, seri&ouml;se und der Objektivit&auml;t verpflichtete &ndash; Bundesrechnungshof bereits 2016 von Baukosten in H&ouml;he von knapp zehn Milliarden Euro ausging. Danach wurden bislang weniger als 30 Prozent der zu erwartenden Baukosten verbaut.&nbsp;Und dass der Bundesrechnungshof auch vor wenigen Tagen neu hervorhob, dass die Deutsche Bahn AG die ihr anvertrauten Steuergelder nicht wirtschaftlich einsetzt und immer wieder aufs Neue  Gelder &bdquo;zweckwidrig verwendet&ldquo;.[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>]<\/p>\n<p><strong>Was wird &ldquo;eingespart&rdquo;? Oder: Das vom BUND propagierte Projekt wird noch teurer als S21 pur<\/strong><\/p>\n<p>Dahlbender\/Pfeifer werden im StZ-Interview ausdr&uuml;cklich gefragt: &ldquo;Wo sehen Sie Einsparm&ouml;glichkeiten bei Stuttgart21&rdquo;. Antwort: &ldquo;Am Flughafen&rdquo;. Im umfassenderen BUND-Papier wird hier auch der &ldquo;Abstellbahnhof in Untert&uuml;rkheim&rdquo; genannt, wo &ndash; bei Realisierung des BUND-Konzepts &ndash; gespart werden k&ouml;nnte.<\/p>\n<p>Dass der gigantische 27 Meter tiefe Flughafen-Bahnhof zur Debatte steht, ist nicht neu; auch die Deutsche Bahn AG hat diese M&ouml;glichkeit in die Debatte eingebracht. Und zwar deshalb, weil es f&uuml;r diesen Bahnhof noch nicht einmal eine Planfeststellung gibt und weil ein solcher &bdquo;Tiefstbahnhof&ldquo; die aktuell eingestandenen S21-Kosten nochmals deutlich steigern w&uuml;rde.<\/p>\n<p>Wichtig sind bei dieser Debatte jedoch zwei Dinge: Erstens, inwieweit die eigentlichen unterirdischen (und unterirdisch teuren und unterirdisch riskanten) S21-Projekte in Frage gestellt werden. Und zweitens, ob denn&nbsp; tats&auml;chlich etwas &ldquo;eingespart&rdquo; wird.&nbsp; Die Antwort ist ein doppeltes Nein.<br>\nDer BUND gesteht ein, dass alle wesentlichen S21-Bauten, vor allem die 57 km langen Tunnelstrecken, gebaut werden sollen. Und er gesteht ein, dass&nbsp; das BUND-Projekt die Sache nicht verbilligt; im Gegenteil. Dahlbender: &bdquo;Die Kombil&ouml;sung wird wahrscheinlich etwas mehr kosten, als man sparen kann.&rdquo;<\/p>\n<p>Das hei&szlig;t, man sagt: S21 ist finanziell verlustreich. Ist ein Fass ohne Boden. Ist heute bereits das gr&ouml;&szlig;te Infrastrukturprojekt in Deutschland. Doch es soll grunds&auml;tzlich weitergebaut werden &ndash; mit Modifizierungen. Und auch wenn an diesem Projekt das eine und andere gespart werden kann, so kommt nun anderes noch hinzu, sodass das BUND-Projekt &ldquo;etwas mehr kosten&rdquo; wird.<\/p>\n<p>Man bedenke: Die S21-Kosten haben sich allein nach offiziellem Eingest&auml;ndnis im Zeitraum 2011 bis 2018 auf 8,2 Milliarden Euro knapp verdoppelt. Der Bundesrechnungshof ging bereits 2016 von knapp 10 Milliarden aus. So gut wie alles spricht daf&uuml;r, dass die S21-Kosten bis zum derzeit gehandelten Zeitpunkt seiner Fertigstellung 2024\/25 nochmals deutlich teurer werden. Ein oberirdischer zus&auml;tzlicher Bahnhof, f&uuml;r den es noch nicht einmal erste konkrete Planungen gibt, wird mit erheblichen zus&auml;tzlichen Kosten verbunden sein. &bdquo;Etwas mehr&ldquo;, ist hier eine deutliche Untertreibung.<br>\n&nbsp;<br>\n<strong>Was ist ein Kombibahnhof? Und was bedeutet er konkret?<\/strong><\/p>\n<p>Die Idee eines Kombi-Bahnhofs gibt es seit 1994. Sie wurde damals, als Stuttgart21 zum ersten Mal vorgestellt wurde, von den Gr&uuml;nen &ndash; zeitweilig &ndash; propagiert. Es gab Vergleichbares in Frankfurt\/M., wo Tom K&ouml;nigs von den Gr&uuml;nen einen solchen Bahnhof vorschlug &ndash; als &bdquo;Antwort&ldquo; auf einen Kellerbahnhof mit der Bezeichnung&ldquo;Frankfurt21&ldquo;. Und es gab diese Idee seitens Heiner Gei&szlig;lers, der einen solchen Bahnhof im Sommer 2011 vorschlug, als im &bdquo;Stresstest&ldquo; deutlich wurde, dass Stuttgart21 nie und nimmer den Anforderungen eines zuk&uuml;nftigen Bahnverkehrs gerecht werden k&ouml;nnte.<\/p>\n<p>Im Kern bedeutet die Konzeption Kombibahnhof: Der geplante Tiefbahnhof wird gebaut. Da dieser jedoch im Vergleich mit dem bestehenden Kopfbahnhof und im Gegensatz zu all den betr&uuml;gerischen Behauptungen der Deutschen Bahn AG einen <em>Kapazit&auml;tsabbau<\/em> darstellt, soll nun doch ein Teil des bestehenden Kopfbahnhofs bestehen bleiben. Im aktuellen BUND-Modell eines Kombibahnhofs sollen acht von derzeit 16 Kopfbahngleisen bestehen bleiben. Wir haben dann anstelle der bestehenden 16 Kopfbahngleise oben: acht Durchfahrgleise unten und acht Kopfbahngleise oben.<\/p>\n<p>Nun argumentiert der BUND wie folgt; Pfeifer: &bdquo;Dieses Modell [eines Kombibahnhofs; W.W.] ist bahnbetrieblich das beste. Wir haben es damals verworfen, weil wir sagten, die Eingriffe bei S21 in den Schlossgarten sind zu schwer; haben uns deshalb auf den Kopfbahnhof konzentriert. Der Schlossgarten ist [inzwischen; W.W.] abgeholzt. Wir k&ouml;nnen das Kombimodell guten Gewissens wiederbeleben.&ldquo; Dahlbender: &bdquo;Damit lassen sich z.B. Doppelbelegungen im Tiefbahnhof vermeiden. Und wir k&ouml;nnen viele Vorteile f&uuml;r den Fahrplan realisieren.&ldquo;[<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>]<\/p>\n<p>Untersuchen wir diese Argumentation.<\/p>\n<p>&bdquo;<em>Bahnbetrieblich das beste<\/em>&ldquo;: Das ist eine unhaltbare Position. Nat&uuml;rlich ist der bestehende und zu optimierende Kopfbahnhof bahnbetrieblich &bdquo;das beste&ldquo;, weil er alle erforderliche Kapazit&auml;t bietet, weil die Gleise nebeneinander liegen und weil die Fahrg&auml;ste nicht von verschiedenen Ebenen aus abfahren bzw. weil sie nicht zwischen den Ebenen wechseln m&uuml;ssen. F&uuml;r Menschen mit Behinderungen, f&uuml;r &auml;ltere Menschen ist ein ebenerdiger Bahnhof ideal und ein &bdquo;Etagenbahnhof&ldquo; eine Belastung. Ein Kombibahnhof ist im Vergleich mit einem optimierten Kopfbahnhof auch mit einem erheblich gr&ouml;&szlig;eren Energiebedarf verbunden, ein Aspekt, der f&uuml;r eine Umweltorganisation von einiger Bedeutung sein sollte. <\/p>\n<p>&bdquo;<em>Kombimodell guten Gewissens wiederbeleben<\/em>&ldquo;: Bei der Kritik an Stuttgart 21 war die Zerst&ouml;rung des Schlossgartens nur ein Aspekt von mehreren. Einmal abgesehen davon, dass ein zerst&ouml;rter Park nicht zerst&ouml;rt bleiben bzw. nicht in eine Betonw&uuml;ste verwandelt werden muss &ndash; der Park soll bei &bdquo;Umstieg21 wieder hergestellt, wieder zur gr&uuml;nen Lunge der Stadt werden. Die Kritik an Stuttgart21, wie sie bis Januar 2014 im Gro&szlig;en und Ganzen auch vom BUND geteilt wurde, umfasst u.a. die vier Aspekte:<\/p>\n<ul>\n<li>Eine Gleisneigung im Tiefbahnhof, die die k&ouml;rperliche Unversehrtheit der Fahrg&auml;ste massiv gef&auml;hrdet (sechs Meter H&ouml;henunterschied zwischen der Spitze und dem Ende eines ICE &ndash; das ist das Sechsfache der eigentlich zul&auml;ssigen Norm!)<\/li>\n<li>Mehr als 16 Kilometer Tunnelbauten im Anhydrit: Es besteht die Gefahr, dass der Boden sich anhebt und die teuren Gleis- und Signalanlagen immer wieder aufs Neue besch&auml;digt und aufwendig  neu instand gesetzt werden m&uuml;ssen (siehe Wagenburgtunnel; siehe Staufen im Breisgau)<\/li>\n<li>Ein insgesamt genehmigtes Brandschutzkonzept f&uuml;r den Tiefbahnhof liegt nicht vor. In jedem Fall w&uuml;rde ein S21-Tiefbahnhof im Fall eines Brandes mit einer enormen Gef&auml;hrdung f&uuml;r die Fahrg&auml;ste verbunden sein. <\/li>\n<li>Der S21-Trog durchschneidet die vier Abwasser-Hauptkan&auml;le aus der Innenstadt, weswegen diese ged&uuml;kert (wie bei einem Siphon unter dem Bahnsteigtrog hindurchgef&uuml;hrt) werden m&uuml;ssen. Der S21-Bauherr Deutsche Bahn AG geht bereits in der Bauweise des S21-Tiefbahnhofs davon aus, dass die M&ouml;glichkeit der &Uuml;berflutung besteht und dass der S21-Tiefbahnhof dann als Vorsichtsma&szlig;nahme komplett geflutet &ndash; und damit wertvolle Bahn- und Signalanlagen zerst&ouml;rt &ndash;  werden m&uuml;ssen.[<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>]<\/li>\n<\/ul>\n<p>Alle diese Kritikpunkte gelten weiter. Das Modell &bdquo;KombiBahnhof&ldquo; schafft diese in keinem einzigen Punkt aus der Welt. Die Frage lautet: Warum werden diese Kritikpunkte pl&ouml;tzlich nicht mehr erw&auml;hnt, geschweige denn ernst genommen?<\/p>\n<p><strong>Ein Baustopp f&uuml;r Umstieg21 ist genauso unrealistisch bzw. realistisch, wie ein Kombibahnhof unrealistisch bzw. realistisch ist<\/strong><\/p>\n<p>Der BUND argumentiert einerseits &bdquo;Ein Baustopp von Stuttgart21 zum jetzigen Zeitpunkt ist nicht realistisch&ldquo;. Er schl&auml;gt andererseits mit dem &bdquo;Kombibahnhof&ldquo; ein gegen&uuml;ber S21 v&ouml;llig anderes und in vielen Teilen neues Konzept f&uuml;r den Stuttgarter Hauptbahnhof vor.<\/p>\n<p>Um dieses Konzept zu realisieren &ndash; und um nicht einen &bdquo;Baustopp!&ldquo; fordern zu m&uuml;ssen &ndash; hei&szlig;t es im BUND-Papier: &bdquo;Der BUND fordert die umgehende Einsetzung einer Task Force aller Beteiligten. Die Aufgaben, die dann einer solchen &bdquo;Task Force&ldquo; zugeordnet werden, sind enorm. Die Zusammensetzung der &bdquo;Task Force&ldquo; ist eine Lachnummer  &ndash; da in derselben nur die strikten 21-Bef&uuml;rworter die K&ouml;pfe zusammenstecken sollen.[<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>]<\/p>\n<p>Nimmt man die Forderung nach einem Kombibahnhof ernst, das hei&szlig;t, will man ernsthaft erreichen, dass die H&auml;lfte der bestehenden Kopfbahnhofgleise und der oberirdischen Anlagen &ndash; auch des Gleisvorfeldes &ndash; bestehen bleiben, dann erfordert dies nat&uuml;rlich enorme Neu- und Umplanungen, neue Planfeststellungsverfahren usw. Die Konzeption Umstieg21 hat rein formal den Vorteil, dass sie in vielen Details ausgearbeitet vorliegt, teilweise gepr&uuml;ft  von Fachverstand, den auch der BUND des &Ouml;fteren f&uuml;r solche Zwecke in Anspruch nahm. Das BUND-Kombibahnhofskonzept kann damit nicht aufwarten. Gesagt wird: Acht Gleise bleiben oben erhalten. Wie dann Tiefbahnhof mit dem gestutzten Kopfbahnhof verbunden sind &ndash; das alles w&auml;re zu pr&uuml;fen und zu entwickeln. Was eine enorme planerische Arbeit voraussetzt. Und was eigentlich ohne einen Baustopp und ohne Neuplanungen nicht machbar zu sein scheint.<\/p>\n<p>Vor allem gilt: Das Umstieg21-Konzept hat den enormen Vorteil, dass es eine <em>Struktur von Gleisen, Bahnsteigen, Gleisvorfeld, &bdquo;Tunnelgebirge&ldquo; usw. als Ausgangspunkt nimmt,  bei dem alles grunds&auml;tzlich besteht und seit fast einem Jahrhundert gut funktioniert<\/em>. Hier geht es &bdquo;nur&ldquo; darum, dass alles optimiert und modernisiert werden muss. <\/p>\n<p>Ein Kombibahnhof hingegen erfordert <em>grunds&auml;tzliche Neuplanungen<\/em>. Vor diesem Hintergrund ist es einfach unsauber zu behaupten, ein Baustopp f&uuml;r Umstieg21 sei &bdquo;unrealistisch&ldquo;. Wohingegen das &bdquo;Umswitchen&ldquo; vom Projekt S21-Tiefbahnhof auf einen Kombibahnhof einfach so bewerkstelligt, gewisserma&szlig;en unter dem rollenden Rad umgesetzt werden k&ouml;nnte.<\/p>\n<p><strong>Sunk costs<\/strong><br>\n<strong>Oder: Haste Schei&szlig;e am Bein, haste Schei&szlig;e am Bein<\/strong><\/p>\n<p>Die klassische Betriebswirtschaft kennt den Begriff der sunk costs; der versenkten oder verlorenen Kosten: Bei einem Projekt, das als grunds&auml;tzlich unwirtschaftlich identifiziert wird, darf der Unternehmer nicht argumentieren &bdquo;Aber ich hab doch bereits so und so viel in die Sache investiert&ldquo;. Beim BUND &bdquo;Es wurden doch so und so viele Tunnelkilometer gebohrt&ldquo;. Es m&uuml;ssen dann vielmehr die Kosten der Fehlinvestition komplett abgeschrieben und die Entscheidung eines Ausstiegs ohne Ber&uuml;cksichtigung dieser Kosten getroffen werden.<\/p>\n<p>Just so verh&auml;lt es sich bei S21. Wenn das Projekt als unwirtschaftlich erkannt wird, muss es gestoppt werden &ndash; ohne R&uuml;cksicht auf bereits get&auml;tigte Investitionen. Wenn das Projekt zus&auml;tzlich als extrem riskant beurteilt wird, muss es erst recht umgehend beendet werden &ndash; weil es unwirtschaftlich und weil es zu riskant ist.<br>\nEine Umweltorganisation m&uuml;sste noch erg&auml;nzend die Frage stellen: Ist das Projekt S21 sch&auml;dlich f&uuml;r die Umwelt, f&uuml;r das allgemeine Klima und f&uuml;r das Stadtklima? Da all dies zutrifft, w&auml;re auch von dieser dritten Seite aus ein klares &bdquo;Nein&ldquo; zum Projekt und ein deutliches &bdquo;Ja&ldquo; zum Ausstieg zu formulieren.<br>\nTut man dies nicht, dann gilt: Haste Schei&szlig;e am Bein, haste Schei&szlig;e am Bein. Ein oberirdischer Bahnhof mit acht Kopfbahnhofgleisen verkn&uuml;pft mit 100 Prozent (oder 95 Prozent) S21-Tiefbahnhof minimiert h&ouml;chstens unwesentlich die Unwirtschaftlichkeit des S21-Bahnhofs und reduziert nicht die Risiken, die mit  S21 verbunden sind. Da ein solcher Bahnhof laut BUND sogar nochmals &bdquo;etwas teurer&ldquo; wird, k&ouml;nnte er sich am Ende als noch unwirtschaftlicher erweisen.<\/p>\n<p>Ein Beispiel aus der Privatwirtschaft. Der Konzern ThyssenKrupp hat j&uuml;ngst festgestellt, dass die Investitionen des Konzerns in Stahlwerke in den USA und in Brasilien Fehlinvestitionen sind. Diese Anlagen werden auf Dauer unwirtschaftlich sein. Die Konzernleitung beschloss 2017 den kompletten Ausstieg. Dabei ging es um mehr als acht Milliarden Euro (!), die derart in den Sand gesetzt wurden. Wobei hinzuzuf&uuml;gen ist: Die Konzernf&uuml;hrung rang mit dieser Entscheidung ein knappes Jahrzehnt lang. Nat&uuml;rlich auch &ndash; &auml;hnlich wie im Fall S21 &ndash; weil das Argument der bereits get&auml;tigten gigantischen Investitionen diese Entscheidung erschwerte. Doch die ThyssenKrupp-Konzernf&uuml;hrung konnte sich am Ende zu diesem Schritt durchringen &ndash; und die &bdquo;sunk costs&ldquo; als solche erkennen und in G&auml;nze abschreiben.<\/p>\n<p>Inzwischen (seit April 2018) haben wir &ndash; und dies ist erstmals, seit Stuttgart21 im April 1994 vorgestellt wurde, der Fall! &ndash; das offizielle Eingest&auml;ndnis seitens des Bahn-Managements: S21 ist unwirtschaftlich. Wir wissen (seit Juni 2018), dass die Wiederaufnahme des S21-Projekts unter Mehdorn dadurch zustande kam, dass der Bahn ein 15-Jahres-Nahverkehrsvertrag zugeschanzt wurde, mit dem sie einen Sondergewinn in H&ouml;he von rund einer Milliarde Euro einfuhr. Wir haben die Erkenntnis, dass die S21-Kosten sich auf einer nach oben offenen Skala bewegen. Und wir haben die Erkenntnis, dass S21  mit enormen Risiken (Anhydrit; &Uuml;berflutungsgefahr) verbunden ist.<\/p>\n<p>Es gebietet da die Vernunft, Klartext zu reden: Baustopp und ein optimierter Kopfbahnhof sind angesagt. Das Mindeste ist, die Konzeption Umstieg21 muss ernsthaft gepr&uuml;ft werden.<\/p>\n<p>Wenn dies der BUND nicht tut, wenn dieser seit mehr als vier Jahren immer wieder aufs Neue und entgegen den eigenen Einsichten denen in den R&uuml;cken f&auml;llt, die die sachlichen Argumente gegen S21 weiter vortragen und diese weiter auf die Stra&szlig;e tragen, dann spielen hier andere Motive eine Rolle. Letzten Endes schadet die F&uuml;hrung des BUND damit den Interessen der BUND-Mitgliedschaft. Auf diese Weise tr&auml;gt man zur Demoralisierung der Mitgliedschaft und zum Verlust von Engagement bei.<\/p>\n<p>Denn nat&uuml;rlich muss alles getan werden, damit die wichtige Umweltorganisation BUND erhalten und gest&auml;rkt wird. Doch das Verhalten der F&uuml;hrung des BUND Baden-W&uuml;rttemberg in Sachen Stuttgart21 schw&auml;cht seit 2014 diese Organisation immer wieder aufs Neue.[<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>] <\/p>\n<p>Der neue Appell zum Ausstieg aus Stuttgart 21 wurde erstmals auf den NachDenkSeiten am 31. Juli vorgestellt. Dort wurde auch mitgeteilt, dass dieser an den Bundestag gerichtete Appell in der <em>Frankfurter Allgemeinen Zeitung<\/em> ver&ouml;ffentlicht werden w&uuml;rde. Es sprach viel daf&uuml;r, dass die S21-Betreiber zeitnah einen Entlastungsangriff fahren w&uuml;rden, um vom eigentlichen Kern der Sache &ndash; der prinzipiellen Kritik am Monsterprojekt Stuttgart 21 &ndash; abzulenken.<br>\nDie Pr&auml;sentation des Altmodells Kombibahnhof exakt zehn Tage vor der Ver&ouml;ffentlichung des Appells zum S21-Ausstieg in der FAZ wirkte dann wie dieser zu erwartende Entlastungsangriff. Die Deutsche Bahn AG befindet sich beim Thema Stuttgart 21 erheblich in der Defensive. Das demonstrierte sie auch dadurch, dass am 29. September 2018 die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die als Standard in den ICE-Abteilen der Ersten Klasse ausliegt, nicht verf&uuml;gbar war. In dieser Ausgabe  war der Appell zum Ausstieg aus Stuttgart21 abgedruckt. <\/p><\/li>\n<\/ol><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Interview mit Brigitte Dahlbender und Gerhard Pfeiffer in: Stuttgarter Zeitung vom 19.9.2018)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Badisches Tagblatt vom 18. September 2018.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Im Leserbrief hei&szlig;t es dazu: &bdquo;Das BUND-Konzept macht mir, wenn ich die Begr&uuml;ndungen gegen einen Baustopp durchlese, den Eindruck, dass ein Alternativkonzept wie Umstieg 21 den Verfassern entweder nicht bekannt war oder sie es nicht als sinnvolle Alternative anerkannten &ndash; im letzteren Fall w&auml;re interessant, warum.&ldquo;<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] BRH-Stellungnahme zusammenfassend dargestellt in: S&uuml;ddeutsche Zeitung vom 8. Oktober 2018.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Interview Stuttgarter Zeitung vom 19. September 2018.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Es ist im &Uuml;brigen der Bauherr Bahnkonzern, der in die senkrechten Begrenzungsbeton-W&auml;nde zu beiden Seiten des S21-Trogs inzwischen riesige senkrechte Schlitze einziehen lie&szlig;. Im Fall von aufsteigendem Grundwasser sollen diese ge&ouml;ffnet und der Tiefbahnhof geflutet werden. Auch das d&uuml;rfte ein Alleinstellungsmerkmal f&uuml;r den S21-Tiefbahnhof sein: Gebaut werden soll ein Hightech-Gro&szlig;stadtbahnhof, bei dem von vornherein baulich vorgesehen ist, ihn gegebenenfalls zu fluten. Was je Flutung automatisch mit Neuinvestitionen in H&ouml;he eines dreistelligen Millionenbetrags verbunden sein d&uuml;rfte.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] Genannt werden als Mitglieder der Task Force vom BUND &bdquo;Deutsche Bahn, Landes- und Bundesverkehrsministerium, die weiteren Projektpartner Stadt und Region Stuttgart, Flughafengesellschaft und Fachgutachter.&ldquo; Sieht man einmal von der nicht n&auml;her definierten und vagen Gruppe der &bdquo;Fachgutachter&ldquo; ab, so sind die anderen Genannten ja l&auml;ngst zusammengeschlossen. Diese treffen sich regelm&auml;&szlig;ig in dieser Form im &bdquo;Lenkungsausschuss S21&ldquo;. Es ist absurd zu erwarten, aus diesem Kreis eingeschworener S21-Bef&uuml;rworter werde ein neues Hauptbahnhofs-Modell erwachsen &ndash; und sei es nur ein Kombibahnhofs-Modell. Der BUND schl&auml;gt nicht einmal sich selbst vor als Teil der &bdquo;Task Force&ldquo;, geschweige denn andere Umweltorganisationen oder das Aktionsb&uuml;ndnis gegen S21. Das aber w&auml;re das Minimum, um &uuml;berhaupt eine ernsthafte Debatte dar&uuml;ber in Gang zu bekommen, dass es nicht zu einem &bdquo;Weiter so&ldquo; kommt.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] Die aktuellen Einlassungen der BUND-BW-F&uuml;hrung sind auch fatal vor dem Hintergrund des Finanzskandals, den es hier gab. Wie am 31. Mai 2017 der bekannte Journalist Josef-Otto Freudenreich in KONTEXT berichtete, verwaltete der BUND Baden-W&uuml;rttemberg seit geraumer Zeit das Spendenkonto des Aktionsb&uuml;ndnisses gegen Stuttgart21. Nach dem Bruch zwischen BUND und Aktionsb&uuml;ndnis gegen S21 vom Januar 2014 waren auf diesem Sonderkonto Gelder in H&ouml;he von gut 30.000 Euro, die f&uuml;r den Kampf gegen S21 gespendet worden waren, &bdquo;eingefroren&ldquo;. Freudenreich berichtete, dass der BUND &bdquo;Personalkosten [des BUND; W.W.] in Teilen &uuml;ber das B&uuml;ndniskonto abrechnete&ldquo; und dass auf diese Weise das Guthaben auf dem Anti-S21-Konto &bdquo;aufgebraucht&ldquo; worden sei. Der Sprecher des Aktionsb&uuml;ndnisses gegen Stuttgart 21, Eisenhart von Loeper, sah darin einen &bdquo;schweren Gesetzesversto&szlig;, der den Stuttgarter Regionalverband trifft&ldquo;. Inzwischen gibt es zwischen dem Aktionsb&uuml;ndnis gegen S21 und dem BUND eine Vereinbarung, wie diese f&uuml;r den Kampf gegen S21 gespendeten Gelder doch noch im Sinne derjenigen, die spendeten, eingesetzt werden kann. Es ist zu hoffen, dass dieser Weg in G&uuml;te bis zu Ende beschritten werden kann. <\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum Artikel von <strong>Winfried Wolf<\/strong> &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46334\">Schienenverkehrsverhinderungspolitik<\/a>&ldquo; vom 2. Oktober erhielten wir eine kritische Lesermail von <strong>Volker Schmid<\/strong>. Winfried Wolf antwortet darauf ausf&uuml;hrlich. Es geht dabei um die Spaltung des Widerstandes gegen Stuttgart 21 und um zwei verschiedene Konzepte f&uuml;r den Umstieg. 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