{"id":4659,"date":"2010-03-02T16:05:55","date_gmt":"2010-03-02T15:05:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4659"},"modified":"2015-12-16T14:47:40","modified_gmt":"2015-12-16T13:47:40","slug":"in-sachen-griechenland-und-euroraum-wird-weiter-auf-primitive-weise-agiert-bei-politik-und-medien-gibt-es-dazu-wirklich-keine-alternative","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4659","title":{"rendered":"In Sachen Griechenland und Euroraum wird weiter auf primitive Weise agiert. Bei Politik und Medien. Gibt es dazu wirklich keine Alternative?"},"content":{"rendered":"<p>Nur noch mit Kopfsch&uuml;tteln kann man die Aktionen der Akteure wie auch die Mehrheit der Medienberichte und Kommentare verfolgen: Hier wird ohne gesamtwirtschaftliche Einsicht und ohne Verantwortungsbewusstsein operiert. Wir kommen deshalb noch einmal auf das Problem zur&uuml;ck: mit 16 Punkten zum Problem einschlie&szlig;lich der Diskussion von L&ouml;sungsvorschl&auml;gen und der Verwendung eines noch zu ver&ouml;ffentlichenden Artikels von Heiner Flassbeck und Friederike Spiecker. Albrecht M&uuml;ller<br>\n<!--more--><br>\nZun&auml;chst weisen wir auf zwei einschl&auml;gige Medienprodukte hin. Einschl&auml;gig in der Tonlage und Sto&szlig;richtung. <\/p><p>Spiegel Online nennt das Ganze eine <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/0,1518,681109,00.html\">&bdquo;Schuldenkrise&ldquo;<\/a>. Die Redakteure haben offensichtlich nichts verstanden vom wirklichen Problem, der Auseinanderentwicklung der Lohnst&uuml;ckkosten und der Wettbewerbsf&auml;higkeit der L&auml;nder im Euroraum.<\/p><p>Die S&uuml;ddeutsche Zeitung setzt in der Tonlage noch eins drauf &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/,tt3l1\/finanzen\/416\/504626\/text\/\">Rehn zieht Griechen die Daumenschrauben an<\/a> &ndash; Die EU kn&ouml;pft sich Griechenland vor: W&auml;hrungskommissar Rehn pocht auf st&auml;rkere Sparbem&uuml;hungen und Luxemburgs Ministerpr&auml;sident droht mit drastischen Worten.&ldquo;<\/p><p>Bei Spiegel Online hei&szlig;t es:<\/p><blockquote><p>&bdquo;<strong>EU zwingt Griechenland zur Radikal-Sparkur<\/strong><br>\nBr&uuml;ssel erh&ouml;ht den Druck auf die Regierung in Athen: EU-W&auml;hrungskommissar Rehn verlangt von Griechenland, die Sparbem&uuml;hungen zu verst&auml;rken. Finanzminister Papakonstantinou zeigt sich einsichtig &ndash; und k&uuml;ndigt harte Einschnitte f&uuml;r die Bev&ouml;lkerung an. &hellip;<br>\nExperten von EU, EZB und IWF sind bei einem Kontrollbesuch nach Angaben aus informierten Kreisen in Athen zu dem Ergebnis gekommen, dass die bisherigen Sparma&szlig;nahmen der Regierung nicht zur geforderten Defizitverringerung ausreichten. N&ouml;tig seien auch eine Erh&ouml;hung der Mehrwertsteuer, die Erh&ouml;hung des Rentenalters sowie der Abbau von Sozialleistungen.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Es ist erschreckend, welche Personen im Namen Europas unsere Geschicke leiten. Ich habe ausnahmsweise bei Wikipedia nach <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Olli_Rehn\">&bdquo;Olli Rehn&ldquo;<\/a>, dem zust&auml;ndigen Br&uuml;sseler Kommissar nachgeschaut. Offenbar ist dieser Mann f&uuml;r den komplizierten Job nicht ausgebildet. Das ist die beste Voraussetzung zur &Uuml;bernahme, Weiterverbreitung und Durchsetzung der herrschenden Ideologie.<\/p><p>Einer unserer Leser macht darauf aufmerksam, dass hier wie so oft im neoliberalen Lager der Eindruck erweckt wird, es gelte TINA, there is no alternative. Und weiter schreibt er: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Vermutlich entspricht dies auch alles der Wahrheit, denn Griechenland wird tats&auml;chlich gezwungen, sich dem Diktat der EU zu unterwerfen &ndash; sonst gibt es halt keine Hilfen&hellip; Man sollte aber eine kritische Auseinandersetzung mit den Forderungen erwarten &ndash; beim Spiegel leider Fehlanzeige. Und ich stelle immer wieder fest, dass die Meisten, selbst die kritischen Menschen, die aktuelle Griechenland-Propaganda glauben. Diese induzierte und wahrgenommene Krise wird gerade wie im Bilderbuch ausgenutzt, um die Griechen auf Linie zu bringen und den Willen der Bev&ouml;lkerung zu brechen.&ldquo; <\/p><\/blockquote><p>So ist es.<\/p><p>Ich habe mir noch ein paar Gedanken zu den Motiven der herrschenden Kreise im Umgang mit Griechenland und dem gesamteurop&auml;ischen Problem der divergierenden Entwicklung gemacht und verkn&uuml;pfe dies mit ausf&uuml;hrlichen Zitaten aus dem kommenden Artikel von Heiner Flassbeck und Friederike Spiecker.<\/p><p><strong>16 Anmerkungen zu den Problemen des Euroraums und Griechenlands:<\/strong><\/p><ol>\n<li>In Sachen Griechenland beharren die europ&auml;ischen Meinungsf&uuml;hrer, die deutschen wie Issing, Weber, Merkel und die meisten europ&auml;ischen in der EZB und der Europ&auml;ischen Kommission deshalb auf der Fortsetzung des falschen Weges ihrer monetaristischen Politik und der Erfindung des Maastrichtweges. Andernfalls m&uuml;ssten sie zugestehen, welche verheerenden Folgen diese Politik hatte. Sie nutzen jetzt die Zahlungsbilanzprobleme Griechenlands, um das Scheitern ihrer vom Monetarismus gepr&auml;gten Politik zuzudecken. In der Kommunikationswissenschaft spricht man von der &Uuml;berwindung der kognitiven Dissonanz. Dieses Ph&auml;nomen scheint auch hier vorzuliegen.<\/li>\n<li>Griechenland und andere L&auml;nder wie beispielsweise Spanien sind den Immer-Noch-Meinungsf&uuml;hrern auch deshalb ein Dorn im Auge, weil sie bei den L&ouml;hnen und bei den sozialen Leistungen nicht in gleicher Weise restriktiv waren wie zum Beispiel Deutschland. Die Auseinanderentwicklung der Zahlungsbilanzen in Europa wird nun dazu benutzt, auch in Griechenland die Linie neoliberaler Reformen durchzusetzen: Entstaatlichung, runter mit den L&ouml;hnen und Lohnnebenkosten usw. Wir kennen das alles zur Gen&uuml;ge.<\/li>\n<li>Das ist ein Beleg mehr f&uuml;r die bittere Beobachtung, dass die Krise nicht dazu f&uuml;hrt, die Verantwortlichen loszuwerden. Im Gegenteil: Sie nutzen sie zur Fortsetzung und zur Rechtfertigung ihrer wirtschafts-, w&auml;hrungs- und finanzpolitischen Linie, und damit verbunden auch ihrer ideologischen und gesellschaftspolitischen Linie.<\/li>\n<li>Jetzt zeigt sich wieder einmal deutlich die Fehlkonstruktion der Eurogruppe mit ihrer Staatsschuldenschlagseite. Heiner Flassbeck und Friederike Spiecker nennen es in ihrem Artikel, der demn&auml;chst im Wirtschaftsdienst erscheint, &bdquo;Staatsschuldenbias&ldquo;. Man hat die Maastricht-Kriterien festgelegt und dabei einseitig auf die Staatsschulden geschaut, statt sich um die viel wichtigeren Probleme der Zahlungsbilanz- und Wettbewerbsf&auml;higkeitsungleichgewichte zu k&uuml;mmern, so die beiden Autoren in ihrem Artikel.<\/li>\n<li>Aber selbst, wenn man einmal akzeptiert, dass das Kriterium Staatsverschuldung von Bedeutung sei, dann ist von der Sache her nicht einzusehen, warum Griechenland so sehr in den Mittelpunkt der Aggression gestellt wird. Der Schuldenstand (Anteil der Schulden am Bruttoinlandsprodukt) liegt in Italien mit 114 % noch ein bisschen h&ouml;her als in Griechenland mit 112 %; in Japan wird mit 190 % schon fast das Doppelte der j&auml;hrlichen Wirtschaftskraft erreicht. Auch die Ver&auml;nderung der Staatsschulden ist in Griechenland nicht schlimmer als in anderen L&auml;ndern. Zwischen 2007 und 2009 hat sich das Staatsdefizit Griechenlands von 12 Milliarden auf 34 Milliarden &euro; fast verdreifacht, in Deutschland ist es in der gleichen Zeit um das 15 fache gestiegen und damit weit &uuml;ber dem Durchschnitt der Defizitentwicklung im gesamten Euroraum. Flassbeck und Spiecker weisen in diesem Zusammenhang auch noch darauf hin, dass anders als Deutschland die s&uuml;deurop&auml;ischen L&auml;nder zwischen 1999 und 2007 Erfolge bei der Konsolidierung zu verzeichnen hatten.<\/li>\n<li>Die Aufschl&auml;ge auf die Zinsen, die Griechenland auf Staatsschulden zahlen muss, sind allerdings exorbitant hoch. Das ist Zeichen und Folge der gegen das Land gestarteten Spekulation. Die ma&szlig;geblichen Kr&auml;fte in Europa akzeptieren das Ergebnis dieser Spekulationen und damit genau die Machenschaften jener, die uns mit den gleichen Methoden in die Finanzkrise geritten haben.<\/li>\n<li>Griechenland wird &auml;hnlich wie andere s&uuml;deurop&auml;ischen L&auml;nder seine Probleme der Verschuldung seiner Volkswirtschaft gegen&uuml;ber dem Ausland auf Dauer nur l&ouml;sen k&ouml;nnen, wenn es wettbewerbsf&auml;hig wird, wenn es also seine Produkte im Ausland verkaufen kann. Ob das gelingt, h&auml;ngt in einem einheitlichen W&auml;hrungsraum nicht nur von Griechenland ab sondern auch vor allem von uns. (Darauf hatten wir schon mehrmals hingewiesen.)<\/li>\n<\/ol><p>Ich zitiere im Folgenden weiter einige Passagen aus dem Artikel der beiden Autoren einschlie&szlig;lich der Erw&auml;gungen zur L&ouml;sung des Problems:<\/p><p><strong>Korrektur 3.3.2010: Die hier folgenden Zitate aus dem Beitrag von Flassbeck und Spiecker haben wir vorerst wieder herausgenommen, weil der Beitrag im vorgesehenen Medium, dem &bdquo;Wirtschaftsdienst&ldquo;, noch nicht ver&ouml;ffentlicht ist.<\/strong><\/p><p>Im Kern geht es zusammenfassend darum:  Es steht nicht zu erwarten, dass die notwendigen Schritte zu einem Ausgleich der Wettbewerbsunterschiede unternommen werden und dass daher ein S&uuml;deuro, wie Flassbeck\/Spiecker schreiben, ein pragmatischer Ausweg w&auml;ren. Zwar auch verbunden mit einer Finanzkrise, aber sozusagen einer kontrollierten im Gegensatz zu einer durch weiter unbeaufsichtigtes Herumtreiben der Marktakteure v&ouml;llig beliebig stark und zu einem beliebigen Zeitpunkt explodierenden Situation.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nur noch mit Kopfsch&uuml;tteln kann man die Aktionen der Akteure wie auch die Mehrheit der Medienberichte und Kommentare verfolgen: Hier wird ohne gesamtwirtschaftliche Einsicht und ohne Verantwortungsbewusstsein operiert. Wir kommen deshalb noch einmal auf das Problem zur&uuml;ck: mit 16 Punkten zum Problem einschlie&szlig;lich der Diskussion von L&ouml;sungsvorschl&auml;gen und der Verwendung eines noch zu ver&ouml;ffentlichenden Artikels<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4659\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[50,183,30],"tags":[423,1555,333,1009,420,325,460],"class_list":["post-4659","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-finanzkrise","category-medienkritik","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-austeritaetspolitik","tag-griechenland","tag-lohnstueckkosten","tag-rehn-olli","tag-spiegel","tag-staatsschulden","tag-sz"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4659","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4659"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4659\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22713,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4659\/revisions\/22713"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4659"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4659"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4659"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}