{"id":47978,"date":"2018-12-21T11:00:23","date_gmt":"2018-12-21T10:00:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47978"},"modified":"2026-01-27T11:31:17","modified_gmt":"2026-01-27T10:31:17","slug":"arbeitsmarkt-was-gibt-es-hier-zu-jubeln-gar-nichts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47978","title":{"rendered":"Arbeitsmarkt: \u201eWas gibt es hier zu jubeln? Gar nichts!\u201c"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/181221_bontrup.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Als <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46948\">Angela Merkel<\/a> vor Kurzem bekannt gab, nicht mehr als Parteivorsitzende zur Verf&uuml;gung zu stehen und ihre Kanzlerschaft 2021 beenden zu wollen, &uuml;berschlugen sich so manche Kommentatoren vor Lobeshymnen auf die Kanzlerin. Der Wirtschaftswissenschaftler <strong>Heinz-Josef Bontrup<\/strong> zeigt im NachDenkSeiten-Interview, dass Merkels Arbeitsmarktpolitik alles andere als Grund zu jubeln gibt. &bdquo;Merkel steht uneingeschr&auml;nkt f&uuml;r eine neoliberale Umverteilung von den Arbeits- zu den Kapitaleink&uuml;nften&ldquo;, sagt der Professor mit Schwerpunkt Arbeits&ouml;konomie. Bontrup verweist auf eine Arbeitsmarktpolitik, &bdquo;die zu Lasten der Gewerkschaften, Besch&auml;ftigten und Arbeitslosen&ldquo; geht und zu einer immer ungleicheren Einkommensverteilung f&uuml;hrt. Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2551\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-47978-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181221_Arbeitsmarkt_Was_gibt_es_hier_zu_jubeln_Gar_nichts_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181221_Arbeitsmarkt_Was_gibt_es_hier_zu_jubeln_Gar_nichts_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181221_Arbeitsmarkt_Was_gibt_es_hier_zu_jubeln_Gar_nichts_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181221_Arbeitsmarkt_Was_gibt_es_hier_zu_jubeln_Gar_nichts_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=47978-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/181221_Arbeitsmarkt_Was_gibt_es_hier_zu_jubeln_Gar_nichts_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"181221_Arbeitsmarkt_Was_gibt_es_hier_zu_jubeln_Gar_nichts_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong><a href=\"https:\/\/www.w-hs.de\/erkunden\/fachbereiche\/wirtschaftsrecht\/personen\/professoren\/persoenliche-seiten\/prof-dr-heinz-j-bontrup\/\">Herr Bontrup<\/a>, Bundeskanzlerin Merkel will sich 2021 nicht mehr zur Wahl stellen. W&uuml;rden Sie f&uuml;r die NachDenkSeiten schon einmal bilanzieren? Was hat Merkels Arbeits- und Wirtschaftspolitik bzw. die der Koalitionsregierung den Menschen in Deutschland gebracht?<\/strong><\/p><p>Merkel hat w&auml;hrend ihrer bisherigen Kanzlerschaft einen insgesamt neoliberalen Kurs gefahren. Dies gilt f&uuml;r die gesamte Wirtschaftspolitik und im Besonderen auch f&uuml;r die Arbeitsmarktpolitik. Merkel steht f&uuml;r eine &bdquo;marktkonforme Demokratie&ldquo;, f&uuml;r Schuldenbremsen, Austerit&auml;tspolitik und eine Beschneidung des Sozialstaats. In der Arbeitsmarktpolitik wurde der von Schr&ouml;der schon ausgebaute Niedriglohnsektor weiter durchgesetzt. Merkel steht uneingeschr&auml;nkt f&uuml;r eine neoliberale Umverteilung von den Arbeits- zu den Kapitaleink&uuml;nften. &Uuml;brigens hat sie auch nie einen Ausbau der Mitbestimmung in Erw&auml;gung gezogen. Weder der unternehmensbezogenen noch der betrieblichen Mitbestimmung. <\/p><p><strong>Also wenn es um Unternehmen geht, muss in Merkels Politik das Kapital das Sagen haben?<\/strong><\/p><p>Eindeutig: ja. Das &bdquo;Investitionsmonopol des Kapitals&ldquo; (Erich Preiser) w&uuml;rde sie nicht im Traum in Frage stellen. Es war aber nicht nur Merkel, die regiert hat. Wir wollen bitte nicht vergessen, dass sie schwergewichtige politische Helfer hatte. Insbesondere die SPD und in ihrer zweiten Kanzlerschaft auch die FDP. Und vom Grundsatz ist Merkel, wie alle Neoliberalen, fest davon &uuml;berzeugt, dass Arbeitslosigkeit immanent an den Arbeitsm&auml;rkten durch zu hohe, nicht marktr&auml;umende Arbeitsentgelte entsteht. W&uuml;rden die Besch&auml;ftigten und Gewerkschaften auch sinkende Arbeitsentgelte akzeptieren, so w&auml;ren sie auch nicht arbeitslos. Da sie dies aber verweigern, sind sie in neoliberaler Schreibweise &bdquo;freiwillig arbeitslos&ldquo; und &bdquo;freiwillig Arbeitslose&ldquo; h&auml;tten eben auch nur einen geringf&uuml;gigen  Anspruch auf eine staatliche Unterst&uuml;tzung. Siehe Hartz-IV. Dass Arbeitsm&auml;rkte aber nur abgeleitete M&auml;rkte sind und deshalb vielmehr von der jeweiligen Entwicklung an den G&uuml;ter- und Finanzm&auml;rkten abh&auml;ngen, wird bei den Neoliberalen v&ouml;llig ausgeblendet und offensichtlich auch von Merkel.      <\/p><p><strong>Wir h&ouml;ren immer wieder, dass die Arbeitslosenzahl zur&uuml;ckgegangen ist. Das ist doch positiv, oder?<\/strong><\/p><p>Hier muss ich zur&uuml;ckfragen. Von welchen Arbeitslosenzahlen sprechen Sie? Meinen Sie die registrierten Arbeitslosenzahlen oder sprechen Sie von den tats&auml;chlichen Arbeitslosenzahlen? Die registrierte Arbeitslosigkeit liegt zurzeit bei gut 2 Millionen. Hinzu kommt aber fast eine Million statistisch wegdefinierte Arbeitslosigkeit. Menschen, die sich als Arbeitslose krank gemeldet haben oder sich als Arbeitslose in Weiterbildungsma&szlig;nahmen befinden, oder Ein-Euro-Jobber und andere gelten statistisch nicht als arbeitslos und tauchen in Folge bei den registrierten Arbeitslosen nicht auf. Die Bundesagentur f&uuml;r Arbeit spricht hier mystifizierend von einer Unterbesch&auml;ftigung. Aber dennoch gilt in der Tat, unabh&auml;ngig von der Arbeitslosendefinition, die Arbeitslosenzahlen sind zur&uuml;ckgegangen und auch die Besch&auml;ftigung hat zugenommen. Das sagt aber alles &ouml;konomisch noch nicht viel. <\/p><p><strong>Wie meinen Sie das?<\/strong><\/p><p>Nur Kopfzahlen zu betrachten, ist allenfalls die halbe Wahrheit. Entscheidend ist das Arbeitsvolumen, also muss ich die Kopfzahlen, die Anzahl der Besch&auml;ftigten, mit der jeweils individuellen Arbeitszeit der Besch&auml;ftigten multiplizieren. <\/p><p>Aber auch beim Arbeitsvolumen haben wir seit 2005, dem Beginn der Kanzlerschaft Merkel, einen positiven Befund. Dies gilt sowohl f&uuml;r die Erwerbst&auml;tigen insgesamt, also f&uuml;r die abh&auml;ngig Besch&auml;ftigten und die Selbst&auml;ndigen zusammen, als auch nur f&uuml;r die abh&auml;ngig Besch&auml;ftigten. So lag 2005 insgesamt das Arbeitsvolumen der Erwerbst&auml;tigen bei 55,5 Mrd. Stunden und 2017 bei fast 60,0 Mrd. Stunden.<\/p><p><strong>Also haben wir es mit einer Steigerung zu tun?<\/strong><\/p><p>Das ist eine Steigerung um 8,1 Prozent.  Nur bei den abh&auml;ngig Besch&auml;ftigten lag der Zuwachs sogar bei 11,7 Prozent. Hier legte das Arbeitsvolumen von 46,2 auf 51,6 Mrd. Stunden zu. Dies sind aber nur gesamtwirtschaftliche Gr&ouml;&szlig;en. Abweichend davon haben sich die Zahlen in den einzelnen Wirtschaftssektoren entwickelt. Den gr&ouml;&szlig;ten Zuwachs beim Arbeitsvolumen verzeichnete hier der Sektor &bdquo;Unternehmensdienstleister&ldquo; mit 35,6 Prozent und den gr&ouml;&szlig;ten R&uuml;ckgang der Sektor &bdquo;Land- und Forstwirtschaft, Fischerei&ldquo; mit -16,7 Prozent, gefolgt vom Sektor &bdquo;Finanz- und Versicherungsdienstleister&ldquo; mit  -10,5 Prozent.  <\/p><p>Aber noch etwas muss beachtet werden: Die personelle Verteilung des Arbeitsvolumens. <\/p><p><strong>Damit hat die herrschende Politik aber so ihre Probleme, oder? <\/strong><\/p><p>Dar&uuml;ber m&ouml;chten viele Politiker nur ungern reden, denn hier  zeigt sich n&auml;mlich das ganze Elend am Arbeitsmarkt. Die einen arbeiten Vollzeit und noch mehr und die anderen m&uuml;ssen sich mit Teilzeit und geringf&uuml;giger Besch&auml;ftigung begn&uuml;gen. Zu Beginn der Kanzlerschaft Merkel lagen hier die Teilzeit-Besch&auml;ftigung bei gut 4,6 Millionen und die geringf&uuml;gige Besch&auml;ftigung bei 2,4 Millionen betroffenen Menschen. Und heute sind es immer noch &uuml;ber 7 Millionen Menschen, die ohne eine anderweitige Versorgung  von dieser nur geringen Arbeitszeit nicht leben k&ouml;nnen. Diese Menschen haben nichts und sie werden im Alter bitter arm sein. Hinzu kommt ein Anstieg an nur befristet eingestellten Besch&auml;ftigten und auch die Leiharbeit hat noch zugelegt, die wohl &uuml;belste Form von Besch&auml;ftigung. Hier verleihen Menschen andere Menschen.    <\/p><p><strong>In der Berichterstattung werden die positiven Zahlen im Zusammenhang mit der Arbeitslosigkeit eher als Jubelmeldung verk&uuml;ndet.<\/strong><\/p><p>Was gibt es hier zu jubeln? Gar nichts! Es sei denn, man ist Anh&auml;nger des neoliberalen Mottos, &bdquo;Alles ist sozial, was Arbeit schafft&ldquo;. Welche, ist dabei v&ouml;llig egal. Das darf aber nicht unsere gesellschaftliche Ausrichtung sein. <\/p><p><strong>Nun haben wir es auch mit einem Strukturwandel in der Wirtschaft zu tun. Worum geht es dabei? Und: Wie begegnet die Merkel-Regierung dieser Ver&auml;nderung?<\/strong><\/p><p>Der Strukturwandel ergibt sich aus einer Verschiebung zum Dienstleistungssektor. Der Prim&auml;rsektor, die Land- und Forstwirtschaft, hat heute nur noch eine geringf&uuml;gige Bedeutung, aber auch der Sekund&auml;rsektor, die Industrie, nimmt immer mehr ab. Dies hat Konsequenzen f&uuml;r die menschliche Arbeit. Sie wird in vielen Bereichen des terti&auml;ren Sektors wesentlich schlechter bezahlt als im industriellen Sektor. Auch weil hier die Produktivit&auml;t geringer ausf&auml;llt und die M&ouml;glichkeiten von Preissetzungen und -steigerungen nur beschr&auml;nkt gegeben sind. Im Gegenteil: Hier kommt es nicht selten zu einem Preisdumping. Denken sie hier nur an die ins Haus gebrachte Pizza f&uuml;r 3,50 Euro. Das finden viele gut. &bdquo;Geiz ist geil&ldquo;.<\/p><p><strong>Seit geraumer Zeit h&ouml;ren wir immer wieder von prek&auml;ren Besch&auml;ftigungsverh&auml;ltnissen.<\/strong><\/p><p>Diese Besch&auml;ftigungsverh&auml;ltnisse sind das Resultat aus Rahmenbedingungen, die ich beschrieben habe. Die Arbeitsm&auml;rkte haben sich immer st&auml;rker aufgeteilt in Vollzeit, in Teilzeit, in geringf&uuml;gige und befristete Besch&auml;ftigung sowie in Leiharbeit. Arbeit ist dadurch zunehmend  kommodifiziert und auch prekarisiert worden. Gute Arbeit, wie von den Gewerkschaften zu Recht gefordert, sieht jedenfalls anders aus. Von prek&auml;rer Arbeit k&ouml;nnen aber Menschen kein auch nur einigerma&szlig;en planbares Leben f&uuml;hren, wie die Unternehmer eine Planbarkeit f&uuml;r ihr eingesetztes Kapital von der Politik st&auml;ndig einfordern und die Politik dem auch Gen&uuml;ge tut.    <\/p><p><strong>Was bedeutet die starke Zunahme des Niedriglohnsektors?<\/strong><\/p><p>Schon Kanzler Schr&ouml;der hat den Niedriglohnsektor gewollt und ausgebaut. Merkel hat hieran nichts ge&auml;ndert. Die Einkommensverteilung ist immer ungleicher geworden. Am unteren Ende der Lohnskala kam immer weniger an. F&uuml;r die prim&auml;re Verteilung der Einkommen sind aber die Gewerkschaften und die Unternehmerverb&auml;nde verantwortlich, und nicht die Politik. Stichwort Tarifautonomie. Nur wenn die Tarifvertr&auml;ge immer mehr erodieren bzw. die Tarifbindung massiv sinkt, dann haben die Gewerkschaften nat&uuml;rlich immer weniger Macht bei der Durchsetzung des zumindest verteilungsneutralen Spielraums, der sich bekannterma&szlig;en aus der Produktivit&auml;ts- und der Preissteigerungsrate ergibt. <\/p><p><strong>Hier w&auml;re Merkel als Bundeskanzlerin gefragt gewesen, oder?<\/strong><\/p><p>Merkel h&auml;tte zumindest f&uuml;r die Besch&auml;ftigten im &ouml;ffentlichen Dienst die Arbeitsentgelte erh&ouml;hen und die Arbeitszeiten verk&uuml;rzen k&ouml;nnen. Hier ist sie schlie&szlig;lich die &bdquo;Arbeitgeberin&ldquo;. Und sie hat auch nicht die Gewerkschaften politisch bei der prim&auml;ren Verteilung von Einkommen unterst&uuml;tzt, indem sie Tarifvertr&auml;ge f&uuml;r allgemeinverbindlich h&auml;tte erkl&auml;ren und Unternehmerverb&auml;nde ohne Tarifbindungen (OT) h&auml;tte rechtlich verbieten k&ouml;nnen. Auch hat Merkel nicht versucht die Verteilungsschieflage beim Bruttoeinkommen durch eine ad&auml;quate Steuer- und Abgabenpolitik zu berichtigen. So ist auch das verf&uuml;gbare Einkommen nach staatlicher Umverteilung immer ungleicher verteilt worden. Hier sei noch erw&auml;hnt, dass von der ganzen Einkommensverteilung bzw. den Zuw&auml;chsen der Arbeitsentgelte die Rentenerh&ouml;hungen abh&auml;ngen. Da habe ich den Eindruck, das haben viele nicht verstanden oder machen es sich zumindest nicht immer wieder bewusst. <\/p><p>An die Wiedereinf&uuml;hrung einer Verm&ouml;gensteuer und eine Erh&ouml;hung der Erbschaftsteuers&auml;tze hat Merkel auch keinen Gedanken verschwendet. Das gilt aber genauso, wie ich schon ausf&uuml;hrte, f&uuml;r die anderen Parteien, die mitregiert haben bzw. mitregieren.        <\/p><p><strong>Immerhin: Die Koalition hat den Mindestlohn auf den Weg gebracht.<\/strong><\/p><p>Das ist positiv zu werten. Nur welch eine politisch bornierte Auseinandersetzung ist dem vorgeschaltet gewesen? Dass wir hier trotz Tarifautonomie einen gesetzlichen Mindestlohn gebraucht haben, zeigt im Befund aber nur die schon erw&auml;hnte Erodierung der Tarifvertr&auml;ge. Man hat also mit dem Mindestlohn nur das Symptom kuriert und nicht kausal die Ursache bek&auml;mpft bzw. beseitigt. Mit 8,50 Euro je Stunde war der Mindestlohn von Anfang an zu niedrig gesetzt. Auch die jetzt beschlossenen Erh&ouml;hungen reichen nicht. Selbst der SPD-Finanzminister Scholz fordert, man ist erstaunt, 12 Euro je Stunde. Dem w&uuml;rde ich mich anschlie&szlig;en wollen. Aber bitte gleichzeitig die Ursachen f&uuml;r die zurzeit gegebene Notwendigkeit eines gesetzlichen Mindestlohns beseitigen und ihn damit &uuml;berfl&uuml;ssig machen.    <\/p><p><strong>Was m&uuml;sste eine bessere Arbeitsmarktpolitik tun?<\/strong><\/p><p>Eine Arbeitsmarktpolitik m&uuml;sste die zu Lasten der Gewerkschaften, Besch&auml;ftigten und Arbeitslosen bestehende Machtasymmetrie zu den Unternehmern und ihren Verb&auml;nden aufheben. Dazu geh&ouml;rt erstens eine umfassende St&auml;rkung der Tarifvertr&auml;ge. Ich empfehle dazu eine Pflichtmitgliedschaft der Besch&auml;ftigten in den Gewerkschaften genauso wie eine Pflichtmitgliedschaft in den Unternehmerverb&auml;nden. Nur so l&auml;&szlig;t sich das kollektive Verhandlungsproblem des &bdquo;Trittbrettfahrens&ldquo; von abh&auml;ngig Besch&auml;ftigten und eine Verbandsflucht von Unternehmern aufl&ouml;sen. Zweitens muss eine &ouml;konomische Verteilungsneutralit&auml;t beim Einkommen in den Tarifvertr&auml;gen sichergestellt werden. Die Arbeitsentgelte  der Besch&auml;ftigten m&uuml;ssen mit der Produktivit&auml;tsrate und der Preissteigerungsrate (Inflationsrate) steigen. Die notwendige Umsetzung ist nach jedem Tarifabschluss durch eine wissenschaftliche Kommission zu &uuml;berpr&uuml;fen. Hier sind &ouml;konomische Objektivit&auml;ten umzusetzen und keine Machtasymmetrien auszuleben. Verfehlungen gegen eine Verteilungsneutralit&auml;t sind umgehend zu berichtigen. Drittens muss zur Bek&auml;mpfung der Arbeitslosigkeit die Arbeitszeit bei vollem Lohn- und Personalausgleich gek&uuml;rzt werden. Dies nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund einer auf uns verst&auml;rkt zukommenden digitalisierten Arbeitswelt. Die daraus resultierende Produktivit&auml;tsdividende ist  zu Gunsten der Besch&auml;ftigten umzuverteilen. Die Lohnquote muss steigen und die Mehrwertquote sinken. Und viertens ist ein Ausbau der unternehmensbezogenen und betrieblichen Mitbestimmung in Richtung einer uneingeschr&auml;nkten Parit&auml;t zwischen Arbeit und Kapital dringend geboten. Das einseitige Sagen der Kapitaleigner in den Unternehmen muss ein Ende haben. Zu einem demokratisierten Unternehmen geh&ouml;rt aber noch mehr: N&auml;mlich die gleichberechtigte Mitbestimmung des dritten Produktionsfaktors, der Umwelt, in den unternehmerischen Aufsichtsorganen. Bei &bdquo;wichtigen Gro&szlig;unternehmen&ldquo;, wie es einmal (1968) in einem Gesetzentwurf der SPD-Fraktion im Bundestag stand, sollten au&szlig;erdem &bdquo;Vertreter des Interesses der Allgemeinheit&ldquo; mit Sitz und Stimme im Aufsichtsrat vertreten sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/181221_bontrup.jpg\" alt=\"\" title=\"\"\/><\/div>\n<p>Als <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46948\">Angela Merkel<\/a> vor Kurzem bekannt gab, nicht mehr als Parteivorsitzende zur Verf&uuml;gung zu stehen und ihre Kanzlerschaft 2021 beenden zu wollen, &uuml;berschlugen sich so manche Kommentatoren vor Lobeshymnen auf die Kanzlerin. 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