{"id":4820,"date":"2010-03-17T09:04:48","date_gmt":"2010-03-17T08:04:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4820"},"modified":"2014-08-07T11:08:20","modified_gmt":"2014-08-07T09:08:20","slug":"fortsetzung-spd-arbeitsmarktkonzept-eiertanz-in-der-sackgasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4820","title":{"rendered":"Fortsetzung: SPD-Arbeitsmarktkonzept: Eiertanz in der Sackgasse"},"content":{"rendered":"<p>Olaf Scholz nannte das <a href=\"http:\/\/www.spd.de\/de\/pdf\/100315_beschluss_arbeitsmarkt.pdf\">Arbeitsmarktkonzept [PDF &ndash; 106KB]<\/a> &bdquo;eine konsequente Weiterentwicklung unserer Politik&ldquo;. Die einzelnen Vorschl&auml;ge des SPD-Arbeitsmarktkonzepts stellen also keinen Neuanfang dar, mit dem die Entt&auml;uschung vieler fr&uuml;heren Anh&auml;nger und Sympathisanten der SPD wieder aufgefangen werden k&ouml;nnte. Solange der &bdquo;Consigliere&ldquo; von Schr&ouml;der, Frank-Walter Steinmeier, in der SPD etwas zu sagen hat, w&auml;re eine Abkehr vom Agenda-Kurs ein Schlag gegen das eigene F&uuml;hrungspersonal.<br>\nWeil keine Abrechnung mit dem bisherigen Kurs erfolgt und kein neues Leitbild zugrunde gelegt wird, stehen alle Vorschl&auml;ge des Arbeitsmarktkonzepts unter dem Verdacht der politischen Kosmetik &ndash; um sich etwa gegen&uuml;ber den Gewerkschaften aufzuh&uuml;bschen, um die innerparteilichen Narben zu verdecken, um sich gegen&uuml;ber der Linkspartei etwas Rouge aufzulegen oder gegen&uuml;ber den Vorst&ouml;&szlig;en von CDU und FDP (etwa im Hinblick auf das Schonverm&ouml;gen) nicht all zu blass auszusehen.<br>\nWenn man &uuml;berhaupt ein Umdenken erkennen will, so vielleicht an der Erkenntnis, dass der Sozialstaat nicht mehr durch weiteres zur&uuml;ckschneiden erhalten werden kann. Doch was durch die Hartz-Gesetze schon v&ouml;llig kahl geschnitten wurde, kann nicht durch das Aufpfropfen einiger neuen Triebe wieder zum Bl&uuml;hen gebracht werden. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><\/p><p><strong>Zu den einzelnen Vorschl&auml;gen des Arbeitsmarktkonzepts:<\/strong><\/p><p><strong>Arbeit f&uuml;r Frauen<\/strong><br>\n<strong>Verbindliche gesetzliche Regelungen,<\/strong> auf die sich Frauen berufen k&ouml;nnen, wenn sie von <strong>Lohndiskriminierungen<\/strong> betroffen sind, sind sicher ein begr&uuml;&szlig;enswertes Unterfangen. Die Frage bleibt, wie solche Regelungen in der Praxis umgesetzt und wirksam werden k&ouml;nnen.<\/p><p>Auch der <strong>Ausbau der Betreuungsinfrastruktur<\/strong>, gezielte <strong>Ma&szlig;nahmen der Arbeitsf&ouml;rderung<\/strong> sowie die Verbesserung des <strong>Zugangs zu Qualifizierungsangeboten<\/strong> f&uuml;r <strong>Alleinerziehende<\/strong> zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind sinnvolle Vorhaben, die jedoch teilweise au&szlig;erhalb der Arbeitsf&ouml;rderung liegen oder aber &ndash; angesichts der bisherigen Erfolge von Arbeitsf&ouml;rderungsma&szlig;nahmen &ndash; &auml;u&szlig;erst ungewiss sind.<\/p><p><strong>Leiharbeit<\/strong><br>\nBei der Leiharbeit soll nach kurzer Einarbeitungszeit der <strong>Grundsatz, &bdquo;gleiches Geld f&uuml;r gleiche Arbeit&ldquo;<\/strong> gelten. Die konzerninterne Verleihung durch Leiharbeitsgesellschaften m&uuml;sse begrenzt werden. Mitbestimmungsrechte zur Kontrolle des ordnungsgem&auml;&szlig;en Einsatzes der Leiharbeitskr&auml;fte sollen gest&auml;rkt werden. Es soll wieder der  Grundsatz durchgesetzt werden, dass Leiharbeitnehmer bei wechselnden Unternehmen eingesetzt werden; aber unbefristet bei den Leiharbeitsunternehmen besch&auml;ftigt werden.<br>\nDeshalb sollen die Befristung eines Leiharbeitsverh&auml;ltnisses und die Koppelung der Befristung an einen Arbeitseinsatz (Synchronisation) au&szlig;erhalb der Probezeit unzul&auml;ssig sein. Die sachgrundlose Befristung soll wieder abgeschafft werden. <\/p><p>Mit der Umsetzung dieser Vorschl&auml;ge k&ouml;nnten sicherlich Ausw&uuml;chse bei der Leiharbeit einged&auml;mmt werden, aber nicht die tats&auml;chliche Entwicklung, dass die Leiharbeit zu einem konstitutiven Bestandteil des Arbeitsmarktes geworden ist und zu Verdr&auml;ngungsprozessen bei normalen Arbeitverh&auml;ltnissen und zum Unterlaufen des K&uuml;ndigungsschutzes gef&uuml;hrt haben. Leiharbeit wird inzwischen dar&uuml;ber hinaus strategisch als Disziplinierungsinstrument der Stammbelegschaften benutzt wird. Leiharbeiter f&uuml;hren den Stammbesch&auml;ftigten t&auml;glich vor Augen, wie schnell sie selber zu Leiharbeitern werden k&ouml;nnen. <\/p><p>Um Leiharbeit tats&auml;chlich nur zum Auffangen von Auftragsspitzen zuzulassen, m&uuml;sst neben dem Grundsatz &bdquo;gleicher Lohn f&uuml;r gleiche Arbeit&ldquo; mindestens auch noch die H&ouml;chstverleihdauer begrenzt bzw. eine Anstellungspflicht nach einer bestimmten Zeitdauer eingef&uuml;hrt werden. <\/p><p>Leider zeigte die Erfahrung, dass auch die Betriebsr&auml;te vor allem die Interessen der fest angestellten Kollegen im Auge hatten, so dass eine Ausweitung der Mitbestimmungsrechte nicht zwingend zu einer Gleichbehandlung der Leiharbeitskr&auml;fte f&uuml;hrt.<\/p><p>Der Anreiz f&uuml;r die Betriebe Leiharbeitnehmer\/innen strategisch zur Senkung der Personalkosten einzusetzen, kann letztlich nur dadurch genommen werden, wenn diese in Engp&auml;ssen eingesetzten Arbeitskr&auml;fte teuerer werden, als Normalarbeitsverh&auml;ltnisse und wenn die explosionsartig gestiegene Zahl von Leiharbeitsagenturen ihre Geb&uuml;hren f&uuml;r die &Uuml;berlassung unmittelbar mit den Entleihern abrechnen m&uuml;ssen und gleichzeitig das Synchronisationsverbot schleunigst wieder eingef&uuml;hrt wird. (Vgl. <a href=\"\/?p=4453\">Leiharbeit: kompakt<\/a> )<\/p><p>Es hat sich au&szlig;erdem gezeigt, dass ohne gesetzliche Mindestl&ouml;hne in vielen Wirtschaftsbereichen kaum angemessene L&ouml;hne zu erreichen sind, solange Spaltergewerkschaften Pseudotarifvertr&auml;ge abschlie&szlig;en k&ouml;nnen.<\/p><p><strong>Ausbau der Mitbestimmung<\/strong><br>\nDie Vorschl&auml;ge die parit&auml;tische Mitbestimmung auf Unternehmen mit mehr als 1000 Besch&auml;ftigten auszudehnen und den Katalog der zustimmungsbed&uuml;rftigen Gesch&auml;fte zu erweitern sind durchweg als eine Erweiterung der bisherigen Positionen der SPD &ndash; jedenfalls soweit sie in der Regierungspraxis vertreten wurden &ndash; anzuerkennen. Man fragt sich allerdings, mit welchen parlamentarischen Mehrheiten die SPD solche Forderungen in Zukunft politisch umsetzen k&ouml;nnte.<\/p><p><strong>Vereinfachte Allgemeinverbindlichkeitserkl&auml;rung von Tarifvertr&auml;gen<\/strong><br>\nPositiv zu vermerken ist, dass in dem Beschluss L&ouml;hne nicht mehr l&auml;nger als exporthemmender Kostenfaktor betrachtet, sondern in ihrer &bdquo;volkswirtschaftlichen Funktion&ldquo; anerkannt werden. L&ouml;hne m&uuml;ssen der Produktivit&auml;t folgen, hei&szlig;t es dort. Vergessen wurde allerdings dem Produktivit&auml;tszuwachs den Inflationsausgleich als Lohnsteigerungsma&szlig; hinzuzuf&uuml;gen. Immerhin wird gefordert, dass <em>&bdquo;der Zusammenhang zwischen sinkender Lohnquote, steigenden Spitzeneinkommen und Verm&ouml;gen einerseits und schwacher Inlandsnachfrage andererseits&hellip;aufgebrochen werden&ldquo;<\/em> m&uuml;sse.<\/p><p><strong>Allgemeiner gesetzlicher Mindestlohn<\/strong><br>\nAls eine Ursache f&uuml;r die <em>&bdquo;zur&uuml;ckhaltende Lohnentwicklung&ldquo;<\/em> wird die abnehmende Bedeutung der Tarifvertr&auml;ge genannt. Das ist nicht falsch, aber man m&uuml;sste ehrlicherweise hinzuf&uuml;gen, dass auch die Politik von Sozialdemokraten die Verhandlungsmacht der Gewerkschaften in den letzten Jahren weiter geschw&auml;cht hat. Das f&auml;ngt vom sog. Besch&auml;ftigungsf&ouml;rderungsgesetz mit der F&ouml;rderung des Niedriglohnsektors an und h&ouml;rt bei den Hartz-Gesetzen nicht auf. Die SPD legt auf ihre bisherige Forderung einen Euro drauf und schl&auml;gt &ndash; wohl mit R&uuml;cksicht auf die Gewerkschaften &ndash; nunmehr einen Mindestlohn von 8,50 Euro vor. Das kann man als Oppositionspartei locker fordern. Glaubw&uuml;rdiger w&auml;re diese Forderung, wenn die SPD damit unter Rot-Gr&uuml;n ernst gemacht h&auml;tte oder auch in der Gro&szlig;en Koalition aus Disziplin nicht gegen einen allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn gestimmt h&auml;tte. <\/p><p><strong>Ziel Vollbesch&auml;ftigung<\/strong><br>\nIn Zeiten, in denen man in fast jeder Talkshow zu h&ouml;ren bekommt, dass &bdquo;uns&ldquo; die Arbeit ausgehe, ist es schon ein Gewinn, wenn sich eine politische Partei noch die Vollbesch&auml;ftigung zum Ziel setzt. Bedenklich ist allerdings, wenn dieses Ziel nicht durch eine aktive Besch&auml;ftigungspolitik angestrebt werden soll, sondern der demografischen Entwicklung bzw. dem R&uuml;ckgang der Zahl der Menschen im erwerbsf&auml;higen Alter &uuml;berlassen bleiben soll.<\/p><p><strong>Berufsausbildung und Qualifizierung<\/strong><br>\nEndlich wird der Lehrstellenbetrug unz&auml;hliger Lehrstellengarantien aufgegeben, wonach jeder der ausbildungswillig und ausbildungsf&auml;hig ist, einen Anspruch auf eine Berufsausbildung hat. In dem Papier werden aber nicht mehr die Unternehmen in Anspruch genommen, ausreichend Ausbildungspl&auml;tze anzubieten (die Ausbildungsplatzabgabe ist in der SPD nach wie vor tabu), gefordert wird nun, <em>&bdquo;dass junge Leute, die nicht innerhalb der ersten drei Jahre nach der Schule eine Lehrstelle finden, einen Anspruch auf eine Berufsausbildung <strong>durch staatliche F&ouml;rderung<\/strong> bekommen m&uuml;ssen.&ldquo;<\/em><\/p><p>Der Staat soll also wieder einmal Ausfallb&uuml;rge f&uuml;r die Betriebe werden. Schon heute wechselt weniger als die H&auml;lfte der Schulabg&auml;nger eines Jahrgangs direkt in die duale Berufsausbildung. Um einen Anspruch auf eine Berufsausbildung durch staatliche F&ouml;rderung zu verwirklichen, bed&uuml;rfte es gewaltiger Anstrengungen. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Versprechen der SPD so hohl bleibt, wie die Erkl&auml;rungen in unz&auml;hligen Ausbildungspakten, ist gro&szlig;. <\/p><p>S&auml;mtliche Forderungen zur besseren Qualifizierung, sowohl zur F&ouml;rderung von Schulabschl&uuml;ssen, wie zur beruflichen Weiterqualifizierung oder zur Durchl&auml;ssigkeit von Bildungsg&auml;ngen, sind begr&uuml;&szlig;enswert. Sie finden sich allerdings schon seit Jahren in allen Dokumenten quer durch alle Parteien zu lesen und sind bis heute das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt wurden.<\/p><p><strong>Arbeitsvermittlung<\/strong><br>\nDie SPD h&auml;lt daran fest, dass <em>&bdquo;die Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe &hellip;ein richtiger Schritt (war), um die Verfestigung von Langzeitarbeitslosigkeit in Deutschland aufzubrechen. Dieser Reformschritt ist unumkehrbar.&ldquo;<\/em><br>\nDie Antwort auf die Kernfrage, n&auml;mlich ob die Verfestigung von Langzeitarbeitslosigkeit tats&auml;chlich aufgebrochen worden ist, bleibt der Beschluss schuldig. Auch das Akzeptanzproblem, dass langj&auml;hrig Berufst&auml;tige nach relativ kurzer Zeit mit bed&uuml;rftigen Sozialhilfeempf&auml;ngern gleichbehandelt werden, wird nicht aufgeworfen.<br>\nBei der akuten Fragen, wie sich die SPD zur gesetzlichen Neuregelung der Job Center stellt, also ob sie eine Verfassungs&auml;nderung mit tr&auml;gt und unter welchen Bedingungen, bleibt, das Papier v&ouml;llig vage. Kein Wort zu den von der CDU z&auml;h verteidigten sog. Optionskommunen.<br>\nDabei geht es bei dieser Frage um mehr als nur um die Organisation bei der Betreuung Langzeitarbeitsloser und ihrer Familien, des geht um die Zukunft von mehr als 7 Millionen Menschen in Deutschland.<\/p><p><strong>&bdquo;Sozialer Arbeitsmarkt&ldquo;<\/strong><br>\nAusgehend von Sch&auml;tzungen, dass derzeit bis zu 400.000 Langzeitarbeitslose kaum Chancen auf eine Integration in den &bdquo;ersten Arbeitsmarkt&ldquo; haben, will die SPD einen <em>&bdquo;sozialen Arbeitsmarkt&ldquo; mit &ouml;ffentlich gef&ouml;rderter Besch&auml;ftigung ausbauen&ldquo;<\/em> und in den kommenden zwei Jahren zus&auml;tzlich 200.000 Besch&auml;ftigungsverh&auml;ltnisse f&uuml;r Arbeitslosengeld II-Empf&auml;nger anbieten und ggf. auch Ein-Eur-Jobber dorthin &uuml;berf&uuml;hren. Daf&uuml;r sollen 3 Milliarden Euro zur Verf&uuml;gung gestellt werden.<\/p><p>Konkret k&ouml;nne damit der existierende &bdquo;Kommunal-Kombi&ldquo; in strukturschwachen Gebieten mit 80 oder gar 100% vom Bund bezuschusst werden. Auch das Programm &bdquo;Job-Pespektive&ldquo; mit einem gesetzlichen Besch&auml;ftigungszuschuss k&ouml;nne ausgebaut werden. <\/p><p>Damit keine regul&auml;ren Arbeitspl&auml;tze vernichtet werden, sollen Angebote des &bdquo;sozialen Arbeitsmarktes&ldquo; nur bei Zustimmung von Gewerkschaften und Kammern eingerichtet werden.<br>\nDie Lohnh&ouml;he soll &uuml;ber der Hilfsbed&uuml;rftigkeit eines Arbeitssuchenden liegen.<\/p><p>Die Annahme solcher Besch&auml;ftigungsangebote soll freiwillig sein. Was es allerdings mit dieser &bdquo;Freiwilligkeit&ldquo; noch auf sich hat, wenn hinzugef&uuml;gt wird, dass <em>&bdquo;f&uuml;r den Fall der Ablehnung angebotener und zumutbarer Arbeit&hellip;weiterhin die bereits bestehenden Sanktionsm&ouml;glichkeiten&ldquo;<\/em> gelten, sei zun&auml;chst einmal dahin gestellt. Die Gefahr, dass der &bdquo;soziale Arbeitsmarkt&ldquo; als Zwangstest f&uuml;r Arbeitswilligkeit missbraucht wird, ist jedenfalls mit den Formulierungen dieses Beschlusses nicht ausgeschlossen. <\/p><p>Die Grundidee des &bdquo;sozialen Arbeitsmarktes&ldquo; ist nicht neu, sie wurde fr&uuml;her schon als sog. <a href=\"\/?p=1978#more-1978\">&bdquo;Dritter Arbeitsmarkt&ldquo;<\/a> in die Diskussion gebracht.<\/p><p>Der Gedanke, dass man besch&auml;ftigungswillige Langzeitarbeitslose angesichts derzeit fehlender Arbeitspl&auml;tze nicht einfach h&auml;ngen lassen darf, ist f&uuml;r Viele (auch Betroffene) durchaus sympathisch. Er zeugt auch von der Einsicht, dass Besch&auml;ftigung eben nicht gem&auml;&szlig; der herrschenden &ouml;konomischen Lehre nur durch Senkung von Lohn- oder sog. Lohnnebenkosten oder durch Entlastung der Unternehmen geschaffen werden kann. Leider verbindet der Beschluss diese Einsicht nicht mit einer klaren Absage an die Ideologie der Angebots&ouml;konomie.<\/p><p>Die Idee des &bdquo;sozialen Arbeitsmarktes&ldquo; greift auch den schreienden Widerspruch auf, dass einerseits Millionen Menschen (selbst qualifizierte) arbeitslos sind und gleichzeitig wichtige gesellschaftliche Bed&uuml;rfnisse nicht erf&uuml;llt werden k&ouml;nnen.<\/p><p>Aus diesen positiven Gr&uuml;nden und mit R&uuml;cksicht auf viele Betroffene, die darin eine (letzte) Chance sehen m&ouml;gen, f&auml;llt eine Kritik nicht leicht.<\/p><p>Dennoch darf nicht au&szlig;er acht gelassen werden, dass die Aufteilung des Arbeitsmarktes in einen ersten und zweiten und jetzt eben noch in einen &bdquo;sozialen Arbeitsmarkt&ldquo; nur ein gedankliches Konstrukt ist. Es gibt n&auml;mlich keine Trennung von Arbeitsm&auml;rkten. Die Arbeitsm&auml;rkte sind durchl&auml;ssig, wenn etwa durch eine besch&auml;ftigungsorientierte Wirtschaftspolitik &uuml;berhaupt Nachfrage nach Arbeit besteht. Ein &bdquo;sozialer Arbeitsmarkt&ldquo; ist somit letztlich eine Absage, dass Vollbesch&auml;ftigung m&ouml;glich w&auml;re. Damit wird aber die Wirtschafts- und Finanzpolitik aus ihrer Verantwortung entlassen. Gel&auml;nge durch eine makro&ouml;konomisch angelegte Politik ein wirtschaftlicher Aufschwung, so w&uuml;rden mehr Menschen billiger und unb&uuml;rokratischer in den Arbeitsmarkt aufgesogen als durch die drei Milliarden Zusch&uuml;sse an Unternehmen und Kommunen mit Job-Angeboten f&uuml;r den &bdquo;sozialen Arbeitsmarkt&ldquo;.<\/p><p>Es ist fraglich, warum dringende gesellschaftliche Bedarfe nun gerade &uuml;ber einen &bdquo;sozialen Arbeitsmarkt&ldquo; aufgefangen werden sollen, statt dass &ouml;ffentliche Mittel eingesetzt werden, um regul&auml;re Stellen anzubieten. Es ist doch paradox, wenn auf der einen Seite durch den Steuersenkungswahn die Kommunen ausgehungert wurden und dringende &ouml;ffentliche Leistungen nicht mehr erbringen k&ouml;nnen und wenn nun anderseits mit dem &bdquo;sozialen Arbeitsmarkt&ldquo; ein neuer Apparat aufgebaut werden soll, der schlie&szlig;lich zus&auml;tzlich Geld verschlingt. Es erstaunt also nicht, dass die Steuersenkungsfetischisten von FDP und CDU schon jetzt diesen Vorschlag als unbezahlbar attackieren. Klar ist jedenfalls: so lange die Steuersenkungsideologie die Politik beherrscht, d&uuml;rfte es das n&ouml;tige Geld f&uuml;r den &bdquo;sozialen Arbeitsmarkt&ldquo; kaum geben.<\/p><p>Noch gravierender als diese grunds&auml;tzlichen Bedenken ist die Gefahr, dass durch die gef&ouml;rderten Arbeitspl&auml;tze regul&auml;re Arbeitspl&auml;tze gef&auml;hrdet werden. Zwar soll f&uuml;r die Angebote auf dem &bdquo;sozialen Arbeitsmarkt&ldquo; die Zustimmung der Gewerkschaften und der Kammern eingeholt werden, aber die Erfahrungen mit den Ein-Euro-Jobs haben doch schon bewiesen, dass damit regul&auml;re Besch&auml;ftigung <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/art270,1907738\">verdr&auml;ngt wurde<\/a>. Ein &bdquo;sozialer Arbeitsmarkt&ldquo; k&ouml;nnte sogar einen Dammbruch zur Folge haben, d.h. die L&ouml;hne f&uuml;r einfache T&auml;tigkeit werden weiter sinken und ein immer gr&ouml;&szlig;erer Teil der Besch&auml;ftigten wird durch staatliche Zusch&uuml;sse finanziert.<\/p><p>Man mag den &bdquo;sozialen Arbeitsmarkt&ldquo; als akute Notma&szlig;nahme akzeptieren, solange aber die finanzpolitischen Zusammenh&auml;nge, d.h. die Ursachen f&uuml;r die Finanznot und den Besch&auml;ftigungsabbau im Bereich der &ouml;ffentlichen Daseinsvorsorge, nicht erkannt werden und dar&uuml;ber hinaus Besch&auml;ftigung nicht durch eine makro&ouml;konomisch aktive Besch&auml;ftigungspolitik geschaffen wird, solange bleibt der &bdquo;soziale Arbeitsmarkt&ldquo; eine Alibi-Veranstaltung.<\/p><p><strong>Arbeitslosengeld<\/strong><br>\nDer Bezug von Arbeitslosengeld I soll bei Teilnahme an berufsqualifizierenden Ma&szlig;nahmen um bis zu sechs bzw. sogar um bis zu zw&ouml;lf Monate verl&auml;ngert werden.<br>\nGleichzeitig soll aber der Anspruch auf das Arbeitslosengeld I statt wie bisher nach 24 Monaten erst nach 36 Monaten sozialversicherungspflichtiger Besch&auml;ftigung erwachsen.<\/p><p>Da sogar CDU und FDP das altersabh&auml;ngige Schonverm&ouml;gen auf 750 Euro pro Lebensjahr verdreifacht und auch die selbst bewohnte Immobilie bei der Bed&uuml;rftigkeitspr&uuml;fung abrechnungsfrei gestellt haben, setzt jetzt die SPD mit einem grunds&auml;tzlichen Verzicht auf eine Verm&ouml;genspr&uuml;fung nur noch einen drauf. Sie will nur noch ein Missbrauchsverbot per Gesetz installieren.<\/p><p>Au&szlig;erdem sollen sich lange Besch&auml;ftigungszeiten im zweij&auml;hrigen &Uuml;bergangssystem von Arbeitslosengeld I und Arbeitslosengeld II mit bis zu 160 Euro im ersten und maximal 80 Euro im zweiten Jahr der Arbeitslosigkeit auszahlen.<\/p><p>Vor allem diese kleinen Korrekturen beim Arbeitslosengeld werden in den Medien als &bdquo;Abkehr&ldquo; von den Hartz-Gesetzen bezeichnet. Das ist bei n&auml;herer Betrachtung kompletter Unsinn oder schiere ideologische Verblendung.<\/p><p>Schon die Erh&ouml;hung des Schonverm&ouml;gens, wie sie von CDU und FDP vorgenommen wurde, war eine reine Irref&uuml;hrung war, weil ohnehin nur <a href=\"\/?p=4463#h04\">0,2 Prozent aller Antragssteller davon profitieren<\/a>.<\/p><p>Die Kanzlerin bezeichnete den grunds&auml;tzlichen Verzicht auf eine Verm&ouml;genspr&uuml;fung, wie ihn nun die SPD vorschl&auml;gt, als &bdquo;absoluten Irrsinn&ldquo;. Ach h&auml;tte sie doch nur ein klein wenig Kenntnis von der Verm&ouml;gensverteilung in dieser Gesellschaft, dann m&uuml;sste sie bemerken, dass auch mit dem Vorschlag der SPD Arbeitslose keineswegs gro&szlig;artig von ihrem Verm&ouml;gen zehren k&ouml;nnten. In aller Regel haben Arbeitslose n&auml;mlich gar kein oder nur ein ganz geringes Verm&ouml;gen. <\/p><p>Nach einer vom DIW publizierte Verteilung des Nettoverm&ouml;gens der Personen &uuml;ber 18 Jahren ergibt sich:<br>\nDie unteren 30 Prozent der Bev&ouml;lkerung verf&uuml;gen &uuml;ber keinerlei Nettoverm&ouml;gen (die unteren 10 Prozent sind sogar verschuldet).<br>\nAuf die unteren 50 Prozent der Bev&ouml;lkerung entfallen gerade einmal 1,6 Prozent des gesamten deutschen Nettoverm&ouml;gens. <\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"upload\/bilder\/nettovermoegen.jpg\" title=\"Nettovermoegen\" alt=\"Nettovermoegen\"><br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/top_news\/1663126_Die-Reichen-werden-reicher.html\">FR<\/a> <\/p><p>Wenn man also schon von einer &bdquo;Abkehr&ldquo; spricht, dann ist das, was die SPD nun vorschl&auml;gt nicht etwa eine &bdquo;Abkehr&ldquo; von Hartz sondern eine &bdquo;Abkehr&ldquo; von der Verleugnung der Wirklichkeit. Mit der Wahrnehmung der Wirklichkeit h&auml;tte die SPD allerdings schon vor genau sieben Jahren anfangen k&ouml;nnen, als Schr&ouml;der seine Agenda 2010 verk&uuml;ndete.<br>\nSie h&auml;tte sich selbst und Millionen von Menschen damit viel erspart.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Olaf Scholz nannte das <a href=\"http:\/\/www.spd.de\/de\/pdf\/100315_beschluss_arbeitsmarkt.pdf\">Arbeitsmarktkonzept [PDF &ndash; 106KB]<\/a> &bdquo;eine konsequente Weiterentwicklung unserer Politik&ldquo;. Die einzelnen Vorschl&auml;ge des SPD-Arbeitsmarktkonzepts stellen also keinen Neuanfang dar, mit dem die Entt&auml;uschung vieler fr&uuml;heren Anh&auml;nger und Sympathisanten der SPD wieder aufgefangen werden k&ouml;nnte. Solange der &bdquo;Consigliere&ldquo; von Schr&ouml;der, Frank-Walter Steinmeier, in der SPD etwas zu sagen hat, w&auml;re eine<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4820\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[141,1,168,191],"tags":[1550,1020,317,288,831,252,324],"class_list":["post-4820","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-arbeitsmarkt-und-arbeitsmarktpolitik","category-das-kritische-tagebuch","category-gleichstellung","category-spd","tag-agenda-2010","tag-betriebsraete","tag-mindestlohn","tag-prekaere-beschaeftigung","tag-scholz-olaf","tag-steinmeier-frank-walter","tag-tarifvertraege"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4820","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4820"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4820\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4823,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4820\/revisions\/4823"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4820"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4820"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4820"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}