{"id":47186,"date":"2018-11-14T09:25:41","date_gmt":"2018-11-14T08:25:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47186"},"modified":"2026-01-27T11:30:36","modified_gmt":"2026-01-27T10:30:36","slug":"journalisten-wollen-nicht-am-leistungsmythos-ruetteln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47186","title":{"rendered":"\u201eJournalisten wollen nicht am Leistungsmythos r\u00fctteln\u201c"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/181114_baron.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Wer in Deutschland Journalist werde m&ouml;chte, sollte besser nicht aus armen Verh&auml;ltnissen kommen. Der Weg in den Journalismus geh&ouml;rt mit zu den elit&auml;rsten Berufswegen, die es in Deutschland gibt. Abitur, ein m&ouml;glichst abgeschlossenes Studium, Auslandsaufenthalte in jungen Jahren und Praktika bei den gro&szlig;en Medienh&auml;usern in Berlin, M&uuml;nchen oder Hamburg sind oft die Voraussetzungen, um die begehrte Ausbildung zum Redakteur absolvieren zu k&ouml;nnen. F&uuml;r all das ist Geld notwendig. <strong><a href=\"http:\/\/www.christian-baron.com\/\">Christian Baron<\/a><\/strong>, Redakteur beim Freitag, ist diesen Weg gegangen &ndash; obwohl er aus einer armen Familie kommt. Im NachDenkSeiten-Interview erz&auml;hlt Baron, wie hoch die H&uuml;rden f&uuml;r ihn waren  und zeigt auf, was die soziale Schlie&szlig;ung der Medien f&uuml;r die Demokratie bedeutet. Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8039\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-47186-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181114_Journalisten_wollen_nicht_am_Leistungsmythos_ruetteln_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181114_Journalisten_wollen_nicht_am_Leistungsmythos_ruetteln_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181114_Journalisten_wollen_nicht_am_Leistungsmythos_ruetteln_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181114_Journalisten_wollen_nicht_am_Leistungsmythos_ruetteln_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=47186-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181114_Journalisten_wollen_nicht_am_Leistungsmythos_ruetteln_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"181114_Journalisten_wollen_nicht_am_Leistungsmythos_ruetteln_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Herr Baron, dass es viele freie Journalisten gibt, die in sehr bescheidenen Verh&auml;ltnissen leben, ist kein Geheimnis. Aber wie sieht es mit denjenigen aus, die aus armen Verh&auml;ltnissen kommen und den Beruf des Journalisten ergreifen wollen?<\/strong><\/p><p>Egal, wie sehr man sich anstrengt, wie viel Neugier oder Schreibtalent jemand mitbringt: Aus eigener Kraft schafft es aus einkommensschwachen und sogenannten bildungsfernen Verh&auml;ltnissen niemand als Festangestellter in eine Medienredaktion. Mehr als zwei Drittel aller Journalisten haben oder hatten Eltern, die als Beamte oder Angestellte mit Hochschulabschluss im gehobenen bis sehr gehobenen Dienst t&auml;tig sind oder waren. Es gibt kaum einen Beruf, dessen Zugang einem Menschen mit nicht-akademischer Herkunft so versperrt ist wie der des Journalisten.<br>\n&nbsp;<br>\n<strong>Woran liegt das?<\/strong><\/p><p>Vor allem liegt es daran, dass wir in einer Klassengesellschaft leben. Wer Journalist werden will, der muss ein abgeschlossenes Universit&auml;tsstudium vorweisen. Und das deutsche Bildungssystem z&auml;hlt im europaweiten Vergleich zu den sozial ungerechtesten, sodass nur wenige Kinder aus Arbeiterhaushalten &uuml;berhaupt Abitur machen k&ouml;nnen. Wer es doch schafft, hat es dann mit neuen Schranken zu tun. Es gibt da zum Beispiel eine Studie von dem Politologen Peter Ziegler, der sich die Journalistensch&uuml;ler angesehen hat: Bei den Berufen der Eltern dominiert der Beamte. Der Beruf des Arbeiters kam unter den Befragten kein einziges Mal vor. Der Soziologe <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46147\">Michael Hartmann<\/a>, der viel zur Elite geforscht hat, best&auml;tigt das. Er sagt, beim Zugang zum Beruf des Journalisten kommt es auf soziale &Auml;hnlichkeit mit den potenziellen Vorgesetzten an, also auf den Stallgeruch.<br>\n&nbsp;<br>\n<strong>Bitte beschreiben Sie unseren Lesern: Wie wird man Journalist? Und: Wo und wie entstehen Kosten, die es f&uuml;r jemanden, der aus armen Verh&auml;ltnissen kommt, schwierig macht, Journalist zu werden?<\/strong><br>\n&nbsp;<br>\nWenn Chefredaktionen neue Auszubildende suchen, dann achten sie peinlich genau darauf, ob der Bewerber oder die Bewerberin schon in der Jugend bei der Sch&uuml;lerzeitung oder der Lokalzeitung mitgearbeitet hat. Wer Journalist werden will, muss den Wunsch also schon fr&uuml;h gehabt haben. Wer in einem Elternhaus ohne B&uuml;cherw&auml;nde und Zeitungsabos aufw&auml;chst, sp&uuml;rt diesen Wunsch meist sp&auml;ter als Menschen, die von klein auf spielerisch mit kulturellem Kapital beschenkt werden. Weil ein abgeschlossenes Studium verlangt wird und in Deutschland &uuml;berwiegend Akademikerkinder studieren, begrenzen die Medienh&auml;user den Kreis der Anw&auml;rter schon von vornherein erheblich. W&auml;hrend des Studiums muss man au&szlig;erdem nebenbei schon eigene Beitr&auml;ge in Medien unterbringen. Wer sich das Studium mit Aushilfsjobs finanzieren muss, weil ihn die Eltern nicht unterst&uuml;tzen k&ouml;nnen, wird das kaum &uuml;ber seine T&auml;tigkeit als freier Mitarbeiter bei einer Zeitung tun k&ouml;nnen. Dort werden oft mickrige Honorare gezahlt, der Zeiteinsatz, der von einem erwartet wird, ist hoch. Das hei&szlig;t: Wer hier nicht von Hause aus &uuml;ber ausreichend finanzielle Mittel verf&uuml;gt, hat  schlechte Karten. <\/p><p><strong>Welche H&uuml;rden finanzieller Art gibt es noch?<\/strong><\/p><p>Auch teure Auslandsaufenthalte sind den Auswahljurys wichtig. Noch wichtiger ist im Bewerbungsprozess die Anzahl der Redaktionspraktika. Die sind fast immer unbezahlt, sodass auch da wieder die auf Nebenjobs angewiesenen Studenten deutlich im Nachteil sind. <\/p><p><strong>Ein junger Mensch aus einer armen Familie wird es sich auch kaum leisten k&ouml;nnen, durch Deutschland zu reisen, um einige Wochen oder Monate in Hamburg, Berlin oder M&uuml;nchen Praktika zu absolvieren.<\/strong><\/p><p>Richtig, das sind die versteckten Kosten, die viele nicht auf dem Schirm haben, denen diese Praktika selbstverst&auml;ndlich erscheinen. Nicht jeder kann in solchen F&auml;llen zur finanziellen Unterst&uuml;tzung auf Eltern, Verwandte, Partner oder Freunde zur&uuml;ckgreifen.  Nicht zu vergessen sind aber auch die Ausbildungskosten, denn das BAf&ouml;G muss nach dem Abschluss zur H&auml;lfte zur&uuml;ckgezahlt werden. Au&szlig;erdem gibt es BAf&ouml;G nur bis zum Ende der Regelstudienzeit. Wer nebenher arbeitet, schafft es nicht so schnell wie andere &ndash; und muss einen Kredit aufnehmen. Da k&ouml;nnen dann insgesamt mehrere zehntausend Euro zusammenkommen. Wer nun wei&szlig;, dass der Journalismus ein elit&auml;res, aber in weiten Teilen mittlerweile auch skandal&ouml;s prek&auml;res Arbeitsfeld mit immer weniger fest angestellten Redakteuren ist, der wird sich genau &uuml;berlegen, ob er all diese Anstrengungen auf sich nimmt.<br>\n&nbsp;<br>\n<strong>Sie wissen aus eigener Erfahrung, was es hei&szlig;t, wenn jemand, der arm ist, Journalist werden m&ouml;chte, oder?<\/strong><br>\n&nbsp;<br>\nMein Vater war ungelernter Hilfsarbeiter und schwerer Alkoholiker, meine Mutter hatte ebenfalls keinen Beruf gelernt. Wir waren st&auml;ndig unterhalb des Existenzminimums. Mit viel Gl&uuml;ck schaffte ich es als Erster und bislang Einziger in meiner Familie bis zum Abitur. Meine ersten Artikel habe ich mit 17 Jahren f&uuml;r die Lokalzeitung &bdquo;Rheinpfalz&ldquo; geschrieben. Der Sportredakteur Peter Lenk hatte irgendwie erfahren, dass ich in Fanzeitungen manchmal Fu&szlig;balltexte &uuml;ber den 1. FC Kaiserslautern schrieb. Er lie&szlig; mich durch die D&ouml;rfer tingeln und &uuml;ber Fu&szlig;ball, Basketball und Handball berichten. Das war f&uuml;r mich eine Offenbarung. Seitdem wollte ich nichts mehr anderes werden als Journalist. <\/p><p><strong>Gibt es Erlebnisse, die auf Ihrem Weg zu dem Beruf im Zusammenhang mit Ihrer Herkunft und den fehlenden finanziellen Mitteln besonders pr&auml;gnant waren?<\/strong><br>\n&nbsp;<br>\nW&auml;hrend des Studiums in Trier hatte ich den Berufswunsch eigentlich schon wieder aufgegeben, weil ich merkte, dass ich mit den Kommilitonen mit dem gleichen Berufsziel nicht mithalten konnte, wenn es um Dinge ging wie Praktika, Redaktionskontakte, Medienkompetenz oder einfach einem selbstbewussten Auftreten. Dann lernte ich die Journalisten Marcus St&ouml;lb, Christian J&ouml;ricke und J&ouml;rg Halstein kennen, die mein Weblog lasen und mich hartn&auml;ckig davon &uuml;berzeugten, dass mein Geschreibsel kein totaler Quatsch war. Also schloss ich mich ihrem alternativen Medienprojekt an und entdeckte mein Faible f&uuml;rs Feuilleton. Nach dem Studienabschluss scheiterte ich dann aber mit allen Versuchen, ein Volontariat zu bekommen, weil mein Lebenslauf zu wenige, und dann auch noch die &bdquo;falschen&ldquo; Praktika aufwies. Also ging ich in die Wissenschaft. Nach drei Jahren war die Sehnsucht nach dem Journalismus immer noch da. Ich versuchte es ein letztes Mal, obwohl ich schon Ende zwanzig war. Aber diesmal war ich vorbereitet. Ich kannte alle Studien zum Thema und imitierte in den Vorstellungsgespr&auml;chen diese f&uuml;r Journalisten so wichtige Haltung, die Selbstsicherheit, Schlagfertigkeit und eine gewisse Arroganz ausstrahlt. Und siehe da: Trotz all meiner Defizite wollten mich gleich f&uuml;nf Redaktionen einstellen. Ich kann noch heute kaum glauben, wie zentral dieser Aspekt beim Zugang zu diesem Beruf ist.<br>\n&nbsp;<br>\n<strong>Sie haben angesprochen, dass sich der journalistische Nachwuchs weitestgehend aus der Mittelklasse rekrutiert. Was bedeutet es, wenn eine soziale Schicht allenfalls unter schwierigen Bedingungen Zugang zum journalistischen Beruf bekommt?<\/strong><br>\n&nbsp;<br>\nF&uuml;r eine Demokratie mit dem Anspruch, der Presse die Rolle als &bdquo;Vierte Gewalt im Staat&ldquo; zuzuschreiben, ist das fatal. Da kann ich noch einmal auf Michael Hartmann verweisen. In seinem aktuellen Buch &bdquo;Die Abgehobenen&ldquo; beschreibt er, wie die Eliten die soziale Ungleichheit in Deutschland bewerten. Auf die Frage, ob die Lebenschancen im Wesentlichen vom Elternhaus abh&auml;ngen, antworten Wirtschafts-, Politik-, Verwaltungs- und Medienelite genauso oft mit &bdquo;Ja&ldquo; wie mit &bdquo;Nein&ldquo;. Gleichzeitig ist aber eine klare Mehrheit auch aus Spitzenpositionen im Journalismus der Meinung, dass pers&ouml;nliche F&auml;higkeiten bestimmen, was man im Leben erreicht. Sie wollen also nicht am Leistungsmythos r&uuml;tteln. Das ist die neoliberale Variante der Geschichte vom ber&uuml;hmten Baron M&uuml;nchhausen, der sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf gezogen haben will. Wenn ein Chef so denkt, dann tut er sich nat&uuml;rlich schwer, Menschen einzustellen, die erlebt haben, wie falsch das ist. Darum sprechen die meisten Medien nie grundlegend &uuml;ber die soziale Frage.<br>\n&nbsp;<br>\n<strong>Welche Folgen hat ein sozial geschlossenes journalistisches Feld noch?<\/strong><br>\n&nbsp;<br>\nDa m&uuml;ssen wir &uuml;ber die Eigentumsverh&auml;ltnisse sprechen. Zum Beispiel im Print: F&uuml;nf Verlage kontrollieren die H&auml;lfte des Zeitungsmarktes. 70 Prozent der Bev&ouml;lkerung k&ouml;nnen nur auf eine einzige Regionalzeitung zur&uuml;ckgreifen. Da besteht keine Meinungsvielfalt. Alle privaten Leitmedien befinden sich im Eigentum von Mehrfachmilliard&auml;ren oder Gro&szlig;konzernen. Und die werden nur ausnahmsweise einen Mitarbeiter dulden, der dieses Wirtschafts- und Gesellschaftssystem in seiner t&auml;glichen Arbeit fundamental in Frage stellt. Das erkl&auml;rt auch, dass etwa &bdquo;Die Zeit&ldquo; jede Woche ein Pro und Contra zu v&ouml;llig abseitigen Themen bringt und damit Kontroversen simuliert, anstatt auch einmal zu fragen, ob Schl&uuml;sselindustrien verstaatlicht geh&ouml;ren oder eine Verm&ouml;gens- und Erbschaftssteuer einzuf&uuml;hren w&auml;re, die diese Namen verdienen.<\/p><p><strong>Wie k&ouml;nnte denn eine soziale &Ouml;ffnung des journalistischen Feldes ablaufen? Was m&uuml;sste getan werden?<\/strong><\/p><p>Es w&auml;re schon viel gewonnen, wenn sich die Chefredaktionen von dem Fetisch des Universit&auml;tsdiploms l&ouml;sen w&uuml;rden. Wer eine Berufsausbildung abgeschlossen hat und eine Neigung zu Sprache, Politik, Wirtschaft und Kultur hat, der kann ein ebenso guter Journalist sein wie ein Soziologie-Absolvent. Ein anderes Mittel k&ouml;nnte eine Arbeiterquote in Redaktionen oder sogar in F&uuml;hrungspositionen sein. Ich sehe Quoten durchaus kritisch, weil meines Erachtens die Qualit&auml;t der Arbeit immer Vorrang haben muss vor Merkmalen wie Geschlecht oder Herkunft. Aber im Falle benachteiligter Gruppen wie Frauen und Menschen mit Migrationsgeschichte hat sich etwas getan in den Redaktionen. K&auml;men mehr Chefredakteurinnen oder Chefredakteure von ganz unten, dann erg&auml;be sich automatisch eine andere thematische Schwerpunktsetzung in den Zeitungen und Sendungen, was den Bl&auml;ttern und Sendern wiederum neue Leserschichten erschlie&szlig;en k&ouml;nnte.<\/p><p><strong>Selbst wenn hier und da der Wille vorhanden w&auml;re, den Weg in den Journalismus breiter zu machen: Die sozial dominierenden Gruppen innerhalb der Medien d&uuml;rften kaum ein Interesse daran haben, neben Kollegen zu arbeiten, die bei zentralen politischen und gesellschaftlichen Themen eine andere Weltsicht haben. Zugespitzt: Man h&ouml;rt lieber jemanden sagen, dass es &bdquo;uns&ldquo; doch &bdquo;gut&ldquo; geht, als dass jemand auf die f&uuml;r die Armen katastrophale Politik der letzten 20 Jahre verweist. Oder?<\/strong><\/p><p>Ich habe das Gl&uuml;ck, bei einer linken Zeitung zu arbeiten. Da fallen solch realit&auml;tsferne Spr&uuml;che nie. Aber auch ich nehme nat&uuml;rlich die Mainstreammedien wahr und da haben Sie schon recht: Dort regieren Chauvinismus und Herablassung gegen&uuml;ber dem Thema der sozialen Gerechtigkeit. In letzter Zeit kommt etwas anderes hinzu: Wer benennt, dass viele Medien nicht &uuml;ber dr&auml;ngende Probleme berichten, den stellen die Alpha-Journalisten schnell in die Ecke des Fake-News-Produzenten. Dabei geht es nicht darum, irgendwem Zensur zu unterstellen. Das haben Edward Herman und Noam Chomsky schon vor Jahrzehnten in ihrem Propagandamodell herausgestellt: Die Journalisten bei den Massenmedien h&auml;tten ihre Jobs nicht, wenn sie nicht vorher schon unter Beweis gestellt h&auml;tten, dass niemand ihnen sagen muss, was und wor&uuml;ber sie schreiben sollen.<br>\n&nbsp;<br>\n<strong>Die Wochenzeitung &bdquo;der Freitag&ldquo;, bei der Sie als Redakteur arbeiten, hat gerade eine Aktion gestartet, die unter dem <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hashtag\/unten\">Hashtag #unten<\/a> l&auml;uft. Worum geht es?<\/strong><br>\n&nbsp;<br>\nWir haben einen Aufruf gestartet, der Menschen ermutigen sollte, bei Twitter und anderswo ihre pers&ouml;nlichen Erfahrungen mit Armut, prek&auml;rer Arbeit und sozialer Ausgrenzung &ouml;ffentlich mitzuteilen. Wir wollen das wieder ins Bewusstsein holen, was Politik, Wirtschaft und Medien den Menschen in Jahrzehnten ausgetrieben haben: Deutschland ist eine Klassengesellschaft. Wir sind ja nur eine kleine Zeitung und h&auml;tten darum mit der riesigen Resonanz niemals gerechnet. Jetzt ist aber etwas angesto&szlig;en, was Medien und Politik weiter vorantreiben m&uuml;ssen. Reden wir &uuml;ber den Kapitalismus, &uuml;ber Krieg und Frieden, &uuml;ber soziale Gerechtigkeit. Es ist an der Zeit, dass diese Themen in der Debattenhierarchie endlich ganz nach oben r&uuml;cken.<\/p><p><em>Lesetipp: Baron, Christian: Proleten, P&ouml;bel, Parasiten: Warum die Linken die Arbeiter verachten. Das Neue Berlin. Oktober 2016.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/181114_baron.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Wer in Deutschland Journalist werde m&ouml;chte, sollte besser nicht aus armen Verh&auml;ltnissen kommen. Der Weg in den Journalismus geh&ouml;rt mit zu den elit&auml;rsten Berufswegen, die es in Deutschland gibt. Abitur, ein m&ouml;glichst abgeschlossenes Studium, Auslandsaufenthalte in jungen Jahren und Praktika bei den gro&szlig;en Medienh&auml;usern<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47186\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,153,209,41,182,146],"tags":[2514,524,2865,2225,1163,1763,408],"class_list":["post-47186","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-berufliche-bildung","category-interviews","category-medienanalyse","category-medienkonzentration-vermachtung-der-medien","category-soziale-gerechtigkeit","tag-unten","tag-bafoeg","tag-baron-christian","tag-leistungsgerechtigkeit","tag-meinungspluralismus","tag-praktikum","tag-soziale-herkunft"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/47186","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=47186"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/47186\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":83046,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/47186\/revisions\/83046"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=47186"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=47186"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=47186"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}