{"id":48536,"date":"2019-01-20T11:45:53","date_gmt":"2019-01-20T10:45:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=48536"},"modified":"2026-01-27T11:31:52","modified_gmt":"2026-01-27T10:31:52","slug":"soziale-menschenrechte-haben-wir-leider-nicht-geschafft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=48536","title":{"rendered":"Soziale Menschenrechte: \u201eHaben wir leider nicht geschafft\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Das Recht auf Arbeit, auf Bildung, das Recht auf Wohnung und das Recht auf soziale Sicherheit und Gesundheit: Das sind einige der sozialen Menschenrechte, die seit 1966 Teil des UN-Sozialpakts und damit v&ouml;lkerrechtlich verbindlich sind. Doch wie ist es um diese Rechte in Deutschland bestellt? <strong>Eberhard Schultz<\/strong>, <a href=\"https:\/\/www.menschenrechtsanwalt.de\/\">Menschenrechtsanwalt<\/a> und Gr&uuml;nder der <a href=\"https:\/\/sozialemenschenrechtsstiftung.org\/\">Eberhard-Schultz-Stiftung f&uuml;r soziale Menschenrechte und Partizipation<\/a>, betont im  NachDenkSeiten-Interview, dass die sozialen Menschenrechte &bdquo;keineswegs Menschenrechte zweiter Klasse&ldquo; sind, aber in Deutschland nur &bdquo;h&ouml;chst unvollkommen&ldquo; &uuml;ber das Sozialstaatsprinzip im Grundgesetz verankert sind. Ein Interview &uuml;ber die Bedeutung der sozialen Menschenrechte und die Weigerung der Bundesregierung, ein wichtiges Protokoll zum UN-Sozialpakt zu unterzeichnen. Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6805\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-48536-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190120_Soziale_Menschenrechte_Haben_wir_leider_nicht_geschafft_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190120_Soziale_Menschenrechte_Haben_wir_leider_nicht_geschafft_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190120_Soziale_Menschenrechte_Haben_wir_leider_nicht_geschafft_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190120_Soziale_Menschenrechte_Haben_wir_leider_nicht_geschafft_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=48536-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190120_Soziale_Menschenrechte_Haben_wir_leider_nicht_geschafft_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"190120_Soziale_Menschenrechte_Haben_wir_leider_nicht_geschafft_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Herr Schultz, seit langem weigert sich die Bundesregierung, ein Zusatzprotokoll zum UN-Sozialpakt zu unterzeichnen. Worum geht es?<\/strong><\/p><p>Die in der UN-Menschenrechtscharta (AEMR) verk&uuml;ndeten sozialen Menschenrechte sind seit der Verabschiedung des Internationalen Paktes &uuml;ber wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (UN-Sozialpakt) von 1966 v&ouml;lkerrechtlich verbindlich und keineswegs Menschenrechte &bdquo;zweiter Klasse&ldquo;, wie sie oft noch verstanden werden. Die Bundesrepublik Deutschland hat den UN-Sozialpakt im Jahre 1973 ratifiziert und sich zu den damit einhergehenden Staatenpflichten bekannt. Bisher steht eine Unterzeichnung des Zusatzprotokolls von 2008 jedoch aus. Dies muss so bald wie m&ouml;glich geschehen, zumindest ein verbindlicher Fahrplan erstellt werden. <\/p><p><strong>Was bedeutet die Ratifizierung denn?<\/strong><\/p><p>Mit ihr k&ouml;nnten die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte (&bdquo;wsk&ldquo;-Rechte) eingeklagt und ihre Verletzung von Individuen und Organisationen nach Ersch&ouml;pfung des nationalen Rechtsweges auch vor dem UN-Ausschuss f&uuml;r &bdquo;wsk&ldquo;-Rechte geltend gemacht werden.<\/p><p>Offenbar f&uuml;rchtet die Bundesregierung die daraus resultierenden m&ouml;glichen Folgen.<\/p><p><strong>Was sind das f&uuml;r Folgen?<\/strong><\/p><p>Wir h&ouml;ren immer wieder von eventuellen immensen Kosten, zum Beispiel durch eine Anerkennung des Streikrechts f&uuml;r Beamte &ndash; obwohl das doch eigentlich selbstverst&auml;ndlich sein sollte und auch inzwischen durch den Europ&auml;ischen Gerichtshof schon zum Teil anerkannt ist. Au&szlig;erdem wird wohl eine gro&szlig;e Zahl von Verurteilungen der Bundesregierung durch den UN-Ausschuss bef&uuml;rchtet, weil dann ja auch Individuen und Organisationen wegen der Verletzung dieser Rechte nach Ersch&ouml;pfung des Rechtsweges in Deutschland eine Beschwerde beim UN-Ausschuss f&uuml;r wsk-Rechte gegen die Bundesrepublik erheben k&ouml;nnten. <\/p><p><strong>Kann das wirklich ein Argument sein?<\/strong><\/p><p>Ein bizarres Argument! Klar, dass Deutschland verurteilt w&uuml;rde, solange es einzelne soziale Menschenrechte nicht umsetzt. Das gilt aber doch f&uuml;r alle UN-Konventionen, auch solche, die bereits Teilbereiche der sozialen Menschenrechte betreffen, wie etwa die Kinderrechts- oder die sogenannte Behindertenrechtskonvention. Auch da gab es bekanntlich Nachholbedarf auf verschiedenen Ebenen und die Notwendigkeit von Investitionen. Die Zahl der Verurteilungen Deutschlands wegen Verletzung dieser Konventionen ist aber bis jetzt &uuml;berschaubar. Da hat die Bundesregierung au&szlig;erdem zum Teil auch die M&ouml;glichkeit genutzt, die vollst&auml;ndige Anwendung in Deutschland durch Vorbehalte in Teilbereichen aufzuschieben. <\/p><p><strong>Was meinen Sie: Warum ist die Unterzeichnung trotzdem ein Problem?<\/strong><\/p><p>Weil es wohl erheblichen Widerstand in der CDU\/CSU (ausgerechnet den Christlich-Sozialen!) und auch in Teilen der SPD gibt. Und weil dann die Forderung wieder auflebt, auch die sozialen Menschenrechte in den Katalog der Grundrechte einer umfassenden Verfassung aufzunehmen.<\/p><p>Im aktuellen Koalitionsvertrag hei&szlig;t es, dass die Unterzeichnung &bdquo;angestrebt&ldquo; werde. <\/p><p><strong>Nur: Ein Datum f&uuml;hrt die Regierungskoalition nicht an. Was bedeutet das?<\/strong><\/p><p>Zun&auml;chst einmal, dass eine Hintert&uuml;r offengelassen wird und es am Ende der Koalition wieder hei&szlig;en k&ouml;nnte: Haben wir leider nicht geschafft. Bei der Sitzung des UN-Ausschusses f&uuml;r die &bdquo;wsk&ldquo;-Rechte in Genf, auf der wir mit anderen NGOs vertreten waren und die Fragen an die Bundesregierung mit vorbereitet und die Antworten miterlebt haben, sprach der Staatssekret&auml;r des Bundesministeriums f&uuml;r Arbeit und Soziales dann vom Abstimmungsbedarf mit den Bundesl&auml;ndern sowie fehlenden genauen Statistiken und Zahlen. <\/p><p><strong>Fehlenden Zahlen? Hat er das ernst gemeint?<\/strong><\/p><p>Ja, und das bei so wichtigen sozialen Menschenrechten wie Bildung und Wohnen. Wie kann man da keine Zahlen zur Verf&uuml;gung haben? Wir haben demgegen&uuml;ber betont: Es sei an der Zeit, wenigstens einen genauen Fahrplan  f&uuml;r die Ratifizierung des Zusatzprotokolls festzulegen, damit die sozialen Menschenrechte endlich auch in Deutschland durchsetzbar werden; dar&uuml;ber hinaus k&ouml;nne sich die Bundesregierung als das nach internationalem Recht verantwortliche V&ouml;lkerrechtssubjekt nicht hinter der f&ouml;deralen Struktur und einer Zust&auml;ndigkeit der L&auml;nder verstecken. Sie hat die Pflicht, soweit n&ouml;tig mit den L&auml;ndern zusammen auf der Grundlage belastbarer Zahlen und Statistiken die Umsetzung endlich zu realisieren. Das hat dann auch der UN-Ausschuss f&uuml;r die &bdquo;wsk-Rechte&ldquo; der Bundesregierung  in dem abschlie&szlig;enden Kommentar zum Staatenbericht (&bdquo;Concluding Observations&ldquo;) in ungewohnter Deutlichkeit ins Stammbuch geschrieben &ndash; und f&uuml;r drei wichtige Bereiche sogar einen Zwischenbericht innerhalb von 24 Monaten angefordert: zur Situation &auml;lterer Menschen in der Pflege, zur Kinderarmut und zum Recht auf Wohnen. <\/p><p><strong>Sie setzen sich mit Ihrer Stiftung auch f&uuml;r die Verankerung der sozialen Menschenrechte im Grundgesetz ein. Was ist mit den sozialen Menschenrechten  eigentlich genau gemeint?<\/strong><\/p><p>Gute Frage! Dass Sie die hier stellen, zeigt ja, wie unbekannt dieser Begriff noch bei uns ist. Eigentlich sollten das doch alle Menschen in Deutschland, dem selbsternannten Weltmeister der Menschenrechte, aus der Schule, zumindest  den Medien, Talkshows und Veranstaltungen wissen. Aber wer hat das in der Schule, der Ausbildung oder auch nur an der Universit&auml;t gelernt oder in den Qualit&auml;tsmedien jemals mitbekommen?<\/p><p>Meine Antwort beschr&auml;nke ich auf Stichworte: <\/p><p>Im Unterschied zu den allgemeinen B&uuml;rger- und Freiheitsrechten, wie zum Beispiel der Meinungsfreiheit oder dem Folterverbot, sind die sozialen Menschenrechte noch weitgehend unbekannt, obwohl sie genauso universell und v&ouml;lkerrechtlich verbindlich sind seit der Ratifizierung des UN-Sozialpaktes von 1966. Darunter sind zu verstehen: das Recht auf Arbeit, auf Bildung, das Recht auf Wohnung und das Recht auf soziale Sicherheit und Gesundheit, um auch hier nur einige zu nennen. Sie stehen gleichberechtigt neben den anderen B&uuml;rgerrechten, die 1966, im gleichen Jahr parallel dazu im sog. Zivilpakt von der UN verabschiedet wurden, und sind nicht etwa Menschenrechte zweiter Klasse, wie dies bei uns oft noch missverstanden wird. Dabei wird doch gerade z.B. bei den Herausforderungen, denen sich Frauen in ihrem Erwerbs- und sonstigem Leben gegen&uuml;bersehen, klar, wie wichtig die Unteilbarkeit und Universalit&auml;t der Menschenrechte sind. Ohne ein Dach &uuml;ber dem Kopf, genug zu Essen und optimale Gesundheitsversorgung n&uuml;tzt das Grundrecht auf Gleichbehandlung der Frauen im Arbeitsleben wenig; oder Migrantinnen ohne durchsetzbaren Anspruch auf einen diskriminierungsfreien Zugang zu Ausbildungs- und Arbeitsplatz.<\/p><p><strong>Wie sieht es mit diesen Rechten in Deutschland aus? <\/strong><\/p><p>Diese Rechte sind nur h&ouml;chst unvollkommen &uuml;ber das sogenannte Sozialstaatsprinzip des Grundgesetzes und einige zus&auml;tzliche, von Deutschland auch als verbindlich anerkannte v&ouml;lkerrechtliche Vertr&auml;ge verankert, aber inhaltlich nicht vollst&auml;ndig abgesichert. Da die sozialen Menschenrechte nicht im Grundrechtekatalog aufgef&uuml;hrt sind, sind sie nicht umfassend und mit dem gleichen Rang gew&auml;hrleistet. Oder wie es Eberhard Eichenh&ouml;fer formuliert hat: &bdquo;Das Grundgesetz leidet an der Paradoxie, dem Sozialen zwar einen elementaren Rang beizumessen, aber dessen Inhalte ganz und gar im Ungef&auml;hren zu belassen.&ldquo; Sie k&ouml;nnen also anders als die erw&auml;hnten Freiheitsrechte nicht notfalls auch mithilfe der Verfassungsgerichte durchgesetzt werden; ja sie unterliegen unter Umst&auml;nden der Disposition eines Gesetzgebers, der erk&auml;mpfte Sozialstandards in Zukunft wieder herabdr&uuml;cken k&ouml;nnte, wie wir das im Arbeitsrecht, im Bereich Schule und Hochschule und anderen bereits wiederholt erlebt haben. Die Durchsetzung der sozialen Menschenrechte k&ouml;nnte demgegen&uuml;ber zu einer wichtigen Ausweitung der bisher  aus dem Sozialstaatsprinzip abgeleiteten Standards f&uuml;hren: das Recht auf Bildung bedeutet n&auml;mlich auch das lebenslange Recht auf kostenlose Bildung; das Recht auf Wohnung das auf eine angemessene Wohnung zu erschwinglichen Preisen f&uuml;r Alle &ndash; so die verbindliche Auslegung des zust&auml;ndigen UN-Ausschusses! Davon sind wir ja noch meilenweit entfernt, wie nicht zuletzt die wachsenden Proteste sozialer Bewegungen wie &bdquo;Mietenwahnsinn&ldquo; und andere zeigen. Dabei ist das Menschenrecht auf Wohnen sogar in einige Landesverfassungen in den 1940er Jahren aufgenommen worden. In der Berliner Landesverfassung Art. 28 steht: &bdquo;Jeder Mensch hat das Recht auf angemessenen Wohnraum.&ldquo; Allerdings wird der Artikel nur als Programmsatz, als Appell an die Politik verstanden, der den Einzelnen kein subjektives Recht verleiht, diesen Anspruch auch notfalls gerichtlich durchzusetzen.<\/p><p>Unsere Stiftung plant, n&auml;chstes Jahr eine Fachtagung zum sozialen Menschenrecht auf Arbeit zu veranstalten und eine Kampagne zum sozialen Menschenrecht auf Wohnen zusammen mit Kooperationspartnern durchzuf&uuml;hren, um diesen sozialen Menschenrechten zu mehr Beachtung und letztlich zur Durchsetzung zu verhelfen.<\/p><p><strong>In einem <a href=\"https:\/\/www.institut-fuer-menschenrechte.de\/fileadmin\/user_upload\/PDF-Dateien\/Pakte_Konventionen\/ICESCR\/icescr_state_report_germany_6_parallel_Eberhard_Schultz_Stiftung_de.pdf\">Bericht<\/a> Ihrer Stiftung hei&szlig;t es unter Punkt 15: &bdquo;Weiter  wurde  vom UN-Sozialausschuss  bem&auml;ngelt,  dass  das  bestehende  Sicherungssystem nicht  nur  Armut  nicht  bek&auml;mpfen  kann,  sondern  dass  bestimmte  Regelungen, wie  die Verpflichtung von Leistungsempf&auml;ngern zur  Aufnahme &bdquo;jeder zumutbaren Besch&auml;ftigung&ldquo; und die Zuweisung von unbezahlter ehrenamtlicher Arbeit, zu Verst&ouml;&szlig;en gegen die Artikel 6 und   7, insbesondere   das Recht   auf   eine   freie   Berufswahl   sowie   das Recht   auf ein angemessenes Entgelt f&uuml;r die geleistete Arbeit, f&uuml;hren kann.&ldquo; Das sind ziemlich klare Worte. Wie nehmen Sie die aktuelle Diskussion um unseren Sozialstaat wahr? Vor kurzem hat Jens Spahn bei Maybrit Illner Robert Habeck gefragt, ob es f&uuml;r einen Hartz-IV-Bezieher nicht zumutbar w&auml;re, wo das Problem sei, wenn man <a href=\"https:\/\/www.merkur.de\/politik\/maybrit-illner-im-zdf-als-habeck-und-spahn-sich-ums-klo-putzen-streiten-wird-es-bizarr-zr-10774486.html\">Klos putzen solle<\/a>.<\/strong><\/p><p>Eine interessante Perspektive f&uuml;r unseren Noch-Gesundheitsminister, ob er das selber schon ausprobiert hat? Aber im Ernst: Ich habe den Eindruck, als sollten mal wieder erk&auml;mpfte Sozialstandards abgebaut werden, wie das ja zum Beispiel Christoph Butterwegge wiederholt analysiert hat. Wir haben auch in dem von uns unterst&uuml;tzten Buch &bdquo;Soziale Spaltungen in Berlin&ldquo; (Kohlmeyer, Klaus u.a., vsa-Verlag 2016) eine belastbare Analyse der sozialen Spaltung in Berlin vorgelegt. Wenn dem nicht gegengesteuert wird, also die Parteien den sozialen Anspruch f&uuml;r die Armen und Ausgegrenzten ernst nehmen und die sozialen Bewegungen an der Basis Druck machen, sind die Aussichten finster. <\/p><p><strong>Was sind Ihre Forderungen?<\/strong><\/p><p>Die wichtigsten in Stichworten: <\/p><ul>\n<li>die Verankerung aller sozialen Menschenrechte im Grundrechtekatalog, eine entsprechende Anpassung der Gesetze und Verwaltungsrichtlinien in Bund und L&auml;ndern.<\/li>\n<li>Die Ratifizierung des Zusatzprotokolls zum UN-Sozialpakt.<\/li>\n<li>Belastbare Erhebungen, Statistiken und wissenschaftliche Untersuchungen des realen Zustandes in den einzelnen Bereichen der sozialen Menschenrechte.<\/li>\n<li>Eine &bdquo;soziale Menschenrechtsbildung&ldquo; in allen Bildungseinrichtungen vom Vorschul- bis zum Rentenalter mit verbindlichen Lehrpl&auml;nen und Instituten f&uuml;r Forschung und Lehre der sozialen Menschenrechte.<\/li>\n<li>Verbindliche Beteiligung der Zivilgesellschaft beim Ausarbeiten dieser Normen und Institutionen z.B. an Runden Tischen unter Einbeziehung der sozialen Bewegungen ungeachtet ihrer Rechts- und Kampfformen<\/li>\n<\/ul><p><strong>Warum ist die Umsetzung der Forderungen n&ouml;tig?<\/strong><\/p><p>Damit der zunehmenden sozialen Spaltung unserer Gesellschaft endlich auch auf dieser Ebene ein wirksamer und hoffentlich unumkehrbarer Riegel vorgeschoben wird. Und wie ich es in einer <a href=\"https:\/\/sozialemenschenrechtsstiftung.org\/images\/pdf\/Erklaerung-AEMR-70.-Jahrestag.pdf\">gemeinsamen Erkl&auml;rung von zehn bekannten Organisationen<\/a> zum 70. Jahrestag der Erkl&auml;rung der Menschenrechte am 10. Dezember ausgef&uuml;hrt habe: Die Anwendung der sozialen Menschenrechte &bdquo;w&uuml;rde auch gegen die sozialen Unsicherheiten helfen, die sich die autorit&auml;re Rechte in zynischer Weise f&uuml;r ihre Zwecke zunutze macht.&ldquo; <\/p><p>So verstanden k&ouml;nnen sie auch zu einem Instrument von Menschen und Organisationen der Zivilgesellschaft, Gewerkschaften, religi&ouml;sen wie weltanschaulichen Gruppen und nicht zuletzt den Parteien gegen die wachsende rassistische Diskriminierung werden.  Gerade diese Schnittstelle zwischen den sozialen Menschenrechten und dem Kampf gegen jedwede Form von Rassismus scheint mir besonders wichtig.<\/p><p>Und wenn Sie mir nach den Feiern zum 70. Jahrestag der Verk&uuml;ndung der Allgemeinen Erkl&auml;rung der Menschenrechte am 10. Dezember und zum bevorstehenden Jahreswechsel eine Vision f&uuml;r die Zukunft erlauben: So gesehen k&ouml;nnte schon im kommenden  Jahr damit begonnen werden, gemeinsam und solidarisch mit den Armen und Vernachl&auml;ssigten, den Ausgebeuteten und Unterdr&uuml;ckten, den Marginalisierten und Ausgegrenzten den Kampf f&uuml;r die umfassende Verwirklichung der sozialen Menschenrechte zu beginnen. Das muss nicht weitere 70 Jahre dauern. Es bleibt sicher  ein langer, vielleicht auch steiniger Weg, aber er lohnt sich.  <\/p><p><em>Lesetipp: Schultz, Eberhard: Feindbild Islam und institutioneller Rassismus. Menschenrechtsarbeit in Zeiten von Migration und Anti-Terrorismus. 224 Seiten. 2018. EUR 15.80<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Recht auf Arbeit, auf Bildung, das Recht auf Wohnung und das Recht auf soziale Sicherheit und Gesundheit: Das sind einige der sozialen Menschenrechte, die seit 1966 Teil des UN-Sozialpakts und damit v&ouml;lkerrechtlich verbindlich sind. Doch wie ist es um diese Rechte in Deutschland bestellt? <strong>Eberhard Schultz<\/strong>, <a href=\"https:\/\/www.menschenrechtsanwalt.de\/\">Menschenrechtsanwalt<\/a> und Gr&uuml;nder der <a href=\"https:\/\/sozialemenschenrechtsstiftung.org\/\">Eberhard-Schultz-Stiftung f&uuml;r<\/a><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=48536\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,188,126,209,145],"tags":[1112,418,305,826,639,1703],"class_list":["post-48536","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-bundesregierung","category-erosion-der-demokratie","category-interviews","category-sozialstaat","tag-buergerrechte","tag-grundgesetz","tag-menschenrechte","tag-rassismus","tag-uno","tag-voelkerrecht"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/48536","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=48536"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/48536\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":82545,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/48536\/revisions\/82545"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=48536"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=48536"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=48536"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}