{"id":47748,"date":"2018-12-10T08:25:31","date_gmt":"2018-12-10T07:25:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47748"},"modified":"2026-01-27T11:31:20","modified_gmt":"2026-01-27T10:31:20","slug":"krone-schmalz-ich-empfinde-das-als-unverhohlene-kriegshetze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47748","title":{"rendered":"Krone-Schmalz: \u201eIch empfinde das als unverhohlene Kriegshetze\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Nach dem Vorfall im <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47472\">Asowschen Meer<\/a> haben Medienvertreter f&uuml;r eine h&auml;rtere Gangart gegen&uuml;ber Russland pl&auml;diert. Im Presseclub wurde selbst von einer &bdquo;milit&auml;rischen Option&ldquo; gesprochen. Die ehemalige Russlandkorrespondentin der ARD, <strong><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42322\">Gabriele Krone-Schmalz<\/a><\/strong>, ordnet im NachDenkSeiten-Interview die aktuelle <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46612\">Entwicklung<\/a> zwischen der Ukraine und Russland ein und kritisiert die &bdquo;aggressive Grundstimmung&ldquo;, die in den Medien vorherrscht. Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6945\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-47748-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181210_Krone_Schmalz_Ich_empfinde_das_als_unverhohlene_Kriegshetze_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181210_Krone_Schmalz_Ich_empfinde_das_als_unverhohlene_Kriegshetze_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181210_Krone_Schmalz_Ich_empfinde_das_als_unverhohlene_Kriegshetze_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181210_Krone_Schmalz_Ich_empfinde_das_als_unverhohlene_Kriegshetze_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=47748-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181210_Krone_Schmalz_Ich_empfinde_das_als_unverhohlene_Kriegshetze_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"181210_Krone_Schmalz_Ich_empfinde_das_als_unverhohlene_Kriegshetze_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Frau <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=41696\">Krone-Schmalz<\/a>, die Lage zwischen der Ukraine und Russland hat sich mit dem Vorfall im Asowschen Meer zugespitzt. Wie haben Sie den Vorfall wahrgenommen?<\/strong><\/p><p>In letzter Zeit lag der Focus der Berichterstattung nicht so sehr auf dem Thema Krim und das Asowsche Meer liegt ohnehin nicht im Zentrum der Aufmerksamkeit. Aber es handelt sich nat&uuml;rlich um einen sehr sensiblen Punkt, der nach dem Bau der russischen Br&uuml;cke &uuml;ber die Meerenge von Kertsch noch sensibler geworden ist. Danach hat sich die Lage insgesamt versch&auml;rft. Vor kurzem war im ukrainischen Parlament die Rede davon, dass diese Br&uuml;cke beseitigt werden m&uuml;sse und der Abgeordnete Igor Mossejtschuk, ein Nationalist und fr&uuml;her stellvertretender Kommandeur des ber&uuml;chtigten Bataillons <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/panorama\/justiz\/ukraine-deutsche-soeldner-heuern-bei-rechtsextremem-freiwilligenbataillon-an-a-1177400.html\">Asow<\/a>, hat vor dem Parlament sogar eine Sprengung der Br&uuml;cke ins Spiel gebracht. Russland hat darauf offiziell reagiert und der russische Au&szlig;enminister Lawrow hat deutlich gemacht, dass Russland diese Drohung sehr ernst nimmt. Es hat eine gewisse Logik, dass Russland nach dieser Vorgeschichte Schiffe der ukrainischen Marine, die sich der Br&uuml;cke n&auml;hern, nicht so ohne weiteres passieren l&auml;sst, sondern auf einer Kontrolle besteht. Wie so oft ist der genaue Ablauf der Geschehnisse umstritten. Die ukrainische Seite beharrt darauf, nachts um 3 diese Schiffe angemeldet zu haben, die russische Seite sagt, es habe keinerlei Ank&uuml;ndigung gegeben und die ukrainischen Schiffe h&auml;tten auf Anruf nicht reagiert. Jedenfalls hat die russische K&uuml;stenwache eines dieser Schiffe gerammt und beschossen &ndash; das entsprechende Video haben die Russen ja selbst ins Netz gestellt &ndash; und alle drei schlie&szlig;lich aufgebracht und die Besatzung festgesetzt. Bei solchen Vorkommnissen stellen sich immer zwei Fragen: warum jetzt? Und wer hat welche Interessen?<\/p><p><strong>Halten wir fest: Sowohl Russland als auch die Ukraine haben Interessen. Welche sind das?<\/strong><\/p><p>Das Interesse Russlands mit Blick auf diese Geschehnisse ist es, sich die Bewegungsfreiheit im Asowschen Meer zu erhalten und nat&uuml;rlich die aufwendig gebaute Br&uuml;cke zu sch&uuml;tzen. Aber aus russischer Sicht kam dieser Vorfall zur Unzeit. Der G20-Gipfel stand bevor und in Zusammenhang damit ein Treffen zwischen dem amerikanischen und dem russischen Pr&auml;sidenten. Da sind solche Dinge h&ouml;chst kontraproduktiv. Das Treffen wurde dann ja auch abgesagt. Damit sind wir bei den ukrainischen Interessen. Eine Begegnung zwischen dem amerikanischen und dem russischen Pr&auml;sidenten birgt f&uuml;r die Ukraine immer das Risiko, dass sich da zwei &bdquo;Gro&szlig;e&ldquo; ohne Einwirkungsm&ouml;glichkeiten der Ukraine einigen. Besser, die reden nicht miteinander.<\/p><p><strong>Welche Interessen hat der ukrainische Pr&auml;sident Poroschenko noch?<\/strong><\/p><p>Es gibt noch zwei wichtige Punkte. Der eine hat mit den bevorstehenden Wahlen in der Ukraine zu tun. Die Umfragewerte von Poroschenko sind derma&szlig;en im Keller, dass er sich unter normalen Umst&auml;nden keine Hoffnungen auf einen Wahlsieg machen kann. Es sei denn, er pr&auml;sentiert sich als Retter. Es ist ja kein Zufall, dass er sich unmittelbar nach den Ereignissen im Asowschen Meer in Milit&auml;runiform kampfbereit auf Wahlplakaten zeigt. Das verh&auml;ngte Kriegsrecht bildet den Rahmen, um unliebsame Konkurrenten fernzuhalten. Wie sollen die sich in Szene setzen, wenn gro&szlig;en Veranstaltungen und Demonstrationen enge Grenzen gesetzt sind und Berichterstattung noch weiter eingeschr&auml;nkt wird, als sie es in der Ukraine ohnehin schon ist? Bemerkenswert ist die Tatsache, dass sich Poroschenko mit seinem Wunsch, das Kriegsrecht f&uuml;r drei Monate auszurufen, im Parlament nicht durchsetzen konnte. Aus drei Monaten ist ein Monat geworden und statt landesweit gilt das Kriegsrecht &bdquo;nur&ldquo; in den Gebieten, die an Russland grenzen, plus zwei Gebiete im S&uuml;den der Ukraine, die weder eine Grenze mit Russland noch der Krim haben, n&auml;mlich Odessa und Nikolajew.<br>\nDer zweite Punkt h&auml;ngt mit der im Bau befindlichen Gasleitung North Stream 2 zusammen, die durch die Ostsee direkt von Russland nach Deutschland f&uuml;hrt, das hei&szlig;t russisches Gas ohne Transit durch die Ukraine nach Westen leitet. Der ukrainischen Seite ist jede Zuspitzung recht, die im Kampf gegen North Stream 2 als Argument taugt. Damit soll der Druck auf Deutschland erh&ouml;ht werden, dieser Energieleitung die politische Unterst&uuml;tzung zu entziehen. Das Interesse der Ukraine ist klar: einmal die nicht unerheblichen Transitgeb&uuml;hren und der Wunsch, auch weiterhin eine Rolle beim Transport von russischem Gas spielen zu k&ouml;nnen.<\/p><p><strong>Poroschenko hat Deutschland und die Nato um milit&auml;rische Hilfe gebeten. Was halten Sie davon?<\/strong><\/p><p>Gar nichts nat&uuml;rlich. Ich finde es auch mehr als bedenklich, wenn der Generalsekret&auml;r der NATO vor der Presse erkl&auml;rt, man stehe fest auf Seiten der Ukraine. Warum eigentlich? Es g&auml;be eine Menge, was man der Ukraine in Bezug auf die Umsetzung bzw. Nichtumsetzung des Abkommens Minsk 2 vorwerfen kann. Es liegt bei weitem nicht nur an Russland, dass es da nicht vorangeht. Auf jeden Fall ist Deeskalation angesagt und nicht weiteres Anheizen. Wohin soll das denn f&uuml;hren? Allein die Bitte um milit&auml;rische Hilfe zeigt ein Ma&szlig; an Verantwortungslosigkeit und Realit&auml;tsverlust, das f&uuml;r die Zukunft nichts Gutes ahnen l&auml;sst. <\/p><p><strong>Manche Journalisten in Deutschland sind der Ansicht, man d&uuml;rfe eine milit&auml;rische Option nicht ausschlie&szlig;en &ndash; so war es vor kurzem im Presseclub zu h&ouml;ren. Wird hier mit Feuer gespielt?<\/strong><\/p><p>Offen gestanden habe ich meinen Ohren nicht getraut, als ich das h&ouml;rte und es f&auml;llt mir schwer, diese Entgleisung h&ouml;flich zu kommentieren. Es handelt sich ja nicht um intellektuelle Spielerei, die im luftleeren Raum wirkungslos bleibt. Damit wird weiter an einer Eskalationsspirale gedreht, die eine unberechenbare Eigendynamik entwickeln kann. Das ist nun wahrlich nicht die Aufgabe von Journalisten. Aber das w&auml;re ein eigenes Thema.<\/p><p><strong>Was halten Sie von der Berichterstattung zur Ukraine und Russland in den vergangenen Tagen?<\/strong><\/p><p>Es hat eine Phase gegeben, in der Politiker und Organisationen zu Wort kamen, die beide Seiten zur M&auml;&szlig;igung aufgerufen haben. Es war auch die Rede davon, man m&uuml;sse erst einmal die genaue Sachlage kl&auml;ren. Wer hat da wen provoziert? Aber das war nicht von langer Dauer. Eine gewisse Nachdenklichkeit und Zur&uuml;ckhaltung wird mittlerweile &uuml;berlagert von der Haltung: Wie lange will sich der Westen das russische Verhalten noch bieten lassen? Reagiert der Westen zu lasch mit Blick auf Russland? Ich empfinde das als unverhohlene Kriegshetze. <\/p><p>In dieser aggressiven Grundstimmung gehen auch die Details verloren, die man braucht, um Situationen real beurteilen zu k&ouml;nnen. Ja, die ukrainischen Hafenst&auml;dte am Asowschen Meer wie zum Beispiel  Mariupol leiden unter der Situation, dass Schiffe, die ein- oder auslaufen wollen, durch die russischen Kontrollen tagelange Wartezeiten einkalkulieren m&uuml;ssen. Dabei wird vergessen, dass die gro&szlig;en Einbr&uuml;che gleich zu Beginn der kriegerischen Auseinandersetzungen in der Ostukraine  stattfanden, weil die beiden Industriest&auml;dte Donezk und Lugansk ausfielen. Das macht es nicht besser, hat aber nichts mit der Br&uuml;cke &uuml;ber die Meerenge von Kertsch zu tun. Ja, diese Br&uuml;cke verhindert, dass Schiffe, die h&ouml;her als 35 Meter aus dem Meer herausragen, drunter her fahren k&ouml;nnen, aber soweit ich wei&szlig;, ist das in der Praxis bisher nicht vorgekommen. Es mussten allenfalls ein paar Antennen gek&uuml;rzt werden, so ist zu h&ouml;ren, damit gr&ouml;&szlig;ere Schiffe passieren konnten.<\/p><p>Langer Rede kurzer Sinn: Es geht nicht darum, irgendetwas sch&ouml;nzureden oder unter den Tisch fallen zu lassen. Aufgabe von Journalisten ist die kritische Beobachtung, aber nicht nur die einer Seite. Wer sich von vornherein zum Richter aufschwingt, sollte den Beruf wechseln.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem Vorfall im <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47472\">Asowschen Meer<\/a> haben Medienvertreter f&uuml;r eine h&auml;rtere Gangart gegen&uuml;ber Russland pl&auml;diert. Im Presseclub wurde selbst von einer &bdquo;milit&auml;rischen Option&ldquo; gesprochen. 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