{"id":46911,"date":"2018-11-06T10:23:01","date_gmt":"2018-11-06T09:23:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46911"},"modified":"2019-03-25T15:09:03","modified_gmt":"2019-03-25T14:09:03","slug":"facebook-zensiert-alternative-medien-das-ist-erst-der-anfang-meint-ein-neokonservativer-insider","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46911","title":{"rendered":"Facebook zensiert alternative Medien &#8211; \u201eDas ist erst der Anfang\u201c, meint ein neokonservativer Insider"},"content":{"rendered":"<p>Bei einer Berliner Konferenz &uuml;ber Sicherheit heischte der neokonservative Hardliner Jamie Fly offenbar nach Anerkennung f&uuml;r die k&uuml;rzlich durchgef&uuml;hrte koordinierte Zensur alternativer Medien, berichten Max Blumenthal und Jeb Sprague. Von <strong>Max Blumenthal<\/strong> und <strong>Jeb Sprague<\/strong> vom Gray Zone Project. <a href=\"https:\/\/consortiumnews.com\/2018\/10\/24\/facebook-censorship-of-alternative-media-just-the-beginning-warns-top-neocon-insider\/\">Aus dem Englischen<\/a> von <strong>Josefa Zimmermann<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nIm Oktober l&ouml;schten Facebook und Twitter die Accounts von Hunderten Nutzern, darunter auch etliche Accounts von alternativen Medien, denen viele Amerikaner folgten. Zu denen, die dieser koordinierten Aktion zum Opfer fielen, geh&ouml;rten beliebte Webseiten, die Recherchen zur Brutalit&auml;t der Polizei und zum US-Interventionismus ver&ouml;ffentlichten, z. B. The Free Thought Project, Anti-Media und Cop-Block sowie die Seiten von Journalisten wie Rachel Blevins. Facebook behauptete, dass diese Seiten &bdquo;gegen unsere Spam-Regeln versto&szlig;en und gemeinschaftliches unauthentisches Verhalten gezeigt&rdquo; h&auml;tten. Webseiten wie The Free Thought Project wurden jedoch von Facebook verifiziert und &uuml;ber lange Zeit als legitime Quellen f&uuml;r Nachrichten und Meinungen anerkannt. Der freie Journalist John Vibes, der bei The Free Thought publizierte, wirft Facebook vor, &bdquo;Mainstream-Quellen zu bevorzugen und alternative Stimmen zum Schweigen zu bringen&rdquo;.<\/p><p>In seinen &Auml;u&szlig;erungen, die hier zum ersten Mal ver&ouml;ffentlicht werden, bekennt sich ein neokonservativer Insider aus Washington offenbar als verantwortlich f&uuml;r die j&uuml;ngste S&auml;uberungsaktion und verspricht weitere L&ouml;schungen in naher Zukunft.<\/p><p>&ldquo;Russland, China und andere Staaten machen sich die Vorteile unseres offenen Systems zunutze&ldquo;, bemerkte Jamie Fly, Senior Fellow und Direktor des Asienprogramms des einflussreichen, von der US-Regierung und der NATO finanzierten Think-Tanks German Marshall Fund. &bdquo;Sie k&ouml;nnen Geschichten erfinden, die kopiert und &uuml;ber verschiedene Webseiten verbreitet werden. Wir fangen gerade erst damit an, sie einzud&auml;mmen. Gerade in der letzten Woche begann Facebook mit dem L&ouml;schen von Webseiten. Das ist erst der Anfang.&rdquo;<\/p><p>Fly beschwerte sich dar&uuml;ber, dass &bdquo;man nur eine E-Mail-Adresse braucht&ldquo;, um einen Facebook- oder Twitter-Account einzurichten und er beklagte sich, dass die Seiten f&uuml;r alle Nutzer zug&auml;nglich sind. Er prognostizierte einen langen Kampf von globalem Ausma&szlig;, um die Situation in den Griff zu bekommen und wies darauf hin, dass dies st&auml;ndige &Uuml;berwachung bedeutet.<\/p><p>Fly machte diese bemerkenswerten &Auml;u&szlig;erungen gegen&uuml;ber Jeb Sprague, Gastdozent f&uuml;r Soziologie an der University of California in Santa Barbara und Co-Autor dieses Artikels. Die beiden unterhielten sich w&auml;hrend einer Mittagspause auf der Conference on Asian Security, die am 15. und 16. Oktober von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin veranstaltet wurde.<\/p><p>Flys Bemerkung &bdquo;wir fangen gerade erst an, sie einzud&auml;mmen&rdquo; schien die schlimmsten Bef&uuml;rchtungen der alternativen Online-Mediencommunity zu best&auml;tigen. <\/p><p>Wenn man ihm glauben kann, war die letzte S&auml;uberung politisch motiviert und keine Spam-Pr&auml;vention und sie wurde von m&auml;chtigen Interessengruppen gesteuert, die keine kritischen Ansichten dulden, insbesondere wenn es um die Staatsgewalt in den USA geht.<\/p><p><strong>Fly, ein aufstrebender Neokonservativer<\/strong><\/p><p>Fly ist ein einflussreicher au&szlig;enpolitischer Hardliner, der sich im letzten Jahr stark gemacht hat f&uuml;r die Zensur von &bdquo;extremen Standpunkten&rdquo; in den sozialen Medien. Im Laufe der Jahre hat er sich eingesetzt f&uuml;r einen milit&auml;rischen Angriff auf den Iran, einen Krieg gegen Syrien zum Zwecke des Regime-Change und die Steigerung der Milit&auml;rausgaben auf ein beispielloses Niveau. Er ist das typische Beispiel eines neokonservativen Kaders.<\/p><p>Wie so viele Neocons der zweiten Generation hatte Fly zun&auml;chst eine mittlere Position in George W. Bushs Nationalem Sicherheitsrat und im Verteidigungsministerium inne. Im Jahr 2009 wurde er zum Direktor der Foreign Policy Initiative (FPI) ernannt, der umbenannten Neuauflage von Bill Kristols Project for a New American Century (PNAC). Letzteres war eine Dachorganisation f&uuml;r neokonservative Aktivisten, die als erste f&uuml;r eine Invasion des Irak im Rahmen eines umfassenderen Regime-Change-Programmes in L&auml;ndern pl&auml;dierte, die sich weigerten, in die Einflusssph&auml;re Washingtons einbezogen zu werden.<\/p><p>Bis 2011 trieb Fly die n&auml;chste Phase des PNAC-Plans weiter voran, indem er lauthals Milit&auml;rschl&auml;ge gegen den Iran forderte. &bdquo;Mehr Diplomatie ist keine angemessene Antwort&rdquo;, argumentierte er. Ein Jahr sp&auml;ter forderte Fly die USA auf, &bdquo;ihre Liste von Angriffszielen au&szlig;erhalb des [iranischen] Atomprogramms auszuweiten, um das Kommando und die Kontrolle &uuml;ber Mitglieder der Republikanischen Garde und die Geheimdienste sowie Einrichtungen, die mit anderen zentralen Regierungsstellen in Verbindung stehen, zu erlangen&ldquo;.<\/p><p>Bald f&uuml;hrte Flys Weg in das Senatsb&uuml;ro von Marco Rubio, ein neokonservatives Lieblingsprojekt, und er &uuml;bernahm die Rolle seines wichtigsten au&szlig;enpolitischen Beraters. Neben anderen interventionistischen Initiativen hatte Rubio bei der Durchsetzung harter Wirtschaftssanktionen gegen Venezuela die F&uuml;hrung &uuml;bernommen und sich sogar f&uuml;r einen milit&auml;rischen Angriff der USA auf das Land ausgesprochen. Als Rubios Pr&auml;sidentschaftskampagne 2016 wegen einer Massenrevolte der mittelamerikanischen Basis der Republikanischen Partei gegen das Partei-Establishment scheiterte, sah sich Fly gezwungen, nach neuen M&ouml;glichkeiten Ausschau zu halten.<\/p><p>Er fand sie in der paranoiden Atmosph&auml;re von Russia-Gate, die sich kurz nach dem Schock des Wahlsiegs von Donald Trump formierte.<\/p><p><strong>PropOrNot z&uuml;ndet den Funken<\/strong><\/p><p>Das Buch eines Insider-Journalisten &uuml;ber den Pr&auml;sidentschaftswahlkampf von Hillary Clinton mit dem Titel &bdquo;Shattered&ldquo; enth&uuml;llte, dass &bdquo;Hillary sich an den Tagen nach der Wahl weigerte, die Verantwortung f&uuml;r ihre Niederlage zu &uuml;bernehmen&ldquo;. Ihre Top-Berater wurden am folgenden Tag einbestellt, so wird in dem Buch berichtet, um die Sache so zu drehen, als sei es bei der Wahl nicht mit rechten Dingen zugegangen. Und schon waren russische Hacker das Herzst&uuml;ck der Argumentation.<\/p><p>Weniger als drei Wochen nach Clintons Niederlage ver&ouml;ffentlichte Craig Timberg von der Washington Post einen auf dubiosen Quellen beruhenden Bericht mit der Schlagzeile: &bdquo;Russischer Propagandaeinsatz erm&ouml;glichte die Verbreitung von Fake News&ldquo;. Mit dem Artikel wurde eine Initiative namens PropOrNot hochgejubelt, die, von dunklen, anonymen Kr&auml;ften gesteuert, in McCarthy-Manier etwa 200 amerikanische Medien in einer schwarzen Liste als russische &bdquo;Online-Propagandisten&rdquo; auff&uuml;hrte. <\/p><p>Laut Timberg, der die Versuche, Medien zu zensieren, unkritisch bef&ouml;rderte, wurde PropOrNot von einer &bdquo;parteiunabh&auml;ngigen Gruppe von Wissenschaftlern mit au&szlig;enpolitischem, milit&auml;rischem oder technologischem Hintergrund&rdquo; gegr&uuml;ndet. Timberg zitierte einen Mann namens Andrew Weisburd, der mit dem George Washington University Center for Cyber- und Homeland Security in Verbindung stand und einen Bericht, den er zusammen mit seinem Kollegen Clint Watts &uuml;ber die russische Einmischung verfasst hatte.<\/p><p>Timbergs Beitrag in PropOrNot wurde von ehemaligen Clinton-Mitarbeitern weit verbreitet und von Dan Pfeiffer, einem ehemaligen Berater Obamas im Wei&szlig;en Haus, als &bdquo;gro&szlig;artigste Geschichte der Welt&rdquo; gefeiert. Nach einer Welle bei&szlig;ender Kritik, auch in dem Magazin New Yorker, wurde der Artikel um eine Anmerkung des Herausgebers erg&auml;nzt, in dem es hei&szlig;t: &bdquo;Die [Washington] Post &hellip; verb&uuml;rgt sich nicht f&uuml;r die Richtigkeit der Ver&ouml;ffentlichungen von PropOrNot in Bezug auf einzelne Medienunternehmen&ldquo;.<\/p><p>PropOrNot war offensichtlich blo&szlig;gestellt und als Betr&uuml;ger im McCarthy-Stil entlarvt, aber das Konzept dahinter, die Enttarnung amerikanischer Online- Medienunternehmen als Vehikel f&uuml;r &bdquo;aktive Ma&szlig;nahmen&rdquo; des Kremls, florierte weiterhin.<\/p><p><strong>Steuerzahler finanzieren das Aufsp&uuml;ren russischer Bots<\/strong><\/p><p>Im August tauchte aus heiterem Himmel eine &auml;hnliche Initiative auf, diesmal unterst&uuml;tzt von einer partei&uuml;bergreifenden Koalition aus au&szlig;enpolitischen Handlangern der Demokraten und neokonservativen Trump-Gegnern in Washington. Unter dem Namen Alliance for Securing Democracy (ASD) zielte sie darauf ab, zu zeigen, wie angebliche russische Twitter-Bots den politischen Diskurs in den USA mit spalterischen Geschichten durchdrangen. <\/p><p>Sie gab t&auml;glich das Online-Dashboard &bdquo;Hamilton 68&ldquo; heraus, das die vermeintlichen Bot-Aktivit&auml;ten mit leicht verst&auml;ndlichen Diagrammen untermalte. Passenderweise vermied die Webseite es, die Namen der Accounts preiszugeben, mit denen der Kreml seinen Einfluss aus&uuml;bte und denen sie angeblich folgte. Die Initiative wurde von Anfang an von John Podesta unterst&uuml;tzt, dem Gr&uuml;nder des Think-Tanks der Demokratischen Partei namens Center for American Progress und ehemaligem Stabschef der Pr&auml;sidentschaftskampagne von Hillary Clinton 2016.<\/p><p>Julia Ioffe, Chefkorrespondentin des Atlantic und zust&auml;ndig f&uuml;r Russia-Gate, lobte den Bot-Tracker als &bdquo;ein sehr cooles Tool&rdquo;. Im Gegensatz zu PropOrNot wurde die ASD von einer der angesehensten Denkfabriken in Washington, dem German Marshall Fund (GMF), gesponsert, der 1972 gegr&uuml;ndet wurde, um die besondere Beziehung zwischen den USA und der damaligen Bundesrepublik Deutschland zu pflegen.<\/p><p>Der German Marshall Fund wird &uuml;berwiegend von westlichen Regierungen finanziert und spiegelt weitgehend deren au&szlig;enpolitische Interessen wider. Die beiden gr&ouml;&szlig;ten Geldgeber mit jeweils &uuml;ber einer Million US-Dollar pro Jahr sind die &bdquo;Soft-Power&ldquo;-Abteilung der US-Regierung namens U. S. Agency for International Development (USAID) und das deutsche Ausw&auml;rtige Amt.<\/p><p>Das US-Au&szlig;enministerium stellt au&szlig;erdem mehr als eine halbe Million Dollar pro Jahr bereit, ebenso wie das deutsche Ministerium f&uuml;r wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und die Au&szlig;enministerien Schwedens und Norwegens. Der GMF erh&auml;lt au&szlig;erdem mindestens eine Viertelmillion Dollar pro Jahr von der NATO.<\/p><p>Obwohl der GMF die Sponsoren nicht namentlich nennt, die ausdr&uuml;cklich die Initiative Alliance for Securing Democracy unterst&uuml;tzen, findet man im ASD-Beirat ein Who is Who von Sicherheits-Hardlinern aus beiden Parteien, das ihm eine Patina der Glaubw&uuml;rdigkeit verleiht. Sie reichen von der Ikone der Neocon-Bewegung Bill Kristol bis zum ehemaligen au&szlig;enpolitischen Berater Clintons, Jake Sullivan, und dem ehemaligen CIA-Chef Michael Morell. <\/p><p>Jamie Fly, Stipendiat des German Marshall Fund und Asien-Spezialist, entwickelte sich zu einem der eifrigsten Propagandisten des neuen Bot-Trackers gegen russische Einfl&uuml;sse in den Medien. Zusammen mit Laura Rosenberger, einer ehemaligen au&szlig;enpolitischen Beraterin w&auml;hrend Hillary Clintons Wahlkampf 2016, gab Fly eine Reihe von Interviews und war Mitautor mehrerer Kommentare, die die Notwendigkeit eines massiven Durchgreifens in den sozialen Medien betonten.<\/p><p>In einem Interview auf C-Span vom M&auml;rz 2018 beklagte Fly, dass &bdquo;russische Accounts&ldquo; versuchten, &bdquo;bestimmte Botschaften zu verbreiten, bestimmte Inhalte zu verst&auml;rken, extreme Ansichten zu propagieren und Amerikaner gegeneinander auszuspielen. Wir m&uuml;ssen uns mit diesem st&auml;ndigen Problem befassen und zusammen mit der Regierung, mit Technologieunternehmen und weiten Teilen der Gesellschaft dieses Problem angehen&ldquo;.<br>\nJedoch wenige der Webseiten auf der schwarzen Liste von PropOrNot und keine der alternativen Webseiten, die bei der j&uuml;ngsten &ndash; offenbar von Fly und seinen Kollegen verantworteten &ndash; S&auml;uberungsaktion von Facebook gel&ouml;scht wurden, waren russische Accounts. Vielleicht war der einzige Versto&szlig;, der ihnen vorgeworfen werden konnte, die Ver&ouml;ffentlichung von Ansichten, die Fly und Konsorten als &ldquo;extrem&rdquo; betrachteten.<\/p><p>Dar&uuml;ber hinaus musste die ASD zugeben, dass die Masse der Twitter-Accounts, die sie urspr&uuml;nglich als &bdquo;russische Bots&rdquo; identifiziert hatte, weder eindeutige Bots noch russischen Ursprungs waren. <\/p><p><strong>&bdquo;Nicht &uuml;berzeugt von der Bot-Geschichte&ldquo;<\/strong><\/p><p>Eine Untersuchung von Max Blumenthal vom November 2017 ergab, dass das Dashboard der ASD &bdquo;Hamilton 68&ldquo; aus einer Sammlung von Spinnereien, aufgew&auml;rmter Terror-Abwehr sowie aus Cyber-Mobbern und ein paar Paranoiden bestand, die von einigen sehr prominenten Pers&ouml;nlichkeiten aus dem amerikanischen nationalen Sicherheitsapparat unterst&uuml;tzt wurden.&rdquo;<br>\nDazu geh&ouml;ren dieselben Stipendiaten desselben George Washington University Center f&uuml;r Cyber- und Homeland Security &ndash; Andrew Weisburd und Clint Watts &ndash; die im Artikel der Washington Post als Experten f&uuml;r PropOrNot angef&uuml;hrt wurden.<\/p><p>Weisburd, der als einer der K&ouml;pfe hinter dem Dashboard &bdquo;Hamilton 68&ldquo; bezeichnet wurde, betrieb einmal eine anti-pal&auml;stinensische Ein-Mann-Initiative, die das Netz durchsuchte und sich auf linksgerichtete Aktivisten, Muslime und alle, die er f&uuml;r &bdquo;anti-amerikanisch&rdquo; hielt, spezialisiert hatte. In j&uuml;ngster Zeit ist er auf Twitter aktiv und gibt dort m&ouml;rderische und homophobe Phantasien &uuml;ber Glenn Greenwald zum Besten, den Herausgeber des Magazins The Intercept &ndash; einer Publikation, die von der ASD ohne Begr&uuml;ndung als Vehikel f&uuml;r russische Einflussnahme bezeichnet wird.<\/p><p>Watts hat seinerseits mehrmals vor dem Kongress bekundet, dass er die Regierung auffordern will, &bdquo;Informations-Rebellionen&ldquo; mit Zensurma&szlig;nahmen einschlie&szlig;lich &bdquo;Kennzeichnungen&ldquo; f&uuml;r Online-Medien niederzuschlagen. Die Konzernmedien bedachten ihn mit liebedienerischer Publizit&auml;t und man belohnte ihn wegen seiner angeblichen Expertise bei der Aufdeckung russischer Desinformationen mit einer Position bei NBC. <\/p><p>Als er aber bei einer &ouml;ffentlichen Veranstaltung von dem Grayzone-Mitarbeiter Ilias Stathatos interviewt wurde, gab Watts zu, dass wesentliche Teile seiner Aussagen falsch waren, und er weigerte sich, Beweise f&uuml;r einige seiner wildesten Behauptungen &uuml;ber die Aktivit&auml;ten b&ouml;sartiger russischer Bots zu liefern.<\/p><p>In einem anderen Interview mit Buzzfeed schien es, als lehnte Watts den Hamilton-68-Bot-Tracker als legitimes Werkzeug v&ouml;llig ab. &bdquo;Ich bin von dieser Bot-Geschichte nicht &uuml;berzeugt&rdquo;, gestand Watts. Er bezeichnete sogar das Narrativ, er habe daran einen Anteil, als &bdquo;&uuml;bertrieben&rdquo;, und gab zu, dass die von &bdquo;Hamilton 68&ldquo; erfassten Accounts nicht unbedingt russischen Geheimdienstakteuren zuzuordnen seien. <\/p><p>&ldquo;Wir glauben nicht einmal, dass sie alle von Russland aus gesteuert werden. Wir glauben, hinter einigen sind anst&auml;ndige, engagierte Menschen, die einfach nur Russland helfen wollen&ldquo;, gab Watts zu.<br>\nAber dieses erstaunliche Eingest&auml;ndnis konnte die Wucht der kommenden S&auml;uberungswelle kaum bremsen. <\/p><p><strong>Eindringen in den Atlantic Council<\/strong><\/p><p>In seinem Gespr&auml;ch mit Sprague gab Fly vom German Marshall Fund zu, dass er in der Kampagne zur Entfernung alternativer Medien von sozialen Plattformen wie Facebook mit dem Atlantic Council zusammenarbeitet.<\/p><p>Der Atlantic Council ist ein weiterer Think-Tank aus Washington, der als Treffpunkt f&uuml;r Neokonservative und linksliberale Interventionisten dient, die milit&auml;rische Aggressionen rund um den Globus bef&uuml;rworten. Er wird von der NATO finanziell unterst&uuml;tzt, ebenso von repressiven Staaten, die mit den USA verbunden sind wie Saudi Arabien, Bahrein und der T&uuml;rkei sowie von ukrainischen Oligarchen wie Victor Pynchuk.<\/p><p>Im vergangenen Mai k&uuml;ndigte Facebook eine Partnerschaft mit dem Digital Forensic Research Lab (DFRLab) des Atlantic Council an, um &bdquo;Desinformation bei Wahlen weltweit zu identifizieren, aufzudecken und zu erkl&auml;ren&ldquo;.<\/p><p>Das zum Atlantic Council geh&ouml;rende DFRLab ist bekannt f&uuml;r seine eifrige Vermischung legitimer Online-Diskussionen mit unerlaubten russischen Aktivit&auml;ten, wobei es die gleichen Taktiken anwendet wie PropOrNot und die ASD.<\/p><p>Ben Nimmo, ein DFRLab-Stipendiat, der sich seinen Ruf durch das Aufsp&uuml;ren von Online-Netzwerken des Kreml erworben hatte, beteiligte sich dieses Jahr an einer peinlichen Hexenjagd, bei der er mehrere lebende Menschen als russische Bots oder &bdquo;Einfluss-Accounts&ldquo; des Kremls identifizierte. Zu Nimmos Opfern geh&ouml;rte Mariam Susli, eine bekannte syrisch-australische Social-Media-Pers&ouml;nlichkeit, die ber&uuml;hmte ukrainische Konzertpianistin Valentina Lisitsa und ein britischer Pension&auml;r namens Ian Shilling.<\/p><p>In einem Interview mit Sky News lie&szlig; Shilling eine denkw&uuml;rdige Tirade gegen seinen Ankl&auml;ger los. &bdquo;Ich habe &uuml;berhaupt keine Kreml-Kontakte. Ich kenne keine Russen, ich habe keinen Kontakt zur russischen Regierung und nichts mit ihr zu tun.&rdquo;, schimpfte er. &ldquo;Ich bin ein einfacher britischer Staatsb&uuml;rger, der zuf&auml;llig die aktuellen Kriege der Neocons erforscht, die in diesem Moment in Syrien stattfinden.&rdquo;<\/p><p>Mit den neuesten Facebook- und Twitter-S&auml;uberungsaktionen werden B&uuml;rger wie Shilling offen und ohne Entschuldigung anvisiert. Die massenhaften L&ouml;schungen von Accounts alternativer Medien veranschaulichen, wie der Sicherheits-Hardliner des German Marshall Fund und des Atlantic Council (oder wer auch immer hinter PropOrNot steckt) die erzeugte Panik um eine russische Einflussnahme instrumentalisiert, um &ouml;ffentliche Unterst&uuml;tzung f&uuml;r eine breitere Kampagne der Medienzensur zu erzeugen.<\/p><p>In seinem Gespr&auml;ch mit Sprague in Berlin stellte Fly mit offensichtlicher Zustimmung fest, dass &bdquo;Trump jetzt auf die Einmischung Chinas bei den Wahlen 2018 hinweist&rdquo;. W&auml;hrend sich das Mantra der Fremdeinmischung zu einer neuen gegnerischen Macht entwickelt, wird sich der Kampf gegen abweichende Meinungen im Internet immer weiter intensivieren.<br>\nWie Fly versprach: &bdquo;Das ist erst der Anfang&ldquo;.<\/p><p><em>Der Artikel erschien urspr&uuml;nglich bei <a href=\"https:\/\/grayzoneproject.com\/\">grayzoneproject.com<\/a>.<\/em><\/p><p><em><strong>Jeb Sprague<\/strong> ist Gastdozent an der University of California in Santa Barbara. Er ist Autor von &bdquo;Globalizing the Caribbean: Political economy, social change, and the transnational capitalist class&rdquo; (Temple University Press, 2019), &ldquo;Paramilitarism and the assault on democracy in Haiti&rdquo; (Monthly Review Press, 2012) und Herausgeber von &bdquo;Globalization and transnational capitalism in Asia and Oceania&rdquo; (Routledge, 2016). Er ist Mitbegr&uuml;nder des Network for the Critical Studies of Global Capitalism. <\/em><\/p><p><em><strong>Max Blumenthal<\/strong> ist ein preisgekr&ouml;nter Journalist und Autor von B&uuml;chern, darunter der Bestseller Republican Gomorrah: Inside the Movement, that shattered the Party,  Goliath Life and Loathing in Greater Israel, The Fifty One Day: Ruin and Resistance in Gaza, und The Management of Savagery, das dieses Jahr noch bei Verso erscheint. Er schrieb zahlreiche Artikel f&uuml;r verschiedene Publikationen, produzierte viele Videos und Dokumentationen, darunter Je Ne Suis Pas Charlie und Killing Gaza, das in K&uuml;rze erscheint. Blumenthal gr&uuml;ndete das Grayzone-Projekt im Jahr 2015, um ein journalistisches Licht auf die fortw&auml;hrenden Kriege der USA und ihre gef&auml;hrlichen Auswirkungen im Inland zu werfen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei einer Berliner Konferenz &uuml;ber Sicherheit heischte der neokonservative Hardliner Jamie Fly offenbar nach Anerkennung f&uuml;r die k&uuml;rzlich durchgef&uuml;hrte koordinierte Zensur alternativer Medien, berichten Max Blumenthal und Jeb Sprague. Von <strong>Max Blumenthal<\/strong> und <strong>Jeb Sprague<\/strong> vom Gray Zone Project. <a href=\"https:\/\/consortiumnews.com\/2018\/10\/24\/facebook-censorship-of-alternative-media-just-the-beginning-warns-top-neocon-insider\/\">Aus dem Englischen<\/a> von <strong>Josefa Zimmermann<\/strong>.<\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,129,183,11],"tags":[2218,2426,1090,1508,2500,2175,1418,1850,2614,259,382,2195,1556,220],"class_list":["post-46911","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-lobbyorganisationen-und-interessengebundene-wissenschaft","category-medienkritik","category-strategien-der-meinungsmache","tag-alternative-medien","tag-atlantic-council","tag-clinton-hillary","tag-facebook","tag-german-marshall-fund","tag-interventionspolitik","tag-regime-change","tag-rubio-marco","tag-russiagate","tag-russland","tag-think-tanks","tag-twitterx","tag-usa","tag-zensur"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/46911","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=46911"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/46911\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":46918,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/46911\/revisions\/46918"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=46911"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=46911"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=46911"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}