{"id":46710,"date":"2018-10-25T11:30:51","date_gmt":"2018-10-25T09:30:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46710"},"modified":"2020-09-07T07:35:58","modified_gmt":"2020-09-07T05:35:58","slug":"leserbriefe-zu-kanada-legalisiert-cannabis-sollte-deutschland-nachziehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46710","title":{"rendered":"Leserbriefe zu: Kanada legalisiert Cannabis \u2013 Sollte Deutschland nachziehen?"},"content":{"rendered":"<p>Zu dem Artikel &ldquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46578\">Kanada legalisiert Cannabis &ndash; Sollte Deutschland nachziehen?<\/a>&rdquo; erreichten uns diese recht gegens&auml;tzlichen Leserbriefe.  Nach der Lekt&uuml;re k&ouml;nnen sich die Leser vielleicht einmal mehr Ihre eigene Meinung bilden, je nachdem welche Argumente am &uuml;berzeugendsten erscheinen. Vielen Dank an die Leser, die uns geschrieben haben! Zusammengestellt von <strong>Moritz M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>1. Leserbrief<\/strong><\/p><p>&ndash; Na, dann kann man uns nur viel Spass w&uuml;nschen, wenn die organisiert kriminellen Wirtschaftstt&auml;ter sich der Drogenvertriebsstellen in der neoliberalen Wirtschaft annehmen. Wir k&ouml;nnen ja getrost davon ausgehen, dass Kontroll- und Zertifizierungsorgane wie der legale Vertrieb privatwirtschaftlich funktionieren werden. Das ist eine tolle Sache, dann wird der Kragen gar nicht erst schmutzig. In anderem Fall wird der Staat gerne behilflich sein. Schon von Mises hat das in den zwanziger Jahren gefordert, weil Drogenhandel ein normaler Wirtschaftszweig sei. Dem stimmen schon viele Sch&uuml;ler zu, denen man mit Ideen von gesellschaftlicher &Auml;chtung gar nicht mehr kommen muss, weil ja auch nichts ge&auml;chtet wird, wie dieser Diskurs selbst schon wieder zeigt, wie andere Diskurse auch, in denen &bdquo;&Auml;chtung&ldquo; der Ware, f&uuml;r die man gerade Marketing betreibt, gefordert wird. Der bedeutet nur eines: Freien Markt f&uuml;r alles Warenf&ouml;rmige, wir m&uuml;ssen nur endg&uuml;ltig unsere humanistischen Kriterien f&uuml;r Waren den Brunnen runtersp&uuml;len. Es gibt auch Leute, die Menschenhandel in seinen unterschiedlichen Formen als normalen Wirtschaftszweig betrachten. Daf&uuml;r brauchen sie ja die Aufl&ouml;sung staatlicher Funktionen, die sie jahrzehntelang schon betreiben. Und die Funktionstr&auml;ger Richter und Kriminalbeamte machen gerne mit.<\/p><p>Das ist nichts als Gegenaufkl&auml;rung, um Korruption legal zu machen. Ich w&uuml;nsche mir das f&uuml;r meine Kinder nicht, wie afghanische Bauern sich ihre Abh&auml;ngigkeit vom europ&auml;ischen Drogenmarkt f&uuml;r ihre Kinder auch nicht w&uuml;nschen. Sorry, Drogenfans!<\/p><p>Thomas Hannibal<\/p><p><strong>Replik Tobias Riegel:<\/strong><\/p><p><em>Lieber Herr Hannibal,<\/em><\/p><p><em>Sie schreiben: &ldquo;Wir k&ouml;nnen ja getrost davon ausgehen, dass Kontroll- und Zertifizierungsorgane wie der legale Vertrieb privatwirtschaftlich funktionieren werden.&ldquo; Nein, genau das kann\/soll durch Legalisierung verhindert werden &ndash; der Staat h&auml;tte mit diesem Weg immerhin die Chance, die Kontrolle &uuml;ber dieses lukrative Feld zur&uuml;ckzuerobern.&nbsp;<\/em><\/p><p><em>Dagegen ist die jetzige Situation doch die, die Sie beschreiben: Private Kartelle teilen sich den Markt auf &ndash; unter Ausschluss und Destabilisierung der Staaten.&nbsp;<\/em><\/p><p><em>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en, Tobias Riegel<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>2. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Guten Tag Herr Riegel und nachdenkseiten-Team, <\/p><p>Beim genannten Artikel bin ich &uuml;ber einige S&auml;tze gestolpert, vor allem diese: &ldquo;Bei der Diskussion um die Drogenpolitik muss jedwede Drogen-Verniedlichung oder gar Verherrlichung ge&auml;chtet werden. Ein drogenfreies Leben sollte das Ideal sein, ein solches Leben ist mutma&szlig;lich reicher als eines voller S&uuml;chte&rdquo;. <\/p><p>Wessen Ideal? Und weshalb? Hier stellt der Autor seine pers&ouml;nliche Sicht als Maxime f&uuml;r die gesamte Menschheit dar. Selbst wenn der Artikel an sich einen liberaleren Umgang mit Drogen fordert ist seine Aussage bestenfalls eine ideologisch gepr&auml;gte Einzelmeinung. Lassen Sie Ihre Ideologie hinter sich k&ouml;nnen Sie entdecken, dass die Mystiker durch die Menschheitsgeschichte hindurch und &uuml;ber alle Kulturen hinweg psychedelische Substanzen zur Bewusstseinserweiterung zu sich nahmen, dass die gesellschaftlichen Fortschritte im Westen der sechziger Jahre des 19. Jahrhunderts nicht unwesentlich auf der (teilweisen) Legalit&auml;t von LSD beruhten, dass der gesamte &ldquo;Summer of Love&rdquo; ohne LSD nie geschehen w&auml;re, dass etliche bedeutende wissenschaftliche Entdeckungen unter Anwendung bewusstseinserweiternder Substanzen gemacht wurden, dass ein Gro&szlig;teil der weltber&uuml;hmten K&uuml;nstler nicht so ganz n&uuml;chtern waren und ihre Werke ohne Drogen nicht denkbar etc. Die Ansicht, dass der Konsum von Drogen automatisch mit Sucht verkn&uuml;pft ist, ist im &Uuml;brigen &auml;u&szlig;erst kleingeistig, zahlreiche Drogen ohne nennenswertes Suchtpotenzial sind illegal, Suchtproblematik ist generell ein Einzelfall der nichts &uuml;ber die &uuml;berwiegende Mehrheit problemfreier Konsumenten aussagt und l&auml;ngst nicht jeder Gelegenheitsraucher oder -trinker wird nikotin- oder alkohols&uuml;chtig. <\/p><p>Voriges Jahr durfte ich auf der wissenschaftlichen Konferenz DrugScience in der Charit&eacute; Berlin Vortr&auml;ge zum aktuellen Stand der (leider noch eingeschr&auml;nkten) Forschung h&ouml;ren. Ein Beispiel: Signifikante Erfolge bei der Suchtbehandlung sowie bei der Behandlung von Depressionen und der Verbesserung des psychischen Befindens von sterbenskranken Patienten konnten mittels MDMA und LSD erzielt werden &ndash; frei von Nebenwirkungen. Probanden berichten von tiefgehenden spirituellen Erfahrungen, deren anhaltende positive Wirkung noch Monate nach dem Versuch signifikant nachgewiesen werden kann und die h&auml;ufig als eines der bedeutendsten Erlebnisse ihres Lebens genannt werden. <\/p><p>LSD, Ayahuasca, Meskalin, Pilze, DMT, Cannabis u.a. erm&ouml;glichen dem Konsumenten zu erfahren, dass alles was er wei&szlig; falsch ist und seine Umwelt grunds&auml;tzlich zu hinterfragen um Wege der Besserung zu finden &ndash; das ist der Hauptgrund der Kriminalisierung und es w&auml;re weise, auf dieses Potenzial zu setzen anstatt mit schn&ouml;den Steuern zu argumentieren und vor &ldquo;Verniedlichung&rdquo; zu warnen. <\/p><p>Am Rande noch: &ldquo;Cannabis ist nicht gut f&uuml;r die Gesundheit, doch ein Verbot ist extrem gef&auml;hrlich und schlimmer als Cannabis&rdquo;, sagt Jean-Sebastien Fallu, Suchtexperte an der Universit&auml;t von Montr&eacute;al &ndash; noch so ein Satz. Als &ldquo;Suchtexperte&rdquo; muss der Herr wohl so argumentieren, jedoch wird er keinen Beleg f&uuml;r nachteilige Auswirkungen auf die Gesundheit bei Cannabis in Backwaren finden &ndash; es existiert schlichtweg keiner, die gesundheitliche Beeintr&auml;chtigung kommt allein vom Verbrennungsprozess. <\/p><p>Also: nachdenken und den Geist erweitern. <\/p><p>Beste Gr&uuml;&szlig;e<br>\nE. G. <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>3. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Cannbis ist bei uns verboten, weil es eine illegale Droge ist. So betreibt man Lobbyismus f&uuml;r einen kriminellen Schwarzmarkt. Wie brutal und nachhaltig unser Staat Konsumenten verfolgt, durfte ich in den letzten Monaten, mit gro&szlig;em inneren Zorn und Ohnmacht in meinem Familien- und Bekanntenkreis beobachten. Es handelt sich um junge Menschen, die im Zeitraum der Verfolgung ihr Abitur machten und in einer Ausbildung stehen.<br>\n&nbsp;<br>\nNach einem anonymen Hinweis kam es zu Hausduchsuchungen, f&uuml;nf (!) Polizisten die die Zimmer, die W&auml;sche 18j&auml;hriger nach Drogen durchw&uuml;hlen. Smartphones wurden eingezogen und untersucht. Nach ihren eigenen Aussagen haben sie gedacht das sei doch alles nicht so schlimm. Kiffen sei &uuml;berall pr&auml;sent, in der Popkultur, Serien. Politiker die sich mit Hanfpflanzen fotografieren lassen oder den Dealern in Berlin ein Denkmal bauen wollen. Sozial vernetzt und naiv, haben sie es jetzt mit einer entschlossenen Staatsanwaltschaft zu tun.<br>\n&nbsp;<br>\nSelbst die Tatsache das sie Abitur gemacht haben wird ihnen zum Nachteil ausgelegt. H&auml;tten sie die Mengen (hochgerechnet aus gefundenen leeren Plastikt&uuml;tchen) selbst konsumiert, h&auml;tten sie niemals ihr Abitur geschafft, also m&uuml;ssen sie dealen. Zu erleben wie dieser unser Staat unsere Kinder mit derart abenteuerlicher Juristerei verfolgt, dreht mir den Magen um und potenziert meine Politikerverdrossenheit. Die Auswertung der Handys f&uuml;hrt aktuell zu weiteren Verfolgungen.<br>\n&nbsp;<br>\nEs gibt bereits ein Urteil, eine Geldstrafe wurde verh&auml;ngt, ohne Information und Teilnahme des eingeschalteten Anwaltes, der die Unschuld h&auml;tte beweisen k&ouml;nnen. Der Anwalt sagt es sei besser das Urteil anzunehmen, da eine Wiederaufnahme unterm Strich h&ouml;here Kosten verursache. Was f&uuml;r eine alleinerziehende Mutter das schlagende Argument ist, sie muss jetzt damit leben das ihr Sohn unschuldig verurteilt wurde und sie das nicht wieder zurecht r&uuml;cken kann. Selbstredend das die Geldstrafe f&uuml;r die Familienkasse einer Krankenschwester zur Belastung wurde. Es bleibt ein Eintrag im F&uuml;hrungszeugnis.<br>\n&nbsp;<br>\nEines hat mir diese Geschichte gezeigt, die Justiz kann schon wenn sie will, wenn sie Kriminalit&auml;t ohne Opfer verfolgt und damit Opfer schafft. Ein Studium auf Lehramt wurde schon abgebrochen, so viel Willk&uuml;r und H&auml;rte und das Erleben der eigenen Ohnmacht, m&uuml;sste ich auch als Erwachsener erst mal verarbeiten. Ich bitte meine Emotionalit&auml;t zu entschuldigen, das nimmt uns beteiligte Eltern sehr mit und weitere Gerichtsverhandlungen stehen an. Diesmal mit Anwalt.<br>\n&nbsp;<br>\nDas haben unsere Kinder nicht verdient, was haben sie verbrochen? Ihr Elan und ihre Freude ins Studium, ins Leben zu starten ist sehr ged&auml;mpft bis gebrochen. Ihr Verh&auml;ltnis zum Staat? Gebrochen. Ist er so gef&auml;hrlich der Cannabis-Konsument?<br>\n&nbsp;<br>\nSonst zeichne ich meine Leserbriefe gerne mit meinem Namen, diesmal bleibe ich lieber anonym.<\/p><p>(Die Name der Leserin ist der Redaktion bekannt.)<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>4. Leserbrief<\/strong><\/p><p>hallo liebe nachdenkler,<\/p><p>ich sch&auml;tze viele eurer beitr&auml;ge. aber &uuml;ber d.o.g. habe ich mich ge&auml;rgert.<\/p><p>warum?<\/p><p>f&uuml;r eine umfassende begr&uuml;ndung fehlt mir im moment leider die zeit &ndash; sorry.<\/p><p>aber kurz zusammen gefasst denke ich, dass es sich bei den legalisierungsbef&uuml;rwortungsbestrebungen nicht darum geht, das drogenproblem aus humanistischen gr&uuml;nden in den griff zu bekommen: es geht nicht darum eine verbesserung f&uuml;r den einzelnen menschen, den einzelnen abh&auml;ngigen zu bewirken sondern eher darum, die zahl der legal abh&auml;ngigen zu erh&ouml;hen: so erschliesst man als &ldquo;staat&rdquo; neue finanzquellen und erzeugt ein weit gr&ouml;sseres heer von legal &ldquo;ruhiggestellten, die leichter zu regieren und unter kontrolle zu halten sind&rdquo;.<\/p><p>glaubt ihr nachdenkler wirklich, dass sich durch eine legalisierung &ndash; d.h. dadurch, dass sich &ldquo;der staat zum oberdealer&rdquo; macht -pr&auml;ventions- und unterst&uuml;tzungsmassnahmen erh&ouml;hen?<\/p><p>&uuml;brigens pr&auml;ventions- und unterst&uuml;tzungsangebote wurden trotz fachlicher einw&auml;nde im zuge des &ldquo;sozialen kahlschlags&rdquo; in den letzten 20-30 jahren enorm heruntergefahren, dabei weiss jeder, dass es diese investitionen in soziale infrastruktur, in schulen und bildungseinrichtungen, treffpunkte und einrichtungen der jugend- u. kinderarbeit, nachbarschaftsh&auml;user und und und &hellip; unverzichtbare bestandteile f&uuml;r ein gesundes, selbstverantwortliches und autonomes selbst und damit f&uuml;r eine gelingende demoratie sind.<\/p><p>durch eine legalisierung d. h. dadurch, &ldquo;dass sich der staat zum oberdealer macht&rdquo; werden auch die weltweiten von staatlichen geheimdiensten betriebenen ekelhaften und menschenverachtenden drogendeals nicht weniger, die grunlage globalisierter machtspielchen sind und das leben von millionen von menschen (z.b. in afghanistan) zerst&ouml;ren.<\/p><p>deshalb bitte ich im fall des o.g. beitrags um eine differenziertere betrachtung bzw. erg&auml;nzende anmerkungen.<\/p><p>bei der diskussion um die legalisierung geht es nicht um verbot oder nicht verbot sondern um das, was wir als freiheit oder autonomie begreifen und damit um die grundlagen zur gestaltung des gemeinschaftlichen zusammenlebens.<\/p><p>mit grossem respekt f&uuml;r ihre arbeit und freundlichen gr&uuml;ssen<br>\nchristine gugel<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>5. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Liebes Team der NachDenkSeiten,<br>\n&nbsp;<br>\nSuchtexperten sind sich in der Frage Legalisierung von Cannabis nicht einig! Einigkeit besteht lediglich daran, den Konsum zu entkriminalisieren. Wie das geschehen k&ouml;nnte, dar&uuml;ber wird gestritten.<br>\n&nbsp;<br>\nAber immerhin sind sich taz und NDS bei einem Thema mal einig und ich freue mich auf die n&auml;chste Hanfparade, wenn Anna Lehmann und Albrecht M&uuml;ller mit dem &ldquo;Legelize it&rdquo;-Transparent vorneweg laufen. Der Beifall von Monsanto ist gewiss!<br>\n&nbsp;<br>\nIronie beiseite. Das Thema ist vielschichtig und eignet sich &ldquo;eigentlich&rdquo; nicht f&uuml;r Sp&auml;&szlig;e.. Zu Uruquay <a href=\"https:\/\/amerika21.de\/blog\/2013\/12\/96095\/monsanto-marihuana-uruguay\">hier ein guter Beitrag<\/a>.<br>\n&nbsp;<br>\nIch bin trockener Alkoholiker und cleaner Kiffer und ehrenamtlich in der Suchthilfe t&auml;tig. Mein Selbsthilfeverein arbeitet mit den Profis der Psychiatrie des J&uuml;dischen Krankenhauses Berlin (bekannt f&uuml;r qualifizierte Entgiftung) und der Therapieeinrichtung Tannenhof Berlin-Brandenburg zusammen..Die Kooperation zwischen ehrenamtlichen Betroffenen und profesionellen Helfern hat sich bew&auml;hrt und ist ein (!) Ansatz, S&uuml;chtigen auf dem Weg in ein cleanes und trockenes Leben zu halten.<br>\n&nbsp;<br>\nMomentan machen wir sowohl in der Pr&auml;ventionsarbeit wie auch beim ersten und zweiten Schritt in ein Drogen-Freies Leben (Entgiftung und Therapie) die Erfahrung, dass Mittel stark zur&uuml;ck gefahren werden. Bei zunehmender Zahl der S&uuml;chtigen. Und: Die S&uuml;chtigen sind immer j&uuml;nger und inzwischen nicht nur von einem Mittel abh&auml;ngig. Wir haben es mit immer mehr&nbsp; Abh&auml;ngigen zu tun, die polytox sind. Stets war die Einstiegsdroge Cannabis oder Alkohol.<br>\n&nbsp;<br>\n&ldquo;Wirklich gef&auml;hrlich sind nicht die Drogen, sondern das Verbot&rdquo; ist eine sehr fahrl&auml;ssige Aussage!. Wir haben es in der Selbsthilfe immer mehr mit Heranwachsenden zu tun, die sich eine Psychose angekifft haben! Das heutige Cannabis hat nichts mehr mit dem Hippie-Kraut zu tun, das ich vor 40, 50 Jahren geraucht habe. Der THC-Gehalt est um das 35-fache h&ouml;her!<br>\n&nbsp;<br>\nSowohl mein Selbsthilfeverein wie die beiden Einrichtungen sind gegen eine generelle Freigabe. Und wir sind nicht alleine! Meines Wissens spricht sich der ehemalige Leiter der Hauptstelle gegen Suchtgefahr, Rolf H&uuml;llingshorst, auch gegen eine Freigabe aus.<br>\n&nbsp;<br>\nEine Freigabe w&uuml;rde viele Fragen aufwerfen und ich sehe weit und breit nicht, dass auch nur eine dieser Fragen im Ansatz beantwortet ist.<br>\n&nbsp;<br>\nFalls gew&uuml;nscht, schreibe ich aus Betroffenen-Sicht gerne einen Beitrag zum Thema.<br>\n&nbsp;<br>\nMit solidarischen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nG&uuml;nter Frech<\/p><p>Liebes Team der NachDenkSeiten,<br>\n&nbsp;<br>\nerg&auml;nzend zu meiner vorherigen Mail zur Cannabis-Freigabe noch zus&auml;tzliche Bemerkungen und ein paar Links.<br>\n&nbsp;<br>\n&bdquo;Die Medizinervereinigung des Landes nannte die Entwicklung ein &lsquo;unkontrolliertes Experiment&rsquo;, im dem in dem wirtschaftliche und gesundheitliche Interessen einander entgegenlaufen&ldquo; schreibt die S&uuml;ddeutsche Zeitung von gestern (17. 10. ) zu Canda in einem nachdenklichen Artikel. <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/gesundheit\/legalisierung-von-cannabis-kiffende-muetter-bedroehnte-senioren-1.4170574?reduced=true\">Hier mehr<\/a>.<br>\n&nbsp;<br>\nGewohnt lax und somit unkritisch geht die taz mit dem Thema um. Kiffen scheint f&uuml;r tazler systemrelevant zu sein. So wie das bedingungslose Grundeinkommen.<br>\n&nbsp;<br>\nDie willk&uuml;rliche Einteilung in legale und illegale Drogen bleibt auch nach einer m&ouml;glichen Cannabis-Fregabe bestehen. Oder sollen Crack, Crystal Meth, Ecstasy, Kokain, Heroin und der andere Mist auch legalisiert werden?<br>\nMehr zur Wirkung der verschiedenen Drogen und andere wertvolle Infos <a href=\"https:\/\/www.sag-nein-zu-drogen.de\/drogen-info\/kurzbeschreibungen\/\">hier<\/a>.<br>\n&nbsp;<br>\nDer NDS-Beitrag enth&auml;lt zwar ein paar vorsichtige Formulierungen, in er Summe suggeriert er, die Freigabe sei die einzige L&ouml;sung. Dazu werden &bdquo;seri&ouml;se Kronzeugen&ldquo; zitiert. Doch die Medaille hat zwei Seiten. Es gibt noch andere &bdquo;Kronzeugen&ldquo;, die nicht minder seri&ouml;s sind. Zum Beispiel in der Deutschen Hauptstelle gegen Suchtgefahren (DHS). Wie in meiner vorherigen Mail erw&auml;hnt, ist sich die Fachwelt eben nicht einig: &bdquo;In der Fachwelt l&auml;sst sich bislang noch keine Einigung dar&uuml;ber erkennen, wie eine Alternative zur derzeitigen Situation geschaffen werden sollte, die am besten geeignet ist, die Ziele der Suchtpolitik zu erreichen. Aber in einem Punkt sind sich gro&szlig;e Teile der Fachwelt einig: &lsquo;So wie bisher, kann es nicht weitergehen.&rsquo;&ldquo; <a href=\"http:\/\/www.dhs.de\/fileadmin\/user_upload\/pdf\/dhs_stellungnahmen\/2018_PositionspapierCannabis.pdf\">Siehe hier<\/a>.<br>\n&nbsp;<br>\nTobias Riegel argumentiert auch, man m&uuml;sse der Realit&auml;t Rechnung tragen. Bei einem anderen Thema tut das der ADAC vorz&uuml;glich und fordert Freie Fahrt f&uuml;r freie B&uuml;rger. Und der Einzelhandelsverband m&ouml;chte auch der Realit&auml;t Rechnung tragen und fordert im Interesse des konsumbekloppten Teils der Bev&ouml;lkerung &Ouml;ffnungszeiten nach dem 24-7-365-Prinzip. Ob die Besch&auml;ftigten mit dieser Realit&auml;t einverstanden sind, ist dem Einzelhandelsverband und den Konsumenten egal. Also: Der Realit&auml;t Rechnung tragen, ist nicht immer vern&uuml;nftig. Hinter der einen verbirgt sich in der Regel auch eine andere Realit&auml;t.<br>\n&nbsp;<br>\nViel wichtiger aber ist mir: Solange die daf&uuml;r Verantwortlichen nicht garantieren k&ouml;nnen, dass in unseren Altenheimen, Pflegeheimen, Hospizen und Krankenh&auml;user menschenw&uuml;rdige Bedingungen herrschen, traue ich ihnen auch keine vern&uuml;nftige Drogenpolitik zu! Und hinter das Argument &bdquo;mehr Steuereinnahmen&ldquo; setze ich ein Fernsehturm-gro&szlig;es Fragezeichen.<br>\n&nbsp;<br>\nMit solidarischen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nG&uuml;nter Frech<\/p><p><strong>Replik Tobias Riegel:<\/strong><\/p><p><em>Lieber Herr Frech,<\/em><\/p><p><em>Ich danke Ihnen f&uuml;r Ihre Briefe,<\/em><\/p><ul>\n<li>Zu den Suchtexperten:&nbsp;\n<p><em>Nat&uuml;rlich gibt es Stimmen, die einer Reform der Drogenpolitik kritisch gegen&uuml;berstehen &ndash; andernfalls w&uuml;rden diese Reformen ja angegangen werden. Aber: Die Stimmen, die die aktuelle Situation akzeptieren, sind in der absoluten Minderheit. Zudem sind Akteure wie die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene&nbsp;Mortler, oder der nun vielzitierte Christoph M&ouml;ller bereits durch h&ouml;chst unseri&ouml;se &Auml;u&szlig;erungen aufgefallen.&nbsp;<\/em><\/p>\n<p><em>Und selbst die von Ihnen ins Feld gef&uuml;hrte Deutsche&nbsp;Hauptstelle f&uuml;r Suchtfragen (DHS) unterst&uuml;tzt die im Text von zahlreichen prominenten Akteuren aufgestellte Forderung nach einer staatlichen &Uuml;bernahme des Cannabis-Marktes:&nbsp;<\/em><\/p>\n<p><em>Die DHS fordert &ldquo;die Erlangung der Kontrolle des Staates u&#776;ber den Cannabismarkt zur Sicherstellung von Verbraucherschutz, Produktsicherheit und Produktqualita&#776;t und Senkung zusa&#776;tzlicher Gesundheitsrisiken&ldquo;.<\/em><\/p><\/li>\n<li><em>Dass m&ouml;glicherweise auch Monsanto an einer kontrollierten Freigabe von Cannabis verdienen w&uuml;rde, ist zum einen kein Automatismus: Auch hier m&uuml;sste der Staat seinen Gestaltungsspielraum erobern. Zum anderen w&uuml;rde man Soja ja auch nicht verbieten, weil Agrar-Riesen damit Gesch&auml;fte machen.<\/em><\/li>\n<li><em>Der Verweis auf das Leid aktueller Konsumenten ist kein Argument f&uuml;r ein Verbot &ndash; im Gegenteil.<\/em>\n<p><em>Nach diesem Kriterium m&uuml;sste man Alkohol sofort verbieten &ndash; was man aber wegen der schlimmen Erfahrungen mit der Prohibition aus sehr guten Gr&uuml;nden nicht macht. Denn: Ein Verbot verhindert nicht den Konsum und den Handel &ndash; egal ob es um Alkohol oder Cannabis geht. Ein Verbot verhindert und lindert darum nicht die Leiden der Abh&auml;ngigen &ndash; es schafft aber zahlreiche zus&auml;tzliche(!) Probleme.<\/em><\/p><\/li>\n<li><em>Wenn sich die Politik irgendwo zwischen der von Ihnen akzeptierten &bdquo;Entkriminalisierung&ldquo; des Konsums und der im Text geforderten etwas weitergehenden &bdquo;Legalisierung&ldquo; einpendeln w&uuml;rde, w&auml;re das doch schon ein gro&szlig;er und positiver Schritt. Der Text sagt deutlich, dass eine neue Drogenpolitik nicht alle Probleme l&ouml;st und dass es zahlreiche offene Fragen gibt. Doch es verh&auml;lt sich mit den Reformen so &auml;hnlich wie mit der Einf&uuml;hrung des Mindestlohnes: Bevor man es nicht probiert, wei&szlig; man nicht, ob die schlimmen Prophezeiungen der Gegner eintreffen. Viele Prognosen versprechen &auml;u&szlig;erst positive Entwicklungen.<\/em><\/li>\n<p><em>Sollte die Gesellschaft nach echten Modellversuchen aber feststellen, dass das Verbot sinnvoller ist als kontrollierte Freigabe und Verstaatlichung, dann w&auml;re ich der Erste, der das akzeptieren w&uuml;rde.<\/em>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en, Tobias Riegel<\/em><\/p>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu dem Artikel &ldquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46578\">Kanada legalisiert Cannabis &ndash; Sollte Deutschland nachziehen?<\/a>&rdquo; erreichten uns diese recht gegens&auml;tzlichen Leserbriefe. Nach der Lekt&uuml;re k&ouml;nnen sich die Leser vielleicht einmal mehr Ihre eigene Meinung bilden, je nachdem welche Argumente am &uuml;berzeugendsten erscheinen. Vielen Dank an die Leser, die uns geschrieben haben! Zusammengestellt von <strong>Moritz M&uuml;ller<\/strong>.<\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[149,165,103,160],"tags":[1092,930,1760,233,1006,2397],"class_list":["post-46710","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gesundheitspolitik","category-innen-und-gesellschaftspolitik","category-leserbriefe","category-markt-und-staat","tag-drogen","tag-justiz","tag-kriminalitaet","tag-marktliberalismus","tag-regulierung","tag-suchterkrankung"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/46710","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=46710"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/46710\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":64460,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/46710\/revisions\/64460"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=46710"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=46710"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=46710"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}