{"id":4686,"date":"2010-03-05T09:07:43","date_gmt":"2010-03-05T08:07:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4686"},"modified":"2014-08-06T16:06:31","modified_gmt":"2014-08-06T14:06:31","slug":"nrw-spd-kalter-kaffee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4686","title":{"rendered":"NRW-SPD: Kalter Kaffee"},"content":{"rendered":"<p>Da sinken die Umfragewerte der CDU in Nordrhein-Westfalen auf 38% (- 3) und das Ansehen von Ministerpr&auml;sident R&uuml;ttgers &ndash; auch ausgel&ouml;st durch den K&auml;uflichkeitsvorwurf im Zusammenhang mit Sponsorenaff&auml;ren &ndash; sackt um 5 Punkte auf 46%, da schrumpft die FDP durch Westerwelles Sozialstaatsattacken auf den harten Kern der Sozialstaatsgegner von 6%, und pl&ouml;tzlich wird bekannt, dass der stellvertretende SPD-Landeschef am Aschermittwoch mit der Landesvorsitzenden der NRW-Linken sich auf eine Tasse Kaffee getroffen hat. Eigentlich h&auml;tte die NRW-Landesvorsitzende Hannelore Kraft den Kaffeeplausch mit einem schlichten &bdquo;Na und&ldquo; quittieren k&ouml;nnen, aber nein, sie tappte &ndash; offenbar lernunf&auml;hig &ndash; in die &bdquo;Ypsilanti-Falle&ldquo; und hat nun eine <a href=\"http:\/\/www.ivz-online.de\/aktuelles\/top_thema_3\/1281893_SPD_verhaengt_in_NRW_Kontaktsperre_zu_den_Linken.html\">&bdquo;Kontaktsperre&ldquo;<\/a> mit der Linkspartei verh&auml;ngt. Prompt reagiert die CDU mit ihrer altbew&auml;hrten &bdquo;Rote-Socken&ldquo;-Kampagne und posaunt die Vorbereitung eines <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/die-welt\/politik\/article6629678\/Die-Angst-der-nordrhein-westfaelischen-SPD-vor-der-Ypsilanti-Falle.html\">&bdquo;Wahlbetrugs&ldquo;<\/a> hinaus. So wird selbst kalter Kaffee zum politischen Schachmatt f&uuml;r die SPD. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><br>\n&bdquo;So haben es die Union und die FDP gerne: die SPD kann auf Jahre hinaus keinen Regierungschef mehr stellen, und ihre sch&ouml;nen Wahlprogramme sind politisch blockiert. &Uuml;berall dort, wo es in den Parlamenten k&uuml;nftig f&uuml;nf Parteien gibt, kann kein Herausforderer der SPD mehr gegen einen Kandidaten der CDU antreten, denn er k&ouml;nnte ja von einer &bdquo;linken&ldquo; Parlamentsmehrheit gew&auml;hlt werden.&ldquo; Das habe ich <a href=\"?p=3003\">vor zwei Jahren geschrieben<\/a>, als der damalige SPD-Vorsitzende Kurt Beck eine vage Andeutung machte, dass die SPD nicht blo&szlig; zusehen k&ouml;nne, wie Roland Koch trotz einer fehlende Mehrheit im hessischen Landtag einfach nur weiterregiert.<br>\nJochen Ott wird nun zum &bdquo;Kurt Beck&ldquo; der NRW-SPD <a href=\"http:\/\/www.derwesten.de\/nachrichten\/politik\/NRW-SPD-schimpft-ueber-rot-rotes-Treffen-id2666412.html\">erkl&auml;rt<\/a>.<br>\nDass sich Andrea Nahles mit dem FDP-Generalsekret&auml;r Christian Linnder, also dem Sprachrohr von Gabriels derzeitigem Hauptgegner Westerwelle zu &bdquo;Geheimgespr&auml;chen&ldquo; <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/1\/politik\/deutschland\/artikel\/1\/die-ampel-zeigt-nicht-gruen\/\">getroffen hat<\/a>, dar&uuml;ber emp&ouml;rt sich in der SPD und auch sonstwo nat&uuml;rlich niemand. <\/p><p>Die Folgen einer politischen Ausgrenzung der Linken durch die SPD sind bekannt: In Hessen regiert Roland Koch mit der FDP, in Hamburg Ole van Beust mit Gr&uuml;n und im Bund regiert Schwarz-Gelb. Die SPD hat aus diesem Scheitern nichts gelernt.<br>\nUnd so d&uuml;rfte auch in NRW nach den Neuwahlen im Mai J&uuml;rgen R&uuml;ttgers weiterregieren &ndash; wenn es mit der FDP nicht zur Mehrheit reicht, dann eben mit den Gr&uuml;nen. <\/p><p>Die SPD muss ja keinen &bdquo;Koalitionswahlkampf&ldquo; zusammen mit der Linken betreiben, aber sie nimmt sich jede realistische Regierungsoption, wenn sie einen &bdquo;Anti-Koalitionswahlkampf&ldquo; f&uuml;hrt und von vorneherein m&ouml;gliche Optionen zur Bildung von parlamentarischen Mehrheiten ausschlie&szlig;t. Die Bundestagswahl hat bewiesen: wenn die SPD keine Hoffnung auf eine Regierungsalternative wecken kann, dann gehen viele ihrer W&auml;hler gerade ihres W&auml;hlerpotentials gar nicht erst zur Wahlurne.<\/p><p>Es hatte bisher den Anschein, also wolle Hannelore Kraft der &bdquo;Ypsilanti-Falle&ldquo; entgehen. Anders als Andrea Ypsilanti blockte sie Koalitionsspekulationen mit der Formel ab: &ldquo;Wir suchen die Auseinandersetzung und nicht die Zusammenarbeit&rdquo; mit der Linkspartei. Sie attackierte mit dem Vorwurf, die Linke sei &bdquo;weder regierungswillig noch regierungsf&auml;hig&ldquo;. Wobei sie im Hinblick auf die Regierungswilligkeit jedenfalls f&uuml;r einen starken Fl&uuml;gel innerhalb der Linkspartei sogar Recht hat. Mit dieser Linie hatte sie sogar relativen Erfolg, denn in j&uuml;ngsten Umfragen legte die SPD auf 34% zu und lag nur noch 4% hinter der Union. <\/p><p>CDU und Gr&uuml;ne in NRW machen es vor: Es ist das gute Recht jeder Partei, sich Koalitionsspekulationen zu entziehen, und das ginge auch mit dem schlichten Hinweis, dass man m&ouml;glichst viele W&auml;hler f&uuml;r sich gewinnen will. Damit hat z.B. Johannes Rau in NRW fast 20 Jahre erfolgreiche Wahlk&auml;mpfe f&uuml;r die SPD bestritten, auch wenn er schlie&szlig;lich 1995 mit den ungeliebten Gr&uuml;nen koalieren musste.<\/p><p>Aber so viel Souver&auml;nit&auml;t und Kraft besitzt Hannelore Kraft offenbar nicht. Schon vor einiger Zeit lie&szlig; sie sich aufs Glatteis f&uuml;hren und ist ausgerutscht. Sie wurde gefragt:  &ldquo;Also Gespr&auml;che mit der Spitze der Linken gibt es nicht?&rdquo;, und Kraft antwortete: <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/die-welt\/politik\/article6629678\/Die-Angst-der-nordrhein-westfaelischen-SPD-vor-der-Ypsilanti-Falle.html\">&ldquo;Nein.&rdquo;<\/a> Sie braucht sich also nicht zu wundern, dass nun ein Kaffeeplausch ihres Stellvertreters mit einer Linken von den Konservativen zu einer &bdquo;Wortbruch&ldquo;-Kampagne hochstilisiert wird. <\/p><p>Aber nicht nur die SPD-Landesvorsitzende, sondern auch der neue Hoffnungstr&auml;ger der Bundespartei, der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel scheint nichts dazu gelernt zu haben. Er schloss jede Zusammenarbeit mit der Linken in NRW praktisch aus: Wenn sich die Linke so verhalte wie in NRW, &bdquo;dann d&uuml;rfen und k&ouml;nnen wir aus inhaltlichen Gr&uuml;nden nicht mit ihr regieren&ldquo;. Dabei hielt er sich nicht einmal mehr an den Beschluss seiner Partei, dass die Landesverb&auml;nde in eigener Verantwortung und eigenst&auml;ndig &uuml;ber Koalitionen entscheiden. <\/p><p>Die SPD hat damit in NRW nur noch eine Chance, an die Regierung zu kommen, wenn die Linke den Einzug ins Landesparlament verpasst und die CDU sowie die FDP weiter schw&auml;cheln.<br>\nDoch selbst wenn es f&uuml;r die SPD zusammen mit den Gr&uuml;nen f&uuml;r eine Mehrheit reichen sollte, dann haben die Sozialdemokraten ihre Position geschw&auml;cht, denn die Gr&uuml;nen h&auml;tten ja immer noch den Ausweg, sich mit der CDU zu verbandeln. Die Gr&uuml;nen k&ouml;nnen als umworbene Braut eine sch&ouml;ne Mitgift fordern. Schon jetzt erreichen sie in NRW nie gekannte Umfragewerte von 11% in NRW.<\/p><p>Dadurch dass sich die NRW-SPD &ndash; selbstverschuldet &ndash; die Rot-Rot-Debatte hat aufdr&auml;ngen lassen, hat sie nun R&uuml;ttgers aus der Patsche geholfen, in die er als Ministerpr&auml;sident wegen seines Angebots von bezahlten &bdquo;Sch&auml;ferst&uuml;ndchen&ldquo; mit Sponsoren geraten war. Und selbstverst&auml;ndlich nutzen die CDU und der Medienchor (von Welt &uuml;ber K&ouml;lner Stadtanzeiger bis <a href=\"http:\/\/www.presseportal.de\/pm\/65487\/1570818\/neue_westfaelische\">Neue Westf&auml;lische<\/a>) es aus, dass nun die SPD in die von ihr selbst aufgestellte &bdquo;Glaubw&uuml;rdigkeits&ldquo;-Falle getappt ist. Dabei helfen der SPD, die ganzen &bdquo;Kontaktsperren&ldquo; und die &bdquo;Au&szlig;schlie&szlig;eritis&ldquo; gegen die Linke gar nichts. Denn wie sich die SPD gegen&uuml;ber der Linken auch immer verhalten mag, die Kampagne gegen eine &bdquo;rot-rote Mehrheit&ldquo; wird von der CDU so oder so gefahren. Schon l&auml;ngst vor dem Bekanntwerden des Kaffeeklatsches von Jochen Ott mit der Landessprecherin der Linken, Katharina Schwabedissen, war das <a href=\"http:\/\/www.cdu-nrw.de\/images\/stories\/docs\/broschueren\/cdu_nrw_rotbuch.pdf\">Rotbuch [PDF &ndash; 232 KB]<\/a> der CDU gedruckt. <\/p><p>Der Nebeneffekt dieses Propagandapamphlets der CDU, das durch das t&ouml;lpelhafte Taktieren der SPD erst richtig bekannt wurde, ist, dass die Linke, die sich selbst in der &ouml;ffentlichen Wahrnehmung in letzter Zeit ins Abseits man&ouml;veriert hatte, erst wieder zu einem breit diskutierten Thema wurde. Ob als Schw&auml;chung der SPD oder als St&auml;rkung der Linkspartei, der CDU kann es nur Recht sein, wenn die Linke ins Parlament kommt, dann h&auml;tte sie auf alle F&auml;lle wieder alle Optionen offen, sei es mit der FDP, sei es mit den Gr&uuml;nen oder vielleicht sogar mit der SPD als kleiner Juniorpartner. Jedenfalls hat sie der SPD das &bdquo;Schach&ldquo; angesagt und die SPD hat sich wieder einmal selbst ins Matt gesetzt.<br>\nUnd das alles wegen &bdquo;kalten Kaffees&ldquo;.<\/p><p>p.s.: Wenn Sie das Rotbuch der CDU lesen, dann schauen Sie doch auch einmal in das rot gebundene Landeswahlprogramm der <a href=\"http:\/\/www.dielinke-nrw.de\/fileadmin\/kundendaten\/www.dielinke-nrw.de\/LTW\/Langwahlprogramm-endfassung_komplett.pdf\">LINKEN [PDF &ndash; 429 KB]<\/a>. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da sinken die Umfragewerte der CDU in Nordrhein-Westfalen auf 38% (- 3) und das Ansehen von Ministerpr&auml;sident R&uuml;ttgers &ndash; auch ausgel&ouml;st durch den K&auml;uflichkeitsvorwurf im Zusammenhang mit Sponsorenaff&auml;ren &ndash; sackt um 5 Punkte auf 46%, da schrumpft die FDP durch Westerwelles Sozialstaatsattacken auf den harten Kern der Sozialstaatsgegner von 6%, und pl&ouml;tzlich wird bekannt, dass<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4686\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[195,191,190],"tags":[1011,401,838,246,754,274,245],"class_list":["post-4686","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-die-linke","category-spd","category-wahlen","tag-beck-kurt","tag-gabriel-sigmar","tag-kraft-hannelore","tag-linke-mehrheit","tag-nrw","tag-ruettgers-juergen","tag-ypsilanti-andrea"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4686","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4686"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4686\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4690,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4686\/revisions\/4690"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4686"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4686"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4686"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}