{"id":485,"date":"2005-03-08T17:48:56","date_gmt":"2005-03-08T15:48:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=485"},"modified":"2016-03-18T09:08:21","modified_gmt":"2016-03-18T08:08:21","slug":"damit-uns-niemand-vorwirft-wir-hatten-nicht-vorher-gewarnt-ohne-eine-kurskorrektur-verliert-rot-grun-auch-noch-in-nrw-die-mehrheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=485","title":{"rendered":"Damit uns niemand vorwirft, wir h\u00e4tten nicht vorher gewarnt: Ohne eine Kurskorrektur verliert Rot-Gr\u00fcn auch noch in NRW die Mehrheit"},"content":{"rendered":"<p>Bei nahezu allen Wahlen seit der Verk&uuml;ndung der Agenda 2010 ging es mit der SPD bergab. In Sachsen ist sie mit 9,8% gar als Splitterpartei angekommen. Auch das Ergebnis in Schleswig-Holstein (minus 4,4% f&uuml;r die SPD bei gleichzeitigen plus 5% f&uuml;r die CDU) h&auml;tte man noch vor kurzem als &bdquo;politischen Erdrutsch&ldquo; bezeichnet. F&uuml;r den SPD-Vorsitzenden Franz M&uuml;ntefering, war die Niederlage von Heide Simonis ein weiterer Beweis daf&uuml;r, dass die SPD sich aus dem tiefen Loch &bdquo;rausgebuddelt&ldquo; hat. Wie tief unten muss sich eigentlich die SPD im Keller w&auml;hnen, wenn es f&uuml;r sie nach jeder Niederlage aufw&auml;rts geht?<br>\n<!--more--><br>\nWenn Sie in der Suchfunktion unserer NachDenkSeiten etwa &bdquo;Wahlen SPD&ldquo; eingeben, werden Sie auf eine Vielzahl von Beitr&auml;gen verwiesen, in denen wir uns kritisch damit auseinander setzten, dass das Spitzenpersonal der SPD im Bund und in den L&auml;ndern eine Niederlage ihrer Partei nach der anderen als Aufstieg aus der Talsohle umdeutete.<br>\nDas mochte im Hinblick auf die in der Mediengesellschaft so wichtige &bdquo;Deutungsshoheit&ldquo; als taktisches Mittel zur Beeinflussung der ver&ouml;ffentlichten Meinung zwar noch hinnehmbar sein &ndash; und teilweise hat es ja auch tats&auml;chlich dazu beigetragen, dass sich in den Meinungsumfragen das Stimmungstief f&uuml;r die SPD etwas aufhellte. Das hatte aber mit der Lebenswirklichkeit der Menschen und der Stimmungslage vor allem von potentiellen SPD-W&auml;hlerinnen und -W&auml;hlern nur wenig zu tun. <\/p><p>Nat&uuml;rlich hat die Flutwelle in S&uuml;dasien und das vern&uuml;nftige Hilfsangebot der Bundesregierung, die wirtschaftlichen Probleme eine Weile etwas in den Hintergrund gedr&auml;ngt. Auch dass die Zusammenf&uuml;hrung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe einigerma&szlig;en reibungslos ablief, hat manchem einige Sorgen genommen und die Stimmung der Bev&ouml;lkerung im Januar f&uuml;r die Bundesregierung etwas verbessert.<br>\n(Wobei es einen allerdings schon erstaunt, dass es neuerdings als Erfolg gilt, wenn staatliche Transferleistungen p&uuml;nktlich ausbezahlt werden.) <\/p><p>Wir haben auf den NachDenkSeiten immer wieder begr&uuml;ndet, dass die SPD ohne ein klares Bekenntnis zum Sozialstaat und ohne eine aktive Wirtschaftspolitik nicht nur unser Land nicht voran bringen kann sondern dar&uuml;ber hinaus ihre W&auml;hler entt&auml;uscht und den konservativen Kr&auml;ften den Weg zur Macht bereitet.<br>\nOhne eine solche Kurskorrektur wird es der SPD nicht gelingen, die sozialen Schichten wieder zur&uuml;ck zu gewinnen und vor allem die f&uuml;r die Vertrauenswerbung unverzichtbaren Multiplikatoren zu aktivieren, die sie f&uuml;r Wahlsiege braucht.<br>\nWer meint, er k&ouml;nne in der &bdquo;Mitte&ldquo; zur&uuml;ckholen, was er bei den sozial Schw&auml;cheren, bei den sozial Denkenden und bei solidarisch F&uuml;hlenden verloren hat, der &uuml;bersieht, dass er damit &ndash; wie wenn man ein Gummiband an der linken Seite losl&auml;sst &ndash; das gesamte politische Spektrum nach &bdquo;rechts&ldquo; (ins konservative Lager) rutschen l&auml;sst. Damit wird f&uuml;r die SPD eine erkennbare Abgrenzung oder eine offensive Gegenposition zu CDU\/FDP schwieriger und bei einer negativen allgemeinen Stimmungslage eine Wechselstimmung ausgel&ouml;st, die selbst einer Opposition, der die Menschen letztlich auch nichts zutrauen, an die Macht hilft.<br>\nDarauf zu hoffen, dass die Leute die SPD letztlich doch &bdquo;als das kleinere &Uuml;bel&ldquo; w&auml;hlten, ist vergeblich, wenn es den Menschen egal wird, ob Sozialdemokraten oder Konservative das gr&ouml;&szlig;ere &Uuml;bel &uuml;ber sie bringt. Im Gegenteil, gegen&uuml;ber den &bdquo;Sozis&ldquo; ist die Entt&auml;uschung sogar noch gr&ouml;&szlig;er. <\/p><p>Allein mit den W&auml;hlerinnen und W&auml;hler aus den Arbeitnehmerschichten und nur mit den Menschen, die das Gef&uuml;hl haben, dass sie zu den &bdquo;Modernisierungsverlierern&ldquo; geh&ouml;ren, oder ausschlie&szlig;lich mit den &bdquo;kleinen Leute&ldquo;, die darauf angewiesen sind, dass sie eine &bdquo;politische Schutzmacht&ldquo; haben, wird die SPD zwar keine Mehrheit gewinnen, aber ohne diese gro&szlig;e Zahl von Menschen wird auch die letzte verbliebene rot-gr&uuml;ne Landesregierung, n&auml;mlich die in NRW, ihre Mehrheit verlieren. <\/p><p>Manche &ndash; vor allem Anh&auml;nger der SPD &ndash; haben uns vorgeworfen, wir w&uuml;rden schwarz malen. Die Niederlagen seien nicht darauf zur&uuml;ck zu f&uuml;hren, dass die Mehrheit der Bev&ouml;lkerung den Agenda-Kurs ablehne, sondern darauf, dass die &bdquo;Reformen&ldquo; schlecht vermittelt worden seien, dass handwerkliche Fehler gemacht worden seien, dass die SPD nicht geschlossen genug sei, dass die Stimmung besser werde, wenn erst die Erfolge der Reformen eintr&auml;ten. <\/p><p>Mit solchen oder &auml;hnlichen Ausfl&uuml;chten wurde eine Diskussion dar&uuml;ber verweigert, was die angeblich &bdquo;objektiv notwendigen&ldquo; Reformen, gemessen an den damit verbundenen Versprechungen und Erwartungen, tats&auml;chlich erbracht haben, ob die Richtung &uuml;berhaupt stimmt und ob die Bundesregierung und die rot-gr&uuml;ne Koalition gut beraten sind, einen Reformkurs fortzusetzen, der bei weiteren h&ouml;chstens m&auml;&szlig;igen Erfolgen allenfalls den Druck auf eine Erh&ouml;hung der Dosis verst&auml;rkt. <\/p><p>Dass die Zahl der Arbeitslosen nach der Umsetzung der vierten und letzten Stufe der Hartz-Reformen im Laufe des Januar 2005 gegen&uuml;ber dem Dezember 2004 &ndash;statistische Effekte hin oder her &ndash; noch einmal um &uuml;ber eine halbe Million betroffener Menschen angestiegen ist, hat viele, die &ndash; wenn auch von Zweifeln genagt &ndash; wenigstens noch eine gewisse Hoffnung auf die Hartz-Gesetze gesetzt hatten, bitter entt&auml;uscht. Alle Umfragen beweisen es: Nur noch eine kleine Minderheit in der Bev&ouml;lkerung glaubt an einen Wirkungszusammenhang zwischen den Reformen der Agenda und einer Verbesserung der Lage auf dem Arbeitsmarkt, im Gesundheitswesen oder bei der Altersversorgung. Und kaum einer glaubt noch daran, dass von diesen Reformen die dringend notwendige wirtschaftliche Belebung ausgehen k&ouml;nnte. <\/p><p>Der Schock, den der Anstieg der Arbeitslosigkeit auf weit &uuml;ber 5 Millionen Menschen auch bei denjenigen ausgel&ouml;st hat, die (noch) einen Arbeitsplatz besitzen, konnte mit einem &bdquo;He!de&ldquo;-Wahlkampf in Schleswig-Holstein nicht aufgefangen werden.<br>\nDort verlor die SPD bei den Arbeitern weit &uuml;berdurchschnittlich, n&auml;mlich 13% und bei den Arbeitslosen 12% ihrer W&auml;hler. Die SPD hat insgesamt etwa 76.000 Stimmen verloren. Ein gro&szlig;er Teil ehemaliger SPD-W&auml;hler (50.000) w&auml;hlten mit der CDU lieber gleich das Original statt der Kopie und ein beachtlicher Teil (30.000) resignierte und w&auml;hlte gar nicht mehr. <\/p><p>Auch in NRW sackte die SPD bei den j&uuml;ngsten Umfragen (-3%) auf historisch einmalig niedrige 36% (bei Forsa) bzw. (-2) auf 35% (bei infratest dimap). Schwarz\/Gelb bek&auml;me nach der gegenw&auml;rtigen Stimmungslage am 22. Mai nach 39 Jahren SPD-Regierung eine Mehrheit. <\/p><p>Die CDU macht auf ihrem Parteitag in Bochum auf Aufbruchsstimmung. Wie aber reagiert die SPD?<br>\nDer Kanzler fordert &bdquo;R&uuml;ckgrat bei den Reformen&ldquo;, der Wirtschaftsminister ruft &ndash; wie die SZ so sch&ouml;n karikierte &ndash; &bdquo;Folgt mir!&ldquo; und fordert mit verbundenen Augen auf dem Weg in den Abgrund eine weitere Senkung der Unternehmenssteuern &ndash; ohne sehen zu wollen, dass die schon gemachten Steuergeschenke an die Unternehmen zwar hohe Gewinne aber keinerlei Investitions- und schon gar keine Wachstumsdynamik ausgel&ouml;st haben. <\/p><p>Dem nordrhein-westf&auml;lischen Ministerpr&auml;sidenten Peer Steinbr&uuml;ck, der bei weitem nicht einen so hohen Amtsbonus erwerben konnte (42:34), wie seine Kollegin aus dem hohen Norden(51:37), und dem das Wasser derzeit schon weit &uuml;ber dem Hals steht, f&auml;llt nichts besseres ein, als ins Clementsche Horn zu pusten und zu fordern, &bdquo;die Unternehmensbesteuerung wettbewerbsf&auml;hig (zu) machen&ldquo;. Oder: &bdquo;Wir brauchen dringend eine Senkung der zu hohen Lohnzusatzkosten&ldquo;, oder: &bdquo;Ich habe nie erwartet, dass Hartz IV nach acht Wochen bereits Rendite (?) abwirft&ldquo;. (So im Interview in der FR v. 4.3.05).<br>\nKonjunkturprogramme h&auml;lt er f&uuml;r &bdquo;Schwachsinn&ldquo;. (so in Bild am Sonntag v. 6.3.05) Ist das eigentlich Selbstkasteiung oder Ged&auml;chtnisverlust?<br>\nAls fr&uuml;herer Mitarbeiter im BMFT unter Hans Matth&ouml;fer und Volker Hauff von 1976 &ndash; 1981, h&auml;tte man gerade von ihm erwarten d&uuml;rfen, dass er sich noch daran erinnerte, dass der &bdquo;Schwachsinn&ldquo; der damaligen Konjunkturprogramme immerhin 1976 einen Wachstumsschub von 5,3% oder 1979 immerhin von 4,2% ausl&ouml;ste und die Arbeitslosigkeit deutlich absenkten. <\/p><p>Steinbr&uuml;ck setzt offenbar lieber auf die Durchhalteparolen aus Berlin und hofft, dass er f&uuml;r seine Nibelungentreue zum Kanzler und zum Wirtschaftsminister vom W&auml;hler gelobt wird, so als ob &bdquo;Verl&auml;sslichkeit&ldquo; auf einem Kurs, der bislang keine vorzeigbaren Erfolge nachweisen kann, schon Sympathie und Vertrauen schaffen k&ouml;nnten. Von eigenst&auml;ndiger kritischer Bestandsaufnahme des &bdquo;Reform&ldquo;-Kurses, oder gar von einer Neujustierung keine Spur.<br>\nW&auml;re Steinbr&uuml;ck Wirtschaftsminister von NRW, k&ouml;nnte man ja noch Verst&auml;ndnis f&uuml;r seinen &bdquo;Wirtschaftskurs&ldquo; aufbringen, nur, &bdquo;die Wirtschaft&ldquo; wird ihn &ndash; bei allem Applaus f&uuml;r seine Gru&szlig;worte &ndash; nicht w&auml;hlen.<br>\nWas hat die SPD davon, wenn die Konservativen &uuml;ber den amtierenden Ministerpr&auml;sidenten erz&auml;hlen, dass er zwar gegen&uuml;ber seinem Herausforderer der bessere Mann f&uuml;r die Wirtschaft sei, dass er aber leider in der falschen Partei ist?<br>\nObwohl er, oder gerade weil er nicht m&uuml;de wird, den Jargon angebotsorientierter &Ouml;konomen zu sprechen, trauen nur noch 27% der W&auml;hlerinnen und W&auml;hler bei der F&ouml;rderung des Wirtschaftsstandortes NRW der SPD mehr zu als der Union; die CDU kommt dagegen auf 44% (Umfrage im Auftrag des wdr in der Sendung &bdquo;Westpol&ldquo; vom 6.3.05).<br>\nF&uuml;r eine Mehrheit braucht er zumal als Sozialdemokrat eben vor allem die Arbeitnehmer, die Rentner und diejenigen, denen es schwer f&auml;llt, etwa die zus&auml;tzlichen Lasten der Gesundheitsreform zu tragen. Und gerade diese gro&szlig;en W&auml;hlergruppen wenden sich seit geraumer Zeit immer mehr von der SPD ab, weil sie sich von dieser Partei nicht mehr wahrgenommen, angesprochen und vertreten und schon gar nicht mehr gesch&uuml;tzt f&uuml;hlen. <\/p><p>Wem die Ver&auml;nderung der Farbe der politischen Landkarte in Deutschland, wem das letzte Dutzend Wahlen nicht die Erkenntnis eines dramatischen Vertrauensverlustes gerade der typischen SPD-W&auml;hlerschaft vermittelt hat, der stellt wohl die selbst eingeredeten &bdquo;Sachzw&auml;nge&ldquo; &uuml;ber das demokratische W&auml;hlervotum oder noch h&auml;rter: Der schafft eine Stimmung, bei der es den Menschen ziemlich egal ist, wer an der Regierung ist. Und da hilft dann auch nicht das Ausweichen auf einen Personalwahlkampf mehr &ndash; zumal der Amtsbonus nicht gerade gro&szlig; ist. <\/p><p>Da kann es auch nicht mehr ins &ouml;ffentliche Bewusstsein vordringen, wenn der nordrhein-westf&auml;lische SPD-Vorsitzende und Wirtschafts- und Arbeitsminister, Harald Schartau, im Mittagsmagazin des wdr vom 3.3.05 sibyllinisch &uuml;ber &bdquo;Ma&szlig;nahmen zur Konjunkturankurbelung&ldquo; spricht:<br>\n&bdquo;Sagen wir es mal so:Wir reden jetzt &uuml;ber ein Programm, das noch keiner kennt, und von dem noch nicht einmal jemand wei&szlig;, ob die Bundesregierung in der Tat will. Aber wenn sie solche &Uuml;berlegungen anstellt &ndash; und ich halte &Uuml;berlegungen zur weiteren Ankurbelung der Konjunktur an sich f&uuml;r unabdingbar, da muss schon was passieren&hellip;&ldquo; Mit so zaghaften Andeutungen kann man keinen Entt&auml;uschten ansprechen. Und schon gar nicht kann man damit das Vorurteil von 44% der W&auml;hlerinnen und W&auml;hler aufbrechen, dass die CDU eher in der Lage sei, Arbeitspl&auml;tze zu schaffen. Der SPD trauen das gerade mal noch 22% der Befragten zu. (s.o.&bdquo;Westpol&ldquo; vom 6.3.05). <\/p><p>Man kann es zwar sachlich nicht mehr verstehen, aber immerhin vielleicht noch aus taktischen Gr&uuml;nden nachvollziehen, dass die nordrhein-westf&auml;lische SPD 11 Wochen vor einer Wahl die Agenda-Politik der rot-gr&uuml;nen Bundesregierung nicht in Frage stellen m&ouml;chte. Aber wenigstens k&ouml;nnte man energisch die Verbesserung des Betreuungsangebots bei der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit einklagen, man k&ouml;nnte wenigstens Vorschl&auml;ge machen, wie man sein Versprechen gegen&uuml;ber der zunehmenden Zahl von arbeitslosen Jugendlichen auf ein konkretes &bdquo;Arbeitsangebot&ldquo; einhalten m&ouml;chte. Warum springt man nicht dem k&uuml;nftigen Vorsitzenden des Sachverst&auml;ndigenrates Bert R&uuml;rup zur Seite, der in diesem Jahr immerhin einen Verteilungsspielraum f&uuml;r Lohnerh&ouml;hungen von zwei Prozent sieht, damit die Binnennachfrage wieder st&auml;rker wird? Mit solchen Positionen k&ouml;nnte man wenigstens wieder mal daran erinnern, dass man vor lauter Verbesserungen der Investitionsbedingungen f&uuml;r die Unternehmen auch noch an die Arbeitnehmer denkt. <\/p><p>Dass Steinbr&uuml;ck zusammen mit Stoiber und Milbradt bei der Anpassung der Rundfunkgeb&uuml;hren mal locker gegen alles Recht in die Finanzautonomie des &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunks eingegriffen haben, mag nur ein paar Intellektuelle und einige Eltern ge&auml;rgert haben, die im Kommerzfernsehen eine Katastrophe f&uuml;r unsere Kinder sehen. Dass sich die Staatskanzlei mit v&ouml;llig daneben liegenden Argumenten mit dem Westdeutschen Rundfunk anlegte, &auml;rgert nicht nur das wdr-Personal vom Pf&ouml;rtner bis zum Intendanten, sondern viele Multiplikatoren weit &uuml;ber das Funkhaus hinaus. <\/p><p>Warum muss man sich als Ministerpr&auml;sident einer rot-gr&uuml;nen Koalition, an die Spitze der Kritiker stellen, wenn es um das von Br&uuml;ssel weitgehend vorgegebene und von Rot-Gr&uuml;n in Berlin schon ausgehandelte Antidiskriminierungsgesetz geht? Selbst wenn man sich dadurch erhoffte, bei der Wirtschaft, ja sogar bei gr&uuml;nenfeindlichen Betriebsr&auml;ten und Belegschaften der chemischen Industrie Sympathien zu gewinnen, so sollte man doch gleichzeitig auch wissen, dass ein Streit zwischen Parteien einer bestehenden Regierungskoalition im Zweifel beiden Partnern schadet. <\/p><p>Peer Steinbr&uuml;ck hat auf einem Programmkonvent im November 2004 in Bochum versucht, sein &bdquo;Macherimage&ldquo; und seine &bdquo;Unternehmerlastigkeit&ldquo; dadurch aufzulockern, dass er sich der Frage des &bdquo;Zusammenhalts in unserer Gesellschaft&ldquo; gestellt hat. &bdquo;Menschlich bleiben&ldquo;, so lautete sein Appell..<br>\nEs war zwar f&uuml;r jeden Kundigen erkennbar, dass er damit einer Debatte um soziale Gerechtigkeit ausweichen wollte. Wer, wie er, so auf den Agenda-Kurs eingeschworen ist, dem h&auml;tte man nat&uuml;rlich auch nicht abgenommen, wenn er auf die in Nordrhein-Westfalen bew&auml;hrte, schon zu Zeiten der CDU-Regierung unter Karl Arnold gepr&auml;gte Erfolgs-Formel zur&uuml;ckgegriffen h&auml;tte, dass Nordrhein-Westfalen &bdquo;das soziale Gewissen der Republik&ldquo; bleiben m&uuml;sse. Das h&auml;tte aus seinem Mundes gesprochen allenfalls ironisches Schmunzeln ausgel&ouml;st.<br>\nAber immerhin, er versuchte &bdquo;weichere&ldquo; T&ouml;ne anzuschlagen. Au&szlig;er einem kr&auml;ftiges Lob von Ehren&auml;mtlern als &bdquo;Helden des Alltags&ldquo; war das Thema aber leider kaum sachlich unterf&uuml;ttert.<br>\nMan kann durchaus das Antidiskriminierungsgesetz nur unter dem Blickwinkel einer zus&auml;tzlichen Belastung f&uuml;r die Wirtschaft sehen, wenn man aber &bdquo;Menschlichkeit&ldquo; zu einem politischen Anliegen erkl&auml;rt, m&uuml;sste man ein paar S&auml;tze mehr zu einem solchen Gesetzesvorhaben und seinen Zielen sagen, als dass man ank&uuml;ndigt, es in der vorliegenden Form im Bundesrat zusammen mit CDU-Ministerpr&auml;sidenten ablehnen zu wollen.<br>\nDas passt mit der wohlklingenden Formel des Wahlprogramms &bdquo;Das Herz nicht verlieren&ldquo; einfach nicht zusammen. <\/p><p>&bdquo;Mit Peer Steinbr&uuml;ck schaffen wir es&ldquo; lautet jetzt der Kampfruf der nordrhein-westf&auml;lischen SPD, wenn man aber einmal danach sucht, wo der Ministerpr&auml;sident oder wo etwa sein Wahlprogramm Themen oder T&ouml;ne anklingen lassen, mit denen diejenigen W&auml;hlerinnen und W&auml;hler angesprochen f&uuml;hlen k&ouml;nnten, die sich von der SPD im Stich gelassen f&uuml;hlen, dann kann man lange suchen. <\/p><p>Peer Steinbr&uuml;ck gef&auml;llt sich vor allem in der Rolle desjenigen, der sagt &bdquo;was Sache ist&ldquo;. Dass es nur die verengte angebotsorientierte &ouml;konomische Sicht auf die &bdquo;Sache&ldquo; ist &uuml;bersieht er leider meist. Und vor allem: Er scheint zu wenig im Blick zu haben, dass die &bdquo;Sache&ldquo; etwas mit den Menschen zu tun hat. Es sind aber nicht die &bdquo;Sachen&ldquo; die zur Wahl gehen, sondern die Menschen.<br>\nWeil es weniger darum zu gehen scheint, die &bdquo;Sachen&ldquo; den Menschen anzupassen, sondern die Menschen &bdquo;den Sachen&ldquo; (oder den angeblichen Sachzw&auml;ngen), f&auml;llt es vielen Menschen schwer seiner Politik ihr Vertrauen zu schenken. <\/p><p>Manchmal kann man sich des Gef&uuml;hls nicht erwehren, als w&auml;re Peer Steinbr&uuml;ck nur noch vom Willen beseelt, &bdquo;klar zu sagen, was Sache ist&ldquo;, als dass noch ein energischer Wille vorhanden w&auml;re, in Nordrhein-Westfalen weiter zu regieren. <\/p><p>Das w&auml;re deshalb so schlimm, weil der Herausforderer J&uuml;rgen R&uuml;ttgers zwar regieren will, aber bisher in allem was er angepackt hat, bewiesen hat, dass er nicht regieren kann. Als Ministerpr&auml;sident w&uuml;rde er vermutlich eher als PR-Manager von IHK, DIHT, Gesamtmetall und anderer Systemver&auml;nderer fungieren. Der verbliebene Rest des Sozialstaates und der Arbeitnehmerrechte w&uuml;rden noch radikaler geschliffen.\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei nahezu allen Wahlen seit der Verk&uuml;ndung der Agenda 2010 ging es mit der SPD bergab. In Sachsen ist sie mit 9,8% gar als Splitterpartei angekommen. Auch das Ergebnis in Schleswig-Holstein (minus 4,4% f&uuml;r die SPD bei gleichzeitigen plus 5% f&uuml;r die CDU) h&auml;tte man noch vor kurzem als &bdquo;politischen Erdrutsch&ldquo; bezeichnet. F&uuml;r den SPD-Vorsitzenden<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=485\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[123,191,190],"tags":[754,312,422,253,255,467],"class_list":["post-485","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kampagnentarnworteneusprech","category-spd","category-wahlen","tag-nrw","tag-reformpolitik","tag-schleswig-holstein","tag-steinbrueck-peer","tag-wahlanalyse","tag-wahlprognose"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/485","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=485"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/485\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":32242,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/485\/revisions\/32242"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=485"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=485"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=485"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}