{"id":46528,"date":"2018-10-17T09:00:03","date_gmt":"2018-10-17T07:00:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46528"},"modified":"2019-03-11T13:56:41","modified_gmt":"2019-03-11T12:56:41","slug":"der-islam-als-willkommenes-feindbild","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46528","title":{"rendered":"Der Islam als willkommenes Feindbild"},"content":{"rendered":"<p>Die muslimische Religionslehre fungiert im Westen als Projektionsfl&auml;che f&uuml;r &Auml;ngste und dadurch als Ersatz f&uuml;r Antisemitismus und Antikommunismus, wie Petra Wild in ihrem neuen Buch &bdquo;Lieblingsfeind Islam&ldquo; schreibt. In ihrer Hauptthese bestreitet sie, dass sich Kulturen separat voneinander entwickeln: Die &bdquo;Reinheit&ldquo; einer Kultur gebe es nicht. Von <strong>Heiko Flottau<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5574\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-46528-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181016_Der_Islam_als_willkommenes_Feindbild_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181016_Der_Islam_als_willkommenes_Feindbild_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181016_Der_Islam_als_willkommenes_Feindbild_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181016_Der_Islam_als_willkommenes_Feindbild_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=46528-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181016_Der_Islam_als_willkommenes_Feindbild_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"181016_Der_Islam_als_willkommenes_Feindbild_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Es gibt B&uuml;cher, die kommen sp&auml;t, dennoch sind sie zum richtigen Zeitpunkt auf dem Markt. Ein Widerspruch? Keineswegs. Wenn man den &auml;u&szlig;erst umfangreichen und detaillierten Anmerkungsapparat in Betracht zieht, mit dem  die Autorin Petra Wild jedes Kapitel ihres neuen Buches &uuml;ber den &bdquo;Lieblingsfeind Islam&ldquo;  erg&auml;nzt, dann kann man erahnen, mit welchem Wissens- und eigenen Erfahrungsschatz Petra Wild ihre These untermauert, wonach  der Islam, so wie &uuml;ber ihn heutzutage diskutiert wird, f&uuml;r viele ein willkommener Ersatz  sei f&uuml;r verlorene Feindbilder wie den Antikommunismus  und den Antisemitismus (der zwar noch oder wieder all &uuml;berall virulent ist, aber gl&uuml;cklicherweise offiziell ge&auml;chtet ist). Praktisch jede ihrer Thesen untermauert die Autorin mit Belegen &uuml;ber ihre Quellen &ndash; und diese Genauigkeit hat ihren Preis in der Zeit, die es  wohl braucht, ein solches Werk zu schreiben.<\/p><p>Eine Hauptthese des Buches r&auml;umt mit der Vorstellung auf, wonach sich Kulturen separat voneinander entwickeln. Im  Gegenteil,  Kulturen und Zivilisationen beeinflussen sich gegenseitig, eine Abgeschlossenheit, die &bdquo;Reinheit&ldquo; einer Kultur garantieren w&uuml;rde, gebe es nicht, argumentiert die Autorin.<\/p><p>&bdquo;In Wahrheit&ldquo;, schreibt Petra Wild, &bdquo;gibt es keine europ&auml;ische Geschichte, die von au&szlig;ereurop&auml;ischen Einfl&uuml;ssen getrennt w&auml;re.  Das alte Griechenland war nicht wei&szlig; und europ&auml;isch, sondern ein Amalgam  aus verschiedenen ethnischen und religi&ouml;sen Einfl&uuml;ssen.&ldquo;<\/p><p>Dem US-Wissenschaftler Martin Bernal zufolge, argumentiert die Autorin weiter, &ldquo;waren sich die alten Griechen durchaus bewu&szlig;t, da&szlig; sie zur kulturellen Sph&auml;re des Orients geh&ouml;rten, da&szlig; sie viel von den &Auml;gyptern und Ph&ouml;niziern gelernt hatten, ja nahmen &auml;gyptische Vorfahren f&uuml;r sich in Anspruch.&ldquo;<\/p><p>Die &bdquo;Hellenomania&ldquo;  des 19.Jahrhunderts  sei viel vom Rassismus der Romantik inspiriert worden, schreibt Petra Wild. Der englische Dichter Lord Byron, das sei hier zus&auml;tzlich angemerkt, verherrlichte den griechischen Aufstand gegen die muslimischen Osmanen,  seine Haltung passte gut ins Bild eines  Philhellenismus,  der sich bewusst  vom Islam absetzte. Niemand aber besang die serbischen Aufst&auml;nde gegen die T&uuml;rken vom Beginn 19. Jahrhunderts &ndash;  die Serben galten als ein Volk aus den tiefen Schluchten des  Balkans, als  ein Volk  kulturlos und kaum erw&auml;hnenswert. Bis heute hat sich dieses Klischee erhalten.<\/p><p><strong>Auf der Suche nach einem neuen Feind<\/strong><\/p><p>Um ihre Hauptthese vom neuen Feindbild Islam zu untermauern, zitiert die Autorin einen  Beitrag der &bdquo;Washington Post&ldquo;, wonach das US-Verteidigungsministerium nach dem Ende des Kalten Krieges  aktiv auf der Suche  nach einem neuen Feind gewesen sei.  Petra Wild zitiert  den damaligen Oberbefehlshaber der NATO, John Calvin, der 1988 in seiner Abschiedsrede  angesichts des bevorstehenden Zusammenbruchs der Sowjetunion erkl&auml;rte:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Den Kalten krieg haben wir gewonnen. Nach einer siebzigj&auml;hrigen Verirrung  kommen wir nun zur eigentlichen Konfliktachse  der letzten 1300 Jahre zur&uuml;ck:  das ist die gro&szlig;e Auseinandersetzung mit dem Islam.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Tats&auml;chlich steht der amerikanische General Calvin und mit ihm vor allem Europa in der Tradition eines Konzeptes, wonach die westliche Welt so, wie sie sich seit Renaissance, Aufkl&auml;rung und dem von diesen Str&ouml;mungen inspirierten Kolonialismus entwickelt habe,  den meisten anderen Kulturen &uuml;berlegen sei.  (Diese These hat Samuel Huntington in seinem Werk &bdquo;Kampf der Kulturen&ldquo; in den Dienst der amerikanischen Expansionspolitik in der islamischen Welt gestellt.)<\/p><p>Die auf diesem Konzept beruhende Expansion des Westens entspricht einem Weltbild, dass der pal&auml;stinensische, einst in den USA lehrende, inzwischen verstorbene Wissenschaftler Edward Said (1935 &ndash; 2003) mit &bdquo;Orientalismus&ldquo; beschrieben hat. Petra Wild schreibt:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Der Orientalismus bestimmt die Wahrnehmung der westlichen Welt bis heute. Dessen wohl hartn&auml;ckigstes Erbe ist die Angewohnheit, alles, was die muslimische Welt betrifft, durch den Islam erkl&auml;ren zu wollen, wohingegen keiner auf die Idee k&auml;me, den Vietnamkrieg durch das Christentum &hellip; erkl&auml;ren zu wollen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Und weiter:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die islamische Welt wird au&szlig;erhalb der Geschichte gestellt und Muslime  &hellip;. werden zu einer besonderen Spezies gemacht. Das nutzte und nutzt  den imperialistischen M&auml;chten, deren Politik die Entwicklungen in der arabischen Welt entscheidend gepr&auml;gt haben. Da&szlig; nach dem 11.September 2001 versucht wurde, die Erkl&auml;rung f&uuml;r die Angriffe auf das Pentagon und das World Trade Center im Koran zu suchen statt in der US-Au&szlig;enpolitik, ist beredtes Zeichen f&uuml;r das Fortleben des Orientalismus.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Kulturelle Antipathie<\/strong><\/p><p>Dieser Orientalismus habe sich &bdquo;parallel zur kolonialen Durchdringung der arabisch-islamischen Welt durch  europ&auml;ische Gro&szlig;m&auml;chte&ldquo;  entwickelt  und sei eine &bdquo;Position der Dominanz und Konfrontation&ldquo; sowie &bdquo;kultureller Antipathie&ldquo; gewesen.  &bdquo;Die Grundannahmen des Orientalismus sind, dass der Orient  absolut anders als der Okzident und diesem unterlegen ist. Diese Vorstellung basiere auf der Dichotomie &bdquo;westliche Zivilisation &ndash; Orient&ldquo;, wobei &bdquo;letzterer als negatives Gegenst&uuml;ck zur westlichen Zivilisation per Definitionem der Inbegriff des Positiven ist&ldquo;.<\/p><p>Folgt man der Argumentation von Petra Wild, so ist der  antimuslimische Rassismus  Ausdruck eines Zivilisationsrassismus, der tief in der europ&auml;ischen Kultur  verankert  sei und der Anti-Islamismus ebenso umfasse wie Antisemitismus. Und dieser Rassismus, diese von der Vorstellung westlicher &Uuml;berlegenheit  gespeiste Haltung habe, schreibt Petra Wild, eine lange Geschichte.<\/p><p>Georg Wilhelm Friedrich Hegel etwa habe das Judentum als eine &bdquo;asiatische Religion&ldquo; bezeichnet, und f&uuml;r den Philosophen Gottfried Herder  seien die Juden  &bdquo;die &bdquo;Asiaten Europas&ldquo; gewesen. Die Kreuzz&uuml;ge seien, schreibt die Autorin weiter, gleicherma&szlig;en  &bdquo;antiislamisch und antisemitisch&ldquo;. gewesen. Und: &bdquo;Der ber&uuml;hmteste Dichter seiner Zeit, Dante Alighieri, verwies den Propheten Muhammed in seiner G&ouml;ttlichen Kom&ouml;die im 14.Jahrhundert in die siebte H&ouml;lle.&ldquo; <\/p><p>Auch die Aufkl&auml;rung habe ihren Anteil an der Einteilung der Welt in  Rassen (wertige und minderwertige)  und an der Vorstellung gehabt, die westliche Kultur sei  anderen Kulturen weit &uuml;berlegen. Immanuel Kant habe geschrieben, dass der Mensch in den hei&szlig;en L&auml;ndern zwar fr&uuml;her reife, aber &bdquo;nicht die Vollkommenheit der temperierten Zonen&ldquo; erreiche.   Die &bdquo;gelben Indianer&ldquo; h&auml;tten ein geringeres Talent (als die Wei&szlig;en) , die Neger seien weit tiefer und  am  tiefsten stehe &bdquo;ein Theil der amerikanischen V&ouml;lkerschaften&ldquo;.<\/p><p>Vom  allumfassenden Rassismus  waren auch Historiker  nicht frei. 1880   bediente  der deutsche Historiker   Heinrich von Treitschke  (1834-1896) einen Vorwurf, der seinerzeit f&uuml;r die Juden und heute f&uuml;r manche Muslime gilt. Treitschke schrieb nicht nur,  dass die Juden  sich nicht assimilieren wollten. Er formulierte auch den Satz, den sich das Kampfblatt der Nazis &bdquo;Der St&uuml;rmer&ldquo; zu eigen machte. Er lautet: &bdquo;Die Juden sind unser Ungl&uuml;ck.&ldquo;  Heute,  argumentiert Petra Wild, treffe ein &auml;hnlicher Vorwurf die Muslime, welche, wie manche behaupteten,   wie einst die Juden nach der Weltherrschaft strebten. Mathias D&ouml;pfner etwa vom Springerverlag habe von der &bdquo;Bedrohung unserer Kultur durch das Vordringen des Islam&ldquo; gewarnt.  F&uuml;r den derzeitigen deutschen Innenminister Hort Seehofer ist die &bdquo;Migration die Mutter aller Probleme&ldquo;, wobei, wohlgemerkt, die Fl&uuml;chtlinge zu allererst Muslime und  Afrikaner sind. <\/p><p>Die Furcht vor der muslimischen Zuwanderung wird durch viele Medien best&auml;rkt. Die Autorin zitiert die Website Politically Incorrect, nach deren  Behauptung &bdquo;unsere Nachkommen &ndash; und wahrscheinlich  schon wir selbst &ndash; aufgrund der kulturellen Expansion und der demographischen Entwicklung in zwei drei Jahrzehnten in einer weitgehend islamisch gepr&auml;gten Gesellschaftsordnung  leben m&uuml;ssen, die sich an der Scharia und dem Koran orientiert und nicht mehr am Grundgesetz und an den Menschenrechten&ldquo;.<\/p><p>Das wohl teilweise bewusste Missverstehen des Islam findet sich auch in  diskriminierenden Berichten wieder: Unter der Chefredaktion von Stefan Aust erschienen, wie die Autorin berichtet, im &bdquo;Spiegel&ldquo; rei&szlig;erische Titelgeschichten wie &bdquo;Allahs blutiges Land&ldquo; &ndash; &bdquo;Allahs rechtlose T&ouml;chter&ldquo; &ndash; &bdquo;Papst kontra Mohammed&ldquo; und &bdquo;Mekkadeutschland&ldquo;.<\/p><p><strong>Keine Aufkl&auml;rung im Islam?<\/strong><\/p><p>Ein weiterer Vorwurf, der dem Islam gemacht wird, ist jener, wonach es im Islam  keine Aufkl&auml;rung gegeben habe. Diesem Vorwurf liegt zun&auml;chst einmal die eurozentrisch gepr&auml;gte Weltanschauung zugrunde, wonach sich alle Kulturen gleichm&auml;&szlig;ig, d.h. nach europ&auml;ischem Vorbild zu entwickeln h&auml;tten.   Die alte Frage nach den &bdquo;cluster of absences&ldquo;, nach den Errungenschaften, welche die Westler haben und die Orientalen nicht haben,  geistert auch heute noch durch manche politische Diskussion. Welch geistige Armut herrschte auf dem Globus, g&auml;be es nur eine, und in diesem Falle eint&ouml;nige  europ&auml;ische Kultur.   <\/p><p>In der Bl&uuml;tezeit des Islam, im Abbassiden-Kalifat von Bagdad (das unter dem Ansturm der Mongolen 1258 zugrunde ging)  bl&uuml;hten die Wissenschaften. Araber tradierten nicht nur das Wissen der Griechen auf  sp&auml;tere, &bdquo;abendl&auml;ndische&ldquo; Generationen; sie brachten in Andalusien, aber nicht nur dort, auch hervorragende Wissenschaftler wie Ibn Sina  (lateinisch Avincenna, etwa 980-1037) und Ibn Rushd (Averros, 1126-1198) hervor. Mag sein, dass sich die islamische Hochzivilisation im Zweistromland vom &bdquo;Mongolensturm&ldquo;  (damals wurde auch das ausgekl&uuml;gelte Bew&auml;sserungssystem zerst&ouml;rt) nie wieder recht erholt hat. <\/p><p>Aber auch der europ&auml;ische Kolonialismus hat die arabisch-muslimische Welt noch einmal zur&uuml;ckgeworfen. Petra Wild schreibt,  alle islamischen Reformbewegungen, die seit dem 18.Jahrhundert aufgekommen seien, seien  weniger Produkte des Islam als Reaktionen auf den imperialen Westen gewesen.<\/p><p>Manch einem der oben erw&auml;hnten journalistischen Quertreiber  und manch einem nationalistischem Historiker wie  Treitschke w&auml;re vor dem Verfassen seines Oevre ein tieferer Blick in die  Geschichte zu g&ouml;nnen gewesen. Dann h&auml;tte er, wie Petra Wild schreibt, festgestellt, dass sich die arabisch-islamische Welt  auf dieselben antiken Traditionen gr&uuml;ndet wie Europa. &bdquo;Die griechisch-antike Denktradition floss neben Elementen des Judentums und des Christentums  auch in den Islam ein, w&auml;hrend Europa  &uuml;ber Jahrhunderte davon abgeschnitten war.&ldquo;<\/p><p><strong>Unterlegenes Abendland?<\/strong><\/p><p>Auch zivilisatorisch war die islamische Welt &uuml;ber Jahrhunderte dem &bdquo;Abendland&ldquo; &uuml;berlegen. So habe beispielsweise  Kanalisation und Stra&szlig;enbeleuchtung  erst im Europa des 19.Jahrhunderts in den St&auml;dten Einzug gehalten, w&auml;hrend diese Errungenschaften schon im alten Damaskus  und in Bagdad sowie in den persischen und islamisch-spanischen St&auml;dten des 9. Jahrhunderts Standard gewesen seien.  Die Autorin z&auml;hlt eine F&uuml;lle von Beispielen auf, an denen sich der Einfluss der arabischen Kultur auf die westliche festmachen l&auml;sst.  So sei die Einf&uuml;hrung der Algebra der gr&ouml;&szlig;te Beitrag, den die Araber zur Entwicklung der europ&auml;ischen Mathematik geleistet h&auml;tten. Und, wohl den wenigsten bekannt: das Wort Algorithmus  leite sich vom Namen des  iranisch-arabischen  Wissenschaftlers  al-Kwarizimi ab. Al-Kwarizimi &ndash; geboren 780, gestorben nach 850 &ndash; war ein aus dem Iran stammender, aber in Bagdad lehrender und forschender Universalgelehrter.<\/p><p>Mit  einem Ausblick in die europ&auml;isch-islamische Geschichte beendet Petra Wild ihr Buch.  Das Kapitel &uuml;ber Al-Andalus, &uuml;ber das muslimische Spanien, beweist noch einmal die Interdependenz der Kulturen. &bdquo;Die Iberische Halbinsel&ldquo;, schreibt die Aurorin,  &bdquo;entwickelte sich  unter arabischer Herrschaft zu einer bl&uuml;henden muslimisch-christlich-j&uuml;dischen Zivilisation.&ldquo;  Nachdem diese Kultur unter dem Angriff christlicher Staaten  1492 zugrunde gegangen war, folgte, wie Petra Wild schreibt,  unter den katholischen  Herrschern Ferdinand von Aragon  und Isabella von Kastilien &bdquo;eine lange Phase der religi&ouml;ser Intoleranz und der Geistfeindlichkeit. Mehr als drei Millionen Muslime&ldquo;, schreibt die Autorin, &bdquo;Juden und auch viele arabisierte Christen mussten fliehen; im eroberten Granada flammten kurz nach der Macht&uuml;bernahme  durch die katholischen K&ouml;nige  die Scheiterhaufen auf. Zun&auml;chst waren es die B&uuml;cher der Araber und Juden, die in Flammen aufgingen und das Erbe einer der reichsten Kulturen des Abendlandes vernichteten. Doch &hellip; wo man B&uuml;cher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen, wie Heinrich Heine in seiner Granada-Trag&ouml;die  Almansour schrieb.&ldquo;<\/p><p>In der Tat trat an die Stelle der weltoffenen muslimischen Kultur Andalusiens nach 1492 die Diktatur des Katholizismus. Tomas de Torquemada (1420-1498) wurde der erste Gro&szlig;inquisitor der &bdquo;katholischen K&ouml;nige&ldquo;.   Torquemada,  Dominikanerm&ouml;nch und Beichtvater Isabellas von Kastilien,  verfolgte vor allem  zum Christentum zwangskonvertierte Juden und zwangskonvertierte Muslime, die ihren Glauben heimlich weiter aus&uuml;bten.<\/p><p>Westliche Wertegemeinschaft, christlich-j&uuml;disches Abendland &ndash; angesichts der von Petra Wild aufgetischten geballten Ladung an historischen Fakten schrumpfen diese von unseren Politikern in Talkshows oft als Versatzst&uuml;cke gebrauchten und missbrauchten Begriffe auf Normalma&szlig;. <\/p><p>Immerhin, die neue Diskussion um den &bdquo;Lieblingsfeind Islam&ldquo;  hat eine uralte Diskussion  wiederbelebt. Hat nun der englische, 1865 in Bombay geborene, sp&auml;tere Literaturnobelpreistr&auml;ger Rudyard Kipling Recht, wenn er schreibt: &bdquo;Ost ist Ost und West ist West,  und niemals treffen sich die beiden&ldquo;? Oder halten wir es mit Johann Wolfgang von Goethe, der in seinem West-&Ouml;stlichen Diwan schreibt: <\/p><blockquote><p>\nWer sich selbst und andere kennt,<br>\nWird auch hier erkennen:<br>\nOrient und Okzident<br>\nSind nicht mehr zu trennen.\n<\/p><\/blockquote><p><em>Petra Wild: Lieblingsfeind Islam. Historische, politische  und sozialpsychologische Aspekte des antimuslimischen Rassismus.  ProMedia Verlag Wien, 2018<\/em><br>\n<em>Ebenfalls von Petra Wild: Apartheid und ethnische S&auml;uberung in Pal&auml;stina. Der Zionistische Siedlerkolonialismus in Wort und Tat. ProMedia Verlag Wien, 2013<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die muslimische Religionslehre fungiert im Westen als Projektionsfl&auml;che f&uuml;r &Auml;ngste und dadurch als Ersatz f&uuml;r Antisemitismus und Antikommunismus, wie Petra Wild in ihrem neuen Buch &bdquo;Lieblingsfeind Islam&ldquo; schreibt. In ihrer Hauptthese bestreitet sie, dass sich Kulturen separat voneinander entwickeln: Die &bdquo;Reinheit&ldquo; einer Kultur gebe es nicht. Von <strong>Heiko Flottau<\/strong>.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[207,88,107,159,208],"tags":[1949,339,943,1055,2487,1268,1792,2486,1568,826,582,420],"class_list":["post-46528","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-anti-islamismus","category-antisemitismus","category-audio-podcast","category-fremdenfeindlichkeit-rassismus","category-rezensionen","tag-aufklaerung","tag-chauvinismus","tag-doepfner-mathias","tag-fluechtlinge","tag-inquisition","tag-kalter-krieg","tag-kolonialismus","tag-orientalismus","tag-politically-incorrect","tag-rassismus","tag-seehofer-horst","tag-spiegel"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/46528","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=46528"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/46528\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":50059,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/46528\/revisions\/50059"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=46528"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=46528"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=46528"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}