{"id":47551,"date":"2018-12-01T11:45:56","date_gmt":"2018-12-01T10:45:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47551"},"modified":"2019-08-26T10:45:49","modified_gmt":"2019-08-26T08:45:49","slug":"serie-zur-novemberrevolution-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47551","title":{"rendered":"Serie zur Novemberrevolution \u2013 Teil 1"},"content":{"rendered":"<p><em>Vorbemerkung:<\/em> Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht in Kommentaren, R&uuml;ckblicken und Dokumentationen der Revolution gedacht wird, die vor 100 Jahren in Deutschland stattfand. Allerdings verf&auml;lscht die gro&szlig;e Mehrheit dieser Beitr&auml;ge das, um was es damals ging. Die tats&auml;chlichen  Errungenschaften der Revolution &ndash; Frieden, Frauenwahlrecht, demokratische Grundrechte &ndash; werden nicht ausreichend gew&uuml;rdigt. Die tats&auml;chlichen Ziele der Revolution &ndash; direkte Demokratie bzw. eine Kontrolle eines Parlamentes durch R&auml;te, gew&auml;hlt von der arbeitenden Bev&ouml;lkerung, werden so gut wie nie erw&auml;hnt. Und die tats&auml;chliche Gewalt, ausgehend von Freikorps, Reichswehr und fr&uuml;hen faschistischen Gruppen, mit der gegen diese berechtigten Forderungen und gegen die Arbeiterr&auml;te vorgegangen wurde, wird nicht nur verschwiegen. Meist wird die Wirklichkeit auf den Kopf gestellt und behauptet, die Revolution selbst sei gewaltt&auml;tig gewesen.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3708\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-47551-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181210_Novemberrevolution_Teil_1_Mixdown_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181210_Novemberrevolution_Teil_1_Mixdown_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181210_Novemberrevolution_Teil_1_Mixdown_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181210_Novemberrevolution_Teil_1_Mixdown_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=47551-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181210_Novemberrevolution_Teil_1_Mixdown_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"181210_Novemberrevolution_Teil_1_Mixdown_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Wir bringen auf den NachDenkSeiten in drei Teilen einen ausf&uuml;hrlichen Text von <strong>Winfried Wolf<\/strong> zur Novemberrevolution, zur Bayerischen R&auml;terepublik und zur aktuellen Debatte &uuml;ber diese Ereignisse. Diesem Text lag urspr&uuml;nglich ein in Kassel und Stuttgart gehaltenes Referat des Verfassers zugrunde, welches sich vor allem auf Klaus Gietinger, <em>Der verpasste Fr&uuml;hling<\/em>, auf Sebastian Haffner, <em>Der Verrat<\/em> und auf Richard M&uuml;ller, <em>Die Geschichte der Revolution<\/em> st&uuml;tzt.<\/p><p>Der erste Teil hat drei Ereignisse zum Thema, die der Novemberrevolution vorausgingen und die zum Verst&auml;ndnis dieser Revolution wichtig sind: (1) die Sturzgeburt der deutschen Einheit und des Deutschen Reichs 1871,  (2) der Erste Weltkrieg und (3) der 3. Oktober 1918, als inmitten des Kriegs bereits eine parlamentarische Regierung mit zwei SPD-Ministern gebildet wurde &ndash; noch zu Kaisers Zeiten. Und als sich die Verantwortlichen f&uuml;r den Ersten Weltkrieg aus dem Staub machten und damit die Steilvorlage f&uuml;r die &bdquo;Dolchsto&szlig;-Legende&ldquo; schufen.<\/p><p><strong>Novemberrevolution und Bayerische R&auml;terepublik <\/strong><br>\n<strong>Begeisternde Versuche einer direkten Demokratie und die Debatten am 100. Jahrestag<\/strong><\/p><p><em>Von Winfried Wolf<\/em><\/p><p>In Deutschland ist das Wort &bdquo;Revolution&ldquo; eher negativ besetzt. Eine &bdquo;revolutio&ldquo; &ndash; eine Umw&auml;lzung; ein Zur&uuml;ckw&auml;lzen und ein entsprechender Prozess &bdquo;revolvere&ldquo;, eigentlich: &bdquo;zur&uuml;ckdrehen&ldquo;, &bdquo;in einen urspr&uuml;nglichen, legitimen Zustand versetzen&ldquo;: das sind Fremdw&ouml;rter, die man im politischen Diskurs in deutschen Landen eher mit spitzen Fingern anfasst. Wobei das vor allem f&uuml;r die <em>deutsche<\/em> Geschichte und f&uuml;r Politik in <em>Deutschland<\/em> gilt. Die <em>Franz&ouml;sische<\/em> Revolution, die <em>Russischen<\/em> Revolutionen 1905 und (im Februar und November) 1917, die <em>chinesische<\/em> Revolution 1949, dann vielleicht auch noch die <em>kubanische<\/em> Revolution 1959 und die Revolution in <em>Nicaragua<\/em> 1979: das mag noch angehen. In der deutschen Geschichte wird bestenfalls die Revolution von 1848 neutral und latent positiv gesehen.<\/p><p>Doch die Novemberrevolution 1918? Gar die Bayerische R&auml;terepublik? Die werden vielfach vergessen oder als Putsch, als &bdquo;spartakistisch&ldquo;, als &bdquo;bolschewistisch&ldquo; und als Gewaltausbruch dargestellt.<\/p><p>Es handelte sich jedoch um eine reale, um eine tats&auml;chliche Revolution. Um die gr&ouml;&szlig;te, die es in der bisherigen deutschen Geschichte gab &ndash; um eine Revolution mit einer echten Massenbasis, ja, mit einer weit gr&ouml;&szlig;eren demokratischen Grundlage, als es eine solche 1848 in Deutschland oder 1917 in Russland gab. Es war auch eine &auml;u&szlig;erst demokratische Revolution. Es war eine h&ouml;chst gutm&uuml;tige und &ndash; soweit es die Revoltierenden und die Revolution&auml;re betrifft &ndash; eine weitgehend unblutige.<\/p><p>Es handelt sich auch um eine Revolution, die <em>Bleibendes<\/em> schuf. Es waren die Novemberrevolution und ihre Vorl&auml;ufer, die Massenstreiks in der deutschen R&uuml;stungsindustrie, die das Kriegsende erzwangen und die den Frieden m&ouml;glich machten. Die Monarchie und die Feudalherrschaft wurden im November 1918 beseitigt: Danach wurde nie mehr, auch nicht in der NS-Zeit und auch nicht nach Ende des Zweiten Weltkriegs &uuml;ber die Wiedereinf&uuml;hrung der Monarchie diskutiert. Der Kaiser und die feudalen Zeiten waren ab November 1918 endg&uuml;ltig diskreditiert. Ein Referendum &uuml;ber die Monarchie, wie es ein solches 1946 in Italien nach dem Untergang des Faschismus gegeben hatte, stand in Deutschland respektive in Westdeutschland nie zur Debatte.[<a class=\"footnote\" href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]<\/p><p>Erreicht wurde im November 1918 &ndash; und zwar bereits f&uuml;r die Wahl zu den Arbeiter- und Soldatenr&auml;ten im November &ndash; auch das allgemeine <em>Frauenwahlrecht<\/em> &ndash; das selbst im &bdquo;Kommunistischen Manifest&ldquo; nicht vorgesehen war (auch wenn es damals, z.B. von Flora Tristan, l&auml;ngst gefordert wurde). Verbreitung fand in der Novemberrevolution ein <em>Modell direkter Demokratie auf der Grundlage von Arbeiterr&auml;ten<\/em>, das im Grunde zutiefst demokratisch war und bei dem eine Gleichsetzung mit &bdquo;Bolschewismus&ldquo; oder gar Diktatur verfehlt erscheint. Es ist erschreckend, wenn sich im Rahmen des 100-j&auml;hrigen Gedenkens an die Novemberrevolution Mark Jones, ein Historiker aus Irland, in der <em>Frankfurter Rundschau<\/em> just in einem solchen Tenor &auml;u&szlig;ert: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Es gab eine tats&auml;chlich linke Gefahr. Anh&auml;nger des Spartakus-Bundes waren mit Maschinengewehren unterwegs. [&hellip;] Die unmittelbare Gefahr f&uuml;r die Republik kam 1918\/19 nicht von rechts, sondern von links. [&hellip;] Furchteinfl&ouml;&szlig;end war die Tatsache, dass etwa zwei Millionen russische Kriegsgefangene in Deutschland waren [&hellip;] Was w&auml;re, wenn es Karl Liebknecht gel&auml;nge, diese zwei Millionen Russen zu mobilisieren.&ldquo;[<a class=\"footnote\" href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>Bereits 1963 verfasste der SPD-Politiker und sp&auml;tere nieders&auml;chsische Kultusminister Peter von Oertzen eine richtungsweisende Studie, in der er den demokratischen Charakter der Revolution und die demokratische Struktur der R&auml;te ins Zentrum r&uuml;ckte. Er konstatierte damals: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Es scheint mir kein Zufall zu sein, dass die herk&ouml;mmliche Historie der Novemberrevolution die R&auml;te meistens nicht nur schief, sondern praktisch gar nicht dargestellt hat.&ldquo;[<a class=\"footnote\" href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>In der Regel werden im Zusammenhang mit dem, was die Novemberrevolution an &bdquo;Bleibendem&ldquo; schuf, auch die sp&auml;ter in der Weimarer Republik verankerten Betriebsr&auml;te erw&auml;hnt. Das ist allerdings einigerma&szlig;en ambivalent: Die in der Weimarer Republik zugestandene Form der Betriebsr&auml;te waren per Paragraf 165 der Weimarer Verfassung gesetzlich dazu verpflichtet, zum Wohle der Besch&auml;ftigten und des Betriebs zusammenzuarbeiten. Das aber ist etwas deutlich anderes als die Arbeiterr&auml;te in der Novemberrevolution, bei denen es sich um Organe einer direkten Interessenvertretung der arbeitenden Klasse handelte &ndash; ohne Verpflichtung zu einer Zusammenarbeit mit &bdquo;den Betrieben&ldquo;, also mit den Unternehmern. <\/p><p>Die entscheidende Frage lautet: <em>WARUM<\/em> wird die Novemberrevolution seit einem Jahrhundert derart kleingeredet, warum so gern vergessen, warum derartig denunziert? Die Antwort lautet: Das hat viel mit dem <em>Verrat<\/em> an der Revolution zu tun und damit, dass die ma&szlig;geblichen Verr&auml;ter der Weimarer Republik  ihren Stempel aufdr&uuml;ckten und dass diejenigen, die in der politischen Tradition dieser Verr&auml;ter stehen, seit 1949 die Bundesrepublik Deutschland pr&auml;gen. Damit haben sie auch die offizielle Geschichtsschreibung ma&szlig;geblich mitbestimmt. Allein der Umstand, dass ich am Vorabend des hundertsten Jahrestages der Novemberrevolution in Kassel im &bdquo;Philipp-Scheidemann&ldquo;-Saal (in der Universit&auml;t) sprach, ist grotesk: Scheidemann war ma&szlig;geblich am Verrat dieser demokratischen Revolution beteiligt. Die Tatsache, dass nur ein paar Steinw&uuml;rfe vom Ort dieser Veranstaltung entfernt, in Wilhelmsh&ouml;he, eine geheime Telefonleitung endete, &uuml;ber die in Berlin der f&uuml;hrende SPD-Mann, Friedrich Ebert, regelm&auml;&szlig;ig mit der Obersten Heeresleitung, die im nicht-revolution&auml;ren Kassel  und dort in den R&auml;umen der ehemals kaiserlichen Residenz, ihr Hauptquartier hatte, verbunden war, spricht B&auml;nde. Die Tatsache, dass die SPD ihre Stiftung nach dem Mann benennt, der f&uuml;r die Ermordung Tausender Arbeiterinnen und Arbeiter Mitverantwortung tr&auml;gt, und dass diese Friedrich-Ebert-Stiftung in unserer Gesellschaft und f&uuml;r Gewerkschaften eine wichtige Rolle spielt, ist h&ouml;chst irritierend. Wenn dann noch im Juli 2018, also im Vorfeld des 100. Jahrestages der Revolution, die SPD ihre Historische Kommission aufl&ouml;ste, eine Gruppe von Historikern, die just zum 100. Jahrestag der Revolution eine Tagung durchf&uuml;hren wollte, dann rechtfertigt dies die Feststellung des (letzten) Vorsitzenden dieser Kommission, Horst Faulenbach, wonach die Entscheider im SPD-Vorstand von einer &bdquo;gewissen Geschichtslosigkeit&ldquo; gepr&auml;gt seien. Faulenbach: &bdquo;Die sind immer im Heute. Die haben kein Gestern, und deshalb leider auch kein Morgen.&ldquo;[<a class=\"footnote\" href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>]<\/p><p>Und dann gibt es den 9. November 1938. Vielerorts liest man, <em>beide<\/em> Termine &ndash; der 9. November 1918 mit der Revolution und der 9. November 1938 mit der sog. Reichspogromnacht, der Auftakt zur massenhaften Verfolgung der J&uuml;dinnen und Juden &ndash;  geh&ouml;rten zusammen. Gelegentlich werden am hundertsten Jahrestag beide Termine nachgerade gewaltsam zusammengepresst. So hie&szlig; es am 9. November 2018 in der FAZ auf Seite 1 unter dem Foto einer brennenden Synagoge: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;War dies nicht der Tag, an dem 1938 ein organisierter Mob  Jagd auf Juden machte und Synagogen [&hellip;] anz&uuml;ndete? Und waren nicht 1918 an jenem Tag viele geschockt, als sie vom Sturz des Kaisers und der Ausrufung der Republik h&ouml;rten?&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Warum folgt man mit diesem Verr&uuml;hren von zwei h&ouml;chst unterschiedlichen Ereignissen dem Diktat und der Propaganda der Nazis? Klargestellt werden muss, was heute niemand sagt: Die &bdquo;Reichspogromnacht&ldquo; wurde auf den Tag &bdquo;9. November&ldquo; gezielt gelegt; da war kein blinder geschichtlicher Prozess am Walten. Es war auch nicht irgendein &bdquo;organisierter Mob&ldquo;, der da Jagd auf Menschen machte. Den Mob stellten vor allem SA und SS; die Organisatoren waren Himmler, Goebbels, G&ouml;ring und Hitler. Und der Tag wurde ausgew&auml;hlt von den F&uuml;hrern der SS, der SA und der NSDAP, den legitimen Nachfolgern der Freikorps, die die Arbeiterinnen und Arbeiter in Deutschland im Zeitraum Dezember 1918 bis weit in die 1920-er Jahre hinein zu Tausenden ermordet hatten. Viele NS-F&uuml;hrer waren selbst als Freikorps-M&ouml;rder aktiv gewesen. Eines dieser Freikorps trug seit Januar 1920 das Hakenkreuz auf dem Helm. Indem die Nazis denselben Tag, den &bdquo;9. November&ldquo;, f&uuml;r den Auftakt zur Judenverfolgung w&auml;hlten, wollten sie jede  positive Erinnerung an die Novemberrevolution ausl&ouml;schen und jede Identifikation der deutschen Bev&ouml;lkerung im Allgemeinen und der deutschen arbeitenden Klasse im Besonderen mit der Revolution zerst&ouml;ren. &bdquo;Der Jude war&acute;s, der Schande &uuml;ber Deutschland brachte&ldquo; &ndash; das war die Botschaft, die das NS-Regime mit der sogenannten Reichspogromnacht am 9. November 1938 verbreiten wollte. Ein Goebbels-Coup, der offensichtlich bis heute von Erfolg gekr&ouml;nt ist. Die beiden Tage 9. November 1918 und 9. November 1938 haben nur insoweit etwas miteinander zu tun, als es diesen beschriebenen <em>demagogischen und aufgezwungenen<\/em> Zusammenhang gibt. Sie m&uuml;ssen von uns strikt getrennt gesehen und gew&uuml;rdigt werden.<\/p><p><strong>Es gibt <em>drei wichtige geschichtliche Entwicklungen<\/em>, die darzustellen sind, wenn man die Novemberrevolution verstehen will:<\/strong><\/p><p><em>Erstens<\/em> die Sturzgeburt der deutschen Nationalstaatsbildung 1871. <em>Zweitens<\/em> der Erste Weltkrieg als ein von den deutschen Eliten bewusst herbeigef&uuml;hrter Krieg mit den Zielen wirtschaftlicher und politischer Expansion. Und <em>drittens<\/em> das Datum 3. Oktober 1918, als &ndash; noch inmitten des Kriegs &ndash;  in Deutschland erstmals eine parlamentarische Demokratie eingef&uuml;hrt wurde. Bei allen drei Ereignissen gab es eine spezifische Entwicklung der Sozialdemokratie und insbesondere der SPD-F&uuml;hrung, die erheblich dazu beitrug , dass die SPD-F&uuml;hrung so agierte, wie sie dann in der Novemberrevolution und in den Jahren danach agierte.<\/p><p><strong>Erste Voraussetzung: die Sturzgeburt deutscher Nationalstaat<\/strong><\/p><p>Die b&uuml;rgerliche Revolution von 1848 war bekanntlich gescheitert. Dies war ein missgl&uuml;ckter, eher zaghafter Versuch, ein einheitliches Deutschland herzustellen und den Feudalismus zu beseitigen. Damals schreckte das deutsche B&uuml;rgertum bereits vor dem jungen Proletariat zur&uuml;ck und ging ein B&uuml;ndnis mit den M&auml;chten des alten Regimes, den Junkern, F&uuml;rsten und K&ouml;nigen, ein. Die Kleinstaaten blieben bestehen. Ab 1866 gab es mit dem Norddeutschen Bund, in dem Preu&szlig;en die Vormachtstellung hatte,  eine Freihandelsvereinbarung. Diese hatte &uuml;brigens erstaunlich viel &Auml;hnlichkeit mit der heutigen EU, in der die Bundesrepublik Deutschland die dominierende Position innehat. Doch eine deutsche Einheit konnte auf rein wirtschaftlichem Weg nicht hergestellt werden. Selbst der Norddeutsche Bund war das Ergebnis eines Krieges, desjenigen zwischen &Ouml;sterreich und Preu&szlig;en 1866.<\/p><p>Gleichzeitig aber entwickelte sich der Kapitalismus und suchte objektiv nach einer breiteren Basis. Doch er war in das Korsett von Kleinstaaten eingezw&auml;ngt. <\/p><p>Am 19. Juli 1870 erkl&auml;rte der franz&ouml;sische Kaiser Napoleon III Preu&szlig;en den Krieg, durchaus provoziert seitens Preu&szlig;en (&bdquo;Emser Depesche&ldquo;). Wobei nat&uuml;rlich die Elite in Frankreich ihrerseits erwartete, dass mit einem solchen Krieg die &ouml;konomische Basis des franz&ouml;sischen Kapitalismus erweitert werden k&ouml;nnte. Die franz&ouml;sischen Armeen unterlagen den von Preu&szlig;en angef&uuml;hrten Heeren des Norddeutschen Bundes und der s&uuml;ddeutschen Staaten. Die s&uuml;ddeutschen Staaten hatten sich dem Norddeutschen Bund und damit Preu&szlig;en angeschlossen, womit eine deutsche Einheit faktisch inmitten des Kriegsgeschehens und <em>durch den Krieg<\/em> hergestellt wurde. Damit wurde das urspr&uuml;nglich demokratische Ziel von Nationalstaatlichkeit und Einheit in dreifacher Weise ins Undemokratische verkehrt: <\/p><p><em>Erstens<\/em> kam es am 18. Januar 1871 auf dem Gebiet der Besiegten und im Spiegelsaal von Versailles zur &bdquo;Kaiserproklamation&ldquo;, was in Frankreich als Dem&uuml;tigung und Provokation empfunden wurde. <em>Zweitens<\/em> einverleibte sich das neue Deutsche Reich die franz&ouml;sischen Gebiete Elsass und Lothringen als Kriegsbeute, was bereits eine schwere Hypothek darstellte und mit zu den harten Bedingungen des Versailler Vertrags beitrug. <em>Drittens<\/em> gab es einen fatalen Deal zwischen den siegreichen Deutschen und der neuen franz&ouml;sischen Regierung: Berlin lie&szlig; die franz&ouml;sischen Kriegsgefangenen frei, damit diese den Aufstand in Paris &ndash; die Pariser Kommune &ndash; zusammenschie&szlig;en und Tausende Revolution&auml;re abschlachten konnten. Wof&uuml;r Preu&szlig;en bzw. das neue Deutsche Reich als Gegenleistung die erste Reparationszahlung erhielt. <\/p><p>Reichskanzler Bismarck erkl&auml;rte diesen Zusammenhang vor dem Reichstag wie folgt: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Nach der milit&auml;rischen Lage der Dinge d&uuml;rfen wir hoffen, dass der Kampf vor und in Paris sich seinem Ende n&auml;hert. Sobald die Truppen der [franz&ouml;sischen] Regierung siegreich sein werden &ndash; wozu wir die Mittel jetzt [&hellip;] durch verst&auml;rkte Freilassung der Gefangenen breitwillig gew&auml;hren werden &ndash; , wird innerhalb von drei&szlig;ig Tagen eine erste Zahlung von f&uuml;nfhundert Millionen Franken stattzufinden haben.&ldquo;[<a class=\"footnote\" href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>Wir hatten ab diesem Zeitpunkt einen deutschen Nationalstaat, der durch einen Krieg zustande kam, der mit der Niederschlagung einer Arbeiterrevolution in Verbindung stand und der mit einer &bdquo;Erbfeindschaft&ldquo; belastet war. In der Verfassung des deutschen Nationalstaats waren nur wenige demokratische Rechte und Institutionen verankert: Es galt ein Dreiklassenwahlrecht (ein nach Einkommen strukturiertes St&auml;ndewahlrecht); die Position des Reichstags war &auml;u&szlig;erst schwach &ndash; das Parlament diente vor allem dem Dampfablassen. Die Herrschaft der Junker und K&ouml;nige &ndash; letztere auf Landesebene &ndash; blieb bestehen. Die nun einsetzende gewaltige &ndash; und vier Jahrzehnte w&auml;hrende &ndash; kapitalistische Expansion wurde in starkem Ma&szlig; durch die aufgezwungenen Reparationsleistungen, die Frankreich zu bezahlen hatte, finanziert. Diese sehr hohe Belastung mit Reparationszahlungen trug zus&auml;tzlich dazu bei, dass nach dem Ersten Weltkrieg die Siegerm&auml;chte ihrerseits im Versailler Vertrag Deutschland kaum finanzierbare Reparationen auferlegten.<\/p><p>In diesem widerspr&uuml;chlichen Rahmen wurde die Sozialdemokratie gebildet. Sie entwickelte sich trotz des langj&auml;hrigen Verbots sozialistischer Bet&auml;tigung (&bdquo;Sozialistengesetze&ldquo; von 1878 bis 1890) zur st&auml;rksten Partei im Reich und auch zur gr&ouml;&szlig;ten Arbeiterpartei in Europa. 1914 z&auml;hlte die SPD eine Million Mitglieder. Zwischen 1890 und 1914 wuchs die W&auml;hlerschaft der SPD von eineinhalb auf viereinhalb Millionen Stimmen. Die SPD-F&uuml;hrung war in diesen Jahrzehnten mit st&auml;ndigem wirtschaftlichen Wachstum bei gleichzeitigem, explosionsartigem Wachstum der Partei erheblichen Einfl&uuml;ssen ausgesetzt, die in Richtung Integration in die b&uuml;rgerliche Gesellschaft wirkten und die nur eine &auml;u&szlig;erst bewusste und moralisch integre F&uuml;hrung  h&auml;tte parieren k&ouml;nnen. <\/p><p>Sp&auml;testens ab den 1890-er Jahren gab es in der SPD heftige Auseinandersetzungen um die Fragen Beibehaltung der sozialistischen Zielsetzungen und Nein zu jedem imperialistischen Krieg.  <\/p><p><strong><em>Zweite Voraussetzung: Der Erste Weltkrieg<\/em><\/strong><\/p><p>Es hei&szlig;t: &bdquo;Der Erste Weltkrieg brach am 4. August 1914  aus&ldquo;. Nat&uuml;rlich brach dieser nicht einfach so aus &ndash; wie ein Naturereignis. Oder wie von Christopher Clark in dem Buch &bdquo;Die Schlafwandler&ldquo; behauptet, indem die Politiker in London, Paris, Moskau und Rom in den Krieg schlafwandelnd hineinstolperten.[<a class=\"footnote\" href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>] Dieser Krieg wurde, wie Hunderte vor ihm, von Menschen gemacht und war von materiellen Interessen bestimmt.<\/p><p>Die entscheidende Triebkraft, die zum Ersten Weltkrieg f&uuml;hrte, resultierte aus dem Charakter des Deutschen Reichs als eines &bdquo;zu sp&auml;t gekommenen Imperialismus&ldquo;. Damit ist gemeint: Als Deutschland endlich ein einigerma&szlig;en geeinter &ndash; kapitalistischer &ndash; Nationalstaat war, war die koloniale Beute unter den &uuml;brigen f&uuml;hrenden kapitalistischen &ndash; imperialistischen &ndash; L&auml;ndern bereits verteilt: der britische, der franz&ouml;sische &ndash; teilweise auch der spanische, der portugiesische, der holl&auml;ndische, der japanische und der US-amerikanische &ndash; Imperialismus hatten sich den &uuml;berw&auml;ltigenden Teil der daf&uuml;r in Frage kommenden, lukrativen Gebiete in Asien und Afrika unter den Nagel gerissen. Das, was das neue deutsche Reich noch erbeuten konnte, war &ndash; aus Sicht der gro&szlig;en Unternehmer, der Bank-Bosse, der Regierung und der Kolonialvereine &ndash; eher &bdquo;zweite Wahl&ldquo;. W&auml;hrend vor allem Gro&szlig;britannien und Frankreich aus ihren kolonialen &bdquo;Erwerbungen&ldquo; gigantische Gewinne bezogen und damit ihre jeweilige industrielle Entwicklung finanzierten und den Binnenmarkt befeuerten, d&uuml;rften die eher bescheidenen Kolonialgebiete, die das Deutsche Reich sich aneignen konnte, in der Gesamtbilanz nie Nettogewinne an das Heimatkapital abgef&uuml;hrt haben. In Deutschland entwickelte sich die Parole, man wolle endlich auch &bdquo;einen Platz an der Sonne&ldquo; haben. Eine Losung, die Ende des 19. Jahrhunderts auch in rechten SPD-Kreisen an Unterst&uuml;tzung gewann &ndash; so bei dem SPD-Politiker Gustav Noske, der ab 1906 Reichstagsabgeordneter war.<\/p><p>Im Rahmen dieses &bdquo;zu sp&auml;t gekommenen Imperialismus&ldquo; entwickelten die Eliten in Deutschland Pl&auml;ne f&uuml;r eine Kapitalexpansion <em>mit milit&auml;rischen Mitteln<\/em>. Der Schlieffen-Plan war eine Konkretisierung dieses Gedankens. Die Milit&auml;rs im Deutschen Reich entwickelten den Plan f&uuml;r einen Angriffskrieg, mit dem zun&auml;chst im Westen, vor allem gegen&uuml;ber Frankreich, in einem &bdquo;Blitzkrieg&ldquo; ein Erfolg erreicht werden sollte. Danach sollten so gut wie alle Kr&auml;fte gen Osten geworfen und dort &ndash; vor allem gegen&uuml;ber Russland &ndash; ein Krieg entfesselt werden. Der Schlieffen-Plan war der Plan f&uuml;r einen Angriffskrieg an zwei Fronten. Es war ein Plan zur Unterwerfung Europas unter eine deutsche Kontrolle.<\/p><p>Er wurde konkretisiert durch Dutzende &bdquo;Denkschriften&ldquo;, mit denen f&uuml;hrende deutsche Unternehmer und Banker w&auml;hrend des Krieges deutlich machten, dass das Ziel eine gewaltige Erweiterung des deutschen Reichsgebiets war. Exemplarisch sei hier aus einem solchen Dokument &uuml;ber &bdquo;die zuk&uuml;nftige Gestaltung Europas&ldquo; zitiert, das August Thyssen, der Eigent&uuml;mer des zweitgr&ouml;&szlig;ten deutschen Stahlkonzerns im September 1914  &ndash; also wenige Wochen nach Kriegsbeginn &ndash; an die Reichsregierung richtete. Dort hei&szlig;t es u.a.: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Unsere Armee ist gradezu [sic] gro&szlig;artig. [&hellip;] Ich sehe ein, wie gro&szlig; und k&uuml;hn man in Berlin alles plante [&hellip;] Die Zeit kommt n&auml;her, wo wir [&hellip;) den Friedensvertrag vorbereiten m&uuml;ssen. [&hellip;] Werden wir den Krieg so glorreich durchf&uuml;hren, wie wir ihn begonnen haben, dann werden wir Frankreich und Russland niederwerfen und beiden Staaten die Bedingungen [&hellip;] diktieren k&ouml;nnen. [&hellip;] Was zun&auml;chst das westliche Gebiet anbelangt, so bin ich der Meinung, dass Belgien, die [franz&ouml;sischen; W.W.] Departements du Nord und Pas de Calais mit den H&auml;fen D&uuml;nkirchen und Boulogne, das Departement Meurthe und Moselle mit dem franz&ouml;sischen Festungsg&uuml;rtel und der Maas als Grenze bis zur H&ouml;he von Givet und im S&uuml;den die Departements Vosges und Haut-Saone mit der Festung Belfort dem Reiche als Reichsland einverleibt werden m&uuml;ssen. Russland muss uns die Ostseeprovinzen, vielleicht Teile von Polen und [das] Don-Gebiet mit Odessa, die Krim, sowie asowisches Gebiet und den Kaukasus abtreten, um auf dem Landwege Kleinasien und Persien zu erreichen. [&hellip;] Wir werden nur dann eine Weltmachtstellung erreichen k&ouml;nnen, wenn wir jetzt nach dem Kaukasus und Kleinasien kommen, um England in &Auml;gypten und Indien [&hellip;] erreichen zu k&ouml;nnen.&ldquo;[<a class=\"footnote\" href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>Der Weltkrieg wurde von der deutschen bzw. von der &ouml;sterreichisch-habsburgischen Seite begonnen &ndash; was die Bombardierung von Belgrad durch die &ouml;sterreichische Armee ab dem 29. Juli 1914, der Einfall der deutschen Einheiten in das neutrale Gro&szlig;herzogtum Luxemburg am 2. August und der Einmarsch der deutschen Armeen in das neutrale Belgien am 4. August 1914 dokumentieren. Es war dann auch das Deutsche Reich, das diesen Krieg als erstes mit extrem brutalen und v&ouml;lkerrechtswidrigen Mitteln f&uuml;hrte. Das gilt f&uuml;r den unbeschr&auml;nkten U-Boot-Krieg: deutsche U-Boote griffen hunderte zivile Schiffe an und versenkten sie. Das gilt f&uuml;r die Massaker, die deutsche Truppen in Belgien und die &ouml;sterreichischen Truppen in Serbien an der Zivilbev&ouml;lkerung ver&uuml;bten. Und das wird mit dem Einsatz von Giftgas an der Front dokumentiert, den die deutschen Milit&auml;rs als Erste begonnen hatten und der vor allem auf Seiten der Kriegsgegner zehntausende Opfer forderte.[<a class=\"footnote\" href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>] <\/p><p>In diesem Krieg spielte in Deutschland im &Uuml;brigen Antisemitismus eine gro&szlig;e Rolle. Juden  wurden als Verantwortliche f&uuml;r die unzureichende Lebensmittelversorgung im Reich hingestellt. Die Rede war von einem &bdquo;System Rathenau&ldquo;: Juden h&auml;tten einen zu gro&szlig;en Einfluss im Wirtschaftsleben, worauf der Industrielle Walter Rathenau (AEG) im M&auml;rz 1915 die Leitung der Kriegsrohstoffabteilung im preu&szlig;ischen Kriegsministerium niederlegte. Am 11. November 1916 veranlasste der preu&szlig;ische Kriegsminister Wild von Hohenborn eine &bdquo;Judenz&auml;hlung&ldquo; im deutschen Heer, um zu pr&uuml;fen, inwieweit die j&uuml;dische Bev&ouml;lkerung in ausreichendem Ma&szlig; ihren &bdquo;vaterl&auml;ndischen Verpflichtungen nachkommen&ldquo; w&uuml;rde.[<a class=\"footnote\" href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>]<\/p><p>W&auml;hrend des gesamten Kriegs spielte die SPD eine entscheidende Rolle. Ohne sie h&auml;tte der deutsche Angriffskrieg nicht in dieser Form gef&uuml;hrt werden k&ouml;nnen &ndash; ja, er w&auml;re wohl dann verhindert worden, wenn die SPD an ihrer bis Juli 1914 praktizierten Anti-Kriegshaltung festgehalten, gegen den Krieg mobilisiert und im Reichstag gegen die Kriegskredite gestimmt h&auml;tte. Die F&uuml;hrungen von SPD und Gewerkschaften hatten beim Nahen des Krieges zun&auml;chst die Bef&uuml;rchtung, es k&ouml;nne der Belagerungszustand ausgerufen und damit die Bewegungsfreiheit der SPD-F&uuml;hrung massiv eingeschr&auml;nkt, eine allgemeine Zensur verh&auml;ngt, SPD-Zeitungen verboten und Streiks grunds&auml;tzlich untersagt werden. Doch der Obersten Heeresleitung und der Reichsf&uuml;hrung mit Kaiser und Kanzler war klar, dass die &bdquo;Front im Inneren&ldquo; stehen musste, wollte man den geplanten Krieg nach au&szlig;en f&uuml;hren. Es gab Absprachen mit der SPD-F&uuml;hrung &uuml;ber einen de-facto-Tausch: Zustimmung der SPD im Reichstag zu den Kriegskrediten gegen die weitgehend ungehinderte Weiterexistenz der SPD w&auml;hrend des Krieges. Wobei der entsprechende SPD-Verrat an den eigenen Antikriegszielen nicht vom Himmel fiel. Er entsprach der skizzierten Langzeitanpassung der SPD-F&uuml;hrung an den kaiserlich-b&uuml;rgerlichen Nationalstaat. Bereits im November 1913, zehn Monate vor dem Krieg, verk&uuml;ndete der sozialdemokratische Gewerkschaftsf&uuml;hrer Gustav Bauer, die Kriegsfrage sei &bdquo;keine prinzipielle&ldquo; mehr, sondern &bdquo;ein taktisches Problem: Es gilt f&uuml;r das Proletariat abzuw&auml;gen, ob der Krieg Vorteile bringen k&ouml;nne oder nicht und danach ist ihr Verhalten auszurichten.&ldquo;[<a class=\"footnote\" href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>]<\/p><p>Und so stimmte die SPD-Reichstagsfraktion bei einer internen Abstimmung mit 96 zu 14 Stimmen f&uuml;r die Kriegskredite. Im Reichstag selbst galt am 4. August 1914 dann die Fraktionsdisziplin, die von allen eingehalten wurde: <em>alle<\/em> SPD-Abgeordneten, Karl Liebknecht eingeschlossen, stimmten f&uuml;r die Kriegskredite. Hugo Haase, ein Kriegsgegner, musste im Reichstag die Rede zur Begr&uuml;ndung f&uuml;r das SPD-Ja zu den Kriegskrediten halten &ndash; m&uuml;ndend in dem ber&uuml;hmt-ber&uuml;chtigten Satz: &bdquo;Wir lassen das Vaterland in der Stunde der Gefahr nicht im Stich.&ldquo; Worauf der Kaiser die klassische Antwort gab: &bdquo;Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche.&ldquo; Diese Schmieren<em>trag&ouml;die<\/em> erfolgte zu einem Zeitpunkt, als viele Zehntausende  Mitglieder von SPD und Gewerkschaften gegen den Krieg auf der Stra&szlig;e demonstrierten &ndash; insgesamt waren es im Juli 1914 rund 750.000. Die von der SPD-Reichstagsfraktion demonstrierte Einstimmigkeit zugunsten des von Deutschland ausgehenden Kriegs musste absolut entwaffnend wirken.<\/p><p>Erst im Dezember 1914 gab es im Reichstag eine erste Stimme gegen den Krieg. Karl Liebknecht wagte als einziger diesen Schritt. Er war seit diesem Zeitpunkt die Symbolfigur im Widerstand gegen den Krieg. Dies trug wesentlich dazu bei, dass er am 15. Januar 1919 ermordet wurde.<\/p><p>Zwar spaltete sich die SPD 1916 noch w&auml;hrend des Krieges. Genauer gesagt: Die SPD schloss die Kriegsgegner aus; diese versammelten sich ab diesem Zeitpunkt in der Unabh&auml;ngigen Sozialdemokratie; der USPD. Doch die Mehrheitssozialdemokratie, die auch nach dem Weltkrieg die Mehrheit der Arbeiterinnen und Arbeiter hinter sich wusste, unterst&uuml;tzte bis zum Kriegsende den Krieg und stimmte unter anderem f&uuml;r immer neue Kriegskredite. Sie  engagierte sich auch in den Streiks gegen den Krieg &ndash; zu deren Verhinderung, Verk&uuml;rzung und f&uuml;r deren Abw&uuml;rgen. Sie bzw. sozialdemokratische Gewerkschaftsf&uuml;hrer waren auch zu einer engen Zusammenarbeit mit den Milit&auml;rs bereit und lieferten an diese Listen mit Streikf&uuml;hrern, die darauf meist eingezogen und zum Einsatz an der Front  abkommandiert wurden.[<a class=\"footnote\" href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>] Es ist offensichtlich, dass der Krieg eine wichtige Schule war, um die SPD-F&uuml;hrung auf das vorzubereiten, was sie dann in der Revolution tat.<\/p><p><em><strong>Dritte Voraussetzung: Eine Regierung mit SPD-Ministern am 3. Oktober 1918<\/strong><\/em><\/p><p>In der offiziellen Geschichtsschreibung hei&szlig;t es, mit dem Kriegsende am 9. November 1918 habe es eine erste parlamentarische Regierung mit SPD-Beteiligung gegeben. Das ist unrichtig. Vergleichbares erfolgte bereits gut einen Monat fr&uuml;her; am 3. Oktober 1918. An diesem Tag wurde in Deutschland die parlamentarische Demokratie eingef&uuml;hrt und eine neue Regierung gebildet, der der SPD-F&uuml;hrer Philipp Scheidemann und der SPD-Gewerkschaftsf&uuml;hrer Gustav Bauer als Staatssekret&auml;re (das war die damalige Bezeichnung f&uuml;r Minister) angeh&ouml;rten. Diese Interimsregierung mit der SPD auf dem Klappsitz durfte dann, wie von der Obersten Heeresleitung gefordert, ein Waffenstillstandsgesuch beim US-Pr&auml;sidenten Wilson einreichen. Und es war auch die Oberste Heeresleitung selbst, die die SPD in die Regierung hievte. Deren f&uuml;hrender Kopf, der &bdquo;Erste Generalquartiermeister&ldquo; Erich Ludendorff, der seit 1916 faktisch an der Spitze einer Milit&auml;rdiktatur stand, erkl&auml;rte Anfang Oktober 1918: &bdquo;Ich habe Seine Majest&auml;t gebeten, jetzt auch diejenigen Kreise an die Regierung zu bringen, denen wir es in der Hauptsache zu danken haben, dass wir soweit gekommen sind.&ldquo; Kurt Tucholsky schrieb sp&auml;ter einmal: &bdquo;Es ist ein Ungl&uuml;ck, dass die SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands hei&szlig;t. Hie&szlig;e sie seit dem 1. August 1914 Reformistische Partei oder Partei des kleineren &Uuml;bels oder Hier k&ouml;nnen Familien Kaffee kochen oder so etwas &ndash; vielen Arbeitern h&auml;tte der neue Name die Augen ge&ouml;ffnet.&ldquo;[<a class=\"footnote\" href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>] Tucholsky w&auml;re sicher mit der Erg&auml;nzung einverstanden gewesen, die SPD k&ouml;nne man auch bezeichnen als &bdquo;die Partei, der wir verdanken, dass wir soweit gekommen sind&ldquo;.<\/p><p><em>Was war passiert, dass es diesen 3. Oktober gab? Und warum wird dieses Datum  nirgendwo erw&auml;hnt?<\/em><\/p><p>Seit Anfang 1917 hatte es immer massivere Streiks in den deutschen Gro&szlig;betrieben, insbesondere in der R&uuml;stungsindustrie gegeben. Im Januar 1918 hatten mehr als 700.000 Arbeiterinnen und Arbeiter gestreikt. Wie sp&auml;ter noch darzustellen sein wird, wurden diese Streiks in Berlin ma&szlig;geblich von einer kleinen Gruppe konspirativ arbeitender Revolution&auml;re vorbereitet und geleitet. Im Sommer desselben Jahres kam es zur Massendesertion und zu Absatzbewegungen von der Truppe: das deutsche Heer verlor binnen weniger Wochen bis zu einer Million Mann. Gleichzeitig waren mehr als 200.000 frische Soldaten aus den USA in Frankreich gelandet und in den Krieg eingetreten. <\/p><p>Kurz gesagt: Der Krieg war f&uuml;r den Kaiser, den Reichskanzler und f&uuml;r die Oberste Heeresleitung schlicht verloren. In dieser Situation bereiteten die Verantwortlichen ihren Abgang vor: Sie machten sich aus dem Staub. Sie setzten sich sp&auml;ter nach Holland (der Kaiser) und nach Schweden (Ludendorff) ab. Sie &uuml;bertrugen zuvor die Verantwortung auf die SPD und die zivilen &bdquo;gem&auml;&szlig;igten&ldquo; B&uuml;rgerlichen. Diese sollten die Suppe ausl&ouml;ffeln, die die Milit&auml;rs, die Wirtschaftsf&uuml;hrer, die Junker und der Kaiser der deutschen Bev&ouml;lkerung eingebrockt hatten. Wobei zum Suppe-Ausl&ouml;ffeln immer zwei geh&ouml;ren: einer, der das S&uuml;ppchen braut, und einer, der die Br&uuml;he aufnimmt. Die SPD-F&uuml;hrung war zu Letzterem bereit. Der SPD-Parteif&uuml;hrer Friedrich Ebert formulierte dies perfekt wie folgt:  <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wir m&uuml;ssen jetzt im Gegenteil uns in die Bresche werfen. Wir m&uuml;ssen dabei sehen, ob wir genug Einfluss bekommen, um unsere Forderungen durchzusetzen, und wenn es m&ouml;glich ist, sie mit der Rettung des Landes zu verbinden, dann ist es unsere verdammte Pflicht und Schuldigkeit, dies zu tun.&ldquo;[<a class=\"footnote\" href=\"#foot_13\" name=\"note_13\">13<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>Damit wurde aus Sicht der rechten Kreise die Basis f&uuml;r die Dolchsto&szlig;-Legende gelegt: Die Armee war scheinbar &bdquo;im Felde unbesiegt&ldquo;, wie es Ebert sp&auml;ter selbst best&auml;tigen w&uuml;rde. Der Waffenstillstand musste von  einer Regierung mit SPD-Beteiligung erbeten und von Zivilisten im Wald von Compi&egrave;gne unterzeichnet werden &ndash; was demjenigen, der dies an f&uuml;hrender Stelle tat, Staatssekret&auml;r Matthias Erzberger, im Jahr 1921 den Tod durch faschistische Femem&ouml;rder brachte. Die Milit&auml;rs beauftragten zwar Erzberger, in jedem Fall den Waffenstillstand zu unterzeichnen, gleichg&uuml;ltig, welche Bedingungen die Sieger stellen w&uuml;rden, doch sie weigerten sich, den logischen letzten Schritt zu tun und selbst zu unterzeichnen. Die Siegerm&auml;chte wiederum akzeptierten in Compi&egrave;gne diese seltsam zusammengesetzte Delegation. Die SPD und die &bdquo;gem&auml;&szlig;igten&ldquo; b&uuml;rgerlichen Kr&auml;fte wurden auf diese Weise auch f&uuml;r den Friedensvertrag von Versailles verantwortlich gemacht.<\/p><p>Und schlie&szlig;lich lie&szlig; sich am Ende behaupten, es habe keine Verantwortlichen f&uuml;r den Krieg gegeben. Alle seien schlafwandelnd in denselben hineingestolpert. Irgendwie brach der Krieg aus. Und irgendwie wurde den tapferen deutschen Soldaten am Ende ein Dolchsto&szlig; in deren R&uuml;cken verpasst &ndash; durch die verr&auml;terische Linke und durch b&uuml;rgerlich-liberale Flaumacher.<\/p><p><em>Dieser Text st&uuml;tzt sich vor allem auf Klaus Gietinger, November 1918. Der verpasste Fr&uuml;hling (Nautilus, Hamburg 2018), auf Sebastian Haffner, Der Verrat &ndash; Deutschland 1918\/19 (verschiedene Ausgaben verschiedener Verlage) und auf Richard M&uuml;ller, Die Geschichte der Revolution (urspr&uuml;nglich drei B&auml;nde; zuletzt Berlin 2011, Buchmacherei).<\/em><br>\n<em>Klaus Gietinger und Winfried Wolf ver&ouml;ffentlichten 2017 das Buch &bdquo;Der Seelentr&ouml;ster. Wie Christopher Clark die Deutschen von der Schuld am Ersten Weltkrieg erl&ouml;st&ldquo; (Schmetterling, Stuttgart)<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a class=\"footnote\" href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] In Italien bestand die Monarchie auch w&auml;hrend der faschistischen Diktatur. Sie wurde 1946 in einem Referendum (mit der eher knappen Mehrheit von 54,3 %) abgeschafft. <\/p>\n<p>[<a class=\"footnote\" href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] &bdquo;Angst macht mir die Verrohung der Sprache&ldquo;, Interview mit Mark Jones in: Frankfurter Rundschau vom 12. November 2018. Offensichtlich hat sich Jones inzwischen dem Zeitgeist angepasst. Denn in seinem Buch &bdquo;Founding Weimar&ldquo; (&bdquo;Am Anfang war Gewalt&ldquo;; Berlin 2017) schreibt er noch von &bdquo;Gr&uuml;ndungsmassakern&ldquo; der Freikorps, die diese in Zusammenarbeit mit der SPD-F&uuml;hrung ver&uuml;bt h&auml;tten.<\/p>\n<p>[<a class=\"footnote\" href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Peter von Oertzen, Betriebsr&auml;te in der Novemberrevolution. Eine politikwissenschaftliche Untersuchung &uuml;ber Ideengehalt und Struktur der betrieblichen und wirtschaftlichen Arbeiterr&auml;te in der deutschen Revolution 1918\/19, Erstauflage 1963, hier nach: Bonn-Bad Godesberg 1976, S.53. Dieser richtungsweisenden Arbeit liegt eine pers&ouml;nliche Motivation zu Grunde: der Vater des Verfassers, Friedrich Wilhelm von Oertzen, war Freikorps-Offizier. Ich war 2001 daran beteiligt, einen Alternativentwurf f&uuml;r ein PDS-Programm zu erarbeiten. Peter von Oertzen, der sich in den letzten Jahren seines Lebens der PDS angen&auml;hert hatte und u.a. im Kuratorium der Rosa Luxemburg-Stiftung aktiv war, beteiligte sich an diesen Diskussionen. Er skizzierte in diesem Zusammenhang sein Modell eines demokratischen Sozialismus mit R&auml;testrukturen und wandte sich &ndash; zusammen mit Prof. Dr. Frank Deppe &ndash; am 27. Juni 2001 (vergeblich) an die PDS-Vorsitzende Gabi Zimmer mit der Aufforderung, eine breite, auch &ouml;ffentlich gef&uuml;hrte Debatte &uuml;ber ein sozialistisches Grundsatzprogramm zu f&uuml;hren. Brief abgedruckt in: Programm der PDS. Entwurf 2.2., Berlin, Sommer 2001.<\/p>\n<p>[<a class=\"footnote\" href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Interview mit Faulenbach im Deutschlandfunk am 2. August 2018; <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/spd-loest-historische-kommission-auf-eine-gewisse.862.de.html?dram:article_id=424525\">siehe hier<\/a>.<\/p>\n<p>[<a class=\"footnote\" href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Zitiert bei: Sebastian Haffner, Die Pariser Kommune, In: Haffner, Hermlin, Tucholsky, Zwecklegenden, Die SPD und das Scheitern der Arbeiterbewegung, Berlin 1996, S. 45.  <\/p>\n<p>[<a class=\"footnote\" href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Klaus Gietinger und ich antworteten auf das Buch von Clark, das allein in Deutschland eine verkaufte Auflage von mehr als 200.000 hatte, mit dem Buch &bdquo;Der Seelentr&ouml;ster. Wie Christopher Clark die Deutschen von der Schuld am Ersten Weltkrieg erl&ouml;ste&ldquo; (Stuttgart 2017; Schmetterling). Clark identifiziert in seinem Buch in infamer, oft rassistischer Weise die Serben als Kriegsausl&ouml;ser. Unser Buch &bdquo;Der Seelentr&ouml;ster&ldquo; erschien im November 2018 in serbischer &Uuml;bersetzung.<\/p>\n<p>[<a class=\"footnote\" href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] Abgedruckt in: Europastrategien des deutschen Kapitals 1900 &ndash; 1945, herausgegeben von Reinhard Opitz, Bonn 1994, S. 222.<\/p>\n<p>[<a class=\"footnote\" href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] Nach den ersten Giftgaseins&auml;tzen durch deutsche Truppen am 22. April 1915 an der Westfront, bei Ypern, setzten auch die britischen, franz&ouml;sischen und russischen Truppen Giftgas ein. Am Ende z&auml;hlte die deutsche Seite 2300 durch Giftgas Get&ouml;tete und die &ouml;sterreichisch-ungarische 3000 durch Giftgas Get&ouml;tete. Bis zu 56.000 Soldaten der zaristischen Armee, 6109 britische Soldaten, 8000 franz&ouml;sische und 14.000 US-amerikanische Soldaten wurden durch Giftgasangriffe der Mittelm&auml;chte get&ouml;tet. Im Einzelnen nach: Klaus Gietinger \/ Winfried Wolf, Der Seelentr&ouml;ster. Wie Christopher Clark die Deutschen von der Schuld am Ersten Weltkrieg erl&ouml;ste, Stuttgart 2017, S. 32.<\/p>\n<p>[<a class=\"footnote\" href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] Gietinger\/Wolf, S. 34f.<\/p>\n<p>[<a class=\"footnote\" href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] Zitiert bei Gietinger\/Wolf, a.a. O., S. 170.<\/p>\n<p>[<a class=\"footnote\" href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] Peter von Oertzen dokumentierte in seinem Buch in diesem Sinne detaillierte, &bdquo;einwandfreie Belege f&uuml;r die Zusammenarbeit der Gewerkschaftsf&uuml;hrer mit den Milit&auml;rbeh&ouml;rden&ldquo;. Siehe dort, S. 63, Anmerkung 2. <\/p>\n<p>[<a class=\"footnote\" href=\"#note_12\" name=\"foot_12\">&laquo;12<\/a>] Zitiert in: Zwecklegenden, a.a.O., S. 4.<\/p>\n<p>[<a class=\"footnote\" href=\"#note_13\" name=\"foot_13\">&laquo;13<\/a>] Zitiert bei Haffner, Der Verrat, a.a.O., S. 34.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><em>Vorbemerkung:<\/em> Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht in Kommentaren, R&uuml;ckblicken und Dokumentationen der Revolution gedacht wird, die vor 100 Jahren in Deutschland stattfand. Allerdings verf&auml;lscht die gro&szlig;e Mehrheit dieser Beitr&auml;ge das, um was es damals ging. Die tats&auml;chlichen Errungenschaften der Revolution &ndash; Frieden, Frauenwahlrecht, demokratische Grundrechte &ndash; werden nicht ausreichend gew&uuml;rdigt. 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