{"id":46446,"date":"2018-10-09T09:25:26","date_gmt":"2018-10-09T07:25:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46446"},"modified":"2018-10-10T07:25:43","modified_gmt":"2018-10-10T05:25:43","slug":"ein-faktencheck-zum-faktencheck-gibt-es-wirklich-keine-negativen-lohneffekte-durch-zuwanderung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46446","title":{"rendered":"Ein Faktencheck zum Faktencheck \u2013 gibt es wirklich keine negativen Lohneffekte durch Zuwanderung?"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/181009-Faktencheck-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Zahlreiche unserer Leserinnen und Leser waren sehr erstaunt, dass in der letzten Ausgabe der Anstalt <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/comedy\/die-anstalt\/die-anstalt-clip-4-140.html\">die Behauptung aufgestellt wurde<\/a>, dass s&auml;mtliche wissenschaftlichen Studien keine negativen Effekte auf die L&ouml;hne der Arbeitnehmer durch Zuwanderungen nachweisen konnten. Albrecht M&uuml;ller <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46329\">kommentierte dies bereits kurz<\/a>. Die Skepsis unserer Leserinnen und Leser ist begr&uuml;ndet. Ein Faktencheck zum Faktencheck der Anstalt zeigt n&auml;mlich, dass diese Aussage nicht stimmt. F&uuml;r Verwirrung sorgte bei den Anstalt-Machern wahrscheinlich eine  Quelle, die im Faktencheck angegeben ist &ndash; ein <a href=\"https:\/\/oxiblog.de\/lohnkonkurrenz-durch-migration-was-die-theorie-sagt-und-was-die-empirie-dazu-erforscht-hat\/\">Beitrag im Oxi Blog<\/a>, der sehr einseitig und manipulativ ist und seine Quellen sehr selektiv zitiert. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1226\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-46446-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181009_Die_Anstalt_Ein_Faktencheck_zum_Faktencheck_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181009_Die_Anstalt_Ein_Faktencheck_zum_Faktencheck_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181009_Die_Anstalt_Ein_Faktencheck_zum_Faktencheck_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181009_Die_Anstalt_Ein_Faktencheck_zum_Faktencheck_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=46446-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181009_Die_Anstalt_Ein_Faktencheck_zum_Faktencheck_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"181009_Die_Anstalt_Ein_Faktencheck_zum_Faktencheck_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Die Schweiz ist mit Deutschland nicht zu vergleichen<\/strong><\/p><p>Welche Einfl&uuml;sse die Zuwanderung auf die L&ouml;hne hat, ist eine sehr komplexe Frage, die man alleine schon aufgrund der angespannten Zuwanderungsdebatte mit der daf&uuml;r n&ouml;tigen Differenziertheit betrachten sollte. Migration ist nicht gleich Migration. Es macht beispielsweise einen sehr gro&szlig;en Unterschied, welches Einwanderungsland man betrachtet. Ein Extrem sind dabei L&auml;nder wie beispielsweise die Schweiz, in die vor allem Arbeitnehmer einwandern, die vergleichsweise hoch qualifiziert sind und die inl&auml;ndische Arbeitnehmer meist erg&auml;nzen und nicht verdr&auml;ngen.<\/p><p>Das Oxi Blog, das vom Anstalts-Faktencheck als wichtigste Quelle f&uuml;r diesen Themenkomplex genannt wird, versucht anhand des Schweizer Arbeitsmarkts die Aussage zu belegen, dass vor allem &bdquo;Niedrigqualifizierte von der Zuwanderung profitierten&ldquo;. Nun ist Deutschland aber nicht die Schweiz und die meisten Zuwanderer auf den deutschen Arbeitsmarkt sind keine Facharbeiter, Informatiker oder &Auml;rzte aus &Ouml;sterreich, sondern vergleichsweise gering Qualifizierte, von denen ohnehin nach dem ersten Jahr lediglich jeder Zehnte <a href=\"http:\/\/www.bpb.de\/gesellschaft\/migration\/kurzdossiers\/261490\/effekte-der-fluchtmigration-interview-mit-prof-dr-herbert-bruecker?p=all\">arbeitst&auml;tig ist<\/a>. Aussagen &uuml;ber den Schweizer Arbeitsmarkt auf Deutschland zu &uuml;bertragen, ist im besten Fall nicht zielf&uuml;hrend  und im schlimmsten Fall sogar manipulativ. <\/p><p><strong>Erg&auml;nzung, Konkurrenz oder Verdr&auml;ngung? Ein Frage der Rahmenbedingungen<\/strong><\/p><p>In den meisten Einwanderungsl&auml;ndern erg&auml;nzen Zuwanderer inl&auml;ndische Arbeitnehmer nicht nur, sondern konkurrieren auch mit ihnen. Aber auch eine direkte Konkurrenz muss nicht zwingend zu negativen Lohneffekten f&uuml;hren. Den theoretischen Hintergrund dieser Debatte kann man am Beispiel des Berufs des Krankenpflegers ganz gut verdeutlichen. Wenn die Rahmenbedingungen positiv sind, k&ouml;nnen die zugewanderten Arbeitskr&auml;fte, die meist aufgrund sprachlicher und fachlicher Defizite am untersten Ende der Karriereleiter in den Job einsteigen, den inl&auml;ndischen Fachkr&auml;ften<br>\n die einfacheren T&auml;tigkeiten abnehmen, so dass diese sich fortbilden k&ouml;nnen und in qualifizierteren Stellen auch einen h&ouml;heren Lohn beziehen k&ouml;nnen. Solch positive Rahmenbedingungen herrschen offenbar in D&auml;nemark vor &ndash; dem Untersuchungsraum der <a href=\"http:\/\/ftp.iza.org\/dp8961.pdf\">Studie von Foged und Peri<\/a>, die eine der ganz wenigen Studien ist, die zu dem Ergebnis kommt, dass gering qualifizierte inl&auml;ndische Arbeitskr&auml;fte keine negativen Lohneffekte hinnehmen m&uuml;ssten, da sie durch die Zuwanderung in h&ouml;her qualifizierte und besser dotierte Jobs aufsteigen. <\/p><p>Ob diese empirischen Daten aus D&auml;nemark auf Deutschland &uuml;bertragbar sind, ist jedoch fraglich. Hierzulande besteht im unteren Qualifikations- und Einkommenssektor eher das Risiko von negativen Rahmenbedingungen. Und unter solchen Rahmenbedingungen verdr&auml;ngt die zugewanderte Arbeitskraft aufgrund ihrer niedrigeren Lohnforderungen die &bdquo;teurere&ldquo; inl&auml;ndische Arbeitskraft. <\/p><p>Weitestgehend einig ist sich die Wissenschaft in folgenden Aussagen: <\/p><ul>\n<li>Erg&auml;nzende Einwanderung wirkt sich langfristig (vor allem durch indirekte Effekte wie Investitionen usw.) eher positiv auf die L&ouml;hne der Inl&auml;nder aus.<\/li>\n<li>Konkurrierende Einwanderung kann bei positiven Rahmenbedingungen ebenfalls positive Effekte haben.<\/li>\n<li>Bei negativen Rahmenbedingungen hat die konkurrierende Einwanderung jedoch eine negative Auswirkung auf die Arbeitsl&ouml;hne.<\/li>\n<li>Davon sind vor allem gering qualifizierte ans&auml;ssige Arbeitnehmer betroffen.<\/li>\n<\/ul><p><strong>Selektive Wahrnehmung f&uuml;hrt zu falschen Schlussfolgerungen<\/strong><\/p><p>Diese Aussagen sind &ndash; in verst&auml;ndliche Sprache &uuml;bertragen &ndash; auch die Kernaussagen des <a href=\"https:\/\/www.diw.de\/de\/diw_01.c.524298.de\/presse\/diw_roundup\/lohn_und_beschaeftigungseffekte_der_zuwanderung_nach_deutschland.html\">DIW Roundups zum Thema &bdquo;Lohn- und Besch&auml;ftigungseffekte der Zuwanderung nach Deutschland&ldquo;<\/a>, das auch namentlich von den Oxi-Autoren zitiert wird. Oxi spart jedoch entscheidende Passagen des DIW aus, die nicht in das Bild der Kernaussage, es g&auml;be &bdquo;keine negativen Lohneffekte durch Zuwanderung&ldquo;, passen.<\/p><blockquote><p>\nSteinhardt (2011) untersucht die Lohnunterschiede zwischen Besch&auml;ftigungsgruppen (Produktion, einfache bzw. komplexe Dienstleistungen), die im Zeitraum von 1975 bis 2001 verschieden stark von Einwanderung betroffen waren. Stieg die Anzahl von Arbeitnehmern in einem bestimmten Besch&auml;ftigungssegment durch Einwanderung um 10%, sanken die L&ouml;hne von Einheimischen um 1,3%. Insbesondere einheimische Besch&auml;ftige in einfachen Dienstleistungst&auml;tigkeiten wie z.B. in der Reinigung waren von niedrigeren L&ouml;hnen durch Einwanderung im untersuchten Zeitraum betroffen.<br>\n<em><a href=\"https:\/\/www.diw.de\/de\/diw_01.c.524298.de\/presse\/diw_roundup\/lohn_und_beschaeftigungseffekte_der_zuwanderung_nach_deutschland.html\">DIW Roundup &bdquo;Lohn- und Besch&auml;ftigungseffekte der Zuwanderung nach Deutschland&ldquo;<\/a><\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>An anderer Stelle verschweigt das Oxi die methodische Kritik des DIW an den von ihm untersuchten und als Beleg angef&uuml;hrten Studien. Das Fazit des DIW ist daher auch nicht, dass es keine negativen Lohneffekte durch Zuwanderung g&auml;be, sondern dass &bdquo;die langfristigen Effekte von Einwanderung theoretisch unklar [sind] und bisher empirisch nicht &uuml;berzeugend untersucht werden [konnten]&ldquo;. Diese sehr defensive und ausweichende Einsch&auml;tzung des DIW ist jedoch alles andere als unumstritten &ndash; vor allem dann, wenn man den Elfenbeinturm verl&auml;sst und sich in die politische Debatte begibt.<\/p><p><strong>Man sieht nur die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht<\/strong><\/p><p>Denn es kommt ja niemand auf den Gedanken, dass die Zuwanderung vornehmlich gering qualifizierter Fl&uuml;chtlinge negative Auswirkungen auf die L&ouml;hne von Werbefachleuten, Chef&auml;rzten, Programmierern, Richtern oder Verm&ouml;gensberatern h&auml;tte. Gerade in der aufgeheizten politischen Debatte geht es darum, dass negative Auswirkungen am unteren Ende der Einkommensskala bef&uuml;rchtet werden. Studien und Metastudien, die ausschlie&szlig;lich Aussagen zu den Gesamtl&ouml;hnen machen, sind dazu jedoch nicht sonderlich aussagekr&auml;ftig. Diese Einschr&auml;nkung verschweigen die Autoren von Oxi. <\/p><p>Der IAB-Forscher Dieter Bogai ging in seiner 2007 publizierten Metastudie &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.iab.de\/389\/section.aspx\/Publikation\/k070720802\">&Ouml;konomische Effekte der Migration in Deutschland<\/a>&ldquo; verst&auml;rkt auf eine differenzierte Betrachtung der unterschiedlichen Einkommensgruppen ein. Bogais Studie zeigt auch recht eindeutig, dass die Aussage von Oxi, nach der &bdquo;empirische Studien zu teils ganz anderen Ergebnissen kommen&ldquo;, also keine negativen Lohneffekte erkennen, nicht haltbar ist. Von acht untersuchten gr&ouml;&szlig;eren Studien kamen lediglich zwei zu einem eher positiven Ergebnis. Eine dieser Studien (<a href=\"https:\/\/econpapers.repec.org\/article\/tprrestat\/v_3a79_3ay_3a1997_3ai_3a4_3ap_3a594-604.htm\">Pischke &amp; Velling 1997<\/a>) wird dabei vom DIW in der oben bereits zitierten Metastudie methodisch scharf kritisiert, die zweite Studie (<a href=\"https:\/\/econpapers.repec.org\/paper\/wopselapo\/_5f001.htm\">Haisken-DeNew\/Zimmermann 1995<\/a>) ist ebenfalls kritisch zu betrachten, da die positiven Effekte haupts&auml;chlich auf unterstellte indirekte Handelseffekte und Kapitaleinkommen zur&uuml;ckgef&uuml;hrt werden, die gerade bei der Zuwanderung gering qualifizierter Einwanderer jedoch nicht signifikant sein d&uuml;rften.<\/p><p>F&uuml;nf der acht von Bogai untersuchten Studien kommen hingegen zu negativen Lohneffekten und quantifizieren sie auch. Die Untersuchung von Haisken-DeNew und Zimmermann ist in diesem Zusammenhang abseits des &bdquo;Gesamtergebnisses&ldquo; besonders interessant, da sie die Effekte f&uuml;r Arbeiter und Angestellte durch die Einwanderung in den 1980ern differenzierter betrachtet. Demnach h&auml;tte sich der Stundenlohn der Arbeiter um 0,45% verringert, w&auml;hrend die Geh&auml;lter der Angestellten um 0,12% gestiegen seien. Auch darauf weist das Oxi Blog nicht hin.<\/p><p><strong>&Uuml;bersehen oder weggelassen?<\/strong><\/p><p>Die Frage ist, ob diese Vers&auml;umnisse nur handwerkliche Fehler sind oder sogar mit Vorsatz begangen wurden, um die Grundaussage nicht zu gef&auml;hrden. Einiges l&auml;sst auf Letzteres schlie&szlig;en. Nur so ist auch zu erkl&auml;ren, dass man den Studien des IAB-Forschers Herbert Br&uuml;cker zwar eine Stellung einr&auml;umt, zentrale Punkte aus diesen Studien aber schlicht unter den Tisch fallen l&auml;sst. So erw&auml;hnt eine <a href=\"http:\/\/doku.iab.de\/kurzber\/2010\/kb2610.pdf\">IAB-Studie<\/a> von Br&uuml;cker und Jahn, dass die in Deutschland lebenden &bdquo;Ausl&auml;nder&ldquo; auch langfristig durch Zuwanderung erhebliche negative Lohneffekte erleiden m&uuml;ssten. Br&uuml;cker erkl&auml;rt dies mit dem &auml;hnlichen Bildungshintergrund und &auml;hnlichen Berufserfahrungen, die dazu f&uuml;hren, dass die in Deutschland lebenden &bdquo;Ausl&auml;nder&ldquo; zu &bdquo;Substituten&ldquo; w&uuml;rden, also durch neue Migranten ersetzt werden k&ouml;nnen. <\/p><p>Aber trifft dies &bdquo;nur&ldquo; auf diese Gruppen zu? Nat&uuml;rlich nicht, auch inl&auml;ndische Geringqualifizierte sind ersetzbar und auch sie m&uuml;ssen demnach negative Lohneffekte bef&uuml;rchten. Und darum geht es bei der gesamten Debatte. Schlie&szlig;lich k&auml;me ja niemand auf die Idee, dass Migration einen negativen Lohneffekt auf die Geh&auml;lter von Hochqualifizierten h&auml;tte. <\/p><p><strong>&bdquo;Dr. Kebekus&ldquo; hat Unrecht<\/strong><\/p><p>Mit diesen Informationen im Hinterkopf lohnt es, sich noch einmal die zentralen <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/comedy\/die-anstalt\/die-anstalt-clip-4-140.html\">Aussagen<\/a> der &bdquo;Zuwanderungsexpertin Dr. Kebekus&ldquo; aus der Anstalt genauer anzuschauen &hellip; <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Untersuchung von gro&szlig;en Migrantenstr&ouml;men, wie zum Beispiel von Kubanern nach Florida oder Aussiedlern nach Deutschland, hat ergeben: Die Einwanderung hat quasi &uuml;berhaupt keine Auswirkung auf die L&ouml;hne von Einheimischen. [&hellip;] Die wichtigsten Untersuchungen zeigen alle, dass selbst eine gro&szlig;e Zuwanderung die L&ouml;hne maximal um 0,1% senkt &ndash; kurzfristig. [&hellip;] Langfristig 0,0%.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Streng genommen sind alle Teile dieses Zitats entweder schlichtweg falsch oder zumindest verzerrend. Fangen wir mit der Studie zu den &bdquo;Kubanern&ldquo; an. Diese <a href=\"https:\/\/www.jstor.org\/stable\/2523702?seq=1#page_scan_tab_contents\">Studie<\/a> stammt aus dem Jahre 1990 und wurde von David Card verfasst. Heute sind Cards Ergebnisse jedoch <a href=\"http:\/\/bruegel.org\/2017\/06\/the-mariel-boatlift-controversy\/\">sehr umstritten<\/a>. Der Arbeitsmarkt&ouml;konom George Borjas weist in <a href=\"http:\/\/www.nber.org\/papers\/w21588\">einer Studie sogar darauf hin<\/a>, dass die L&ouml;hne der niedrig qualifizierten Einwohner im Raum Miami durch die Masseneinwanderung der Kubaner sogar de facto um 10 bis 30% gesunken sind. Auch die <a href=\"https:\/\/www.journals.uchicago.edu\/doi\/10.1086\/662143\">Studie<\/a> zur Auswirkung der Sp&auml;taussiedler auf die lokalen Arbeitsm&auml;rkte ist in diesem Kontext unangebracht, da diese Studie zwar keine Lohneffekte, aber daf&uuml;r sehr massive Verdr&auml;ngungseffekte erw&auml;hnt &ndash; demnach h&auml;tten f&uuml;r jeweils zehn Sp&auml;taussiedler rund drei Ans&auml;ssige ihren Job verloren, was laut Studie vor allem sehr junge und alte Arbeitnehmer betraf. Einen negativen Einfluss auf die Erwerbsziffern schlie&szlig;t die Anstalt jedoch ebenfalls aus und zeigt so, dass sie sich ihre Ergebnisse sehr selektiv herausgesucht hat und alles, was nicht ins Bild passt, weggelassen hat. <\/p><p><strong>Noch schlimmer sind jedoch die Falschaussagen<\/strong><\/p><p>So ist es schlicht nicht korrekt, dass &bdquo;die wichtigsten Untersuchungen&ldquo; eine &bdquo;maximale Senkung&ldquo; der L&ouml;hne um 0,1% zeigen. Der offenbar als Quelle von Oxi und der Anstalt herangezogene <a href=\"https:\/\/www.boeckler.de\/wsimit_2010_10_bruecker.pdf\">Aufsatz von Herbert Br&uuml;cker<\/a> z&auml;hlt selbst zahlreiche Studien (z.B. Borjas 2003, Aydemir\/Borjas 2005) auf, die viel h&ouml;here Lohneffekte nennen. De facto gibt es nur eine einzige Studie (Ottaviano, Peri), die einen Gesamtr&uuml;ckgang von 0,1% erw&auml;hnt. Die anderen Studien setzen den R&uuml;ckgang der L&ouml;hne jeweils in den Kontext der Gr&ouml;&szlig;e der Zuwanderung &ndash; was ja auch einleuchtend ist. So gehen Aydemir und Borjas von 0,3 bis 0,4% Lohnr&uuml;ckgang pro Prozent Anstieg des Ausl&auml;nderanteils aus. Und selbst Studienautor und Quelle Br&uuml;cker kommt auf 0,18% pro Prozent Anstieg des Ausl&auml;nderanteils. Sollte es also &bdquo;eine gro&szlig;e Zuwanderung&ldquo; (Zitat Kebekus) geben, w&auml;ren laut diesen Studien die Lohneffekte auch wesentlich gr&ouml;&szlig;er als 0,1% &ndash; und dies sicher nicht nur kurzfristig. <\/p><p>Warum &uuml;berhaupt diese Unterscheidung zwischen kurz- und langfristig? Die Studienautoren gehen hier von zwei Effekten aus: Einerseits sollen die neuen Einwohner Investitionen anziehen, die ihrerseits positive Lohneffekte haben und andererseits w&uuml;rden langfristig vor allem die Kapitaleinkommen durch die Zuwanderung steigen. Nun ja &ndash; ersteres ist sehr spekulativ und letzteres ist sicher korrekt, sollte jedoch vor allem f&uuml;r die von den negativen Lohneffekten betroffenen gering Qualifizierten auch keine Auswirkungen haben, da sie in der Regel &uuml;berhaupt nicht &uuml;ber Kapitaleink&uuml;nfte verf&uuml;gen. <\/p><p><strong>Aus Fehlern lernt man<\/strong><\/p><p>Albrecht M&uuml;ller hat Recht &ndash; auch die Anstalt <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46329\">kann sich mal vertun<\/a> und dieser Schnitzer hat keine gro&szlig;en Auswirkungen darauf, dass gerade diese Sendung ungemein gro&szlig;e Verdienste im Sinne der Aufkl&auml;rung hat. Wir zweifeln auch nicht daran, dass die Anstalt aus diesem Fehler lernt und auch in Zukunft ihre wichtige Arbeit aufkl&auml;rerisch fortsetzt. <\/p><p>Vielleicht sollte man aber die Quelle Oxi, die offenbar als einzige Quelle f&uuml;r diesen Themenbereich herangezogen wurde, mit etwas mehr Vorsicht betrachten. Wenn man Studien derart selektiv heraussucht und s&auml;mtliche Fakten, die nicht zur eigenen Meinung passen, unter den Tisch fallen l&auml;sst, so ist dies nicht sonderlich seri&ouml;s und vor allem bei derart kontroversen Debatten auch h&ouml;chst &auml;rgerlich und kontraproduktiv. <\/p><p><strong>Wer oder was ist eigentlich Oxi?<\/strong><\/p><p>Oxi wurde vor zwei Jahren als monatliche Wirtschaftsbeilage f&uuml;r das Neue Deutschland vom ehemaligen ND-Chefredakteur Tom Strohschneider und Wolfgang Storz, dem ehemaligen Chefredakteur der Frankfurter Rundschau, der zuletzt mit seiner umstrittenen <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=33709\">Querfront-&bdquo;Studie&ldquo;<\/a> f&uuml;r Kopfsch&uuml;tteln sorgte, ins Leben gerufen. Storz ist mittlerweile aus dem Vorstand ausgeschieden und publiziert auch nicht mehr bei Oxi. Intransparent erscheint nach au&szlig;en vor allem die Finanzierung von Oxi und in welcher Form Blog und Monatsbeilage wirtschaftlich und organisatorisch mit dem Neuen Deutschland, der Linkspartei und der Rosa-Luxemburg-Stiftung zusammenh&auml;ngen. Der Verdacht, dass Teile der Partei &uuml;ber Oxi in die Debatte eingreifen, ist zumindest nicht vollkommen auszuschlie&szlig;en. Damit w&auml;re Oxi jedoch selbst &bdquo;Partei&ldquo; und k&ouml;nnte auch nicht als neutrale Quelle f&uuml;r einen Faktencheck gelten. <\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/df63e8b83494431b87a5d8286f8c787d\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/181009-Faktencheck-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Zahlreiche unserer Leserinnen und Leser waren sehr erstaunt, dass in der letzten Ausgabe der Anstalt <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/comedy\/die-anstalt\/die-anstalt-clip-4-140.html\">die Behauptung aufgestellt wurde<\/a>, dass s&auml;mtliche wissenschaftlichen Studien keine negativen Effekte auf die L&ouml;hne der Arbeitnehmer durch Zuwanderungen nachweisen konnten. Albrecht M&uuml;ller <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46329\">kommentierte dies bereits kurz<\/a>. Die<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46446\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[141,107,165,183],"tags":[1998,519,342,319,1923,340],"class_list":["post-46446","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-arbeitsmarkt-und-arbeitsmarktpolitik","category-audio-podcast","category-innen-und-gesellschaftspolitik","category-medienkritik","tag-anstalt","tag-diw","tag-iab","tag-lohnentwicklung","tag-oxi-blog","tag-zuwanderung"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/46446","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=46446"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/46446\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":46454,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/46446\/revisions\/46454"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=46446"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=46446"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=46446"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}