{"id":47631,"date":"2018-12-05T08:40:45","date_gmt":"2018-12-05T07:40:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47631"},"modified":"2018-12-06T17:01:23","modified_gmt":"2018-12-06T16:01:23","slug":"der-geheimdienst-und-der-gekonnte-kontrollverlust-seit-62-jahren-12","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47631","title":{"rendered":"Der Geheimdienst und der gekonnte \u201eKontrollverlust\u201c seit 62 Jahren (1\/2)"},"content":{"rendered":"<p>Sind die &bdquo;Fehler&ldquo; der Geheimdienste Ergebnis individuellen Versagens oder Ergebnis bewusster Entscheidungen, die nicht hinter dem R&uuml;cken, sondern in Einverst&auml;ndnis mit den politisch Verantwortlichen getroffen wurden? Vor etwa einem Monat hat <strong>Wolf Wetzel<\/strong> f&uuml;r NachDenkSeiten <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46927\">einen kritischen Blick auf den Verfassungsschutz geworfen<\/a>. Nun nimmt sich Wetzel in einer zweiteiligen Reihe den  deutschen Auslandsgeheimdienst namens Bundesnachrichtendienst vor.<br>\n<!--more--><br>\nWenn man &uuml;ber Geheimdienste redet, in diesem Fall &uuml;ber den deutschen Auslandsgeheimdienst (BND), dann ist man schnell damit konfrontiert, dass man &uuml;ber etwas schreibt, was im Geheimen stattfindet, was in der Regel zur Folge hat: Entweder gibt man nur das wieder, was offiziell verlautbart wird oder man &auml;u&szlig;ert Zweifel und wird dann wegen d&uuml;nner Beweislage bel&auml;chelt &ndash; im besten Fall. Was passiert aber, wenn man sehr detailliert und (heute) unbestritten die postfaschistische Vergangenheit des Bundesnachrichtendienstes (BND) nachzeichnet, das neonazistische Gr&uuml;ndungspersonal des deutschen Auslandsgeheimdienstes aufz&auml;hlt und deren verfassungsfeindlichen Grund&uuml;berzeugungen? Dann nicken dieselben, die vorher gel&auml;chelt haben, um die Bedeutung dieses Geburtsfehlers mit dem lapidaren Satz abzutun: Aber das liegt doch alles so lange zur&uuml;ck und hat sich l&auml;ngst herausgewachsen. Gefolgt von dem sehr eindringlichen Rat, doch nach vorne zu schauen.<\/p><p>Machen wir das, bevor wir zur&uuml;ckschauen und widmen wir uns kurz dem dritten Geheimdienst in Deutschland, dem Milit&auml;rischen Abschirmdienst (MAD), der die Bundeswehr vor &bdquo;verfassungsfeindlichen Bestrebungen und Ideologien&ldquo; besch&uuml;tzen soll.<\/p><p><strong>Gladio l&auml;sst gr&uuml;&szlig;en<\/strong><\/p><p>Vor &uuml;ber einem Jahr hatte der &bdquo;Fall Franco A.&ldquo; Wellen geschlagen:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<a href=\"https:\/\/www.taz.de\/Mutmasslicher-Terrorhelfer-von-Franco-A\/!5499781\/\">Das Auffliegen Franco A.s<\/a> war einer der gr&ouml;&szlig;ten Bundeswehrskandale der letzten Jahre. Ein Soldat, der mutma&szlig;lich rechtsextreme Terroranschl&auml;ge geplant hat &ndash; und niemand, nicht seine Vorgesetzten, nicht der MAD, wollten etwas bemerkt haben?&ldquo;<br>\n<em>(taz vom 16. November 2018)<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Nat&uuml;rlich ermittelte auch der MAD in diese Angelegenheit und stellte dann &ndash; man benutzt kostensparend dasselbe Drehbuch wie im NSU-Komplex &ndash; fest: Man habe bis zu seinem Auffliegen nichts gewusst und schon gar nichts von der Existenz einer neofaschistischen &bdquo;Schattenarmee&ldquo;, zu der auch Franco A. z&auml;hlt(e). Man tat routiniert und ungest&ouml;rt alles, um den &bdquo;Fall Franco A.&ldquo; als &bdquo;schwarzes&ldquo;, also braunes Schaf abzutun. Was der MAD nicht tat, machte unter anderem die taz. Ihre sehr intensiven und ergiebigen Recherchen belegen, dass Franco A. weder mit seiner neofaschistischen Gesinnung alleine war noch mit seinem Willen, &bdquo;<em>Politiker und Menschen aus dem linken Spektrum festzusetzen oder zu liquidieren<\/em>&ldquo;, wenn es an der Zeit ist.<\/p><p>Es gab und gibt viele Franco A&lsquo;s, die in der Bundeswehr und in ihrem Umfeld eine &bdquo;Schattenarmee&ldquo;, eine &bdquo;Untergrundarmee&ldquo; (Focus) aufbauen, die nach alter und virulenter neonazistischer Weltsicht Deutschland retten will, wenn es vor dem Untergang steht. Zu dieser &bdquo;Untergrundarmee&ldquo; geh&ouml;ren aktive Bundeswehrsoldaten, aktive und ehemalige Mitglieder des KSK (Kommando Spezialkr&auml;fte), eine Eliteeinheit der Bundeswehr und Polizisten. Deren politische Gesinnung ist kein gro&szlig;es Geheimnis:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Fr&uuml;hjahr 2017, auf einem Schie&szlig;stand nahe Stuttgart feiert ein Kompaniechef des KSK seinen Abschied. Seine Soldaten lassen ihn einen Parcours absolvieren, lassen ihn Bogen schie&szlig;en und K&ouml;pfe von Schweinen werfen. Als Belohnung haben sie eine Frau eingeladen, mit der er Sex haben soll. Es kommt nicht dazu, sagt die Frau sp&auml;ter aus. Der Kompaniechef sei zu betrunken gewesen. Sie erz&auml;hlt auch, dass auf der Feier Musik der rechtsextremen Band Sturmwehr gespielt worden sei. Der Kompaniechef und andere h&auml;tten dann den Hitlergru&szlig; gezeigt.&ldquo;<br>\n<em>(s.o.)<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Das Besondere und Wiederkehrende an dieser Geschichte sind nicht die vielen Beteiligten, die ihren Worten Taten folgen lassen (ein Leitspruch des &bdquo;Nationalsozialistischen Untergrundes&ldquo;\/NSU). Es ist der Umstand, dass der MAD sozusagen mittendrin sa&szlig; und sitzt. Denn der Mann, der mit Deckname &bdquo;Hannibal&ldquo; zum F&uuml;hrungspersonal dieser Untergrundarmee geh&ouml;rt, vernetzt nicht nur viele Gruppen in Deutschland, &Ouml;sterreich und der Schweiz. Er war (und ist) V-Mann des MAD, eine ergiebige &bdquo;Auskunftsperson&ldquo; f&uuml;r den MAD.<\/p><p><strong>Wieviel Gramm Wahrheit?<\/strong><\/p><p>Am 16. November 2018 wurde der Chef des Milit&auml;rischen Abschirmdienstes, Christof Gramm, im Bundestag befragt. Er sagte, ohne mit der Wimper zu zucken:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wir haben keine gewaltbereiten Rechtsextremisten festgestellt.&ldquo; Und: &bdquo;Eine Vernetzung von gewaltbereiten Extremisten innerhalb der Bundeswehr findet daher auch nach unserer Wahrnehmung nicht statt.&ldquo;<br>\n<em>(taz vom 16.11.2018)<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Der Wahrheitsgehalt liegt unterhalb der Bemessungsgrenze. Das schadet weder ihm noch &bdquo;Hannibal&ldquo;, dem (ehemaligen) KSK-Mitglied Andr&eacute; S.:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Der Generalbundesanwalt f&uuml;hrt Hannibal nicht als Beschuldigten.&ldquo;<br>\n<em>(s.o.)<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Der Bundesnachrichtendienst\/BND<\/strong><\/p><p>Es geh&ouml;rt zu den makabren &bdquo;Diensten&ldquo; deutscher Geheimdienste, dass die &bdquo;Schattenarmee&ldquo;, die sich in der und um die Bundeswehr herum gebildet hat, bereits in den 50-er Jahren existierte &ndash; angef&uuml;hrt, ausgebildet und bewaffnet vom deutschen Auslandsgeheimdienst, der zu Beginn &bdquo;Organisation Gehlen&ldquo; hie&szlig;.<\/p><p>Was der MAD also partout nicht sehen will, hat der BND jahrzehntelang im Geheimen aufgebaut und &ndash; wenn es n&ouml;tig wurde &ndash; geleugnet: eine Schattenarmee aus ehemaligen Nazis und antikommunistischen Kriegern, mit dem Namen &bdquo;stay behind&ldquo; bzw. &bdquo;Gladio&ldquo;. Wir werden sehr bald darauf n&auml;her eingehen. Was also der eine Geheimdienst, der BND, jahrzehntelang vor der Nase des MAD gemacht hat, will dieser genauso lang nicht mitbekommen haben? Kann es also sein, dass die &bdquo;Schattenarmee&ldquo;, von der beide Geheimdienste nichts wissen wollen, ihr Gesch&ouml;pf ist? Machen wir uns auf die Spurensuche.<\/p><ul>\n<li>Wenn ein Geheimdienst, der die Feinde im Ausland im Auge behalten soll, Mitglieder der eigenen Regierung bespitzelt &hellip;<\/li>\n<li>Wenn ein Geheimdienst &bdquo;Innenpolitik&ldquo; betreibt, indem er einer Partei geheime Unterlagen &uuml;ber die politische Konkurrenz zuspielt und damit &bdquo;Landschaftspflege&ldquo; betreibt &hellip;<\/li>\n<li>Wenn ein Geheimdienst einen CDU-eigenen &bdquo;Parteigeheimdienst&ldquo; (Der Spiegel 15\/2017) mit Dossiers &uuml;ber politische Konkurrenten versorgt, damit diese diskreditiert werden k&ouml;nnen &hellip;<\/li>\n<li>Wenn ein Geheimdienst Kriegsverbrecher deckt, da man am &bdquo;Dritten Reich&ldquo; nichts auszusetzen hat (bis auf die Kapitulation) &hellip;<\/li>\n<li>Wenn ein Geheimdienst in einer &bdquo;Studie&ldquo; vor der Macht&uuml;bernahme der &bdquo;Viererbande Brandt, Ehmke, Bahr und Wehner&ldquo; (SZ vom 1. Juni 2017) warnt und damit die SPD meint &hellip;<\/li>\n<li>Wenn ein Geheimdienst bereit ist, im eigenen Land einen &bdquo;illegalen Apparat&ldquo; zu etablieren, &bdquo;um alle Elemente zu bek&auml;mpfen, die eine pro-sowjetische Politik bef&uuml;rworten&ldquo; (Der Spiegel 15\/2017) &hellip;<\/li>\n<li>Wenn ein Geheimdienst den Auftrag von einer Regierungspartei bekommt, &bdquo;die Medien zu manipulieren und auszuforschen&ldquo; (Der Spiegel 15\/2017) &hellip;<\/li>\n<li>Wenn ein Geheimdienst Spitzel im Umfeld der eigenen Regierung unterh&auml;lt &hellip;<\/li>\n<li>Wenn all dies v&ouml;llig straffrei geschieht und die Macht dieses Geheimdienstes w&auml;chst &hellip;<\/li>\n<\/ul><p>&hellip; dann nennt man ein solches System, wenn es in der T&uuml;rkei etabliert ist oder erst recht, wenn man es in Russland anprangert, einen &bdquo;tiefen Staat&ldquo; oder einen &bdquo;Unrechtsstaat&ldquo;. Wenn all dies aber in der Bundesrepublik Deutschland passiert, dann wird das erst als &bdquo;Verschw&ouml;rungsphantasie&ldquo; denunziert und wenn die Wirklichkeit jede Phantasie &uuml;bertrifft, achselzuckend bis wohlwollend zur Kenntnis genommen.<\/p><p><strong>&bdquo;Der Dienst&ldquo; (Deckname) &ndash; Vom Dritten Reich ins &bdquo;Schattenreich&ldquo;<\/strong><\/p><p>Der Geheimdienst, von dem hier die Rede ist, nennt sich Bundesnachrichtendienst (BND) und ist, zumindest dem Gesetz nach, im Ausland t&auml;tig. Parallel zur Neugr&uuml;ndung Deutschlands wurde er 1949 aufgebaut. Bis 1955 war er dem US-Geheimdienst CIA unterstellt. Was es mit diesem Geheimdienst auf sich hat und wie es zu dem Namen &bdquo;Organisation Gehlen&ldquo; kam, erz&auml;hlt der Krimiautor Wolfgang Schorlau in seinem Buch &bdquo;Die sch&uuml;tzende Hand&ldquo; so: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Reinhard Gehlen, ein Generalmajor der Nazi-Armee, ergab sich kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges den Streitkr&auml;ften der Vereinigten Staaten und bot ihnen seine Dienste an. Diese wurden angenommen. Unter der Kontrolle der Besatzungstruppen baute er die &sbquo;Organisation Gehlen&lsquo; auf und rekrutierte viele seiner ehemaligen Geheimdienstmitarbeiter. &sbquo;Ein braunes Sammelbecken, aber sie tun, was wir ihnen sagen&lsquo;, (so eine) Studie der CIA von 1954. Die Studie listete die schrecklichen Namen auf, die jetzt f&uuml;r den neuen westdeutschen Dienst arbeiteten: Klaus Barbie (Gestapo-Chef in Lyon), Alois Brunner (enger Eichmann-Mitarbeiter), Franz Rademacher (Leiter des Judenreferats des Ausw&auml;rtigen Amtes), Walther Rauff (Erfinder des mobilen Vergasungswagens) und viele Hundert andere gew&auml;hrte Nazis. (&hellip;) Die Studie f&uuml;hrt dann aber &ndash; wie zur Entschuldigung &ndash; an, dass im Zweiten Deutschen Bundestag rund 25 Prozent ehemalige NSDAP-Angeh&ouml;rige sa&szlig;en.&ldquo;<br>\n<em>(Seiten 160\/161)<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Erg&auml;nzend muss gesagt werden, dass es Reinhard Gehlen nicht nur zum Generalmajor gebracht hatte. Er war Mitglied der NSDAP und machte sich als Heeresgeheimdienstchef verdient.<br>\nMit der Wiederverwendung ehemaliger NS-Mitglieder sollten die Lehren aus dem Faschismus gezogen werden? Man muss dieser Frage nicht ernsthaft nachgehen: Der neue Geheimdienst bestand aus nationalsozialistischen Zellen, die man damit betraut hat, die Demokratie zu sch&uuml;tzen.<br>\nDie Mehrheit derer, die politische Verantwortung daf&uuml;r hatten, st&ouml;rte das nicht. Die Organisation Gehlen ging komplett in dem 1956 neu gegr&uuml;ndeten Bundesnachrichtendienst (BND) auf, der nun Deutschland vor Angriffen von au&szlig;en sch&uuml;tzen soll. Chef dieses deutschen Auslandsgeheimdienstes wurde &hellip; <em>Reinhard Gehlen<\/em>.<\/p><p>In seine Amtszeit f&auml;llt noch etwas Schwergewichtigeres: Der Aufbau und die F&uuml;hrung einer staatsterroristischen Vereinigung namens &bdquo;stay behind&ldquo;. Unter hoch konspirativen Umst&auml;nden und unter Ausschaltung aller demokratischen Kontrollgremien wurden ab den 50-er Jahren unter F&uuml;hrung der NATO neonazistische Gruppen angeworben und bewaffnet. In Deutschland war damit die &sbquo;<em>Organisation Gehlen<\/em>&lsquo; beauftragt, Vorl&auml;ufer des Bundesnachrichtendienstes (BND).<br>\nDas auf NATO-Ebene angesiedelte Programm, Faschisten wiederzubewaffnen, hatte ein gemeinsames politisches Ziel, eine gemeinsame ideologische Grundlage, die Faschisten und Demokraten (erneut) zusammenschwei&szlig;te: die kommunistische, also &sbquo;rote Gefahr&lsquo;. Im Fall einer &sbquo;sowjetischen Invasion&lsquo; sollten Faschisten als irregul&auml;re Truppen hinter den feindlichen Linien Aufkl&auml;rung betreiben und Sabotageaktionen durchf&uuml;hren. Aufgrund dieser Aufgabe bekam dieses staatsterroristische Programm den Namen: stay behind. Dazu z&auml;hlte auch das Ausschalten von &sbquo;Kollaborateuren&lsquo;, die man in Deutschland bis in linken SPD-Kreisen hinein und in der aufkommenden Friedensbewegung vermutete. Doch der Tag X, eine milit&auml;rische Invasion der Sowjetarmee, blieb aus.<br>\nAls in den 60-er und 70-er Jahren die au&szlig;erparlamentarische Opposition wuchs, europaweit sich die politischen Kr&auml;fteverh&auml;ltnisse nach links verschoben, ver&auml;nderte sich der operative Auftrag dieses staatlich lizenzierten Terrorismus: Der Feind wurde nicht mehr au&szlig;en, sondern im Innern verortet: An die Stelle der b&ouml;sen roten Sowjetmacht traten linke, kommunistische Parteien und militante Str&ouml;mungen au&szlig;erhalb des parlamentarischen Parteienspektrums. Zahlreiche Angriffe auf linke Zentren und Morde an Linken, die selbstverst&auml;ndlich nie aufgekl&auml;rt werden konnten, gehen auf dieses Konto.<\/p><p>Gleichzeitig entschied man sich, dieses terroristische Potenzial f&uuml;r eine &bdquo;Strategie der Spannung&ldquo; einzusetzen: Mit furchtbaren Terroranschl&auml;gen, die auf den ersten Blick wahllos und sinnlos erschienen (wie der Bombenanschlag in Bologna am 2. August 1982 oder der m&ouml;rderische Anschlag auf das Oktoberfest in M&uuml;nchen am 26. September 1980), sollte ein Klima der Angst herbeigef&uuml;hrt werden, in dem die Bev&ouml;lkerung bereit ist, weitere Einschr&auml;nkungen von Freiheits- und Schutzrechten hinzunehmen, bis hin zur Ausrufung des Staatsnotstandes. Gleichzeitig nutzte man diese verheerenden Terroranschl&auml;ge, indem man linke Gruppierungen (in Italien die Roten Brigaden, in Deutschland die RAF) daf&uuml;r verantwortlich machte, um so weitere repressive Ma&szlig;nahmen gegen Linke zu legitimieren. Im Prinzip ging es darum, militante Gruppen der Linken, die man nicht mehr parlamentarisch einhegen konnte, mit extra-legalem Terror zu bek&auml;mpfen und auszuschalten. Diese Symbiose aus neofaschistischen Kadern, milit&auml;rischen F&uuml;hrungsst&auml;ben und Geheimdiensten bekam in Italien den Namen &bdquo;Gladio&ldquo;. <\/p><p>Die daran beteiligten Regierungen legten sich auf diese Weise, neben dem existierenden Gewaltapparat, eine Terrorstruktur zu, die hinter den legalen Linien beziehungsweise Grenzziehungen operierte. Das schier Unvorstellbare, dass nach der milit&auml;rischen Niederlage des Faschismus Regierungen in Europa und milit&auml;rische Kommandostellen im NATO-Bereich mit neofaschistischen Gruppierungen zusammenarbeiten, war &uuml;ber 30 Jahre ein gut geh&uuml;tetes, schwer bewachtes Staatsgeheimnis. Im Zuge der versuchten politischen und juristischen Aufkl&auml;rung verschwanden Akten, wurden Beweismittel vernichtet. Zeugen verstarben und Aussagewillige nahmen sich das Leben, um die bis heute aufrechterhaltene Behauptung, es handelte sich bei all diesen Terroranschl&auml;gen um Einzelt&auml;ter, am Leben zu halten. Bis heute weigert sich die deutsche Bundesregierung, die Akten freizugeben.<\/p><p>Anfang der 90-er Jahre wurde dieses &bdquo;dunkle Kapitel&ldquo; mit einem Satz angeleuchtet und abgeschlossen:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Infolge der weltpolitischen Ver&auml;nderungen hat der Bundesnachrichtendienst in Abstimmung mit seinen alliierten Partnern zum Ende des 3. Quartals 1991 die Stay-behind-Organisation vollst&auml;ndig aufgel&ouml;st.&ldquo;<br>\n<em>(Plenarprotokoll 17\/236, Anlage Nr. 15, S. 64, 24.4.2013)<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>&bdquo;Ein Geheimdienst wie aus einem schlechten Agentenfilm&ldquo; (Hans Leyendecker, SZ vom 1. Juni 2017)<\/strong><\/p><p>Auffallend oft schreibt die S&uuml;ddeutsche Zeitung (SZ) in letzter Zeit &uuml;ber den BND. Um einiges mehr f&auml;llt auf, wie kritisch die SZ schreiben kann. Da ist ungesch&ouml;nt von faschistischen Kontinuit&auml;ten die Rede. Man nennt den BND ein &bdquo;Schattenreich&ldquo;, in dem auch und gerne Nazis des untergegangenen Dritten Reiches Zuflucht, Anstellung und Schutz vor so l&auml;stigen Lehren wie &bdquo;Entnazifizierung&ldquo; fanden. Ein Schattenreich, das &bdquo;<em>au&szlig;erhalb jeder parlamentarischen Kontrolle<\/em>&ldquo; agiere.<br>\nDa ist davon die Rede, dass der BND fast alles machen kann und dass die parlamentarische\/institutionelle Kontrolle ein Witz ist, dass eine &bdquo;Reform&ldquo; herm&uuml;sse.<br>\nDieser Ruf wurde besonders laut, als der BND erst bestritt, dann log, dann l&auml;chelte, als der Vorwurf im Raum stand, er sei Teil des globalen &Uuml;berwachungssystems des US-Geheimdienstes NSA.<br>\nNachdem der &bdquo;NSA-Skandal&ldquo;, also die Gewissheit, dass wir in Orwells &Uuml;berwachungsstaat angekommen sind, noch f&uuml;r Unmut und &bdquo;verfassungsrechtliche&ldquo; Bedenken sorgte, wurde mit der ernsten Geste eines Mafiabosses eine &bdquo;Reform&ldquo; versprochen. Man wolle jetzt doch wirklich den Geheimdienst an die Leine nehmen, also auf die Gesetze verpflichten und aus der rechtsfreien Zone herausholen.<\/p><p>2016 kam sie, und wie. Die gr&ouml;&szlig;te BND-&bdquo;Reform&ldquo; aller Zeiten.<\/p><p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47684\">Hier geht es zum zweiten Teil &hellip;<\/a><\/p><p>Foto: Gorodenkoff\/Shutterstock.com<\/p><p><strong>Quellen:<\/strong><\/p><ul>\n<li>Die Gr&uuml;ndungsgeschichte des BND, seine Patenrolle als F&uuml;hrer von Terrorgruppen (stay behind) und seine vordringliche Aufgabe, ehemalige Nazis zu sch&uuml;tzen und Anstrengungen zu torpedieren, deren Staatsverbrechen zu verfolgen (am Beispiel des Staatsanwaltes Fritz Bauer) <a href=\"https:\/\/wolfwetzel.de\/index.php\/2017\/05\/01\/stay-behind-eine-staatlich-organisierte-terrorstruktur-mit-unbelasteten-paten\">zeichnet dieser Beitrag nach<\/a>.<\/li>\n<li>&bdquo;Geheime Akte Adenauer. Machtmissbrauch, Bestechung &ndash; und Sp&auml;hangriffe gegen Willy Brandt&ldquo;, DER SPIEGEL, Nr.15, 2017<\/li>\n<li>Der Stenografische Bericht der 236. Bundestagssitzung (Plenarprotokoll 17\/236) <a href=\"http:\/\/dip21.bundestag.de\/dip21\/btp\/17\/17236.pdf\">ist auch hier dokumentiert<\/a>, S. 29634.<\/li>\n<li>J&auml;ger, Sammler, Vogelfreund, SZ vom 2.\/3. Dezember 2017<\/li>\n<li>Rechtes Netzwerk in der Bundeswehr |Hannibals Schattenarmee, taz vom 16. November 2018<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=p_3iefLe80g&amp;t=5347s\">Schattenarmee in der Bundeswehr, Robert Fleischer spricht mit Dirk Pohlmann<\/a> (1:27 bis 1:48)<\/li>\n<li>Wo bleibt die Resonanz auf die &ldquo;Hannibal&rdquo;-Recherche? deutschlandfunkkultur.de vom 24.11.2018<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sind die &bdquo;Fehler&ldquo; der Geheimdienste Ergebnis individuellen Versagens oder Ergebnis bewusster Entscheidungen, die nicht hinter dem R&uuml;cken, sondern in Einverst&auml;ndnis mit den politisch Verantwortlichen getroffen wurden? Vor etwa einem Monat hat <strong>Wolf Wetzel<\/strong> f&uuml;r NachDenkSeiten <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46927\">einen kritischen Blick auf den Verfassungsschutz geworfen<\/a>. Nun nimmt sich Wetzel in einer zweiteiligen Reihe den deutschen Auslandsgeheimdienst namens<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47631\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":47632,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[126,125,185,166],"tags":[358,901,2129,2534,955,1669,1314],"class_list":["post-47631","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-erosion-der-demokratie","category-rechte-gefahr","category-staatsorgane","category-terrorismus","tag-bundeswehr","tag-geheimdienste","tag-geheimhaltung","tag-gehlen-reinhard","tag-neonazismus","tag-stay-behind","tag-tiefer-staat"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/181205-kontrollverlust.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/47631","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=47631"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/47631\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":47688,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/47631\/revisions\/47688"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/47632"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=47631"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=47631"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=47631"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}