{"id":48201,"date":"2019-01-03T12:30:08","date_gmt":"2019-01-03T11:30:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=48201"},"modified":"2026-01-27T11:31:15","modified_gmt":"2026-01-27T10:31:15","slug":"nachrichteninstitute-wie-die-tagesschau-sind-ein-herrschaftsinstrument","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=48201","title":{"rendered":"\u201eNachrichteninstitute wie die \u201aTagesschau\u2018 sind ein Herrschaftsinstrument\u201c"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/190103_braeutigam.jpg\" alt=\"Volker Br&auml;utigam\" title=\"Volker Br&auml;utigam\"><small style=\"display:block;text-align:center\">Quelle: Privat<\/small><\/div><p><strong>Volker Br&auml;utigam<\/strong> war in den 70er und 80er Jahren Redakteur bei der &bdquo;Tagesschau&ldquo;. Zusammen mit Friedhelm Klinkhammer hat er seit 2014 &uuml;ber 400 Programmbeschwerden eingereicht, die sich mit den Nachrichten der &bdquo;Tagesschau&ldquo; auseinandersetzen. Im Interview mit den NachDenkSeiten findet Br&auml;utigam klare Worte zum Flaggschiff der ARD: &bdquo;Die Berichterstattung ist russlandfeindlich, sie ist agitatorisch bis bellizistisch, sie ist propagandistisch.&ldquo; Eines der gro&szlig;en Probleme: Nachrichteninhalte, die von &bdquo;transatlantisch getrimmten Nachrichtenagenturen&ldquo; kommen. Ein Interview &uuml;ber die &bdquo;Tagesschau&ldquo;, den &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunk und &bdquo;demokratische Kontrollinstanzen&ldquo;, die aus Sicht des Medienkritikers dringend notwendig sind. Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5867\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-48201-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190103_Nachrichteninstitute_wie_die_Tagesschau_sind_ein_Herrschaftsinstrument_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190103_Nachrichteninstitute_wie_die_Tagesschau_sind_ein_Herrschaftsinstrument_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190103_Nachrichteninstitute_wie_die_Tagesschau_sind_ein_Herrschaftsinstrument_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190103_Nachrichteninstitute_wie_die_Tagesschau_sind_ein_Herrschaftsinstrument_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=48201-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190103_Nachrichteninstitute_wie_die_Tagesschau_sind_ein_Herrschaftsinstrument_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"190103_Nachrichteninstitute_wie_die_Tagesschau_sind_ein_Herrschaftsinstrument_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Herr Br&auml;utigam, Sie unterziehen die Nachrichtenformate der ARD immer wieder einer kritischen Beobachtung. Wie f&auml;llt Ihr Fazit f&uuml;r das Jahr 2018 aus?<\/strong><\/p><p>Nicht positiv.<\/p><p><strong>Was ist Ihnen aufgefallen?<\/strong><\/p><p>Allgemein gesprochen: In den Sendungen der ARD-aktuell-Redaktion zeigen sich verst&auml;rkt transatlantische Tendenzen. Das zugrunde liegende Muster: &bdquo;Wir&ldquo; sind die Guten, die Volksrepublik China, Russland, Iran und die paar restlichen Staaten, die sich nicht den USA unterwerfen, sind die B&ouml;sen. &Uuml;ber Donald Trump wird kritisch-ver&auml;chtlich berichtet, aber nicht, wenn es um geopolitische Interessen des Westens geht. Die sogenannte Dritte Welt ist, mit Verlaub, schei&szlig;egal. Sie findet nicht statt &ndash; falls da nicht grad eine &bdquo;Naturkatastrophe&ldquo; ausgebrochen ist. Oder ein Krieg, der die Interessen der &bdquo;Westlichen Wertegemeinschaft&ldquo; (WWG) tangiert. In solchen F&auml;llen, ja, da gibt es Meldungen. Oder wenn Ebola das Leben wertvoller US-Amerikaner oder Europ&auml;er bedroht. Leben und Schicksal der Dritte-Welt-Bewohner sind Nebensache. <\/p><p>Die Ansage &bdquo;Hier ist das Erste Deutsche Fernsehen mit der Tagesschau&ldquo; ist h&auml;ufig das Halali zu versuchter Volksverbl&ouml;dung.<\/p><p><strong>Das h&ouml;rt sich nicht gut an. Der Anspruch des &Ouml;ffentlich-Rechtlichen ist es, eine Art Anwalt der &Ouml;ffentlichkeit zu sein, der Missst&auml;nde klar anspricht und journalistisch hervorhebt. Wie passt das zu Ihren Erkenntnissen?<\/strong><\/p><p>Es passt gar nicht dazu, wenn wir den Blick allein auf die ARD-aktuell richten. Friedhelm Klinkhammer und ich nehmen nur den Aussto&szlig; dieser Redaktion unter die Lupe. Die Konzentration auf &bdquo;Tagesschau&ldquo; und &bdquo;Tagesthemen&rdquo;, einschlie&szlig;lich deren Auftritte im Internet, halten wir f&uuml;r sehr begr&uuml;ndet: Schlie&szlig;lich erreichen diese Sendungen t&auml;glich ein Publikum von zehn bis zw&ouml;lf Millionen Nachrichtenkonsumenten. Sie sind, wie man wei&szlig;, meinungs- und stilpr&auml;gend f&uuml;r den politischen Diskurs hierzulande. Und sie verfehlen ein ums andere Mal ihren gesetzlichen Auftrag, sachlich, umfassend und der Wahrheit verpflichtet zu berichten, der angemessenen Information des Publikums dienend und die V&ouml;lkerverst&auml;ndigung f&ouml;rdernd. <\/p><p><strong>Nun findet sich im &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunk ja durchaus auch kritischer Journalismus. Ist der eher die Ausnahme?<\/strong><\/p><p>Nein, eine Seltenheit ist das nicht. Es gibt vorz&uuml;gliche Angebote. Leider werden sie entweder au&szlig;erhalb der sogenannten prime time gebracht, zu sp&auml;ter oder sehr fr&uuml;her Stunde, und\/oder sie erscheinen auf nicht gerade zuschauertr&auml;chtigen Sendepl&auml;tzen. Das alte Lied, das alte Leiden. Guter Journalismus wird beispielsweise oft in der Sendung &bdquo;nano&ldquo; auf 3sat geboten; es ist ein popul&auml;rwissenschaftliches, leider nur &auml;u&szlig;erst bedingt auch &bdquo;politisches&ldquo; Programm, aber es hat sehr beachtlichen informatorischen Anspruch. Um einer Nachfrage zuvorzukommen: &bdquo;Panorama&ldquo; offeriert auf seine Weise auch nicht viel Besseres als Tendenzjournalismus, von den Polit-Talkshows gar nicht erst zu reden. <\/p><p><strong>Gerade der &bdquo;Tagesschau&ldquo; als &bdquo;Flaggschiff&ldquo; des Nachrichtenjournalismus kommt eine besondere Verantwortung zu. Sie lassen an ihr kein gutes Haar.<\/strong><\/p><p>&#8232;Das hat diese Sendung nicht anders verdient. Aus zwei folgenschweren Gr&uuml;nden: Sie hat eine un&uuml;bersehbar bellizistische Schlagseite, verursacht von der selbstverschuldeten Abh&auml;ngigkeit der Redaktion von den transatlantisch getrimmten Nachrichtenagenturen. Es handelt sich um Associated Press (AP) in Zusammenarbeit mit der Deutschen Presseagentur (dpa), um Reuters (rts) und Agence France Presse (AFP). Die ARD-aktuell l&auml;sst ihre Redakteure mit dem rechnergest&uuml;tzten Redaktionssystem &bdquo;OpenMedia&ldquo; der ANNOVA Systems GmbH arbeiten. Meines Wissens wird au&szlig;er den genannten pro-westlichen Agenturen dort nur noch der SID, der Sport-Informationsdienst, eingespeist. Auf andere, ebenfalls bedeutende Agenturen und Informationsquellen wird bewusst verzichtet. Begr&uuml;ndung: &bdquo;staatlich finanziert&ldquo;. Chefredakteur Dr. Gniffke war sogar so dreist, ihnen deshalb die Glaubw&uuml;rdigkeit abzusprechen. Als ob die AFP nicht auch Geld vom Staat bek&auml;me, als ob ausgerechnet kommerzielle Agenturen der Hort der Objektivit&auml;t w&auml;ren.  <\/p><p>Der zweite Grund, kein gutes Haar an der &bdquo;Tagesschau&ldquo; zu lassen: der regierungsfromme Konformismus, mit dem ARD-aktuell &uuml;ber innenpolitische Aspekte informiert. Und damit eine un&uuml;bersehbare Orientierung an den Interessen der Eliten dieser Gesellschaft. Wenn ich ein Beispiel sagen darf: Nur einmal im Monat liefert die &bdquo;Tagesschau&ldquo; Informationen &uuml;ber den sogenannten Arbeitsmarkt &ndash; und dabei vollzieht diese D&uuml;rftigkeit doch ohnehin lediglich die statistischen T&auml;uschungsman&ouml;ver nach, die der N&uuml;rnberger Arbeitsagentur von ihrem Berliner Dienstherren aufgegeben sind. Uns&auml;glich gesch&ouml;ntes Zahlenmaterial, einmal im Monat! Aber fast t&auml;glich kriegen Sie Nachrichten &uuml;ber die B&ouml;rse geliefert. <\/p><p>Vorhin nannten Sie das Stichwort &bdquo;Anwalt der &Ouml;ffentlichkeit&ldquo;. Nun frag ich mal zur&uuml;ck: Wie gro&szlig; ist der Anteil der Aktion&auml;re an dieser &Ouml;ffentlichkeit? Wie viel bleibt von dem aktienbesitzenden Bev&ouml;lkerungsanteil noch &uuml;ber, wenn Sie die Kleinsparer wegrechnen? Andersrum: Wie gro&szlig; ist die Zahl jener Menschen, deren Interesse und W&uuml;rde mit solcher Nachrichtengestaltung verh&ouml;hnt werden? <\/p><p><strong>Sie haben den Umgang mit Themen angesprochen, die einen Russlandbezug haben. Was stimmt da nicht?<\/strong><\/p><p>Jetzt nenne ich einfach nur Schlagworte: Die Berichterstattung ist russlandfeindlich, sie ist agitatorisch und bellizistisch akzentuiert, sie ist propagandistisch. Man merkt deutlich, dass die Nachrichtenbearbeiter fast ausschlie&szlig;lich das Material der schon genannten westlichen Agenturen verwenden. &bdquo;Tagesschau&ldquo;-Nachrichten basieren zu mindestens drei Vierteln auf diesem Agenturmaterial. S&auml;mtliche Studio-Meldungen, ein Gro&szlig;teil der Korrespondentenberichte. Auf Quellen der Gegenseite wird ausdr&uuml;cklich verzichtet. Kein RT, kein ITAR-TASS, kein Ria Novosti, Interfax, Xin-Hua, China News Service usw. Auf Xin-Hua und auf Tass wird h&ouml;chstens indirekt Bezug genommen, n&auml;mlich dann, wenn deren Informationen ausnahmsweise auch mal in den prowestlichen Nachrichtenagenturen auftauchen. Per Sekund&auml;rzitat. Der Grundsatz der seri&ouml;sen Rechtsprechung: &bdquo;Audiatur et altera pars&ldquo; &ndash; auch die andere Seite ist anzuh&ouml;ren &ndash; gilt auch im Journalismus. F&uuml;r ein halbwegs sachgerechtes Bild sind immer auch die alternativen Informationen zu ber&uuml;cksichtigen.<\/p><p><strong>Haben Sie ein Beispiel?<\/strong><\/p><p>Sie erleben tagt&auml;glich Beispiele von einseitiger Betrachtung in unseren Fernsehnachrichten. Nehmen Sie die Berichterstattung &uuml;ber den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47748\">Zwischenfall<\/a> an der Krimbr&uuml;cke nach Kertsch. Da hat sich die &bdquo;Tagesschau&ldquo; zum Lautsprecher Washingtons und der personifizierten Pleite der deutschen Au&szlig;enpolitik gemacht, ich meine damit den Minister Maas. Dass der russische Pr&auml;sident Putin eine mindestens ebenso eindringliche und vor allem nachvollziehbare Erkl&auml;rung abgegeben hatte, fand in der &bdquo;Tagesschau&ldquo; keine Erw&auml;hnung. <\/p><p>Kurzfassung, damit anschaulich wird, wovon ich rede: Seit Wochen diskutieren Politiker in Kiew, wie die Br&uuml;cke nach Kertsch, die neue Lebensader der Krim, zerst&ouml;rt werden k&ouml;nnte. B&ouml;sartige, friedensgef&auml;hrdende Sabotagepl&auml;ne, die schon im Februar dieses Jahres kranken US-amerikanischen Hirnen entsprungen waren. Nun also n&auml;hern sich im November drei anscheinend bewaffnete ukrainische Schiffe vom Schwarzen Meer kommend der Br&uuml;cke, die Kapit&auml;ne weigern sich, zu stoppen und &ndash; wie vertraglich festgelegt &ndash; Kontrolleure an Bord zu lassen. Daraufhin werden sie von der russischen Marine aufgebracht. Das, so Putin,  sei unumg&auml;nglich zum Schutz der Br&uuml;cke gewesen und dar&uuml;ber hinaus hoheitsrechtlich begr&uuml;ndet, weil die Ukrainer ohne Erlaubnis in russisches K&uuml;stengebiet eingedrungen seien.  <\/p><p>War diese Stellungnahme Putins keine Nachricht wert? War &uuml;berhaupt nicht zu ber&uuml;cksichtigen, dass die Krim faktisch zu Russland geh&ouml;rt, auch wenn das dem Westen nicht passt? Die &bdquo;Tagesschau&ldquo; lie&szlig; westliche Sprecher, auch unseren gro&szlig;formatigen Au&szlig;enminister, unkommentiert suggerieren, dass die Krim und ihr K&uuml;stenmeer nach wie vor ukrainisch seien. Unsere Qualit&auml;tsjournalisten verkr&uuml;mmten sich zu Mikrofonhaltern und lie&szlig;en diese westlichen Volksvertreter dar&uuml;ber lamentieren, dass die Besatzungen der drei ukrainischen Schiffe in Haft seien; sie m&uuml;ssten &bdquo;sofort&ldquo; freigelassen werden, sonst&hellip;. Kein Wort verlor die &bdquo;Tagesschau&ldquo; jedoch &uuml;ber die Vorgeschichte. Nichts &uuml;ber die US-amerikanisch-ukrainischen Sabotagepl&auml;ne, nichts dar&uuml;ber, dass umgekehrt schon im Fr&uuml;hjahr das russische Fischerboot &bdquo;Nord&ldquo; auf dem Asowschen Meer von der ukrainischen Marine aufgebracht worden war, dessen Bootsf&uuml;hrer und ein Teil der Mannschaft bis zur Stunde in Haft sind und deren Boot, entgegen internationalem Recht, verkauft wurde. <\/p><p><strong>K&ouml;nnen Sie noch ein Beispiel anf&uuml;hren?<\/strong><\/p><p>Ein viel wichtigeres: Die Darstellung &uuml;ber die Aufnahme der Krim in die Russische F&ouml;deration. Mit arroganter Systematik nennt ARD-aktuell diesen Vorgang eine &bdquo;Annexion&ldquo; und bezieht sich dabei mittelbar auf ein Votum der UN-Vollversammlung. Dass die fragliche Resolution eine politische und nicht bindende ist, bleibt in den Nachrichten unber&uuml;cksichtigt. Verschwiegen wird, dass die v&ouml;lkerrechtliche Betrachtung weit weniger einheitlich aussieht. Dass namhafte Rechtswissenschaftler dem Vorwurf &bdquo;Annexion&ldquo; &ndash; gewaltsame Vereinnahmung eines fremden Staatsgebietes&nbsp;&ndash; nachdr&uuml;cklich widersprechen und dass sie daf&uuml;r gewichtige Argumente haben, das ber&uuml;cksichtigt die ARD-aktuell nicht. Dass sich eine &uuml;berw&auml;ltigende Mehrheit der Krim-Bev&ouml;lkerung in zwei Referenden f&uuml;r den Anschluss an Russland aussprach und dass eine Wiederholung dieser Abstimmung unter UN-&Uuml;berwachung heute keine anderen Ergebnisse br&auml;chte &ndash; was juckt das einen ARD-aktuell-Chefredakteur? Es interessiert die &bdquo;Tagesschau&ldquo; auch nicht, dass das korrupte Putschisten-Regime in Kiew wohlweislich nicht vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag gegen die angebliche &bdquo;Annexion&ldquo; klagt. Ein v&ouml;lkerrechtlich g&uuml;ltiges Urteil im Haag k&ouml;nnte den fiesen Umtrieben in Kiew, Washington, Br&uuml;ssel und Berlin  n&auml;mlich ein Ende machen und die westliche Propaganda zum Platzen bringen. Auch das erf&auml;hrt seitens der &bdquo;Tagesschau&ldquo; keine Ber&uuml;cksichtigung, geschweige denn Erw&auml;hnung. Dass die westliche Sanktionspolitik gegen Russland nicht dem V&ouml;lkerrecht und den Grunds&auml;tzen der Rechtsstaatlichkeit entspricht, sondern US-amerikanischen geopolitischen und wirtschaftlichen Interessen dient und damit Westeuropa politischen und wirtschaftlichen Schaden zuf&uuml;gt, ist der &bdquo;Tagesschau&ldquo; keinen Satz wert. <\/p><p>Wie oft haben seri&ouml;se Kritiker darauf hingewiesen? Gerade auch die NachDenkSeiten? Sind ausgewiesene Kenner unserer Zeitgeschichte wie Albrecht M&uuml;ller, Norman Paech, Reinhard Merkel, Ulrich Teusch, J&uuml;rgen Becker, Gabriele Krone-Schmalz und viele andere denn auf der Brennsuppe hergeschwommen? Sie finden kein Geh&ouml;r bei den Hamburger Herrschaften. Die &bdquo;Tagesschau&ldquo; macht weiter ihren Stiefel. M&uuml;sste man nicht vor Zorn im Rhombus springen &uuml;ber die konstante Weigerung, sich sachlichen Argumenten zu &ouml;ffnen? Die &bdquo;Tagesschau&ldquo;-F&uuml;hrung l&auml;sst sich zu Dialog-Veranstaltungen herab wie &bdquo;Sag&acute;s mir ins Gesicht&ldquo; &ndash; und stuft damit die Zuschauermeinung als Entertainment ein. Sie unterwirft sich westlichem Propagandainteresse und verbreitet politische Auftragsbotschaften. Kritik und Protest sind ihr vielleicht l&auml;stig, offenbar sind sie aber kein Ansto&szlig; zu selbstkritischer Korrektur. <\/p><p><strong>Was sind die Gr&uuml;nde f&uuml;r diese Berichterstattung?<\/strong><\/p><p>Nachrichteninstitute wie die &bdquo;Tagesschau&ldquo; sind ein Herrschaftsinstrument. Ihre staatlich garantierte Marktposition und Geb&uuml;hrenfinanzierung geben ihnen Deutungshoheit &uuml;ber die politischen Verh&auml;ltnisse. Sie sind Repr&auml;sentanten der Macht. Das sind wahrlich keine neuen Erkenntnisse. Die Macht? Es handelt sich um die diskrete Macht einer Finanzelite, der sich der politische Prozess, die Regierung und die parlamentarischen Mehrheiten unterordnen. Eine Minderheit mit internationalen Verflechtungen, deren Potenz dem normalen B&uuml;rger medial nicht vermittelt wird: ein paar tausend Leute, denen drei Viertel unserer Republik geh&ouml;ren. Ihr Einfluss ist derma&szlig;en gro&szlig;, dass er Regierung und Parlamentsmehrheit praktisch zu ihrem Funktionspersonal macht. Die meisten unserer Politiker und die Meinungsmacher der &bdquo;Tagesschau&ldquo; funktionieren exakt in derem Sinne.<\/p><p><strong>&bdquo;Einer Elite&ldquo;? Und dann auch noch einer, die sich Regierung und parlamentarische Mehrheiten als &bdquo;Funktionspersonal&ldquo; leistet? Diese Aussage d&uuml;rfte mancher Medienvertreter als v&ouml;llig abwegig bezeichnen.<\/strong><\/p><p>Vermutlich, ja. Besonders jene Medienvertreter, die ihre berufliche Existenz und das entsprechend ansehnliche Einkommen besagten Milliard&auml;ren und Multimillion&auml;ren verdanken, die unsere Medien-Konzerne direkt oder indirekt beherrschen. Wes Brot ich ess&acute;, des Lied ich sing&acute;, sagt der Volksmund. &bdquo;Das Sein bestimmt das Bewusstsein&ldquo;, erkl&auml;rt uns Karl Marx. Wir wollen bittesch&ouml;n auch nicht &uuml;bersehen, dass die schon genannten Nachrichtenagenturen weitestgehend privatwirtschaftlich organisiert sind. Wir haben es mit kommerziellen Unternehmen zu tun, die mit Information als k&auml;uflicher Ware Handel treiben und ihre Profite machen. Niemand sollte dem Irrtum erliegen, dass ein K&uuml;rzel wie &bdquo;dpa&rdquo; ein Signum f&uuml;r quasi notariell beglaubigte Objektivit&auml;t sei.<\/p><p><strong>Die Abschaffung des &Ouml;ffentlich-Rechtlichen, wie manche es fordern, w&auml;re aber auch keine L&ouml;sung, oder?<\/strong><\/p><p>Es ist keine L&ouml;sung, das Kind mit dem Bade auszusch&uuml;tten. Was w&auml;re die Alternative? Nur der total kommerzielle Rundfunk, also die absolute Ver&ouml;dung der Hirne. Nein, danke.<\/p><p>Verbessern, nicht abschaffen, muss man das urspr&uuml;ngliche, nach 1945 erarbeitete Konzept des demokratischen &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunks, wenn wir uns nicht vollends der politischen Umnachtung preisgeben wollen. Dringend erforderlich sind funktionsf&auml;hige demokratische Kontrollmechanismen f&uuml;r die Sendeanstalten. Eine einfache &Auml;nderung der Zusammensetzung der gegenw&auml;rtigen Rundfunkr&auml;te reicht nicht aus. Sie dient in ihrer herk&ouml;mmlichen Form der formalen Scheinlegitimation, ein demokratischer Popanz, der au&szlig;erdem unversch&auml;mt viel Geld kostet. Der Rundfunkrat ist nun mal eine anstaltsinterne Instanz, die schon deshalb nicht auftragsgem&auml;&szlig; arbeiten kann, weil sich ihre journalistischen Laien gegen ausgebuffte Profis des Managements behaupten sollen und das sp&auml;testens nach dem zweiten misslungenen Anlauf h&uuml;bsch bleiben lassen. <\/p><p>Erforderlich ist eine externe, aktive und kompetente Kontrollinstanz, die nicht Vorzensur aus&uuml;bt, wohl aber Nachzensur. Eine rechtswirksame Instanz, die den mittlerweile berufsethisch fragw&uuml;rdigen Nachrichtenservice wie ARD-aktuell nach fehlerhafter Berichterstattung jeweils zu sofortiger, unmittelbarer Berichtigung und Korrektur verpflichten kann. <\/p><p>Gegenw&auml;rtig sind die Aufsichtsorgane des &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunks gem&auml;&szlig; dem Interesse der Parlamentsparteien gestaltet, vorzugsweise dem der regierenden Parteien. Aus diesem Grund sind wir von einer echten, durchgreifenden Reform des &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunks Lichtjahre entfernt. Warum auch sollte unsere Parteienoligarchie das wichtigste Instrument ihrer Herrschaft aus der Hand geben?<\/p><p>Verzagen wollen wir trotzdem nicht. &ldquo;In Zeiten universeller T&auml;uschung ist das Aussprechen von Wahrheit ein revolution&auml;rer Akt,&ldquo; soll George Orwell geschrieben haben. Auch wenn das Zitat nicht von ihm stammt: Ich finde es treffend. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/190103_braeutigam.jpg\" alt=\"Volker Br&auml;utigam\" title=\"Volker Br&auml;utigam\"\/><small style=\"display:block;text-align:center\">Quelle: Privat<\/small><\/div>\n<p><strong>Volker Br&auml;utigam<\/strong> war in den 70er und 80er Jahren Redakteur bei der &bdquo;Tagesschau&ldquo;. Zusammen mit Friedhelm Klinkhammer hat er seit 2014 &uuml;ber 400 Programmbeschwerden eingereicht, die sich mit den Nachrichten der &bdquo;Tagesschau&ldquo; auseinandersetzen. Im Interview mit den NachDenkSeiten findet Br&auml;utigam<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=48201\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,107,209,41,183,11],"tags":[2325,518,1546,313,2260,1545,374,2261,1313,2155,1588,2403,259,451,570,1338,244],"class_list":["post-48201","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-audio-podcast","category-interviews","category-medienanalyse","category-medienkritik","category-strategien-der-meinungsmache","tag-afp","tag-arbeitslosenstatistik","tag-ard","tag-oerr","tag-braeutigam-volker","tag-dpa","tag-eliten","tag-klinkhammer-friedhelm","tag-krim","tag-opportunismus","tag-private-medien","tag-reuters","tag-russland","tag-tagesschau","tag-tagesthemen","tag-transatlantiker","tag-vierte-gewalt"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/48201","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=48201"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/48201\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":83039,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/48201\/revisions\/83039"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=48201"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=48201"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=48201"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}