{"id":47357,"date":"2018-11-22T09:10:15","date_gmt":"2018-11-22T08:10:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47357"},"modified":"2019-10-28T16:00:04","modified_gmt":"2019-10-28T15:00:04","slug":"medienkonzentration-und-die-folgen-rene-benko-besitzer-von-karstadt-wird-medienunternehmer-von-hermann-zoller","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47357","title":{"rendered":"Medienkonzentration und die Folgen \u2013 Ren\u00e9 Benko, Besitzer von Karstadt, wird Medienunternehmer. Von Hermann Zoller."},"content":{"rendered":"<p>Die Meldung ging durch die Presse (Montag, 12. November 2018), sie d&uuml;rfte aber eher &bdquo;Fachleute&ldquo; aus dem Handel und den Medien interessiert haben, obwohl sie eigentlich uns alle angeht. Die digitale Technik, die wir doch angeblich mit allen Mitteln f&ouml;rdern m&uuml;ssen, er&ouml;ffnet auch immer mehr M&ouml;glichkeiten f&uuml;r die Manipulation der B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger &ndash; sowohl in ihrer Rolle als Verbraucher als auch als Staatsb&uuml;rger. Diese Entwicklung verl&auml;uft schneller, als das vielfach wahrgenommen wird.<br>\n<!--more--><br>\nHier der aktuelle Anlass, um darauf aufmerksam zu machen:<\/p><p>Der Immobilieninvestor Ren&eacute; Benko, Besitzer der Warenhauskette Karstadt, steigt ins Mediengesch&auml;ft ein. Der &Ouml;sterreicher erwirbt von der Funke Mediengruppe 49 Prozent an der WAZ Ausland Holding. Die Gesellschaft h&auml;lt jeweils rund 50 Prozent an den beiden gro&szlig;en &ouml;sterreichischen Tageszeitungen &bdquo;Kurier&ldquo; und &bdquo;Kronen-Zeitung&ldquo;.&nbsp;Dieser Vorgang ist als solcher schon der Beachtung wert. Er sollte aber auch als Signal verstanden werden, die Entwicklung in den &bdquo;Medien&ldquo; genauer zu beobachten.<\/p><p>Funke ist seit 1987 in &Ouml;sterreich aktiv. &Uuml;ber die WAZ Ausland Holding h&auml;lt sie 50 Prozent an der &bdquo;Kronen Zeitung&ldquo;, der gr&ouml;&szlig;ten &ouml;sterreichischen Boulevardzeitung, und knapp 50 Prozent am &bdquo;Kurier&ldquo;. Die Signa Holding des &ouml;sterreichischen Unternehmers Ren&eacute; Benko ist vor allem durch spektakul&auml;re Immobiliendeals bekannt geworden. Zu dem Reich des Tiroler Immobilienk&ouml;nigs geh&ouml;ren neben dem KaDeWe in Berlin das Alsterhaus und die Alsterarkaden in Hamburg auch die Alte Akademie in M&uuml;nchen. Au&szlig;erdem geh&ouml;rt Karstadt zu Benkos Signa Holding,&nbsp;die nach der Fusion von Karstadt und Kaufhof mit 50,01 Prozent nun auch die Mehrheit an dem neuen Handelskonzern h&auml;lt.&nbsp;Sein Privatverm&ouml;gen wird auf rund 3,8 Milliarden Euro gesch&auml;tzt. Nun steigt der 41-J&auml;hrige auch ins Mediengesch&auml;ft ein. <\/p><p>Das k&ouml;nnte Verwunderung ausl&ouml;sen und einen wirtschaftlichen Seitensprung vermuten lassen. Bei Lichte betrachtet handelt es sich aber um einen in unserem Wirtschaftssystem allt&auml;glichen Vorgang. Dahinter steckt ein gut &uuml;berlegtes Konzept. Im &bdquo;Horizont&ldquo;, einer f&uuml;hrenden &bdquo;Fachzeitung f&uuml;r Marketing, Werbung und Medien&ldquo;, wird dar&uuml;ber in aller Offenheit berichtet:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wir freuen uns sehr, mit Signa einen starken Partner f&uuml;r unsere verlegerischen Aktivit&auml;ten in &Ouml;sterreich gefunden zu haben&ldquo;, sagt Michael W&uuml;ller, Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der Funke Mediengruppe. &bdquo;Mit neuer Kraft und Dynamik werden wir die starken Marken gemeinsam in die Zukunft f&uuml;hren, vor allem auch durch eine konsequente Digitalisierung.&ldquo;&nbsp;\n<\/p><\/blockquote><p>Und: diese Digitalisierung hat es dann in sich:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Digitalisierung l&ouml;st die Grenzen zwischen traditionellen Gesch&auml;ftsmodellen auf. Handel, Information und Unterhaltung, aber auch das Wohnen und die moderne Welt der Arbeit &ndash; diese Bereiche lassen sich schon heute nicht mehr trennen. Wir investieren deshalb strategisch in Gesch&auml;ftsmodelle, die breite Konsumentenschichten mit au&szlig;ergew&ouml;hnlichen Produkten und Leistungen &uuml;berzeugen und ihre zuk&uuml;nftigen Bed&uuml;rfnisse in der analogen wie der digitalen Welt ganzheitlich abbilden. Die Transformation starker Marken spielt da eine ganz wesentliche Rolle&ldquo;, sagt&nbsp;Ren&eacute; Benko zu dem Deal mit Funke.&nbsp;Benko k&uuml;ndigte an, er wolle mit Signa vor allem &bdquo;unser starkes Know-How in der Digitalisierung traditioneller Gesch&auml;ftsmodelle erfolgreich in die Partnerschaft einbringen. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit der Funke Mediengruppe, der Familie Dichand und der Raiffeisengruppe&ldquo;.&nbsp;\n<\/p><\/blockquote><p>Hier wird in ein bisschen Fachchinesisch beschrieben, wohin sich traditionelle Zeitungsverlage weiterentwickeln sollen. Werbung geh&ouml;rte schon immer zum Gesch&auml;ft. Mit dem Schritt von Benko wird aber ganz selbstverst&auml;ndlich angek&uuml;ndigt die Verkn&uuml;pfung der Medien mit allen anderen elektronischen Werkzeugen des Informationstransports, der Werbung &ndash; zentral gesteuert zur perfekten Manipulation: eine durchgehende &bdquo;Information&ldquo; von der Zeitungsseite bis zum Kaufhausregal und der Internetplattform. Damit wird der Journalismus, der ja eigentlich demokratie-begr&uuml;ndend sein soll, noch mehr zum Spielball von Aktionen zur Steigerung der Kauflust, zur Hilfskraft f&uuml;r die Gewinnsteigerung.<\/p><p>Der Benko-Einstieg m&uuml;sste ein Signal zum Aufbruch werden. Wenn Journalisten-Gewerkschaften, Verbrauchersch&uuml;tzer und vor allem aufmerksame Demokraten nicht bald aufschreien,  wird es zu einer verheerenden Besch&auml;digung unserer Demokratie kommen &ndash; denn: wir stehen nicht erst am Anfang dieser Entwicklung, es handelt sich um eine schon stattfindende, nun sich noch mehr beschleunigende Entwicklung. <\/p><p>In dem gerade bei VSA erschienenen Buch &bdquo;Vom Buchdrucker zum Medientechnologen&ldquo; schreibt Frank Werneke (stellvertretender ver.di-Vorsitzender und demn&auml;chst Nachfolger von Frank Bsirske):<br>\n&bdquo;Die Zahl der Arbeitspl&auml;tze in den Tageszeitungsredaktionen sank von Anfang der 2000er Jahre bis heute von rund 21.000 auf jetzt nur noch etwa 14.000 Journalistinnen und Journalisten. Gleichzeitig sank die Zahl der Zeitungsm&auml;ntel und damit die Medienvielfalt drastisch. Bei DuMont kommen die Mantelinhalte aus der Redaktionsgemeinschaft, die Hauptstadtredaktion der Funke-Gruppe beliefert die M&auml;ntel der WAZ (Westdeutsche Allgemeine Zeitung) ebenso wie des Hamburger Abendblatts, ungeachtet der jeweiligen regionalen Implikation, die eine bundespolitische Nachricht auf das jeweilige regionale Verbreitungsgebiet hat. &Auml;hnlich sieht es bei den Zeitungen der Madsack-Gruppe aus. Medienkonzentration und der Ausbau der Verlage zu Multimediah&auml;usern gehen einher mit Verlust an Vielfalt, Qualit&auml;t und regionaler Berichterstattung. Gleichzeitig steigt der Druck in den Redaktionen kontinuierlich, da sich die Arbeitsprozesse nicht mehr am Redaktionsschluss vor Druckbeginn orientieren, sondern journalistische Inhalte rund um die Uhr f&uuml;r jedweden Vertriebsweg produziert werden sollen.&ldquo;<\/p><p>Und ganz selbstverst&auml;ndlich sch&auml;tzt er die weitere Entwicklung genau so ein: dass die &bdquo;alte Druckindustrie&ldquo; &uuml;ber die Medienkonzerne zu einer allzust&auml;ndigen elektronischen Zentrale wird. Diese Entwicklung wird nicht in dem notwendigen Ma&szlig;e beachtet, obwohl hier nicht nur wirtschaftliche Macht b&uuml;ndeln wird, sondern auch viele Stellr&auml;der zur Manipulation nicht zuletzt &bdquo;der &ouml;ffentlichen Meinung&ldquo; installiert sein werden.<\/p><p>Es ist ohnehin erschreckend, dass das Thema &bdquo;Medien-Konzentration&ldquo; schon lange nicht mehr auf der Tagesordnung der Politik steht. Da gibt es Versuche der &bdquo;Verleger&ldquo;, die &Ouml;ffentlich-Rechtlichen zu beschneiden. Aber das wird zusammenhanglos, ohne Blick auf die &bdquo;Medienlandschaft&ldquo; ausgefochten. Die Frage, ob es inzwischen nicht notwendig sein k&ouml;nnte, &bdquo;&ouml;ffentlich-rechtliche Zeitungen&ldquo; herauszugeben, wird achtlos beiseite geschoben. Schon lange ist vorbei, dass Journalistinnen und Journalisten f&uuml;r Redaktionsstatute k&auml;mpften und Journalistengewerkschaften ein Presserechtsrahmengesetz forderten, um angesichts der Konzentration in den Printmedien die &bdquo;innere Preisfreiheit&ldquo; und damit ein grundlegendes Element unserer Demokratie zu retten. Heute haben wir eine um ein Vielfaches h&ouml;here Medienkonzentration und einen sich versch&auml;rfenden Aufbau einer Manipulationsindustrie &ndash; aber niemand k&uuml;mmert sich darum. &hellip;<\/p><p><em>Hermann Zoller<\/em><\/p><p><em><strong>Weitere Informationen:<\/strong> Wer einen Eindruck vom Stand der Pressekonzentration gewinnen m&ouml;chte, <a href=\"https:\/\/www.ard-werbung.de\/fileadmin\/user_upload\/media-perspektiven\/Basisdaten\/Media_Perspektiven_Basisdaten_2017_online_Neu.pdf\">kann sich hier und auf den folgenden Seiten informieren<\/a>.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Meldung ging durch die Presse (Montag, 12. November 2018), sie d&uuml;rfte aber eher &bdquo;Fachleute&ldquo; aus dem Handel und den Medien interessiert haben, obwohl sie eigentlich uns alle angeht. 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