{"id":4831,"date":"2010-03-18T09:23:05","date_gmt":"2010-03-18T08:23:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4831"},"modified":"2014-08-07T12:09:11","modified_gmt":"2014-08-07T10:09:11","slug":"wie-europa-seine-zukunft-verspielt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4831","title":{"rendered":"Wie Europa seine Zukunft verspielt"},"content":{"rendered":"<p>Nach der von EU-Kommissionspr&auml;sident Barroso vorgestellten Strategie f&uuml;r Wachstum und Besch&auml;ftigung &ldquo;Europa 2020&rdquo; soll die EU k&uuml;nftig wirtschaftlich stabiler, bildungspolitisch erfolgreicher und umweltfreundlicher werden. Die neue Strategie l&ouml;st die &ldquo;Lissabon-Strategie&rdquo; der EU ab, die als gescheitert gilt. Nach der neuen Strategie sollen bis 2020 mindestens 75 Prozent der Bev&ouml;lkerung eines jeden Landes einen Arbeitsplatz haben. Mindestens 40 Prozent der j&uuml;ngeren Menschen sollen &uuml;ber einen Hochschulabschluss verf&uuml;gen. Die Zahl armer Menschen soll um 20 Millionen auf 60 Millionen Menschen sinken.<br>\nStrategien und soziale Wirklichkeit klaffen in der EU seit Jahren weit auseinander. Von Walter Edenhofer<br>\n<!--more--><br>\nNach Mitteilung von Eurostat, dem statistischen Amt der Europ&auml;ischen Union, ist die Arbeitslosigkeit in der Eurozone im Januar 2010 auf 9,9% gestiegen. Im Januar 2009 hatte sie noch 8,5% betragen. In der EU 27 lag die Arbeitslosenquote im Januar 2010 bei 9,5%, im Januar 2009 betrug sie nur 8,0%. <\/p><p>Eurostat sch&auml;tzt, dass im Januar 2010 in der EU 27 insgesamt 22.979 Millionen M&auml;nner und Frauen arbeitslos waren, davon 15.683 Millionen in der Eurozone. Die h&ouml;chsten Arbeitslosenquoten meldeten Lettland mit 22,9% und Spanien mit nahezu 20%. Die niedrigsten Anstiege gab es in Deutschland von 7,2 auf 7,5% und in Luxemburg von 5,4 auf 5,9%.<\/p><p>Dramatisch hoch ist die Arbeitslosigkeit bei den unter 25-J&auml;hrigen. Sie ist in der Eurozone im Januar 2010 im Durchschnitt auf 20,2% in der EU 27 sogar auf 20,9% gestiegen. Die h&ouml;chsten Quoten verzeichnen dabei Spanien mit 39,6%, gefolgt von Irland mit 32,4%, Ungarn mit 30,4%, Italien mit 26,8% und Frankreich mit 24,6%. Auch in einer Reihe anderer L&auml;nder liegt die Arbeitslosigkeit in dieser Altersgruppe deutlich &uuml;ber 20%. Damit war mehr als ein F&uuml;nftel der im Januar gemeldeten Arbeitslosen j&uuml;nger als 25 Jahre, eine ganze Generation. F&uuml;r die politische, wirtschaftliche und soziale Entwicklung Europas ist das ein Fiasko.<\/p><p>Schon seit Jahren ist die Lage auf den Arbeitsm&auml;rkten in Europa durch eine hohe und verfestigte Arbeitslosigkeit gekennzeichnet. Daran haben auch die Amsterdamer Vertr&auml;ge und die besch&auml;ftigungspolitischen Leitlinien des Europ&auml;ischen Rates vom Herbst 1997 nichts ge&auml;ndert. In den Leitlinien wurden ganz konkrete Ma&szlig;nahmen vorgeschlagen, um vor allem der Jugend- und Langzeitarbeitslosigkeit vorzubeugen, wie z.B. Jugendlichen einen Neuanfang in Form einer Ausbildung, einer Umschulung, einer Berufserfahrung oder einer anderen die Berufsf&auml;higkeit f&ouml;rdernden Ma&szlig;nahme zu erm&ouml;glichen.<\/p><p>Die Leitlinien stellten die Grundlage f&uuml;r die sogen. Aktionspl&auml;ne dar, in denen alle Mitgliedsl&auml;nder der Kommission &uuml;ber die Umsetzung der Leitlinien berichten sollten. Nachdem die Kommission in einem ersten Erfahrungsbericht feststellte, dass nicht alle L&auml;nder der aktiven Arbeitsmarktpolitik den Vorrang vor passiver Arbeitsmarktpolitik einr&auml;umten, wurden die Mitgliedstaaten erneut aufgefordert, die Besch&auml;ftigungsf&auml;higkeit der Arbeitnehmer durch entsprechende Qualifizierungsma&szlig;nahmen zu verbessern.<\/p><p>Um den Druck auf die nationalen Regierungen zu erh&ouml;hen, wurde die Idee eines europ&auml;ischen Besch&auml;ftigungspaktes und einer europ&auml;ischen Besch&auml;ftigungspolitik verfolgt, um die Arbeitslosigkeit wirksamer zu bek&auml;mpfen. Dahinter stand die Erfahrung, dass die nationalen Regierungen eine Bek&auml;mpfung der Arbeitslosigkeit zwar ank&uuml;ndigen, ihren Ank&uuml;ndigungen aber keine wirksamen Taten folgen lassen. <\/p><p>Die Mitgliedsl&auml;nder lehnen es andererseits ab, der EU-Kommission eine Gemeinschaftskompetenz in der Besch&auml;ftigungspolitik zu &uuml;bertragen mit dem Argument, dass dadurch ihre besch&auml;ftigungs-politische Verantwortung verwischt w&uuml;rde. Sie tragen daher die Hauptverantwortung f&uuml;r die hohe Arbeitslosigkeit, die infolge der Konjunkturkrise und der Sparpolitik der nationalen Regierungen zum Abbau hoher Staatsverschuldung weiter ansteigen d&uuml;rfte. <\/p><p>Die sozialen Auseinandersetzungen in Griechenland zeigen, dass die Menschen nicht bereit sind, einen Abbau sozialer Leistungen und die Verschlechterung ihres Lebensstandards kampflos hinzunehmen, w&auml;hrend Banken und Spekulanten von der Finanzkrise profitieren. <\/p><p>W&auml;hrend die EU den Abbau hoher Staatsverschuldung in den Mitgliedsl&auml;ndern durch rigorose Sparpolitik zielstrebig verfolgt und vorantreibt, droht die Diskussion &uuml;ber die Auswirkungen dieser Politik auf die soziale Sicherheit und die Besch&auml;ftigung in Europa in den Hintergrund zu geraten. Zwischen der Finanz- und Geldpolitik und den sozialen Inhalten europ&auml;ischer Politik entstehen schwerwiegende Ungleichgewichte mit unabsehbaren sozialen und politischen Folgen<br>\nf&uuml;r die Zukunft Europas.<\/p><p>Um weitere einseitige Entwicklungen zu Lasten der B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger Europas zu vermeiden, bedarf es neben den notwendigen Ma&szlig;nahmen zum Abbau hoher Staatsverschuldung eines sozialpolitischen Programms und einer wirksamen europ&auml;ischen Investitions- und Besch&auml;ftigungspolitik. Sonst drohen die Krisen der &ouml;ffentlichen Haushalte und deren Bew&auml;ltigung in soziale Krisen umzuschlagen.<\/p><p>Die Menschen in Europa fragen nicht nach dem Kompetenz-Wirrwarr in der EU, sondern erwarten eine Politik, die zu mehr Besch&auml;ftigung, Ausbildung, sozialer Sicherheit, Mitbestimmung und zu einer sozialen Zukunft in Europa f&uuml;hrt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach der von EU-Kommissionspr&auml;sident Barroso vorgestellten Strategie f&uuml;r Wachstum und Besch&auml;ftigung &ldquo;Europa 2020&rdquo; soll die EU k&uuml;nftig wirtschaftlich stabiler, bildungspolitisch erfolgreicher und umweltfreundlicher werden. Die neue Strategie l&ouml;st die &ldquo;Lissabon-Strategie&rdquo; der EU ab, die als gescheitert gilt. 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