{"id":47013,"date":"2018-11-12T12:18:16","date_gmt":"2018-11-12T11:18:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47013"},"modified":"2021-02-22T09:05:08","modified_gmt":"2021-02-22T08:05:08","slug":"zur-fluechtlingsdebatte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47013","title":{"rendered":"Zur Fl\u00fcchtlingsdebatte."},"content":{"rendered":"<p>Der Autor dieses Beitrags, <strong>Marco Wenzel<\/strong>, war w&auml;hrend seiner Berufst&auml;tigkeit Gewerkschaftssekret&auml;r, denkt viel &uuml;ber politische und &ouml;konomische Zusammenh&auml;nge nach und Marco Wenzel stellt von Dienstag auf Mittwoch die Hinweise des Tages zusammen. Heute geht es aber nicht um die Hinweise des Tages, sondern um seine Beobachtungen zur Fl&uuml;chtlingsdebatte. Herzlichen Dank f&uuml;r den Text. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><!--more--><\/p><p><strong>Zur Fl&uuml;chtlingsdebatte. Von Marco Wenzel.<\/strong><\/p><p>Ein Gespenst geht wieder einmal um in Europa und dieses Mal ist es die Fl&uuml;chtlingsdebatte.  Kaum eine Frage wird im Augenblick so hei&szlig; und leidenschaftlich diskutiert, keine Frage spaltet die europ&auml;ischen Staaten, die Gesellschaft und leider auch die Linke zurzeit so sehr wie das Thema Fl&uuml;chtlinge. Es ist eine richtige Kakophonie, die aus dem fernen Europa da zu uns nach Thailand dringt. <\/p><p>Und in der Tat, es ist ein vertracktes Thema, das der neoliberale Sp&auml;tkapitalismus mit all seinen Ausuferungen der Linken da aufgedr&auml;ngt hat. Ein hinterlistiges Thema. Denn gerade die Linke will und darf sich ja nicht mit einfachen Erkl&auml;rungen abgeben, sondern muss der Sache auf den Grund gehen. Und die Problemlage ist vielschichtig, das Terrain ist vermint. Wer sich darauf begibt, l&auml;uft schnell Gefahr, unter Beschuss zu geraten. Unter Beschuss sowohl vom politischen Gegner als auch unter Beschuss aus den eigenen Reihen. Und gerade deshalb ist es so wichtig, Konsens und Klarheit in die Debatte hineinzubekommen.<\/p><p>Die Herrschenden wollen von den eigentlichen Ursachen der Fl&uuml;chtlingswelle und damit von ihren  eigenen Missetaten ablenken, denn die Ursache des Elends ist eine Verwertungskrise des Kapitals und die Gier der gro&szlig;en Weltkonzerne nach immer mehr Dominanz auf &bdquo;freien M&auml;rkten&ldquo;. Die Herrschenden stellen die Migrationswelle als ein pl&ouml;tzlich wie vom Himmel gefallenes Ph&auml;nomen des 21. Jahrhunderts dar und spalten die Arbeiterklasse damit, dass sie Solidarit&auml;t mit den Fl&uuml;chtlingen gerade von denen einfordern, die das materiell am wenigsten bewerkstelligen k&ouml;nnen. Solidarit&auml;t der Ausgebeuteten zu Hause mit den Ausgebeuteten ferner L&auml;nder, Solidarit&auml;t mit den Br&uuml;dern und Schwestern, die zuwandern.  Solidarit&auml;t, internationale Solidarit&auml;t ist ja eines der ureigensten Anliegen der Arbeiterklasse. Weltweite Solidarit&auml;t der Proletarier untereinander, Proletarier aller L&auml;nder vereinigt euch, wie es im kommunistischen Manifest von 1848 hei&szlig;t. Solidarit&auml;t im Kampf gegen die Bourgeoisie ist hier aber gemeint, Solidarit&auml;t der Arbeiter aller L&auml;nder gegen die weltweite Ausbeutung. <\/p><p>Die Zuwanderung, diese neuartige &bdquo;Fl&uuml;chtlingswelle&ldquo;, haben die Herrschenden selber durch Kriege, Regierungsumst&uuml;rze und durch den Entzug der Lebensgrundlage ganzer V&ouml;lker verursacht. Gegen die negativen Folgen davon fordern sie jetzt die Solidarit&auml;t der Einheimischen mit den Vertriebenen aus den L&auml;ndern, die sie zerst&ouml;rt und ruiniert haben. Damit sie ihre Politik der weltweiten Ausbeutung weiterf&uuml;hren k&ouml;nnen und damit andere deren negativen Folgen abfedern. Ohne selbst etwas zur Schadensbegrenzung beitragen zu wollen, ohne ihre Politik der neoliberalen Ausbeutung und Eroberung aufgeben zu wollen. Ohne Geld in die Hand zu nehmen, um den angerichteten Schaden wiedergutzumachen. Die Arbeiter in Deutschland, in Europa, sollen es nun richten, sie sollen es ausbaden. Sie sollen alle Vertriebenen ohne Wenn und Aber bei sich aufnehmen und mit ihnen das Wenige teilen, das die Herrschenden ihnen noch gelassen haben. Und wer Kritik an der damit verbundenen Politik der offenen Grenzen &uuml;bt, gilt als Egoist und Rassist. Ein Fremdenhasser, der seinen Besitzstand wahren will, hartherzig und ohne Mitgef&uuml;hl f&uuml;r das Elend in der Welt.<\/p><p><strong>Ursachen der Migration und der Flucht<\/strong><\/p><p><strong>Kriege, B&uuml;rgerkriege und Regierungsumst&uuml;rze<\/strong><\/p><p>Seit dem zweiten Weltkrieg gab es nicht mehr so viele Kriege und bewaffnete Konflikte wie heute. Die meisten dieser Konflikte waren Kriege der USA und ihrer Verb&uuml;ndeten im Rahmen des allgemeinen Krieges gegen den Terror. So wurden Afghanistan, der Irak und Libyen &uuml;berfallen, illegale Kriege, alle angestiftet von den USA. In Syrien wurde ein B&uuml;rgerkrieg angezettelt und das Land wurde mit Raketen beschossen, es tobt ein Krieg im Jemen und es toben B&uuml;rgerkriege in der Ukraine, in Nigeria und in Somalia, in Pakistan und im Sudan. Der ganze Nahe Osten ist in Brand.  Dazu kommen noch zahlreiche andere Konflikte wie in Darfur, Burma usw., die oft mit brutaler Waffengewalt ausgetragen werden. Kriege, B&uuml;rgerkriege und als Reaktion darauf terroristische Vergeltungsschl&auml;ge. S&ouml;ldner, Privatarmeen, gem&auml;&szlig;igte und weniger gem&auml;&szlig;igte Rebellen, Al Kaida, Isis und Boko Haram. Fast immer bezahlt und ausger&uuml;stet von den USA und ihren Verb&uuml;ndeten.  Um Unruhe zu stiften und um nicht genehme Regierungen zu st&uuml;rzen. Zerbombte St&auml;dte, zerbombte H&auml;user, kaputte Infrastruktur. Kein Wasser, kein Strom. Bomben, Mord, Terror und Vergewaltigung. Arbeitslosigkeit, Zukunftslosigkeit, Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung unter den Betroffenen. Die Fluchtursachen sind in diesem Fall milit&auml;rischer Art.<\/p><p><strong>Ungerechte Wirtschaftsvertr&auml;ge<\/strong><\/p><p>Eine weitere wichtige Fluchtursache ist die Ausbeutung der L&auml;nder des &bdquo;globalen S&uuml;dens&ldquo; mittels ungerechter Handelsabkommen. An vorderster Stelle stehen hier die EPA-Vertr&auml;ge (Economic Partnership Agreements) mit den sogenannten AKP-Staaten, L&auml;ndern in Afrika, der Karibik und des S&uuml;dpazifiks. Ziel dieser Vertr&auml;ge ist die &Ouml;ffnung neuer M&auml;rkte f&uuml;r europ&auml;ische Produkte. Die EU nutzt dabei ihre starke Verhandlungsposition aus, um die L&auml;nder zur Unterschrift unter die Vertr&auml;ge zu dr&auml;ngen. Bei Unterschriftsverweigerung drohen hohe Importz&ouml;lle in die EU, damit die Entwicklungsl&auml;nder auf ihren Waren so lange sitzen bleiben, bis sie gezwungen sind, zu unterschreiben.<\/p><p>Unterst&uuml;tzt wird die EU dabei von der Weltbank, der Welthandelsorganisation und dem IWF, die f&uuml;r ihre Kredithilfen die Liberalisierung der M&auml;rkte, Abbau der Z&ouml;lle, Privatisierungen und Abbau der &ouml;ffentlichen Dienstleistungen fordern. Teil des Inhalts dieser Handelsabkommen ist immer Abbau der Schutzz&ouml;lle, damit die europ&auml;ischen Waren ungehinderten Zugang zu den M&auml;rkten, insbesondere zu den M&auml;rkten Afrikas bekommen. &Ouml;ffentliche Beschaffungen d&uuml;rfen nicht mehr national vergeben, sondern m&uuml;ssen international ausgeschrieben werden. <\/p><p>Infolgedessen werden die einheimischen M&auml;rkte Afrikas von europ&auml;ischen Billigprodukten &uuml;berschwemmt. Bekanntestes Beispiel sind tiefgefrorene H&auml;hnchenteile aus der EU, die auf allen afrikanischen M&auml;rkten den einheimischen Gefl&uuml;gelz&uuml;chtern Konkurrenz machen und sie ruinieren. Aber auch Schweinefleisch aus allen Teilen der EU, Zwiebeln aus Holland, Tomaten aus Holland und Italien sowie Milchpulver, hergestellt aus der &uuml;bersch&uuml;ssigen Milch von K&uuml;hen in der EU, sind gnadenlos billig und machen den einheimischen Kleinbauern Konkurrenz. <\/p><p>Altkleider werden in Europa gesammelt und in Afrika billig weiterverkauft, wo sie die einheimische Textilindustrie bereits ruiniert haben. M&uuml;ll und Schrott werden nach Afrika exportiert, damit sie dort billig entsorgt werden k&ouml;nnen, von Menschen, die den ganzen Tag f&uuml;r einen Hungerlohn unter sengender Sonne den europ&auml;ischen Dreck sortieren und nach Verwertbarem durchsuchen. <\/p><p>Die Gew&auml;sser vor den K&uuml;sten Afrikas sind von internationalen Fischereiflotten leergefischt und die lokalen Fischer mit ihren kleinen Booten kommen leer zur&uuml;ck. Ihre Fischerboote vermieten sie aus der Not heraus an Schlepper f&uuml;r die &Uuml;berfahrt von Fl&uuml;chtlingen nach Italien und Spanien. <\/p><p>Die europ&auml;ischen Agrarprodukte sind in aller Regel subventioniert, die Fischkutter und die Fischfanglizenzen sind subventioniert, der Treibstoff und der Transport sind subventioniert. Die afrikanischen Bauern und Fischer aber erhalten keine Subventionen von ihren Regierungen, die haben daf&uuml;r kein Geld. Freier und vor allem fairer Handel sieht anders aus.<\/p><p>Hinzu kommt noch der Landraub von gro&szlig;en ausl&auml;ndischen Konzernen, aber auch von Staaten wie Dubai und Saudi-Arabien, sogenannten Investoren, die ganze Landstriche in den armen L&auml;ndern billig aufkaufen oder auf lange Zeit pachten. So sichern sich diese Konzerne den Zugang zu Rohstoffen.  Die ans&auml;ssigen Familien, die oft seit Generationen dort wohnen, aber keine Besitzurkunden vorweisen k&ouml;nnen, werden vertrieben. Die Grundst&uuml;cke werden anschlie&szlig;end eingez&auml;unt und es werden Rohstoffe abgebaut, Grundwasser abgepumpt, in Flaschen gef&uuml;llt und als Mineralwasser in alle Welt verkauft oder es werden gro&szlig;e Plantagen, meist Monokulturen, f&uuml;r den Export oder zur Erzeugung von Brennstoffen f&uuml;r europ&auml;ische Autos darauf errichtet. Einheimische werden dort kaum besch&auml;ftigt.<\/p><p>Diese Wirtschaftsabkommen machen jede Entwicklungshilfe sofort wieder zunichte. Sie zerst&ouml;ren die Lebensgrundlage der einheimischen Bev&ouml;lkerung und viele verlassen das Land in Richtung Europa in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Von ihrem Land vertrieben, von Billigprodukten aus dem Ausland ruiniert, Fischer vor leergefischten Ozeanen, ohne Arbeit und ohne Perspektive, hier spricht man dann gerne von &bdquo;Wirtschaftsfl&uuml;chtlingen&ldquo;.<\/p><p>Hinzu kommen noch Fl&uuml;chtlinge nach Definition der Genfer Konvention. Das sind Menschen, die auf Grund ihre Religion, Rasse, Nationalit&auml;t usw. in ihrem Land verfolgt werden. Sie haben Anspruch auf Asyl.<\/p><p>Daneben gibt es noch Fl&uuml;chtlinge auf Grund von Naturkatastrophen. Deren Anzahl k&ouml;nnte sich wegen des Klimawandels in den n&auml;chsten Jahrzehnten erheblich steigern <\/p><p>Die Grenzziehung zwischen diesen Kategorien von Fl&uuml;chtlingen und Migranten ist zweifelhaft. Wer w&uuml;rde bestreiten wollen, dass Krieg oder B&uuml;rgerkrieg ein Fluchtgrund sei oder dass Hunger und Armut im eigenen Land keine ausreichenden Gr&uuml;nde seien, sein Land zu verlassen?<\/p><p>Laut offizieller Statistik gibt es derzeit weltweit etwa 260 Millionen Migranten, das sind Menschen, die ihr Heimatland verlassen haben. Davon wurden etwa 68 Millionen aus ihrer Heimat vertrieben, das sind so viele wie noch nie zuvor. Von dieser Entwicklung sind in erster Linie die Entwicklungsl&auml;nder betroffen. <\/p><p><strong>Es ist nicht Abenteuerlust, es sind Krieg, Armut und Hunger, die diese Menschen dazu veranlasst haben, ihre Heimat ohne Papiere und ohne Gep&auml;ck zu verlassen. Menschen sind in der Regel sesshaft und verlassen nur ungern auf Dauer und auf ungewisse Zukunft ihre Familie, ihre Freunde, ihre Heimat. Es ist die Hoffnung, im Ausland Arbeit zu finden und ein besseres Leben zu f&uuml;hren, die zur Migration f&uuml;hrt. Migration findet dann statt, wenn Menschen ihrer Existenzgrundlage beraubt werden oder ihres Lebens nicht mehr sicher sein k&ouml;nnen. Und genau da muss die Linke in ihrer Kritik ansetzen.<\/strong><\/p><p>Grenzen sind dem Kapital ein Dorn im Auge. Investitionsfreiheit bedeutet auch, &uuml;berall auf der Welt gen&uuml;gend Arbeitskr&auml;fte vorzufinden und die Gewinne zur&uuml;ckf&uuml;hren zu k&ouml;nnen.  Unter der M&auml;r fehlender qualifizierter Arbeitskr&auml;fte und des Facharbeitermangels wird jetzt ein neues Einwanderungsgesetz in Deutschland vorbereitet. Der UN-Migrationspakt kommt hier gerade recht und liefert einen weiteren Vorwand daf&uuml;r. Der UN-Migrationspakt will die Migration kontrollieren und steuern. Kein Wort dar&uuml;ber, wie die Ursachen der Migration bek&auml;mpft werden sollen, wie der Migration als solcher entgegengewirkt werden kann. Das ist nicht das Ziel des UN-Migrationspaktes, das ist auch nicht das Ziel des Einwanderungsgesetzes der Bundesregierung. <\/p><p>Die Wirtschaft will neue, billige, m&ouml;glichst bereits qualifizierte Arbeitskr&auml;fte und die Bundesregierung liefert sie ihnen frei Haus. Die Reservearmee wird gr&ouml;&szlig;er, der Druck auf die L&ouml;hne wird noch weiter steigen. Von der versch&auml;rften Konkurrenz auf dem Wohnungsmarkt ganz zu schweigen. <\/p><p>Anstatt in Bildung und Qualifikation zu investieren, holt man sich lieber Kr&auml;fte aus dem Ausland, deren Bildung von anderen L&auml;ndern bereits bezahlt wurde und die zu Hause dringend gebraucht w&uuml;rden. Man l&auml;sst junge Menschen von anderen Staaten ausbilden und besch&auml;ftigt sie dann in der BRD. Eine berufliche Zukunft haben diese jungen Leute in ihren Ursprungsl&auml;ndern meist eh nicht, die Wirtschaft dort liegt am Boden.  Diejenigen Fachkr&auml;fte, die legal einwandern d&uuml;rfen, werden aber kaum eine entsprechende Stelle finden und unterhalb ihrer Qualifikation zu Billigl&ouml;hnen arbeiten m&uuml;ssen. <\/p><p>Migration positiv betrachten, Migration gar als Chance zu sehen, hei&szlig;t auch, Migration zu akzeptieren und hei&szlig;t damit implizit auch, die Zust&auml;nde in den Ursprungsl&auml;ndern zu akzeptieren, sie quasi als Ausdruck h&ouml;herer Gewalt zu sehen, gegen die man eh nichts machen kann. Was nichts anderes bedeutet als eine Fortsetzung der neoliberalen Logik der freien M&auml;rkte, die selbstregulierend seien und unter deren Obhut alles am besten aufgehoben sei, sofern man nicht in ihre Entwicklung eingreife. <\/p><p>Und hier schlie&szlig;t sich der Kreis, denn die Migration ist schlussendlich das Resultat der Entfesselung der freien M&auml;rkte. Man sollte also nach neoliberaler Theorie auch die Migration nicht behindern, regulieren oder gar aufhalten, sondern man sollte im Gegenteil die Landesgrenzen weit &ouml;ffnen f&uuml;r die Migranten, damit nicht nur das Kapital, sondern auch die Arbeitskr&auml;fte sich frei bewegen und die Kr&auml;fte des Marktes sich entfalten k&ouml;nnen. Die &bdquo;unsichtbare Hand&ldquo; der M&auml;rkte wird alles andere dann schon regeln, die Rassendiskriminierung inklusive. <\/p><p>Die Industrie- und Unternehmerverb&auml;nde bef&uuml;rworten die Immigration. F&uuml;r sie sind Immigranten potentielle Arbeitskr&auml;fte. Aus der sozialen Verantwortung haben sie sich schon lange verabschiedet. Die Fl&uuml;chtlinge und Migranten werden in Konkurrenz mit den einheimischen Lohnarbeitern gesetzt. In einer Zeit, wo Arbeitslosigkeit grassiert, w&auml;chst der Lohndruck jetzt noch mehr, die L&ouml;hne sinken weiter. Wer keinen gewerkschaftlichen Schutz genie&szlig;t, ist den Arbeitgebern hilflos ausgeliefert. In der Heimat zu verhungern oder get&ouml;tet zu werden oder im Westen seine Haut f&uuml;r einen Hungerlohn zu Markte zu tragen. Das ist die Alternative der Fl&uuml;chtlinge.<\/p><p><strong>Die Linke verweilt derzeit dabei in Schockstarre und starrt wie das Kaninchen auf die Schlange AfD.<\/strong> Sie versucht mit allen Mitteln sich von wirklichen oder vermeintlichen Faschisten jeder Couleur abzugrenzen. Und wenn die AfD, wenn auch aus anderen Motiven heraus, sagt, &bdquo;die Immigration ist schlecht&ldquo;, dann sagt ein gro&szlig;er Teil der orientierungslos gewordenen Linken: &bdquo;Nein, Immigration ist gut, denn sie bringt gesellschaftliche Vielfalt&ldquo;. Und fordert offene Grenzen f&uuml;r Alle. Das Kapital bedankt sich derweil f&uuml;r die unerwartete Sch&uuml;tzenhilfe.<\/p><p>Die Linke muss das ganze Problem anpacken und nicht nur den Teilaspekt Flucht und Migration. In der Migration gar eine Chance zu sehen, ist kurzsichtig und politischer Selbstmord. Das bedeutet nat&uuml;rlich nicht, keine Kritik mehr daran &uuml;ben zu d&uuml;rfen, wie die Bourgeoisie mit den Fl&uuml;chtlingen umgeht und sie nur als Arbeitskr&auml;fte sieht. Und das schlie&szlig;t nat&uuml;rlich auch Hilfe f&uuml;r die Fl&uuml;chtlinge im Land ein, nat&uuml;rlich muss man den Menschen helfen. Aber man muss auch denen helfen, die nicht (noch nicht?) hier angekommen sind und man muss vor allem dabei helfen, dass sie erst gar nicht von zu Hause fl&uuml;chten m&uuml;ssen. Das Problem der Fl&uuml;chtlinge ist nur ein Aspekt der verheerenden Folgen, die der neoliberale kapitalistische Raubzug in der Welt anrichtet. Auch die Umweltzerst&ouml;rung und ein drohender neuer Weltkrieg mit Atomwaffen geh&ouml;ren dazu. Wir m&uuml;ssen das Problem in seinem Ursprung bek&auml;mpfen. Alles h&auml;ngt mit allem zusammen. <\/p><p>Linke Politik hei&szlig;t also nicht nur, den Fl&uuml;chtlingen zu helfen, sondern vor allem die Ursachen der Flucht zu bek&auml;mpfen. Es hei&szlig;t, die ungehinderte Ausbreitung der gro&szlig;en Konzerne und ihren Raubzug durch die L&auml;nder der Dritten Welt zu stoppen, es hei&szlig;t Kriege und B&uuml;rgerkriege zu verhindern oder zu beenden.<\/p><p>&Ouml;ffnung der Grenzen allein kann keine linke Forderung sein, wenn sie nicht an Bedingungen gekn&uuml;pft ist. Diese Bedingungen m&uuml;ssen darauf abzielen, der Migration das Wasser abzugraben, indem man die Not der Menschen, die sich auf die Flucht begeben, wirkungsvoll und nachhaltig in den Herkunftsl&auml;ndern bek&auml;mpft. Das muss aber durch praktische Ma&szlig;nahmen geschehen und nicht durch Absichtserkl&auml;rungen auf dem Papier. Und das hei&szlig;t auch, Forderungen an das Kapital zu stellen. Das hei&szlig;t auch, dem Kapital in den Arm zu fallen.<\/p><p>Stoppen werden die Fl&uuml;chtlinge keine Grenzen und kein Frontex mehr, sondern nur die Aussicht auf eine Zukunft im eigenen Land. Gerechter Handel w&auml;re ein erster Schritt dazu. <\/p><p>Die wichtigsten Forderungen der Linken in diesem Kontext m&uuml;ssen sein:<\/p><ul>\n<li>Kriege verhindern durch Einhaltung des V&ouml;lkerrechts. Austritt aus und Aufl&ouml;sung der Nato. Schlie&szlig;ung der Milit&auml;rbasen der USA in Europa und f&uuml;r Deutschland insbesondere die Schlie&szlig;ung von Ramstein. Zudem ein Verbot der Herstellung und des Verkaufs von Kriegswaffen.<\/li>\n<li>Diejenigen, die v&ouml;lkerrechtswidrige Kriege angezettelt haben, diejenigen, die ohne UN-Mandat Bomben auf fremde L&auml;nder abwerfen lassen, m&uuml;ssen auch rechtlich zur Rechenschaft gezogen werden. Sie m&uuml;ssen verhaftet und vor den internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gebracht werden. Ob sie Pr&auml;sident der USA oder sonst eines Landes sind oder nicht. <\/li>\n<li>Abschaffung der ungerechten Handelsvertr&auml;ge mit Drittl&auml;ndern. Entwicklungshilfe zur Hebung des Wohlstands in den Herkunftsl&auml;ndern der Fl&uuml;chtlinge.  Angleichung des Sozialstandards und der L&ouml;hne. Gleiche Besteuerung f&uuml;r die Konzerne in allen L&auml;ndern. Unterbindung von Steuerhinterziehung und Steuerflucht.<\/li>\n<li>Unbegrenzte Schadenshaftung f&uuml;r die Verursacher. Egal, ob es sie ruiniert oder nicht. Sie m&uuml;ssen wiederaufbauen, was sie kaputt gemacht haben.  <\/li>\n<li>Solidarit&auml;t und Zusammenarbeit mit linken Parteien und Gewerkschaften in aller Welt.<\/li>\n<\/ul><p>Weltoffen, bunt, vielf&auml;ltig, tolerant. Das ist die sch&ouml;ne Welt, die es nur geben kann, wenn die Menschen auch untereinander gleich sind. Es ist auch eine Welt ohne Fl&uuml;chtlinge. <\/p><p>Buntheit und Vielf&auml;ltigkeit bestehen heutzutage in einer Gesellschaft, wo die exotischen &bdquo;Bunten&ldquo; gleichzeitig auch die Unterdr&uuml;ckten sind, diejenigen, die der Einheimische nur dann als bunte Vielfalt begr&uuml;&szlig;t, wenn sie ihm zu Diensten sind. Sobald die &bdquo;Bunten&ldquo; Gleichbehandlung fordern, ist es mit der Toleranz vorbei. Und als Konkurrenten waren die &bdquo;Bunten&ldquo; nie willkommen.<\/p><p><em><strong>Nachtrag NachDenkSeiten:<\/strong> Da die Verabschiedung des UN-Migrationspaktes vor der T&uuml;r steht, werden wir auf das Thema Migration in der n&auml;chsten Zeit immer wieder zur&uuml;ckkommen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Autor dieses Beitrags, <strong>Marco Wenzel<\/strong>, war w&auml;hrend seiner Berufst&auml;tigkeit Gewerkschaftssekret&auml;r, denkt viel &uuml;ber politische und &ouml;konomische Zusammenh&auml;nge nach und Marco Wenzel stellt von Dienstag auf Mittwoch die Hinweise des Tages zusammen. Heute geht es aber nicht um die Hinweise des Tages, sondern um seine Beobachtungen zur Fl&uuml;chtlingsdebatte. 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