{"id":475,"date":"2005-02-26T16:27:33","date_gmt":"2005-02-26T14:27:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=475"},"modified":"2017-07-11T07:47:44","modified_gmt":"2017-07-11T05:47:44","slug":"wo-bleibt-die-reichtumsuhr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=475","title":{"rendered":"Wo bleibt die Reichtumsuhr?"},"content":{"rendered":"<p>T. S., ein Leser der NachDenkSeiten aus Erfurt, schickt mir einen Leserbrief, den die Th&uuml;ringer Landeszeitung am 25.2.05 ver&ouml;ffentlichte. Er kn&uuml;pft an der sogenannten &bdquo;Schuldenuhr&ldquo; an und hinterfragt die g&auml;ngige Argumentationslinie. Ein St&uuml;ck Aufkl&auml;rung. Danke.<br>\n<!--more--><br>\nEs folgt der Text des Leserbriefs: <\/p><p>&bdquo;Seit Jahren versuchen die &ouml;ffentlichen Haushalte zu sparen. Inzwischen geht es vielerorts an die Substanz. Erfolg hat es nicht gebracht. Die Verschuldung steigt trotzdem, die Lebensqualit&auml;t sinkt. Zwischen 1990 und 2000 stieg die Verschuldung der &ouml;ffentlichen Haushalte von 500 Milliarden auf 1200 Milliarden. Aus der Sicht des normalen Sparbuch-Inhabers be&auml;ngstigend. F&uuml;r viele dr&auml;ngt sich der Schluss auf, die Verschuldung sei zu hoch. <\/p><p>Doch zu hoch im Vergleich wozu? Im Vergleich zur Vorstellungskraft eines normalen Sparbuch-Inhabers sicherlich. Doch wie sieht es mit dem Vergleich zum Sparbuch der Nation, dem privaten Geldverm&ouml;gen, aus? Das private Geldverm&ouml;gen ist im Zeitraum zwischen 1990 und 2000 von 2000 Milliarden auf 3600 Milliarden gestiegen. Dieser Anstieg ist mehr als doppelt so hoch wie der Anstieg der &ouml;ffentlichen Verschuldung. <\/p><p>In der &ouml;ffentlichen Debatte oft &uuml;bersehen wird ein wichtiger Zusammenhang zwischen der steigenden &ouml;ffentlichen Verschuldung und dem steigenden privaten Geldverm&ouml;gen. Die Steuersenkungen zugunsten der Verm&ouml;genden in den vergangenen zwei Jahrzehnten zeigen ihre Wirkung. Der Staat verzichtet einerseits auf die Einnahme von Steuern aus sprudelnden Quellen und ist andererseits gezwungen, seine Unterfinanzierung &uuml;ber die Verschuldung wieder auszugleichen. Gleichzeitig profitieren die Verm&ouml;genden in zweifacher Hinsicht: Zum einen zahlen Spitzenverdiener und Verm&ouml;gende aufgrund der mehrfachen Senkung des Spitzensteuersatzes und der Nichterhebung der Verm&ouml;gensteuer weniger Steuern. Zum zweiten sind sie die Gl&auml;ubiger der &ouml;ffentlichen Verschuldung und erhalten vom Staat daf&uuml;r gute Zinsen. Aus diesem fundamentalen Zusammenhang, dass die Schulden des Staates zwangsl&auml;ufig die Forderungen seiner Gl&auml;ubiger sind, ergeben sich wichtige Konsequenzen: <\/p><p>1. Es gibt keinen Sparzwang. Entgegen den landl&auml;ufigen Vorstellungen verschwinden die Schulden des Staates nicht in einem schwarzen Loch, sondern sind auf der Habenseite der Gl&auml;ubiger eine stete Einnahmequelle. Die bekannte Schuldenuhr des Bundes der Steuerzahler k&ouml;nnte genauso eine &ldquo;Reichtumsuhr&rdquo; sein. <\/p><p><strong>R&uuml;ckzahltermin offen <\/strong><\/p><p>2. Der Staat muss seine Schulden nicht zur&uuml;ckzahlen. Den Gl&auml;ubigern w&uuml;rde eine wichtige Anlagem&ouml;glichkeit genommen. Es kommt tats&auml;chlich nicht darauf an, ob &ldquo;Th&uuml;ringen in 170 oder erst in 175 Jahren schuldenfrei ist&rdquo;. Im &Uuml;brigen hat diese Erkenntnis zur Folge, dass die H&ouml;he der &ouml;ffentlichen Verschuldung auf zuk&uuml;nftigen Wohlstand keinen Einfluss hat, weil den Schulden immer Forderungen in exakt der gleichen H&ouml;he gegen&uuml;berstehen, und zwar zu allen Zeiten. <\/p><p>3. Die Verm&ouml;gensteuer muss wieder erhoben werden. Der sogenannte &ldquo;negative Verteilungseffekt&rdquo;, dass die Gl&auml;ubiger der Staatsverschuldung Zinsen bekommen und durch ihr Verm&ouml;gen an sich eine besondere Leistungsf&auml;higkeit besitzen, muss durch die Verm&ouml;gensteuer wieder aufgefangen werden. Der Staat wird es sich auf Dauer nicht leisten k&ouml;nnen, auf gro&szlig;e Verm&ouml;gen und Erbschaften wenig oder gar keine Steuern zu erheben. <\/p><p>Es bleibt spannend, wie sich diese Erkenntnisse langsam, aber stetig durchsetzen.&ldquo;\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>T. S., ein Leser der NachDenkSeiten aus Erfurt, schickt mir einen Leserbrief, den die Th&uuml;ringer Landeszeitung am 25.2.05 ver&ouml;ffentlichte. Er kn&uuml;pft an der sogenannten &bdquo;Schuldenuhr&ldquo; an und hinterfragt die g&auml;ngige Argumentationslinie. Ein St&uuml;ck Aufkl&auml;rung. 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