{"id":48543,"date":"2019-01-18T14:00:25","date_gmt":"2019-01-18T13:00:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=48543"},"modified":"2019-05-26T13:24:28","modified_gmt":"2019-05-26T11:24:28","slug":"wohnungsnotstand-in-deutschland-und-notwendige-massnahmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=48543","title":{"rendered":"Wohnungsnotstand in Deutschland und notwendige Ma\u00dfnahmen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Werner R&uuml;gemer<\/strong> hielt am 16.1.2019 auf Einladung der SPD in Minden im B&uuml;rgerzentrum B&Uuml;Z ein Referat zum Wohnungsnotstand in Deutschland und zu notwendigen Gegenma&szlig;nahmen. Er hat seine Stichworte f&uuml;r die Rede in S&auml;tze gefasst. Teilweise sind es Stichworte geblieben. Sein Text ist eine sehr gute Arbeitsgrundlage f&uuml;r Mieterinitiativen und in der Sache engagierte Politiker, auch f&uuml;r Journalisten, die sich &uuml;ber dieses brisante Problem unterrichten wollen. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nWerner R&uuml;gemer holt damit einmal mehr politische Entscheidungen und Untaten ans Licht, die einem gro&szlig;en Teil unseres Volkes massiv geschadet haben und einige Wenige genauso massiv beg&uuml;nstigt haben. Was angefangen von der Regierung Kohl und fortgef&uuml;hrt von den Regierungen Schr&ouml;der und Merkel mit der Privatisierung der Wohnungsbest&auml;nde und der Streichung der Unterst&uuml;tzung f&uuml;r den sozialen Wohnungsbau verbrochen worden ist, geh&ouml;rt ins Rampenlicht der &Ouml;ffentlichkeit. Mit dieser Politik wurde die Republik ver&auml;ndert &ndash; sehr zum Schlechteren.<\/p><p>Es wird &uuml;brigens interessant sein zu beobachten, wie bei den Feierlichkeiten zu &bdquo;50 Jahre Bundesrepublik Deutschland&ldquo;, die in diesem Jahr anstehen, dieses Thema behandelt wird<\/p><p>Hier nun der Vortragstext von Werner R&uuml;gemer zum Thema.<\/p><p><strong>Wohnungsnotstand in Deutschland und notwendige Ma&szlig;nahmen<\/strong><\/p><p>Der Staat hat sich seit 30 Jahren aus dem regulierten Wohnungsbau zur&uuml;ckgezogen, f&ouml;rdert den freien privaten Wohnungsbau und die Steigerung der Wohn-Nebenkosten &ndash; und tr&auml;gt gleichzeitig dazu bei, dass die Einkommen im mittleren und unteren Bereich sinken. Insbesondere Studenten, Rentner, Arbeitslose, Niedrigl&ouml;hner befinden sich bereits seit l&auml;ngerem in einem Wohnungsnotstand &ndash; von der wachsenden Zahl der Wohnungslosen ganz abgesehen. Der Notstand w&uuml;rde weiter um sich greifen, wenn dem nicht heftig entgegengesteuert wird.<\/p><p><strong>Wer verursachte den Wohnungs-Notstand?<\/strong><\/p><p>Diese Entwicklung begann mit der Bundesregierung unter Helmut Kohl\/CDU: 1988 schaffte sie die Gemeinn&uuml;tzigkeit der Genossenschafts- und Werkswohnungen ab und erm&ouml;glichte den Verkauf. So kaufte der Millionen-Gro&szlig;spender Ehlerding\/Firma WCM 112.000 Wohnungen der privatisierten Deutschen Bahn &ndash; und &uuml;berwies die bis heute gr&ouml;&szlig;te Parteispende von 3,35 Millionen DM an die CDU.<\/p><p>Die Bundesregierung verkaufte unter Kanzler Schr&ouml;der\/SPD die 82.000 Wohnungen der Gagfah, der Wohnungsgesellschaft der Bundesanstalt f&uuml;r Angestellte (BfA). Die Berliner Landesregierung mit Finanzsenator Sarrazin\/SPD verkaufte 65.000 Wohnungen, die CDU\/FDP-Landesregierung von NRW verkaufte 91.000 Wohnungen ebenfalls an &bdquo;Heuschrecken&ldquo; aus USA und Gro&szlig;britannien: Whitehall, Permira, Fortress, Cerberus. Landesbanken verkauften Wohnungsbest&auml;nde: HSH Nordbank (Hamburg und Schleswig-Holstein), NordLB (Niedersachsen) Kommunen verkauften Wohnungen, z.B. Dresden 42.000. Noch 2012 hat die Gr&uuml;ne\/SPD-Landesregierung unter Finanzminister Schmid\/SPD in Baden-W&uuml;rttemberg 21.000 Wohnungen verkauft, ebenso 2013 die CSU-Regierung in Bayern unter Ministerpr&auml;sident Seehofer und Finanzminister S&ouml;der noch 33.000.<\/p><p><strong>Wohnungs-Privatisierung in Deutschland seit 1991<\/strong><\/p><p>1988 hob die Bundesregierung aus CDU\/CSU\/FDP die Gemeinn&uuml;tzigkeit &ouml;ffentlicher Wohnungen auf, verpflichtete sie auf Gewinnaussch&uuml;ttung und f&ouml;rderte den Verkauf.<\/p><table>\n<thead>\n<tr>\n<th>Jahr<\/th>\n<th>Verk&auml;ufer<\/th>\n<th>Bestand<\/th>\n<th>K&auml;ufer<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr>\n<td>1991<\/td>\n<td>Diverse St&auml;dte<\/td>\n<td>40.000<\/td>\n<td>CDU-Sponsor WCM<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>1998<\/td>\n<td>Bund\/Kohl<\/td>\n<td>112.600 Bahn-Wohnungen<\/td>\n<td>WCM\/Ehlerding<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>2001<\/td>\n<td>Bund\/Schr&ouml;der<\/td>\n<td>64.000 Bahn-Wohnungen<\/td>\n<td>Terra Firma<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>2004<\/td>\n<td>Berlin\/Sarrazin<\/td>\n<td>65.000 GSW<\/td>\n<td>Goldman Sachs<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>2004<\/td>\n<td>Bund\/Schr&ouml;der<\/td>\n<td>82.000 BfA\/Gagfah<\/td>\n<td>Fortress<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td>Thyssen Krupp<\/td>\n<td>48.000 Werkswohnungen<\/td>\n<td>Morgan Stanley<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td>Ehlerding\/WCM<\/td>\n<td>31.000 Bahn-Wohnungen<\/td>\n<td>Blackstone<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>2005<\/td>\n<td>HSH Nordbank<\/td>\n<td>18.000 GEHAG<\/td>\n<td>Oaktree Capital<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td>Eon\/Viterra<\/td>\n<td>138.000 Werkswohnungen<\/td>\n<td>Terra Firma<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td>Nord LB<\/td>\n<td>30.000 NILEG<\/td>\n<td>Fortress<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td>Baubecon<\/td>\n<td>23.400 Neue Heimat<\/td>\n<td>Cerberus<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>2006<\/td>\n<td>Stadt Dresden<\/td>\n<td>48.000 Woba<\/td>\n<td>Fortress<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>2008<\/td>\n<td>NRW\/R&uuml;ttgers<\/td>\n<td>91.000 LEG<\/td>\n<td>Whitehall\/Goldman Sachs<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>2012<\/td>\n<td>Landesbank BW<\/td>\n<td>21.000<\/td>\n<td>Patrizia<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>2013<\/td>\n<td>Bayern LB<\/td>\n<td>32.000 GBW<\/td>\n<td>Patrizia<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>2014<\/td>\n<td>Vitus\/DEWAG<\/td>\n<td>41.500 Kiel, Bremen<\/td>\n<td>Deutsche Annington<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>2015<\/td>\n<td>Patrizia<\/td>\n<td>20.000<\/td>\n<td>Deutsche Annington\t<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td>Dt. Annington<\/td>\n<td>300.000<\/td>\n<td>Vonovia<\/td>\n<\/tr><\/tbody>\n<\/table><p>Nach den &bdquo;Heuschrecken&ldquo; kauften die gr&ouml;&szlig;ten Kapitalorganisatoren wie Blackrock, Lansdowne, Masschusetts Financial, AXA, Norges die schon privatisierten Best&auml;nde auf und formten daraus Gro&szlig;konzerne. Blackrock &amp; Co sind seit 2015 gemeinsam und gleichzeitig die Eigent&uuml;mer der drei gr&ouml;&szlig;ten Wohnungskonzerne in deutschen St&auml;dten: Vonovia mit 400.000, Deutsche Wohnen mit 163.000, LEG in NRW mit 130.000 Wohnungen. Dazu kommen etwa schwedische Wohnungskonzerne wie Bonoba und Akelius sowie kleinere deutsche regionale Nachahmer und Mitl&auml;ufer.<\/p><p><strong>Wie werden die Mieten erh&ouml;ht?<\/strong><\/p><p>Die wichtigsten Methoden zur Mieterh&ouml;hung sind folgende:<\/p><ul>\n<li>Aufkauf in &bdquo;Schwarmst&auml;dten&ldquo;, wo Wohnungen sowieso schon knapp sind und wo der Zuzug auch wegen neuer Arbeitspl&auml;tze anh&auml;lt.<\/li>\n<li>Mieterh&ouml;hungen durch Modernisierungen bis 30 %.<\/li>\n<li>Umwandlung in Eigentumswohnungen und Verkauf &ndash; die bisherigen Mieter haben daf&uuml;r zu wenig Geld.<\/li>\n<li>Neubau von Eigentumswohnungen v.a. im Luxussegment<\/li>\n<li>Absicherung durch politischen Lobbyismus: Friedrich Merz als Vorsitzender der Blackrock Deutschland AG; J&uuml;rgen Fitschen (Ex-Chef Deutsche Bank) als AR-Vorsitzender Vonovia, &bdquo;weil erstklassig in der Politik vernetzt&ldquo;. Hildgard M&uuml;ller vom ZK der Deutschen Katholiken. Sponsor und Flaggen f&uuml;r Schalke-Stadion: &bdquo;Vonovia Ruhr-Stadion&ldquo;.<\/li>\n<li>Steuerflucht: Vonovia gliederte die Finanzoperationen in Deutschland in eine Tochterfirma in der Finanzoase Niederlande aus. Allein Blackrock hat seine 8 Prozent Aktienanteile an Vonovia auf  &uuml;ber 100 Briefkastenfirmen in Finanzoasen verteilt.<\/li>\n<li>Rechtsflucht: Vonovia gr&uuml;ndete ihre Dachgesellschaft Vonovia S.E. Societas Europaea um, in der keine Verpflichtung besteht, einen Betriebsrat nach dem BetrVerfG zu gr&uuml;nden.<\/li>\n<\/ul><p><strong>Nebenkosten als neues Gesch&auml;ftsfeld<\/strong><br>\nDie Nebenkosten werden als neues Gesch&auml;ftsfeld entwickelt. Hier f&uuml;hrt der Vonovia-Konzern: Er k&uuml;ndigte den bisherigen Dienstleistungsfirmen f&uuml;r Hausmeisterdienste, Reparaturen und Instandhaltung, Winterdienste, TV. Stattdessen gr&uuml;ndete Vonovia eigene neue Tochterfirmen mit Niedrigl&ouml;hnerei und &uuml;berh&ouml;hten Geb&uuml;hren. Teilweise wurde Vonovia zu R&uuml;ckzahlungen gezwungen wie in K&ouml;ln, allerdings nur nach langen Versuchen der Vertuschung.<\/p><p><strong>Weiterer Mietpreistreiber: Massentourismus<\/strong><br>\nDer weltgr&ouml;&szlig;te Vermittler von privaten und Hotel-Zimmern ist der US-Konzern AirBnB. (alternativ entstanden aus dem Konzept &bdquo;Luftmatratze mit Fr&uuml;hst&uuml;ck&ldquo;) Vermietung von Zimmern in Mietwohnungen v.a. in den Stadtzentren von Berlin, Hamburg, K&ouml;ln, M&uuml;nchen. Massenhafte Zweckentfremdung von Mietwohnungen. St&auml;dte &uuml;ben nicht genug Kontrolle aus. Es haben sich wie in K&ouml;ln bereits Initiativen von Mietern und Anwohnern gebildet.<\/p><p><strong>Ende des sozialen Wohnungsbaus<\/strong><br>\n1987 gab es in der alten Bundesrepublik 5,5 Millionen Sozialwohnungen. In der DDR waren Wohnungen billig. Doch mit der Wiedervereinigung wurden Ex-DDR-Wohnungen zum Spekulationsobjekt, vom Staat steuerlich gef&ouml;rdert. Der Sozialwohnungs-Bau wurde zur&uuml;ckgef&uuml;hrt. Heute gibt es noch 1,5 Millionen Sozialwohnungen, jedes Jahr fallen etwa 100.000 aus der Bindung heraus.<\/p><p>Einige Folgen:<\/p><ul>\n<li>Mieten und Nebenkosten fressen bis zu 60 Prozent des Einkommens auf. Mieter m&uuml;ssen sich bei Ern&auml;hrung und Lebensqualit&auml;t einschr&auml;nken. *Zus&auml;tzlich steigen die Transportkosten zum Arbeitsplatz, weil ein Umzug in die N&auml;he des Arbeitsplatzes in der anderen Stadt zu teuer ist. Z.B. in N&uuml;rnberg wohnen Menschen, die in M&uuml;nchen arbeiten, aber sich dort keine Wohnung leisten k&ouml;nnen, daf&uuml;r zahlen sie eine DB-Jahreskarte f&uuml;r 4.000 Euro und verpendeln 3 Stunden t&auml;glich von und zur Arbeit. Der Wohnungsnotstand ist auch ein Geld- und Zeitr&auml;uber.<\/li>\n<li>ALG II-Empf&auml;nger m&uuml;ssen einen Teil ihres Lebensunterhalts von 416 Euro monatlich abknapsen und f&uuml;r die Miete drauflegen, weil nach Jobcenter-Obergrenze keine bezahlbaren Wohnungen gefunden werden.<\/li>\n<li>Bei 100-Prozent-Sanktionen f&uuml;r ALG-II-Empf&auml;nger geht auch die Wohnung verloren. Gegen&uuml;ber 2014 stieg bis 2018 die Zahl der  Wohnungslosen um 150 Prozent auf &uuml;ber 800.000 an.<\/li>\n<li>2017 fanden 53.600 Zwangsr&auml;umungen statt.<\/li>\n<li>Millionen Mieter haben Wohnberechtigungsscheine oder Anspruch darauf. Aber es stehen keine Wohnungen zur Verf&uuml;gung. Dieses Vollzugsdefizit bedeutet das Nicht-Funktionieren des Rechtsstaats.<\/li>\n<\/ul><p><strong>Was tun Regierungen?<\/strong><br>\nVor allem die Bundes- und Landesregierungen und deren tragende Parteien sind verantwortlich f&uuml;r den Wohnungsnotstand. Die bisherigen Gegen-Ma&szlig;nahmen sind deshalb v&ouml;llig unzureichend.<\/p><ul>\n<li>Mietpreisbremse: Die Kontrollen sind zu gering. Die Ausnahmen (gilt nur in &bdquo;angespannten Wohnungslagen&ldquo;) sind zu zahlreich und kompliziert. Die  Umgehungsm&ouml;glichkeiten sind zu gro&szlig; (Modernisierungen, Umwandlung in Eigentumswohnungen). Bei Erstvermietung gilt sowieso keine Grenze.<\/li>\n<li>Bei Neuvermietung darf die Miete h&ouml;chstens 10 Prozent h&ouml;her liegen als beim Vormieter: Aber die Nachfrage ist so gro&szlig;, dass kaum Wohnungssuchende darauf bestehen.<\/li>\n<li>Modernisierungsumlage wird von 11 auf 8 Prozent gesenkt: Ein Tr&ouml;pfchen auf einen sehr hei&szlig;en Stein.<\/li>\n<li>Baukindergeld: Familien bekommen pro Kind 12.000 Euro, gestreckt auf 10 Jahre, wenn sie Wohnungseigentum erwerben. Die Einkommensobergrenze daf&uuml;r liegt bei 105.000 Euro j&auml;hrlich. Dies ist aber nur m&ouml;glich f&uuml;r Familien mit vergleichsweise hohem und sicherem Einkommen und Anfangsverm&ouml;gen, sonst gibt es keinen Bankkredit. Die maximal 36.000 Euro sind bestenfalls ein netter Mitnahmeeffekt f&uuml;r Besserverdiener.<\/li>\n<\/ul><p><strong>Was ist notwendig?<\/strong><\/p><ol>\n<li><em>R&uuml;ckabwicklung<\/em>\n<ul>\n<li>Staat muss private Wohnungsunternehmen zur&uuml;ckkaufen. Gerade der deutsche Staat kann Kredite zum Nullzins aufnehmen und kann Wohnungsfonds auflegen. So hat der Berliner Senat den R&uuml;ckkauf von 51.000 Wohnungen angek&uuml;ndigt.<\/li>\n<li>Bei einem Notstand muss auf die Gemeinwohl-Verpflichtung des Privateigentums zur&uuml;ckgegriffen werden: Enteignung gegen Entsch&auml;digung.<\/li>\n<li>Die Gemeinn&uuml;tzigkeit f&uuml;r kommunale Wohnungsunternehmen muss wieder hergestellt werden.<\/li>\n<li>Kommunen und Bundesl&auml;nder m&uuml;ssen neue gemeinn&uuml;tzige Wohnungs-Gesellschaften gr&uuml;nden.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li><em>Neue Ma&szlig;nahmen:<\/em>\n<ul>\n<li>Der soziale Wohnungsbau muss neu konzipiert und ausgebaut werden.<\/li>\n<li>Staat und Kommunen d&uuml;rfen Baugrundst&uuml;cke nicht mehr zum H&ouml;chstpreis verkaufen, sondern mit Auflagen f&uuml;r sozialen Wohnungsbau.<\/li>\n<li>Die staatlichen und kommunalen Verwaltungen m&uuml;ssen personell und in den Kompetenzen ausgebaut werden: Kontrolle der Wohnungszweckentfremdung, der missbr&auml;uchlichen Miet- und Nebenkostensteigerungen &ndash; und verbunden mit Strafzahlungen.<\/li>\n<li>Milieuschutz-Satzungen: F&uuml;r einzelne Stadtteile m&uuml;ssen zum Schutz der bisherigen Mieter (gegen &bdquo;Gentrifizierung&ldquo;) Kriterien f&uuml;r Verkauf, Neubau und Eigentumsumwandlung festgelegt werden.<\/li>\n<li>Grunderwerbsteuer: Das Holding-Privileg muss abgeschafft werden: Bisher k&ouml;nnen sich  Investoren von der Grunderwerbsteuer befreien, wenn der Kauf einer Immobilie &uuml;ber eine GmbH mit 90-Prozent-Beteiligung abgewickelt wird. Damit verlor z.B. der Landeshaushalt Berlin allein beim Verkauf des Sony-Centers am Potsdamer Platz an Investoren aus den USA und Kanada 66 Millionen Euro. Der Berliner Finanzsenator Matthias Kollatz\/SPD gestand ein: Wir wissen gar nicht, wieviele hundert Millionen Euro uns dadurch j&auml;hrlich verloren gehen.<\/li>\n<li>Grundsteuer: Sie muss nach dem Urteil des BVerfG neu geregelt werden, v.a. bezogen auf den wirklichen Grundst&uuml;ckswert in den St&auml;dten. Das w&uuml;rde den Kommunen Milliarden Euro einbringen.<\/li>\n<li>Zus&auml;tzlich muss die Bestimmung abgeschafft werden, dass die Wohnungseigent&uuml;mer die j&auml;hrliche Grundsteuer wie bisher auf die Mieter &uuml;berw&auml;lzen k&ouml;nnen.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ol><p><strong>Wer soll die notwendigen Ma&szlig;nahmen durchf&uuml;hren bzw. erzwingen?<\/strong><br>\nDie Regierungen m&uuml;ssen handeln. Aber sie werden das nur tun, wenn sie durch breite Bewegungen in der Bev&ouml;lkerung dazu gezwungen werden. Nach dem 1. Weltkrieg haben arme Kommunen gemeinn&uuml;tzige Wohnungsgesellschaften mit hunderttausenden Wohnungen gegr&uuml;ndet und den Wohnungsnotstand wesentlich gelindert. Was im armen Deutschland nach dem Krieg m&ouml;glich war, sollte nicht m&ouml;glich sein im reichen Deutschland heute?<\/p><p><em>Die Praktiken von Blackrock &amp; Co auch im deutschen und westeurop&auml;ischen Wohnungsmarkt hat Werner R&uuml;gemer ausf&uuml;hrlich geschildert in seinem neuen Buch &bdquo;Die Kapitalisten des 21. Jahrhunderts&ldquo;. Papyrossa-Verlag 2018, 357 Seiten, 19,90 Euro.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Werner R&uuml;gemer<\/strong> hielt am 16.1.2019 auf Einladung der SPD in Minden im B&uuml;rgerzentrum B&Uuml;Z ein Referat zum Wohnungsnotstand in Deutschland und zu notwendigen Gegenma&szlig;nahmen. Er hat seine Stichworte f&uuml;r die Rede in S&auml;tze gefasst. Teilweise sind es Stichworte geblieben. 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