{"id":47310,"date":"2018-11-20T10:11:14","date_gmt":"2018-11-20T09:11:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47310"},"modified":"2018-12-30T14:03:26","modified_gmt":"2018-12-30T13:03:26","slug":"brasiliens-militaers-vom-revanchismus-ueber-fake-news-angriff-zum-polizeistaat-genannt-neue-demokratie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47310","title":{"rendered":"Brasiliens Milit\u00e4rs \u2013 Vom Revanchismus \u00fcber Fake-News-Angriff zum Polizeistaat, genannt \u201eneue Demokratie\u201d"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/181120-Brasilien-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Es war Ende August 2017, als mehr als ein simpler Satz, sondern die Beschwerde eines brasilianischen Generals f&uuml;r Wirbel in den Medien und den von ihm angegriffenen sozialen Netzwerken sorgte. &bdquo;Die in unserer Gesellschaft tief verwurzelte, sogenannte Political correctness hat die Vormacht des Individuellen gegen das Gemeinschaftliche statuiert &ndash; kann das funktionieren?&rdquo;, twitterte Heereskommandant Eduardo Villas B&ocirc;as und erntete hunderttausendfachen Applaus in Milit&auml;r- und Polizeikasernen und von der rechtsradikalen Szene in Zivil. Von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Der Kreuzzug f&uuml;r die &bdquo;Moral&rdquo;<\/strong><\/p><p>Villas B&ocirc;as&lsquo; Polemik zielte nicht nur auf demokratische Politiker, die seit Jahren im Parlament Gesetze gegen den unzul&auml;ssigen Schie&szlig;befehl gegen unbewaffnete Kriminelle und der politischen Kriminalit&auml;t Beschuldigte votierten. Nein, durch die Blume sprach der Heereskommandant &bdquo;im Namen&rdquo; von Millionen Brasilianern, denen die Freiz&uuml;gigkeit und der gesetzliche Schutz von sogenannten &bdquo;Minderheiten&rdquo; &ndash; von um ihr Urland k&auml;mpfenden Indianern, &uuml;ber Homosexuelle und Schwarze, bis zu k&ouml;rperlich Behinderten &ndash; ein Dorn im Auge sind und im Namen der gest&auml;rkten, jedoch systematisch verletzten Gemeinschafts- und Identit&auml;tsrechte die &bdquo;Rettung&rdquo; der angeblich bedrohten Familie, der &bdquo;Tradition&rdquo; und die &bdquo;Wiederherstellung der Ordnung&rdquo;, vor allem der alten, autorit&auml;ren Ordnung, einforderten.<\/p><p>Dieses Publikum, das die Kernw&auml;hlerschaft Jair Bolsonaros bildet, empfindet auch blanken Hass f&uuml;r den Feminismus, der sich seit Jahren als Sprachrohr gegen die Misshandlung von Frauen profilierte, von denen allein 2017 mehr als 4.400 Opfer von M&auml;nnern regelrecht abgeschlachtet wurden; eine makabre Zahl, die eine 6,5-prozentige Zunahme des Feminizids gegen&uuml;ber 2016 darstellte und signalisierte, dass alle zwei Stunden in Brasilien eine Frau ermordet wird. Als Reaktion auf die Gewalt- und Mordstatistik dr&uuml;ckt sich allerdings die Doppelmoral dieses Publikums in der Regel mit der zynischen Schuldzuweisung an die Ofer selbst aus.<\/p><p>Doch Villas B&ocirc;as&lsquo; Ermahnung war auch an den Obersten Gerichtshof (STF) adressiert, dem zwar der Schutz der Verfassung obliegt, dem jedoch wegen vorzeitiger Freilassung wiederholt lascher und unverantwortlicher Umgang mit Kriminellen vorgeworfen wurde. Wie bereits seit Beginn von &ldquo;Unternehmen Waschanlage&rdquo; &uuml;blich &ndash; das unter Richter S&eacute;rgio Moro die politisch motivierte und einseitige Korruptionsbek&auml;mpfung zu Lasten der Arbeiterpartei austrug &ndash; waren Villas B&ocirc;as&lsquo; Vorw&uuml;rfe ebenso auf dem rechten Auge blind, blieben doch s&auml;mtliche Angeklagte aus dem konservativen Lager sowie alle der Gewalt&uuml;bergriffe im Lande angezeigten Polizisten unerw&auml;hnt.<\/p><p><strong>Das explosive Gemisch mit dem milit&auml;rischen Revanchismus<\/strong><\/p><p>Im Februar 2018 meldete sich Villas B&ocirc;as erneut zu Wort. Diesmal &uuml;ber die Milit&auml;rintervention in Rio de Janeiro zur Bek&auml;mpfung schwerer Kriminalit&auml;t, deren Hintergr&uuml;nde in den Nachdenkseiten (<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42669\">Das Spiel hinter den Kulissen der Milit&auml;r-Intervention in Rio de Janeiro<\/a>) ausgiebig beschrieben wurden. Bei dieser Gelegenheit <a href=\"https:\/\/oglobo.globo.com\/rio\/comandante-do-exercito-fala-em-evitar-nova-comissao-da-verdade-22413404\">warnte der Heereskommandant<\/a> vor einer &bdquo;neuen Wahrheitskommission&ldquo;, falls Milit&auml;rs wegen Erschie&szlig;ung und fahrl&auml;ssiger T&ouml;tung Unschuldiger vor Gericht gestellt werden sollten. Damit beschwor Villas B&ocirc;as d&auml;monische Erinnerungen von diensthabenden und pensionierten Milit&auml;rs, denen die von Pr&auml;sidentin Dilma Rousseff gebildete Wahrheitskommission zur Ahndung der Menschrechtsverbrechen w&auml;hrend der Milit&auml;rdiktatur (1964-1985) seit jeher als &bdquo;Vaterlandsverrat&ldquo; und &bdquo;kommunistischer Umtrieb&ldquo; gilt, in ihren Vereinen, in den Kasernen und ihren Medien den Sturz der Pr&auml;sidentin befeuerten und die Stunde einer konservativen Wende predigten.<\/p><p>Bereits 2014 hatten zwei Milit&auml;rs &ndash; ein ehemaliger Heereshauptmann und Parlamentarier namens Jair Bolsonaro und der diensthabende General S&eacute;rgio Westphalen Etchegoyen &ndash; lautstark gegen die Wahrheitskommission Rousseffs gemeutert. Den Zeigefinger auf die ehemalige Guerilla-K&auml;mpferin und brutal gefolterte, politische Gefangene, Rousseff, gerichtet, nannte Bolsonaro die Kommission eine Verschw&ouml;rung &bdquo;zum Schutz von Terroristen&ldquo; und Etchegoyen diskreditierte die Bem&uuml;hung um Wahrheit mit schwerem Gesch&uuml;tz. &bdquo;Wenn sie gegen einen bereits verstorbenen B&uuml;rger ohne jegliche Verteidigungsm&ouml;glichkeit anlegen, f&uuml;hren sie Feigheit als Norm und Perversit&auml;t als anklagende Technik ein&ldquo;, protestierte der General.<\/p><p>Famili&auml;rer Hintergrund hatte Etchegoyen in Rage versetzt. Des Generals Vater Leo und Onkel Cyro Guedes Etchegoyen hatten als hohe Offiziere eine aktive Rolle am Milit&auml;rputsch von 1964 inne und bekleideten wichtige Positionen in der bis 1985 bestehenden Diktatur. Die Etchegoyens waren sodann in die &uuml;belsten Menschenrechtsverletzungen durch die Diktatur involviert.<\/p><p>In einer Zeugenaussage vor der Wahrheitskommission vom M&auml;rz 2014 wurde jedenfalls Cyro Etchegoyen als damaliger Abteilungsleiter f&uuml;r Spionageabwehr des Nachrichtendienstes der Armee (CIE) vom reum&uuml;tigen Ex-CIE-Spion und Folterknecht Paulo Malh&atilde;es denunziert &ndash; der u.a. nach dem Milit&auml;rputsch vom 11. September 1973 in Chile im Nationalstadion von Santiago brasilianische Gefangene verh&ouml;rte und eventuell nach Brasilien abf&uuml;hrte &ndash; auch als Kommandant des Folterzentrums, genannt &ldquo;Casa da Morte&ldquo; (das Todeshaus), in Petr&oacute;polis bei Rio de Janeiro. Kaum einen Monat sp&auml;ter wurde Manh&atilde;es in seinem Haus in den Bergen Rio de Janeiros tot aufgefunden; angeblich als Opfer eines Herzversagens. Die stark angezweifelten Polizeiermittlungen konnten nie &uuml;berpr&uuml;ft werden.<\/p><p>Auch der Vater des Generals, Leo, wird im Abschlussbericht der Wahrheitskommission neben weiteren 300 Milit&auml;rangeh&ouml;rigen in gewisser Weise beschuldigt, &bdquo;schwere Menschenrechtsverletzungen&rdquo; begangen zu haben.<\/p><p>Den Ruf nach Revanche, dem sich in den vergangenen Jahren hunderte diensthabender hohe Offiziere angeschlossen hatten, &uuml;berlie&szlig;en Letztere jedoch aus taktischem Kalk&uuml;l ihren pensionierten Kollegen, im Volksmund &bdquo;Gener&auml;le im Pyjama&ldquo; genannt, darunter dem Bolsonaro-Berater und k&uuml;nftigen Minister f&uuml;r Innere Sicherheit, General Augusto Heleno. Dieser hatte <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46627\">noch w&auml;hrend der Wahlkampagne angemahnt<\/a>, &bdquo;die Geschichte des Milit&auml;rregimes wurde nur von einer Seite erz&auml;hlt, und so unglaublich es klingen mag, ausgerechnet von den Besiegten&ldquo;.<\/p><p>&bdquo;Normalerweise erz&auml;hlen die Gewinner die Geschichte. Es gibt also eine andere Version, die zur Wiederherstellung des Gleichgewichts eines Tages erz&auml;hlt werden wird&rdquo;, drohte Heleno durch die Blume. Die Milit&auml;rs fordern also ihr eigenes Narrativ, das bereits Wochen bevor Bolsonaro &uuml;berhaupt am 1. Januar das Pr&auml;sidentenamt antritt, eine seit dem Ende der Diktatur nicht mehr erlebte, landesweite <a href=\"https:\/\/politica.estadao.com.br\/noticias\/geral,universidades-vivem-clima-de-denuncismo-e-temem-repressao-em-sala-de-aula,70002603918\">Denunziation und Hetzjagd<\/a> auf demokratische Schullehrer und Hochschul-Professoren zur Folge hat, denen &bdquo;Geschichtsf&auml;lschung&ldquo; vorgeworfen wird.<\/p><p><strong>Etchegoyen, die Geheimdienste und die US-Beziehungen<\/strong><\/p><p>Als am vergangenen 18. Oktober die Vorsitzende des Obersten Wahlgerichts (STE), Rosa Weber, eine Pressekonferenz anl&auml;sslich der Ermittlungsaufnahme &uuml;ber den Fake-News-Skandal in Bolsonaros Wahlkampagne gab, sa&szlig; zu ihrer Linken der Chef der Geheimdienste, General Etchegoyen. Wache Journalisten in brasilianischen Medien fragten sich, was machte der General in einer Pressekonferenz zur Aufkl&auml;rung einer mutma&szlig;lichen Wahlmanipulation zugunsten seines eigenen Kandidaten, des faschistischen Hauptmanns a.D. Jair Bolsonaro? Wollte Etchegoyen etwa signalisieren, dass die Milit&auml;rs ein waches Auge auf das Geschehen richteten und keine Infragestellung der Wahlen zulassen, also eine seri&ouml;se Untersuchung &uuml;ber den Fake-News-Tsunami von vornherein abzuw&uuml;rgen drohten?<\/p><p>Seit dem illegalen Amtsenthebungsverfahren vom Mai 2016 gegen Dilma Rousseff und der Macht&uuml;bernahme durch die Temer-Regierung leitet Etchegoyen als Vertrauter General Eduardo Villas B&ocirc;as&lsquo; das Amt f&uuml;r sogenannte Institutionelle Sicherheit, dem die Geheimdienste unterstehen, und weihte mit seinem Posten auch als erster den Wiedereinstieg der Milit&auml;rs in die offizielle Politik ein, die selbstverst&auml;ndlich mit der inoffiziellen in den Kasernen eng verzahnt ist. Etchegoyens Befugnisse und Einflussnahme erstrecken sich von der inneren Sicherheit bis zum Grenzschutz und signalisieren die &Uuml;berwachung des gesamten Polizeidienstes durch das Milit&auml;r, wozu nebenbei 2017 die Nominierung von Rog&eacute;rio Galloro zum neuen Direktor der Policia Federal (PF) &ndash; ein schwacher Abklatsch des US-amerikanischen FBI &ndash; geh&ouml;rte.<\/p><p>Offiziell als Berater Michel Temers gehandelt, gilt der General in Wahrheit als Gehirn des post-Rousseff-Regimes, das zum ersten Mal seit 1988 neben Etchegoyen einen zweiten General, n&auml;mlich Joaquim Silva e Luna, zum Verteidigungsminister berief. Der General, der in der Vergangenheit als Milit&auml;rattach&eacute; in Washington diente, pflegt enge Beziehungen zur US-amerikanischen Polizei-, Milit&auml;r- und Geheimdienst-Szene.<\/p><p>Vier Jahre, nachdem die Welt erfuhr, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel, Pr&auml;sidentin Dilma Rousseff sowie einzelne ihrer Minister und Petrobras-Direktoren von der NSA ausspioniert wurden, traf S&eacute;rgio Etchegoyen im Juni 2017 in Washington mit Leitungsbeamten des CIA und FBI zusammen. Das Treffen gipfelte in der Unterzeichnung einer seit langer Zeit von den USA angepeilten Rahmenvereinbarung, genannt &bdquo;Master Information Exchange Agreement&ldquo;, womit ein offizieller Austausch sogenannter &bdquo;sensibler Informationen&ldquo;, auch &uuml;ber R&uuml;stungsg&uuml;ter, in Kraft trat.<\/p><p>Bisher beschr&auml;nkte sich die milit&auml;rische Zusammenarbeit beider Staaten, inklusive des nachrichtendienstlichen Austauschs, auf den Kauf und Verkauf von Waffen. Mit der 2017-er Vereinbarung wurden strengere Sicherheitsstandards zur Vermeidung von Daten- und Informationsleaks eingef&uuml;hrt, hie&szlig; es in brasilianischen Medienberichten. Zur offiziellen Begr&uuml;ndung der USA f&uuml;r solche Vereinbarungen geh&ouml;rt auch in L&auml;ndern wie Kolumbien immer wieder die angebliche Bek&auml;mpfung des Drogenhandels. Im Fall Brasiliens deshalb, weil das Land als zentraler &bdquo;Korridor&ldquo; insbesondere des Kokainschmuggels nach Europa gilt.<\/p><p>Als damit gekoppeltem Junktim fordern die USA auch die Einbindung der Partnerregierungen in den <em>War on Terror<\/em> ein, mit der Vorschaltung der Drogenbek&auml;mpfungsbeh&ouml;rde DEA und dem FBI, jedoch mit der politischen Durchsetzung und Kontrolle des CIA und Pentagon. In Brasilien gibt es keine Terroranschl&auml;ge, um diese Koordinierung zu rechtfertigen. In S&uuml;damerika gibt es keinen Krieg. Welcher w&auml;re also der Grund der &uuml;ber das Agreement <a href=\"https:\/\/jornalggn.com.br\/blog\/cintra-beutler\/o-que-estaria-por-tras-do-encontro-de-etchegoyen-com-a-cia\">spekulierenden brasilianischen Medien<\/a>, denen dazu nur eines einleuchtete: die Einkreisung Venezuelas.<\/p><p><em>Folha de S. Paulo<\/em> hatte bereits <a href=\"https:\/\/www1.folha.uol.com.br\/mundo\/2013\/09\/1342289-agentes-da-cia-conseguem-atuar-livremente-no-brasil.shtml\">im September 2013 berichtet<\/a>, dass CIA-Agenten in Brasilien ungehinderten Zugang zu Eins&auml;tzen der brasilianischen PF hatten, deren Dateien anzapften sowie bei der Informationsbeschaffung und Bestechung von Mitarbeitern staatlicher und privater Unternehmen mit der PF gemeinsam operierten. <\/p><p>Wie der Journalist Bob Fernandes in einer Reihe von 1999 bis 2004 in der Zeitschrift <em>Carta Capital<\/em> ver&ouml;ffentlichter Berichte ermittelte, zahlte die DEA Eins&auml;tze der PF, einschlie&szlig;lich von Kommissaren, die ebenfalls Geld von der US-Botschaft erhalten hatten. Fernandes gelang die Beweisf&uuml;hrung, dass die PF seit den 1980-er Jahren von DEA und dem CIA insgeheim befehligt wurde und sich an der an Hochverrat grenzenden Spionage gegen landeseigene Unternehmen und brasilianische Beh&ouml;rden beteiligte. Als Kronzeuge diente der ehemalige FBI-Chef in Brasilien, Carlos Costa, der gegen&uuml;ber Fernandes im M&auml;rz 2004 geprahlt hatte, &bdquo;Eure Bundespolizei geh&ouml;rt seit Jahren uns &hellip; Sie wurde f&uuml;r ein paar Millionen Dollar <em>eingekauft<\/em>&ldquo;.<\/p><p><strong>Bolsonaro und die Planungen f&uuml;r ein evangelikal-faschistisches Milit&auml;rregime<\/strong><\/p><p>Uneingeschr&auml;nkte Verteidigung der Milit&auml;rdiktatur, Rechtfertigung der Folter, Werbung f&uuml;r den Waffenbesitz sowie Androhung einer &bdquo;harten Hand&ldquo; gegen organisiertes Verbrechen, so lauten die Einf&uuml;hrungsworte eines f&uuml;hrenden, jedoch in der Anonymit&auml;t redenden brasilianischen Milit&auml;rs, der dem Korrespondenten einer Finanzzeitung Einblick hinter die Kulissen der Wahl Jair Bolsonaros gew&auml;hrte. Doch warum der argentinischen <em>&Aacute;mbito Financiero<\/em>? Mit dieser Frage beginnt das Puzzlespiel &uuml;ber geheimdienstliche Umwege und die abschreckenden milit&auml;rischen Intentionen hinter dem k&uuml;nftigen Bolsonaro-Regime. Ist Jair Bolsonaro also nicht sein eigener Chefideologe?<\/p><p>Nein, hinter seiner Wahl verberge sich die Strategie der Streitkr&auml;fte, einen eigenen Pr&auml;sidenten aufzubauen, der zur Ausrufung einer &bdquo;neuen Demokratie&ldquo; verpflichtet worden sei, erkl&auml;rte der anonym gebliebene Offizier gegen&uuml;ber der argentinischen Publikation am vergangenen 7. Oktober unter dem Titel &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.ambito.com\/935789-bolsonaro-un-lider-construido-en-pos-de-un-nuevo-proyecto-de-poder-militar\">Bolsonaro, un l&iacute;der construido en pos de un nuevo proyecto de poder<\/a>&ldquo; (Bolsonaro, ein aufgebauter F&uuml;hrer f&uuml;r ein neues Machtprojekt). Das ausgehandelte ultra-konservative politische Programm und die ultraliberale Wirtschaftsdoktrin, so der Deep Throat in Uniform, betrachte die aktive Teilnahme des Milit&auml;rs am politischen Leben als Mission, die sich dem vorrangigen Ziel &bdquo;der Ausmerzung der Linken, die die Gesellschaft betr&uuml;gt&ldquo;, verschrieben habe.<\/p><p>Das k&uuml;nftige Bolsonaro-Regime m&uuml;sse eine &bdquo;neue Demokratie&rdquo; f&ouml;rdern, in der die von der brasilianischen Demokratie bisher behinderten Offiziere eine f&uuml;hrende Rolle spielen werden. Ihre Grundlagen sind politischer Konservatismus, wirtschaftlicher Liberalismus und das Versprechen, die &bdquo;Linke auszurotten&ldquo;. Inhalt und Betonung der neuen Milit&auml;rdoktrin lesen sich wie Faschismus in Roh-Natur.<\/p><p>&Uuml;ber die Entstehung der Bewegung erkl&auml;rte der Milit&auml;r, als sich 2014 der Milit&auml;rputsch von 1964, genannt &bdquo;Revolution&ldquo;, zum f&uuml;nfzigsten Mal j&auml;hrte, insbesondere nachdem Dilma Rousseff gest&uuml;rzt wurde, h&auml;tte die F&uuml;hrung der Streitkr&auml;fte mit der Suche nach einem ideenkonformen Vertreter begonnen, der ihre Interessen im Parlament vertreten k&ouml;nne, und die Wahl sei nat&uuml;rlicherweise auf Bolsonaro gefallen.<\/p><p>Vor einem Jahr sei die Armee zum Schluss gekommen, dass eine politische Polarisierung stattfinden und dass Bolsonaro derjenige sein w&uuml;rde, der die PT herausfordere. Warum? Weil die Geschichte Brasiliens zeige, dass seine Elite sich nie f&uuml;r die Nation als Ganzes interessiere, sondern nur an sich selbst denke. &bdquo;So war uns klar, dass sich die Zentrums-Parteien nicht einigen w&uuml;rden, um sich der Linken zu stellen. Es war also richtig, auf Bolsonaro zu setzen&ldquo;, erkl&auml;rt der Anonyme in Uniform &ndash; etwa der Heereskommandant in Person? General Villas B&ocirc;as jedenfalls ist als Zyniker bekannt, der in der &Ouml;ffentlichkeit mal mit einem Milit&auml;rputsch droht, falls der inhaftierte Altpr&auml;sident Lula auf freien Fu&szlig; gesetzt werde, mal auch &bdquo;bedaure&ldquo;, einer Politisierung der Kasernen nicht Herr werden zu k&ouml;nnen. Reine Mimikry.<\/p><p>Der Anonyme erz&auml;hlt weiter, &bdquo;die Streitkr&auml;fte sollen den Status als permanente staatliche Kraft erhalten&ldquo;. Die Milit&auml;rs bef&auml;nden sich in einer neuen Lage, die sie dazu legitimiere, als vollwertige B&uuml;rger akzeptiert zu werden. &bdquo;Nicht als B&uuml;rger zweiter Klasse. Deshalb sprechen wir von einer &bdquo;neuen Demokratie&ldquo;, sagte er, denn &bdquo;Offiziere sind sehr qualifizierte Leute, wir kennen Sprachen, wir haben Doktoranden, wir m&uuml;ssen damit Schluss machen, dass wir keine Minister sein d&uuml;rfen&ldquo;. Die fundamentalistischen Milit&auml;rs sehen sich als &bdquo;Christen&ldquo;, zumeist aus der evangelikalen Szene, und neu an ihrer Doktrin ist, dass sie zwar Hohelieder auf die Milit&auml;rdiktatur singen, jedoch mit ihrem Entwicklungs-Nationalismus nichts mehr am Hut haben.<\/p><p>Einzelne S&auml;ulen der sogenannten &bdquo;neuen Demokratie&rdquo; seien die Bek&auml;mpfung von Korruption, die Sicherheitsfrage, eine Steueranpassung, Rentenreform, Verbesserungen im Verkehrswesen und sogar &ndash; warum nicht? &ndash; auch das &bdquo;Thema Frauen&rdquo;. &bdquo;Wirtschaftsnationalismus ist nicht mehr unser Programm, das &uuml;berlassen wir der Arbeiterpartei. Jetzt ist Zeit f&uuml;r den Liberalismus. Das ist, was wir Bolsonaro sagten. Wir wollen ein Land, das so frei wie m&ouml;glich ist, was uns radikal abgrenzt von der PT&rdquo;.<\/p><p>Am 1. Januar 2019 startet sie, die &bdquo;neue Demokratie&rdquo;. Und zwar mit versch&auml;rfter Gewalt und Schie&szlig;befehl.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/181120-Brasilien-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Es war Ende August 2017, als mehr als ein simpler Satz, sondern die Beschwerde eines brasilianischen Generals f&uuml;r Wirbel in den Medien und den von ihm angegriffenen sozialen Netzwerken sorgte. &bdquo;Die in unserer Gesellschaft tief verwurzelte, sogenannte Political correctness hat die Vormacht des Individuellen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47310\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[60,20,125],"tags":[2454,1613,1945,901,1564,233,305,2177,1352,2516,1943,1556],"class_list":["post-47310","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-innere-sicherheit","category-landerberichte","category-rechte-gefahr","tag-bolsonaro-jair","tag-brasilien","tag-faschismus","tag-geheimdienste","tag-krieg-gegen-den-terror","tag-marktliberalismus","tag-menschenrechte","tag-militaerdiktatur","tag-rechtsruck","tag-revanchismus","tag-rousseff-dilma","tag-usa"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/47310","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=47310"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/47310\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":48056,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/47310\/revisions\/48056"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=47310"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=47310"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=47310"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}