{"id":47477,"date":"2018-11-27T14:15:57","date_gmt":"2018-11-27T13:15:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47477"},"modified":"2018-11-27T16:40:37","modified_gmt":"2018-11-27T15:40:37","slug":"linkes-europawahlprogramm-kritiklos-in-die-naechste-wahlschlappe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47477","title":{"rendered":"Linkes Europawahlprogramm &#8211; kritiklos in die n\u00e4chste Wahlschlappe"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/181122_kiri.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Katja Kipping und Bernd Riexinger haben sich so ihre Gedanken gemacht, wie sich die Linke programmatisch zur Europawahl im kommenden Mai <a href=\"https:\/\/www.die-linke.de\/fileadmin\/Wahlen_2018\/Europawahlprogrammentwurf_online.pdf\">aufstellen sollte<\/a>. Von einer grundlegenden Kritik an der EU und dem real existierenden politischen Europa will die Parteif&uuml;hrung jedoch nichts wissen. Folgerichtig wollen Kipping und Riexinger den Europawahlkampf auch schwerpunktm&auml;&szlig;ig auf die urbanen proeurop&auml;ischen Milieus ausrichten. Doch da sitzen schon die Gr&uuml;nen und mit Yanis Varoufakis hat sich ein weiterer wackerer Wahlk&auml;mpfer <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2018-11\/europawahl-yanis-varoufakis-griechenland-europaparlament-spitzenkandidat\">positioniert<\/a>, der dieses quantitativ doch eher &uuml;berschaubare Klientel f&uuml;r sich erschlie&szlig;en will. Grunds&auml;tzliche Kritik an der EU und ihren Strukturen &uuml;berl&auml;sst man lieber der AfD. Man muss kein Prophet sein, um zu erahnen, dass diese Strategie auf eine grandiose Wahlschlappe hinausl&auml;uft. Es ist traurig mit anzusehen, wie die Partei durch falsche Entscheidungen des Parteivorstands mehr und mehr in der politischen Bedeutungslosigkeit verschwindet.  Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6858\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-47477-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181127_Linkes_Europawahlprogramm_kritiklos_in_die_naechste_Wahlschlappe_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181127_Linkes_Europawahlprogramm_kritiklos_in_die_naechste_Wahlschlappe_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181127_Linkes_Europawahlprogramm_kritiklos_in_die_naechste_Wahlschlappe_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181127_Linkes_Europawahlprogramm_kritiklos_in_die_naechste_Wahlschlappe_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=47477-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181127_Linkes_Europawahlprogramm_kritiklos_in_die_naechste_Wahlschlappe_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"181127_Linkes_Europawahlprogramm_kritiklos_in_die_naechste_Wahlschlappe_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>&bdquo;F&uuml;r mehr Europa&ldquo; zu sein, ist im linksliberalen Milieu zu einer Art <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=38717\">gemeinschaftsstiftenden Bekenntnis<\/a> geworden. Ebenso wie der <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44378\">Schwanengesang auf das angebliche Auslaufmodell &bdquo;Nationalstaat&ldquo;<\/a>. Auf internationale Probleme lie&szlig;e sich halt nur im internationalen Rahmen eine L&ouml;sung finden, so das Mantra der Globalisten. Wer widerspricht und frei nach Adorno anmerkt, dass es kein richtiges Europa im falschen geben k&ouml;nne, da die Struktur der EU und der zugeh&ouml;rigen europ&auml;ischen Institutionen grundlegende progressive Reformen gar nicht zulassen, l&auml;uft indes schnell Gefahr, als &bdquo;Europagegner&ldquo;, &bdquo;Nationalist&ldquo; oder gar &bdquo;Populist&ldquo; in eine Schublade mit den Le Pens, Wilders und Gaul&auml;ndern gesteckt zu werden. Mit derlei &bdquo;Logik&ldquo; kann man tats&auml;chlich im Regierungsviertel seine Echokammer &uuml;berzeugen &ndash; oder aber den Vorstand der Linkspartei.<\/p><p>Der hat n&auml;mlich gro&szlig;e Pl&auml;ne mit Europa &ndash; sozial, friedlich, demokratisch und dabei ganz anders soll es sein, so der Programmentwurf von Kipping und Riexinger. Das sind freilich Binsen, mit denen man auch das Wahlprogramm f&uuml;r den Stadtrat in Buxtehude schm&uuml;cken k&ouml;nnte. Leider verschweigt das Papier der beiden Vorsitzenden jedoch, wie man die zahlreichen &ndash; meist ja auch durchaus l&ouml;blichen &ndash; Forderungen aus dem Kleingedruckten umzusetzen gedenkt. Forderungen aufzustellen, ohne eine Idee davon zu vermitteln, wie man sie denn konkret umsetzen will, ist jedoch wohlfeil und tats&auml;chlich &bdquo;populistisch&ldquo;. Wenn man die Umsetzbarkeit thematisieren w&uuml;rde, m&uuml;sste man ja auch die Ordnungsrahmen thematisieren. Die EU-Vertr&auml;ge sind nun einmal in der jetzigen Form ein Rahmen, der zwingend zu einem gegenseitigen Unterbietungswettbewerb in der Steuer-, Sozial- und Wirtschaftspolitik f&uuml;hren muss; ein Rattenrennen im Namen der Marktkonformit&auml;t. Wer die Inhalte des Programmentwurfs von Kipping und Riexinger umsetzen will, muss also auch die &bdquo;Strukturfrage&ldquo; stellen und die EU-Vertr&auml;ge selbst thematisieren &ndash; auch wenn man dann Gefahr l&auml;uft, von den Hauptstadtjournalisten nicht mehr als &bdquo;moderat&ldquo; tituliert zu werden. <\/p><p>Da der Programmentwurf des Parteivorstands grunds&auml;tzliche Kritik an der real existierenden EU und ihrer Verfassung ausspart, ist er leider auch beliebig. Und das entwertet auch die inhaltlichen Forderungen. Doch auch hier gibt es &bdquo;Bl&uuml;ten&ldquo;, die man nur vor dem Hintergrund der dauerhaften Mobbing-Aktivit&auml;ten der Parteivorsitzenden gegen die Bundestagsfraktion und ihre Vorsitzende Sahra Wagenknecht verstehen kann. So sind im Programmentwurf abermals Forderungen enthalten, man m&uuml;sse die &bdquo;Grenzen demokratisieren und sichere und legale Flucht- und Einreisewege schaffen&ldquo;. Nun kann man zwar herzhaft &uuml;ber diese ungelenke Rhetorik lachen. Was sollen bitte &bdquo;demokratisierte Grenzen&ldquo; sein? Zwischen den Zeilen ist dies jedoch genau die Forderung nach offenen Grenzen f&uuml;r den Arbeitsmarkt, f&uuml;r die es innerhalb der Partei &ndash; zum Gl&uuml;ck &ndash; keinen bindenden Beschluss gibt. Warum packt der Vorstand diese polarisierende Forderung dann in seinen Programmentwurf? Wenn Kipping und Riexinger Probleme mit der Popularit&auml;t von Sahra Wagenknecht haben, dann sollen sie dies doch bitte auf andere Art und Weise l&ouml;sen. In einem Programmentwurf f&uuml;r die Europawahl haben solche Intrigen jedenfalls nichts zu suchen.<\/p><p>Was wollen die beiden Vorsitzenden eigentlich? Wessen Interessen soll die Linkspartei im Europaparlament eigentlich vertreten? Man gibt sich moderat und weltoffen, international und nur bedingt kritisch. Man ist halt <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/linke-vor-der-eu-wahl-ein-bisschen-dagegen-a-1240521.html\">&bdquo;ein bisschen dagegen&ldquo;<\/a> (Zitat SPON), aber grunds&auml;tzlich nat&uuml;rlich f&uuml;r Europa. Das freut die Pulse-of-Europe-Liberalen, auf die vor allem Katja Kipping schon l&auml;nger als neue Kernw&auml;hlerschaft der Linkspartei schielt. Doch die urbanen Jungakademiker mit ihren ganz eigenen Problemen und Ansichten sind nicht nur eine sehr kleine Zielgruppe, sondern werden zudem von gleich mehreren Parteien umgarnt. Da sind die &ndash; immer noch unverst&auml;ndlicherweise oft als &bdquo;links&ldquo; wahrgenommenen &ndash; Gr&uuml;nen, die mit dem Duo Ska Keller und Sven Giegold und dem R&uuml;ckenwind aus dem Bund sicher in diesem Milieu auch gut punkten werden. Und dann will der ehemalige griechische Finanzminister Yanis Varoufakis als Spitzenkandidat der Bewegung &bdquo;Demokratie in Europa&ldquo; ja auch noch <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2018-11\/europawahl-yanis-varoufakis-griechenland-europaparlament-spitzenkandidat\">in Deutschland kandidieren<\/a> und mit dosiert kritischen &ndash; aber stets proeurop&auml;ischen &ndash; Slogans im urban-akademischen linkliberalen Milieu Stimmen sammeln. <\/p><p>Wenn die Linke der Strategie ihrer beiden Vorsitzenden folgt, w&uuml;rde es also sogar in der neuen Zielgruppe selbst ziemlich eng; wenn man nun noch unterstellt, dass die Linke mit ihrer Fokussierung auf junge urbane Akademiker ihre origin&auml;ren Zielgruppen verprellt, k&ouml;nnte die Europawahl gar zu einem historischen Waterloo f&uuml;r Katja Bonaparte und Napoleon Riexinger werden. Die beiden Strategen &uuml;berlassen in ihrer Angst, auch nur in einem Atemzug mit den &bdquo;Europagegnern&ldquo; und &bdquo;Populisten&ldquo; genannt zu werden, die gesamte Flanke der grunds&auml;tzlichen Kritik an den europ&auml;ischen Institutionen und den EU-Vertr&auml;gen n&auml;mlich der AfD. Die sagt klar, dass man der EU und der Eurozone ohne vorherige grundlegende Reformen dieser Institutionen nur durch ein Korrektiv auf nationaler oder regionaler Ebene begegnen kann. Das ist analytisch vollkommen richtig; auch wenn die AfD dies nat&uuml;rlich an inhaltlich vollkommen falsche Forderungen kn&uuml;pft. Nur weil die Inhalte falsch sind, hei&szlig;t dies aber nicht, dass auch die daf&uuml;r geforderten Instrumente falsch sein m&uuml;ssen. <\/p><p>So steckt die Linkspartei ohne Not in einem selbstverschuldeten Paradoxon. Da man wie ein kleines Kind im Sandkasten alles kategorisch ablehnt, was die AfD sagt, tritt man nun betont proeurop&auml;isch auf und hinterfragt die Strukturen der EU lieber erst gar nicht. Stattdessen sucht man sich halt neue W&auml;hler in hippen wohlgef&auml;lligen Milieus. Daf&uuml;r gibt&rsquo;s dann zwar Applaus aus der urbanen Echokammer, aber keine W&auml;hlerstimmen. Denn die neue Zielgruppe w&auml;hlt lieber die echten identit&auml;tspolitischen Hipster der Gr&uuml;nen und die verprellten Unzufriedenen w&auml;hlen aus Protest die AfD. Und f&uuml;r die &uuml;briggebliebenen Progressiven stellt sich nur noch die Frage, ob man &uuml;berhaupt noch ein kleineres &Uuml;bel w&auml;hlen soll oder nicht gleich in die innere Emigration gehen soll. Bis irgendwer aufsteht, wird sich daran wohl leider auch nichts &auml;ndern.<br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/ba0465b5bb0c4db0b58f905078610991\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/181122_kiri.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Katja Kipping und Bernd Riexinger haben sich so ihre Gedanken gemacht, wie sich die Linke programmatisch zur Europawahl im kommenden Mai <a href=\"https:\/\/www.die-linke.de\/fileadmin\/Wahlen_2018\/Europawahlprogrammentwurf_online.pdf\">aufstellen sollte<\/a>. Von einer grundlegenden Kritik an der EU und dem real existierenden politischen Europa will die Parteif&uuml;hrung jedoch nichts wissen. Folgerichtig<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47477\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,195,22,180,190],"tags":[1343,1473,632,1500,340],"class_list":["post-47477","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-die-linke","category-europaische-union","category-europaeische-vertraege","category-wahlen","tag-kipping-katja","tag-riexinger-bernd","tag-wagenknecht-sahra","tag-wahlprogramm","tag-zuwanderung"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/47477","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=47477"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/47477\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":47481,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/47477\/revisions\/47481"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=47477"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=47477"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=47477"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}