{"id":46839,"date":"2018-11-01T11:45:44","date_gmt":"2018-11-01T10:45:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46839"},"modified":"2026-01-27T11:30:46","modified_gmt":"2026-01-27T10:30:46","slug":"hannes-hofbauer-kriege-stoppen-das-waere-das-oberste-gebot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46839","title":{"rendered":"Hannes Hofbauer: \u201eKriege stoppen! Das w\u00e4re das oberste Gebot\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Medien berichten viel &uuml;ber Migration, aber die Auswirkungen der Migration auf die Herkunftsl&auml;nder &uuml;bersehen sie oft. Das sagt der Wiener Verleger <strong>Hannes Hofbauer<\/strong> im Interview mit den NachDenkSeiten. Hofbauer, der sich seit Jahren mit dem Thema Migration besch&auml;ftigt, betont im Interview, welche weitreichenden Auswirkungen die Abwanderung vieler Menschen aus ihrer Heimat f&uuml;r diese Herkunftsl&auml;nder hat und warnt davor, die politischen Ursachen und Hintergr&uuml;nde von Migration auszublenden. Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5994\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-46839-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181101_Kriege_stoppen_Das_waere_das_oberste_Gebot_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181101_Kriege_stoppen_Das_waere_das_oberste_Gebot_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181101_Kriege_stoppen_Das_waere_das_oberste_Gebot_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181101_Kriege_stoppen_Das_waere_das_oberste_Gebot_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=46839-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181101_Kriege_stoppen_Das_waere_das_oberste_Gebot_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"181101_Kriege_stoppen_Das_waere_das_oberste_Gebot_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Herr Hofbauer, warum bedarf es einer Kritik der Migration?<\/strong><\/p><p>Migration ist Zeichen von Ungleichheit auf der Welt. Diese Ungleichheit w&auml;chst. Deshalb m&uuml;ssen wir uns kritisch, und nicht verschleiernd oder mit einer rosaroten Brille mit Migration und ihren tats&auml;chlichen Ursachen auseinandersetzen. Regional, aber auch weltweit, ist zu beobachten, dass unterschiedliche Gegebenheiten, die in den jeweiligen L&auml;ndern vorherrschen, aufeinanderprallen. Sie f&uuml;hren zu schweren Verwerfungen. Die Herkunftsl&auml;nder der Menschen, die ihre Heimat aufgrund der Hoffnung auf ein besseres Leben verlassen, werden regelrecht ausgesaugt, weil sie die jungen, flexiblen Arbeitskr&auml;fte an andere L&auml;nder verlieren. Und auch in den Ziell&auml;ndern, die in mancherlei Hinsicht von Migration profitieren oder profitieren k&ouml;nnen, nehmen die Probleme, die sich aus der Migration ergeben, zu. <\/p><p><strong>Erfasst die Medienberichterstattung Migration ausreichend? <\/strong><\/p><p>Zugespitzt lautet der vorherrschende Tenor in den Medien: Migration ist gut f&uuml;r die Gesellschaften, die Migranten in gro&szlig;er Zahl aufnehmen. Eine vorherrschende Sicht ist, dass notwendige Arbeiten, die schwer und schmutzig sind, von Einheimischen nicht gerne verrichtet werden. Also k&ouml;nne die reiche Gesellschaft dankbar sein, dass Migranten diese Arbeiten &uuml;bernehmen. Die Frage ist jedoch: Warum werden die wenig attraktiven, schmutzigen Arbeiten so schlecht bezahlt? Dabei geht es letztlich um das Verh&auml;ltnis von Arbeit und Kapital, auf unsere Frage heruntergebrochen: um die Lohnh&ouml;he. Dass es auch anders geht, zeigt ein Beispiel aus Wien. Dort ist die M&uuml;llabfuhr in Gemeindehand. Als M&uuml;llmann t&auml;tig zu sein, h&ouml;rt sich vielleicht nicht besonders sch&ouml;n an, aber die Wiener M&uuml;llm&auml;nner werden sehr gut bezahlt und sind hochangesehene Leute. Ist also der politische Wille da, kann f&uuml;r dreckige Arbeiten ein guter Lohn bezahlt werden. Dann sind auch Einheimische bereit, sie zu verrichten. Wenn Migranten aber in solche Jobs gepresst werden, weil sie eher schlechte Bedingungen und schlechte Bezahlung in privatisierten Unternehmen wie zum Beispiel den Paketdiensten akzeptieren, dann stimmt etwas Grundlegendes nicht. <\/p><p><strong>Medien konzentrieren sich also nicht genug auf die politischen Hintergr&uuml;nde der Migration? <\/strong><\/p><p>Wenn in den gro&szlig;en Medien die Meinung vorherrscht, Migration sei eine Notwendigkeit f&uuml;r unsere Gesellschaft, dann wird sehr oft &uuml;bersehen, was Migration f&uuml;r die Herkunftsl&auml;nder bedeutet. Nehmen wir zum Beispiel das Gesundheitswesen. In einem Land wie Gro&szlig;britannien kommen fast 40 Prozent der &Auml;rzte und Krankenschwestern aus peripheren Regionen, wie zum Beispiel Serbien, Rum&auml;nien oder auch aus der Ukraine. In Deutschland sind es 10 Prozent. In den L&auml;ndern Osteuropas werden die angehenden &Auml;rzte und Krankenschwestern ausgebildet. Diese L&auml;nder tragen also die Kosten, stellen die Ressourcen usw. zur Verf&uuml;gung, damit die Ausbildung erm&ouml;glicht wird. Da die Ausgebildeten aber in Gro&szlig;britannien das Zehnfache wie in Serbien verdienen, verlassen sie ihre Heimat. Dieser Aderlass ist f&uuml;r die Herkunftsl&auml;nder dramatisch. Bulgarien hat in den vergangenen 25 Jahren 41% seiner aktiven Bev&ouml;lkerung zwischen 25 und 40 Jahren verloren.<\/p><p>Rechte Medien sehen nun im Migranten den Hauptfeind, obwohl er das gr&ouml;&szlig;te Opfer dieser ungleichen Entwicklung auf der Welt ist.  Und die Linke verharrt in einer Art Schockstarre. <\/p><p><strong>Sie haben das Verhalten der Politik angesprochen. Was hat die Politik des Westens mit Migration zu tun? <\/strong><\/p><p>Schauen wir auf die Partnerschaftsabkommen, die die Europ&auml;ische Union mit &uuml;ber 30 L&auml;ndern Afrikas und der Karibik abgeschlossen hat. <\/p><p><strong>Partnerschaftsabkommen?<\/strong><\/p><p>Das sind Freihandelsabkommen, die die M&auml;rkte f&uuml;r Produkte gro&szlig;er Konzerne der EU und &uuml;berproduzierte europ&auml;ische Landwirtschaftsprodukte &ouml;ffnen. Formal soll das auch umgekehrt gehen.<\/p><p><strong>Wo ist das Problem?<\/strong><\/p><p>Die Produkte des sogenannten &bdquo;globalen S&uuml;dens&ldquo;, also zum Beispiel aus Afrika, sind f&uuml;r den europ&auml;ischen Markt oft nicht attraktiv genug, nicht konkurrenzf&auml;hig. Was das bedeutet, liegt auf der Hand: Die Partnerschaftsabkommen sind letztlich eine Markterweiterungsstrategie der Europ&auml;ischen Union. Das f&uuml;hrt dazu, dass die lokalen M&auml;rkte der armen L&auml;nder durch den Import europ&auml;ischer Waren einer Konkurrenz ausgesetzt sind, der sie nicht standhalten k&ouml;nnen. Die Auswirkungen sind schlimm. In L&auml;ndern wie Ghana leiden hunderttausende Bauern unter diesen Partnerschaftsabkommen, weil sie ihre eigenen Produkte &ndash; z.B. aus der H&uuml;hnerzucht &ndash; nicht mehr vor Ort verkaufen k&ouml;nnen, da diese im Vergleich zu den importierten Tiefk&uuml;hlh&uuml;hnern aus der EU zu teuer sind. Die &ouml;rtlichen Bauern verlieren ihre Lebensgrundlage. Und damit sind wir wieder beim Thema Migration. Die S&ouml;hne und T&ouml;chter dieser Bauern k&ouml;nnen auf dem heimischen Agrarsektor  nicht &uuml;berleben, sie machen sich auf nach Europa &ndash; als Migranten. <\/p><p><strong>Wie sieht es mit Kriegen aus, die von westlicher Seite ausgehen?<\/strong><\/p><p>Krieg ist ein wesentlicher Faktor f&uuml;r Migration. Menschen wollen logischerweise nicht in L&auml;ndern leben, in denen ihnen Bomben auf den Kopf fallen. Sie fl&uuml;chten aus ihrer Heimat. Wenn die USA seit 1991 den Irak mit Krieg &uuml;berziehen, dann fl&uuml;chten die Iraker. In Afghanistan, dem Jemen, Libyen und Mali spielt sich die gleiche Trag&ouml;die ab. Wer w&uuml;rde nicht genau so handeln? <\/p><p>Das Problem ist, dass diese Ursachen f&uuml;r Migration bei uns zwar bekannt sind, im Get&ouml;se um die Willkommenskultur allerdings oft untergehen. Man konzentriert sich aufs Helfen und vergisst die Kritik der Ursachen. Helfen ohne Kritik der Ursachen legitimiert diese sogar in gewisser Hinsicht.<\/p><p><strong>Was m&uuml;ssten Politiker tun, um Ursachen f&uuml;r Migration zu beseitigen?<\/strong><\/p><p>Kriege stoppen! Das w&auml;re das oberste Gebot. Kriege, an denen die USA und andere NATO-Staaten beteiligt sind, d&uuml;rfen nicht fortgef&uuml;hrt werden. Die NATO f&uuml;hrt seit 25 Jahren Krieg gegen muslimische L&auml;nder. Die in meinem Buch &bdquo;Kritik der Migration&ldquo; so genannte &bdquo;Gro&szlig;e Wanderung der Muslime&ldquo; im Jahr 2015 ist die Antwort darauf.<\/p><p>Au&szlig;erdem m&uuml;ssen die Partnerschaftsabkommen kritisch diskutiert und Schritt f&uuml;r Schritt zur&uuml;ckgenommen werden. Aber die Politik geht in eine ganz andere Richtung. In Ruanda blockiert der Pr&auml;sident die Altkleiderimporte aus Europa und den USA. Diese Altkleider sorgen f&uuml;r eine Zerst&ouml;rung des heimischen Textilmarktes. B&uuml;rger hierzulande kommen sich zwar gut dabei vor, wenn sie Kleider spenden, aber wenn diese Kleider in ein Land wie Ruanda gelangen, entsteht Schaden, kein Nutzen. <\/p><p>Also: regionale Schutzma&szlig;nahmen m&uuml;ssen von L&auml;ndern der Peripherie ergriffen werden k&ouml;nnen, ohne dass unsere Politik aufschreit und den &bdquo;freien Welthandel&ldquo; gef&auml;hrdet sieht. Genau der ist Ursache sozialer Verwerfungen im S&uuml;den und Osten, die nun &uuml;ber die Migration auch uns betreffen. Au&szlig;erdem: Wir d&uuml;rfen nicht den Fehler machen, davon auszugehen, Ungleichheiten existierten nur zwischen der EU und Afrika. Auch innerhalb der EU gibt es seit Jahrzehnten massive Ungleichheiten. Wenn wir uns damit auseinandersetzen, kommen wir zu einer traurigen Erkenntnis. Es ist n&auml;mlich nicht so, dass die EU gegen diese Ungleichheit vorgeht. Nein, die Verantwortlichen unternehmen nichts, weil die EU auf dieser Ungleichheit basiert.<\/p><p><strong>Wie meinen Sie das?<\/strong><\/p><p>Die EU basiert auf der Gleichzeitigkeit von &ouml;konomischer Konvergenz (damit ist gemeint, dass die wirtschaftlichen Spielregeln in allen EU-L&auml;nder gleich sind) und sozialer Divergenz (damit ist gemeint, dass das Soziale, also Arbeitsrechte, L&ouml;hne usw. nicht gleich sind). <\/p><p>Bei einer Lohndifferenz von 1 zu 8, wie es zwischen Deutschland und Bulgarien der Fall ist, ist es doch nur verst&auml;ndlich, dass die jungen  Bulgaren ihre Heimat verlassen und nach Deutschland oder Schweden gehen. <\/p><p>Damit k&ouml;nnen wir auch an das ankn&uuml;pfen, was ich eben schon zu Gro&szlig;britannien gesagt habe. Ein enormer Druck auf die L&ouml;hne entsteht. Einheimische Arbeitskr&auml;fte stehen Menschen gegen&uuml;ber, die bereit sind, f&uuml;r viel weniger Geld zu arbeiten. Die Auswirkungen sind weitreichend und haben im Fall von England auch die Abstimmung zum Brexit beeinflusst. <\/p><p>Aber selbst in Deutschland sehen wir das Problem. Das Lohnniveau zwischen West und Ost ist noch immer unterschiedlich. Da verwundert es nicht, dass in den letzten 25 Jahren 16 Prozent der Ostdeutschen nach Westdeutschland gezogen sind. F&uuml;r die armen Regionen bedeutet diese Entwicklung, dass sie noch weiter verarmen.  Wir haben es nicht nur mit politischen Fehlentscheidungen zu tun. Die Herrschaft des Kapitals beeinflusst ma&szlig;geblich die Politik, &uuml;ber die wir hier sprechen. <\/p><p><em>Lesetipp: Hofbauer, Hannes: Kritik der Migration. Wer profitiert und wer verliert. Promedia 2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Medien berichten viel &uuml;ber Migration, aber die Auswirkungen der Migration auf die Herkunftsl&auml;nder &uuml;bersehen sie oft. 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