{"id":47597,"date":"2018-12-04T09:00:37","date_gmt":"2018-12-04T08:00:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47597"},"modified":"2019-08-26T10:45:12","modified_gmt":"2019-08-26T08:45:12","slug":"serie-zur-novemberrevolution-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47597","title":{"rendered":"Serie zur Novemberrevolution \u2013 Teil 2"},"content":{"rendered":"<p><em>Vorbemerkung:<\/em> Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht in Kommentaren, R&uuml;ckblicken und Dokumentationen der Revolution gedacht wird, die vor 100 Jahren in Deutschland stattfand. Allerdings verf&auml;lscht die gro&szlig;e Mehrheit dieser Beitr&auml;ge das, um was es damals ging. Die tats&auml;chlichen Errungenschaften der Revolution &ndash; Frieden, Frauenwahlrecht, demokratische Grundrechte &ndash; werden nicht ausreichend gew&uuml;rdigt, und die Ziele der Revolution werden bei dieser Berichterstattung oftmals in den Hintergrund gedr&auml;ngt.  Wir bringen auf den NachDenkSeiten in drei Teilen einen ausf&uuml;hrlichen Text von <strong>Winfried Wolf<\/strong> zur Novemberrevolution 1918.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1691\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-47597-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181210_Novemberrevolution_Teil_2_Session_Mixdown_fin_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181210_Novemberrevolution_Teil_2_Session_Mixdown_fin_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181210_Novemberrevolution_Teil_2_Session_Mixdown_fin_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181210_Novemberrevolution_Teil_2_Session_Mixdown_fin_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=47597-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181210_Novemberrevolution_Teil_2_Session_Mixdown_fin_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"181210_Novemberrevolution_Teil_2_Session_Mixdown_fin_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Der erste Teil &ldquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47551\">Serie zur Novemberrevolution &ndash; Teil 1<\/a>&rdquo; hatte die Ereignisse, die zu dieser Revolution f&uuml;hrten, zum Thema. Der heutige Teil 2 befasst sich mit der Revolution selbst und Teil 3 geht ein auf die Bayerische R&auml;terepublik, nennt vier Gr&uuml;nde f&uuml;r das Scheitern der Revolution und warnt vor einer neuen Militarisierung, wie sie von der deutschen Bundeskanzlerin und von dem franz&ouml;sischen Pr&auml;sidenten ausgerechnet im Zusammenhang mit dem Gedenken an das Kriegsende vor 100 Jahren vorgetragen wurde.<\/p><p><strong>Die Revolution in Deutschland und die Debatte anl&auml;sslich des 100. Jahrestags Teil 2<\/strong><\/p><p>Diejenigen, die akzeptieren, dass es &uuml;berhaupt eine Revolution in Deutschland gab, stellen diese in der Regel als die Tat weniger dar. Teilweise als Theaterauff&uuml;hrung oder Operette, teilweise als Putsch. Oft als Resultat einer Kabinettspolitik. Dabei gelegentlich als v&ouml;llig unn&ouml;tig. So hei&szlig;t es in dem aufwendigen Heft &bdquo;Geo Epoche &ndash; Kollektion&ldquo; zum Thema &bdquo;Die Weimarer Republik&ldquo;:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die deutsche Revolution ist umwuchert von Mythen [&hellip;] Sie war, historisch gesehen, ein verfehltes Unternehmen. Sie bricht aus, als der Umbau des autokratischen Kaiserreichs in eine parlamentarische Demokratie praktisch vollendet und das Kriegsende nur noch eine Frage von wenigen Tagen ist. [&hellip;] Diese demokratische Umw&auml;lzung ist das Werk des letzten kaiserlichen Kanzlers, Prinz Max von Baden.&ldquo;[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>Andere moderne Interpreten sehen die Revolution als Ergebnis einer Politik zur&uuml;ckhaltend-kluger Kr&auml;fte. In diesem Sinne &auml;u&szlig;erte sich der deutsche Bundespr&auml;sident Frank-Walter Steinmeier, der am 100. Jahrestag der Novemberrevolution das Folgende ausf&uuml;hrte: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Es bleibt das gro&szlig;e Verdienst der gem&auml;&szlig;igten Arbeiterbewegung, dass sie &ndash; in einem Klima der Gewalt, inmitten von Not und Hunger &ndash; den Kompromiss mit den gem&auml;&szlig;igten Kr&auml;ften des B&uuml;rgertums suchte, dass sie der parlamentarischen Demokratie den Vorrang gab!&ldquo;[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>Welche eine Verdrehung fast aller Umst&auml;nde! Es gab kein Klima der Gewalt, insoweit es die Revolution betraf. Diese Revolution beendete ein extremes Klima der Gewalt, das vom 4. August 1914 bis zum 9. November 1918 mit dem Krieg herrschte. F&uuml;r die SPD-F&uuml;hrung mit Ebert, Scheidemann und Noske &ndash; und diese meinte Steinmeier mit den &bdquo;gem&auml;&szlig;igten Kr&auml;ften der Arbeiterbewegung&ldquo; ganz offensichtlich &ndash; war die parlamentarische Demokratie nur ein Instrument, um eine direkte Demokratie von Arbeiterr&auml;ten oder eine Struktur, bei der das Parlament erg&auml;nzt und kontrolliert wird durch Arbeiterr&auml;te, zu verhindern. Vor allem suchte die SPD nicht einen &bdquo;Kompromiss mit den gem&auml;&szlig;igten Kr&auml;ften des B&uuml;rgertums&ldquo;. Vielmehr ging sie ein jahrelanges B&uuml;ndnis mit den rechtesten Kreisen ein, um mit Hilfe dieser die Revolution niederzuschlagen.  Gustav Noske sprach Klartext; Steinmeier direkt widersprechend: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ich habe mich immer auf das Nachdr&uuml;cklichste jedem Kompromiss widersetzt, weil bei mir nicht der geringste Zweifel bestand, dass die Auseinandersetzung zwischen revolution&auml;rer Phraseologie und den realen Notwendigkeiten fr&uuml;her oder sp&auml;ter h&auml;tte kommen m&uuml;ssen.&ldquo;[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>Was es im November 1918 und danach in Deutschland gab, das war eine zutiefst demokratische, von breiten Massen getragene Revolution, eine weitreichende Umw&auml;lzung der politischen Verh&auml;ltnisse. Die deutsche Revolution hatte eine breitere soziale Basis und damit eine gr&ouml;&szlig;ere demokratische Legitimation als die Oktoberrevolution in Russland (was nat&uuml;rlich auch darauf zur&uuml;ckzuf&uuml;hren war, dass in Russland 1917 die Arbeiterklasse eine deutliche Minderheit darstellte und die gro&szlig;e Mehrheit der Bev&ouml;lkerung auf dem Land lebte). Diese Novemberrevolution hatte das Ziel einer direkten Demokratie, wie sie im Wesentlichen durch die Arbeiter- und Soldatenr&auml;te zum Ausdruck gebracht wurde. Sie war weitgehend unblutig, insoweit es die Revolution&auml;re betrifft. Und sie war gnadenlos gutm&uuml;tig und idealistisch &ndash; zu gutm&uuml;tig angesichts ihrer Feinde.<\/p><p>Diese Charaktereigenschaften der deutschen Revolution lassen sich bei <em>drei unterschiedlichen geschichtlichen Ereignissen<\/em> darstellen: In der eigentlichen Revolution und hier in den Monaten November und Dezember 1918. (2) Anfang Januar 1919, in derjenigen Woche, die f&auml;lschlich als &bdquo;Spartakus-Aufstand&ldquo; bezeichnet wird. (3) In den Tagen nach dem Kapp-Putsch vom 13. M&auml;rz 1920. Diese Charaktereigenschaften traten an vielen Orten und Regionen und in allen L&auml;ndern der jungen Republik deutlich zu Tage. In diesem Text gehe ich jedoch &ndash; vor allem aus r&auml;umlichen Gr&uuml;nden &ndash; prim&auml;r auf die Ereignisse in Berlin ein; &bdquo;nur&ldquo; die Bayerische R&auml;terepublik wird erg&auml;nzend behandelt.<\/p><p>Auf alle drei Ereignisse und in allen Regionen, in denen die Revolution mit ihren demokratischen und antimilitaristischen Forderungen Gewicht erlangte, antwortete die SPD-F&uuml;hrung mit dem Einsatz von milit&auml;rischer Gewalt. Mit der Ausf&uuml;hrung dieser Milit&auml;rgewalt beauftragte sie die ganz Rechten, die Freikorps. Diese Gewaltanwendung steigerte sich von Ereignis zu Ereignis &ndash; bis hin zu einer unerh&ouml;rten, in der deutschen Geschichte seit dem Drei&szlig;igj&auml;hrigen Krieg nie dagewesenen Gewaltorgie. <\/p><p>Es ist erstaunlich und grotesk, wenn am 9. November 2018 in der Tageszeitung taz in einem Interview mit einem Vertreter der Friedrich-Ebert-Stiftung und einem Vertreter der Rosa-Luxemburg-Stiftung die Frage gestellt wird: &bdquo;Wann haben Sie zuletzt die Parole geh&ouml;rt: Wer hat uns verraten &ndash; Sozialdemokraten?&ldquo; und dann der SPD-Mann antwortet: &bdquo;Ich finde das historisch ziemlich undifferenziert&ldquo;, wobei der Vertreter der Rosa-Luxemburg-Stiftung mit Stillschweigen zustimmt und erg&auml;nzt mit: &bdquo;Im Ernst w&uuml;rde den [einen solchen &acute;Spruch&acute;; W.W.] heute keiner mehr von sich geben.&ldquo;[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] <\/p><p>Verrat ist sicher auch eine moralische Kategorie. Es geht hier jedoch um eine politische Definition. Darum, dass die SPD 1918 bis 1920 vorgab, f&uuml;r Demokratie, Frieden und die Revolution einzutreten, dass sie jedoch gleichzeitig und <em>hinter dem R&uuml;cken ihrer Anh&auml;nger<\/em> aufs Engste mit denen zusammenarbeitete, die f&uuml;r Diktatur, Krieg und Konterrevolution standen und die den Faschismus von 1933 vorbereiteten.<\/p><p><strong>Der 9. November und die Zeit bis Ende des Jahres 1918<\/strong><\/p><p>Ausl&ouml;ser der deutschen Revolution war eine Befehlsverweigerung von Matrosen und eine Revolte der Kriegsschiffbesatzungen in Wilhelmshaven am 28. Oktober 1918. Diesen war &ndash; ziemlich &uuml;berraschend und in offenem Widerspruch zur eigentlichen Einsch&auml;tzung der Obersten Heeresleitung &ndash; von der Flottenf&uuml;hrung das Auslaufen der Schiffe aus den H&auml;fen befohlen worden. Gewissenerma&szlig;en f&uuml;nf nach zw&ouml;lf sollte noch eine Entscheidungsschlacht mit der britischen Flotte gesucht werden. Die einzelnen Etappen dieser Meuterei sollen hier nicht nachgezeichnet werden.[<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>] Fest steht: Im Zentrum standen hier die mutigen Taten Weniger. Und: Es waren <em>unkoordinierte<\/em> und <em>nicht organisierte<\/em> Aktivit&auml;ten von Meuterei und Aufstand. Ein vorl&auml;ufiger H&ouml;hepunkt der Meuterei bestand darin, dass am 4. November in Kiel die Matrosen des Dritten Geschwaders Soldatenr&auml;te w&auml;hlten, ihre Offiziere entwaffneten, auf den Schiffen rote Fahnen hissten und hunderte Matrosen befreiten. Es handelte sich bei den befreiten Matrosen um diejenigen, die zuvor in Wilhelmshaven gemeutert hatten, die von dort durch den Nord-Ostsee-Kanal nach Kiel transportiert wurden und die in Kiel im Gef&auml;ngnis auf ihre Aburteilung gewartet hatten. Bis zum 7. November hatte der Aufstand an den K&uuml;sten auch L&uuml;beck, Brunsb&uuml;ttelkoog, Hamburg, Bremen und &ndash; erneut &ndash; Wilhelmshaven erfasst; er griff bereits auf westdeutsche St&auml;dte wie K&ouml;ln, Hannover und Oldenburg &uuml;ber. Die SPD-F&uuml;hrung und die neue von der SPD mitgetragene Reichsregierung entsandten Gustav Noske nach Kiel, der von dort nach Berlin telegrafierte, er habe nur &bdquo;die eine Hoffnung: freiwillige R&uuml;ckkehr [der Matrosen; W.W.] zur Ordnung unter sozialdemokratischer F&uuml;hrung.&ldquo; Der Kurzzeitkanzler Prinz Max von Baden lie&szlig; auch keinen Zweifel daran, was die Funktion der Noske-Mission sei, als er im Kabinett den Beschluss durchsetzte: &bdquo;Freie Hand f&uuml;r Noske bei dem Versuch, den lokalen Aufstand zu ersticken.&ldquo; Selbst zu diesem Zeitpunkt agierte die SPD-F&uuml;hrung im Sinne der Obersten Heeresf&uuml;hrung und des Kaisers.<\/p><p>Doch der Geist war der Flasche entwichen. Sie lie&szlig; sich nicht mehr schlie&szlig;en. Die Revolte breitete sich aus und ergriff die Hauptstadt. Am 9. November wurde die neue Staatsform gleich  zwei Mal ausgerufen &ndash; als &bdquo;deutsche Republik&ldquo; durch Gustav Scheidemann bzw. als &bdquo;sozialistische Republik in Deutschland&ldquo; durch Karl Liebknecht. Das waren noch mehr oder weniger spontane Aktionen. Doch dann gab es doch so etwas wie ein revolution&auml;res Zentrum: Echte Revolution&auml;re nahmen die Sache in die Hand. Und wer waren diese? Rosa Luxemburg? Karl Liebknecht? Die USPD-F&uuml;hrung? Die Spartakisten, damals der linke Fl&uuml;gel in der USPD? Niemand von diesen! Es war eine Gruppe, die als Revolution&auml;re Obleute in die Geschichte einging. Gingen sie wirklich in die Geschichte ein? Jedenfalls h&auml;tten sie so eingehen m&uuml;ssen. Anl&auml;sslich der 100-Jahr-Feiern wurden sie jedoch bestenfalls am Rande erw&auml;hnt. Im offiziellen Gedenken wurde nirgendwo ihre zentrale Rolle begriffen und dargelegt. In dem zitierten Geo-Heft ist die Rede von &bdquo;SPD-Obleuten&ldquo;, die die SPD-F&uuml;hrung warnen, die &bdquo;Revolution sei nicht aufzuhalten&ldquo;.[<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>] Eine groteske Fehleinsch&auml;tzung bzw. Falschdarstellung. Eine l&ouml;bliche Ausnahme bildet dabei Klaus Gietinger, der aktuell mit seinem neuen Buch &bdquo;November 1918&ldquo; durch die Lande tourt und mit seinen Vortr&auml;gen die zentrale Rolle der Obleute ausf&uuml;hrlich herausarbeitet und die Ignoranz der offiziellen Geschichtsschreibung anprangert.[<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>] Sebastian Haffner beschreibt diese Gruppe wie folgt: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Gruppe der Revolution&auml;ren Obleute hatte sich in den gro&szlig;en Streiks des vergangenen Winters [also des Winters 1917\/1918; W.W.] gebildet. Sie waren die wirklichen Streikf&uuml;hrer gewesen. Seitdem hielten sie konspirativ zusammen, seit einigen Wochen planten sie die Revolution, und am 4. November hatten sie &ndash; ohne von der Lawine etwas zu ahnen, die an diesem Tag in Kiel ins Rollen kam &ndash; einen Putsch in Berlin f&uuml;r den 11. November beschlossen, Waffen besorgt und verteilt und Pl&auml;ne zu einem Handstreich auf die Regierungszentren entworfen. Die Entwicklung war den Revolution&auml;ren Obleuten dann davon gelaufen, aber sie waren nicht gesonnen, sie &uuml;ber sie hinweggehen zu lassen.  Am Nachmittag dieses 9. Novembers, w&auml;hrend die Massen begeistert, ziellos und schon etwas erm&uuml;det durch die Stra&szlig;en von Berlin wogten, w&auml;hrend Ebert in der Reichskanzlei zu regieren versuchte und w&auml;hrend die Fraktionen der SPD und USPD endlos tagten und sich nicht dar&uuml;ber einig werden konnten, unter welchen Bedingungen die USPD in Eberts Regierung eintreten k&ouml;nnte, hielten die Revolution&auml;ren Obleute eine Beratung ab und schritten zur Tat. [&hellip;] Sie sahen klar, worauf es jetzt ankam: den Massen eine handlungsf&auml;hige Spitze zu geben, ein Organ, das Politik machen konnte, eine Revolutionsregierung. [&hellip;] Sie trommelten ein paar hundert ihrer Gefolgsleute zusammen. Am Abend [&hellip;] besetzten sie den Reichstag.&ldquo;[<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>Peter von Oertzen analysiert die Obleute in &auml;hnlicher Weise. Er unterstreicht, dass diese zwar fast alle &bdquo;der USPD angeh&ouml;rten und die Partei als Plattform ihrer T&auml;tigkeit nutzten&ldquo;, dass sie aber zugleich sich als &bdquo;selbst&auml;ndige Gruppe&ldquo; verstanden und &bdquo;nicht als Anh&auml;ngsel der Parteiorganisation.&ldquo; F&uuml;r Oertzen waren &bdquo;die revolution&auml;ren Obleute im Grunde nichts anderes als die Organisation der Arbeitermassen selbst.&ldquo;[<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>] <\/p><p>Im Gegensatz zu Peter von Oertzen, dem ehemaligen Mitglied im Kuratorium der Rosa-Luxemburg-Stiftung, stellte Uwe Sonnenberg, der Vertreter dieser Stiftung, am 9. November 2018 fest: &bdquo;Es gab keine politische Kraft, die ein Konzept f&uuml;r die Revolution hatte und auf den 9. November vorbereitet war&ldquo;.[<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>] Doch, diese Kraft gab es. Der f&uuml;hrende Kopf der Revolution&auml;ren Obleute, Richard M&uuml;ller, schrieb: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Vorbereitungen der Revolution&auml;ren Obleute [&hellip;] wirkten zweifellos mitentscheidend auf den Lauf der Dinge. In vielen Sitzungen waren alle Eventualit&auml;ten des Aufstandes mit den einflussreichsten Personen der Gro&szlig;betriebe durchgesprochen worden. [&hellip;] Am Tag des Aufstands bedurfte es keiner Leitung, sie w&auml;re auch rein technisch nicht m&ouml;glich gewesen.&ldquo;[<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>Doch die Obleute hatten in Ebert und in den Mehrheitssozialisten einen vergleichbar gut organisierten Gegenspieler. Und sie standen vor dem Dilemma einer Mehrheit von Arbeitern und Soldaten, die von der Revolution begeistert und zugleich gegen&uuml;ber der SPD-F&uuml;hrung naiv waren. Und dann erhielt die Mehrheitssozialdemokratie heimliche und sp&auml;ter offene Unterst&uuml;tzung durch die Kr&auml;fte des untergegangenen Regimes, vor allem durch das Milit&auml;r.<\/p><p>Am Abend des 9. November beschloss eine von den Revolution&auml;ren Obleuten angef&uuml;hrte, improvisierte Tagung im besetzten Reichstag, bereits am n&auml;chsten Tag, dem 10. November, in allen Betrieben und Kasernen Arbeiter- und Soldatenr&auml;te w&auml;hlen zu lassen. Diese sollten sich am gleichen Tag um f&uuml;nf Uhr nachmittags  im Zirkus Busch versammeln, um eine revolution&auml;re F&uuml;hrung zu bestimmen. Die zun&auml;chst &uuml;berrumpelte SPD-F&uuml;hrung mobilisierte umgehend die eigenen Leute. Noch in der Nacht vom 9. auf den 10. November konnte die SPD-F&uuml;hrung in den Berliner Kasernen 40.000 Flugbl&auml;tter verteilen. Der von der SPD im Amt belassene preu&szlig;ische Kriegsminister Sch&euml;uch gew&auml;hrte dabei wichtige logistische Unterst&uuml;tzung.<\/p><p>Die Zusammensetzung der rund 3000 neu gew&auml;hlten Arbeiter- und Soldatenr&auml;te, die sich dann am 10. November um 5 Uhr nachmittags im Zirkus Busch versammelt hatten, war dann zur &Uuml;berraschung der Obleute mehrheitlich SPD-dominiert. Das galt insbesondere f&uuml;r die Soldatenr&auml;te. Das war, so Gietingers Erkenntnis, vor allem der mangelnden Agitation der USPD unter den Soldaten geschuldet. In der Zirkus-Busch-Arena dominierten Forderungen nach &bdquo;Einigkeit&ldquo; und &bdquo;Kein Bruderkampf!&ldquo;. Nachdem dort als erster Redner Friedrich Ebert in staatsm&auml;nnischem Ton verk&uuml;ndet hatte, dass man am Vormittag eine Regierung der Volksbeauftragten gebildet h&auml;tte, die parit&auml;tisch aus SPD und USPD zusammengesetzt sei, konnte der zweite Redner, der USPD-F&uuml;hrer Haase, dem im Wesentlichen nur beipflichten. Der dritte Redner war die Revolutionsikone Karl Liebknecht. Doch dieser setzte offensichtlich die falschen Akzente, als er in seiner Ansprache vor allem  die Rolle der SPD im Krieg brandmarkte. Er erntete dabei, wie Richard M&uuml;ller von den Obleuten berichtet, &bdquo;merklichen Widerspruch&ldquo;.[<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>] Gietinger &uuml;bertreibt wohl, wenn er schreibt, Liebknecht sei &bdquo;niedergeschrien&ldquo; worden. Laut Richard M&uuml;llers Bericht agierten die Obleute bei diesem entscheidenden Treffen auch als Gruppe h&ouml;chst ungeschickt. Eigentlich wollten die Obleute, gerade weil sie die Man&ouml;ver der SPD erkannt hatten und weil sie wussten, dass im Zirkus die SPD eine Mehrheit hatte, ohne gr&ouml;&szlig;ere Debatte einen <em>Aktionsausschuss<\/em> w&auml;hlen lassen, der ausschlie&szlig;lich aus &bdquo;zuverl&auml;ssigen Mitgliedern&ldquo; der Obleute und des Spartakusbundes bestanden h&auml;tte. Dies sollte, wie Richard M&uuml;ller schreibt, &bdquo;ohne jede Debatte, gewisserma&szlig;en durch einen Bluff [&hellip;] zustande kommen.&ldquo;[<a href=\"#foot_13\" name=\"note_13\">13<\/a>] Doch der Top-Mann der Obleute, Barth, glaubte eine Rede zur Begr&uuml;ndung dieses Aktionsausschusses halten zu m&uuml;ssen. M&uuml;ller: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Das war ein Fehler. Der aufmerksame Zuh&ouml;rer erkannte zwischen Barths Worten die nicht klar ausgesprochenen Absichten. Im letzten Augenblick verlangte nun Ebert das Wort und meinte, er halte einen solchen Aktionsausschuss nicht f&uuml;r notwendig, aber, wenn schon einer gew&auml;hlt werden sollte, dann m&uuml;sste er wie die Regierung parit&auml;tisch von beiden Parteien besetzt werden.&ldquo;[<a href=\"#foot_14\" name=\"note_14\">14<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>Ebert konnte sich mit seiner Forderung schlussendlich durchsetzen. Der &bdquo;Aktionsausschuss&ldquo; &ndash; sein sp&auml;terer Name lautete &bdquo;Vollzugsrat&ldquo; &ndash; zur Kontrolle der Regierung der Volksbeauftragten wurde zwar gew&auml;hlt. Doch auch dieser war nun parit&auml;tisch besetzt. Hinzu kam: Die Linke  war im Vollzugsrat personell nicht optimal vertreten; Karl Liebknecht weigerte sich, sich in ein Gremium &bdquo;zusammen mit den Kriegsunterst&uuml;tzern der SPD&ldquo; hineinw&auml;hlen zu lassen.[<a href=\"#foot_15\" name=\"note_15\">15<\/a>]<\/p><p>Gut einen Monat sp&auml;ter, am 16. Dezember, kam es in Berlin zum ersten Reichsr&auml;tekongress. Formal gesehen war dies ein gewaltiger Fortschritt. Und dies h&auml;tte auch einen neuen H&ouml;hepunkt der Revolution darstellen k&ouml;nnen. Doch inhaltlich war der revolution&auml;re Elan verpufft. Vergleichbares zu dem, was die Revolution&auml;ren Obleute auf Berliner Ebene an Strukturen geschaffen hatten, gab es auf der Ebene des Reichs nicht. Spartakus z&auml;hlte deutschlandweit zu diesem Zeitpunkt erst wenige Tausend Mitglieder. Die USPD war politisch h&ouml;chst heterogen und organisatorisch ebenfalls wenig verankert. So war der Reichsr&auml;tekongress Mitte Dezember 1918 noch mehr als die Versammlung im Zirkus Bush am 10. November 1918 von der Mehrheitssozialdemokratie dominiert. Der Reichsr&auml;tekongress beschloss, wie von Ebert gefordert, die Vorverlegung des Wahltermins f&uuml;r die Nationalversammlung auf den 19. Januar 1919. Damit war ein entscheidendes Ziel der SPD-Rechten n&auml;her ger&uuml;ckt: Die R&uuml;ckf&uuml;hrung aller Regierungsgewalt in indirekt-demokratische Strukturen und die weitere Unterminierung der Strukturen direkter Demokratie, so der Arbeiter- und Soldatenr&auml;te.<\/p><p>Anstelle des am 10. November gew&auml;hlten Vollzugsrats w&auml;hlte der Reichsr&auml;tekongress einen sechszehnk&ouml;pfigen Zentralrat, dessen Kompetenzen gegen&uuml;ber der Regierung im Vergleich zum Vollzugsrat nochmals deutlich gestutzt waren. Und &auml;hnlich wie Liebknecht es am 10. November abgelehnt hatte, sich in den Aktionsausschuss bzw. in den Vollzugsrat w&auml;hlen zu lassen, weigerten sich nun die Unabh&auml;ngigen, sich an dem Zentralrat &uuml;berhaupt zu beteiligen. Dieser wurde damit eine reine SPD-Angelegenheit. Dabei zeichnete sich durchaus ab, dass die Arbeiterbasis und die R&auml;te sich politisierten. So forderte der Kongress die Sozialisierung der Schl&uuml;sselindustrien. Auf Antrag eines Hamburger Soldatenrats  wurde mit gro&szlig;er Mehrheit eine weitreichende Umgestaltung des Milit&auml;rwesens beschlossen: die Oberste Kommandogewalt m&uuml;sse bei den Volksbeauftragten &ndash; &bdquo;unter Kontrolle des Zentralrats&ldquo; &ndash; liegen; die Disziplinargewalt bei den Soldatenr&auml;ten; es m&uuml;sse &bdquo;freie Offizierswahl&ldquo; herrschen. Die Angst vor einer neuen Milit&auml;rdiktatur sa&szlig; so gut wie allen in den Knochen. Der grundlegend antimilitaristische Charakter der Revolution wurde mit dem Beschluss dieser &bdquo;Hamburger Punkte&ldquo; ein weiteres Mal unterstrichen.<\/p><p>Doch solche Beschl&uuml;sse entsprachen weitgehend Wunschdenken. Die Entscheidungen fielen l&auml;ngst nicht mehr auf Ebene von Arbeiter- und Soldatenr&auml;ten. Die Regierung der Volksbeauftragten war zum entscheidenden Machtzentrum geworden. Und in dieser wurde die Dominanz der Mehrheitssozialdemokraten von Tag zu Tag gr&ouml;&szlig;er &ndash; auch aufgrund der mangelnden personellen Qualit&auml;ten der dort vertretenen USPD-Leute bzw. der Weigerung f&uuml;hrender Radikaler, in dieses Gremium zu gehen. Am 29. Dezember traten dann die USPD-Vertreter sogar aus der Regierung der Volksbeauftragten aus. Damit waren die rechten Sozialdemokraten auch dort unter sich. Diese Entwicklungen nach rechts auf den oberen Ebenen sind auch deshalb tragisch, weil es unter den Arbeitern zu einer entgegengesetzten Entwicklung kam. Peter von Oertzen schreibt: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;An diesen Vorg&auml;ngen ist besonders bemerkenswert, dass die sozialdemokratischen Arbeiterr&auml;te, obwohl in politischer Hinsicht noch den Auffassungen ihrer Parteileitung treu, in den wirtschaftlichen Fragen anfingen, eigene Wege zu gehen und [&hellip;] ein eigenes R&auml;te- und Wirtschaftsprogramm zu entwickeln. [&hellip;] Auch auf politischem Gebiet l&ouml;ste sich die sozialdemokratische Front allm&auml;hlich auf. Obwohl die SPD und die Demokraten am 17. Januar 1919 bei der Wahl zum Vollzugsrat, eine klare Mehrheit erhalten hatten, gelang es der USPD-Fraktion doch, bei Abstimmungen &uuml;ber grunds&auml;tzliche politische Fragen am 17. Januar und am 31. Januar 1919 jeweils ein Drittel der gegnerischen Arbeiterr&auml;te auf ihre Seite zu ziehen und ihre Resolutionen durchzubringen.&ldquo;[<a href=\"#foot_16\" name=\"note_16\">16<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>Die SPD-F&uuml;hrer in den entscheidenden Regierungs&auml;mtern arbeiteten vom ersten Tag der Revolution an hinter dem R&uuml;cken der Massen und meist ohne Wissen von Kontrollgremien wie Arbeiter- und Soldatenr&auml;ten, Aktionsausschuss und Vollzugsrat mit den rechten Milit&auml;rs und mit der Obersten Heeresleitung, die zun&auml;chst im belgischen Spa und ab dem 14. November in Kassel-Wilhelmsh&ouml;he ihren Sitz hatte, eng zusammen. Im Zentrum stand dabei eine Art Pakt, den der Chef der Obersten Heeresleitung, General Groener, mit Friedrich Ebert noch am 10. November, nach der turbulenten Tagung im Zirkus Busch, geschlossen hatte. Groener forderte von Ebert die Bek&auml;mpfung von &bdquo;Bolschewismus und Radikalismus&ldquo;, faktisch des Spartakusbundes. Groener bot daf&uuml;r jede m&ouml;gliche milit&auml;rische Unterst&uuml;tzung. Die Verbindung wurde dabei in gro&szlig;en Teilen &uuml;ber eine geheime Telefonleitung gehalten, die noch aus Kriegszeiten das milit&auml;rische Hauptquartier (zun&auml;chst in Spa, dann in Kassel) mit dem Kanzleramt verband. Groener berichtet, dass er noch in der Nacht vom 10. auf den 11. November ein &bdquo;B&uuml;ndnis&ldquo; mit Ebert geschlossen habe. Ebert schwieg dazu; widersprach jedoch nicht. Groener: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ebert ging [in dieser Nacht; W.W.] auf meinen B&uuml;ndnisvorschlag ein. [&hellip;] Von da an besprachen wir uns t&auml;glich abends auf einer geheimen Leitung zwischen der Reichskanzlei und der Heeresleitung &uuml;ber die notwendigen Ma&szlig;nahmen. Dieses B&uuml;ndnis hat sich bew&auml;hrt.&ldquo;[<a href=\"#foot_17\" name=\"note_17\">17<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>Und so kam es bereits in dieser ersten Phase der Novemberrevolution bei allen tastenden Schritten, die die revolution&auml;ren Massen machten, und bei allen Aktivit&auml;ten, die die Radikalen sich ausdachten, zu konkreten Akten der milit&auml;rischen Konterrevolution. Wobei diese fast immer, dies jedoch f&uuml;r die Massen nicht erkenntlich, in geheimer Absprache mit Ebert (und einem engen SPD-Kreis um diesen herum) erfolgten. Zwei Beispiele:<\/p><ul>\n<li>Bereits am 10. Dezember marschierten zehn Divisionen des geschlagenen Heeres in Berlin ein. Diese hatten, wie Groener festhielt, ein genau definiertes &bdquo;milit&auml;risches Programm&ldquo;. Es bestand vor allem in der &bdquo;S&auml;uberung Berlins von Spartakisten&ldquo; und in &bdquo;der Entwaffnung Berlins&ldquo;. Das Programm &ndash; das erst 1940 &ouml;ffentlich gemacht wurde &ndash; enthielt Punkte wie den folgenden: &bdquo;Wer ohne Waffenschein noch Waffen in Besitz hat, wird erschossen.&ldquo; Das Programm, das im Zeitraum 10. bis 15. Dezember umgesetzt werden sollte, konnte dann jedoch nicht realisiert werden. Und dies aus dem einfachen Grund, weil die heimkehrenden Divisionen sich in dem revolution&auml;ren Klima Berlins schlicht aufl&ouml;sten und die gro&szlig;e Mehrheit der Soldaten nach Hause ging. Schlie&szlig;lich nagte der Hunger im Magen und klopfte Weihnachten an den T&uuml;ren.<\/li>\n<li>An Weihnachten gab es den n&auml;chsten Vorsto&szlig; der Konterrevolution. Die Volksmarinedivision (VMD), eine bis dahin der Revolution, aber auch der SPD gewogene Truppe mit urspr&uuml;nglich 3000 Mann, die seit Revolutionsbeginn im Berliner Schloss ihr Quartier hatte, wurde als Unsicherheitsfaktor identifiziert und sollte nach dem Willen der SPD-F&uuml;hrung &ndash; unterst&uuml;tzt von Groener &ndash; verlegt und verkleinert werden. Ein Mittel dabei war, dass ihnen wiederholt der Sold vorenthalten wurde. Die Soldaten wehrten sich und besetzten in diesem Zusammenhang die Reichskanzlei und setzten zeitweilig sogar die Volksbeauftragten unter Hausarrest. Ebert forderte &uuml;ber seine Direktleitung Hilfe an. Diese wurde ihm gew&auml;hrt; anscheinend sichere Truppen aus der Berliner Umgebung wurden herangef&uuml;hrt. Es kam &ndash; auf Befehl Eberts &ndash; am 23. Dezember 1918 zum offenen Angriff auf die Volksmarinedivision. Diese wehrte sich in ihrem Quartier, dem Marstall des Schlosses, mit ihren Waffen und hielt stundenlang dem massiven Beschuss stand. W&auml;hrend des Kampfes str&ouml;mten tausende Menschen, auch Frauen mit Kindern, auf den Schlossplatz und unterst&uuml;tzten die Volksmarinedivision. Die Massenpr&auml;senz wirkte zersetzend auf die Konterrevolution&auml;re. Eine gr&ouml;&szlig;ere Zahl der Truppe desertierte; die Volksmarinedivision siegte. Entnervt kabelte der Generalstabsoffizier, der die Verbindung zum Hauptquartier hielt, nach Kassel: &bdquo;Die Truppen des Generalkommandos Lequis sind nicht mehr aktiv verwendungsf&auml;hig.&ldquo; Im Hauptquartier der Milit&auml;rs in Kassel herrscht Panikstimmung.<\/li>\n<\/ul><p>Es w&auml;re in dieser Situation ein Leichtes gewesen, erneut die Regierung der Volksbeauftragten festzusetzen und die Verantwortlichen f&uuml;r das Massaker &ndash; es gab 70 Tote &ndash; allen voran Friedrich Ebert, zur Rechenschaft zu ziehen. Dazu kam es nicht. Haffner: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Revolution hatte keine F&uuml;hrung, sie sah ihre Chance nicht &ndash; und au&szlig;erdem war jetzt Heiligabend. Die Matrosen [&hellip;] hatten gek&auml;mpft und gesiegt; jetzt wollten sie feiern. Was Liebknecht betraf &ndash; der mit den Ereignissen der letzten Tage nicht das Geringste zu tun hatte &ndash; , so war er die ganze Nacht damit besch&auml;ftigt, eine besonders wirkungsvolle Anklage-Nummer der Roten Fahne herzustellen, die am n&auml;chsten Morgen mit der riesen Balken-&Uuml;berschrift &acute;Eberts Blutweihnacht&acute; herauskam. Die Revolution&auml;ren Obleute, die an diesem Abend wie jedermann zu Hause vor dem Weihnachtsbaum sa&szlig;en, [&hellip;] riefen f&uuml;r den ersten Feiertag zu einer Demonstration auf. [&hellip;] Die Unabh&auml;ngigen Sozialdemokraten aber [&hellip;] sahen nur eins: dass sie aus dieser Regierung heraus mussten [&hellip;] Damit taten sie Ebert [&hellip;] den gr&ouml;&szlig;ten Gefallen.&ldquo;[<a href=\"#foot_18\" name=\"note_18\">18<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>Ein wichtiger Nachr&uuml;cker in die nunmehr rein mehrheitssozialdemokratische Regierung war Gustav Noske. Er hatte bereits im Hintergrund die Konterrevolution organisiert. Dies tat er fortan als Mitglied der Regierung. <\/p><p>Wenn hier festgestellt wird, die Zusammenarbeit zwischen Ebert und Groener sei ein &bdquo;geheimer&ldquo; Pakt gewesen, dann trifft das formal und f&uuml;r die beschriebene &bdquo;Technik&ldquo; (geheime Telefonverbindung) zu. Ebert verbarg allerdings seine Gesinnung nicht.  Als am 10. Dezember die erw&auml;hnten zehn Divisionen  in Berlin einmarschierten, hielt Ebert eine Rede, die in den Berliner Zeitungen dokumentiert wurde. Er sagte dabei u.a.: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Eure Opfer und Taten sind ohne Beispiel. Kein Feind hat Euch &uuml;berwunden [&hellip;] Ihr habt die Heimat vor feindlichem Einfall gesch&uuml;tzt, ihr habt Euren Frauen und Kindern, Euren Eltern den Mord und den Brand des Krieges ferngehalten, Deutschlands Fluren und Werkst&auml;tten vor Verw&uuml;stung und Zerst&ouml;rung bewahrt. [&hellip;] Auf Euch vor allem ruht die Hoffnung der deutschen Freiheit. Ihr seid die st&auml;rksten Tr&auml;ger der deutschen Zukunft.&ldquo;[<a href=\"#foot_19\" name=\"note_19\">19<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>Wohlgemerkt: Das sagte Ebert nicht vor den Soldatenr&auml;ten, die sich eine knappe Woche sp&auml;ter auf dem Reichsr&auml;tekongress in Berlin versammeln wollten. Mehr noch: Diese rechten Einheiten sollten eben die Etablierung von R&auml;ten verhindern und die Stadt von &bdquo;Spartakisten s&auml;ubern&ldquo;. Als &bdquo;Tr&auml;ger der deutschen Zukunft&ldquo; bezeichnete Ebert bereits einen Monat nach der Novemberrevolution in aller &Ouml;ffentlichkeit &ndash; die konterrevolution&auml;ren, von Kassel aus dirigierten Truppen.<\/p><p><strong>Der Januar 1919 &ndash; der angebliche &bdquo;Spartakus-Aufstand&ldquo; und die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht<\/strong><\/p><p>&bdquo;Friedrich Ebert und die von ihm gef&uuml;hrte Sozialdemokratie haben nicht die Arbeiterbewegung verraten. Sie haben sie gerettet.&ldquo; Dies war am 9. November 2018 auf Seite 1 der <em>Berliner Zeitung<\/em>, verfasst von Arno Widmann, zu lesen. Am gleichen Tag konnte man der taz den Satz entnehmen: &bdquo;Die SPD hat 1918\/19 ein gewaltiges St&uuml;ck dazu beigetragen, dass aus der Krise keine Katastrophe wurde.&ldquo; Dies sagte in dem bereits zitierten taz-Interview Meik Woyke, der Vertreter der Friedrich-Ebert-Stiftung. Der Mann sagte dort auch: &bdquo;Friedrich Ebert &uuml;bte mit Sicherheit keinen Terror aus.&ldquo; Die Argumentation, die SPD h&auml;tte in der Novemberrevolution &bdquo;das Schlimmste verhindert&ldquo;, bezieht sich meist auf den Januar 1919 und dort auf das, was als &bdquo;Spartakusaufstand&ldquo; bezeichnet wird.<\/p><p>Doch bereits diese Bezeichnung &ndash; die sich unwidersprochen so auch in der taz findet &ndash; ist nicht zutreffend. Spartakus hat im Januar 1919 keinen Aufstand angef&uuml;hrt. Und das, was damals stattfand, ist mit dem Begriff &bdquo;Aufstand&ldquo; auch unzureichend beschrieben.<\/p><p>Passiert war das Folgende: Am 4. Januar 1919 weigerte sich Emil Eichhorn, Berliner Polizeipr&auml;sident und USPD-Mitglied, seine vom preu&szlig;ischen Innenminister verf&uuml;gte Entlassung anzunehmen. Er wurde dabei von der Berliner USPD, den Revolution&auml;ren Obleuten und von der wenige Tage zuvor gegr&uuml;ndeten KPD, die aus Spartakus hervorgegangen war, unterst&uuml;tzt. Dieses B&uuml;ndnis rief darauf f&uuml;r den 5. Januar als Antwort auf die provokative Entlassung Eichhorns zu einer Protestkundgebung auf. Das Ganze sah dabei eher nach &bdquo;revolution&auml;rer Gymnastik&ldquo; und sicher nicht nach Aufstand aus. Eichhorn war laut Haffner &bdquo;ein herzlich unbedeutender Mann&ldquo;; das d&uuml;rfte untertrieben sein. Er war, so Richard M&uuml;ller, der &bdquo;erste Berliner Polizeipr&auml;sident der Revolution&ldquo; und hatte zuvor, am 10.  November 1918, bei der &Uuml;bergabe des &bdquo;wie eine Festung armierten&ldquo; Berliner Polizeipr&auml;sidiums eine ma&szlig;gebliche Rolle gespielt.[<a href=\"#foot_20\" name=\"note_20\">20<\/a>]<\/p><p>Zur&uuml;ck zum 5. Januar. Aus der Protestkundgebung wurde &ndash; f&uuml;r diejenigen, die dazu aufgerufen hatten, einigerma&szlig;en unerwartet &ndash; eine spontane Massenexplosion. Sie wies viele Parallelen zum 9. November auf, auch wenn es nun in dieser Massenerhebung weit weniger Planung gab. Hunderttausende Arbeiterinnen und Arbeiter gingen auf die Stra&szlig;en; tausende besetzten gro&szlig;e Bahnh&ouml;fe, Druckereien und Zeitungsredaktionen; in den letzteren wurden die Druckmaschinen gestoppt, die Belegschaften nach Hause geschickt und &bdquo;Revolutionsausgaben&ldquo; gedruckt.<\/p><p>Daraufhin beschloss das B&uuml;ndnis, das zu der Protestkundgebung aufgerufen hatte, einen Aufruf zu einer weiteren Massendemonstration am Tag darauf auf. In diesem Aufruf hei&szlig;t es, es gelte nunmehr &bdquo;die Revolution zu festigen und durchzuf&uuml;hren&ldquo; und die Regierung Ebert-Scheidemann zu st&uuml;rzen.<\/p><p>Es wurde ein &bdquo;Provisorischer Revolutionsausschuss&ldquo;, bestehend aus 53 Mann, gebildet. Unter ihnen waren mit Liebknecht und Wilhem Pieck lediglich zwei Spartakus-KPD-Leute. Heinrich Dorrenbach, der F&uuml;hrer der Volksmarinedivision, behauptete in diesem Kreis, &bdquo;nicht nur die Volksmarinedivision, sondern auch die anderen Berliner Regimenter&ldquo; st&uuml;nden bereit, um &bdquo;die Regierung Ebert-Scheidemann zu st&uuml;rzen&ldquo;. Letzteres war eine Fehleinsch&auml;tzung. <\/p><p>Der Revolutionsausschuss teilte mit, dass er &bdquo;die Regierungsgesch&auml;fte vorl&auml;ufig &uuml;bernommen&ldquo; habe und rief zum Generalstreik auf. Haffner:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Auch dieser Aufruf [zu neuerlichen Protestversammlungen und zum allgemeinen Streik; W.W.] wurde befolgt. Die Massen waren am Montagvormittag wieder auf den Stra&szlig;en, vielleicht noch zahlreicher wie am Sonntag. Kopf an Kopf standen sie von der Siegesallee bis zum Alexanderplatz, bewaffnet, erwartungsvoll, tatbereit. [&hellip;] Jetzt glaubten sie, eine F&uuml;hrung zu haben; jetzt erwarteten sie eine Entscheidung, Kampf und Sieg. Und dann geschah nichts. Die F&uuml;hrung lie&szlig; nichts von sich h&ouml;ren. Einzelne Gruppen machten sich selbst&auml;ndig. Und besetzten noch ein paar &ouml;ffentliche Geb&auml;ude. [&hellip;] Den entscheidenden Sturm auf die Regierungsgeb&auml;ude wollte aber offenbar ohne Befehl niemand wagen; und Befehle kamen nicht.&ldquo;[<a href=\"#foot_21\" name=\"note_21\">21<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>Eine wichtige Rolle beim Z&ouml;gern des Revolutionsausschusses spielte, dass die Regimenter in der Stadt sich nicht &ndash; wie erwartet &ndash; auf die Seite der Revolution schlugen. Selbst die Volksmarinedivision erkl&auml;rte sich mehrheitlich &bdquo;neutral&ldquo;; ein Drittel schloss sich den Arbeitern an und beteiligte sich vor allem an der Besetzung des Schlesischen Bahnhofs (heute Ostbahnhof).<\/p><p>Nun spricht sicher einiges daf&uuml;r, dass die Kr&auml;fte f&uuml;r eine Besetzung von Reichstag und Reichskanzlei ausgereicht h&auml;tten. Man verf&uuml;gte auch mit den Zeitungsredaktionen &uuml;ber die Mittel, die rechte Propaganda auszuschalten und eine objektive Berichterstattung zu gew&auml;hrleisten. M&ouml;glich erscheint auch, dass die wankenden bewaffneten Kr&auml;fte sich im Fall, dass derart &bdquo;vollendete Tatsachen&ldquo; geschaffen worden w&auml;ren, auf die Seiten der neuen Macht gestellt h&auml;tten. Das ist jedoch alles Spekulation.<\/p><p>Wenn man allerdings, wie dies der Fall war, einen Angriff auf die zentralen Schaltzentralen nicht durchf&uuml;hrte, weil man zur Einsch&auml;tzung gelangt war, dass daf&uuml;r die Kr&auml;fte nicht ausreichend und der Zeitpunkt falsch waren, dann musste man auch die Kraft haben, die Unternehmung abzusagen, f&uuml;r einen geordneten R&uuml;ckzug zu sorgen und dazu aufrufen, die Besetzung der vielen strategisch wichtigen Geb&auml;ude aufzugeben. Doch, so Haffner, &bdquo;das war mehr, als die dreiundf&uuml;nfzig innerhalb von vierundzwanzig Stunden leisten konnten.&ldquo;<\/p><p>Es kam zu Verhandlungen zwischen Regierung und Revolutionsausschuss. Ebert lie&szlig; sich dabei bewusst Zeit &ndash; Zeit, die er brauchte, um eigene Truppen heranzuf&uuml;hren. Am 9. Januar war es soweit. Ein umfassender milit&auml;rischer Angriff auf die Positionen der Aufst&auml;ndischen begann. In den Tagen 9. Januar bis 12. Januar &bdquo;wurde auf Befehl Eberts die Revolution in der Hauptstadt zusammengeschossen. [&hellip;] Eine buntscheckige Truppenschar [&hellip;] eroberte in schweren Stra&szlig;en- und H&auml;userk&auml;mpfen die besetzten Geb&auml;ude eines nach dem anderen zur&uuml;ck, zuletzt [&hellip;] das Polizeipr&auml;sidium.&ldquo; <\/p><p>Als die blutige Arbeit bereits weitgehend erledigt war, marschierten am 11. Januar neu gebildete Freikorps-Einheiten mit Gustav Noske an der Spitze in die Stadt ein, die Garde-Kavallerie-Sch&uuml;tzen-Division des sp&auml;teren Luxemburg-Liebknecht-M&ouml;rders Waldemar Pabst und das Landesj&auml;gerkorps Maercker. Am 15. Januar wurde der gesamte S&uuml;den und Westen Berlins und die Innenstadt von dem neu gebildeten &bdquo;Generalkommando L&uuml;ttwitz&ldquo; besetzt. Haffner: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Den Westen Berlins &uuml;bernahm die neu gebildete &acute;Garde-Kavallerie-Sch&uuml;tzen-Division&acute;. Im feudalen Eden-Hotel schlug sie ihr Hauptquartier auf. Sie f&uuml;hrte Plakate mit, auf denen stand: [&hellip;] &acute;Berliner! Die Division verspricht Euch, nicht eher die Hauptstadt wieder zu verlassen, als bis die Ordnung endg&uuml;ltig wiederhergestellt ist.&acute; Noch am Tag ihres Einzugs gab die Division ihre Visitenkarte ab: mit der Ermordung von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg.&ldquo;[<a href=\"#foot_22\" name=\"note_22\">22<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>War der Januaraufstand ein Putsch? Das kann bejaht werden &ndash; es war ein Putschversuch. War es ein geplanter Umsturzversuch? Das muss verneint werden. Es war eine spontane Erhebung. Wurde er von einer Minderheit durchgef&uuml;hrt? Auch das trifft nicht zu &ndash; an der Erhebung beteiligten sich Hunderttausende. Die geplante Absetzung des Polizeipr&auml;sidenten wurde als Provokation verstanden. Und es war eine Provokation in doppelter Hinsicht: Mit dem Auswechseln des Polizeipr&auml;sidenten sollte das weitere Vordringen der Konterrevolution in der Hauptstadt durchgesetzt werden. Gleichzeitig spielten bei der darauf einsetzenden Radikalisierung Provokateure eine Rolle. Handelte es sich um einen von Spartakus angef&uuml;hrten Putschversuch? Definitiv nicht. Die KPD hatte sich im Vorfeld ausdr&uuml;cklich gegen eine &Uuml;bernahme der Regierung ausgesprochen. In einem unmittelbar vor den Januar-K&auml;mpfen durch die KPD verteilten Flugblatt hei&szlig;t es: &bdquo;W&uuml;rden die Berliner Arbeiter heute die Nationalversammlung auseinanderjagen, w&uuml;rden sie die Scheidemann-Ebert ins Gef&auml;ngnis werfen, w&auml;hrend die Arbeiter des Ruhrgebiets, Oberschlesiens [&hellip;] ruhig bleiben, so w&uuml;rden die Kapitalisten morgen Berlin durch Aushungern unterwerfen k&ouml;nnen.&ldquo;[<a href=\"#foot_23\" name=\"note_23\">23<\/a>] War es ein Aufstand, angeleitet von &bdquo;den&ldquo; Revolution&auml;ren Obleuten? Auch das trifft so nicht zu. Der f&uuml;hrende Kopf der Obleute, Richard M&uuml;ller, wandte sich z.B. &bdquo;in der sch&auml;rfsten Form gegen das vorgeschlagene Ziel des Kampfes, Sturz der Regierung. Er legte dar, dass daf&uuml;r weder politisch, noch milit&auml;risch die Voraussetzungen gegeben seien. Die Bewegung im Reiche wachse von Tag zu Tag. [&hellip;] Ein  verfr&uuml;htes isoliertes Vorgehen in Berlin k&ouml;nne die weitere Entwicklung der Revolution gef&auml;hrden.&ldquo;[<a href=\"#foot_24\" name=\"note_24\">24<\/a>] Richtig ist, dass die Mehrheit der Berliner Revolution&auml;ren Obleute und eine Mehrheit der Berliner USPD sich angesichts der beschriebenen &ndash; von allen nicht erwarteten &ndash; Massendemonstrationen und der dort zum Ausdruck gebrachten Stimmungen zu den Umsturzforderungen hatten hinrei&szlig;en lassen.<\/p><p>Liebknecht selbst, der &ndash; dabei auch seinem Naturell folgend &ndash; diese Umsturzforderungen unterst&uuml;tzt hatte und zu einem der Wortf&uuml;hrer derselben wurde, wurde kurz nach dem Umsturzversuch von Rosa Luxemburg mit den Worten kritisiert: &bdquo;Karl, wo bleibt unser Programm?&ldquo;[<a href=\"#foot_25\" name=\"note_25\">25<\/a>]<\/p><p>Grotesk ist auf alle F&auml;lle, wenn in der offiziellen Geschichtschreibung und in den eingangs zu diesem Abschnitt zitierten Kommentaren anl&auml;sslich des 100. Jahrestags der Novemberrevolution in erster Linie der Umsturzversuch als &bdquo;gewaltt&auml;tig&ldquo; gegei&szlig;elt und dabei das bald darauf stattfindende W&uuml;ten der Konterrevolution ausgeblendet oder relativiert wird. In der <em>Berliner Zeitung<\/em> schreibt dazu der bereits zitierte Arno Widmann sogar: &bdquo;So rabiat die junge Republik auch unter Zuhilfenahme der alten Apparate gegen alles, was links von ihr stand, vorging, so vern&uuml;nftig war das auch.&ldquo; <\/p><p>Der Umsturzversuch hatte keine gr&ouml;&szlig;ere Zahl an Opfern gefordert. Auch hier waren die Massen gutm&uuml;tig geblieben und zur&uuml;ckhaltend und unblutig vorgegangen. Die konterrevolution&auml;re Bewegung, die nicht von der &bdquo;jungen Republik&ldquo;, sondern von Ebert, Noske und Scheidemann kommandiert wurde, hatte dagegen vielen hundert Menschen das Leben gekostet. Es kam nun auch zu unerh&ouml;rten Gr&auml;ueln. Haffner: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Vorw&auml;rts-Besatzung schickte sechs Parlament&auml;re mit einer wei&szlig;en Fahne, um &uuml;ber freien Abzug zu verhandeln. Einer von ihnen wurde mit der Forderung nach bedingungsloser &Uuml;bergabe zur&uuml;ckgeschickt, die &uuml;brigen f&uuml;nf  [&hellip;] furchtbar mi&szlig;handelt und schlie&szlig;lich [&hellip;] erschossen. Dann wurde der Vorw&auml;rts gest&uuml;rmt. Dreihundert Verteidiger wurden gefangen genommen. Major von Stephani rief in der Reichskanzlei an und fragte, was er mit den vielen Gefangenen anfangen solle. Nach eigener schriftlicher Beurkundung erhielt er die Antwort: &acute;Alle erschie&szlig;en!&acute; Das verweigerte er; er war noch ein Offizier der alten Schule. Sieben der Gefangenen wurden trotzdem erschossen, fast alle mit Gewehrkolben furchtbar mi&szlig;handelt.&ldquo;[<a href=\"#foot_26\" name=\"note_26\">26<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>Die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht wird in der Regel als ein gesondertes &ndash; isoliertes &ndash; Ereignis &bdquo;in den Revolutionswirren&ldquo; dargestellt. Als M&ouml;rder werden dabei die Freikorps-Soldaten genannt. Wenn in diesem Zusammenhang der Name Gustav Noske f&auml;llt, dann wird auch dies in der Regel als eine individuelle Angelegenheit dargestellt. Die SPD als solche taucht dabei oft nicht oder nur am Rande auf; die Namen Ebert und Scheidemann ebenfalls nicht. Tatsche ist, dass die SPD-F&uuml;hrung als die in Berlin die Macht aus&uuml;bende Kraft zulie&szlig;, dass seit Wochen in der Stadt Hunderttausende &ndash; M&uuml;ller schreibt: &bdquo;Millionen&ldquo; &ndash; Flugbl&auml;tter zirkulierten und Plakate verklebt waren, die offen zum Mord an Luxemburg und Liebknecht aufforderten. &bdquo;T&ouml;tet Liebknecht!&ldquo; &bdquo;Schlagt Rosa Luxemburg tot!&ldquo;, so lauteten die Parolen. Plakate mit solchen Aufforderungen waren auch in &ouml;ffentlichen Geb&auml;uden und in den Kasernen angeschlagen. In der SPD-Parteizeitung  Der Vorw&auml;rts wurde am 13. Januar 1919 ein &bdquo;Gedicht&ldquo; mit einem offenen Mordaufruf abgedruckt. In diesem hei&szlig;t es: <\/p><blockquote><p>\nVielhundert Tote in einer Reih&acute;-<br>\nProletarier!<br>\nEs fragten nicht Eisen, Pulver und Blei,<br>\nob einer rechts, links oder Spartakus sei,<br>\nProletarier!<br>\nWer hat die Gewalt in die Stra&szlig;en gesandt,<br>\nProletarier?<br>\nWer nahm die Waffe zuerst in die Hand<br>\nUnd hat auf ihre Entscheidung gebrannt?<br>\nSpartakus!<br>\nViel hundert Tote in einer Reih&acute;-<br>\nProletarier!<br>\nKarl, Rosa, Radek und Kumpanei &ndash;<br>\nEs ist keiner dabei, es ist keiner dabei:<br>\nProletarier!\n<\/p><\/blockquote><p>Vor allem ist der Zusammenhang zwischen der unglaublichen Brutalit&auml;t, die die konterrevolution&auml;ren Truppen zur Niederschlagung des Umsturzversuchs &ndash; nicht zuletzt bei der R&uuml;ckeroberung des Verlagsgeb&auml;udes des <em>Vorw&auml;rts<\/em> &ndash; ausge&uuml;bt hatten, und den Morden an den beiden f&uuml;hrenden Personen der deutschen Arbeiterbewegung offenkundig. Der Mord wurde von jenem neuen Hauptquartier der Konterrevolution im Hotel Eden aus orchestriert, das Teil des Angriffs auf die Arbeiterinnen und Arbeiter war. Gustav Noske als Mann der Reichsregierung stand bei all diesen m&ouml;rderischen Aktionen im Zentrum. Waldemar Pabst, der den direkten Mordauftrag an Luxemburg und Liebknecht erteilt hatte, hatte zuvor, nach der Gefangennahme der beiden und nach deren &Uuml;berstellung ins Hotel Eden, Noske angerufen und von diesem &ndash; so Pabst &ndash; gesagt bekommen, er &bdquo;m&uuml;sse selbst verantworten, was zu tun sei.&ldquo; Klaus Gietinger: &bdquo;Pabst verstand dies zu Recht als Freibrief zur Ermordung der beiden ehemaligen Parteigenossen Noskes.&ldquo;[<a href=\"#foot_27\" name=\"note_27\">27<\/a>] <\/p><p>Nachdem der Mord an Liebknecht und Luxemburg bekannt und Details in der &bdquo;Roten Fahne&ldquo; ver&ouml;ffentlicht wurden, riefen USPD und KPD zum Generalstreik auf. Doch dieser wurde nur von einigen Zehntausend befolgt. Die Januar-K&auml;mpfe hatten die revolution&auml;ren Kr&auml;fte demoralisiert. Als am 25. Januar die Leiche Liebknechts &ndash; die Leiche von Rosa Luxemburg galt zun&auml;chst aus unauffindbar &ndash; mit 33 Opfern der Januar-K&auml;mpfe bestattet wurde, folgten Hunderttausende dem Trauerzug.  Richard M&uuml;ller: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Der Oberbefehlshaber Noske hatte nur bestimmte Stra&szlig;en f&uuml;r den Trauerzug freigegeben. [&hellip;] Das abgesperrte Gebiet von Gro&szlig;-Berlin glich einem gewaltigen Heerhaufen [&hellip;] Auf Pl&auml;tzen und an Kreuzungspunkten der Hauptverkehrsstra&szlig;en standen schu&szlig;bereit Maschinengewehre, Kanonen und Minenwerfer inmitten riesiger Haufen schwerer und leichter Munition. Noskes Aufwand war umsonst.&ldquo;[<a href=\"#foot_28\" name=\"note_28\">28<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>Im &Uuml;brigen war die Zusammenarbeit mit den Freikorps sp&auml;testens nach der Ermordung von Rosa Luxemburg und dem Einmarsch der ersten Freikorps-Verb&auml;nde mit Gustav Noske an deren Spitze im Allgemeinen bekannt. Die Anwerbung der Freikorps-Mitglieder erfolgte inzwischen offen &ndash; so auch auf den Seiten der SPD-Parteizeitung &bdquo;Vorw&auml;rts&ldquo;. Am 23. Februar 1919 gab es im &bdquo;Vorw&auml;rts&ldquo; eine ganze Seite, auf der zwei Dutzend Freikorps-Verb&auml;nde f&uuml;r neue Mitglieder warben. Wobei diese Anzeigen wohl eher das Anbiedern der SPD-F&uuml;hrung bei den rechten Kr&auml;ften zum Ausdruck brachten. Peter von Oertzen und Klaus Gietinger argumentieren &uuml;berzeugend, dass es unter den Freikorps-Leuten so gut wie keine Arbeiter gab. Diese setzten sich &uuml;berwiegend aus ehemaligen Offizieren des kaiserlichen Heeres, aus Studenten, brotlos gewordenen Handwerkern,  entwurzelten ehemaligen Frontsoldaten und aus Kriminellen zusammen.<\/p><p>Am 19. Januar 1919 fanden die Wahlen zum Reichstag statt. Die SPD wurde mit 37,9 Prozent die mit Abstand st&auml;rkste Partei. Die USPD erreichte nur 7,6 Prozent. Die KPD hatte die Wahlen boykottiert. Die &ndash; allerdings verfeindeten &ndash; Arbeiterparteien erreichten zusammen immerhin 45,5 Prozent. Zweitst&auml;rkste Partei &ndash; und f&uuml;hrende b&uuml;rgerliche Partei &ndash; war das Zentrum (19,7%).<\/p><p><strong>Der Kapp-Putsch und der Generalstreik vom M&auml;rz 1920<\/strong><\/p><p>Es schien so, als h&auml;tten die Januar-K&auml;mpfe 1919 der Revolution das Genick gebrochen. Zumal im Mai 1919 auch die Bayerische R&auml;terepublik von der Konterrevolution endg&uuml;ltig niedergewalzt worden war (siehe dazu unten). Wenn es dennoch im Fr&uuml;hjahr 1920 in ganz Deutschland zu einer dritten demokratischen und revolution&auml;ren Massenerhebung kam, so wird damit ein weiteres Mal die Tiefe, die Reife und der umfassende Charakter der revolution&auml;ren Entwicklung in Deutschland unter Beweis gestellt.<\/p><p>Zun&auml;chst ging es jedoch um das Entgegengesetzte &ndash; darum, dass sich die Logik, die aus den neu aufgebauten &ndash; alten &ndash; konterrevolution&auml;ren Kr&auml;ften resultierte, Bahn brach. Am 13. M&auml;rz 1920 putschten Freikorps-Verb&auml;nde erfolgreich. Sie &uuml;bernahmen in Berlin im Handstreich die Regierungsgewalt und verjagten die Ebert-Scheidemann-Noske-Regierung. Gebildet wurde ein weit rechtsstehendes, faschistoides Regime. Es war im Grunde ein Vorspiel auf das, was im Januar 1933 stattfand.<\/p><p>Den Ausgangspunkt bei diesen Ereignissen bildete der Versailler Vertrag. Dieser trat am 10. Januar 1920 in Kraft. Er forderte eine Begrenzung der Reichswehr von bislang 400.000 Mann auf 100.000 Soldaten (plus 15.000 Matrosen). In diesem Zusammenhang sollte ein gr&ouml;&szlig;erer Teil der Freikorps aufgel&ouml;st werden. Betroffen war davon auch die Brigade Ehrhardt, ein f&uuml;nftausend Mann starkes Freikorps, das noch 1919 in Lettland gegen bolschewistische Einheiten gek&auml;mpft und im B&uuml;rgerkrieg in Berlin und in M&uuml;nchen bei den Massakern gegen die Arbeiter eingesetzt worden war. Die Einheit war im Januar 1920 auf den Truppen&uuml;bungsplatz D&ouml;berith bei Berlin verlegt worden. Die extrem rechts eingestellten Berufssoldaten trugen bereits das <em>Hakenkreuz<\/em> auf dem Stahlhelm. Haffner: &bdquo;Der Geist dieser Truppe war schon 1920 unverkennbar Geist vom Geiste der k&uuml;nftigen Waffen-SS.&ldquo;[<a href=\"#foot_29\" name=\"note_29\">29<\/a>] Und diesen &bdquo;Geist&ldquo; gab es bereits damals vertont &ndash; als &bdquo;Ehrhardt-Lied&ldquo;: &bdquo;<em>Hakenkreuz am Stahlhelm \/ Schwarzwei&szlig;rot das Band \/ Die Brigade Ehrhardt \/ Werden wir genannt.<\/em>&ldquo; <\/p><p>Die Hinterm&auml;nner und Organisatoren des Putsches waren Mitglieder einer Verschw&ouml;rergruppe mit Namen &bdquo;Nationale Vereinigung&ldquo;, die seit August 1919 den Staatsstreich  vorbereitete. Die &bdquo;Nationale Vereinigung&ldquo;  wurde u.a. unterst&uuml;tzt von dem Pressezar Alfred Hugenberg, dem Industriellen Hugo Stinnes, dem Geheimrat Duisberg von den BAYER-Werken und nicht zuletzt von dem Weltkrieg-Diktator Ludendorff. Ma&szlig;gebliche Betreiber des Netzwerks waren General von L&uuml;ttwitz, Wolfgang Kapp und Waldemar Pabst.  Kapp, nach dem der Putsch dann in den Geschichtsb&uuml;chern benannt wurde, war Generallandschaftsdirektor und Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank. <\/p><p>In der Nacht vom 12. auf den 13. M&auml;rz marschierten Freikorpseinheiten unter Kapit&auml;n Ehrhardt in Berlin ein. Ihr Befehl lautete, &bdquo;jeden Widerstand r&uuml;cksichtslos zu brechen und das Zentrum der Stadt mit den Ministerien zu besetzen&ldquo;. Obgleich Noske einen solchen Putsch ahnte und Reichswehreinheiten im Regierungsviertel zusammengezogen hatte, hatten die Putschisten Erfolg auf der ganzen Linie. Die Offiziere s&auml;mtlicher Reichswehreinheiten, die Noske zur Verteidigung herbeibeordert hatte, hatten sich (unter der Losung &bdquo;Reichswehr schie&szlig;t nicht auf Reichswehr&ldquo;) darauf verst&auml;ndigt, die SPD-gef&uuml;hrte Regierung nicht zu verteidigen. <\/p><p>Die Regierung war schutzlos. Und sie war denjenigen rechtsradikalen Einheiten ausgeliefert, die sie in den vergangenen Monaten aufgep&auml;ppelt hatte. Selbst der Generalstabschef von Seeckt erkl&auml;rte offen, es sei besser, &bdquo;wenn Erhardt&ldquo;, der inzwischen an der Siegess&auml;ule Halt gemacht und ein Ultimatum ausgesprochen hatte, auf eine &bdquo;gleichg&uuml;ltige Reichswehr&ldquo; sto&szlig;e, als wenn er &bdquo;als Sieger einer gewonnenen  Schlacht am Brandenburger Tor&ldquo; in Berlin einziehe.[<a href=\"#foot_30\" name=\"note_30\">30<\/a>] <\/p><p>Es waren dabei nicht, wie dies die vorherrschende Geschichtsschreibung nahelegt, irgendwelche wildgewordenen Freikorps-Leute, die da putschten. Die Atempause, die die Freikorps-Einheiten am Abend des 13. M&auml;rz der noch amtierenden Regierung gew&auml;hrten, wird in der &bdquo;Illustrierten Geschichte der deutschen Revolution&ldquo; wie folgt beschrieben: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ehrhardt r&uuml;ckte mit seinen Landsknechten nach dem Brandenburger Tor vor. Die Reichswehrposten r&auml;umten nach kurzer Verhandlung das Feld. Hier gaben sich nun die F&uuml;hrer des Kapp-Putsches das historische, &acute;zuf&auml;llige&acute; Stelldichein. Ehrhardt stellte es so dar: &acute;Ich bemerkte im Hintergrunde einige Herren im Gehrock und Zylinder. Zu ihnen gesellte sich als &acute;Morgenspazierg&auml;nger&acute; General Ludendorff. Erst sp&auml;ter wurde es mir klar, dass diese Gruppe Zylindertr&auml;ger Herr Kapp und seine k&uuml;nftigen Minister waren.&acute; Wer sieht bei diesen Worten nicht das zynische Grinsen dieses Landsknechtsf&uuml;hrers?&ldquo;[<a href=\"#foot_31\" name=\"note_31\">31<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>Ludendorff, fahnenfl&uuml;chtig am Kriegsende und zugleich zu feige, um die Kapitulation zu unterzeichnen, war aus seinem Exil in Schweden wieder aufgetaucht. Der Kopf der Milit&auml;rdiktatur im Ersten Weltkrieg zog die Strippen. Er war dann drei Jahre sp&auml;ter beim Hitler-Putsch 1923 erneut mit von der Partie. Wobei die Putschisten 1923 als Termin den 9. November gew&auml;hlt hatten &ndash; mit derselben Intention, wie sie dies 1938 tun sollten.<\/p><p>Die sozialdemokratischen Minister mit Ebert an der Spitze flohen aus Berlin. Sie fanden &ndash; nach einer Zwischenstation in Dresden &ndash; schlie&szlig;lich Unterschlupf in Stuttgart. In Berlin zogen die Kapp-Putschisten in Reichskanzlei und Reichstag ein. Binnen weniger Stunden unterstellten sich die Berliner Truppen, die gesamte Marine, die Heereskommandos in Ostpreu&szlig;en, Pommern, Brandenburg und Schlesien dem neuen Oberbefehlshaber L&uuml;ttwitz und dem neuen Reichskanzler Kapp. Andere Teile der bewaffneten Kr&auml;fte blieben &bdquo;neutral&ldquo;.  Buchst&auml;blich niemand aus dem Milit&auml;r stellte sich auf die Seite der rechtm&auml;&szlig;igen, der gew&auml;hlten Regierung. Selbst f&uuml;hrende Sozialdemokraten &ndash; so der Berliner Polizeipr&auml;sident Ernst &ndash; unterst&uuml;tzten die neue Regierung. <\/p><p>Die Putsch-Regierung lie&szlig; Plakate verkleben, die mit &bdquo;Der Reichskanzler Kapp&ldquo; unterzeichnet waren. Auf einem dieser Plakate, datiert auf den 15. M&auml;rz, war zu lesen: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Lage ist gut. Die alte Regierung will die Aufforderung zum Generalstreik widerrufen, da sie dieses Unrecht am deutschen Volk eingesehen hat. Verhandlungen zwischen alter und neuer Regierung haben begonnen und sind in gutem Fortschreiten. Die Bildung der neuen Regierung auf breitester demokratischer Basis ist in k&uuml;rzester Zeit zu erwarten. Sie war bisher verz&ouml;gert durch den Aufruf der alten Regierung zum Generalstreik.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Generalstreik? Unrecht am deutschen Volk? War da was?<\/p><p>Ja, da war was. Vor ihrer &uuml;berhasteten Flucht aus Berlin hatten die SPD-F&uuml;hrer &ndash; wohl in einer Art Reflex, bezugnehmend auf die Zeiten vor August 1914 &ndash; einen Aufruf zum Generalstreik verfasst. Sie hatten diesen auch unterzeichnet. Oder hatten sie ihn doch nicht unterschrieben? Genau genommen war eine Unterzeichnung vorgesehen. Denn die Namen der Unterzeichnenden sollen auf dem Original-Aufruf nur mit Bleistift gekrakelt gewesen sein. Als die Ex-Minister und der Ex-Kanzler Ebert in Dresden, bei ihrer ersten Zwischenstation auf der Flucht, von dem dort kommandierenden General Maercker mit dem &bdquo;unerh&ouml;rten Aufruf zum Generalstreik&ldquo; konfrontiert wurden, versicherten die SPD-Mannen hoch und heilig, ihre Namen seien ohne ihre Einwilligung unter &bdquo;dieses Elaborat gesetzt&ldquo; worden.<\/p><p>Doch das &bdquo;Elaborat&ldquo; war in der Welt. Und es entwickelte ein Eigenleben. Es d&uuml;rfte in Berlin nicht allzu viele Plakate mit dem Generalstreik-Aufruf gegeben haben; schlie&szlig;lich herrschten hier die Kapp-Putschisten mit eiserner Hand: Sie hinterlie&szlig;en nach einer Woche Kurzzeitdiktatur allein in der Hauptstadt 200 Tote. Doch der Text des Aufrufs zum Generalstreik sprach eine derart klare Sprache, dass er ins Herz der Arbeiterinnen und Arbeiter traf und es eines fl&auml;chendeckenden Plakatierens nicht bedurfte. Dort hie&szlig; es: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Arbeiter! Genossen! Wir (!) haben die Revolution nicht gemacht, um uns heute wieder einem blutigen Landsknechtsregime zu unterwerfen [&hellip;] Es geht um alles! Darum sind die sch&auml;rfsten Abwehrmittel geboten! [&hellip;] Legt die Arbeit nieder! Streikt! Schneidet der reaktion&auml;ren Clique die Luft ab! K&auml;mpft mit jedem Mittel um die Erhaltung der Republik! [&hellip;] Es gibt nur ein Mittel gegen die Diktatur Wilhelm II: Lahmlegung jedes Wirtschaftslebens! [&hellip;] Generalstreik auf der ganzen Linie! Proletarier, vereinigt Euch! Nieder mit der Gegenrevolution!&ldquo;[<a href=\"#foot_32\" name=\"note_32\">32<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>Den Aufforderungen zum Generalstreik wurde Folge geleistet. Und dies in einem Umfang, wie es dies nie zuvor in Deutschland und seitdem nie wieder gegeben hat. Das gesamte Land kam zum Stillstand. Kein Eisenbahnverkehr. Keine Post. Keine Zeitungen. In Berlin gab es nicht einmal Wasser, Gas und elektrisches Licht. Alle Verbindungen zwischen der Hauptstadt und den Provinzen waren unterbrochen. Kapp &amp; Co. waren binnen weniger Stunden isoliert und weitgehend hilflos &ndash; trotz viel Gejammer, trotz massiver Drohungen (unter anderem mit dem Todesurteil bei Streikteilnahme), trotz vielen Versprechungen &uuml;ber die Bildung einer &bdquo;neuen demokratischen Regierung&ldquo;. Siehe oben. Sebastian Haffner: <\/p><p>&bdquo;Die Putschregierung in Berlin war nach drei Tagen Generalstreik ebenso ohnm&auml;chtig geworden wie die Exilregierung in Stuttgart. Beide beherrschten nur noch ihre Vorzimmer. In dieser Generalstreikwoche vom 14. zum 21. M&auml;rz 1920 wiederholte das deutsche Proletariat noch einmal seine Leistung der Revolutionswoche vom 4. zum 10. November 1918. Die &Auml;hnlichkeit der beiden Vorg&auml;nge ist &uuml;berw&auml;ltigend. Wie damals spielte sich &uuml;berall in Deutschland das Gleiche ab [&hellip;] &ndash; aus einer spontanen Solidarit&auml;t des Denkens und des F&uuml;hlens heraus. Wie damals war der Charakter der Massenaktion nicht sozialistisch, sondern demokratisch und antimilitaristisch: Der Generalstreik jetzt wie die Revolution damals richtete sich gegen eine Milit&auml;rherrschaft [&hellip;] Und wie damals bestand die gro&szlig;e Masse der Streikenden aus Sozialdemokraten. Nur die sozialdemokratischen Minister hatten ja zum Streik aufgerufen. Die Unabh&auml;ngigen weigerten sich zun&auml;chst, sich dem Streikruf anzuschlie&szlig;en. [&hellip;] Die Berliner KPD-Zentrale [&hellip;] gab am selben Tag sogar einen Aufruf gegen den Streik heraus: &acute;Keinen Finger r&uuml;hren f&uuml;r die in Schmach und Schande untergegangene Regierung der M&ouml;rder Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs!&acute; Das alles blieb ohne die geringste Wirkung. Auch die USPD- und KPD-Anh&auml;nger streikten wie ein Mann und den Parteif&uuml;hrern blieb schlie&szlig;lich nichts anderes &uuml;brig, als sich ihren Mannschaften anzuschlie&szlig;en.&ldquo;[<a href=\"#foot_33\" name=\"note_33\">33<\/a>] <\/p><p>Die Streikbewegung f&uuml;hrte schlagartig zum Wiederaufleben der R&auml;tebewegung. In gro&szlig;en Teilen Deutschlands ging sie in eine bewaffnete Erhebung &uuml;ber. So rollte eine improvisierte &bdquo;Rote Ruhrarmee&ldquo; wie eine Lawine durch das Revier. Haffner: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Am Ende der Streikwoche stand das ganze Ruhrgebiet unter der Herrschaft der bewaffneten Arbeiter. Aber gerade diese unerwartete Machtentfaltung der erneuerten Revolution wurde ihr zum Verh&auml;ngnis. Die Kapp-Regierung war zwar [&hellip;] nicht zu halten. [&hellip;] Aber die Angst vor der schon endg&uuml;ltig besiegt geglaubten Revolution [&hellip;] einte im Lauf weniger Tage wieder die Gegner vom 13. M&auml;rz. Gegen die Revolution fanden b&uuml;rgerlicher Staat und milit&auml;rische Rebellen rasch wieder zusammen. Und es dauerte nicht lange, bis auch die SPD in diese Einheitsfront einschwenkte.&ldquo;[<a href=\"#foot_34\" name=\"note_34\">34<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>Kapp &amp; Co. traten zur&uuml;ck. Doch ihnen wurde von der alten, mit dem Generalstreik ins Amt zur&uuml;ck bef&ouml;rderten SPD-Regierung gestattet, dies in geordneter Formation zu tun. Den Putschisten wurde faktisch Straffreiheit gew&auml;hrt. Die Brigade Ehrhardt zog in Formation aus Berlin ab. Als w&auml;hrend dieses Abzugs am Brandenburger Tor aus der umstehenden Bev&ouml;lkerung Buh-Rufe ert&ouml;nten, feuerten die Freikorps-M&auml;nner in die Menge und hinterlie&szlig;en zw&ouml;lf Tote und drei&szlig;ig Schwerverletzte auf dem Pariser Platz. <\/p><p>Die Reichsregierung kehrte aus Stuttgart nach Berlin zur&uuml;ck. Ihre ersten zwei Ziele waren: die Beendigung des Generalstreiks und die Entwaffnung der Roten Ruhr-Armee bzw. der bewaffneten Arbeitermilizen. Mit der Entwaffnung beauftragten sie die Reichswehr. Diese wiederum beauftragte mit der Niederschlagung der Aufst&auml;ndischen bevorzugt Verb&auml;nde, die unter Kapp und L&uuml;ttwitz als Putschisten aufgetreten waren. <\/p><p>Haffner: &bdquo;So endete der Kapp-Putsch mit einem m&ouml;rderischen Strafgericht der immer noch sozialdemokratisch gef&uuml;hrten Regierung &uuml;ber ihre Retter, ausgef&uuml;hrt von denen, vor denen sie gerettet worden waren.&ldquo;[<a href=\"#foot_35\" name=\"note_35\">35<\/a>] <\/p><p>Eine der Bedingungen, die mit den Putschisten vor deren Abzug vereinbart worden waren, waren vorgezogene Reichstagswahlen. Am 6. Juni 1920 wurde gew&auml;hlt. Die Stimmenzahl der SPD wurde mehr als halbiert.[<a href=\"#foot_36\" name=\"note_36\">36<\/a>]  Die SPD schied damit nicht nur als f&uuml;hrende Regierungspartei aus. Sie wurde von den B&uuml;rgerlichen f&uuml;rs parlamentarische Regieren auch nicht mehr ben&ouml;tigt. Ebenso wie der Kapp-Putsch bereits angedeutet hatte, dass die SPD f&uuml;r die Konterrevolution ihre Bedeutung verloren hatte. Ab diesen Wahlen und bis zum Ende der Weimarer Republik gab es nun B&uuml;rgerblock-Regierungen, deren letzte 1933 die Regierungsgesch&auml;fte in die H&auml;nde der Faschisten &uuml;bergab.  <\/p><p><em>Klaus Gietinger und Winfried Wolf ver&ouml;ffentlichten 2017 das Buch &bdquo;Der Seelentr&ouml;ster. Wie Christopher Clark die Deutschen von der Schuld am Ersten Weltkrieg erl&ouml;st.&ldquo; (Schmetterling Stuttgart). Winfried Wolf st&uuml;tzt sich in seinem hier verbreiteten Text vor allem auf Klaus Gietinger, November 1918. Der verpasste Fr&uuml;hling (Nautilus, Hamburg 2018), Sebastian Haffner, Der Verrat &ndash; Deutschland 1918\/19 (verschiedene Ausgaben verschiedener Verlage) und Richard M&uuml;ller, Die Geschichte der Revolution (urspr&uuml;nglich drei B&auml;nde; zuletzt Berlin 2011, Buchmacherei).<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Heinrich Jaenicke, Friedrich Ebert, Das Gesicht der Republik, Geo Epoche Kollektion &ndash; Die Weimarer Republik, Nr. 12, Hamburg (Gruner + Jahr) 2018, S.27.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Zitiert nach: S&uuml;ddeutsche Zeitung vom 10. November 2018.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Hier zitiert bei: Klaus Gietinger, November 1918, Der verpasste Fr&uuml;hling des 20. Jahrhunderts, Hamburg 2018, S. 102.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Taz vom 9. November 2018; Interview mit Meik Woyke (FES) und Uwe Sonnenberg (rls).<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Sie sind gut beschrieben bei Haffner, Verrat&hellip;, S. 44-46 und Klaus Gietinger, November 1918&hellip;, a.a.O., S. 50ff<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Dort hei&szlig;t es auf S. 30: &bdquo;Aus Berliner Gro&szlig;betrieben kommen alarmierende Berichte. Die revolution&auml;re Bewegung sei nicht aufzuhalten, erkl&auml;ren SPD-Obleute.&ldquo;<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] Klaus Gietinger, a.a.O., vor allem S.57ff.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] Haffner, Verrat, a.a.O., S. 80.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] Peter von Oertzen, a.a.O., S. 72f.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] Taz vom 9. November 2018, S.9.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] Richard M&uuml;ller, Eine Geschichte der Novemberrevolution, Erstausgabe 1924 und 1925; hier nach: Oktober 2017, S. 246. Dieses wunderbare, gut dokumentierte und gut erz&auml;hlte Buch ist auch insofern erstaunlich, als der Verfasser ein Arbeiter ist, der &bdquo;mit diesem Werk eine Geschichte von unten&acute; im  besten Sinne (schuf): eine Darstellung der Jahre 1914-1919 nicht aus Sicht von Parteien, Gener&auml;len, Abgeordneten und Diplomaten, sondern als Geschichte sozialer K&auml;mpfe&ldquo;. Ralf Hoffrogge in der Einleitung zu dieser Arbeit; S.11.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_12\" name=\"foot_12\">&laquo;12<\/a>] Richard M&uuml;ller, a.a.O., S. 266.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_13\" name=\"foot_13\">&laquo;13<\/a>] Richard M&uuml;ller, a.a.O., S. 265.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_14\" name=\"foot_14\">&laquo;14<\/a>] R. M&uuml;ller, a.a.O., S. 266.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_15\" name=\"foot_15\">&laquo;15<\/a>] &Uuml;ber die erste Sitzung des Vollzugsrats der Arbeiter- und Soldatenr&auml;te hei&szlig;t es: &bdquo;Bei der Festsetzung der Tagesordnung wurde ein Antrag auf Zulassung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht als G&auml;ste mit beratender Stimme gegen die Stimmen der Unabh&auml;ngigen abgelehnt.&ldquo; Zitiert bei R. M&uuml;ller, a.a.O., S. 429. <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_16\" name=\"foot_16\">&laquo;16<\/a>] A.a.O., S. 83f.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_17\" name=\"foot_17\">&laquo;17<\/a>] Zitiert bei Haffner, a.a.O., S. 94.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_18\" name=\"foot_18\">&laquo;18<\/a>] Haffner, a.a.O. S. 120.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_19\" name=\"foot_19\">&laquo;19<\/a>] Zitiert bei Klaus Gietinger, a.a.O., S. 84.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_20\" name=\"foot_20\">&laquo;20<\/a>] R. M&uuml;ller, a.a.O., S. 244f.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_21\" name=\"foot_21\">&laquo;21<\/a>] Haffner, a.a.O., S. 127.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_22\" name=\"foot_22\">&laquo;22<\/a>] Haffner, a.a.O., S. 137.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_23\" name=\"foot_23\">&laquo;23<\/a>] Zitiert bei Richard M&uuml;ller, a.a.O., S. 544.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_24\" name=\"foot_24\">&laquo;24<\/a>] Richard M&uuml;ller, a.a.O., S. 547. <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_25\" name=\"foot_25\">&laquo;25<\/a>] Zitiert bei Haffner, a.a.O., S. 133. R. M&uuml;ller bezeichnete das Vorgehen auch Liebknechts als einen &bdquo;Putsch, vor dem [&hellip;] auch die Zentrale der Kommunistischen Partei eindringlich gewarnt hatte. Liebknecht und Pieck waren Mitglieder dieser Zentrale. Sie verleugneten die offizielle Politik dieser Partei. Sie stellten die sch&auml;rften Forderungen auf und griffen jeden an, der es wagte, Bedenken vorzutragen.&ldquo; R. M&uuml;ller, a.a.O., S. 548.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_26\" name=\"foot_26\">&laquo;26<\/a>] Haffner, a.a.O., S. 132.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_27\" name=\"foot_27\">&laquo;27<\/a>] Klaus Gietinger, Der Konterrevolution&auml;r. Waldemar Pabst &ndash; eine deutsche Karriere, Hamburg 2008, S.125. Gietinger konnte hier als erster aus den unver&ouml;ffentlichten Memoiren von W. Pabst zitieren.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_28\" name=\"foot_28\">&laquo;28<\/a>] Richard M&uuml;ller, a.a.O., S. 597.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_29\" name=\"foot_29\">&laquo;29<\/a>] Haffner, a.a.O., S. 178.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_30\" name=\"foot_30\">&laquo;30<\/a>] Haffner, a.a.O., S. 181.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_31\" name=\"foot_31\">&laquo;31<\/a>] Illustrierte Geschichte der deutschen Revolution, Internationaler Arbeiter-Verlag Berlin, Berlin 1929, hier nach: Reprint Verlag Neue Kritik o.J. (ca. 1970), S.460.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_32\" name=\"foot_32\">&laquo;32<\/a>] Zitiert bei: Haffner, a.a.O., S. 182. Man ist geneigt zu rufen: Oh h&auml;ttet ihr doch Vergleichbares im August 1914 beschlossen! Dann w&auml;re der deutschen Bev&ouml;lkerung und der Welt vielleicht weit mehr als &bdquo;nur&ldquo; ein reaktion&auml;rer Putsch erspart geblieben! <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_33\" name=\"foot_33\">&laquo;33<\/a>] Haffner, a.a.O., S. 185f.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_34\" name=\"foot_34\">&laquo;34<\/a>] Haffner, a.a.O., S. 187f.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_35\" name=\"foot_35\">&laquo;35<\/a>] Haffner, a.a.O., S.191.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_36\" name=\"foot_36\">&laquo;36<\/a>] Der Stimmenanteil der SPD sank von 37,9 Prozent (1919er Wahl) auf 21,6 Prozent &ndash; und damit aufgrund der geringeren Wahlbeteiligung etwas weniger als im Fall der absoluten Stimmenzahl. Der Stimmanteil der USPD schnellte von 7,6 (1919) auf 17,9 Prozent hoch. Die KPD, die erstmals bei Reichstagswahlen antrat, kam auf 2,1 Prozent. In den 1924er Wahlen sank der SPD-Stimmenanteil ein weiteres Mal &ndash; auf 20,5%. Die USPD war marginalisiert (0,8%), Die KPD erreichte 12,6%. Interessant ist, dass SPD und USPD 1919 auf gut 45 % kamen, w&auml;hrend SPD und USPD und KPD 1920 addiert nur auf 38,3% und 1924 mit addiert 41,6 % auch deutlich unter dem 1919er Ergebnis lagen. <\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><em>Vorbemerkung:<\/em> Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht in Kommentaren, R&uuml;ckblicken und Dokumentationen der Revolution gedacht wird, die vor 100 Jahren in Deutschland stattfand. Allerdings verf&auml;lscht die gro&szlig;e Mehrheit dieser Beitr&auml;ge das, um was es damals ging. 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