{"id":4693,"date":"2010-03-05T11:09:19","date_gmt":"2010-03-05T10:09:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4693"},"modified":"2014-11-13T20:23:58","modified_gmt":"2014-11-13T19:23:58","slug":"die-neoliberale-indoktrination-der-dozenten-ist-betraechtlich-die-bundesbank-mischt-kraeftig-mit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4693","title":{"rendered":"Die neoliberale Indoktrination der Dozenten ist betr\u00e4chtlich. Die Bundesbank mischt kr\u00e4ftig mit."},"content":{"rendered":"<p>Ein Nachdenkseitenleser hat einen interessanten Bericht &uuml;ber seine Erfahrungen mit Dozenten in VWL geschickt. Was Dozenten bei der Fortbildung erz&auml;hlen, ist offenbar unbeeindruckt von der Krise, in die uns die herrschende Lehre gef&uuml;hrt hat. Bei Gespr&auml;chen dar&uuml;ber wurde ich auf die Aktivit&auml;ten der Deutschen Bundesbank und der Allianz AG und Deutschen Bank aufmerksam gemacht. Offenbar versch&auml;rfen diese &bdquo;T&auml;ter&ldquo; ihre Indoktrination. Das zeigt, dass sie auch diese Krise ihrer Ideologie mit Meinungsmache zu &uuml;berwinden versuchen. Wir k&ouml;nnen nur darum bitten gegenzusteuern. Nicht alle Dozenten und Lehrer, die die herrschende Lehre weitergeben, tun dies mit b&ouml;ser Absicht. Albrecht M&uuml;ller<br>\n<!--more--><br>\n<strong>1. Hier zun&auml;chst der Bericht des NachDenkSeiten Lesers:<\/strong><\/p><blockquote><p>&bdquo;Ich besuche zur Zeit eine Fortbildung zum Technischen Fachwirt IHK. Wie es sich f&uuml;r eine ordentliche Fortbildung in der privaten Wirtschaft ziemt, geh&ouml;ren dazu nat&uuml;rlich auch wirtschaftswissenschaftliche F&auml;cher. Was mir bei den Dozenten auff&auml;llt, ist ihre eindimensionale Denkweise in neoliberalen Dogmen. So hatte unser Dozent in VWL versucht klarzumachen, dass Mindestl&ouml;hne sch&auml;dlich f&uuml;r eine Marktwirtschaft sind, da sie die freie Preisbildung am Markt behindern und zu einem R&uuml;ckgang der angebotenen Stellen am Arbeitsmarkt f&uuml;hren w&uuml;rden. <\/p>\n<p>Ich wies ihn darauf hin, dass er hier nur eine Seite der Medaille beschreibt und er die Tatsache weggelassen hat, dass durch die Arbeitsmarktpolitik des Staates Erwerbslose auch zu Niedrigl&ouml;hnen in den Arbeitsmarkt gedr&uuml;ckt werden. Es liegt also mitnichten ein idealer Markt mit freier Preisbildung vor. Weiterhin funktioniert der Mindestlohn ja auch in anderen europ&auml;ischen L&auml;ndern. In beiden Argumenten musste er mir Recht geben. Was sich hieran aber deutlich zeigt ist, dass in betriebswirtschaftlichen Lehrg&auml;ngen immer von einem perfekten Markt ausgegangen wird. Dieses Bild setzt sich dann auch in den K&ouml;pfen der Lernenden fest, was letztendlich zu einer Wirklichkeitsverzerrung f&uuml;hrt. Ich gehe davon aus, dass es in diesem Fall nicht anders sein wird. W&uuml;rde ich jetzt einen der anderen Teilnehmer in der Weiterbildung fragen, so wird er behaupten, dass Mindestl&ouml;hne per se sch&auml;dlich sind. <\/p>\n<p>Ein anderer Dozent fing eine Diskussion &uuml;ber Hatz IV an. Letztendlich nur ein Vorwand, um seine Meinung zu diesem Thema kundzutun &ndash;&nbsp; dass Karlsruhe ein wegweisendes Urteil dar&uuml;ber gesprochen hat: Hartz IV kann prinzipiell&nbsp; weiter gek&uuml;rzt werden, Sachleistungen sind mit der Menschenw&uuml;rde vereinbar. Statt Geld solle es nun doch bitte sch&ouml;n Sachleistungen oder zweckgebundene Gutscheine geben. Diese k&ouml;nnten schlie&szlig;lich nicht in der n&auml;chsten Kneipe in Alkohol umgesetzt werden. Guido Westerwelle und Co. h&auml;tten letztendlich ja in der Sache recht, wenn auch die Wortwahl unangemessen gewesen sei.&nbsp; Es war f&uuml;r mich best&uuml;rzend, das der Rest meiner Mitlernenden dem durchaus zustimmten. Als Beispiel wurde u.a. auch der &ldquo;Vorzeige-Hartzi&rdquo; von Anne Will genannt. <\/p>\n<p>Es ist erschreckend, wie sehr sich die Propaganda der neoliberalen Leitmedien in den K&ouml;pfen festgesetzt hat. Das Denken in den K&ouml;pfen wird bestimmt von dem Motto &ldquo;Hartz IV k&uuml;rzen oder gleich ganz abschaffen&rdquo;. Eine differenzierte Diskussion wurde von dem oben genannten Dozenten gar nicht angestrebt. Was mit den unteren Lohngruppen passieren wird, wenn die Hartz-S&auml;tze weiter fallen und was es mit dem Grundgesetz Art. 1und Art. 20 auf sich hat, wurde erst gar nicht erw&auml;hnt. Stattdessen wurde die Prognose in den Raum gestellt, dass es dann nach der NRW-Wahl &ldquo;gravierende Einschnitte&rdquo; geben werde. CDU\/FDP m&uuml;ssten ja noch so lange R&uuml;cksicht nehmen, da Arbeitslose auch W&auml;hler seien &ndash; eine von mir als doch recht zynisch empfundene Bemerkung des Dozenten. <\/p>\n<p>Besorgniserregend ist, das solche Dozenten auch an Berufsschulen und Universit&auml;ten unterrichten. Die vorgefassten Meinungen werden also dort an die Sch&uuml;ler und Studenten weitergegeben. Eine kritische Diskussion wird wohl auch dort nicht stattfinden. Die jungen Menschen nehmen die Meinungen der Dozenten somit kritiklos &ldquo;mit nach Hause&rdquo;. Eine kritische Beleuchtung der momentanen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Situation findet an den Schulen und Universit&auml;ten gar nicht statt. Alternativen werden nicht aufgezeigt. Dozenten und Professoren tun ihre Meinung kund, ihre Zuh&ouml;rer nehmen diese Meinung ohne gro&szlig;es Nachfragen hin. Welche Fragen sollten sie auch stellen, wenn in den Leitmedien der gleiche Ton angeschlagen wird.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p><strong>2. Die Allianz und Deutsche Bank setzen Ihre Mitarbeiter als &ldquo;Lehrer&rdquo; ein, um den Sch&uuml;lern die Wirtschaft (und private Vorsorge?) zu erkl&auml;ren.<\/strong><\/p><p>Davon <a href=\"http:\/\/www.versicherungsjournal.de\/mehr.php?Nummer=103069\">berichtet das Versicherungsjournal<\/a> am 4.3.:<\/p><p>Hier &Uuml;berschrift und Einstieg:<\/p><blockquote><p>&bdquo;<strong>Allianzer und Deutschbanker werden Lehrer<\/strong><br>\nDie Finanzkrise k&ouml;nnte eine ebenso &uuml;berraschende wie positive Folgewirkung haben. Sowohl die Allianz AG wie die Deutsche Bank haben angek&uuml;ndigt, dass sie ihr Engagement zur Verbesserung der wirtschaftlichen Allgemeinbildung an Deutschlands Schulen massiv verst&auml;rken werden.<br>\nEtwas mehr als ein Jahr ist es her, als die Finanzkrise die Welt in ihren Grundfesten ersch&uuml;tterte. Allzu viel haben, so scheinen diverse aktuelle Entwicklungen zu zeigen, zumindest manche der Hauptakteure des Debakels daraus nicht gelernt.<br>\nKunden wollen jetzt selbst entscheiden. &hellip;&ldquo;<\/p><\/blockquote><p><strong>3. Die Schulaktivit&auml;ten der Deutschen Bundesbank.<\/strong><\/p><p>Eine &Uuml;bersicht der Lehrerforbildungsveranstaltungen findet sich <a href=\"http:\/\/www.bundesbank.de\/bildung\/bildung_lehrerfortbildung_aktuell.php\">hier<\/a>. Auf den umliegenden Seiten gibt es weitere Informationen die erahnen lassen, wie hier systematisch hinter die Fichte gef&uuml;hrt wird.<\/p><p>Mit der eigentlichen Aufgabe der Bundesbank hat das nichts zu tun. Es ist wie schon vor 40 Jahren eine Indoktrinationsanstalt &ndash; und dies heute offensichtlich forciert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Nachdenkseitenleser hat einen interessanten Bericht &uuml;ber seine Erfahrungen mit Dozenten in VWL geschickt. Was Dozenten bei der Fortbildung erz&auml;hlen, ist offenbar unbeeindruckt von der Krise, in die uns die herrschende Lehre gef&uuml;hrt hat. Bei Gespr&auml;chen dar&uuml;ber wurde ich auf die Aktivit&auml;ten der Deutschen Bundesbank und der Allianz AG und Deutschen Bank aufmerksam gemacht. 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