{"id":47434,"date":"2018-11-26T14:13:00","date_gmt":"2018-11-26T13:13:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47434"},"modified":"2018-11-27T07:37:04","modified_gmt":"2018-11-27T06:37:04","slug":"die-sprachlosigkeit-der-linken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47434","title":{"rendered":"Die Sprachlosigkeit der \u201eLinken\u201c"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Welche Linke wollen wir?&ldquo;, fragte eine prominent besetzte Konferenz in Berlin. Diese &bdquo;Linke&ldquo; lieber nicht, m&ouml;chte man provokant antworten. Zum einen ist der Begriff &bdquo;links&ldquo; inzwischen umgedeutet und entwertet, er stiftet nur noch Verwirrung. Zum anderen schreckte die Unf&auml;higkeit der Diskutanten, eine mitrei&szlig;ende Kommunikation zu entwickeln. &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?tag=aufstehen\">#Aufstehen<\/a>&ldquo; &ndash; der Elefant im Raum &ndash; wurde weitgehend ignoriert. Ein Trauerspiel. Von <strong>Tobias Riegel<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1155\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-47434-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181126_Die_Sprachlosigkeit_der_Linken_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181126_Die_Sprachlosigkeit_der_Linken_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181126_Die_Sprachlosigkeit_der_Linken_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181126_Die_Sprachlosigkeit_der_Linken_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=47434-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181126_Die_Sprachlosigkeit_der_Linken_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"181126_Die_Sprachlosigkeit_der_Linken_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Die <a href=\"https:\/\/www.schaubuehne.de\/de\/produktionen\/kongress-welche-linke-wollen-wir.html?ID_Vorstellung=3271\">Konferenz<\/a> &bdquo;Welche Linke wollen wir?&ldquo; in der Berliner Schaub&uuml;hne am Sonntag war Paradebeispiel f&uuml;r die Begriffsverwirrungen und Sprachlosigkeiten, in die sich das einst &bdquo;links&ldquo; genannte Lager hineinman&ouml;vriert hat. Nach drei ausgedehnten Podiumsdiskussionen mit prominenten und internationalen G&auml;sten lie&szlig;e sich ketzerisch sagen: Diese &bdquo;Linke&ldquo; wollen &bdquo;wir&ldquo; nicht, denn sie kann nicht einmal ihre eigene Daseinsberechtigung verst&auml;ndlich und mitrei&szlig;end formulieren.<\/p><p>Viel l&auml;sst sich bereits an der Sprache festmachen: Die Vokabel &bdquo;links&ldquo; hat durch aggressive mediale Umdeutung ihre Aussage verloren &ndash; der Begriff stiftet nur noch Verwirrung und wirkt destruktiv. Wer also an dem Wort festh&auml;lt &ndash; und es sogar prominent im Konferenz-Titel platziert &ndash; f&ouml;rdert die Begriffsverwirrung und damit die Sprachlosigkeit. Ein Beispiel unter vielen lieferte ein Dialog zwischen dem &Ouml;konom Heiner Flassbeck und der LINKEN-Chefin Katja Kipping, der daran scheiterte, dass beide Seiten jeweils nicht wussten, wer oder was mit &bdquo;Linken&ldquo; gemeint ist: die gleichnamige Partei, au&szlig;erparlamentarische Open-Border-Aktivisten, das &bdquo;links&ldquo;-gr&uuml;n-liberale Milieu, Sahra Wagenknecht oder Teile der SPD? In so manchem Medium wird &bdquo;links&ldquo; mittlerweile mit Freihandel und Staatsfeindlichkeit gleichgesetzt oder mit der Verteidigung der Bundesregierung gegen rechte Wutb&uuml;rger. Und wer ist eigentlich das im Konferenz-Titel adressierte &bdquo;Wir&ldquo;?<\/p><p><strong>Spaltung des &bdquo;linken&ldquo; Lagers wird vernebelt<\/strong><\/p><p>Das ehemals &bdquo;links&ldquo; genannte Lager ist tief gespalten &ndash; grob zugespitzt und neben vielen anderen Konflikten in globalistische Anh&auml;nger der Open-Border-Philosophie einerseits und Bewahrer des National- und damit des Sozialstaats andererseits. Diese Kluft wurde bei der Konferenz jedoch weitgehend vernebelt &ndash; zumindest wurde das durch Dramaturgie und Moderation versucht. So fand sich etwa in der Runde zur Einwanderungs- und Asylpolitik kein konsequenter Kritiker der offenen Grenzen &bdquo;f&uuml;r alle&ldquo;. In einer mittlerweile gewohnten hochemotionalen Einigkeit warfen sich hier Berenice B&ouml;hlo, Naika Foroutan und Klaus Vogel die moralisch aufgeladenen B&auml;lle zu. Moderatorin Vanessa Vu konnte sogar verk&uuml;nden, das &bdquo;Sozialstaats-Argument&ldquo; komme beim Thema Zuwanderung &bdquo;aus der rechten Ecke&ldquo;. Der Sozialstaat &ndash; und damit auch der Nationalstaat als Verteidiger sozialer Errungenschaften &ndash; hatte ohnehin einen schweren Stand, auf allen Podien der Konferenz.<\/p><p>Auff&auml;llig war, dass echte Debatten vermieden wurden. Zwar waren, au&szlig;er bei der homogen besetzten Migrations-Runde, durchaus verschiedene Sichtweisen auf den Podien vertreten. Auch waren mit Heiner Flassbeck oder Sergio Coronado Personen anwesend, die einen Gegenpol zur inhaltlich dominanten Gruppe um die auch geladene LINKEN-Chefin Katja Kipping h&auml;tten bilden k&ouml;nnen. Doch die Diskutanten gingen nicht konfrontativ aufeinander ein, sondern referierten weitgehend nebeneinander her. Ein Br&uuml;ckenbauer zwischen den sich &uuml;ber weite Strecken verst&auml;ndnislos und sprachlos gegen&uuml;berstehenden Lagern war ausgerechnet der franz&ouml;sische Soziologe Didier Eribon: Er brach eine Lanze sowohl f&uuml;r den von der Moderation als &bdquo;Nationalisten&ldquo; diffamierten Jean-Luc M&eacute;lonchon als auch f&uuml;r die Themen der &bdquo;Identit&auml;tspolitik&ldquo;. Er argumentierte scharf gegen &bdquo;Merkels Europa&ldquo;, aber ebenso scharf f&uuml;r eine europ&auml;ische Gemeinschaft, die den Neoliberalismus abwirft.<\/p><p><strong>Der &bdquo;linke&ldquo; Kampf gegen den Nationalstaat<\/strong><\/p><p>Die beiden extremsten Pole der Debatte, sowohl was die Inhalte als auch was die intellektuelle Redlichkeit anbelangt, waren dagegen der kroatische Autor Sreko Horvat&nbsp;und die franz&ouml;sische Abgeordnete Dani&egrave;le Obono von &bdquo;La France Insoumise&ldquo;. So wollte Horvat in einer peinlich-l&auml;ssigen Haltung den Nationalstaat als &bdquo;gestrig&ldquo; und &bdquo;illusorisch&ldquo; begraben und forderte praktisch eine Kapitulation vor internationalen Konzernen. Damit befand er sich auf der dominanten von Dramaturgie und Moderation angepeilten Linie. Obono dagegen verteidigte vehement die nationalen Parlamente als jene Orte, wo der konkrete und reale Kampf f&uuml;r soziale Verbesserungen stattfinden kann. Und sie verwies darauf, dass der Ruf nach &bdquo;internationalen L&ouml;sungen&ldquo; oft reine Ablenkung darstellt und dass durch diese Taktik ein nationales Vorpreschen einzelner L&auml;nder abgew&uuml;rgt werden soll. <\/p><p>Das nationale Parlament als realer Ort des Kampfgeschehens &ndash; die Verteidiger des Nationalstaats haben mit diesem starken Symbol eindeutig den Vorteil des Konkreten in ihrer Argumentation. Denn was k&ouml;nnen die Globalisten und Open-Border-Aktivisten dem konkret entgegensetzen? Welche Vision von einer die Wirtschaft kontrollierenden und die B&uuml;rger besch&uuml;tzenden Institution schwebt ihnen vor, wenn der Nationalstaat erst &bdquo;&uuml;berwunden&ldquo; ist? Man wei&szlig; es nicht, denn zu dem Punkt, an dem Gegner des Nationalstaats realistische &bdquo;internationale&ldquo; Alternativen skizzieren w&uuml;rden, dringt die Debatte meist gar nicht vor.<\/p><p><strong>Sch&uuml;tzt der IWF den Sozialstaat?<\/strong><\/p><p>Am n&auml;chsten kam die Konferenz am Sonntag diesem Punkt, als Naika Foroutan fabulierte, der Sozialstaat k&ouml;nne nach der Zerst&ouml;rung des Nationalstaats von dem Internationalen W&auml;hrungsfonds vergleichbaren Institutionen besch&uuml;tzt werden. Man war angesichts solcher Weltfremdheit kurz sprachlos. Und glaubt man Moderatorin Tania Martini, so &bdquo;taugt&ldquo; die Forderung nach einem &bdquo;Zur&uuml;ck zum Sozialstaat&ldquo; m&ouml;glicherweise gar nicht im Kampf gegen den Rechtsruck. Denn: &bdquo;Beruht dieses Ph&auml;nomen &uuml;berhaupt auf Ungleichheit?&ldquo; <\/p><p>Die Zweifel an der These von der Ungleichheit als Ursache des Rechtsrucks wurden am Sonntag mit dem bekannten Argument flankiert, die AfD-W&auml;hler seien ja gar nicht alle arm. Die referierten Zahlen zur materiellen Sicherheit vieler AfD-W&auml;hler stimmen wahrscheinlich. Aber sind sie f&uuml;r die Frage nach der auch unbewussten Wirkung von Ungleichheit relevant? Muss man arm sein, um Angst vor Armut zu entwickeln? Wird dabei nicht ignoriert, dass auch irrationale &Auml;ngste vor einem erst drohenden Abstieg sehr reale &Auml;ngste hervorrufen? Und wie k&ouml;nnen sich &bdquo;links&ldquo; nennende Akteure eine solch neoliberale und die Ungleichheit negierende Argumentation unterst&uuml;tzen?<\/p><p>Mit den Abstiegs&auml;ngsten gelangt man zu einem weiteren Problem der Vermittlung fortschrittlicher und sozialer Politik: Sollte das Irrationale ernster genommen werden? Und werden sich die fortschrittlichen Inhalte so lange nicht medial durchsetzen, so lange dem &bdquo;linken&ldquo; Populismus abgeschworen wird? Diese Strategie und die allseits diffamierten &bdquo;Wutb&uuml;rger&ldquo; wurden am Sonntag immerhin von der franz&ouml;sischen Abgeordneten Obono verteidigt: &bdquo;Die Wut der B&uuml;rger ist berechtigt. Wir m&uuml;ssen mit einer Sprache der Hoffnung ihre Herzen erreichen. Und mit einer neuen Art der Politik.&ldquo; Man m&ouml;chte anf&uuml;gen: &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?tag=aufstehen\">#Aufstehen<\/a>&ldquo;, &uuml;bernehmen Sie!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Welche Linke wollen wir?&ldquo;, fragte eine prominent besetzte Konferenz in Berlin. Diese &bdquo;Linke&ldquo; lieber nicht, m&ouml;chte man provokant antworten. Zum einen ist der Begriff &bdquo;links&ldquo; inzwischen umgedeutet und entwertet, er stiftet nur noch Verwirrung. Zum anderen schreckte die Unf&auml;higkeit der Diskutanten, eine mitrei&szlig;ende Kommunikation zu entwickeln. &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?tag=aufstehen\">#Aufstehen<\/a>&ldquo; &ndash; der Elefant im Raum &ndash; wurde<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47434\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,35,211],"tags":[2082,364,2522,1343,1352,687,340],"class_list":["post-47434","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-aufbau-gegenoeffentlichkeit","category-veranstaltungshinweiseveranstaltungen","tag-eribon-didier","tag-flassbeck-heiner","tag-foroutan-naika","tag-kipping-katja","tag-rechtsruck","tag-ungleichheit","tag-zuwanderung"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/47434","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=47434"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/47434\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":47450,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/47434\/revisions\/47450"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=47434"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=47434"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=47434"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}