{"id":47668,"date":"2018-12-07T09:00:54","date_gmt":"2018-12-07T08:00:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47668"},"modified":"2019-08-26T10:44:17","modified_gmt":"2019-08-26T08:44:17","slug":"serie-zur-novemberrevolution-teil-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47668","title":{"rendered":"Serie zur Novemberrevolution \u00ad\u2013 Teil 3"},"content":{"rendered":"<p><em>Vorbemerkung:<\/em> Wir bringen auf den NachDenkSeiten in drei Teilen einen ausf&uuml;hrlichen Text von <strong>Winfried Wolf<\/strong> zur Novemberrevolution, zur Bayerischen R&auml;terepublik und zur aktuellen Debatte &uuml;ber diese Ereignisse. Der <em>erste Teil<\/em> &ldquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47551\">Serie zur Novemberrevolution &ndash; Teil 1<\/a>&rdquo; hatte drei Ereignisse, die zum Verst&auml;ndnis der Revolution wichtig sind, zum Thema. In <em>Teil 2<\/em> &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47597\">Serie zur Novemberrevolution &ndash; Teil 2<\/a>&ldquo; wurden drei Phasen der Revolution untersucht.<br>\nDer hier wiedergegebene Teil 3 geht ein auf die Bayerische R&auml;terepublik, die hierzulande meist besonders verzerrt dargestellt wird.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6058\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-47668-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181214_Novemberrevolution_Teil_3_Mixdown_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181214_Novemberrevolution_Teil_3_Mixdown_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181214_Novemberrevolution_Teil_3_Mixdown_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181214_Novemberrevolution_Teil_3_Mixdown_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=47668-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181214_Novemberrevolution_Teil_3_Mixdown_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"181214_Novemberrevolution_Teil_3_Mixdown_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Im Zeitraum 8.November 1918 bis 2. Mai 1919 standen in dieser noch stark landwirtschaftlich gepr&auml;gten Region ebenfalls die R&auml;te &ndash; und zwar Arbeiterr&auml;te und Bauernr&auml;te &ndash; und damit die Forderungen nach direkter Demokratie im Zentrum.  Im Folgenden werden vier Gr&uuml;nde f&uuml;r das Scheitern der Revolution genannt: (1) die fehlende organische F&uuml;hrung bzw. die Zersplitterung der linken Kr&auml;fte, (2) die fehlende Ausarbeitung eines Gesamtkonzeptes der R&auml;tedemokratie, (3) das Doppelspiel der SPD-F&uuml;hrung und deren enge Zusammenarbeit mit rechten Kr&auml;fte und (4) schlie&szlig;lich die unvorstellbare Brutalit&auml;t, mit der Freikorps und Reichswehr gegen die R&auml;te und gegen die Zivilbev&ouml;lkerung vorgingen. <\/p><p>Schlie&szlig;lich warnt Winfried Wolf vor Projekten einer neuen Militarisierung, wie sie von der deutschen Bundeskanzlerin und von dem franz&ouml;sischen Pr&auml;sidenten ausgerechnet im Zusammenhang mit dem Gedenken an das Kriegsende vor 100 Jahren propagiert wurden. <\/p><p><strong>Die Bayerische R&auml;terepublik &ndash; Bauernr&auml;te inklusive<\/strong><\/p><p>Die deutsche Revolution 1918-1920 gab es im gesamten deutschen Reich. Reichsweit hatten sich im November 1918 (und danach meist immer wieder aufs Neue)  Arbeiterr&auml;te herausgebildet, die die lokale und oft die regionale Macht &uuml;bernahmen. Dies f&uuml;hrte zu bemerkenswerten regionalen Verdichtungen des revolution&auml;ren Prozesses mit lokalen Besonderheiten und oft mit unglaublich harten Auseinandersetzungen. Im Jahr 1919 (ab Februar) und im Jahr 1920 (ab Ende M&auml;rz) tobte in Deutschland ein umfassender B&uuml;rgerkrieg. Als Stichpunkte zu nennen sind hier die R&auml;terepublik Bremen, die K&auml;mpfe um Braunschweig, im Ruhrgebiet, in Sachsen, dann erneut im Ruhrgebiet, in Th&uuml;ringen, Magdeburg, Chemnitz, im Erzgebirge, im Vogtland (dort,  mit der Besonderheit des Kampfs von Max Hoelz, eines neuen Robin Hood.)[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] <\/p><p>Im M&auml;rz 1919 kam es in Berlin zu einem Generalstreik mit den Forderungen nach Demokratisierung des Heeres und Sozialisierung der Wirtschaft, der von <em>allen<\/em> Arbeiterparteien beschlossen wurde. Er wurde nach einer Woche abgebrochen. Es folgte, wie Mark Jones schrieb, &bdquo;ein Crescendo der Gewalt, das alles &uuml;bertraf, was seit Ausbruch der Moderne in irgendeiner deutschen Stadt oder Gro&szlig;stadt an Blutvergie&szlig;en stattgefunden hatte.&ldquo; Nach Gustav Noskes eigenen Angaben wurden von den Freikorps-M&auml;nnern 1200 Menschen, darunter Jugendliche, Frauen  und Kinder, ermordet.[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]<\/p><p>In dieser Darstellung kann nicht dieses breite Spektrum der Revolution abgedeckt werden. Das ist auch nicht der Anspruch dieser Arbeit. Auf Bayern soll jedoch gesondert eingegangen werden. Es handelt sich immerhin um das einzige Land im Reichsgebiet, in dem ein Modell direkter Demokratie mit Arbeiterr&auml;ten, gepaart mit einer parlamentarischen Regierung, zun&auml;chst erfolgreich war und in dem es eine Reihe anderer interessanter Besonderheiten gab. <\/p><p>Dass in Bayern die Uhren anders ticken, gilt in Deutschland als Allgemeingut. Allerdings ist damit heute in der Regel gemeint, dass es dort oft mehr als anderswo in Deutschland reaktion&auml;re Tendenzen gibt und dass zum Beispiel die CSU traditionell deutlich rechts von ihrer Schwesterpartei steht. Was der CSU-&Uuml;bervater Franz-Joseph Strau&szlig; in den 1970-er Jahren programmatisch sah, wenn er forderte, dass es rechts neben der CSU keine Partei mit Aussicht auf parlamentarische Repr&auml;sentanz geben d&uuml;rfe. Und so tobte denn in der M&uuml;nchner &Ouml;ffentlichkeit Ende der 1960-er Jahre eine heftige Debatte, als eine Stra&szlig;e nach Kurt Eisner, dem ersten roten Regierungschef des Freistaats Bayern, benannt werden sollte. Der damalige bayerische Landwirtschaftsminister, Alois Hundhammer (CSU), argumentierte, Eisner sei &bdquo;eine b&ouml;se und verh&auml;ngnisvolle Erscheinung der bayrischen Geschichte&rdquo; gewesen. In Leserbriefen wurde Eisner mal eher freundlich als &bdquo;Bohemien mit dem Sauerkrautbart&rdquo;, &uuml;berwiegend jedoch unfreundlich und hasserf&uuml;llt als &bdquo;Tyrann&ldquo;, &bdquo;Bolschewist&rdquo;, &bdquo;Geiselm&ouml;rder&rdquo; und &bdquo;Novemberverbrecher&rdquo; bezeichnet.[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>]<\/p><p>Die Negativtitulierungen treffen kaum die Gef&uuml;hle, die die bayerische Bev&ouml;lkerung in ihrer Mehrheit Eisner entgegenbrachte. Generell versetzt die Entwicklung in Bayern in den Jahren 1918\/19 uns heutzutage vielfach ins Erstaunen. Hier fand die Revolution fr&uuml;her als anderswo im Deutschen Reich statt.[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] Sie war tiefer als im sonstigen Reich in der Bev&ouml;lkerung verankert. Sie konnte sich so lang wie nirgendwo sonst im Reich an der Macht halten. Sie hatte zutiefst demokratischen Charakter. Und sie war, wie &uuml;berall im Reich, gutm&uuml;tig und vor dem Eingreifen der Konterrevolution gro&szlig;z&uuml;gig. Sie vermied solange viele der Fehler, die in Berlin begangen wurden, wie ihr f&uuml;hrender Kopf &ndash; Kurt Eisner &ndash; lebte.<\/p><p>In M&uuml;nchen hatte die Revolution bereits am 3. November begonnen, als dort tausend Matrosen aus dem &ouml;sterreichischen Hafen Pola (heute Pula) ankamen und mit Blick auf den Matrosenaufstand im Norden zur&uuml;ckgehalten wurden. Sie waren bald Teil der Revolution in Bayern. Am 7. November &ndash; ein Tag vor der Revolution in Berlin! &ndash; wurde der bayerische K&ouml;nig davongejagt, ein Arbeiter- und Bauernrat gebildet, die &bdquo;Republik&ldquo; ausgerufen und Kurt Eisner zum Ministerpr&auml;sidenten ernannt. Eisner griff den reichsweit weit verbreiteten Einheitsgedanken auf und erkl&auml;rte: &bdquo;Der Bruderkrieg der Sozialisten ist f&uuml;r Bayern beendet.&ldquo; Am 8. November bildete sich in M&uuml;nchen ein &bdquo;Provisorischer Nationalrat&ldquo;, unter anderem bestehend aus Arbeiter-, Soldaten- und Bauernr&auml;ten. Eisner pr&auml;sentierte diesem sein Kabinett, bestehend aus USPD- und SPD-Personal. Es gelang in M&uuml;nchen von Anfang an, die dort stationierten Truppen f&uuml;r die Revolution zu gewinnen oder zumindest zu neutralisieren. Sebastian Haffner: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die M&uuml;nchner Revolution war komplett, durchgef&uuml;hrt in einem rasanten Alleingang und innerhalb von vierundzwanzig Stunden. Kein Schuss war gefallen, kein  Tropfen Blut vergossen. Und der Mann, der dieses Kunstst&uuml;ck fertig gebracht hatte, gestern noch ein Niemand, hatte alle F&auml;den in der Hand.&ldquo;[<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>Haffner ist &uuml;berzeugt, dass &bdquo;der wahre Gegenspieler Eberts [&hellip;] nicht Liebknecht, [sondern] Eisner [war].&ldquo; Ihn interessierte Eisners <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Revolutionsmanagement in Bayern, das man meisterhaft nennen muss &ndash; auch wenn zweifelhaft bleibt, ob eine erfolgreiche Revolution in Bayern sich gegen&uuml;ber einer siegreichen Gegenrevolution im &uuml;brigen Deutschland auf Dauer h&auml;tte halten k&ouml;nnen. Eisner war der einzige Mann in Deutschland, der mit scharfem Sp&uuml;rsinn erfasste, worauf die deutsche Revolution hinzielte, und ihr geschickte Geburtshilfe gab [&hellip;] Eisner hatte, im Gegensatz zu Ebert, vom ersten Tag an einen klaren Blick f&uuml;r die internationale Lage des besiegten Deutschland und eine klare au&szlig;enpolitische Konzeption: Er sah die Gefahr eines Diktatfriedens und suchte ihr zuvorzukommen durch eindrucksvolle Beweise des Bruchs mit dem Alten im Inneren.&ldquo;[<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>Richtig ist, dass sich Eisner &ndash; urspr&uuml;nglich ein Berliner Literat, ein Jude und ein Bilderbuch-Intellektueller &ndash; binnen weniger Tage zum bayerischen Volkshelden entwickelte. Unter Eisner konnten sich die Ideen von radikaler Demokratie, Volksherrschaft und R&auml;ten als Kontrollorgane gegen&uuml;ber einem Parlament landesweit verankern  &ndash; und dies in einer Region, die so stark wie kaum eine andere im Deutschen Reich weiterhin &uuml;berwiegend landwirtschaftlich gepr&auml;gt war. Der neue Staat in Bayern sollte nach Eisner nicht nur ein Arbeiterstaat, er sollte zugleich ein Bauernstaat sein. Nur in Bayern spielten Bauernr&auml;te in der Revolution eine gr&ouml;&szlig;ere Rolle. <\/p><p>Karl Schweizer legte 2018 eine umfangreiche, 200 Seiten starke, bebilderte Studie &uuml;ber die Novemberrevolution und die R&auml;terepublik im (bayerischen) Lindau vor. Verfolgt man in dieser Arbeit das Revolutionsgeschehen, so ist man &uuml;berrascht, wie viel Zustimmung die Forderungen, die in M&uuml;nchen formuliert wurden, auch in dieser Bodenseestadt &ndash; man ist geneigt zu sagen: tief in der bayerischen Provinz &ndash; fanden.[<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>] Klaus Gietinger f&uuml;hrt seinerseits eine lange Liste von &uuml;berwiegend l&auml;ndlichen Orten in Bayern an, die sich dem R&auml;tegedanken anschlossen.[<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>] All das dokumentiert, dass die Revolution keineswegs nur eine Sache der Stadtbev&ouml;lkerung und auch nicht nur eine Sache der Arbeiterklasse war.<\/p><p>Eisner hatte auch ein gutes Gef&uuml;hl f&uuml;r den Zusammenhang zwischen Revolution und Au&szlig;enpolitik. Er warnte vor einem &bdquo;Diktatfrieden&ldquo; und kritisierte die SPD-gef&uuml;hrte Regierung  in Berlin, weil diese sich in der Au&szlig;enpolitik in die Tradition des alten Regimes stellte. &bdquo;Einer Regierung, die alle Verantwortung der Vergangenheit mit &uuml;bernommen hat&ldquo;, drohe ein &bdquo;furchtbarer Friede&ldquo;.[<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>]<\/p><p>Die friedliche Revolution in Bayern w&auml;hrte ein gutes Vierteljahr. Am 21. Februar 1919 wurde Eisner von einem Nazi der fr&uuml;hen Stunde ermordet. Wenige Stunden sp&auml;ter wurde der SPD-F&uuml;hrer Auer, zugleich der Innenminister und der zweitwichtigste Mann im Kabinett, ebenfalls ermordet. Die Regierung brach auseinander. Nach einer Zwischenperiode, in der mit einer all-sozialistischen Regierung unter dem SPD-Mann Johannes Hoffmann nochmals ein Kompromiss zwischen R&auml;ten und Parlamentarismus gesucht wurde, kam es am 5. April zur Spaltung. Jetzt &ndash; und erst jetzt &ndash; wurde eine (reine) R&auml;terepublik ausgerufen. Die Regierung Hoffmann suchte sich im katholischen Bamberg einen Standort, der nicht von der Revolution umtost war und von wo die Konterrevolution angeleitet werden konnte. Die R&auml;terepublik konnte sich zun&auml;chst mit einer Streitmacht, die improvisiert aufgestellt wurde und die sich als &bdquo;Rote Armee&ldquo; bezeichnete, gegen rechte, bayerische Milit&auml;rs durchsetzen. Daraufhin rief Hoffmann Reichswehrminister Noske und dessen Freikorps zu Hilfe. 20.000 Mann preu&szlig;ischer und w&uuml;rttembergischer Freikorps r&uuml;ckten von Norden und Westen gegen die R&auml;terepublik vor. Diese konnte sich noch wenige Tage in heftigen K&auml;mpfen verteidigen. Als die Sieger am 2. Mai M&uuml;nchen eingenommen hatten, folgte, so Sebastian Haffner, <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;ein &acute;wei&szlig;er Schrecken&acute;, wie ihn noch keine deutsche Stadt, auch Berlin im M&auml;rz [1919] nicht, erlebt hatte. Eine Woche lang hatten die Eroberer Schie&szlig;freiheit, und alles, was &acute;spartakusverd&auml;chtig&acute; &ndash; war &ndash; im Grunde die gesamte M&uuml;nchner Arbeiterbev&ouml;lkerung -, war vogelfrei. [&hellip;] In diesem wei&szlig;en Terror in M&uuml;nchen f&auml;llt ein unverkennbarer Zug von Sadismus auf. Gustav Landauer etwa, der hochgebildete Unterrichtsminister der ersten R&auml;teregierung [&hellip;] wurde im Hof des Stadelheimer Gef&auml;ngnisses buchst&auml;blich zu Tode getrampelt &ndash; nicht etwa in einer Stimmung der Wut, sondern in einer Art johlender Siegesfeier.&ldquo; [<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Vier Gr&uuml;nde f&uuml;r die Niederlagen.<\/strong><br>\n<strong>Oder: Wie die Revolution immer wieder zur&uuml;ckgeworfen und schlie&szlig;lich abgew&uuml;rgt werden konnte<\/strong><\/p><p>Die mehrfachen Niederlagen der Revolution in Berlin, M&uuml;nchen und im gesamten Reich werfen die Frage nach den Gr&uuml;nden auf. Zumal dieser Sieg der Konterrevolution und der alten Kr&auml;fte, die im Kaiserreich das Sagen hatten, tats&auml;chlich von <em>welthistorischer Bedeutung<\/em> sind. Die Ereignisse in Deutschland im Zeitraum 1918 bis 1920 bef&ouml;rderten zun&auml;chst das Scheitern der Weimarer Republik und bereiteten die Macht&uuml;bernahme durch die faktischen Nachfolger der Freikorps, die NSDAP, SA und SS im Januar 1933 vor.<br>\nSodann gab es 1918-1923 in vielen L&auml;ndern &ndash; so in &Ouml;sterreich &ndash; R&auml;te und in einigen L&auml;ndern (so in Ungarn, in der Slowakei und in der iranischen Provinz Gilan) kurzzeitige R&auml;terepubliken. Die Entwicklung in Deutschland spielte hier &uuml;berall eine wichtige Rolle und beeinflusste die politische Situation andernorts. <\/p><p>Vor allem trug die Niederlage der Revolution in Deutschland erheblich dazu bei, dass die Errungenschaften der Oktoberrevolution in Russland abgew&uuml;rgt, der Prozess der Entdemokratisierung und der Stalinisierung sich beschleunigte und dass sich dort bis Ende der 1920-er Jahre eine Diktatur durchsetzte, die eine Perversion der sozialistischen Ideale  darstellte. Klaus Gietinger: &bdquo;H&auml;tte die Novemberrevolution wenigstens in Teilen gesiegt, es h&auml;tte vermutlich keinen Hitler und vermutlich keinen Stalin gegeben. Und hunderte Millionen Menschen h&auml;tten l&auml;nger und gut gelebt.&ldquo;<\/p><p>Es waren im Wesentlichen <em>vier Gr&uuml;nde<\/em>, die f&uuml;r diese Niederlage verantwortlich waren: zun&auml;chst die fehlende F&uuml;hrung, sodann das am Ende unzureichend konkretisierte Konzept einer direkten Demokratie mit R&auml;testrukturen; des weiteren die Politik der SPD (oder deren Doppelspiel und Verrat) und schlie&szlig;lich die unvorstellbare Brutalit&auml;t der Konterrevolution.<\/p><p><strong>Erstens. Es gab keine bewusste F&uuml;hrung mit ausreichender Verbreitung und Verankerung  im deutschen Reich.<\/strong><\/p><p>Dass die Novemberrevolution prim&auml;r ein spontaner Prozess gewesen sei, ist ebenso unwahr, wie die Behauptung, diese sei in starkem Ma&szlig; von Spartakus beeinflusst gewesen. Die Revolution&auml;ren Obleute waren, wie beschrieben, eine klug handelnde, den Prozess in Berlin im November steuernde und sp&auml;ter stark beeinflussende Gruppierung. Ihr Vorgehen und ihre Strukturen hatten einige &Auml;hnlichkeit mit denen der Bolschewiki 1917 (was Richard M&uuml;ller, Emil Barth, Ernst D&auml;umig und Freunde allerdings wohl von sich gewiesen h&auml;tten). Es gab bei den Obleuten sicher personelle Schw&auml;chen &ndash; siehe das Missmanagement am 10. November im Zirkus Busch (Teil 2 dieser Serie). Es gab deutliche Fehlentscheidungen: Liebknecht als Volksbeauftragter auf dem Obleute-Ticket w&auml;re sicher eine ganz andere Sache gewesen als Haase. An wichtigen Scheidepunkten der Revolution weigerten sich die Radikalen (Obleute, USPD, Spartakus), in Gremien zu gehen, in denen die Mehrheitssozialisten ma&szlig;geblich vertreten waren. Das waren offensichtlich fatale Fehlentscheidungen.<\/p><p>Die KPD beschloss auf ihrem Gr&uuml;ndungsparteitag &ndash; entgegen den Forderungen von Luxemburg und Liebknecht &ndash;, die Reichstagswahlen im Februar 1919 zu boykottieren. Auch dies war wohl ein Fehler. <\/p><p>Doch vergleichbare Fehler, Schw&auml;chen und Schwankungen gab es in den Monaten Februar bis Oktober 1917 auch bei den Bolschewiki. Lenin war innerhalb &bdquo;seiner&ldquo; Bolschewiki, als er seine &bdquo;Aprilthesen&ldquo; (im April 1917) schrieb und mit diesen auf eine zweite Revolution hinarbeitete, in der absoluten Minderheit.<\/p><p>Das doppelte Manko &ndash; auch im Vergleich zu den Bolschewiki &ndash; war: Die Obleute waren auf die Hauptstadt beschr&auml;nkt. Gleichzeitig war die radikale Linke mehrfach gespalten. Auf Reichsebene gab es auf Seiten der revolution&auml;ren Kr&auml;fte die heterogene USPD[<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>] und die radikale, oft ultralinke Spartakus-Gruppe. Die Obleute waren &uuml;berwiegend mit der USPD verbunden; dies aber meist nur in lockerer Form. Als zum Jahreswechsel 1918\/19 Spartakus aufgegeben und die KPD gegr&uuml;ndet wurde, sprach alles f&uuml;r eine Vereinigung von KPD (Spartakus) und den Obleuten. Das war auch das Ziel von Luxemburg und Liebknecht. Der KPD-Parteitag wurde sogar unterbrochen, um eine solche Vereinigung in letzter Minute zu erm&ouml;glichen. Doch diese scheiterte &ndash; nicht zuletzt aufgrund von ultimativen Positionen Liebknechts: Dieser bestand u.a. darauf, dass der Name &bdquo;Spartakus&ldquo; weiter im Namen und in Verbindung mit &bdquo;KPD&ldquo; gef&uuml;hrt werden m&uuml;sse.<\/p><p>Die R&auml;te agitierten oft, z. B. im Ruhrgebiet, parteiunabh&auml;ngig, es gab dort eine starke syndikalistische Str&ouml;mung. <\/p><p>Insgesamt waren damit die radikalen Kr&auml;fte auch in den gro&szlig;en Auseinandersetzungen im November und Dezember 1918, im Januar 1919 und im M&auml;rz 1920 gespalten.<\/p><p>Die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht (und in den Wochen danach die Ermordung anderer prominenter Radikaler, so diejenige von Kurt Eisner (USPD) und Eugen Levin&eacute; (KPD) in M&uuml;nchen und von Leo Jogiches (KPD), Hugo Haase (USPD) und Heinrich Dorrenbach (Volksmarinedivision) in Berlin) beraubte die radikale Linke ihrer f&uuml;hrenden  K&ouml;pfe. <\/p><p>Insbesondere die Morde an Luxemburg und Liebknecht waren strategisch geplant. Die beiden personifizierten die Kritik an der SPD-F&uuml;hrung seit dem SPD-Ja zu den Kriegskrediten. Sie analysierten von Beginn der Revolution an in Aufs&auml;tzen und Reden und ab dem 18. November 1918 t&auml;glich in der <em>Roten Fahne<\/em> das falsche Spiel, das die SPD-F&uuml;hrer trieben. Vor allem aber &bdquo;verk&ouml;rperten Liebknecht und Luxemburg wie niemand sonst in den Augen von Freund und Feind die deutsche Revolution. Sie waren ihre Symbole, und mit ihnen erschlug man die Revolution.&ldquo;[<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>]<\/p><p><strong>Zweitens. Es gab einerseits in der deutschen Revolution diesen begeisternden Gedanken von R&auml;ten. Andererseits wurde diese Idee einer direkten Demokratie nicht verallgemeinert, womit es erschwert wurde, dass sie massenwirksam wurde. Es handelte sich immer &bdquo;nur&ldquo; um eine Idee, die weltweit und spontan aufgegriffen wurde (und dies auch noch in sp&auml;teren Revolten, so beim Ungarischen Aufstand 1956 und in sp&auml;teren sozialistischen Modellen, so im Rahmen der Arbeiterselbstverwaltung in Jugoslawien 1945 bis 1989 [<a href=\"#foot_13\" name=\"note_13\">13<\/a>]). <\/strong><\/p><p>In der deutschen Revolution 1918-1920 spielten die Arbeiterr&auml;te (anfangs die Arbeiter- und Soldatenr&auml;te) eine gro&szlig;e Rolle. Sie wurden vielfach spontan gebildet. Dies erfolgte bereits in den Tagen vor dem 9. November in Norddeutschland und im Westen des Reichs. Sie waren aber auch ein zentrales Element in den strategischen Planungen der Revolution&auml;ren Obleute. Siehe deren Coup zur Wahl von Arbeiter- und Soldatenr&auml;ten und dem ersten Treffen dieser R&auml;te im Zirkus Busch am 10. November in Berlin. Bei all dem spielten sicher die historischen Erfahrungen der Pariser Kommune und vor allem diejenigen der Russischen Revolution 1905 und der Oktoberrevolution 1917 eine gro&szlig;e Rolle. Trotz einiger Versuche (z.B. seitens M&uuml;ller und D&auml;umig) wurde kein Gesamtkonzept dieses R&auml;temodells, das von den wesentlichen Kr&auml;ften der Revolution mitgetragen worden w&auml;re, entwickelt. Faktisch gab es zwei grundlegende Modelle: das Modell einer reinen R&auml;teherrschaft (teilweise angelehnt an die Oktoberrevolution). Und das Modell, in dem die R&auml;te als K&ouml;rperschaft der arbeitenden Klassen <em>ein Kontrollorgan gegen&uuml;ber dem Parlament<\/em> sein w&uuml;rden (dies scheint das Modell gewesen zu sein, das Kurt Eisner und teilweise Richard M&uuml;ller und Ernst D&auml;umig vorschwebte). In den &bdquo;Richtlinien f&uuml;r die Aufgaben und das T&auml;tigwerden der Arbeiterr&auml;te&ldquo;, die im Januar 1919 auf der Vollversammlung der Gro&szlig;-Berliner Arbeiterr&auml;te angenommen wurden, tauchen die Regierung (Volksbeauftragte) und eine Nationalversammlung bzw. ein Parlament allerdings nicht auf. Festgehalten wird: &bdquo;Die Arbeiterr&auml;te sind die berufene Vertretung der werkt&auml;tigen Bev&ouml;lkerung. Sie haben die Aufgabe, die Neuordnung in Deutschland zu sichern und auszubauen. [&hellip;] Das Ziel ihrer T&auml;tigkeit muss die schleunige Sozialisierung des Wirtschafts- und Staatswesens sein.&ldquo;[<a href=\"#foot_14\" name=\"note_14\">14<\/a>]<\/p><p>Unbestritten scheint, dass es urspr&uuml;nglich bei beiden Modellen mehrere Str&ouml;mungen und Parteien geben sollte, die Kandidaten zur Wahl der R&auml;te aufstellen w&uuml;rden und dass sich in den R&auml;ten die unterschiedlichen politischen Str&ouml;mungen der arbeitenden Bev&ouml;lkerung widerspiegeln sollten. Das war auch in den R&auml;ten in Russland 1917\/18 der Fall. Dass es dort dann zum Ausschluss aller Str&ouml;mungen, die in Opposition zu den Bolschewiki standen, kam, hat auch viel mit dem aufgezwungenen B&uuml;rgerkrieg und der Invasion von ausl&auml;ndischen Heeren zu tun. Es war aber auch ein schwerer S&uuml;ndenfall der F&uuml;hrung der Bolschewiki um Lenin und Trotzki, der die sp&auml;tere Stalinisierung beg&uuml;nstigte. Rosa Luxemburg hat diese Entscheidungen fr&uuml;hzeitig kritisiert und vor der Gefahr des Absterbens jeder Demokratie und des Entstehens einer Diktatur gewarnt.[<a href=\"#foot_15\" name=\"note_15\">15<\/a>]  <\/p><p>Auch wenn es auf den R&auml;tegedanken gewiss kein deutsches Patent gibt, so waren die R&auml;te als Teil des revolution&auml;ren Prozesses wohl in keinem anderen Land derart in der arbeitenden Bev&ouml;lkerung verbreitet und verankert &ndash; und zugleich bei den Milit&auml;rs und im Gro&szlig;b&uuml;rgertum verhasst &ndash; wie in Deutschland 1918-1920. <\/p><p>Die heutige Linke und die demokratischen Kr&auml;fte hierzulande sollten angesichts der Erfahrungen der deutschen Revolution 1918-20 pr&uuml;fen, inwieweit R&auml;te als Struktur direkter Demokratie Bestandteil einer zuk&uuml;nftigen solidarischen Gesellschaft sein k&ouml;nnten. <\/p><p><strong>Drittens. Der Verrat der SPD-F&uuml;hrung und der SPD-nahen Gewerkschaften spielte eine entscheidende Rolle bei der Niederlage der deutschen Revolution. <\/strong><\/p><p>Das Doppelspiel der SPD war perfide und umfassend. Der Verrat fand in einer organisierten und fast gespenstisch zu nennenden Form statt. Klaus Gietinger findet den Begriff &bdquo;Verrat&ldquo; unpassend, da die SPD-F&uuml;hrung ihre Absichten immer deutlich gemacht h&auml;tte. Man k&ouml;nne hier &bdquo;nicht von Verrat sprechen, sondern einfach davon, dass sich da F&uuml;hrungspersonal der SPD und der Gewerkschaften bis hinein in die Kader der Provinz verb&uuml;rgerlicht hatte.&ldquo;[<a href=\"#foot_16\" name=\"note_16\">16<\/a>] Ich tendiere dazu, den Begriff &bdquo;Verrat&ldquo; weiter als moralische und politische Kategorie zu verwenden. Die Mehrheit der arbeitenden Menschen hielt die SPD auch Ende 1918 noch f&uuml;r eine Partei, die Arbeiterinteressen vertreten w&uuml;rde. Sie sah diese nicht auf Seiten der Konterrevolution. Teilweise gewann sie den Eindruck, diese habe sich gel&auml;utert. Anders kann man nicht erkl&auml;ren, dass die SPD bei der Reichstagswahl 1919 gegen&uuml;ber den letzten vorausgegangenen Wahlen von 1912 zugelegt hat &ndash; und die USPD nur auf eher bescheidene 7,6 Prozent kam. Die Entwicklung des allgemeinen Bewusstseins verl&auml;uft &ndash; nicht zuletzt bedingt durch die b&uuml;rgerliche Propagandamaschinerie &ndash; deutlich verlangsamt und oft sprunghaft. <\/p><p>Hinzu kommt: Dass es einen &bdquo;Verrat&ldquo; der SPD-F&uuml;hrung im moralischen Sinn gab, war seit ihrer Zustimmung zu den Kriegskrediten im August 1914 eine in Deutschland weit verbreitete Erkenntnis. Doch die hier beschriebene <em>organisierte und vielfach bis zur Selbstverleugnung und Selbstzerst&ouml;rung betriebene Form des Doppelspiels<\/em>, diese intensive Zusammenarbeit zwischen SPD-F&uuml;hrung und Konterrevolution, &uuml;berstieg wohl alles, was auch aufgekl&auml;rte Menschen im revolution&auml;ren Deutschland f&uuml;r m&ouml;glich gehalten hatten. W&auml;re beispielsweise bereits w&auml;hrend der H&ouml;hepunkte der Revolution aufgedeckt worden, dass es die st&auml;ndigen Absprachen zwischen Ebert und Groener &uuml;ber die beschriebene geheime Telefonleitung gegeben hatte, h&auml;tte es also damals eine Art Wikileaks mit der entsprechenden Dokumentation, der Mitschrift, dieser Gespr&auml;che gegeben, so h&auml;tte dies zweifelsohne die Glaubw&uuml;rdigkeit, die die SPD-F&uuml;hrung damals noch in weiten Kreisen der arbeitenden Klasse hatte, nachhaltig ersch&uuml;ttert.<\/p><p>Die Bourgeoisie jedenfalls kannte die weiterhin integrierende Kraft der Sozialdemokratie. Sie wusste, dass die F&uuml;hrungen von SPD und Gewerkschaften das Vertrauen der Massen hatten,  dass es also gro&szlig;e Chancen auf ein Funktionieren des <em>Doppelspiels<\/em> gab. <\/p><p>Und diese Bourgeoisie setzte noch vor Kriegsende bewusst auf die SPD und die SPD-nahen Gewerkschaften als ihre Retter vor der Revolution. In der Arbeit von Richard M&uuml;ller wird ein einmaliges  Dokument wiedergegeben, das dieses Langzeitdenken des deutschen Gro&szlig;b&uuml;rgertums belegt. Es handelt sich um eine Rede von Dr. J. Reichert, des Gesch&auml;ftsf&uuml;hrers des Vereins Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller, die dieser am 30. Dezember 1918 vor einem internen Gremium der Unternehmer hielt und in der dieser &uuml;ber interne Debatten in den Industriellenkreisen vor Kriegsende wie folgt berichtet: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Tats&auml;chlich war die Lage schon in den ersten Oktobertagen [des Jahres 1918; W.W.] klar. Es kam darauf an: wie kann man die Industrie retten? Wie kann man auch das Unternehmertum vor der drohenden [&hellip;] nahenden Revolution bewahren? Am 9. Oktober 1918 sa&szlig;en im Stahlhof zu D&uuml;sseldorf eine Anzahl von Eisenindustriellen, die sich &uuml;ber diese Dinge unterhielten. Die Versammelten waren sich einig dar&uuml;ber, dass   [&hellip;] die Regierung des Prinzen Max von Baden [&hellip;] bald gest&uuml;rzt werden w&uuml;rde. [&hellip;] Jedenfalls haben sich die Industriellen von einer schwachen Regierung keine Hilfe versprechen k&ouml;nnen. Blickte man weiter und fragte dann: kann vielleicht das B&uuml;rgertum k&uuml;nftig eine [&hellip;] Hilfe [&hellip;] werden, so musste man angesichts der [&hellip;] h&auml;ufigen Entt&auml;uschungen [&hellip;] sich sagen: Auf das B&uuml;rgertum ist [&hellip;] in wirtschaftspolitischen Dingen leider kein Verlass. Einen &uuml;berragenden Einfluss schien nur die organisierte Arbeiterschaft zu haben. Daraus zog man den Schluss: inmitten der allgemeinen Unsicherheit, angesichts der wankenden Macht des Staates und der Regierung gibt es f&uuml;r die Industrie <em>nur auf Seiten der Arbeiterschaft starke Bundesgenossen<\/em>.&ldquo;[<a href=\"#foot_17\" name=\"note_17\">17<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Viertens. Die Brutalit&auml;t, mit der die Konterrevolution gegen die revolution&auml;ren und demokratischen Kr&auml;fte vorging, ist in der Geschichte der modernen Gesellschaft und in der j&uuml;ngeren deutschen Geschichte einmalig. <\/strong><\/p><p>Es gab in Deutschland einen von den Rechten betriebenen und von der SPD-F&uuml;hrung orchestrierten langanhaltenden B&uuml;rgerkrieg. In diesem wurden Waffen eingesetzt, wie sie &bdquo;eigentlich&ldquo; nur im Krieg und &bdquo;eigentlich&ldquo; nur gegen eine vergleichbar ausger&uuml;stete milit&auml;rische Gruppe bzw. Armee zum Einsatz kommen. Die SPD-gef&uuml;hrte Regierung und ihr Frontmann auf dem Gebiet Konterrevolution und Massaker, Gustav Noske, bauten binnen weniger Monate eine gigantische B&uuml;rgerkriegsarmee auf, die in erster Linie aus Freikorps-Einheiten bestand. Auf dem H&ouml;hepunkt dieses B&uuml;rgerkriegs gab es 68 anerkannte Freikorps mit &ndash; laut Noske &ndash; insgesamt vierhunderttausend Mann. Die Freikorps glichen eher Landsknechtstrupps; Gietinger spricht von &bdquo;autorit&auml;r gef&uuml;hrten Sto&szlig;trupps mit hoher Zerst&ouml;rungskraft; Kampfbl&ouml;cke.&ldquo;[<a href=\"#foot_18\" name=\"note_18\">18<\/a>] Die Freikorps waren auf ihre F&uuml;hrer eingeschworen, die Mentalit&auml;t der Freikorps-M&auml;nner war durchgehend reaktion&auml;r, teilweise noch monarchistisch eingestellt, &uuml;berwiegend bereits rechtsextrem und faschistisch. Auch wenn sie von der SPD-gef&uuml;hrten Regierung immer wieder zu Hilfe gerufen wurden, hassten die Freikorps-M&auml;nner nicht nur die Revolution&auml;re, sondern vielfach auch die SPD &ndash; und in jedem Fall die &bdquo;Republik&ldquo;. Finanziert wurden die Freikorps teilweise von Gro&szlig;unternehmern wie Hugo Stinnes, &uuml;berwiegend aber aus der Reichskasse, also bis Mitte 1920 auf der Grundlage von Entscheidungen der jeweiligen SPD-gef&uuml;hrten Regierungen. Nach den heutigen Begriffen w&uuml;rde man von einer halb-privaten S&ouml;ldner-Armee nach Art der Blackwater-Einheiten im Irak-Krieg 2003ff sprechen. Die Freikorps-M&auml;nner waren Berufssoldaten auf Zeit, Job-Beschreibung &bdquo;B&uuml;rgerkrieg; Stra&szlig;enkampf; zu Liquidationen bef&auml;higt&ldquo;. Vor allem waren diese Leute gut bezahlt. Dazu hei&szlig;t es in einer Studie &uuml;ber den Gr&uuml;nder des ersten Freikorps, Georg Maerker: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;W&auml;hrend der Grundlohn im alten Heer 30 Mark im Monat betrug, erhielten die Freikorpsmitglieder zus&auml;tzlich f&uuml;nf Mark am Tag; bei Eins&auml;tzen au&szlig;erhalb des Reichsgebiets neun Mark pro Tag. Verheiratete und kinderreiche M&auml;nner bekamen noch zus&auml;tzlichen Sold. Das Geld erstattete die Reichsregierung. Bizarr musste manchen &auml;lteren Milit&auml;rs die Verpflichtungsdauer und K&uuml;ndigung erscheinen: Man verpflichtete sich f&uuml;r einen Monat mit vierzehnt&auml;giger K&uuml;ndigungsfrist.&ldquo;[<a href=\"#foot_19\" name=\"note_19\">19<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>Angesichts eines kaiserlichen Heeres, das in den vier Weltkriegsjahren 13 Millionen Mann durchlaufen hatten, das bei Kriegsende mehr als f&uuml;nf Millionen Soldaten z&auml;hlte, das im Zeitraum November 1918 bis Fr&uuml;hjahr 1919 rasant auf bis wenige Hunderttausend Mann geschrumpft war und angesichts einer darniederliegenden Wirtschaft mit wenig M&ouml;glichkeiten f&uuml;r einen &bdquo;anst&auml;ndigen&ldquo; Broterwerb, boten diese Freikorps h&ouml;chst interessante Erwerbsm&ouml;glichkeiten. Das &bdquo;Werben f&uuml;rs Sterben&ldquo;, das aktuell die Bundeswehr mit eher wenig Erfolg betreibt, stie&szlig; unter solchen Bedingungen auf fruchtbaren Boden. <\/p><p>Die Soldateska, die auf diese Weise aufgebaut wurde, hatte &uuml;berwiegend ihr &bdquo;Handwerk&ldquo; im Krieg gelernt. Viele der Freikorps-M&auml;nner hatten zuvor im Krieg  jede Wertsch&auml;tzung von Menschenw&uuml;rde und Leben verloren. Dabei handelte es sich bei den Angeh&ouml;rigen der Freikorps fast immer um Menschen, deren extrem rechte &ndash; monarchistische und faschistische &ndash; Gesinnung die allgemeinen Verrohungstendenzen, zu denen es im Krieg kam, erg&auml;nzten. Der Freikorps-Offizier Friedrich Wilhelm von Oertzen schrieb: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Man lebt nicht durch Jahre in unmittelbarster Nachbarschaft mit den tausend grausigen Gesichtern des Todes, ohne dass diese Nachbarschaft auf Lebensauffassungen und Lebensformen st&auml;rksten Einfluss aus&uuml;bt. Die Anforderungen, die besonders die letzten Jahre des Krieges in jeder Beziehung an Frontoffiziere und Landser stellten, hatten f&uuml;r beide naturnotwendig eine neue Wertordnung im Gefolge, in der b&uuml;rgerliche Tugenden und Lebensformen als f&uuml;r die Kriegsbed&uuml;rfnisse unn&ouml;tig oder gar hinderlich weit unten auf der Skala rangierten.&ldquo;[<a href=\"#foot_20\" name=\"note_20\">20<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>Mit entsprechender Geisteshaltung und Mordpraxis agierten die Freikorps in Russland, im Baltikum, in Polen&hellip; und in Deutschland. Haffner schreibt in seiner Bilanz des Terrors in M&uuml;nchen nach Niederschlagung der Bayerischen R&auml;terepublik, dass dem Agieren dieser Truppen &bdquo;etwas vom Charakter einer fremden Invasion und Besetzung anhaftet. Die preu&szlig;ischen Freikorps f&uuml;hlten und benahmen sich wie Sieger in einem eroberten Land.&ldquo; <\/p><p>Klaus Gietinger zieht einen &auml;hnlichen Vergleich und verbindet dies mit dem Vorausgegangenen und dem noch Kommenden: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Der Vernichtungswille, den die kaiserliche Armee schon Chinesen, Hereros und Belgier hatte sp&uuml;ren lassen, wurde nun auf den inneren Feind konzentriert und durch den Mythos von der Abwehr des Bolschewismus zus&auml;tzlich aufgeladen. Oder, wie sich der Freikorps-Offizier, Erzberger-M&ouml;rder und sp&auml;terer SA-Gruppenf&uuml;hrer Manfred von Killinger ausdr&uuml;ckte: &acute;Krieg ist Gewalt, aber B&uuml;rgerkrieg ist Gewalt in h&ouml;chster Potenz. M&auml;&szlig;igung, Duldsamkeit unsererseits, w&auml;re Dummheit, nein, Verbrechen am eigenen Volk und Staat gewesen.&ldquo;[<a href=\"#foot_21\" name=\"note_21\">21<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Macron und Merkel pl&auml;dieren f&uuml;r Hochr&uuml;stung <\/strong><br>\n<strong>&hellip; als Lehre aus dem Ersten Weltkrieg<\/strong><\/p><p>Womit wir wieder bei des Bundespr&auml;sidenten Aussage vom 9. November 2018 sind, wonach die &bdquo;gem&auml;&szlig;igten Kr&auml;fte&ldquo;, die SPD-F&uuml;hrung, einen &bdquo;Kompromiss&ldquo; mit den &bdquo;gem&auml;&szlig;igten Kr&auml;ften des B&uuml;rgertums&ldquo; gesucht und gefunden h&auml;tten.<\/p><p>Nein! Es gab eine solche Kompromisssuche nicht. Die Revolution scheiterte auch, weil die SPD elementare Grundwerte, f&uuml;r die sie damals und heute laut Programm eintritt, etwa f&uuml;r Frieden, mit F&uuml;&szlig;en trat und mit denjenigen Kr&auml;ften zusammenarbeitete, die f&uuml;r den Ersten Weltkrieg die wesentliche Verantwortung tragen und die dann den Zweiten Weltkrieg vorbereiteten. Selbst f&uuml;r die Waffenstillstandsverhandlungen delegierte die SPD Leute, die Kriegsbef&uuml;rworter waren. Dabei machte sich die deutsche Verhandlungsdelegation gegen&uuml;ber den Siegerm&auml;chten unglaubw&uuml;rdig; die dann harten Bedingungen des Versailler Vertrags wurde bereits durch das Personal, das den Friedensvertrag auf deutscher Seite mit aushandeln sollte, beg&uuml;nstigt.[<a href=\"#foot_22\" name=\"note_22\">22<\/a>]<\/p><p>Diejenigen, die, wie Steinmeier, die Novemberrevolution  derartig  umdeuten, fehldeuten und verleugnen, nutzen heute bereits wieder das Gedenken an diese Revolution mit deren radikalen Forderungen nach Entmilitarisierung und Frieden, um Militarisierung zu f&ouml;rdern und auf neue Kriege vorzubereiten. Der franz&ouml;sische Pr&auml;sident und die deutsche Kanzlerin warben im November 2018 im Zusammenhang mit den Erinnerungsveranstaltungen zum Kriegsende f&uuml;r eine &bdquo;Europa-Armee&ldquo;. <\/p><p>Die <em>Frankfurter Allgemeine Zeitung<\/em> enthielt am 12. November 2018 einen Leitartikel, in dem ein fataler Bogen von den behaupteten Schlafwandlern des Jahres 1914 zur Forderung nach einer Militarisierung der EU 2018 ff gezogen wurde. Dort hei&szlig;t es:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Emmanuel Macron hat wiederholt den Bestseller des australischen Historikers Christopher Clark, &acute;Die Schlafwandler&acute;, zitiert, um vor einem ungewollten Zusammenbruch der multilateralen Nachkriegsordnung zu warnen. [&hellip;] Als brauche es noch eines Beweises, dass die Pax Americana sich dem Ende zuneigt, blieb der amerikanische Pr&auml;sident Donald Trump dem Friedensforum in Paris ostentativ fern. [&hellip;] F&uuml;r Macron gilt mehr denn je die &Auml;u&szlig;erung der Bundeskanzlerin in einem Bierzelt in M&uuml;nchen, dass die Europ&auml;er ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen m&uuml;ssen. Deshalb wirbt sie so unerm&uuml;dlich um Unterst&uuml;tzung aus Deutschland f&uuml;r sein europ&auml;isches Projekt. [&hellip;] Die deutsch-franz&ouml;sische Beziehung braucht Symbole. Das Bild des franz&ouml;sischen Pr&auml;sidenten Francois Mitterand und des Bundeskanzlers Helmut Kohl, die sich &uuml;ber den Gr&auml;bern von Verdun die Hand reichen, hat [&hellip;] sich im kollektiven Bewusstsein festgesetzt, weil ihr konkrete Taten [&hellip;) folgten: die deutsch-franz&ouml;sische Brigade, das Eurokorps, der Schengen-Raum und der Euro. [&hellip;] Das Foto aus der Lichtung von Compi&egrave;gne [wo es zuvor einen gemeinsamen Auftritt von Macron und Merkel gegeben hatte; W.W.], wird keine &auml;hnliche Symbolkraft entfalten k&ouml;nnen, wenn der im Koalitionsvertrag vereinbarte &acute;Aufbruch f&uuml;r Europa&acute;  weiter wie geduldig Papier in der Schublade bleibt.&ldquo;[<a href=\"#foot_23\" name=\"note_23\">23<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>Ein solches deutsches Pl&auml;doyer f&uuml;r eine neue Militarisierung und Hochr&uuml;stung, nunmehr mit einem Verb&uuml;ndeten, der &uuml;ber Atomwaffen verf&uuml;gt, ist fatal. Die Behauptung, wonach die Menschen bei den beiden Friedensgesten in Verdun bzw. in Compi&egrave;gne an Aufr&uuml;stungsprojekte denken bzw. sich eine neue Hochr&uuml;stung herbeiw&uuml;nschen, ist absurd und infam. Dennoch ist der FAZ-Leitartikel bitterer Ernst, der zur neuen blutigen Wirklichkeit werden k&ouml;nnte. Zumal die j&uuml;ngere Entwicklung des Kapitalismus mit einer drohenden neuen Finanz- und Wirtschaftskrise und einem bereits stattfindenden neuen Handelskrieg deutliche Parallelen zur Periode vor dem Ersten Weltkrieg aufweist.<\/p><p>Umso wichtiger ist eine Wiederinbesitznahme der Grundidee der Novemberrevolution mit den Forderungen nach Abr&uuml;stung, nach Frieden und nach umfassender und direkter Demokratie.<\/p><p>Die S&auml;tze, die Sebastian Haffner vor einem halben Jahrhundert als Bilanz seiner Arbeit und der Novemberrevolution schrieb, haben auch heute G&uuml;ltigkeit:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Revolution war eine Ruhmestat. Ein Schandfleck ist der Verrat, der an ihr ver&uuml;bt wurde. Gewiss ist Revolution nichts, das man zum Vergn&uuml;gen macht [&hellip;] Jede Revolution ist ein schmerzhafter, blutiger [&hellip;] Vorgang &ndash; wie eine Geburt. Aber wie eine Geburt ist jede gelungene Revolution zugleich auch ein sch&ouml;pferischer, lebensspendender Vorgang. Alle V&ouml;lker, die eine gro&szlig;e Revolution durchgestanden haben, blicken mit Stolz auf sie zur&uuml;ck [&hellip;] Es sind nicht die siegreichen, es sind die erstickten und unterdr&uuml;ckten, die verratenen und verleugneten Revolutionen, die ein Volk krank machen. Deutschland  krankt an der verratenen Revolution von 1918 noch heute.&ldquo;[<a href=\"#foot_24\" name=\"note_24\">24<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>Entrei&szlig;en wir die verratene und verleugnete deutsche Revolution von 1918\/19 dem Dunkeln! R&uuml;cken wir die Ideale von Frieden und Demokratie ins Licht!<\/p><p><em>Klaus Gietinger und Winfried Wolf ver&ouml;ffentlichten 2017 das Buch &bdquo;Der Seelentr&ouml;ster. Wie Christopher Clark die Deutschen von der Schuld am Ersten Weltkrieg erl&ouml;st.&ldquo; (Schmetterling Stuttgart). Er st&uuml;tzt sich in seinem hier ver&ouml;ffentlichten Text vor allem auf Klaus Gietinger, November 1918. Der verpasste Fr&uuml;hling (Nautilus, Hamburg 2018), Sebastian Haffner, Der Verrat &ndash; Deutschland 1918\/19 (verschiedene Ausgaben verschiedener Verlage) und Richard M&uuml;ller, Die Geschichte der Revolution (urspr&uuml;nglich drei B&auml;nde; zuletzt Berlin 2011, Buchmacherei).<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Max Hoelz begann 1919 als Aktivist des Arbeiter- und Soldatenrats in Falkenstein. Als auf ihn ein Kopfgeld ausgesetzt wurde, f&uuml;hrte er mit einer kleinen Gruppe bewaffnete Aktionen durch, bei denen Lebensmittel beschlagnahmt, f&uuml;r das Requirierte H&ouml;chstpreise bezahlt und die Lebensmittel dann unter der verarmten Bev&ouml;lkerung verteilt wurden. Hoelz f&uuml;hrte diesen Privatkrieg mit erfolgreichen Umverteilungsaktionen von oben nach unten mehr als zwei Jahr lang und entwickelte sich zum Volksheld der Region, wenn nicht im Reich. Am Ende mussten 20.000 Mann Reichswehr eingesetzt werden, um ihn und seine bewaffnete Gruppe zu fassen. U.a. nach: Illustrierte Geschichte der deutschen Revolution, a.a.O., S. 491f, und nach der Autobiographie von Max Hoelz (Vom &bdquo;Wei&szlig;en Kreuz&ldquo; zur &bdquo;Roten Fahne&ldquo;, Halle 1984).<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Marc Jones hier zitiert nach Gietinger, November 1918, a.a.O., S.154; Opferzahlen dort S. 162. Zu Jones siehe Anmerkung 2 in Teil 1.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Spiegel 6\/1969.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Eine Ausnahme bildet W&uuml;rttemberg. Hier war die Revolution zun&auml;chst aufgrund eines Missverst&auml;ndnisses bereits am 4. November 1918 ausgerufen worden &ndash; was u.a. in einen gro&szlig;en Streik in den Daimler-Werken m&uuml;ndete. Ein Obleute-Vertreter war zu fr&uuml;h von einem Obleute-Treffen in Berlin abgereist und hatte das falsche Datum &uuml;bermittelt.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Haffner, a.a.O., S. 165.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Haffner, a.a.O., S. 165.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] Karl Schweizer, Novemberrevolution 1918 &ndash; R&auml;terepublik 1919. Sozialisten und Kommunisten in Lindau und Umgebung, , Lindau 2018.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] Klaus Gietinger, a.a.O., S. 178. Nach der Ermordung Eisners war &ndash; so die Darstellung bei Haffner &ndash; &bdquo;die Landbev&ouml;lkerung in Massen in die Stadt gestr&ouml;mt; und die bayerischen Gebirgler mit ihren Gamsb&auml;rten und Lederhosen marschierten todernst und feierlich hinter dem Sarg dieses ermordeten Berliner Juden, von dem sie sich so gut verstanden gef&uuml;hlt hatten.&ldquo; Haffner, a.a.O., S. 170.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] Zitiert bei Haffner, a.a.O., S. 165.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] Haffner, a.a.O., S. 173.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] So erlie&szlig;en die Volksbeauftragten am 12. November 1918 eine Verordnung u.a. mit dem folgenden Wortlaut: &bdquo;Zur &Uuml;berf&uuml;hrung des deutschen Wirtschaftslebens in den Frieden ist eine oberste Reichsbeh&ouml;rde unter der Bezeichnung [&hellip;] Demobilisierungsamt [&hellip;] errichtet worden. Mit der Leitung dieses Amtes ist der [&hellip;] bisherige Oberstleutnant Koeth, Leiter der Kriegsrohstoffabteilung, beauftragt worden. [&hellip;] Alle Zivil- und Milit&auml;rbeh&ouml;rden werden aufgefordert, den Weisungen des Herrn Koeth [&hellip;] Folge zu leisten.&ldquo; Richard M&uuml;ller kommentierte wie folgt: &bdquo;Durch diese Verordnung wurde Dr. Koeth zum Diktator der Wirtschaft gemacht, seine Vollmachten waren unbeschr&auml;nkt. Sie h&auml;tten f&uuml;r jeden gen&uuml;gt, der die Sozialisierung sich zum Ziel seiner Arbeit setzte. Aber Dr. Koeth [&hellip;] war der Vertrauensmann der Schwerindustrie. Es waren die Herren Hugo Stinnes, Generaldirektor V&ouml;gler, Geheimrat Ernst von Borsig, Geheimrat Deutsch u.a., die die Errichtung des Demobilisierungsamtes forderten und daf&uuml;r auch gleich den Herrn Koeth mitbrachten.&ldquo; M&uuml;ller, a.a.O., S. 276.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_12\" name=\"foot_12\">&laquo;12<\/a>] Sebastian Haffner, a.a.O., S. 149. S.H. f&uuml;gt hier hinzu: &bdquo;Das gilt f&uuml;r Karl Liebknecht noch mehr als f&uuml;r Rosa Luxemburg.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_13\" name=\"foot_13\">&laquo;13<\/a>] Auch Peter von Oertzen weist positiv auf diese sp&auml;teren R&auml;te-Modelle hin, so auf den Arbeiteraufstand in Ungarn 1956 gegen die stalinistische Diktatur und auf die &bdquo;neben den politischen Vertretungsk&ouml;rperschaften stehenden Produzentenr&auml;te der jugoslawischen Verfassung&ldquo;. A.a.O., S. 11.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_14\" name=\"foot_14\">&laquo;14<\/a>] In: Der Arbeiterrat, Nr. 1\/1919, S. 8f; hier zitiert nach: Dieter Schneider \/ Rudolf Kuda, Arbeiterr&auml;te in der Novemberrevolution. Ideen, Wirkungen, Dokumente, Frankfurt\/M. 1969, S.80. Es gab einen weitgehend gleichlautenden Vorschlag von R. M&uuml;ller zur Funktion der Arbeiterr&auml;te, wiedergegeben ebenda, S.84ff. Die angenommenen &bdquo;Richtlinien&ldquo; entsprachen demnach weitgehend einem Vorschlag von R. M&uuml;ller. Allerdings haben M&uuml;ller und D&auml;umig ihre R&auml;tevorstellungen sp&auml;ter den Verh&auml;ltnissen neu angepasst.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_15\" name=\"foot_15\">&laquo;15<\/a>] Luxemburg schrieb: &bdquo;Lenin und Trotzki haben anstelle der aus allgemeinen Volkswahlen  hervorgegangenen Vertretungsk&ouml;rperschaften [der verfassungsgebenden Versammlung, die nach der Oktoberrevolution von der bolschewistischen Regierung aufgel&ouml;st wurde; W.W.] die Sowjets als die einzig wahre Vertretung der arbeitenden Massen hingestellt. Aber mit dem Erdr&uuml;cken des politischen Lebens im ganzen Land muss auch das Leben in den Sowjets immer mehr erlahmen. [&hellip;] Sozialistische Demokratie beginnt [&hellip;] nicht erst im gelobten Land, wenn der Unterbau der sozialistischen Wirtschaft geschaffen ist, als fertiges Weihnachtsgeschenk f&uuml;r das brave Volk, das inzwischen treu die Handvoll sozialistische Diktatoren unterst&uuml;tzt hat. Sozialistische Demokratie beginnt zugleich mit [&hellip;] dem Aufbau des Sozialismus.&ldquo; Diese Zeilen wurden zwar im Herbst 1918 geschrieben. Doch Luxemburg lie&szlig; sie &ndash; sicher auch aus Solidarit&auml;t gegen&uuml;ber der Russischen Revolution &ndash; nicht ver&ouml;ffentlichen. Sie erschienen posthum. Interessant ist, dass Luxemburg hier auch ein R&auml;temodell zu pr&auml;ferieren scheint, das ein Kontrollorgan gegen&uuml;ber einem &bdquo;klassischen&ldquo; Parlament ist. Zitat: Rosa Luxemburg, Zur russischen Revolution, hier nach. R. Luxemburg, Gesammelte Werke, Band 4, S. 362 und 363.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_16\" name=\"foot_16\">&laquo;16<\/a>] Klaus Gietinger, a.a.O., S. 200. K.G. unterstreicht dies mit einer Anmerkung, in der es hei&szlig;t: &bdquo;Dem Verfasser wird immer wieder ohne Beleg vorgeworfen, er huldige der Verrats-These, wie Luxemburg, Liebknecht oder Tucholsky.&ldquo; (A.a.O., S. 243). <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_17\" name=\"foot_17\">&laquo;17<\/a>] Richard M&uuml;ller, a.a.O., Dokumententeil, S. 337; hervorgehoben von W.W. Eine erstaunliche und f&uuml;r diesen Zeitpunkt &auml;u&szlig;erst kluge Einsicht, die M&uuml;ller mit dem Satz kommentiert: &bdquo;Nichts kann den Zustand der deutschen Arbeiterbewegung in der Revolution besser beleuchten als die Tatsache, dass ihre gef&auml;hrlichsten Feinde Schutz und Hilfe vor der Revolution bei den Gewerkschaftsf&uuml;hrern suchten und fanden.&ldquo; Ebenda.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_18\" name=\"foot_18\">&laquo;18<\/a>] Klaus Gietinger, a.a.O., S. 105.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_19\" name=\"foot_19\">&laquo;19<\/a>] Claus Kristen, Ein Leben in Manneszucht. Von Kolonien und Novemberrevolution. Der &bdquo;St&auml;dtebezinger&ldquo; Georg Maercker, Stuttgart (Schmetterling) 2018, S. 162. <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_20\" name=\"foot_20\">&laquo;20<\/a>] Friedrich Wilhelm von Oertzen, Die deutschen Freikorps 1918-1923, M&uuml;nchen 1936, hier zitiert bei: Claus Kristen, a.a.O., S.162f.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_21\" name=\"foot_21\">&laquo;21<\/a>] Gietinger, a.a.O., S. 107f.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_22\" name=\"foot_22\">&laquo;22<\/a>] Die ma&szlig;geblichen Vertreter Deutschlands bei den Waffenstillstandsverhandlungen waren Wilhelm Solf und Matthias Erzberger. Solf stand ab 1911 an der Spitze des Reichskolonialamtes und war der letzte kaiserliche Au&szlig;enminister. Er war bis Ende 1918 im Auftrag der Regierung der Volksbeauftragten Mitglied der deutschen Delegation bei den Friedensverhandlungen. Matthias Erzberger war WK-I-Bef&uuml;rworter. Er hatte im Oktober 1916 im Haushaltsausschuss des Reichstags einen Antrag eingebracht, mit dem &bdquo;j&uuml;dische Dr&uuml;ckeberger&ldquo; im Heer ausfindig gemacht werden sollten. Es gab dann, wie beschrieben, die ber&uuml;chtigte &bdquo;Judenz&auml;hlung&ldquo;. Erzberger war nach dem Krieg Bevollm&auml;chtigter der Reichsregierung und Leiter der deutschen Waffenstillstandsdelegation. Diese personelle Kontinuit&auml;t in der deutschen Au&szlig;enpolitik kritisierte in M&uuml;nchen vor allem Kurt Eisner Ende 1918 und bis zu seinem Tod heftig. <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_23\" name=\"foot_23\">&laquo;23<\/a>] Michaela Wiegel, Das Bild von Compi&egrave;gne, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 12. November 2018.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_24\" name=\"foot_24\">&laquo;24<\/a>] Sebastian Haffner, a.a.O., S. 199f.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><em>Vorbemerkung:<\/em> Wir bringen auf den NachDenkSeiten in drei Teilen einen ausf&uuml;hrlichen Text von <strong>Winfried Wolf<\/strong> zur Novemberrevolution, zur Bayerischen R&auml;terepublik und zur aktuellen Debatte &uuml;ber diese Ereignisse. Der <em>erste Teil<\/em> &ldquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47551\">Serie zur Novemberrevolution &ndash; Teil 1<\/a>&rdquo; hatte drei Ereignisse, die zum Verst&auml;ndnis der Revolution wichtig sind, zum Thema. In <em>Teil 2<\/em> &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47597\">Serie zur<\/a><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47668\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,172,124,212,165,191],"tags":[1953,803,912,1904,2537,2208,857,2526,2533,2066,315,893,2520,2532,2283,2147,252,1176,2422,2360],"class_list":["post-47668","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-aufruestung","category-demokratie","category-gedenktagejahrestage","category-innen-und-gesellschaftspolitik","category-spd","tag-armee-im-innern","tag-bayern","tag-buergerkrieg","tag-direkte-demokratie","tag-eisner-kurt","tag-europaeische-verteidigungsunion","tag-haffner-sebastian","tag-liebknecht-karl","tag-luxemburg-rosa","tag-macron-emmanuel","tag-merkel-angela","tag-militarisierung","tag-mord","tag-noske-gustav","tag-revolution","tag-sowjetunion","tag-steinmeier-frank-walter","tag-streik","tag-verrohung","tag-zivile-opfer"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/47668","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=47668"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/47668\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":54365,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/47668\/revisions\/54365"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=47668"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=47668"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=47668"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}