{"id":46469,"date":"2018-10-13T11:45:19","date_gmt":"2018-10-13T09:45:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46469"},"modified":"2018-10-26T12:46:30","modified_gmt":"2018-10-26T10:46:30","slug":"eine-illusionaere-forderung-und-keine-soziale-alternative-gewerkschaftliche-argumente-gegen-das-grundeinkommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46469","title":{"rendered":"Eine illusion\u00e4re Forderung und keine soziale Alternative &#8211; Gewerkschaftliche Argumente gegen das Grundeinkommen"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/181010_kraemer.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) klingt f&uuml;r viele Gewerkschafter\/innen zun&auml;chst attraktiv: Allen Menschen soll ein Einkommen garantiert werden, von dem sie leben k&ouml;nnen. Eine reiche Gesellschaft wie unsere k&ouml;nne das gew&auml;hrleisten, hei&szlig;t es zur Begr&uuml;ndung. Wer wollte dem widersprechen? Bei genauerer Betrachtung gibt es jedoch eine gro&szlig;e Unklarheit, was genau mit dem Grundeinkommen gemeint ist und wie es funktionieren und finanziert werden soll.  Von <strong>Ralf Kr&auml;mer<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<em>Dieser Text ist ein exklusiver Abdruck aus dem j&uuml;ngst erschienenen Buch &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.beltz.de\/fachmedien\/erziehungs_und_sozialwissenschaften\/buecher\/produkt_produktdetails\/39318-grundeinkommen_kontrovers.html\">Grundeinkommen kontrovers<\/a>&ldquo;, das von Christoph Butterwegge und Kuno Rinke bei Beltz Juventa herausgegeben wurde. <\/em><\/p><p>Das Grundeinkommen w&uuml;rde der Staat bedingungslos jeder Person auszahlen, unabh&auml;ngig davon, &uuml;ber welches Einkommen und Verm&ouml;gen diese ansonsten verf&uuml;gt. Es soll keinerlei Bed&uuml;rftigkeitspr&uuml;fung geben; vielmehr erh&auml;lt jede Person einen Betrag in derselben H&ouml;he (Kinder eventuell weniger). Das bedingungslose Grundeinkommen soll hoch genug sein, um die physische Existenz und die gesellschaftliche Teilhabe zu sichern. Gegenleistungen und insbesondere die Suche nach einer Erwerbsarbeit werden nicht verlangt. Manche Konzepte sehen angesichts der mit dem Grundeinkommen verbundenen Zuwanderungsanreize eine Mindestaufenthaltsdauer im Inland vor, bevor ein Anspruch besteht. <\/p><p>Es gibt eine Vielzahl an Modellen, die unter dem BGE-Etikett diskutiert werden (vgl. Tabelle 1). Nicht alle und keins der bisher realisierten Modelle entsprechen den genannten Kriterien. So bezog sich das in Finnland von der rechts- konservativen Regierung beschlossene Grundeinkommensexperiment nur auf 2.000 ausgew&auml;hlte Erwerbslose, die bisher Arbeitslosenunterst&uuml;tzung bekommen hatten. Es ging um die Erh&ouml;hung von Anreizen, auch schlecht bezahlte Arbeit anzunehmen, und die Vereinfachung des Sozialsystems. Der monatliche Zahlbetrag von 560 Euro lag weit unterhalb der finnischen Armuts(risiko)grenze und wurde mit anderen Sozialleistungen verrechnet. <\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/181010-Alternative-01.png\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/181010-Alternative-01-small.png\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Begr&uuml;ndungen und Behauptungen, auf denen die BGE-Konzepte beruhen, m&uuml;ssen kritisch hinterfragt werden. Es ist zu pr&uuml;fen, ob es sich dabei nicht um blo&szlig;e Mythen handelt oder ob vielleicht ganz andere, teilweise gegenteilige Effekte zu erwarten sind. Ein Grundproblem liegt darin, dass in der Regel nur die vermeintlichen Auswirkungen auf der individuellen Ebene betrachtet werden. Gesellschaftlich, &ouml;konomisch und politisch ist jedoch nichts &bdquo;bedingungslos&ldquo;, und diese Bedingungen kann man weder ignorieren noch &bdquo;wegbeschlie&szlig;en&ldquo;, wenn man ein Grundeinkommen umsetzen will. <\/p><ol>\n<li><strong>Sozial orientierte und neoliberale Konzepte <\/strong>\n<p>Grob k&ouml;nnen zwei Pole in der BGE-Diskussion unterschieden werden: Auf der einen Seite befinden sich sozial und humanistisch motivierte, politisch eher links angesiedelte Modelle. Ihre Ziele sind weitreichend: die Bek&auml;mpfung von Armut und Ausgrenzung, die Abschaffung der Bed&uuml;rftigkeitspr&uuml;fung, Kontrollen und Sanktionen, die Umverteilung von oben nach unten, die Entkopplung von Erwerbsarbeit und sozialer Sicherung, die Aufwertung von T&auml;tigkeiten au&szlig;erhalb der Erwerbsarbeit sowie die Beendigung des Arbeits- und Wachstumszwangs, wom&ouml;glich gar als emanzipatorische Alternative zur entfremdeten Lohnarbeit. <\/p>\n<p>Dementsprechend liegt die angestrebte H&ouml;he des Grundeinkommens f&uuml;r Deutschland bei mindestens 1.000 Euro monatlich. Gefordert werden von einigen BGE-Bef&uuml;rworter(inne)n bis zu 1.500 Euro plus zus&auml;tzliche Sonderbedarfe. Renten- und Krankenversicherung sowie Arbeitnehmer- und sonstige soziale Rechte und Leistungen sollen ihrer Meinung nach erhalten bleiben. Entfallen w&uuml;rden Kindergeld und bedarfsabh&auml;ngige Sozialleistungen, die steuerfinanziert sind. <\/p>\n<p>Auf der anderen Seite stehen mehr oder minder neoliberale Modelle. Auch die Vorstandsmitglieder gro&szlig;er Technologiekonzerne aus dem Silicon Valley oder von Siemens, Telekom und SAP, die sich f&uuml;r ein Grundeinkommen ausgesprochen haben, d&uuml;rften eher solche Modelle favorisieren. Diese erf&uuml;llen die genannten strengen Kriterien f&uuml;r ein bedingungsloses Grundeinkommen h&ouml;chstens teilweise, werden aber gleichwohl als BGE-Konzepte diskutiert. Die veranschlagte H&ouml;he der Leistung reicht von einem Niveau unterhalb des Hartz-IV-Regelbedarfs bis zu etwa 1.000 Euro im Monat. Davon m&uuml;ssten aber noch die Beitr&auml;ge zur privaten Krankenversicherung bezahlt werden. <\/p>\n<p>Der fr&uuml;here Pr&auml;sident des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts, Thomas Straubhaar, formulierte in einem Interview mit dem Wirtschaftsmagazin Capital sehr klar, worum es geht: &bdquo;Das Grundeinkommen ersetzt den heutigen Sozialstaat im Prinzip vollst&auml;ndig. Gesetzliche Altersabsicherung, Krankenversicherung und Arbeitslosenversicherung werden abgeschafft. Wer etwas haben m&ouml;chte &uuml;ber das Grundeinkommen hinaus, muss sich selbst privat versichern.&ldquo; Bereits im April 2006 lie&szlig; das seinerzeit von Straubhaar geleitete Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut verlauten: &bdquo;Ebenso werden alle sozialpolitisch motivierten Regulierungen des Arbeitsmarktes gestrichen. Der K&uuml;ndigungsschutz entf&auml;llt. [&hellip;] Es gibt keinen Fl&auml;chentarifvertrag mehr und keine Mindestl&ouml;hne, sondern von Betrieb zu Betrieb frei verhandelbare L&ouml;hne. Es gibt keine Sozialklauseln. [&hellip;] Ein Niedriglohnjob wird zum willkommenen Zusatzverdienst.&ldquo;<\/p>\n<p>Begr&uuml;ndet werden diese Forderungen mit vermeintlich gr&ouml;&szlig;eren Freiheiten f&uuml;r alle. Doch die wirklichen Nutznie&szlig;er eines solchen Umbaus w&auml;ren andere: Die Unternehmer sollen von l&auml;stigen sozialen Verpflichtungen und &bdquo;Lohnnebenkosten&ldquo; befreit werden. Den privaten Versicherungskonzernen w&uuml;rden gigantische neue Gesch&auml;ftsfelder er&ouml;ffnet. Sie &auml;rgern sich seit jeher dar&uuml;ber, dass durch die gesetzliche Sozialversicherung viele hundert Milliarden Euro Beitragszahlungen j&auml;hrlich an ihnen vorbeiflie&szlig;en, an denen sich nichts verdienen l&auml;sst. Freie Marktwirtschaft und freies Unternehmertum sollen sich ungehemmt entfalten k&ouml;nnen. Das anthroposophisch begr&uuml;ndete Modell des Gr&uuml;nders des Drogeriemarktkonzerns dm, G&ouml;tz W. Werner, ist im Kern gleichfalls hier einzuordnen. <\/p><\/li>\n<li><strong>Grundeinkommen gegen Armut und Ausgrenzung? <\/strong>\n<p>Eine andere Begr&uuml;ndung f&uuml;r das Grundeinkommen ist die &Uuml;berwindung von Armut. Zugleich sollen bedr&auml;ngende Bed&uuml;rftigkeitspr&uuml;fungen und Sanktionen bei Pflichtverletzungen im bestehenden Sozialleistungssystem abgeschafft werden. Angesichts von Hartz IV und der damit oft verbundenen Schikanen, verbreiteter prek&auml;rer Selbstst&auml;ndigkeit und schlechter Jobs mit L&ouml;hnen, von denen man kaum leben kann, ist es verst&auml;ndlich, dass sich viele mittelbar oder unmittelbar Betroffene davon die L&ouml;sung ihrer Probleme erhoffen. <\/p>\n<p>Doch zur Bek&auml;mpfung von Armut und Unterversorgung w&auml;ren verbesserte bedarfsabh&auml;ngige Leistungen viel naheliegender und geeigneter als ein pauschales Grundeinkommen f&uuml;r alle. Bei Krankheit oder Behinderung sowie in teuren Wohngegenden w&auml;ren deutlich h&ouml;here Leistungen, aber auch weiterhin Bed&uuml;rftigkeitspr&uuml;fungen erforderlich. Wohnkosten sind individuell und regional sehr unterschiedlich. So lagen Anfang 2017 die durchschnittlichen monatlichen Kosten der Unterkunft von Singles im Alg-II-Bezug im Kreis Kelheim bei 170 Euro, in Berlin bei 335 Euro und im Kreis Miesbach bei 467 Euro. Es w&auml;re auch nicht gerecht, wenn Menschen, die in einer schuldenfreien eigenen Wohnung wohnen, genauso viel bek&auml;men wie Menschen, die hohe Mieten zahlen m&uuml;ssen. Zudem w&auml;ren Singles gegen&uuml;ber Paar- oder Familienhaushalten mit geringeren Wohnkosten pro Person benachteiligt.<\/p>\n<p>Verbesserte bedarfsabh&auml;ngige Leistungen k&ouml;nnten repressionsfrei und grund- rechtskonform gestaltet werden. Die Grundsicherungsleistungen m&uuml;ssten deutlich erh&ouml;ht, Verm&ouml;gensanrechnungen gelockert und Sanktionen abgeschafft werden. Durch eine Praxis, die auf armutsgef&auml;hrdete Bev&ouml;lkerungsgruppen zugeht und ihnen Leistungen anbietet, bei Bedarf auch &uuml;ber die H&ouml;he eines pauschalen Grundeinkommens hinaus, k&ouml;nnte auch verdeckte Armut weitgehend abgebaut werden. Vorrangig zur Verringerung der Armut sind weiterhin die Anhebung der L&ouml;hne und die Zur&uuml;ckdr&auml;ngung prek&auml;rer Besch&auml;ftigung sowie bessere Leistungen der gesetzlichen Rente. <\/p>\n<p>Manche BGE-Anh&auml;nger\/innen betrachten die Ermittlung und Pr&uuml;fung von Bed&uuml;rftigkeit als solche schon als Repression oder Diskriminierung. Doch die Erfassung von Einkommen, Verm&ouml;gen und Bedarfen ist f&uuml;r einen gerechten Sozialstaat erforderlich. Die Gesellschafft erhebt den berechtigten Anspruch, dass die Verwendung &ouml;ffentlicher Finanzmittel zielgerichtet und die Erhebung gleichm&auml;&szlig;ig und nach finanzieller Leistungsf&auml;higkeit erfolgt. Die Erfassung und Kontrolle aller Einkommen und Verm&ouml;gen f&uuml;r die Besteuerung m&uuml;sste mit einem Grundeinkommen sogar weitaus umfassender und sch&auml;rfer als bisher erfolgen, um die immensen zus&auml;tzlich erforderlichen Finanzmittel einzutreiben. <\/p>\n<p>Der entscheidende &bdquo;Vorteil&ldquo; eines Grundeinkommens gegen&uuml;ber verbesserten bedarfsabh&auml;ngigen Leistungen best&uuml;nde nicht in einer wirksameren Armutsbek&auml;mpfung, sondern darin, dass der Mehrheit der Haushalte, die bereits &uuml;ber hinreichende Einkommen verf&uuml;gen, zus&auml;tzlich in die eine Tasche ein Grundeinkommen gesteckt und es zugleich aus der anderen Tasche &uuml;ber exorbitant h&ouml;here Abgaben wieder herausgezogen w&uuml;rde, um es finanzieren zu k&ouml;nnen. Das bedingungslose Grundeinkommen w&auml;re ein gigantisches Umverteilungskarussell mit gravierenden Nebenwirkungen, das &uuml;berwiegend an Menschen gezahlt w&uuml;rde, die es gar nicht brauchen.\n<\/p><\/li>\n<li><strong>Finanzierungsprobleme <\/strong>\n<p>Unternehmensvertreter\/innen und Neoliberale argumentieren h&auml;ufig mit vermeintlichen &ouml;konomischen und insbesondere finanziellen Sachzw&auml;ngen &ndash; &bdquo;das ist nicht finanzierbar&ldquo; &ndash; und verbergen dahinter ihre eigenen Interessen. Gewerkschafter\/innen widersprechen diesen Behauptungen und weisen darauf hin, dass die Gesellschafft &uuml;ber gen&uuml;gend Reichtum verf&uuml;ge und Umverteilung m&ouml;glich und n&ouml;tig sei. Daraus darf aber nicht der Schluss gezogen werden und sozusagen das Kind mit dem Bade ausgesch&uuml;ttet werden, &ouml;konomische und finanzielle Fragen seien per se irrelevant oder neoliberal. Es ist erforderlich, konkret zu zeigen und Konzepte vorzulegen, wie eine solidarische Finanzierung und Umverteilung aussehen k&ouml;nnte. So haben die DGB-Gewerkschaften zur Bundestagswahl 2017 ein Steuerkonzept vorgelegt, mit dem durch Einf&uuml;hrung einer Verm&ouml;gensteuer und Reform der Erbschaftsteuer, Einf&uuml;hrung einer Finanztransaktionsteuer (Tobin Tax), einen h&ouml;heren Spitzensteuersatz in der Einkommensteuer, eine Gemeindewirtschaftsteuer und besseren Steuervollzug etwa 60 Milliarden Euro j&auml;hrliche Mehreinnahmen auf sozial gerechte Weise erzielt werden sollten. Bei der Forderung nach Einf&uuml;hrung des bedingungslosen Grundeinkommens geht es aber um ganz andere Gr&ouml;&szlig;enordnungen. <\/p>\n<p>Die BGE-Finanzierung ist ein zentraler Punkt, in welchem sich die einzelnen Modelle unterscheiden. Einige setzen auf massiv erh&ouml;hte Mehrwert- und Verbrauchsteuern, andere eher auf Steuern auf Einkommen und Verm&ouml;gen oder den Kapitalverkehr. Wieder andere Modelle setzen auf neu eingef&uuml;hrte Abgaben, auf Einnahmen aus staatlichen Kapitalanteilen an Unternehmen oder auf einen Mix daraus. Die Annahmen und Berechnungen sind teilweise kaum nachvollziehbar und in erheblichem Ma&szlig;e fragw&uuml;rdig oder unrealistisch. Derart tiefgreifende und umfangreiche Eingriffe w&uuml;rden auf jeden Fall erhebliche und nicht absehbare &ouml;konomische und Verhaltens&auml;nderungen zur Folge haben. Das schlichte Hochrechnen und Aufaddieren beabsichtigter Mehreinnahmen reicht da nicht. <\/p>\n<p>F&uuml;r eine realistische Beurteilung ist es wichtig, sich zun&auml;chst einige grundlegende Gr&ouml;&szlig;enordnungen und Zusammenh&auml;nge klarzumachen. Wir nehmen f&uuml;r Beispielrechnungen ein Grundeinkommen in H&ouml;he von 1.000 Euro monatlich f&uuml;r jede\/n an und betrachten Deutschland im Jahr 2016 (Tabelle 2). Dieses Grundeinkommen w&uuml;rde brutto knapp eine Billion oder 1.000 Milliarden Euro im Jahr kosten (1.000 Euro im Monat mal 12 Monate mal 83 Millionen Einwohner = 996 Milliarden Euro). Wir betrachten preisbereinigte Gr&ouml;&szlig;en und unterstellen, dass das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt und das Nationaleinkommen im Gefolge der BGE-Einf&uuml;hrung unver&auml;ndert blieben &ndash; eine optimistische Annahme. Wir betrachten im Folgenden die Finanzierungsm&ouml;glichkeiten sozial ausgerichteter BGE-Varianten. Die folgenden &Uuml;berlegungen gelten unabh&auml;ngig von bestimmten konkreten Finanzierungsmodellen und sollen allgemeine Bedingungen und Grenzen deutlich machen. <\/p>\n<div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/181010-Alternative-02.png\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/181010-Alternative-02-small.png\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div>\n<p>In sozial ausgerichteten BGE-Modellen d&uuml;rften lediglich steuerfinanzierte Einkommensleistungen wie Grundsicherung, Sozialhilfe, Kindergeld, Elterngeld und Baf&ouml;g wegfallen. Laut Sozialbericht 2017, Tabelle III-1, waren das 2016 etwa 92 Milliarden Euro plus vielleicht 4 Milliarden Euro damit verbundene Verwaltungskosten. Es w&uuml;rden also nur wenig mehr als 10 Prozent der im Sozialbudget aufgef&uuml;hrten Sozialleistungen entfallen, womit nur ein kleiner Bruchteil der BGE-Kosten gegen finanziert werden k&ouml;nnte. Beitragsbegr&uuml;ndete Leistungen aus den Sozialversicherungen und auch Pensionen sowie andere &ouml;ffentliche Leistungen d&uuml;rften nicht wegfallen. Sonst w&auml;re das Grundeinkommen nicht bedingungslos und auch nicht gerecht, denn die Leistungsanspr&uuml;che der Versicherten w&uuml;rden faktisch enteignet. Diese w&uuml;rden gleichheitswidrig benachteiligt, wenn zugleich andere &bdquo;privat&ldquo; erworbene Einkommen, Verm&ouml;gen und Versicherungsanspr&uuml;che nicht angerechnet werden sollen.<br>\nNach Abzug der genannten wegfallenden Sozialleistungen w&uuml;rde ein solches Grundeinkommen netto rund 900 Milliarden Euro j&auml;hrlich kosten. Das ist noch einmal ebenso viel, wie alle Gemeinden, L&auml;nder und Bund insgesamt ausgeben oder wie der gesamte Sozialstaat bisher kostet. Die Einf&uuml;hrung eines solchen Grundeinkommens w&uuml;rde die &bdquo;Staatsquote&ldquo;, also das Verh&auml;ltnis der Ausgaben von Staat und Sozialversicherungen zum Bruttoinlandsprodukt, von 44 auf 73 Prozent erh&ouml;hen. <\/p>\n<p>Durch ein Grundeinkommen als solches entstehen gesamtwirtschaftlich keine zus&auml;tzlichen realen Einkommen. Die 900 Milliarden Euro m&uuml;ssten f&uuml;r ein Grundeinkommen als laufender Einkommensstrom jedes Jahr neu umverteilt werden. Es macht daher keinen Sinn, private Verm&ouml;gensbest&auml;nde, die staatliche Geldsch&ouml;pfung oder f&uuml;r die Bankenrettung aufgewendete Betr&auml;ge, die den staatlichen Schuldenstand einmalig um etwa 300 Milliarden Euro erh&ouml;ht haben, als Vergleichsgr&ouml;&szlig;en heranzuziehen. Um das Grundeinkommen auszahlen zu k&ouml;nnen, ohne alle Einkommen (einschlie&szlig;lich des Grundeinkommens selbst) durch eine sich st&auml;ndig beschleunigende Inflation fortschreitend zu entwerten, m&uuml;ssten in etwa gleichem Umfang andere Einkommen bzw. ihre Kaufkraft durch erh&ouml;hte Abgaben gemindert werden. <\/p>\n<p>Alle Einkommen beruhen letztlich auf Wertsch&ouml;pfung durch Erwerbsarbeit. Selbst wenn einzelne Produktionsprozesse vollautomatisch w&auml;ren, gilt dies gesamtwirtschaftlich. Die prim&auml;re Quelle aller Einkommen sind die Verkaufserl&ouml;se der produzierten Waren (einschlie&szlig;lich Dienstleistungen). Die so entstehende Nettowertsch&ouml;pfung, also nach Abzug von Vorleistungen und Abschreibungen f&uuml;r den Wertverlust von Anlagen, wird verteilt auf L&ouml;hne einerseits sowie Unternehmens- und Verm&ouml;genseinkommen andererseits. Sozialleistungen und auch ein Grundeinkommen sind gesamtwirtschaftlich keine zus&auml;tzlichen Einkommen, sondern beruhen auf Umverteilung durch Steuern und Abgaben. Diese m&uuml;ssen letztlich immer aus dem Volkseinkommen aufgebracht werden bzw. mindern als indirekte Steuern die Kaufkraft der Prim&auml;reinkommen. Die in Privathaushalten oder ehrenamtlich unbezahlt geleistete Arbeit ist zwar unverzichtbar, kann aber zur Finanzierung des Grundeinkommens nichts beitragen.<br>\nDie Vorstellung, dass sich die BGE-Finanzierung daraus speisen kann, dass Maschinen oder Roboter Steuern zahlen, ist irref&uuml;hrend. Maschinen zahlen keine Steuern. Es w&auml;ren immer die Eigent&uuml;mer, welche die Steuern entrichten m&uuml;ssten. Auch das Argument, der Reichtum beruhe heutzutage vor allem auf den Anlageverm&ouml;gen, Infrastrukturen und Wissensbest&auml;nden, die historisch bereits erarbeitet wurden, tr&auml;gt nicht. Denn diese f&uuml;hren nur dann zu neuer Wertsch&ouml;pfung und Einkommen, wenn sie durch lebendige Arbeit f&uuml;r die Produktion neuer G&uuml;ter und Dienstleistungen genutzt werden. Eine Wertsch&ouml;pfungsabgabe, die den Einsatz von Maschinen und anderem Kapital mit zus&auml;tzlichen Abgaben belegt, w&auml;re lediglich eine ver&auml;nderte Bemessungsgrundlage. Sie k&ouml;nnte als erg&auml;nzendes Finanzierungsstandbein des Sozialstaates sinnvoll sein, w&uuml;rde aber nicht ann&auml;hernd f&uuml;r ein Grundeinkommen ausreichen. <\/p>\n<p>Die prim&auml;re verteilungspolitische Aufgabe besteht nach wie vor darin, den Anteil der L&ouml;hne am Volkseinkommen &ndash; die Lohnquote &ndash; zu halten oder zu steigern. So w&uuml;rde zugleich die Finanzierung des Sozialstaates gesichert. Wenn das nicht gel&auml;nge und die Lohnquote stark sinken w&uuml;rde, w&auml;re es erst recht illusorisch, den Ausfall durch stark erh&ouml;hte Abgaben der Unternehmen kompensieren zu wollen, zumal den Besch&auml;ftigten auf diesem Feld &ndash; anders als bei den L&ouml;hnen &ndash; keine gewerkschaftlichen Kampfmittel zur Verf&uuml;gung stehen. <\/p>\n<div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/181010-Alternative-03.png\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/181010-Alternative-03-small.png\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div>\n<p>Einige behaupten, die BGE-Finanzierung k&ouml;nne zulasten der Reichen und der Kapitaleinkommen erfolgen. Doch auch das ist unrealistisch. Es f&uuml;hrt kein Weg daran vorbei, dass die breite Masse der abh&auml;ngig Besch&auml;ftigten den L&ouml;wenanteil der f&uuml;r ein Grundeinkommen erforderlichen Geldmittel aufbringen m&uuml;sste, und zwar unabh&auml;ngig davon, welche Steuererh&ouml;hungen man sich daf&uuml;r ausdenkt &ndash; von der politischen Durchsetzbarkeit ganz abgesehen. Das verdeutlicht der Blick auf die finanziellen Gr&ouml;&szlig;enordnungen des Bruttonationaleinkommens (vgl. Abbildung 1).<br>\nGewinne und Verm&ouml;genseinkommen reichen f&uuml;r die BGE-Finanzierung bei Weitem nicht aus und k&ouml;nnen im Kapitalismus auch nicht unbeschr&auml;nkt abgesch&ouml;pft werden, erst recht nicht bei internationaler Kapitalverkehrsfreiheit. Zudem sind darin auch die Arbeitseinkommen von Selbstst&auml;ndigen und Mietwerte selbstgenutzten Wohneigentums enthalten. Eine Verdopplung aller bestehenden Steuern auf Gewinne und Verm&ouml;genseinkommen erbr&auml;chte rechnerisch etwa 160 Milliarden Euro Mehreinnahmen im Jahr. Es verblieben also noch etwa 740 Milliarden Euro an Kosten, die zus&auml;tzlich aufgebracht werden m&uuml;ssten (vgl. Tabelle 2). <\/p>\n<p>Zwangsl&auml;ufig m&uuml;sste die Abgabenbelastung der abh&auml;ngig Besch&auml;ftigten enorm erh&ouml;ht werden, entweder direkt oder indirekt &uuml;ber Mehrwert- und Verbrauchsteuern. Zum Vergleich: Die gesamten Lohnsteuereinnahmen betrugen 2016 (vor Abzug von Kindergeld) 223 Milliarden Euro. Die Mehrwertsteuer erbrachte bei einem Normalsatz von 19 Prozent 219 Milliarden Euro.<br>\n2016 betrugen die Bruttol&ouml;hne gesamtwirtschaftlich 1.311 Milliarden Euro, die Summe aller Einkommensleistungen der Sozialversicherungen (vor allem Renten), Pensionen und anderer Altersversorgungseinkommen 387 Milliarden Euro, zusammen 1.698 Milliarden Euro. Um die genannten 740 Milliarden Euro durch Einkommensteuern zu finanzieren, m&uuml;ssten alle Bruttol&ouml;hne, Renten und Pensionen ab dem ersten Euro zus&auml;tzlich (!) mit 44 Prozent Steuern belegt werden (740\/1698 = 0,44). Die durchschnittliche Gesamtbelastung der Bruttol&ouml;hne mit Steuern und Sozialbeitr&auml;gen w&uuml;rde sich damit von heute 34 Prozent (16,4 Prozent Lohnsteuer und 17,4 Prozent Sozialbeitr&auml;ge) auf 78 Prozent weit mehr als verdoppeln. <\/p>\n<p>F&uuml;r eine alternative Finanzierung von 900 Milliarden Euro zus&auml;tzlichen BGE-Ausgaben allein durch die Mehrwertsteuer m&uuml;sste deren Aufkommen verf&uuml;nffacht werden. Das w&uuml;rde zu massiven Preiserh&ouml;hungen f&uuml;hren. Um ein Grundeinkommen von &ndash; wie angenommen &ndash; preisbereinigt 1.000 Euro monatlich zahlen zu k&ouml;nnen, m&uuml;ssten diese Preissteigerungen durch ein entsprechend h&ouml;heres Grundeinkommen ausgeglichen werden. Dies w&uuml;rde wiederum zur Finanzierung noch erheblich h&ouml;here Mehrwertsteuers&auml;tze erfordern. Im Endeffekt w&auml;ren Mehrwertsteuers&auml;tze in der Gr&ouml;&szlig;enordnung von 150 Prozent erforderlich.<br>\nDie Anreize zu Schwarzarbeit sowie Steuer- und Sozialbeitragshinterziehung w&uuml;rden unter diesen Bedingungen sehr stark zunehmen. Alle Verkaufserl&ouml;se sowie bezahlten Arbeiten und Einkommen m&uuml;ssten fl&auml;chendeckend kontrolliert werden. Denn die regul&auml;re Erwerbsarbeit und die &ouml;konomische Wertsch&ouml;pfung m&uuml;ssten auf dem gleichen Niveau wie bisher weitergehen und m&ouml;glichst vollst&auml;ndig mit Steuern und Sozialbeitr&auml;gen belegt werden. Sonst w&uuml;rden die Einnahmequellen zur Finanzierung eines Grundeinkommens fortschreitend untergraben. Die Annahme, dass bei diesen Abgabens&auml;tzen keine gr&ouml;&szlig;eren Ausweichreaktionen und negativen wirtschaftlichen Entwicklungen auftr&auml;ten, erscheint illusorisch. <\/p>\n<p>Die Gestaltung eines Grundeinkommens in Form einer &bdquo;negativen Einkommensteuer&ldquo; w&uuml;rde an den dargestellten Problemen nichts &auml;ndern. Vielmehr w&uuml;rde das Grundeinkommen bei Personen mit einem h&ouml;heren Einkommen und entsprechenden steuerlichen Abz&uuml;gen nur mit der Steuerzahlung verrechnet. Die steuerlichen Regelungen m&uuml;ssten in gleichem Umfang mit enorm erh&ouml;hten S&auml;tzen ohne Freibetr&auml;ge angewendet werden und von jedem zus&auml;tzlich verdienten Euro bliebe entsprechend wenig &uuml;brig. <\/p>\n<p>Wesentlich realistischer erscheinen demgegen&uuml;ber neoliberale Konzepte. Die H&ouml;he und damit die Kosten des Grundeinkommens w&auml;ren geringer und die Finanzierung w&uuml;rde &uuml;berwiegend durch den Wegfall bisheriger Sozialleistungen erfolgen, wenn auch Renten und Pensionen, Arbeitslosenversicherung, gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung sowie weitere Leistungen gestrichen w&uuml;rden. Das verbleibende zus&auml;tzliche Umverteilungsvolumen k&ouml;nnte etwa durch eine kr&auml;ftige Mehrwertsteuererh&ouml;hung finanziert werden. <\/p>\n<p>Doch ganz so einfach w&auml;re auch das nicht, denn auf Beitragszahlungen begr&uuml;ndete Sozialversicherungsanspr&uuml;che genie&szlig;en verfassungsrechtlich eigentums&auml;hnlichen Schutz und k&ouml;nnten nicht so einfach gestrichen werden. Es w&auml;re ein mindestens 40-j&auml;hriger &Uuml;bergangszeitraum erforderlich, weil alle bereits erworbenen Anspr&uuml;che weiterhin bedient werden m&uuml;ssten. Daher ist auch die Umsetzung neoliberaler BGE-Modelle zun&auml;chst sehr unwahrscheinlich. Als m&ouml;glicher Entwicklungspfad, der mit einer fortschreitenden Reduzierung von Leistungen und einer Privatisierung der Sozialversicherungen eingeschlagen werden k&ouml;nnte, stellen neoliberale BGE-Konzepte dennoch eine erhebliche Gefahr dar. Sie w&auml;ren auf jeden Fall f&uuml;r die Mehrheit der Besch&auml;ftigten und viele auf Sozialleistungen angewiesene Menschen mit gro&szlig;en Nachteilen verbunden, besonders wenn sie gesundheitliche Beeintr&auml;chtigungen oder etwa &uuml;berdurchschnittliche Wohnkosten h&auml;tten. <\/p><\/li>\n<li><strong>Verteilungswirkungen <\/strong>\n<p>&Uuml;ber die gesamte Be- oder Entlastungswirkung eines sozial ausgerichteten Grundeinkommens l&auml;sst sich nur spekulieren. Sie hinge stark von der H&ouml;he und Ausgestaltung des Grundeinkommens, den Ausgangsbedingungen des jeweiligen Haushalts sowie der Entwicklung von Erwerbseinkommen in einer Wirtschaft mit Grundeinkommen ab. Zudem sind BGE-Konzepte umso unrealistischer, je h&ouml;her das vorgesehene Grundeinkommen sein soll, besonders sozial gestaltete Konzepte also besonders irreal. <\/p>\n<p>Zun&auml;chst st&uuml;nde der h&ouml;heren Abgabenbelastung der Haushalte eine Steigerung der verf&uuml;gbaren Einkommen durch die BGE-Zahlung gegen&uuml;ber. Profitieren w&uuml;rden jedenfalls Personen, deren verf&uuml;gbare Einkommen vorher geringer als das Grundeinkommen waren. Das betr&auml;fe zun&auml;chst Erwerbslose sowie einen Teil der Rentner\/innen. Wie viele Personen das w&auml;ren, hinge davon ab, wie hoch der BGE-Zahlbetrag ausfiele. Ohne Hilfe in besonderen Lebenslagen, Sozialpass, GEZ-Befreiung, Bildungsgutscheine, Zuzahlungsbefreiungen, soziale Wohnraumf&ouml;rderung usw. w&uuml;rden vor allem viele Menschen schlechter gestellt werden, die einen besonders hohen Bedarf haben. <\/p>\n<p>Die Mehrheit der Wohnb&uuml;rger\/innen, etwa 50 Millionen bzw. 60 Prozent der Bev&ouml;lkerung, lebt hierzulande in Haushalten, deren Haupteinkommensquelle L&ouml;hne sind. Sie beziehen etwa 95 Prozent aller L&ouml;hne und m&uuml;ssten daher ganz &uuml;berwiegend die h&ouml;heren Abz&uuml;ge tragen. Da die Erwerbst&auml;tigen aber auch den gr&ouml;&szlig;ten Teil des Grundeinkommens f&uuml;r Nichterwerbst&auml;tige finanzieren m&uuml;ssten, w&uuml;rde die Gesamtheit der Arbeitnehmerhaushalte unter dem Strich draufzahlen. Haushalte mit nur einer erwerbst&auml;tigen Person oder mit mehreren Kindern k&ouml;nnten beg&uuml;nstigt werden. Die Progression der Besteuerung, also die st&auml;rkere Belastung von Personen mit hohen Einkommen durch ansteigende Steuers&auml;tze, w&uuml;rde dagegen abnehmen, weil die Steuers&auml;tze f&uuml;r alle massiv erh&ouml;ht werden m&uuml;ssten. Auch bei der Verrechnung als &bdquo;negative Einkommensteuer&ldquo; w&uuml;rden von jedem zus&auml;tzlich verdienten Euro nur ca. 20 Cent &uuml;brigbleiben. Den meisten Personen w&uuml;rde ein Grundeinkommen in die eine Tasche hineingesteckt und aus der anderen wieder herausgezogen. <\/p>\n<p>Sozial orientierte BGE-Anh&auml;nger\/innen behaupten, mit dem Grundeinkommen h&auml;tten es die Menschen nicht mehr n&ouml;tig und w&auml;ren deshalb auch nicht mehr bereit, schlechte und gering bezahlte Jobs anzunehmen. Deshalb w&uuml;rden die L&ouml;hne automatisch steigen. Diese Erwartung geht aber daran vorbei, wie Arbeitsm&auml;rkte und Lohnbildung im Kapitalismus funktionieren. Die L&ouml;hne der verschiedenen Besch&auml;ftigtengruppen sind auf Grundlage des gesellschaftlichen Produktivit&auml;tsniveaus in historischen Auseinandersetzungen durchgesetzt und in Tarifvertr&auml;gen fixiert worden. Ansonsten kommt es auf das Verh&auml;ltnis von Angebot und Nachfrage auf den jeweiligen Arbeitsm&auml;rkten an. <\/p>\n<p>F&uuml;r die allermeisten Besch&auml;ftigten w&uuml;rde das Grundeinkommen nicht ausreichen, um ihren Lebensstandard zu halten. Menschen mit eher geringeren oder &uuml;berreichlich vorhandenen und angebotenen Qualifikationen m&uuml;ssten weiterhin um eine begrenzte Zahl von Jobs konkurrieren. Es erg&auml;ben sich niedrige L&ouml;hne. Nur Personen mit besonderen und h&ouml;heren Qualifikationen, die von Unternehmen stark nachgefragt werden, k&ouml;nnten individuell relativ hohe L&ouml;hne durchsetzen. <\/p>\n<p>Ann&auml;hernd gleiche &bdquo;Augenh&ouml;he&ldquo; mit Arbeitgebern l&auml;sst sich f&uuml;r die allermeisten Besch&auml;ftigten nur herstellen, wenn sie ihnen nicht einzeln, sondern gewerkschaftlich organisiert als Kollektiv gegen&uuml;bertreten. Es ist empirisch belegt, dass vor allem starke Gewerkschaften und Tarifvertragssysteme die Lohnungleichheit in Grenzen halten, weil sie die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt einschr&auml;nken und so die Kr&auml;fteverh&auml;ltnisse zugunsten der Lohnabh&auml;ngigen ver&auml;ndern. Ansonsten h&auml;ngt die Verhandlungsposition entscheidend davon ab, ob es einen &Uuml;berschuss oder einen Mangel an Arbeitskr&auml;ften mit der geforderten Qualifikation gibt.<br>\nGewichtige Gr&uuml;nde sprechen f&uuml;r die Annahme, dass ein Grundeinkommen zu noch gr&ouml;&szlig;eren Lohnunterschieden und zu einer Senkung der L&ouml;hne f&uuml;r gro&szlig;e Teile der Besch&auml;ftigten f&uuml;hren w&uuml;rde. Bisher ist der Mindestanspruch, dass der Lohn bei Vollzeitbesch&auml;ftigung mindestens existenzsichernd sein muss. Das ist auch die zentrale Begr&uuml;ndung f&uuml;r einen allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn. Doch mit einem Grundeinkommen k&ouml;nnte dies nicht mehr geltend gemacht werden, denn jeder Lohn h&auml;tte ja den Charakter eines Zuverdienstes zum Grundeinkommen. <\/p>\n<p>Ein bedingungsloses Grundeinkommen f&uuml;r alle w&auml;re faktisch der universelle Kombilohn als Lohnsubvention f&uuml;r die Unternehmen. Schon heute sind Minijobs und andere typische &bdquo;Zuverdienst-Jobs&ldquo; meist besonders schlecht bezahlt, obwohl das Einkommen oft auch ohne diesen Zuverdienst zum Leben reichen w&uuml;rde &ndash; jedenfalls auf dem niedrigen Niveau, das ein Grundeinkommen abdecken k&ouml;nnte. Doch selbst nur ein paar hundert Euro mehr im Monat zus&auml;tzlich w&auml;ren lohnend und w&uuml;rden das Gesamteinkommen sp&uuml;rbar aufbessern. Noch viel mehr Besch&auml;ftigte als heute w&auml;ren daher vermutlich bereit, f&uuml;r einen minimalen Lohn zu arbeiten. Dies war auch der Hintersinn etwa des BGE-Experiments in Finnland. Vertreter neoliberaler Konzepte formulieren ganz offen, dass sie Mindestlohn, Arbeitnehmerrechte und Tarifvertr&auml;ge beseitigen wollen. G&ouml;tz W. Werner sieht sogar eine Verrechnung des Lohns mit dem Grundeinkommen vor: &bdquo;Wenn beispielsweise eine Polizistin heute 1.500 Euro verdient und das Grundeinkommen w&auml;re 1.000 Euro, dann w&uuml;rde sich f&uuml;r sie zun&auml;chst nichts &auml;ndern, als dass ihr Einkommen dann aus zwei Teilen besteht: 500 Euro Gehalt und 1.000 Euro Grundeinkommen.&ldquo;<\/p>\n<p>In sozial ausgerichteten BGE-Konzepten wird dagegen die Beibehaltung des Mindestlohns und anderer Arbeitnehmerrechte gefordert. Dass es aber unter dem Druck eines Grundeinkommens noch hinreichende gesellschaftliche Kr&auml;fte g&auml;be, um das aktuelle arbeitsrechtliche Schutzniveau zu halten, ist zu bezweifeln. <\/p>\n<p>Viele prek&auml;r Selbstst&auml;ndige bieten ihre Leistungen schon heute notgedrungen zu Dumpingbedingungen an, weil sie sonst keine Auftr&auml;ge bek&auml;men. Der Spielraum daf&uuml;r w&auml;re mit einem Grundeinkommen noch viel gr&ouml;&szlig;er. Dadurch w&uuml;rde der zerst&ouml;rerische Konkurrenzdruck auf Betriebe, die Arbeitskr&auml;fte zu tariflichen oder auch Mindestlohnbedingungen besch&auml;ftigen, massiv versch&auml;rft. Wenn mit einem Grundeinkommen noch mehr Menschen in Teilzeit- und Minijobs oder als Solo-Selbstst&auml;ndige arbeiten k&ouml;nnten, w&uuml;rde dies zu einem st&auml;rkeren Druck auf die L&ouml;hne und einer abnehmenden Organisationsbereitschaft der Besch&auml;ftigten f&uuml;hren. Tarifvertr&auml;ge und Gewerkschaften w&uuml;rden geschw&auml;cht, die Einkommensschere w&uuml;rde noch weiter auseinandergehen. Zudem w&auml;re in Anbetracht der extrem hohen Abgabens&auml;tze der Anreiz weit h&ouml;her als heute, lediglich &bdquo;informell&ldquo; zu arbeiten. Dies w&uuml;rde aber die Lohnstrukturen und die Finanzierung des Sozialstaates wie des Grundeinkommens selbst fortschreitend untergraben. <\/p>\n<p>Die Profitanspr&uuml;che der Unternehmen und der Kapitalanleger w&uuml;rden dagegen durch ein Grundeinkommen nicht gemindert. Hier w&auml;re weiterhin das Streben nach h&ouml;chstm&ouml;glicher Rendite das entscheidende Kriterium f&uuml;r Investitions- und Anlageentscheidungen. <\/p><\/li>\n<li><strong>Die Bedeutung der Erwerbsarbeit <\/strong>\n<p>Die Grundeinkommensszene behauptet, dass der Gesellschaft zunehmend die (Erwerbs-)Arbeit ausgehe. Eine Politik f&uuml;r Vollbesch&auml;ftigung wird weithin abgelehnt oder f&uuml;r aussichtslos erkl&auml;rt. Die arbeitssparende Digitalisierung mache das Grundeinkommen, verstanden als Entkopplung von Erwerbsarbeit und Einkommen, unumg&auml;nglich. <\/p>\n<p>Doch gesamtwirtschaftlich w&auml;chst die Produktivit&auml;t heute schw&auml;cher und nicht etwa st&auml;rker als fr&uuml;her. In den 1970er-Jahren betrugen die durchschnittlichen Produktivit&auml;tssteigerungen hierzulande noch 4 Prozent, in den 1980er- und 1990er-Jahren &uuml;ber 2 Prozent. Seit 2000 bel&auml;uft sich das durchschnittliche Produktivit&auml;tsplus nur noch auf 1,2 Prozent. In anderen L&auml;ndern ist die Tendenz vergleichbar. Durch die weitere Digitalisierung wird sich das nur graduell &auml;ndern und die Zahl der Erwerbst&auml;tigen sowie das Volumen der bezahlten Arbeit steigen. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) sch&auml;tzt, dass im Jahr 2022 weltweit 3,4 Milliarden Menschen erwerbst&auml;tig sein werden, davon 54 Prozent abh&auml;ngig Besch&auml;ftigte, nach 2,6 Milliarden und knapp 48 Prozent im Jahr 2000. In den entwickelten L&auml;ndern ist mehr denn je die gro&szlig;e Mehrheit, und zwar Frauen wie M&auml;nner, darauf orientiert, Erwerbsarbeit zu leisten. Daher wird sich die Legende vom &bdquo;Ende der Arbeit&ldquo; auch in den kommenden Jahrzehnten nicht bewahrheiten (vgl. Abbildung 2). <\/p>\n<p>Wo die Erwerbslosigkeit stark gestiegen ist, z.B. in S&uuml;deuropa oder in Ostdeutschland nach der Vereinigung, war dies eine Folge von &ouml;konomischen Krisen und nicht von Produktivit&auml;tsspr&uuml;ngen. Ein gro&szlig;es Problem ist allerdings, dass besonders Teilzeitarbeit sowie prek&auml;re, unsichere und schlecht bezahlte Jobs zugenommen haben. Aber auch dies ist keine notwendige Folge des technischen Fortschritts, sondern einer Deregulierung des Arbeitsmarktes im neoliberalen Geiste.<\/p>\n<p>Eine Entkopplung von Erwerbsarbeit und Einkommen ist in der bestehenden Gesellschaft nur f&uuml;r Einzelne m&ouml;glich, aber nicht gesamtwirtschaftlich und von der Finanzierung her. &bdquo;Von der Erwerbsarbeit trennen lassen sich blo&szlig; der individuelle Rechtsanspruch auf Transferleistungen, den jemand geltend macht, und der Zuteilungsmechanismus, nach dem die Zahlungen erfolgen.&ldquo; Das bedingungslose Grundeinkommen w&auml;re eine Geldleistung, darauf gerichtet, dass man damit etwas kaufen kann. Doch alle G&uuml;ter und Dienstleistungen, die kaufbar sind, werden mittels Erwerbsarbeit produziert. Zugleich entstehen dabei als Verkaufserl&ouml;se die Prim&auml;reinkommen, verteilt auf L&ouml;hne einerseits sowie Unternehmens- und Verm&ouml;genseinkommen andererseits. Alle &uuml;brigen Einkommen, auch ein Grundeinkommen, beruhen auf Umverteilung eines Teils dieser Einkommen. Wer Geld ausgibt, um etwas zu kaufen, setzt damit Erwerbsarbeit in Gang. Er oder sie veranlasst, dass andere gegen Entgelt arbeiten, nicht weil es ihnen Spa&szlig; macht oder sie diese Arbeit besonders sinnvoll finden, sondern weil sie Bed&uuml;rfnisse derjenigen befriedigen, die bezahlen. <\/p>\n<p>Wer ein Grundeinkommen fordert, setzt darauf, dass dies auch zuk&uuml;nftig so funktioniert. Das bedingungslose Grundeinkommen w&uuml;rde wie jede Geldleistung vollst&auml;ndig auf Warenproduktion durch Erwerbsarbeit beruhen. Die Behauptung, das Grundeinkommen sei eine emanzipatorische Alternative zum Erwerbsarbeitszwang und alle k&ouml;nnten nach seiner Einf&uuml;hrung endlich arbeiten, was und wie sie es gern t&auml;ten und sinnvoll finden, geht an der Realit&auml;t vorbei. Je mehr Menschen sich an der Erwerbsarbeit nicht beteiligen bzw. von ihr ausgegrenzt werden, desto mehr Erwerbsarbeit m&uuml;ssen andere leisten, um einen bestimmten Umfang an Waren und Dienstleistungen sowie Einkommen zu erwirtschaften. <\/p>\n<div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/181010-Alternative-04.png\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/181010-Alternative-04-small.png\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div>\n<p>Die Vorstellung, es g&auml;be ein Grundeinkommen ohne Erwerbsarbeit, ist etwa so absurd wie die, der Strom komme aus der Steckdose ohne Stromerzeuger, die ihn einspeisen. Das zugunsten eines bedingungslosen Grundeinkommens vorgebrachte Argument, viele Menschen k&ouml;nnten dann mehr Zeit f&uuml;r das Ehrenamt, die Familie und selbstgew&auml;hlte T&auml;tigkeiten aufwenden, ist zwiesp&auml;ltig. N&auml;hme das Gesamtvolumen der Erwerbsarbeit ab, w&uuml;rde zugleich die &ouml;konomische und finanzielle Basis des Grundeinkommens untergraben. Gleiches gilt f&uuml;r die abnehmende Erwerbst&auml;tigkeit infolge der Automatisierung von Produktionsprozessen oder &ouml;konomischer Krisen. Das bedingungslose Grundeinkommen w&auml;re weder eine emanzipatorische Alternative zur Erwerbsarbeit noch ein Ausweg bei steigender Massenerwerbslosigkeit. <\/p>\n<p>F&uuml;r das Problem sozialer Ausgrenzung durch Erwerbslosigkeit w&auml;re ein Grundeinkommen ohnehin keine L&ouml;sung. Eine regelm&auml;&szlig;ige Geldzahlung reicht nicht aus, um gesellschaftliche Teilhabe und Integration zu gew&auml;hrleisten. Von grundlegender Bedeutung ist vielmehr eine gute und gut bezahlte Arbeit, die den F&auml;higkeiten und Neigungen des Menschen m&ouml;glichst gerecht wird und mit sozialer Einbindung, Anerkennung und Selbstbest&auml;tigung verbunden ist. Sie erbringt ein Einkommen, das h&ouml;her als ein noch so komfortables Grundeinkommen liegt. Dies entspricht auch dem zentralen Interesse, das Besch&auml;ftigte wie Erwerbslose &auml;u&szlig;ern. Das entscheidende Problem dabei ist die Massenerwerbslosigkeit, die Menschen ausgrenzt und sie unter enormen Druck setzt. Ein bedingungsloses Grundeinkommen k&ouml;nnte dazu f&uuml;hren, dass dies noch weniger als heute als gesellschaftliches Kardinalproblem erkannt und seine L&ouml;sung als politische Kernaufgabe betrachtet w&uuml;rde. Erwerbslosigkeit k&ouml;nnte dann als eine freie Entscheidung von Menschen hingestellt werden, die es vorziehen, allein vom Grundeinkommen zu leben. <\/p>\n<p>Anh&auml;nger\/innen des Grundeinkommens behaupten, dieses wirke auch als Anerkennung und faktische Bezahlung bisher unentgeltlich geleisteter Erziehungs-, Sorge-, Pflege- und anderer Reproduktionsarbeiten. In Wirklichkeit w&uuml;rden diese auch mit einem Grundeinkommen unbezahlt und insoweit der Erwerbsarbeit untergeordnet bleiben. Die Frauen benachteiligende geschlechtsspezifische Arbeitsteilung d&uuml;rfte sich eher wieder verfestigen. Ein Grundeinkommen k&ouml;nnte wie ein Betreuungsgeld f&uuml;r alle wirken. Der Ausweitung qualifizierter professioneller Arbeit in gesellschaftlich notwendigen Dienstleistungen und damit der Angleichung der Erwerbschancen von Frauen und M&auml;nnern w&uuml;rde entgegengewirkt. Gleichzeitig w&uuml;rde das Grundeinkommen durch seine Bedingungslosigkeit eine Entwertung und Missachtung aller Arbeit, nicht nur der Erwerbsarbeit darstellen. Das bedingungslose Grundeinkommen widerspr&auml;che grundlegenden Gerechtigkeitsanspr&uuml;chen, weil es weder durch Bedarfe noch durch Gegenleistungen begr&uuml;ndet w&auml;re. <\/p><\/li>\n<li><strong>Politische Risiken und Alternativen <\/strong>\n<p>Manche BGE-Anh&auml;nger\/innen verbinden mit dieser Forderung geradezu Heilserwartungen. Eine Vielzahl von Problemen soll damit auf einen Streich gel&ouml;st werden. Doch einer kritischen &Uuml;berpr&uuml;fung halten solche Behauptungen und die Begr&uuml;ndungen f&uuml;r das Grundeinkommen nicht stand. Zudem f&uuml;hren die BGE-Bef&uuml;rworter\/innen diese Debatte ohne eine realistische Einsch&auml;tzung der gesellschaftlichen und politischen Kr&auml;fteverh&auml;ltnisse. Gewerkschaften m&uuml;ssen dagegen einen realistischen Blick auf die Welt haben und einzusch&auml;tzen wissen, was bei sozialen und politischen Prozessen tats&auml;chlich herauskommen k&ouml;nnte. <\/p>\n<p>Dabei erweisen sich die Konzepte eines sozial ausgerichteten Grundeinkommens als illusion&auml;re Resultate einer reinen &bdquo;W&uuml;nsch dir was&ldquo;-Logik. Je h&ouml;her der BGE-Zahlbetrag w&auml;re, desto gr&ouml;&szlig;er w&uuml;rden auch die notwendigen Abgabenbelastungen sowie die &ouml;konomischen und politischen Probleme und Widerspr&uuml;che ausfallen. <\/p>\n<p>Welche gesellschaftlichen und politischen Kr&auml;fte sollten ein Interesse haben und in der Lage sein, ein solches Grundeinkommen durchzusetzen? Die verarmten und prek&auml;ren Teile der Bev&ouml;lkerung, die davon vielleicht profitieren k&ouml;nnten, verf&uuml;gen &uuml;ber keine gesellschaftliche Durchsetzungsmacht. F&uuml;r die abh&auml;ngig Besch&auml;ftigten w&uuml;rden stark erh&ouml;hte Abgabens&auml;tze und Kontrollen sowie Druck auf ihre sozialen Rechte und die L&ouml;hne drohen. Die Spaltung zwischen der Mehrheit der Besch&auml;ftigten und denen, deren &Uuml;berleben vom Grundeinkommen und damit von ihrer Alimentation durch den Staat abhinge, w&uuml;rde vertieft.<\/p>\n<p>Die gesellschaftliche und politische Macht der Unternehmen und gro&szlig;en Kapitaleigent&uuml;mer w&uuml;rde durch ein Grundeinkommen nicht geschm&auml;lert. Es ist zudem sehr unwahrscheinlich, dass die in unserem Rechenbeispiel angesetzte Verdopplung der Besteuerung von Gewinnen und Verm&ouml;genseinkommen realisiert werden k&ouml;nnte. Oder andersherum: Wenn die sozialen Kr&auml;fte dies durchzusetzen in der Lage w&auml;ren, wieso sollten sie dann nicht l&auml;ngst die wesentlich einfacher und mit geringerem Umverteilungsaufwand umsetzbaren Alternativen einer verbesserten Mindestsicherung und &ouml;ffentlich gef&ouml;rderter Besch&auml;ftigung durchgesetzt haben?<\/p>\n<div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/181010-Alternative-05.png\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/181010-Alternative-05-small.png\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div>\n<p>Mehr noch: Die BGE-Konzepte passen sehr gut in eine immer mehr neoliberal desorganisierte Gesellschaft. Jede\/r einzelne wird darauf orientiert, individuell auf dem Markt und gegen&uuml;ber den &bdquo;Arbeitgebern&ldquo; aufzutreten und ihre bzw. seine Ziele autonom zu verfolgen, vermeintlich abgesichert durch das bedingungslose Grundeinkommen. Arbeitsplatzvernichtung, soziale Spaltung, Ungleichheit und Ausgrenzung w&auml;ren vermeintlich kein Problem mehr. Ihre Opfer w&uuml;rden durch ein Grundeinkommen auf Kosten der Allgemeinheit ruhiggestellt. Gesellschaftliche Organisation und Regulierung sowie Gestaltungsforderungen w&uuml;rden als vermeintliche Einschr&auml;nkung von Freiheit dargestellt. Die Rahmenbedingungen f&uuml;r gewerkschaftliche Organisierung und kollektive Interessendurchsetzung w&uuml;rden sich verschlechtern, die Macht- und Verhandlungspositionen der Lohnabh&auml;ngigen geschw&auml;cht. Die Herrschaftsposition des Kapitals w&uuml;rde noch verst&auml;rkt. <\/p>\n<p>Besonders krass w&uuml;rden solche Entwicklungen durch die neoliberalen BGE- Varianten vorangetrieben. Arme, Kranke und sozial Benachteiligte m&uuml;ssten eine weitere Verschlechterung ihrer Lage bef&uuml;rchten. Ein gro&szlig;es Problem ist, dass einzig neoliberale BGE-Varianten eine gewisse Chance auf Realisierung haben. Sie w&auml;ren erheblich leichter finanzierbar und Teile des Unternehmerlagers h&auml;tten ein nachvollziehbares Interesse daran. Diese w&uuml;rden von einer Schw&auml;chung des bestehenden Sozialstaates, insbesondere der Sozialversicherungen, profitieren. Die BGE-Bewegung k&ouml;nnte sich so &ndash; und sei es auch wider Willen &ndash; als eine Art trojanisches Pferd f&uuml;r die Durchsetzung einer radikalisierten Variante des Neoliberalismus erweisen. Sie lenkt ab von den Auseinandersetzungen, um die es gewerkschaftlich und politisch tats&auml;chlich geht und weist erhebliches Spaltungspotenzial f&uuml;r soziale und politische Bewegungen auf.<br>\nDie gewerkschaftlichen Alternativen sind klar: Vorrangiges Ziel muss es sein, ein Recht auf gute und angemessen bezahlte Arbeit f&uuml;r alle zu gew&auml;hrleisten. Es geht um m&ouml;glichst weitgehende Befreiung in der Arbeit statt von der Arbeit. Die emanzipatorische Alternative zu schlechten Arbeitsverh&auml;ltnissen und einer ungerechten Verteilung liegt in der Humanisierung, Demokratisierung, Verk&uuml;rzung und gerechten Verteilung aller gesellschaftlich notwendigen bezahlten wie unbezahlten Arbeit sowie in einer gerechteren Verteilung der Einkommen und Verm&ouml;gen. Dies wird nur durch kollektive und gesetzliche Regelungen sowie starke Gewerkschaften durchgesetzt werden k&ouml;nnen. <\/p>\n<p>Armut trotz Arbeit muss durch h&ouml;here, existenzsichernde L&ouml;hne zur&uuml;ckgedr&auml;ngt werden. Der Lohndr&uuml;ckerei durch Leiharbeit, Werkvertr&auml;ge und prek&auml;re Solo-Selbstst&auml;ndigkeit, Befristungen, Minijobs und unfreiwillige Teilzeit muss ein Riegel vorgeschoben werden. Die Tarifbindung und die Durchsetzungsmacht der Gewerkschaften m&uuml;ssen gest&auml;rkt werden. Der Mindestlohn muss sp&uuml;rbar erh&ouml;ht werden. Erwerbslosigkeit muss bek&auml;mpft werden, insbesondere Langzeiterwerbslose sollten besser gef&ouml;rdert und in gute und tariflich bezahlte Arbeit vermittelt werden. <\/p>\n<p>Alle Erwerbst&auml;tigen und alle hier lebenden Menschen m&uuml;ssen durch die sozialen Sicherungssysteme und insbesondere die Sozialversicherungen vor sozialen Risiken gesch&uuml;tzt werden. Das Leistungsniveau der gesetzlichen Rente muss deutlich erh&ouml;ht werden, sodass &Auml;ltere und Erwerbsgeminderte ihren Lebensstandard weitgehend halten k&ouml;nnen und nicht auf Grundsicherungsleistungen angewiesen sind. Die Leistungen der Mindestsicherungen m&uuml;ssen armutsvermeidend und repressionsfrei ausgestaltet werden. <\/p>\n<p>Die &ouml;ffentliche Daseinsvorsorge und soziale Dienstleistungen sollten &uuml;berall in hoher Qualit&auml;t und entgeltfrei oder verg&uuml;nstigt zur Verf&uuml;gung stehen. Es gibt gro&szlig;e ungedeckte Bedarfe in Bildung und Erziehung, Gesundheitswesen, Pflege, Wohnungsbau, Kultur, Freizeit und Sport usw. Diese zu decken w&uuml;rde zugleich viele hunderttausend zus&auml;tzliche sinnvolle und tariflich entlohnte Arbeitspl&auml;tze schaffen.<\/p>\n<p>Das alles scheitert an einer unzureichenden Finanzierung und dem Widerstand von Unternehmen und Reichen sowie neoliberaler politischer Kr&auml;fte gegen eine gerechte Steuer-, Finanz- und Sozialpolitik. Wenn es tats&auml;chlich gel&auml;nge, hohe Einkommen, Gewinne und Verm&ouml;gen st&auml;rker zu besteuern, wie es die sozialen BGE-Varianten vorsehen, sollten diese Finanzmittel f&uuml;r eine St&auml;rkung und gerechte Weiterentwicklung des Sozialstaates verwendet werden.<\/p>\n<div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/181010-Alternative-06.png\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/181010-Alternative-06-small.png\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div>\n<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/181010_kraemer.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) klingt f&uuml;r viele Gewerkschafter\/innen zun&auml;chst attraktiv: Allen Menschen soll ein Einkommen garantiert werden, von dem sie leben k&ouml;nnen. Eine reiche Gesellschaft wie unsere k&ouml;nne das gew&auml;hrleisten, hei&szlig;t es zur Begr&uuml;ndung. Wer wollte dem widersprechen? Bei genauerer Betrachtung gibt<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46469\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,31,145,132],"tags":[427,308,785,1124,643,552,1758,317,2107,288,487,479,307,1784,1771,279,1273,488,1591,324,218,449,520,221,291,655],"class_list":["post-46469","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-grundeinkommen","category-sozialstaat","category-ungleichheit-armut-reichtum","tag-einkommensteuer","tag-existenzminimum","tag-finanztransaktionssteuer","tag-hwwi","tag-kuendigungsschutz","tag-lohnquote","tag-lohnsteuer","tag-mindestlohn","tag-mindestsicherung","tag-prekaere-beschaeftigung","tag-produktivitaet","tag-reservearmee","tag-sanktionen","tag-schwarzarbeit","tag-selbststaendige","tag-spitzensteuersatz","tag-staatsquote","tag-steuererhoehungen","tag-straubhaar-thomas","tag-tarifvertraege","tag-teilhabe","tag-umsatzsteuer","tag-vermoegensteuer","tag-versicherungswirtschaft","tag-verteilungsgerechtigkeit","tag-werner-goetz"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/46469","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=46469"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/46469\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":46524,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/46469\/revisions\/46524"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=46469"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=46469"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=46469"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}