{"id":46608,"date":"2018-10-18T16:14:40","date_gmt":"2018-10-18T14:14:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46608"},"modified":"2019-08-26T10:47:54","modified_gmt":"2019-08-26T08:47:54","slug":"deutschland-deine-bahnchefs-heute-winfried-wolf-mit-teil-ii-zu-johannes-ludewig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46608","title":{"rendered":"Deutschland, deine Bahnchefs. Heute Winfried Wolf mit Teil II, zu Johannes Ludewig."},"content":{"rendered":"<p>Der Verkehrsexperte <strong>Winfried Wolf<\/strong> hat am 21. September 2018 die Wolf&rsquo;sche NachDenkSeiten-Serie zu den vier Bahnchefs seit 1990 begonnen. <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46138\">Damals<\/a> ging es um Heinz D&uuml;rr, heute um Johannes Ludewig. Im dritten und vierten Teil wird es weitergehen mit Mehdorn und Grube. Diese Personen sind allesamt Symbole des Niedergangs. Alle vier hatten vor ihrer Nominierung zu diesem wichtigen Beruf nichts mit Verkehrspolitik und schon gar nichts mit der Schiene zu tun. Weder ihr Kopf noch ihr Herz hing am Schienenverkehr. Damit sind von den daf&uuml;r Verantwortlichen, von Bundeskanzler Helmut Kohl &uuml;ber Kanzler Schr&ouml;der bis zu Kanzlerin Merkel, falsche und man kann auch sagen bewusst falsche Personalentscheidungen getroffen worden. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5865\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-46608-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181019_Deutschland_deine_Bahnchefs_Teil_II_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181019_Deutschland_deine_Bahnchefs_Teil_II_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181019_Deutschland_deine_Bahnchefs_Teil_II_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181019_Deutschland_deine_Bahnchefs_Teil_II_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=46608-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181019_Deutschland_deine_Bahnchefs_Teil_II_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"181019_Deutschland_deine_Bahnchefs_Teil_II_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Die Beitr&auml;ge von Winfried Wolf beginnen mit einer Tabelle. Diese vermittelt einen schnellen &Uuml;berblick &uuml;ber die &ldquo;Leistung&rdquo; der Bahnchefs. Die Bahn nach unten zu steuern ist keine Leistung. Im Gegenteil. Hier also Teil II unserer Serie:<\/p><p><strong>Deutschland, deine Bahnchefs [1990-2018]<\/strong><br>\n<strong>Eine Serie von Winfried Wolf &ndash; Teil II<\/strong><br>\n<strong>Johannes Ludewig 1997-1999<\/strong><\/p><p><em><strong>Grunddaten zur &Auml;ra von Bahnchef Johannes Ludewig (1997-1999)<\/strong><\/em><\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/181018-bahnchef-tabelle_.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/181018-bahnchef-tabelle-small_.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>* Amtsantritt von J. Ludewig als Bahnchef war der 9. Juli 1997; das Ende seiner Amtszeit war der 30. September 1999. Die Daten in der Tabelle beziehen sich in der Regel auf den 31.12.1997 bzw. auf den 31. Dezember 1999.<br>\n* * Hier als Addition der Besch&auml;ftigten in den Bereichen Fernverkehr + Nahverkehr [DB Regio] + G&uuml;terverkehr [DB Cargo] + Bahnh&ouml;fe [Station + Service] + Infrastruktur [DB Netz]<br>\n*** Teil der hier aufgef&uuml;hrten Verbindlichkeiten waren die &bdquo;zinslosen Darlehen des Bundes&ldquo;. Diese betrugen Ende 1999 6,344 Mrd. Euro. Diese wurden sp&auml;ter (siehe Teil III der Serie) komplett vom Bund &uuml;bernommen.<\/small><\/p><p><strong>Kurzportr&auml;t<\/strong><\/p><p>Johannes Ludewig stand nur zwei Jahre an der Spitze der Deutschen Bahn AG. Im Vergleich mit seinem Vorg&auml;nger Heinz D&uuml;rr (gut sechs Jahre Amtszeit) und mit seinen zwei Nachfolgern Hartmut Mehdorn (neun Jahre) und R&uuml;diger Grube (knapp acht Jahre im Amt) handelte es sich um einen Kurzzeit-Bahnchef. Ludewig ist auch, anders als alle anderen Bahnchefs, weitgehend in Vergessenheit geraten. Zu Unrecht, wie ich meine. Seine Amtszeit als Bahnchef war f&uuml;r die Geschichte der Deutschen Bahn AG (und f&uuml;r den Schienenverkehr in Deutschland) von erheblicher Bedeutung. Vier Ereignisse bzw. Themen pr&auml;gen die Bahnchef-Ludewig-Zeit: Erstens die von ihm zur ersten Priorit&auml;t erhobene P&uuml;nktlichkeit des Eisenbahnverkehrs; zweitens die Eisenbahnkatastrophe von Eschede; drittens die Aufspaltung des Bahnkonzerns in eine Holding DB AG und weitere f&uuml;nf  Aktiengesellschaften und viertens das verk&uuml;ndete Aus f&uuml;r das Gro&szlig;projekt Stuttgart 21.<\/p><p>So gesehen ist die Bilanz von Bahnchef Ludewig aus Sicht derjenigen, die die Schiene st&auml;rken wollen, eine gemischte. Es l&auml;sst sich auch sagen: Johannes Ludewig ist der einzige der f&uuml;nf Bahnchefs, die in dieser Serie untersucht werden, dessen Bilanz deutliche Pluspunkte enth&auml;lt. Die P&uuml;nktlichkeitsoffensive und das Aus f&uuml;r Stuttgart 21 m&uuml;ssen als solche Pluspunkte vermerkt werden. F&uuml;r das Eisenbahnungl&uuml;ck in Eschede tr&auml;gt Ludewig keine Verantwortung; allerdings war er als Bahnchef nicht in der Lage, die Ursache f&uuml;r diese Katastrophe aufzuarbeiten und den Opfern und deren Hinterbliebenen die angemessene Referenz zu erweisen. <\/p><p>In der Ludewig-Bilanz eindeutig negativ zu verbuchen ist die sogenannte zweite Stufe der Bahnreform, die weitere Aufspaltung des Unternehmens Deutsche Bahn, die den Ursprung f&uuml;r einen fortgesetzt aufgebl&auml;hten Wasserkopf und f&uuml;r dauerhafte Synergieverluste darstellt.<\/p><p><strong>Ein interessanter Auftakt <\/strong><\/p><p>Alle Chefs, die  die Deutsche Bahn AG seit 1994 hatte, sind ein Politikum. Es verh&auml;lt sich genau entgegengesetzt zu dem, was bei der Gr&uuml;ndung der Deutschen Bahn AG gesagt wurde und was seither gebetsm&uuml;hlenhaft wiederholt wird. Der Bahnkonzern wird nicht prim&auml;r nach sachlichen Kriterien, er wird vielmehr am G&auml;ngelband des jeweiligen Kanzlers bzw. der Kanzlerin gef&uuml;hrt. Kohl berief, wie beschrieben, den Unternehmer und das CDU-Mitglied Heinz D&uuml;rr, auf Basis einer netten Tafelrunde, zum Bahnchef. Er inthronisierte Johannes  Ludewig als dessen Nachfolger vor allem, weil er seit knapp einem Vierteljahrhundert in CDU-Diensten und seit knapp einem Jahrzehnt in des Kanzlers Diensten im Bundeskanzleramt aktiv war. Anl&auml;sslich des Wechsels von  Ludewig zu  Mehdorn charakterisierte die Wirtschaftswoche dieses Politikum der jeweiligen Bahnchef-K&uuml;r wie folgt: &bdquo;Nach wie vor mischen Politiker kr&auml;ftig mit, wenn es um Konzernstrategie und &ndash;f&uuml;hrung (der Deutschen Bahn AG ; W.W.] geht. Heinz D&uuml;rr, Ex-AEG-Manager und erster Vorsitzender der privatisierten Bahn, hatte sich als Nachfolger bereits den Industriemann Mehdorn gew&uuml;nscht. Doch der damalige CDU-Bundeskanzler Helmut Kohl setzte sich &uuml;ber D&uuml;rrs Vorschlag hinweg und bef&ouml;rderte seinen ehemaligen Vorarbeiter im Kanzleramt auf diesen Posten..&ldquo;[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]<\/p><p>Der Auftakt von Johannes Ludewig als Bahnchef war interessant, ja durchaus vielversprechend. Zun&auml;chst erschreckte Ludewig, verpackt in einen filmischen R&uuml;ck- und Ausblick, die F&uuml;hrungskr&auml;fte im Bahnkonzern mit der Mitteilung, alle Dienstwagen w&uuml;rden abgeschafft. Da sei dann &bdquo;ein Raunen durch den Saal des Berliner Adlon-Hotels, in dem der Festakt stattfand, zu dem der Bahnvorstand am 22. Juli aus Anlass des F&uuml;hrungswechsels &uuml;ber 400 Pers&ouml;nlichkeiten aus dem In- und Ausland geladen hatte, gegangen.&ldquo;[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] Doch das war dann offensichtlich nicht ernst gemeint. <\/p><p>Sodann r&uuml;ckte Ludewig das Thema P&uuml;nktlichkeit im Schienenverkehr ins Zentrum. In seinem ersten Gesch&auml;ftsbericht als Bahnchef schrieb er: &bdquo;Von zentraler Bedeutung f&uuml;r die Wettbewerbsf&auml;higkeit der DB AG sind P&uuml;nktlichkeit und Pr&auml;zision. &acute;P&uuml;nktlich wie die Eisenbahn&acute; &ndash; diese Devise m&uuml;ssen alle F&uuml;hrungskr&auml;fte und alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen als das Qualit&auml;tsmerkmal der Bahn begreifen.&ldquo;[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] <\/p><p>Ludewig hielt in seiner gesamten Amtszeit am Thema P&uuml;nktlichkeit als oberster Maxime fest. Er koppelte die Boni von Bahn-Managern an die Optimierung der P&uuml;nktlichkeit. Es komme, so Ludewig, &bdquo;auf die P&uuml;nktlichkeit an. Der Zug muss beim Zeigersprung losfahren.&ldquo; Es gehe dabei &bdquo;um mehr als P&uuml;nktlichkeit. Es geht um Pr&auml;zision, um Verl&auml;sslichkeit, darum, wie wir arbeiten.&ldquo; Wenn die Versp&auml;tungsminuten von 1995 bis zum Fahrplanwechsel 1998\/99 nicht halbiert sein w&uuml;rden, w&uuml;rde &bdquo;die Jahresverg&uuml;tung von 4000 Bahnmanagern um 12,5 Prozent gek&uuml;rzt.&ldquo;[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>]<\/p><p>Ludewig lie&szlig; auf den gr&ouml;&szlig;eren Bahnh&ouml;fen &bdquo;P&uuml;nktlichkeitstafeln&ldquo; aufstellen, auf denen notiert war, wie viele der an den Vortagen verkehrenden Z&uuml;ge bundesweit versp&auml;tet waren und welche Werte die jeweilige Region im bundesweiten P&uuml;nktlichkeitsvergleich erreichte. Verglichen mit der aktuellen Situation konnten sich die erzielten Werte durchaus sehen lassen. 1996 &ndash; im letzten vollen Amtsjahr von Heinz D&uuml;rr &ndash; lag die P&uuml;nktlichkeit im Schienenpersonenfernverkehr bei 81,3 Prozent. 1997, im ersten Ludewig-Jahr, waren es 84,5 Prozent. 1998 86,7 Prozent und in den letzten Monaten von 1998 und in den ersten beiden Monaten von 1999 soll die &bdquo;P&uuml;nktlichkeitsquote im Fernverkehr oberhalb 90 Prozent und bei rund 95 Prozent im Nahverkehr&ldquo; gelegen haben.[<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>]  Das waren dann im Fernverkehr Werte, die um 20 Prozentpunkte h&ouml;her lagen als heute. <\/p><p>Es ist nat&uuml;rlich dann bezeichnend, dass der allererste Akt, den der Nachfolger von Johannes Ludewig als Bahnchef, Hartmut Mehdorn, vollzog, das Abmontieren dieser P&uuml;nktlichkeitstafeln war. Ja, er lie&szlig; diese Tafeln noch vor seinem offiziellen Amtsantritt, Anfang Dezember 1999, aus allen Bahnh&ouml;fen entfernen. Was als Affront gegen&uuml;ber Johannes Ludewig und als bewusster Stilbruch zu verstehen war.[<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>] <\/p><p><strong>Die Eisenbahnkatastrophe von Eschede<\/strong><\/p><p>Am 3. Juni 1998 ereignete sich in Eschede eine Eisenbahnkatastrophe. Mit 101 Toten und 88 Schwerverletzten handelte es sich um das gr&ouml;&szlig;te Ungl&uuml;ck in der deutschen Eisenbahngeschichte. Beim ICE 884 &bdquo;Wilhelm Conrad R&ouml;ntgen&ldquo; brach auf der Fahrt von M&uuml;nchen nach Hamburg sechs Kilometer vor dem nieders&auml;chsischen Ort Eschede ein Radreifen, ein auf Gummi gelagerter Stahlring. Dieser verhakte sich 200 Meter vor der Ungl&uuml;cksstelle in der &bdquo;Weiche 2&ldquo; und dort im sogenannten Radlenker. Weiter im offiziellen Bericht des Eisenbahn-Bundesamtes: der Radlenker &bdquo;wurde dadurch abgesprengt und in das Innere des ersten Mittelwagens gesto&szlig;en [&hellip;] Vermutlich durch die Wucht des Aufpralls wurde der schadhafte Radsatz nach rechts abgelenkt. Dadurch glitt die Radscheibe, bei der sich der Radreifen gel&ouml;st hatte, vom Schienenkopf ab. Das gegen&uuml;berliegende linke Rad entgleiste und traf nach 120 Metern auf die abliegende Zunge der Weiche 3. Durch die Wucht dieses Aufpralls wurde die Weiche in Rechtslage umgestellt. Dadurch entgleisten nach dem ersten Mittelwagen auch die folgenden Wagen, wobei sich der dritte Wagen unter der Eisenbahn&uuml;berf&uuml;hrung querstellte und mit seinem hinteren Ende die Pfeiler der Br&uuml;cke wegschlug. Durch diesen Anprall wurde der Wagen 3 schwer besch&auml;digt und vom &uuml;brigen Zug getrennt [&hellip;] Mit seinem Schwung konnte der Wagen vier den Bereich der Stra&szlig;en&uuml;berf&uuml;hrung noch vollst&auml;ndig passieren, st&uuml;rzte aber seitlich nach rechts die B&ouml;schung hinunter. Wagen 5 wurde durch die herabst&uuml;rzende Br&uuml;cke [&hellip;] besch&auml;digt, der Wagen 6 wurde unter den Tr&uuml;mmern der Br&uuml;cke begraben. Die &uuml;brigen Wagen 7 bis 12 wurden dann wie ein Zollstock aufeinander geschoben.&ldquo;[<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>]<\/p><p>Als &bdquo;Ursache des Ungl&uuml;cks&ldquo; wird im EBA-Untersuchungsbericht ausdr&uuml;cklich der &bdquo;Bruch eines Radreifens am ersten Mittelwagen&ldquo; genannt. Ein Strafverfahren gegen zwei Mitarbeiter der Deutschen Bahn und einen Betriebsingenieur der Herstellerfirma des Rads und des Radreifens wurde 2003 gegen Zahlung von jeweils 10.000 Euro eingestellt. Eine &ouml;ffentliche Untersuchung der Radkonstruktion selbst und der Umst&auml;nde, die dazu gef&uuml;hrt hatten, dass der ICE-1 mit diesem Radtyp ausgestattet wurde, fand nie statt.<\/p><p>Tats&auml;chlich ist festzustellen: Die Ursache f&uuml;r das Ungl&uuml;ck war der f&uuml;r Hochgeschwindigkeitsverkehr v&ouml;llig ungeeignete Radtyp selbst. Zentraler Kritikpunkt h&auml;tte die fragw&uuml;rdige Zulassung dieser Radkonstruktion f&uuml;r den ICE durch die Top-Verantwortlichen der Bundesbahn und der Deutschen Bahn sein m&uuml;ssen. Dazu h&auml;tten ein Prozess gef&uuml;hrt und die entsprechenden Verantwortlichen im Bahnkonzern wegen dieser Vorg&auml;nge angeklagt werden m&uuml;ssen.  <\/p><p>Die Deutsche Bahn AG leugnet bis heute eine Verantwortung f&uuml;r das Geschehen. Am 3. Juni 2013, dem f&uuml;nfzehnten Jahrestag des Ereignisses, hielt der damalige Bahnchef R&uuml;diger Grube in Eschede eine Rede, in der er betonte, man habe nach Recht, Gesetz und entsprechend dem Stand der Technik gehandelt: &bdquo;Juristisch ist alles gekl&auml;rt: Die Radreifen-Technologie war zugelassen und durfte eingesetzt werden.&ldquo;[<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>]<\/p><p>Am 20. Jahrestag des Eschede-Unfalls, am 3. Juni 2018, hielt der aktuelle Bahnchef, Richard Lutz, eine Rede in Eschede. Anders als Grube betonte Lutz nicht mehr explizit, dass rechtlich alles korrekt abgelaufen sei. Doch seine Ausf&uuml;hrungen zu diesem Thema blieben im Vagen. Lutz: &bdquo;Die Erinnerung an Eschede ist st&auml;ndige Mahnung, dass Sicherheit Vorrang vor allem anderen haben muss. [&hellip;] Wir m&uuml;ssen dazu stehen, dass wir unserer Verantwortung an diesem Tag nicht gerecht wurden.&ldquo; Lutz sprach eine offizielle &bdquo;Entschuldigung&ldquo; aus &bdquo;f&uuml;r das entstandene menschliche Leid.&ldquo; Diese Entschuldigung gelte auch &bdquo;f&uuml;r fehlende Sensibilit&auml;t im Umgang mit Betroffenen.&ldquo; Doch es fehlte erneut das notwendige Eingest&auml;ndnis der Mitschuld der Deutschen Bahn AG an dieser Katastrophe. Heinrich L&ouml;wen von der Selbsthilfe Eschede &ndash; er verlor am 3. Juni 1998 beim Eschede-Ungl&uuml;ck Frau und Tochter &ndash; sprach auf derselben Veranstaltung wie folgt Klartext: &bdquo;Es waren Fehleinsch&auml;tzungen von Menschen, die zu diesem Ungl&uuml;ck f&uuml;hren &ndash; Fehlleistungen.&ldquo; Es sei &bdquo;unbegreiflich&ldquo;, dass dies keine juristischen Folgen gehabt habe.[<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>]<\/p><p>Was Heinrich L&ouml;wen damit ein weiteres Mal aussprach, hei&szlig;t: Die Zulassung des Radtyps, der die Katastrophe ausl&ouml;ste, wurde unter Druck und unter h&ouml;chst fragw&uuml;rdigen Bedingungen erteilt. Vor allem war ein Einsatz dieses spezifischen ICE-Rads und das Festhalten am Einsatz dieser Radkonstruktion nach dem Stand der Technik, nach den im Bahnvorstand und im Bundesverkehrsministerium vorliegenden Erkenntnissen und vor dem Hintergrund vielfacher Warnungen grob verantwortungslos. Das Eschede-Ungl&uuml;ck ist ein Beispiel daf&uuml;r, wie im Vorfeld des Privatisierungsprozesses beh&ouml;rdliche Aufsicht abgebaut und wie in dem Rahmen der formell privatisierten Deutschen Bahn AG mit der prim&auml;ren Orientierung auf Wirtschaftlichkeit Warnungen in den Wind geschlagen, Kontrollen lax gehandhabt und allgemeine Sicherheitsstandards untergraben werden. <\/p><p>Das ist ein harter &ndash; wohl auch justiziabler &ndash; Vorwurf. Er richtet sich gegen diejenigen, die einen Privatisierungsprozess, bei dem Sicherheit nicht mehr an oberster Stelle steht, zu verantworten haben. Was im Folgenden zu beweisen ist. <\/p><p><strong>Ein R&auml;dertausch, wie es ihn nie h&auml;tte geben d&uuml;rfen <\/strong><\/p><p>Alle Hochgeschwindigkeitsz&uuml;ge &ndash; Shinkansen in Japan, TGV in Frankreich; AVE-TAV in Spanien, Eurostar in Belgien und Gro&szlig;britannien, Thalys in Belgien und Frankreich und alle Hochgeschwindigkeitsz&uuml;ge in der VR China  &ndash; hatten seit ihrer Inbetriebnahme und haben bis heute &bdquo;Monobloc-R&auml;der&ldquo;, auch als Vollr&auml;der&ldquo; bezeichnet. Das sind aus einem St&uuml;ck gefertigte st&auml;hlerne R&auml;der. Auch der ICE-1 hatte in seinem vierj&auml;hrigen Probebetrieb und ab der offiziellen Inbetriebnahme am 2. Juni  1991 solche Monobloc-R&auml;der. F&uuml;r diese R&auml;der war der Hochgeschwindigkeitszug konstruiert und zugelassen. <\/p><p>Beim ICE-1 kam es nach einigen Monaten des Einsatzes aufgrund ungleichm&auml;&szlig;iger Abnutzung zu Resonanzerscheinungen, einem unruhigen Lauf und einem Vibrieren, was sich insbesondere im Speisewagen unangenehm bemerkbar machte. Der Begriff &bdquo;Bistrobrummen&ldquo; machte die Runde. Roland Heinisch, seit 1975 in f&uuml;hrenden Positionen bei der Bundesbahn, dort in den 1970er Jahren ma&szlig;geblich verantwortlich f&uuml;r die Entwicklung des &bdquo;Betriebswirtschaftlich optimalen Netzes&ldquo;, der Orientierung auf eine radikale Reduktion des Schienennetzes, wandte sich im September 1991 an den Vorstandsvorsitzenden Heinz D&uuml;rr und wies auf die &bdquo;Brummger&auml;usche&ldquo; hin, die eine L&ouml;sung erforderlich machen w&uuml;rden. Heinisch verfasste f&uuml;r den Vorstand eine Vorlage f&uuml;r einen Gro&szlig;versuch mit &bdquo;gummigefederten ICE-R&auml;dern&ldquo;, mit einer Radkonstruktion (&bdquo;Bauart 064&ldquo;), die aus einer Radscheibe mit einem Radreifen und dazwischenliegender Hartgummieinlage bestand. Die Vorlage wurde am 21. Januar 1991 beschlossen. <\/p><p>R&auml;der dieses Typs waren seit vielen Jahren im Einsatz. Doch sie waren nicht f&uuml;r Hochgeschwindigkeitsz&uuml;ge konstruiert. Die Herstellerfirma, die VSG Verkehrstechnik in Bochum, hatte bis Mitte 1998 200.000 dieser gummigefederten Radsatzsysteme hergestellt &ndash; davon nur 6000 f&uuml;r den ICE, alle anderen f&uuml;r Stra&szlig;enbahnen, S-Bahnen und U-Bahnen, teilweise noch f&uuml;r &bdquo;normal&ldquo; verkehrenden Bahnverkehr. Nirgendwo in der Welt &ndash; au&szlig;er in Deutschland beim ICE-1 &ndash; wurde oder wird dieser Radtyp im Hochgeschwindigkeitsverkehr eingesetzt. <\/p><p>Mit dem Einsatz dieser Radkonstruktion im ICE-Verkehr nahm man, so Der Spiegel, einen &bdquo;leitenden Bahningenieur&ldquo; zitierend, &bdquo;bewusst einen Konflikt zwischen Sicherheit und Bahnkomfort&ldquo; in Kauf.[<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>] Es gab gegen den Einsatz dieses Radtyps explizit Einw&auml;nde seitens des verantwortlichen Bahn-Beamten im Bundesbahn-Zentralamt in Minden (etwa mit dem heutigen Eisenbahn-Bundesamt vergleichbar). Der Mann &ndash; er war Direktor f&uuml;r die Zulassung von Reisezugwagen &ndash; wies im November 1991 darauf hin, dass eine Zulassung des Reifentyps in der Serie Versuche und Erprobungen notwendig machten, die zwei Jahre andauern w&uuml;rden. Der Beamte wurde jedoch unter Druck gesetzt, seine Einw&auml;nde zur&uuml;ckzustellen, was er schlie&szlig;lich auch tat.[<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>] Obgleich im Februar 1992 ein Riss an einem getesteten Reifen entdeckt wurde und obgleich es nur kurzzeitige Tests mit einem einzelnen Rad gab, beschloss der Vorstand der Deutschen Bahn bereits am 5. Oktober 1992 die Einf&uuml;hrung der f&uuml;r den Hochgeschwindigkeitsverkehr neuartigen R&auml;der f&uuml;r die gesamte ICE-Flotte. Die Beschlussvorlage wurde erneut von Roland Heinisch verfasst; dieser war inzwischen Vorstandsmitglied, verantwortlich f&uuml;r den Bereich Technik. <\/p><p><strong>Warnungen, die in den Wind geschlagen wurden <\/strong><\/p><p>Der spezifische Radtyp, wie er ab 1992 beim ICE-1 eingesetzt wurde, wurde von ausl&auml;ndischen Eisenbahnen abgelehnt. Als Roland Heinisch am 5. Oktober 1992 im Bundesbahn-Vorstand referierte: &bdquo;Derzeit bestehen keine konstruktiven Bedenken gegen diese R&auml;der&ldquo;, notierte ein Heinisch-Mitarbeiter, dass die D&auml;nischen Staatsbahnen die gummigefederten R&auml;der wieder abmontierten. Am d&auml;nischen Fernzug IC3 &ndash; ein normaler Fernverkehrszug, kein Hochgeschwindigkeitszug &ndash; war ein Radreifen gerissen. In Japan pr&uuml;fte die Japan East Railway Mitte der 1990er Jahre den beim ICE inzwischen im Einsatz befindlichen Radtyp. Nach Testfahrten wurde ein Einsatz in Japan abgelehnt.[<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>]<\/p><p>Dem Management der Deutschen Bahn AG lagen Berichte vor, die sp&auml;testens ein Jahr vor der Eschede-Katastrophe Anlass zu Alarm h&auml;tten geben m&uuml;ssen. ICE-R&auml;der waren Anfang 1997 von der Kasseler Thyssen-Tochter f&uuml;r Messtechnik und Qualit&auml;t untersucht worden. Daf&uuml;r wurden vom Bahnwerk Hamburg-Eidelstedt ICE-R&auml;der mit unterschiedlicher Nutzungsdauer an die Thyssen-Tochter geliefert. Die Pr&uuml;fberichte lagen im Mai 1997 vor. Danach wiesen die ICE-Rads&auml;tze, die sich teils im Neuzustand, teils mit Laufleistungen von etwa 60.000 Kilometern (letztere waren damit nur zwei Monate im Einsatz) befanden &ndash; durchweg die Sicherheit tangierende M&auml;ngel auf. &bdquo;Keines der R&auml;der&ldquo;, r&uuml;gten die Kasseler, &bdquo;war im Neuzustand rund&ldquo;. Bei R&auml;dern, die bereits zwischen Waggon und Schiene maltr&auml;tiert worden waren, zeigten die Pr&auml;zisionsabmessungen &bdquo;Abflachungen&ldquo;, die dem Rad &bdquo;die Form einer Nockenwelle&ldquo; verliehen. R&auml;der mit Laufleistungen von mehr als 300.000 Kilometern (was einem Einsatz von 1,5 bis 2 Jahren entspricht), wurden erst gar nicht gepr&uuml;ft. &bdquo;Sie wurden uns&ldquo;, wie die Kasseler notierten, trotz Zusagen der Bahn &bdquo;zur Messung nicht zur Verf&uuml;gung gestellt&rdquo;.[<a href=\"#foot_13\" name=\"note_13\">13<\/a>]<\/p><p><strong>Das Absetzen von Radkontrollen, die als notwendig erachtet wurden<\/strong><\/p><p>Zur Kontrolle der R&auml;der war seitens der Bahn eine eigens entwickelte Regeluntersuchung mit der Bezeichnung ULM eingerichtet worden (&bdquo;U&ldquo; stand f&uuml;r Ultraschalluntersuchung, &bdquo;L&ldquo; f&uuml;r Lichtschnitt-Vermessung des Radprofils und M f&uuml;r eine Me&szlig;balken-Feststellung von Unrundheiten). Diese sollte &bdquo;mindestens alle 5000 km&ldquo; stattfinden. Doch die Ultraschallkomponente wurde bereits 1993\/94, eineinhalb Jahre nach dem ICE-Start und knapp ein Jahr nach Einf&uuml;hrung des neuartigen Radtyps wieder abgeschafft. In den VDI-Nachrichten hie&szlig; es dazu: &bdquo;Zu h&auml;ufig habe die Ultraschalluntersuchung R&auml;der beanstandet.&ldquo; Deshalb habe &ndash; so die DB-Auskunft nach der Eschede-Katastrophe, &bdquo;ein DB-Beamter&ldquo; rund eineinhalb Jahre nach dem ICE-Start die Ultraschallpr&uuml;fungen ausgesetzt. VDI-Nachrichten weiter: &bdquo;Seitdem werden die Rads&auml;tze optisch mit der Taschenlampe und per Hammerschlag kontrolliert.&ldquo;[<a href=\"#foot_14\" name=\"note_14\">14<\/a>]<\/p><p>Am 17. Juni 1998 legte im Verkehrsausschuss des Bundestags Roland Heinisch &ndash; der zusammen mit Bahnchef Johannes Ludewig dem Ausschuss Rede und Antwort stehen musste &ndash; wortreich dar, dass die &bdquo;spezifischen&ldquo; Ultraschallanlagen sich als &bdquo;ungeeignet&ldquo; f&uuml;r die entsprechenden Kontrollen erwiesen h&auml;tten.<\/p><p>Tats&auml;chlich waren sie jedoch zun&auml;chst als notwendig erachtet worden. Und nach der Eschede-Katastrophe wurden Ultraschallpr&uuml;fungen bei allen ICE-R&auml;dern wieder eingef&uuml;hrt, wenn auch nunmehr durchgef&uuml;hrt mit anderen Anlagen und auf aufwendigere Weise. Womit das DB-Management die Wirksamkeit und wohl auch Notwendigkeit solcher Ultraschall-Pr&uuml;fungen faktisch eingestand.<\/p><p><strong>Kontrollen am ICE Wilhelm R&ouml;ntgen selbst, die zu einem sofortigen Aus-dem-Verkehr-Ziehen des Zugs h&auml;tten f&uuml;hren m&uuml;ssen<\/strong><\/p><p>Es gab Berichte, die zeigten, dass es sogar in den Tagen vor dem Ungl&uuml;ck und insbesondere am Vorabend vor dem Start der Fahrt in die Katastrophe Kontrollen des fraglichen Radsatzes gegeben hatte, die dazu h&auml;tten f&uuml;hren m&uuml;ssen, dass der entsprechende Wagen oder das Radgestell sofort aus dem Verkehr gezogen werden. Hierzu hie&szlig; es in einem Bericht des Spiegel: &bdquo;Die Ermittler [die im Rahmen der Eschede-Katastrophe eingesetzt waren; W.W.] erhielten auch die Computer-Datens&auml;tze der letzten &Uuml;berpr&uuml;fungen des ICE Wilhelm Conrad R&ouml;ntgen. Im Wust der Me&szlig;daten wurden sie f&uuml;ndig. Der gebrochene Radreifen, Ausl&ouml;ser des Ungl&uuml;cks, wies schon vor der Abfahrt des ICE 884 in M&uuml;nchen anormale Werte auf. In der Nacht zuvor war der Schnellzug routinem&auml;&szlig;ig in der automatischen Radsatzdiagnoseanlage des M&uuml;nchner ICE-Werks kontrolliert worden. Dabei passierte er mit etwa f&uuml;nf Kilometern pro Stunde eine Messstrecke von acht Metern L&auml;nge. 48 Sensoren ma&szlig;en den sogenannten K&ouml;rperschall, das zwischen Rad und Schiene entstehende Laufger&auml;usch. Auf dem Computerschirm wurde jede Abweichung des Rades vom einprogrammierten Idealbild angezeigt. Gleichzeitig ertasteten zw&ouml;lf optische Sensoren Werte, mit denen der Raddurchmesser bestimmt wird. F&uuml;r ein Rad an der dritten Achse des ersten Waggons annoncierten die Messger&auml;te eine sogenannte Unrundung erheblichen Ausma&szlig;es. Bahnintern gilt f&uuml;r Unrundungen ein &bdquo;Betriebsgrenzma&szlig;&ldquo; von 0,6 Millimetern. Das Rad des Ungl&uuml;ckszuges hatte den Wert um fast das Doppelte &uuml;berschritten &ndash; 1,1 Millimeter. Zwei N&auml;chte zuvor war der Waggon schon einmal auff&auml;llig geworden: Dasselbe Rad wies eine Unrundung von 0,8 Millimetern auf. Nach nur knapp 1500 weiteren gefahrenen Kilometern hatte sich der Wert, der schon bei der vorherigen Pr&uuml;fung &uuml;ber der Grenzmarke lag, also noch einmal drastisch verschlechtert. Doch niemand schlug Alarm.&ldquo;[<a href=\"#foot_15\" name=\"note_15\">15<\/a>]<\/p><p>Damit wurde in mindestens drei Bereichen gegen elementare Sicherheitsaspekte versto&szlig;en: <\/p><p>(1) <em>Unverantwortliche Entscheidung f&uuml;r eine neue, nicht erprobte Technik an der sensibelsten Stelle des Rad-Schiene-Systems:<\/em> Es gab die eigenm&auml;chtige Entscheidung &bdquo;von oben&ldquo; f&uuml;r eine &bdquo;einmalige&ldquo; Radkonstruktion, bei der die Genehmigungsbeh&ouml;rde unter Druck gesetzt wurde.<\/p><p>(2) <em>Nicht beachtete Warnungen:<\/em> Es gab deutliche  Warnungen aus dem Ausland (D&auml;nemark und Japan). Vor allem wurden die f&uuml;r die Radkonstruktion katastrophalen Befunde des renommierten Bahntechnik-Unternehmens Thyssen Messtechnik, die dreizehn Monate vor der Eschede-Katastrophe vorlagen, schlicht ignoriert. <\/p><p>(3) <em>Nicht beachtete Messungen der DB selbst<\/em>: Die bahneigenen Messungen an eben dem sp&auml;teren Ungl&uuml;cksrad, die nach dem Regelwerk der DB selbst dazu h&auml;tten f&uuml;hren m&uuml;ssen, den entsprechenden ICE-Wagen sofort aus dem Verkehr zu ziehen,  wurden nicht zur Kenntnis genommen.  <\/p><p><em>Bilanz:<\/em> F&uuml;r die Eisenbahnkatastrophe von Eschede tragen Mitverantwortung der Vorstand der Bundesbahn unter Heinz D&uuml;rr (in der Phase der Entscheidung des Radsatzwechsels 1992\/93), der Vorstand der Deutschen Bahn AG unter Heinz D&uuml;rr 1994-1997 (in der Phase des Einsatzes dieses Radtyps vor dem Hintergrund vorliegender und neu eingehender Warnungen) und der DB-AG-Vorstand unter Johannes Ludewig 1997\/98 (hinsichtlich des Ignorierens der vorliegenden Warnungen und Messungen). Ludewig selbst und seinem Team sind in diesem Zusammenhang noch die geringsten Vorw&uuml;rfe zu machen; die wichtigsten Entscheidungen fielen weit vor Beginn von dessen Amtszeit. Allerdings gab es in der Person des Technikvorstands Roland Heinisch eine personelle Kontinuit&auml;t.<\/p><p><strong>Ludewig und das gesamte Top-Management der DB erweisen sich als unf&auml;hig zur Aufarbeitung der Eschede-Katastrophe<\/strong><\/p><p>Am 17. Juni 1998, zwei Wochen nach dem Ungl&uuml;ck, erkl&auml;rte Bahnchef Johannes Ludewig im Verkehrsausschuss des Bundestags, die Radkonstruktion sei absolut sicher; man werde den ICE-Verkehr in B&auml;lde wieder aufnehmen &ndash; mit eben diesen R&auml;dern. Anfang Juli befanden sich die meisten ICE-1 wieder im Einsatz. Doch alle Z&uuml;ge waren &ndash; auf Anweisung des Eisenbahn-Bundesamtes &ndash; klammheimlich auf Monobloc-R&auml;der umger&uuml;stet, also r&uuml;ck-umger&uuml;stet worden. Die Deutsche Bahn AG hat seither nie mehr auf die angeblich sichere, den Reisekomfort steigernde Technik der gummigefederten Radsatzsysteme zur&uuml;ckgegriffen.<\/p><p>Offensichtlich um rechtliche Folgen zu vermeiden &ndash; um nicht zur Rechenschaft gezogen zu werden &ndash; hielten Bahnchef Ludewig und h&auml;lt die DB jedoch bis heute daran fest, dass man in Sachen ICE-R&auml;der immer korrekt gehandelt habe. Im Gesch&auml;ftsbericht 1998, verfasst im Fr&uuml;hjahr 1999, wird Eschede von Ludewig als &bdquo;tragischer Unfall&ldquo; bezeichnet. In dem 120-Seiten-Bericht wird der gr&ouml;&szlig;ten Katastrophe in der deutschen Eisenbahngeschichte nicht einmal eine Viertelseite gewidmet; das Thema wird knapp unter dem Aspekt der Umsatzeinbu&szlig;en abgehandelt. Der Abschnitt zum Thema Fernverkehr beginnt mit den Zeilen: &bdquo;Im deutschen Fernreisemarkt war 1998 erstmals seit einer Reihe von Jahren wieder Aufwind zu sp&uuml;ren. Die Zahl der Reisen wuchs gegen&uuml;ber dem Vorjahr um etwa drei Prozent.&ldquo; Die einzigen Zeilen zu Eschede lauten hier wie folgt: &bdquo;Die Konzernsparte DB Reise&amp;Touristik [heute DB Fernverkehr; W.W.] konnte die positive Marktentwicklung nicht voll aussch&ouml;pfen [&hellip;] Dazu haben die Folgen des Zugungl&uuml;cks von Eschede  beigetragen. Wegen des Radwechsels in der gesamten ICE-Flotte der ersten Generation stand dieses R&uuml;ckgrat des Fernverkehrs bis zum Herbst [1998] nicht voll zur Verf&uuml;gung.&ldquo; Das war&acute;s.[<a href=\"#foot_16\" name=\"note_16\">16<\/a>]<\/p><p>Grunds&auml;tzlich blieb es bis heute bei dieser Grundhaltung. Bahnchef R&uuml;diger Grube argumentierte 2013 noch vergleichbar: &bdquo;Wir haben damals die Technik der gummigefederten Radreifen, obwohl sie beh&ouml;rdlich zugelassen war, nicht mehr eingesetzt, um auf Nummer sicher zu gehen.&ldquo;[<a href=\"#foot_17\" name=\"note_17\">17<\/a>] In Wirklichkeit war die Bahn sechs Jahre lang auf Nummer unsicher gefahren, hatte Tag f&uuml;r Tag das Leben Tausender Fahrg&auml;ste gef&auml;hrdet. Doch die Bahnchefs Ludewig, Mehdorn und Grube waren bzw. der aktuelle Bahnchef Lutz ist bis heute nicht bereit, das einzugestehen.<\/p><p>Der f&uuml;r den verh&auml;ngnisvollen Radwechsel verantwortliche Roland Heinisch machte im Bahnkonzern und im Verband der Internationalen Eisenbahnen (UIC) Karriere. Er schied Ende August 2007 aus dem Unternehmen aus. 2008 wurde ihm von der Deutschen Maschinentechnischen Gesellschaft eine Ehrenmedaille verliehen. In der Laudatio auf Heinisch wird die Eisenbahnkatastrophe angesprochen, aber gezielt das Wort Eschede vemieden.[<a href=\"#foot_18\" name=\"note_18\">18<\/a>] 2010 wurde Heinisch mit dem European Railway Award ausgezeichnet &ndash; in der &bdquo;Kategorie Technik&ldquo;. <\/p><p><strong>Bahnreform Stufe II &ndash;  Die Fortsetzung einer zerst&ouml;rerischen Bilanz <\/strong><\/p><p>Bereits im ersten Gesch&auml;ftsbericht, den Ludewig zu verantworten hatte, wurde die Fortsetzung der Bahnreform positiv erw&auml;hnt. Die Rede ist da von der &bdquo;2. Stufe der Bahnreform&ldquo;. Im 1998er Gesch&auml;ftsbericht zieht Ludewig hierzu eine erste Bilanz: &bdquo;Organisatorisch haben wir 1998 zur Vorbereitung auf die 2. Stufe der Bahnreform genutzt. Sie ist Anfang 1999 wirtschaftlich in Kraft getreten und wird rechtlich dieses Jahres mit der Ausgliederung der f&uuml;nf F&uuml;hrungsgesellschaften r&uuml;ckwirkend zum 1. Januar 1999 vollzogen. In der neuen Struktur &ndash; DB Reise &amp; Touristik [heute: DB Fernverkehr; W.W.], DB Regio, DB Cargo [bald darauf: DB Railion, seit 2016 erneut DB Cargo; W.W.], DB Station &amp; Service und DB Netz &ndash; verf&uuml;gen wir &uuml;ber dezentralisierte unternehmerische Verantwortung und Marktn&auml;he.&ldquo;[<a href=\"#foot_19\" name=\"note_19\">19<\/a>]<\/p><p>Diese Entwicklung war zweifellos vorgegeben und bereits 1993\/94 mit der Bahnreform im Grundsatz so beschlossen worden. Zumindest in seinen offiziellen Verlautbarungen stellte sich Ludewig in die Tradition dieser Bahnreform-Beschl&uuml;sse, die ja immerhin von einer gr&ouml;&szlig;tm&ouml;glichen Koalition aus CDU\/CSU, SPD, FDP und B&uuml;ndnis 90\/Die Gr&uuml;nen beschlossen worden war (nur die damalige PDS hatte im Bundestag dagegen gestimmt). <\/p><p>Das hei&szlig;t allerdings auch: Die negativen Aspekte der &bdquo;Bahnreform&ldquo; verst&auml;rken sich auch in der &Auml;ra von Bahnchef Ludewig. Die Aufspaltung in formal selbst&auml;ndige Aktiengesellschaften f&uuml;hrte zu einem Verlust an Synergien und zu neuen unn&ouml;tigen Schnittstellen und Fehlerquellen (beispielsweise hatte es bis 1999 ein Gesch&auml;ftsfeld &bdquo;Traktion&ldquo; gegeben. Auch das musste aufgegeben werden zugunsten Traktionsbereichen bei Regio, im Fernverkehr und bei Cargo). Getrennte Unternehmen bedeutete auch mehr B&uuml;rokratie, mehr Wasserk&ouml;pfe und mehr Aufwand und Kosten bei den Bilanzierungen. Objektiv handelt es sich bei dieser Aufspaltung auch um Vorleistungen f&uuml;r eine m&ouml;gliche materielle Privatisierung von Teilbereichen der Eisenbahn.<\/p><p>Ludewig war in dieser Beziehung auch schlicht guter Beamter, jemand, der den jeweiligen Regierungsauftrag erf&uuml;llte. Er f&uuml;hlte sich auch verpflichtet, die beschlossene Transrapid-Strecke Berlin &ndash; Hamburg, die die Deutsche Bahn AG bauen sollte, zu verfolgen. Verantwortlich im Bahnvorstand f&uuml;r die Umsetzung des Magnetbahnbaus war Roland Heinisch, der origineller Weise auch als &bdquo;Chef-Innovator&ldquo; bezeichnet wurde. Erst in einem Interview direkt nach seiner Abberufung als Bahnchef ging Ludewig erkennbar auf Distanz zum technisch v&ouml;llig unausgereiften und f&uuml;r die Eisenbahn in jedem Fall absolut kontraproduktiven Transrapid-Projekt.[<a href=\"#foot_20\" name=\"note_20\">20<\/a>]<\/p><p>Vergleicht man dann die Grunddaten der Deutschen Bahn AG in der &Auml;ra Ludewig mit denen in der vorausgegangenen &Auml;ra D&uuml;rr, so sind die Unterschiede nicht allzu gro&szlig; (siehe dazu die Tabelle). Das Schienennetz wurde weiter abgebaut, wenn auch bei der &bdquo;Jahresleistung&ldquo; mit 450 km Abbau im Jahr unter Ludewig etwas langsamer als unter D&uuml;rr (minus 513 km pro Jahr). Auch die Gleisl&auml;nge wurde weiter deutlich gekappt. Und zwar um 4643 km in der gesamten Amtszeit und um 2321 km pro Jahr, was sogar eine etwas &bdquo;gr&ouml;&szlig;ere&ldquo; Abbauleistung ist, als es eine solche unter D&uuml;rr (mit 2000 km weniger Gleise pro Jahr) gab. Auch wurde wie gehabt die Zahl der Weichen deutlich reduziert. Im gesamten Zeitraum mit Ludewig als Bahnchef um 9681 und damit mit einer &bdquo;Jahresleistung&ldquo; von 4840 pro Jahr. Hier wurden unter D&uuml;rr pro Jahr doppelt so viele Weichen aus dem Netz genommen. Der Abbau der Gleise und die Reduktion der Weichen bedeuten, dass die Leistungsf&auml;higkeit des gesamten Systems geschw&auml;cht wird, dass es z.B. immer weniger Ausweichgleise gibt. Damit k&ouml;nnen Z&uuml;ge immer weniger &uuml;berholt werden. Bei Bauma&szlig;nahmen sind damit immer &ouml;fters Sperrungen von gr&ouml;&szlig;eren  Streckenabschnitten  erforderlich (2018\/19 z.B. festzustellen auf der S&uuml;dbahn Ulm &ndash; Friedrichshafen, die elektrifiziert wird).<\/p><p>Nur beim Aufbau neuer Schulden gibt es eine deutlich vorsichtige Gangart. Heinz D&uuml;rr hatte es im Zeitraum 1994 bis 1997 geschafft, die im Januar 1994 v&ouml;llig schuldenfrei gestartete &ndash; vom Bund zu 100 Prozent entschuldete! &ndash; Deutsche Bahn AG mit neuen Verbindlichkeiten in H&ouml;he von 13,5 Milliarden Euro zu belasten. Das waren pro Jahr 3,4 Milliarden Euro Neuverschuldung. Im Zweijahreszeitraum der Ludewig-Bahnchef-Zeit stiegen die Schulden &bdquo;nur&ldquo; noch um 600 Millionen Euro oder um 300 Millionen Euro im Jahr.<\/p><p><strong>Wirklich Fahrgastrekorde? Die Manipulation der Statistik<\/strong><\/p><p>Die Zahlen f&uuml;r den Fernverkehr weisen in der &Auml;ra Ludewig einen R&uuml;ckgang aus von 152 Millionen Reisenden Ende 1997 auf 146,5 Millionen Reisende Ende 1999. Im Nahverkehr gab es eine Steigerung (von 1500 auf 1534 Millionen Reisende).<\/p><p>Insgesamt liegen die Zahlen allerdings auf einem relativ hohen Niveau. Wiedergegeben werden immer die Angaben aus den Statistik-Heften &bdquo;Daten und Fakten&ldquo; der DB AG. Eine genaue Untersuchung ergibt &ndash; dass diese seit 1998 manipuliert &ndash; sch&ouml;ngerechnet &ndash; sind. Wobei die Manipulation bzw. F&auml;lschung dann durchsichtig ist, wenn man der Sache auf den Grund geht. <\/p><p>So nennt das Daten-und-Fakten-Heft 1997\/1998 f&uuml;r das Jahr 1997 1,375 Milliarden Fahrg&auml;ste insgesamt (Nah- und Fernverkehr). Im Jahr darauf, im Daten-und-Fakten-Heft 1998\/99, werden dann f&uuml;r das gleiche Jahr 1997 pl&ouml;tzlich 1,652 Milliarden Fahrg&auml;ste gemeldet. Das sind 277 Millionen Fahrg&auml;ste mehr oder ein Plus von 20 Prozent. <\/p><p>Das Daten-und-Fakten-Heft 1999 &ndash; das dann bereits von Bahnchef Mehdorn zu verantworten war &ndash; setzt dann an den 1997er Zahlen aus &bdquo;Daten und Fakten&ldquo; 1998\/99 an und vermeldet 1,668 Milliarden Fahrg&auml;ste f&uuml;r 1998.<\/p><p>Was war passiert? Genau das, was der Bundesrechnungshof in einer kritischen Bilanz bereits 1997 angesprochen hatte: Die Deutsche Bahn AG, so die oberste, im Grundgesetz verankerte Kontrollinstanz,  arbeite mit &bdquo;Ausweis&auml;nderungen&ldquo;.[<a href=\"#foot_21\" name=\"note_21\">21<\/a>] Bis zur Daten-und-Fakten-Heft-Ausgabe 1997\/98 hatte sich der Bahnkonzern bei der Statistik an Gesetz und Ordnung, hier an &sect; 5 Absatz 1 der &bdquo;Verordnung &uuml;ber die Eisenbahnstatistik&ldquo; und an die Vorgaben des Statistischen Bundesamtes, gehalten. Danach wird die Zahl der Fahrg&auml;ste &bdquo;nach Art der Fahrausweise&ldquo; ermittelt. Ausdr&uuml;cklich hei&szlig;t es dann: &bdquo;Nicht zu den bef&ouml;rderten Personen geh&ouml;ren nicht zahlende Reisende sowie Milit&auml;rpersonen.&ldquo; Seit dem DB-Statistik-Heft des Jahres 1998 werden von der DB AG kostenlos Reisende mitgez&auml;hlt. Das sind dann Bundestagsabgeordnete, Behinderte, Milit&auml;rpersonen und vor allem die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das ist ein erhebliches Potential; im Jahr 1998 waren dies knapp 300 Millionen kostenlos Reisende.<\/p><p>Nun kann man &uuml;ber diese ge&auml;nderte Z&auml;hlweise unterschiedlicher Auffassung sein. Mir erscheint die &bdquo;alte&ldquo;, gesetzlich basierte Z&auml;hlweise die &uuml;berzeugendere zu sein &ndash; zumal f&uuml;r einen Bahnkonzern, der als Aktiengesellschaft aufgestellt ist und der sich einer prim&auml;r betriebswirtschaftlichen Orientierung verpflichtet f&uuml;hlt. Danach z&auml;hlen Reisende dann als Reisende, wenn sie f&uuml;r ihre Fahrten auch bezahlen. Und Reisende, die gratis mitfahren (d&uuml;rfen), z&auml;hlen nicht. Punkt.<\/p><p>Doch selbst wenn man die seit 1998 von der Deutschen Bahn AG praktizierte Z&auml;hlweise, bei der die nicht zahlenden Fahrg&auml;ste in der Statistik als normale Fahrg&auml;ste erfasst werden, bevorzugt, geht eine Sache gar nicht: ein Vergleich der ab 1998 auf Basis der neuen statistischen Methode deutlich h&ouml;heren Fahrgastzahlen (die Gratis-Fahrenden ber&uuml;cksichtigend) mit denen der vorausgegangenen Jahre auf Basis der &bdquo;alten&ldquo; Statistik (die Gratis-Reisenden nicht ber&uuml;cksichtigend). W&auml;hlt man ab 1998 die neue Form der statistischen Erfassung, dann m&uuml;ssten alle Fahrgastzahlen konsequent auf Basis der &bdquo;modernen&ldquo; Statistik ausgewiesen und entsprechend zur&uuml;ckgerechnet &ndash; r&uuml;ckwirkend angepasst &ndash; werden.<\/p><p>Das macht die Deutsche Bahn AG nicht. Sie vergleicht &Auml;pfel mit Birnen, konkret die Ende der 1990er Jahre in der &bdquo;modernen&ldquo; Statistik  ausgewiesenen und damit die um 20 Prozent h&ouml;heren Fahrgastzahlen mit den fr&uuml;heren Fahrgastzahlen, die auf Basis der alten Statistik belassen werden. Dies f&uuml;hrt zu drastischen Fahrgaststeigerungen. Doch diese gibt es zu einem gro&szlig;en Teil nur auf dem Papier.[<a href=\"#foot_22\" name=\"note_22\">22<\/a>]<\/p><p>Es ist nicht klar, wer f&uuml;r die Manipulation der Statistik die Verantwortung tr&auml;gt. Erst in der &Auml;ra Mehdorn wird auf dieser Basis, also mit manipulierten, massiv gesch&ouml;nten Fahrgastzahlen, Propaganda betrieben. Darauf wird in Teil III der Serie noch ausf&uuml;hrlicher eingegangen. Umgesetzt wurde die Ver&auml;nderung der Statistik allerdings bereits 1998. <\/p><p><strong>Stuttgart 21. Oder: Warum musste Ludewig gehen?<\/strong><\/p><p>Der Abgang von Johannes Ludewig erfolgte abrupt. Der Kurzzeit-Verkehrsminister Franz M&uuml;ntefering (SPD) hatte ihm Mitte September 1999 den Laufpass gegeben &ndash; kurz bevor er selbst sein Amt an Reinhard Klimmt (ebenfalls SPD) als neuen Verkehrsminister weiterreichte. F&uuml;r Ludewig selbst &ndash; so seine Feststellung &ndash; kam die Entscheidung unerwartet. Ludewig: &bdquo;Bis zum Sommer [1999; W.W.] hatte ich immer irgendetwas in der Richtung f&uuml;r m&ouml;glich gehalten, aber zu diesem Zeitpunkt eigentlich nicht mehr. Denn wir waren auf einem guten Weg, aus den vielf&auml;ltigen Schwierigkeiten herauszukommen.&ldquo;[<a href=\"#foot_23\" name=\"note_23\">23<\/a>]<\/p><p>Ludewig befand sich seit dem Wahlsieg von SPD und Gr&uuml;nen und der Bildung der rot-gr&uuml;nen Koalition im Herbst 1998 als &bdquo;Mann von Helmut Kohl&ldquo; ganz offensichtlich in einer politisch heiklen Situation. Wenn die Opposition pl&ouml;tzlich die neue Regierung stellte, war dies bislang oft mit einem Wechsel an der Bahn-Spitze verbunden. Hinzu kam, dass Ludewig sich seit Amtsantritt in einem st&auml;ndigen Machtkampf mit seinem Vorg&auml;nger im Amt, Heinz D&uuml;rr, befand. Dieser war 1997 direkt aus der Position des Bahnchefs in diejenige des Aufsichtsratschefs der DB AG gewechselt. Von diesem &bdquo;Kontrollposten&ldquo; aus hatte er viele von Ludewigs gr&ouml;&szlig;eren Entscheidungen im operativen Gesch&auml;ft kritisiert. Doch im Februar 1999 warf D&uuml;rr einigerma&szlig;en &uuml;berraschend das Handtuch und gab im Zorn seinen Chefposten im Kontrollgremium auf. <\/p><p>M&uuml;ntefering und Ludewig schienen sich anzufreunden. M&uuml;ntefering sprach &ouml;ffentlich von einer &bdquo;zweiten Chance&ldquo; des Johannes Ludewig. Im M&auml;rz 1998 wurde Ludewig sogar vom Aufsichtsrat in seinem Amt best&auml;tigt. Das war nur m&ouml;glich, indem die Vertreter von SPD und Gr&uuml;nen im Aufsichtsrat f&uuml;r die Amtszeitverl&auml;ngerung stimmten.  Damit sprach eigentlich alles daf&uuml;r, dass Ludewig die Bahn weitgehend nach seinen eigenen  Vorstellungen w&uuml;rde entwickeln k&ouml;nnen. <\/p><p>Und tats&auml;chlich schien der Mann in diese Richtung Anl&auml;ufe zu nehmen. Ja, es gibt Anzeichen daf&uuml;r, dass er sogar eine umfassende Konzeption f&uuml;r eine neue Ausrichtung der Deutschen Bahn AG entwickelte, die mit einigen Br&uuml;chen einer Bahn auf Privatisierungskurs verbunden schien. Margarita Chiari beschrieb kurz nach dem von M&uuml;ntefering erzwungenen Abgang  von Ludewig als Bahnchef den sich abzeichnenden Neuanfang wie folgt: Ludewig &bdquo;schien nun [im Fr&uuml;hjahr 1999; W.W.] die Skepsis, die ihm nach seinem &uuml;berraschenden Wechsel zur Bahn 1997 entgegengeschlagen hatte, &uuml;berwunden zu haben. Fast befreit wirkte er nach dem R&uuml;cktritt seines Widersachers Heinz D&uuml;rr [vom Chefposten des DB-AG-Aufsichtsrats; W.W.]. Er tauchte &ouml;fters auf Bahnsteigen auf, sparte auch nicht mit Kritik an &acute;falschen Entscheidungen der Vergangenheit&acute;. Und er stellte pl&ouml;tzlich selbst die Weichen. Im Sommer [1999; W.W.] k&uuml;ndigte er den bislang radikalsten Kurswechsel seit der Bahnreform an: Statt weitere Milliarden in neue Hochgeschwindigkeitsstrecken flie&szlig;en zu lassen, werde die Bahn nun verst&auml;rkt in den Bestand investieren, Langsamfahrstellen beseitigen, den Regionalverkehr beschleunigen, das Netz entflechten, den Service verbessern. Prestigeprojekte wie der Neubau des Stuttgarter Bahnhofs (= Stuttgart21; W.W.] wurden gestrichen, der Personalabbau verlangsamt. [&hellip;] &acute;Konsequenz&acute;, attestierte ihm sogar der verkehrspolitische Sprecher von B&uuml;ndnis 90\/Die Gr&uuml;nen, Albert Schmidt. Die neue Strategie erhielt Applaus.&ldquo;[<a href=\"#foot_24\" name=\"note_24\">24<\/a>]<\/p><p>Die Gr&uuml;nde, die zu dem &uuml;berraschenden Abgang von Ludewig als Bahnchef f&uuml;hrten, d&uuml;rften noch l&auml;ngere Zeit im Dunkeln bleiben. Die Gewerkschaft Transnet und ihr Chef Norbert Hansen hatten gegen Ludewig heftig Front gemacht; sie spielten beim Ludewig-Sturz sicher eine wichtige Rolle. Die Stiftung Warentest ver&ouml;ffentlichte im Sommer 1998 ein vernichtendes Urteil &uuml;ber den Service und die P&uuml;nktlichkeit der Deutschen Bahn AG. Die zwei Grundaussagen lauteten: (1) In drei von vier F&auml;llen w&uuml;rden den Kunden in den Service-Centern &uuml;berteuerte Tickets verkauft. (2) Es sei noch immer &bdquo;jeder zweite Zug versp&auml;tet&ldquo;. <\/p><p>Grunds&auml;tzlich traf sicher das meiste zu, was die Stiftung der DB vorwarf. Die Heftigkeit des Angriffs erstaunte indes. Die chaotische Fahrpreisstruktur war weitgehend ein Erbe der D&uuml;rr-&Auml;ra; Ludewig hatte mehrfach erkl&auml;rt, ein transparentes, einfaches, neues Fahrpreissystem schaffen zu wollen. Er wollte ausdr&uuml;cklich die &bdquo;BahnCard kundenorientiert zur Reisekarte weiterentwickeln&ldquo;. Damals gab es nur eine BahnCard50 &ndash; und keine Schn&auml;ppchen-Karte BC25.[<a href=\"#foot_25\" name=\"note_25\">25<\/a>] Hinzu kommt: In Sachen P&uuml;nktlichkeit hatte es in den ersten 18 Monaten der Ludewig-Amtszeit als Bahnchef erkennbare Fortschritte gegeben. Warum dann der Wechsel? Warum dann ein Wechsel nach knapp zwei Jahren? Warum ein Wechsel weg von einem recht gewissenhaft arbeitenden Beamten hin zu einem krass privatwirtschaftlich ausgerichteten neuen Bahnchef, dessen bisherige Karriere &uuml;berwiegend vom Flugzeugbau und der Autoindustrie gepr&auml;gt war?<\/p><p>Sicher ist, dass das, was Ludewig in den letzten Wochen seiner Zeit als Bahnchef skizzierte, den Interessen der Bau-, Beton- und Auto-Lobby widersprach. Nirgendwo konnte man besser verdienen als an dem gro&szlig;z&uuml;gigen Ausbau der Hochgeschwindigkeitsstrecken.  In der Amtszeit von Ludewig als Bahnchef waren die Kosten f&uuml;r den Bau der Schnellfahrstrecke K&ouml;ln &ndash; Frankfurt\/M., die unter Heinz D&uuml;rr beschlossen und mit deren Bau 1995 begonnen worden war, explosionsartig gestiegen. Ludewig hatte versucht, zu bremsen und eine K&uuml;ndigung der im Baulos ARGE B involvierten Unternehmen betrieben. Er war dabei gescheitert; die Kosten verdoppelten sich am Ende knapp, was zweifellos der Baubranche ein sattes Plus einbrachte. Es handelte sich zugleich um die erste Strecke, die komplett als &bdquo;feste Fahrbahn&ldquo; &ndash; als Betonfahrbahn anstelle von Gleisen, die im traditionellen Schottergleisbett verlegt sind &ndash; gebaut war. Eine Bauweise, die erheblich zur Kostensteigerung bei Neubaustrecken beitr&auml;gt. Feste-Fahrbahn-Strecken m&uuml;ssen sp&auml;testens nach zwei Jahrzehnten komplett saniert werden. Anders als bei einem Schotterbett-Oberbau ist dies in der Regel mit einer kompletten Streckensperrung verbunden. Jede gr&ouml;&szlig;ere Besch&auml;digung der Feste-Fahrbahn-Strecke kann zu enorm langen Streckensperrungen und damit zu enorm hohen Einnahmeeinbu&szlig;en bei der Bahn f&uuml;hren.[<a href=\"#foot_26\" name=\"note_26\">26<\/a>]<\/p><p>Ludewigs Ideen f&uuml;r einen &bdquo;Kurswechsel&ldquo; &auml;hneln dem, was aktuell f&uuml;r die Eisenbahn &ndash; u.a. im Rahmen des Projekts &bdquo;Deutschlandtakt&ldquo; &ndash; vorgeschlagen wird. Allerdings gab es vergleichbare Vorschl&auml;ge &ndash; wie dieser Beitrag dokumentiert &ndash; bereits vor mehr als zwei Jahrzehnten. W&auml;ren sie damals realisiert worden, h&auml;tte die Deutsche Bahn m&ouml;glicherweise die in dieser Serie beschriebenen weiteren Fehlentwicklungen, zu denen es in krasser Form in der &Auml;ra Mehdorn kam, vermeiden und den fortgesetzten Niedergang der Schiene stoppen k&ouml;nnen. Eine derart neu ausgerichtete Bahn w&auml;re zu einem ernsthaften Konkurrenten f&uuml;r den Pkw- und Lkw-Verkehr und damit f&uuml;r die Autolobby geworden. <\/p><p>Eine solche Entwicklung war jedoch kaum mit der Tatsache vereinbar, dass es seit Herbst 1998 im Kanzleramt einen neuen Chef gab, der sich bereitwillig als &bdquo;Autokanzler&ldquo; und als &bdquo;Kanzler der Bosse&ldquo; bezeichnen lie&szlig;. Eine solche Entwicklung h&auml;tte sich auch in direktem Widerspruch zur konkreten Verkehrspolitik unter Rot-Gr&uuml;n befunden. Diese hatte 1998 die &Ouml;kosteuer eingef&uuml;hrt, mit der auch die Deutsche Bahn in vollem Umfang belastet wurde. Damit wurde die Wettbewerbsposition der Schiene ein weiteres Mal verschlechtert.<\/p><p>Ludewigs Absage an Stuttgart 21 konkretisierte den Kurswechsel noch. Heinz D&uuml;rr, der Erfinder von Stuttgart21, hatte heftig gegen Ludewigs Absicht protestiert, das gewaltige Bahnhofsprojekt, zugleich damals bereits das gr&ouml;&szlig;te Eisenbahn-Infrastrukturprojekt in Deutschland, aufzugeben. F&uuml;r die Bau- und Beton- und Bankenlobby, die 1999 mit diesem Projekt bereits seit f&uuml;nf Jahren eng verbunden war, musste der Beschluss von Johannes Ludewig, aus dem S21-Projekt auszusteigen, wie eine Kampfansage erschienen sein. Immerhin ging es bei Stuttgart21 auch nach den damaligen Ma&szlig;st&auml;ben um ein gigantisches Gro&szlig;projekt mit Investitionsauftr&auml;gen in H&ouml;he von mehreren Milliarden Euro, verbunden mit erwarteten Gewinnen in H&ouml;he von vielen hunderten Millionen Euro.<\/p><p>Eine treffende Bilanz der &Auml;ra Ludewig ver&ouml;ffentlichte der Tagesspiegel; dort hie&szlig; es: &bdquo;Der ehemalige Kanzleramtsminister Ludewig hat nur ein Mandat, seine &ndash; oft richtigen &ndash; Entscheidungen durchzusetzen: die N&auml;he zur Politik. Die ging mit dem Regierungswechsel verloren. Der Aufstand der Bahn-Belegschaft gegen seinen &acute;Beh&ouml;rden-Stil&acute;, die Kampagne der Gewerkschaften, der Machtkampf mit [&hellip;] Heinz D&uuml;rr: Ludewig brauchte politischen R&uuml;ckhalt f&uuml;r seine internen Auseinandersetzungen. All das hat M&uuml;ntefering gesehen &ndash; und ausgesessen. [&hellip;] Anstatt der Bahn, wie versprochen, bei den Investitionen seines Hauses Vorrang einzur&auml;umen, hat M&uuml;ntefering ihr Wettbewerbshindernisse wie die &Ouml;kosteuer in den Weg gerollt. Ludewig war ein K&ouml;nig ohne Land.&ldquo;[<a href=\"#foot_27\" name=\"note_27\">27<\/a>]<\/p><p><strong>Pers&ouml;nliches &ndash; Eschede im Verkehrsausschuss und meine Fragen an Ludewig und Heinisch<\/strong><\/p><p>In der Diskussion &uuml;ber die Eschede-Katastrophe im Verkehrsausschuss des Bundestags am 17. Juni 1998, an der Bahnchef Johannes Ludewig und Technikvorstand Roland Heinisch teilnahmen, wurden die beiden Vertreter der DB AG von mir mit dem oben angef&uuml;hrten Pr&uuml;fbericht der Thyssen-Tochter in Kassel konfrontiert. Roland Heinisch antwortete darauf zun&auml;chst mit der Aussage: &bdquo;Solche Pr&uuml;fberichte haben wir nicht bestellt.&ldquo; Und dann: Es habe solche Pr&uuml;fungen m&ouml;glicherweise fr&uuml;her mit Monobloc-R&auml;dern &ndash; und damit nicht mit dem beim Eschede-Ungl&uuml;ck entscheidenden Radtyp &ndash; gegeben.[<a href=\"#foot_28\" name=\"note_28\">28<\/a>]<\/p><p>Das entsprach offensichtlich nicht der Wahrheit. F&uuml;nf Tage nach dieser Verkehrsausschusssitzung erhielt der Vorsitzende des Verkehrsausschusses einen an mich gerichteten Brief von DB-Vorstand Roland Heinisch. Der Brief, datiert auf den 22. Juni 1998, hat den folgenden Wortlaut: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Sehr geehrter Herr Dr. Wolf, im Nachgang zur Anh&ouml;rung des Verkehrsausschusses vom 17. Juni 1998 gebe ich folgende Informationen auf Ihre Anfragen [&hellip;] 3. Im Rahmen eines vom BMBF gef&ouml;rderten Projekts &sbquo;Unrunde R&auml;der&lsquo; hatte Thyssen\/Kassel [&hellip;] den Auftrag erhalten, je 8 R&auml;der der BA 64 (der erw&auml;hnten gummigefederten R&auml;der des ICE-1, also keine Monobloc-R&auml;der; W.W.) zu verbessern, die H&auml;rte zu bestimmen und zwar im Neuzustand, nach 60.000 km, nach 110.000 km usw. bis max. 400.000 km. Nach 300.000 km waren die Lauffl&auml;chen aufgrund ihres Zustandes abgedreht und konnten deswegen Thyssen nicht mehr zur Verf&uuml;gung gestellt werden. Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en R. Heinisch.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Dieser Brief blieb auf wunderliche Weise im Sekretariat des Verkehrsausschusses h&auml;ngen. Er wurde mir erst ein Vierteljahr sp&auml;ter zugestellt.<\/p><p>Das hei&szlig;t im Klartext: Die Deutsche Bahn AG und die Bundesregierung &ndash; vertreten durch das Bundesforschungsministerium &ndash; verf&uuml;gten ein Jahr vor der Eschede-Katastrophe &uuml;ber Pr&uuml;fberichte zu den in Einsatz befindlichen ICE-Rads&auml;tzen. Diese Pr&uuml;fberichte dokumentierten den katastrophalen, den Grunds&auml;tzen von Sicherheit widersprechenden Zustand der ICE-1-Rads&auml;tze. Das Bundesforschungsministerium &ndash; und damit faktisch die Bundesregierung &ndash; war sogar Auftraggeberin dieser Untersuchung. <\/p><p>Doch diese brisante Information wurde solange zur&uuml;ckgehalten, bis die Diskussion &uuml;ber die Eschede-Katastrophe deutlich abgeklungen war. <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Wirtschaftswoche 38\/1999; vom 16. September 1999. Ob es sich hinsichtlich Mehdorn genau so verhielt, wie hier dargestellt, sei dahingestellt. Mehdorn war damals gerade erst von Daimler zu Heidelberger Druckmaschinen AG gewechselt und wollte dort bei der Muttergesellschaft RWE Karriere machen. Erst als das nicht klappte und er bei RWE seinen Sitz in der Holding verlor, stand er daf&uuml;r bereit, nach Daimler und Heidelberger Druckmaschinen\/RWE auf ein drittes Karrieregleis, die Deutsche Bahn, zu setzen.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] DVZ [Deutsche Verkehrszeitung] 90\/1997 vom 29. Juli 1997.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Gesch&auml;ftsbericht 1997, Deutsche Bahn AH, S. 5.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Zitiert in: S&uuml;dwestpresse vom 21. November 1997.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Statement Johannes Ludewig vom 3. M&auml;rz 1999 anl&auml;sslich der Jahrespressekonferenz der Deutschen Bahn AG, Manuskript, S.6 und Statistik dort im Anhang S.11.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Berliner Zeitung vom 3. Dezember 1999. Mehdorn k&uuml;ndigte damals gleichzeitig an, dass als Ersatz &bdquo;nun Gro&szlig;bildschirme auf den Bahnh&ouml;fen &uuml;ber Staus auf den Stra&szlig;en&ldquo; informieren w&uuml;rden. Vergleichbares fand nie statt; das war eine der Mehdorn&acute;schen Seifenblasen.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] Offizieller Bericht des Eisenbahn-Bundesamts (EBA) zum Eschede-Unfall; hier wiedergegeben in: Winfried Wolf, Das ICE-Ungl&uuml;ck von Eschede, in: G. Altmann, H. Monheim, A. Schmidt, B. Strowitzki und W.Wolf, Einmal Chaos und zur&uuml;ck, K&ouml;ln 1998 (ISP-Verlag), S.73f.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] Interview in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 25. Mai 2013.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] Die Aussagen von Lutz und von L&ouml;wen jeweils zitiert nach: Der Tagesspiegel vom 4. Juni 2018.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] Der Spiegel 24\/1998.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] Dazu schrieb Prof  Dr. Hans-J&uuml;rgen K&uuml;hlwetter: &bdquo;Greift ein Vorgesetzter so in Verwaltungsabl&auml;ufe in seinem Verantwortungsbereich ein, so ist dies ein Zeichen einer hierarchischen Unterstellung und der Vorgesetzte tr&auml;gt f&uuml;r die Folgen des Eingriffs auch die Verantwortung.&ldquo; (Eisenbahn-Revue 1\/2003). Doch Heinisch wurde im Eschede-Prozess keine Verantwortung zugesprochen.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_12\" name=\"foot_12\">&laquo;12<\/a>] Frankfurter Rundschau vom 16. Juni 1998 (zu Japan); Stern 34\/2001 (zu D&auml;nemark und Heinisch-Notiz). Die Tester in Japan sollen nach einem Bericht &bdquo;Sicherheitsbedenken&ldquo; angemeldet haben. Es soll  bei der Erprobung der gummibereiften R&auml;der &bdquo;nicht unerhebliche Verformungen vor allem des Radreifens&ldquo; gegeben haben. Bericht in: Der Modelleisenbahner Nr. 8\/1998. <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_13\" name=\"foot_13\">&laquo;13<\/a>] Spiegel 24\/1998.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_14\" name=\"foot_14\">&laquo;14<\/a>] Z. Boier und W. Peter, &bdquo;R&auml;der &ndash; die Schwachstellen des Rad-Schiene-Systems&ldquo;, in: VDI-Nachrichten vom 12. Juni 1998.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_15\" name=\"foot_15\">&laquo;15<\/a>] Der Spiegel 39\/1998. <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_16\" name=\"foot_16\">&laquo;16<\/a>] DB Gesch&auml;ftsbericht 1998, S. 30. Es h&auml;tte nun sein k&ouml;nnen, dass Ludewig auf der Bilanzpressekonferenz erg&auml;nzende und eher angemessene Worte zu Eschede h&auml;tte finden k&ouml;nnen. Ich nahm an dieser teil und verf&uuml;ge &uuml;ber das Rede-Manuskript. Diese Rede ist eher noch peinlicher. Dort hei&szlig;t es direkt bzw. eher indirekt zu Eschede: &bdquo;Meine Damen und Herren, hinter der Deutschen Bahn liegt ein Gesch&auml;ftsjahr mit einer Reihe au&szlig;ergew&ouml;hnlicher und unvorhersehbarer Ereignisse. Sie haben den zun&auml;chst positiven Verlauf unseres Gesch&auml;ftsjahres im ersten Halbjahr 1998 unterbrochen und uns im zweiten Halbjahr dann zu einem Teil erhebliche Schwierigkeiten gemacht. Trotzdem ist es uns gelungen, den Umsatz zu stabilisieren. Dass dies gelungen ist, beweist die Leistungsf&auml;higkeit der Bahn und ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.&ldquo; Das Wort &bdquo;Eschede&ldquo; taucht dann in dem Zusammenhang auf, wie &bdquo;unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit der Extremsituation umgegangen&ldquo; seien. Und noch einmal, indem in drei gleichgewichtigen Spiegelstrichen Eschede, ein Unfall in Immenstadt und der &bdquo;Brand eines italienischen G&uuml;terzugwagens auf der Strecke Hannover &ndash; W&uuml;rzburg in der Nacht auf Dienstag&ldquo; auf derselben Ebene abgehandelt werden. Es gibt weder in dieser Rede noch im Gesch&auml;ftsbericht einen Ausdruck des Bedauerns, der Entschuldigung, eine Hinwendung an die Hinterbliebenen.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_17\" name=\"foot_17\">&laquo;17<\/a>] Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 25.5.2013<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_18\" name=\"foot_18\">&laquo;18<\/a>] Es hei&szlig;t dort: &bdquo;Leider habe es auch schwierige Zeiten gegeben. Es galt nach dem schweren Unfall im Jahr 1998 nicht nur nach Verantwortlichen und Schuld zu suchen, sondern vor allem aus diesem tragischen Ungl&uuml;ck zu lernen.&ldquo;<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_19\" name=\"foot_19\">&laquo;19<\/a>] DB Gesch&auml;ftsbericht 1998, S. 5. <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_20\" name=\"foot_20\">&laquo;20<\/a>] In der Tageszeitung Die Welt vom 16. Oktober 199 sagt Ludewig auf die Frage &bdquo;Was raten Sie Mehdorn beim Thema einspuriger Transrapid?&ldquo;: &bdquo;Da hat sich mit der Einspur-Diskussion die Gesch&auml;ftsgrundlage ver&auml;ndert. Die Bundesregierung hat damit die Basis des gemeinsamen Eckpunktepapiers vom April 1997 verlassen.&ldquo;<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_21\" name=\"foot_21\">&laquo;21<\/a>] Bundesrechnungshof, Bericht nach &sect;88 Abs. 2 BHO &uuml;ber die Jahresabschl&uuml;sse  1994 und 1995 der Deutschen Bahn AG, Frankfurt am Main 1997.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_22\" name=\"foot_22\">&laquo;22<\/a>] &Uuml;ber diese statistischen Verf&auml;lschungen berichtete ich erstmals in der Brosch&uuml;re &bdquo;Deutsche Bahn Abwicklungsgesellschaft&ldquo;, herausgegeben von der PDS im Bundestag 1998, S.22. Auf den &bdquo;Horber Schienentagen&ldquo; im selben Jahr verwies ich ebenfalls auf diese Manipulationen. Klaus Gietinger hat sich dann dieses Thema ausf&uuml;hrlich angenommen und diese Manipulationen  detailliert nachgewiesen. Siehe: Klaus Gietinger, Der Markterfolg der Deutschen Bahn AG nach der Bahnreform &ndash; Dichtung und Wahrheit, in: Heiner Monheim \/ Klaus Nagorni, Die Zukunft der Bahn. Zwischen B&uuml;rgern&auml;he und B&ouml;rsengang, Herrenalber Protokolle 116, Schriftenreihe der Evangelischen Akademie Baden, Karlsruhe 2004, S.85ff. Die Bundesregierung hat die ge&auml;nderte und faktisch manipulierte Fahrgast-Statistik als Antwort auf eine entsprechende Kleine Anfrage der Fraktion der FDP best&auml;tigt (Drucksache 15\/1954).<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_23\" name=\"foot_23\">&laquo;23<\/a>] In: Die Welt vom 16.Oktober 1999.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_24\" name=\"foot_24\">&laquo;24<\/a>] Margarita Chiari, Endstation. Bahnchef Ludewig ist vor allem am internen Widerstand gegen seine Person gescheitert, in: Der Tagesspiegel vom 15. September 1999.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_25\" name=\"foot_25\">&laquo;25<\/a>] Zwei Jahre sp&auml;ter schaffte Mehdorn die BahnCard50 ab; es gab nur noch die Schn&auml;ppchenkarte BC25. Erst als es zu massenhaften Protesten kam, f&uuml;hrte er die BC50 wieder ein &ndash; mit einem 80-Prozent-Preisaufschlag. Ausf&uuml;hrlich siehe Teil III der Serie. <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_26\" name=\"foot_26\">&laquo;26<\/a>] Die Kosten der Neubaustrecke K&ouml;ln &ndash;Frankfurt\/M. betrugen am Ende 6 Milliarden Euro. Bei Baubeginn waren 3,9 Milliarden Euro Gesamtkosten vereinbart worden. Mehdorn hatte gleich nach seinem Amtsantritt der Pr&uuml;fgesellschaft Pwc den Auftrag erteilt, die ungew&ouml;hnlich hohen Kostensteigerungen bei dieser Neubaustrecke und bei der Nord-S&uuml;d-Verbindung in Berlin untersuchen zu lassen. Pwc kam zu dem Ergebnis, dass es zu Mehrkosten in H&ouml;he von bis zu 5 Milliarden DM kommen w&uuml;rde, f&uuml;r die &bdquo;unzureichende Planung und Missmanagement verantwortlich seien&ldquo;. Pwc f&uuml;hrte dabei auch ein gesondertes &bdquo;Gespr&auml;ch&ldquo; mit Ex-Bahnchef Heinz D&uuml;rr, der in dem Pr&uuml;fbericht de facto f&uuml;r die Mehrkosten verantwortlich gemacht wurde. Nach: S&uuml;ddeutsche Zeitung vom 10. Juli 2000. Eine ausf&uuml;hrliche Kritik an der Festen Fahrbahn hatte bereits Mitte der 1990er Jahre der Bundesrechnungshof formuliert; siehe auch: Carl Wa&szlig;muth unter <a href=\"https:\/\/www.gemeingut.org\/feste-fahrbahn-feste-draufzahlen\/\">gemeingut.org<\/a>.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_27\" name=\"foot_27\">&laquo;27<\/a>] Zur&uuml;cktreten bitte, Tagesspiegel vom 15. September 1999.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_28\" name=\"foot_28\">&laquo;28<\/a>] Deutscher Bundestag, Sitzung vom 17. Juni 1998; Auszug aus dem Protokoll des Verkehrsausschusses: &bdquo;Dr. Winfried Wolf (PDS): [&hellip;] Ins Ged&auml;chtnis rufen wolle er seine Fragen im Zusammenhang mit der Kasseler Thyssen-Tochter f&uuml;r Messtechnik und Qualit&auml;t, wonach es im Mai 1997 Pr&uuml;fberichte zu den (ICE-) Rads&auml;tzen gegeben habe, die von massiven M&auml;ngeln auch bei neuen Rads&auml;tzen gesprochen h&auml;tten. Zus&auml;tzlich bitte er zu beantworten, ob es stimme, dass diese Firma R&auml;der mit mehr als 300.000 km Laufleistung zur Untersuchung angefordert habe, die jedoch nicht geliefert worden seien.&ldquo; Im Folgenden wird dann im selben Protokoll als Antwort des DB-Vertreters ausgef&uuml;hrt: &bdquo;Er (Heinisch; d. Verf.) weise darauf hin, dass die DB AG mit Monobloc-R&auml;dern anfangs angesichts deren unterschiedlicher Oberfl&auml;chenh&auml;rte Probleme gehabt habe. Es k&ouml;nne sein, dass sich auch Thyssen damit besch&auml;ftigt habe. Er werde die Frage noch genauer pr&uuml;fen.&ldquo; Heinisch behauptete also im Ausschuss objektiv wahrheitswidrig, es habe nur eine solche Pr&uuml;fung bei den urspr&uuml;nglichen Monobloc-R&auml;dern des ICE-1, wie es sie vor 1992 gab, gegeben.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Verkehrsexperte <strong>Winfried Wolf<\/strong> hat am 21. September 2018 die Wolf&rsquo;sche NachDenkSeiten-Serie zu den vier Bahnchefs seit 1990 begonnen. <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46138\">Damals<\/a> ging es um Heinz D&uuml;rr, heute um Johannes Ludewig. Im dritten und vierten Teil wird es weitergehen mit Mehdorn und Grube. Diese Personen sind allesamt Symbole des Niedergangs. 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