{"id":46547,"date":"2018-10-16T11:21:13","date_gmt":"2018-10-16T09:21:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46547"},"modified":"2019-06-02T10:52:56","modified_gmt":"2019-06-02T08:52:56","slug":"groenland-us-militaer-gegen-chinesischen-ausbau-der-infrastruktur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46547","title":{"rendered":"Gr\u00f6nland: US-Milit\u00e4r gegen chinesischen Ausbau der Infrastruktur"},"content":{"rendered":"<p>In Gr&ouml;nland entwickelt sich, bisher weitab der Welt&ouml;ffentlichkeit, ein exemplarischer Konflikt: Die USA wollen die riesige, kaum bewohnte Insel weiter exklusiv milit&auml;risch nutzen, mithilfe des NATO-Musterstaats D&auml;nemark. Aber die gr&ouml;nl&auml;ndische Regierung will das Land wirtschaftlich entwickeln &ndash; mithilfe Chinas.<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/181017-groenland.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>Polarfuchs und &Uuml;berwachungssymbole &uuml;ber der n&ouml;rdlichen Erdhalbkugel<\/p><p><!--more--><\/p><p><strong>Von Werner R&uuml;gemer<\/strong><\/p><p>Gr&ouml;nland, im arktischen Nordatlantik nahe Kanada gelegen, die gr&ouml;&szlig;te Insel der Erde, hat eine sechsmal gr&ouml;&szlig;ere Fl&auml;che als Deutschland, aber nur 56.000 Einwohner. Sie leben wie seit Jahrhunderten fast ausschlie&szlig;lich vom Fischfang (Heilbutt, Kabeljau, Krabben), mit dem auch zu 90 Prozent der Export bestritten wird; inzwischen kam etwas Tourismus hinzu. Das Land wird bisher wirtschaftlich unterentwickelt gehalten: D&auml;nemark h&auml;lt die ehemalige Kolonie mit inzwischen zugestandener Selbstverwaltung weiter in einem halbkolonialen Zustand. Vor allem wollen die USA ihren weltweit vernetzten Milit&auml;r-St&uuml;tzpunkt Thule Air Base ungest&ouml;rt und unbeobachtet weiter ausbauen.<\/p><p><strong>Von der Kolonie zu Unabh&auml;ngigkeit und Entwicklung<\/strong><\/p><p>Aber seit den 1970er Jahren hat sich die gr&ouml;nl&auml;ndische Unabh&auml;ngigkeitsbewegung durch drei Volksabstimmungen schrittweise Raum verschafft: 1979 wurde Gr&ouml;nland zu einer &bdquo;Nation&ldquo; innerhalb der d&auml;nischen Monarchie, 1985 trat Gr&ouml;nland aus der EU aus (u.a. wegen der &Uuml;berfischung der umgebenden Gew&auml;sser nach EU-Recht), seit 2009 gilt die erweiterte Selbstverwaltung mit eigenem Parlament und eigener Regierung. F&uuml;r 2021 hofft die Unabh&auml;ngigkeitsbewegung auf die vollst&auml;ndige  nationale Souver&auml;nit&auml;t. Allerdings ist das monarchische D&auml;nemark, NATO-Mitglied, weiter f&uuml;r Au&szlig;en- und Milit&auml;rpolitik zust&auml;ndig.<\/p><p>K&ouml;nigin Margarethe II. spielt Staatsoberhaupt und Oberbefehlshaber der d&auml;nischen Streitkr&auml;fte: Auch wenn sie sich in ihrem franz&ouml;sischen Schloss Chateau de Cayx auf 24 Hektar dem Weinbau widmet und ihr Prinzgemahl dort die G&auml;ste durch seine Sammlung naiver afrikanischer Kunst f&uuml;hrt[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] &ndash; da kann nichts passieren, der Gro&szlig;e Bruder regelt alles Wichtige, wie seit sieben Jahrzehnten.<\/p><p>Gr&ouml;nland ist reich an Bodensch&auml;tzen: Erz, Zink, Blei, Uran, &Ouml;l, Edelsteine, auch an  seltenen Erden: Cer, Lanthan, Neodym, Terbium und Yttrium, die f&uuml;r die Elektronikindustrie weltweit gebraucht werden. Das ist lange bekannt. Aber die USA und der NATO-Musterstaat D&auml;nemark geben verbissen der milit&auml;rischen Nutzung den Vorrang. Deshalb, aber auch wegen der geografischen und klimatischen Lage sowie der dicken Eisschicht war die Erschlie&szlig;ung f&uuml;r westliche Unternehmen nicht lohnend. Viele Einheimische sind arbeitslos und arm.<\/p><p>Die zunehmend selbstbewusste Regierung der Insel sucht deshalb nach M&ouml;glichkeiten wirtschaftlicher Entwicklung. Aber den zun&auml;chst interessierten britischen und norwegischen Investoren erschien die Sache nicht lohnend. US-Investoren haben &uuml;berhaupt kein Interesse: da ist kein schneller Gewinn m&ouml;glich.<\/p><p>Doch 2014 kaufte das chinesische Bergbauunternehmen General Nice Group (GNG) das insolvente britische Unternehmen London Mining und dessen Lizenzen in Gr&ouml;nland. GNG mit 12.000 Besch&auml;ftigten und Niederlassungen in 80 Staaten ist ein wichtiger Zulieferer der weltweiten Stahlindustrie. Einige Bergbauprojekte wurden begonnen. Die  gr&ouml;nl&auml;ndische Regierung verbindet damit gro&szlig;e Hoffnung.[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]  <\/p><p>Zum Ausbau der Infrastruktur f&uuml;r die Einwohner, die auf 17 weit voneinander entfernte Orte verteilt sind, hat die Regierung den Bau und Betrieb von drei Flugh&auml;fen ausgeschrieben &ndash; bisher gibt es nur einen zivilen Flughafen. Auch der Tourismus soll damit weiter gef&ouml;rdert, sp&auml;ter sollen auch Stra&szlig;en gebaut werden. F&uuml;r die neuen Flugh&auml;fen machten 11 Unternehmen Angebote, aus D&auml;nemark, Kanada, Island, den F&auml;roer Inseln, den Niederlanden &ndash;  und die China Communications Construction Company (CCCC). Der gr&ouml;nl&auml;ndische Regierungschef Kim Kielsen hatte Peking besucht, die chinesischen Bewerber haben wegen ihres integrierten Ansatzes und g&uuml;nstiger Konditionen die besten Aussichten.[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>]<\/p><p><strong>Thule Air Base &ndash; &Uuml;berwachung der Nordhalbkugel und Russlands<\/strong><\/p><p>Doch dann intervenierten 2016 das US State Department und das Pentagon. Die USA sind auf der Insel seit 1941 ununterbrochen milit&auml;risch pr&auml;sent. Auf Gr&ouml;nland, damals eine Kolonie des K&ouml;nigreichs D&auml;nemark, hatten die USA im 2. Weltkrieg einen Milit&auml;rst&uuml;tzpunkt errichtet. Die USA f&ouml;rderten D&auml;nemark danach mit dem Marshallplan, damit der bisher neutrale Kleinstaat 1949 Gr&uuml;ndungsmitglied der NATO wurde. 1951 wurde auch die Kolonie Gr&ouml;nland zum NATO-Verteidigungsgebiet erkl&auml;rt. Seitdem wurde im Kalten Krieg gegen die Sowjetunion der US-Milit&auml;rst&uuml;tzpunkt Thule Air Base ausgebaut. Einheimische Inuits wurden zwangsumgesiedelt. Der St&uuml;tzpunkt ist heute mit 550 Milit&auml;rs und festangestelltem Personal besetzt, das teilweise auch aus Kanada und D&auml;nemark stammt.<\/p><p>Thule Air Base geh&ouml;rt wie 21 weitere Milit&auml;rst&uuml;tzpunkte in 9 europ&auml;ischen und anderen Staaten zur Peterson Air Force Base in Colorado\/USA. Die ist wiederum Teil des North American Aerospace Defense Command (NORAD), des US Air Force Space Command (ADSPC) und der NATO. Aufgabe der Thule Air Base: &Uuml;berwachung und Kontrolle des Luftraums &uuml;ber der gesamten Nordhalbkugel einschlie&szlig;lich Russlands. Dazu besteht u.a. die Verbindung zu 150 Satelliten und zu mehreren Au&szlig;enstellen auf der Insel, auch f&uuml;r Wetter- und Bodenerkundung. &Uuml;ber die 3.000-Meter-Rollbahn werden t&auml;glich etwa 10 Fl&uuml;ge abgewickelt. Die Milit&auml;rs haben auf der Insel auch Zugang zum n&ouml;rdlichsten Meereshafen mit dem gr&ouml;&szlig;ten Tiefgang. Zum milit&auml;rischen Areal geh&ouml;ren 505 Spezialfahrzeuge, zwei Kraftwerke, Tanks, Pipelines, Wohnungen, Fitness Center, Bowling Center, rund um die Uhr besetztes Krankenhaus mit zahlreichen Spezialabteilungen, Bibliothek.<\/p><p>Zu den Aufgaben der geopolitisch zentralen Milit&auml;rstation geh&ouml;rt auch die umfassende geologische Erforschung der Arktis: Die Gas- und &Ouml;lvorr&auml;te sind wohl gr&ouml;&szlig;er als die auf der arabischen Halbinsel, wei&szlig; das U.S. Geological Survey.[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] Auf der website der Peterson Air Force Base hei&szlig;t es nach dem &bdquo;America First&ldquo;-Prinzip: Wir sorgen f&uuml;r die Luftraum&uuml;berlegenheit und die wissenschaftliche Erforschung der Arktis &bdquo;f&uuml;r unsere Nation&ldquo;.[<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>]<\/p><p><strong>State Department und Pentagon: &bdquo;Die chinesische Gefahr!&ldquo;<\/strong><\/p><p>2016 wollte die d&auml;nische Regierung einen kleinen verlassenen d&auml;nischen Marinest&uuml;tzpunkt in Gr&ouml;nland verkaufen. Als ein chinesisches Unternehmen sich daf&uuml;r interessierte, zog sie das Angebot schnell zur&uuml;ck &ndash; aus R&uuml;cksicht auf die USA.<\/p><p>Die US-Regierung wei&szlig; genau, dass &bdquo;der Mangel an Infrastruktur die Entwicklung  behindert&ldquo;, wie es im World Factbook des Geheimdienstes CIA &uuml;ber Gr&ouml;nland hei&szlig;t.[<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>]  Aber wegen der chinesischen Angebote zum Bau der neuen Flugh&auml;fen und Stra&szlig;en haben die USA &bdquo;Sicherheits&ldquo;bedenken angemeldet. Vor allem den gr&ouml;&szlig;ten Flughafen der Hauptstadt Nuuk mit einer Investitionssumme von 560 Millionen US-Dollar sieht das Pentagon als Gefahr f&uuml;r die &bdquo;nationale Sicherheit&ldquo; (der USA).<\/p><p>Die USA f&uuml;rchten &uuml;berall den Ausbau der zivilen Infrastruktur der Insel, etwa auch der &bdquo;Arktischen Seidenstra&szlig;e&ldquo;, eines chinesischen Projekts: Aufbau eines n&ouml;rdlichen Hafensystems zur Verk&uuml;rzung der Seewege, erg&auml;nzt durch den Aufbau von Industrie und Dienstleistungen. Hinter vorgehaltener Hand gestanden d&auml;nische Regierungsbeamte schon fr&uuml;hzeitig, dass man auf die &bdquo;Interessen unseres engsten B&uuml;ndnispartners USA&ldquo; R&uuml;cksicht nehmen m&uuml;sse.[<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>]<\/p><p>Der Atlantic Council, das Pentagon und das State Department wurden in Kopenhagen vorstellig und bearbeiteten vor allem den d&auml;nischen Verteidigungsminister Claus Hjort Fredricksen. Der war schon von 2001 bis 2009 Minister in allen drei Vorg&auml;nger-Regierungen unter dem damaligen Ministerpr&auml;sidenten Anders Fogh Rasmussen gewesen, dem nachmaligen NATO-Generalsekret&auml;r.<\/p><p>Nach einer Kurzvisite des US-Verteidigungsministers Jim Mattis Ende Mai 2018 in Kopenhagen war die Sache dann klar. Fredericksen erkl&auml;rte nach dem Treffen: Das Pentagon m&ouml;chte keine chinesischen Investitionen in Gr&ouml;nland, das bedrohe &bdquo;die Sicherheit&ldquo; (gemeint war die Sicherheit der USA).[<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>] Fredericksen will einerseits die Gr&ouml;nl&auml;nder nicht verprellen: &bdquo;Wir begr&uuml;&szlig;en die Kooperation mit China&ldquo;, erkl&auml;rte er. Aber wichtiger sei doch etwas anderes: &bdquo;Wir im NATO-B&uuml;ndnis m&uuml;ssen uns gegenseitig helfen und insbesondere die Beziehung zu den USA darf nicht gest&ouml;rt werden&ldquo;.[<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>]<\/p><p>Jon Rahbek-Clemmensen vom K&ouml;niglich-D&auml;nischen  Verteidigungs-Institut fantasierte  eine weitere Gefahr herbei: &bdquo;Eine chinesische Pr&auml;senz in Gr&ouml;nland w&uuml;rde die Position der USA auf der Insel komplizieren. China k&ouml;nnte die gr&ouml;nl&auml;ndische Regierung dazu zwingen wollen, von den USA den Abzug zu verlangen oder auch einen chinesischen Milit&auml;r-St&uuml;tzpunkt zu genehmigen.&ldquo;[<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>] Das ist d&uuml;mmliche Demagogie, denn nirgends in der Welt gehen chinesische Unternehmen so vor &ndash; davon abgesehen, dass das gar nicht funktionieren w&uuml;rde.<\/p><p><strong>D&auml;nemark als vielverwendbarer US-Vasall<\/strong><\/p><p>D&auml;nemark ist ein NATO-Musterstaat: klein, unauff&auml;llig, zun&auml;chst jahrzehntelang sozialdemokratisch regiert und immer folgsam. Die Halbkolonie Gr&ouml;nland wurde zugunsten der Thule Air Base vor wirtschaftlicher Entwicklung gesch&uuml;tzt, D&auml;nemark subventioniert lieber Arbeitslosigkeit und Armut. Aber dann wurde es noch direkter: Anders Fogh Rasmussen dr&uuml;ckte ab 1998 als Vorsitzender die wirtschaftsliberale Venstre-Partei nach rechts. Er schrieb das Buch &bdquo;Vom Sozialstaat zum Minimalstaat&ldquo;: Sozialstaat abbauen, Milit&auml;r- und Sicherheitsstaat ausbauen! Mit Ausl&auml;nderhetze gewann er 2001 die Wahl. Mit der rassistischen, nationalistischen D&auml;nischen Volkspartei bildete er als Ministerpr&auml;sident bis 2009 dreimal eine Minderheitsregierung.[<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>]<\/p><p>Rasmussen schickte d&auml;nisches Milit&auml;r begeistert mit in die US-Kriege in Afghanistan und im Irak. 2009 machten die USA unter Pr&auml;sident Barack Obama den militanten Rechtspopulisten zum NATO-Generalsekret&auml;r &ndash; kein Protest kam von der CDU\/SPD-Bundesregierung (Merkel\/M&uuml;ntefering) und der EU. Rasmussen war ideal, um die Kontakte zu rechtspopulistischen EU-Staaten in Osteuropa zu vertiefen, die US-gef&uuml;hrte Osterweiterung der NATO gegen Russland zu koordinieren und als scheinbares europ&auml;isches Interesse darzustellen.<\/p><p>Auch die ebenso fremdenfeindlichen Folgeregierungen D&auml;nemarks seit 2009 unter Namensvetter Lars Rasmussen agieren nationalistisch, was im Kern bedeutet: Unterst&uuml;tzung f&uuml;r US-Interessen. D&auml;nemark will so auch auf Druck der USA die zun&auml;chst genehmigte Verlegung von R&ouml;hren der Gas-Pipeline Nord Stream 2 von Russland nach Westeuropa entlang der d&auml;nischen K&uuml;sten verbieten. Gleichzeitig haben die USA und D&auml;nemark ihre Energiegesch&auml;fte mit dem US-Fl&uuml;ssiggas intensiviert.[<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>]<\/p><p>Facebook und Apple haben in D&auml;nemark mit besonderen Vorrechten ihre neuen europ&auml;ischen Serverfarmen er&ouml;ffnet. D&auml;nemark behandelt als erster Staat die Digital-Giganten wie souver&auml;ne Staaten und l&auml;sst sich vor Ort in Palo Alto\/Kalifornien durch einen &bdquo;digitalen Botschafter&ldquo; vertreten. So will Botschafter Casper Klynge diese  Konzerne f&uuml;r die Bek&auml;mpfung des Terrorismus in Europa gewinnen, IBM soll die Datenverarbeitung der Fl&uuml;chtlingsrouten &uuml;bernehmen.[<a href=\"#foot_13\" name=\"note_13\">13<\/a>]<\/p><p><strong>Regierungskrise wegen des chinesischen Angebots<\/strong><\/p><p>So einfach nach US-Kommando ist der Konflikt in Gr&ouml;nland aber wohl nicht zu regeln. China kann nicht so einfach drau&szlig;engehalten werden &ndash; nicht nur, weil die Volksrepublik wirtschaftlich stark ist. Und China hat f&uuml;r die vom Westen vernachl&auml;ssigte Infrastruktur auf allen Kontinenten und in unterentwickelten Regionen etwas zu bieten, was westliche Investoren und Regierungen nicht bieten.<\/p><p>Der andere Grund f&uuml;r den sich entwickelnden Konflikt ist die gr&ouml;nl&auml;ndische  Unabh&auml;ngigkeitsbewegung. Sie hat sich in den letzten Jahrzehnten schrittweise und geduldig vorangek&auml;mpft. Sie hat die Mehrheit der Bev&ouml;lkerung hinter sich. Und das offen aggressive Auftreten der USA unter Pr&auml;sident Trump macht die Supermacht auch in der EU und auch in D&auml;nemark und auch in Gr&ouml;nland nicht beliebter. Denn Trumps Handelskriege gegen China und die EU schaden inzwischen auch den jahrzehntelang allerengsten B&uuml;ndnispartnern.<\/p><p>Deshalb will die d&auml;nische Regierung nicht frontal gegen die Regierung Gr&ouml;nlands vorgehen, sondern versucht es jetzt mit einem Trick: Rasmussen Nummer Zwei, der ebenso einer nationalistischen, rechtsliberalen und ultrarechts gest&uuml;tzten Regierung vorsteht, bot den Gr&ouml;nl&auml;ndern an, sich als Miteigent&uuml;mer an den Kosten der drei Flugh&auml;fen zu beteiligen, noch einen sehr zinsg&uuml;nstigen Kredit zu gew&auml;hren und f&uuml;r weitere Bankkredite Staatsgarantien abzugeben.<\/p><p>Aber so wollen sich Teile der gr&ouml;nl&auml;ndischen Regierung nicht hineinregieren lassen. Der Koalitionspartner Partii Naleraq warnte, dass ein solcher Deal mit D&auml;nemark die f&uuml;r 2021 angestrebte v&ouml;llige Unabh&auml;ngigkeit der Nation Gr&ouml;nland unwahrscheinlich mache. Das sei nun schon die zweite Einmischung der d&auml;nischen Regierung in innere Angelegenheiten Gr&ouml;nlands.<\/p><p>Naleraq zog ihre beiden Minister Pele Broberg (Finanzen) und Anthon Frederiksen (Soziales) aus der Regierung zur&uuml;ck. Damit verlor Ministerpr&auml;sident Kim Kielsen die Mehrheit im Parlament: Er verf&uuml;gt mit seiner sozialdemokratisch biegsamen Partei Siumut jetzt nur noch &uuml;ber 12 von 31 Sitzen.[<a href=\"#foot_14\" name=\"note_14\">14<\/a>] Die n&auml;chste Entscheidung &uuml;ber das Flughafen-Projekt soll im gr&ouml;nl&auml;ndischen Parlament am 22. Oktober fallen.<\/p><p>Ex-Finanzminister Broberg erkl&auml;rte den Nachdenkseiten: &bdquo;Wir von Partii Naleraq hoffen, dass der Rest der Welt und die UNO-Mitglieder aufwachen und verstehen, wie D&auml;nemark unser Land immer noch als Kolonie betrachtet, unter dem Vorwand der &lsquo;Hilfe&rsquo;&ldquo;.<\/p><p><em>In seinem aktuellen Buch geht Werner R&uuml;gemer auf den epochalen Konflikt zwischen dem US-gef&uuml;hrten westlichen Kapitalismus und China ein: <strong>Die Kapitalisten des 21. Jahrhunderts. Gemeinverst&auml;ndlicher Abriss zum Aufstieg der neuen Finanzakteure<\/strong>. K&ouml;ln Papyrossa Verlag 2018, 357 Seiten, 19,90 Euro.<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] <a href=\"http:\/\/www.chateau-de-cayx.com\/fr\">chateau-de-cayx.com\/fr<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Andreas Uldum, Minister for Finance and Mineral Resources, The Government of Greenland: New strong force behind London Mining Greenland A\/S, <a href=\"http:\/\/naalakkersuisut.gl\/en\">naalakkersuisut.gl\/en<\/a> 8.1.2015<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] China befl&uuml;gelt Gr&ouml;nlands Traum von Unabh&auml;ngigkeit und Wohlstand, Handelsblatt 24.4.2018<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] <a href=\"https:\/\/energy.usgs.gov\/RegionalStudies\/Arctic.aspx\">energy.usgs.gov<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.peterson.af.mil\/units\/821st-Air-Base-Group\">peterson.af.mil<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.cia.gov\/library\/publications\/the-world-factbook\/geos\/gl.html\">cia.gov<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] Denmark &bdquo;deeply concerned&ldquo; over Chinese bids to build Greenland Airports, <a href=\"http:\/\/www.globalconstructionreview.com\">globalconstructionreview.com<\/a> 26.3.2018<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] Greenlands plans build new airports gather momentum, <a href=\"https:\/\/arctictoday.com\">arctictoday.com<\/a> 29.5.2018<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] How a potential Chinese-built airport in Greenland could be risky for a vital US Air Force Base, <a href=\"https:\/\/www.defensenews.com\/global\/europe\">defensenews.com<\/a> 7.9.2018<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.defensenews.com\/\">defensenews.com<\/a> ebenda<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] Reinhard Wolff: Ausl&auml;nderhetze f&uuml;hrt zum Wahlsieg, taz 22.11.2001<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_12\" name=\"foot_12\">&laquo;12<\/a>] Nord Stream 2 will D&auml;nemark umgehen, Deutsche Wirtschaftsnachrichten 10.8.2018<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_13\" name=\"foot_13\">&laquo;13<\/a>] &bdquo;Tech-Konzerne sind viel einflussreicher als mancher Nationalstaat&ldquo;, S&uuml;ddeutsche Zeitung 20.1.2018<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_14\" name=\"foot_14\">&laquo;14<\/a>] Parliament&rsquo;s 700 million kroner offer to fund Greenland&rsquo;s airports splits island&rsquo;s coalition, <a href=\"http:\/\/cphpost.dk\/news\">cphpost.dk<\/a> 11.9.2018<\/p>\n<\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/620e0adcea4a475aa4f4aa658e91957a\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Gr&ouml;nland entwickelt sich, bisher weitab der Welt&ouml;ffentlichkeit, ein exemplarischer Konflikt: Die USA wollen die riesige, kaum bewohnte Insel weiter exklusiv milit&auml;risch nutzen, mithilfe des NATO-Musterstaats D&auml;nemark. 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