{"id":48550,"date":"2019-01-19T11:45:48","date_gmt":"2019-01-19T10:45:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=48550"},"modified":"2019-01-22T09:09:11","modified_gmt":"2019-01-22T08:09:11","slug":"frontalangriff-auf-den-sozialen-frieden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=48550","title":{"rendered":"Frontalangriff auf den sozialen Frieden"},"content":{"rendered":"<p>In wohlkalkulierter Arbeitsteilung f&auml;hrt die aktuelle &ouml;sterreichische Regierung unter Sebastian Kurz (&Ouml;VP) und seinem Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FP&Ouml;) die Alpenrepublik geradezu mit Vollgas gegen die Wand. W&auml;hrend die einen den Part einer gnadenlos neoliberalen und damit eindeutig sozialdarwinistischen Agenda forcieren, bleibt es das Spielfeld der Anderen, mit nationalchauvinistischer Hetze die Gesellschaft zu spalten. &Ouml;sterreich droht die soziale und volkswirtschaftliche Regression. Von <strong>Norbert Wiersbin<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nNachdem schon unter Ausschluss einer parlamentarischen Debatte oder gar Beteiligung gewerkschaftlicher Sozialpartner im Handstreich die 60-Stundenwoche eingef&uuml;hrt wurde, treiben  Kurz und die mit ihm verb&uuml;ndeten Burschenschaften  im Eiltempo die Axt an die m&uuml;hsam erk&auml;mpften Errungenschaften des Sozialstaates. Dem unbefangenen Beobachter &uuml;berkommt die Ahnung, dass diese Truppe Zeitdruck versp&uuml;ren muss. Wie lange werden  deren Gebietsgewinne wohl noch zu verteidigen sein!?  Also wird im Sturm herangeklotzt:  Zun&auml;chst wird die Familienbeihilfe gek&uuml;rzt, dann die Notstandshilfe (entsprach in grauen Zeiten der deutschen Arbeitslosenhilfe) zur Disposition gestellt, nun steht eine &bdquo;Reform&ldquo; der  Mindestsicherung (zu Deutsch: Sozialhilfe) auf der Tagesordnung. W&auml;hrend Strache &amp; Kumpane die Notwendigkeit betonen, alles was nicht &ouml;sterreichisch ist, von den Segnungen des Sozialstaates auszugrenzen, drischt der Kanzler munter auf die Arbeitslosen ein. Diese  seien doch nur Langschl&auml;fer, blieben morgens lieber im Bett und lie&szlig;en sich durch die hart arbeitenden Beitragszahler in der sozialen H&auml;ngematte schaukeln. Kurz, der sich noch nie im Arbeitsleben hat verdingen m&uuml;ssen, sieht sich dabei selbstredend auf der Seite der Hackler (zu Deutsch: Malocher). Dass derzeit auf 370 Tsd. Jobsuchende ganze 70 Tsd. offene Stellen entfallen, kann da im selbsterzeugten Tumult schon einmal untergehen. Genau wie die Tatsache, dass von allen Leidtragenden der Leistungsk&uuml;rzungen ca. 90 % &Ouml;sterreicher sind und eben nicht die polemisch missbrauchte  Zielgruppe &bdquo;Ausl&auml;nder&ldquo;.  Wie auch immer: Es trifft &ndash; wie zu bef&uuml;rchten war &ndash; die &Auml;rmsten der Armen, wie auch diejenigen, die heute noch in Brot und Arbeit sind. Mit dem systematischen und gezielten Gegeneinander-Ausspielen wird der Keil immer tiefer in die Gesellschaft getrieben. Teile und herrsche, hei&szlig;t die  durchschaubare Strategie.<\/p><p>Wir Deutschen kennen das, &Ouml;sterreich ist uns, das sei mir als Piefke nachgesehen, um Jahre zur&uuml;ck. Wobei ich mir nat&uuml;rlich eindringlich w&uuml;nschen w&uuml;rde, dass die &Ouml;sis mal &uuml;ber den Berg schauen w&uuml;rden, bevor die Schandtaten des vermeintlich gro&szlig;en Bruders wiederholt werden. Aber mitnichten: &Ouml;sterreich ahmt nun den Irrsinn nach, der Deutschland schon vor Jahren in eine soziale Schieflage  gebracht  hat. <\/p><p>Nicht wenige Beobachter vermuten hinter dem jungen Kanzler alte Seilschaften: Den Ex-Kanzler Wolfgang Sch&uuml;ssel zum Beispiel, der als Chef der ersten &Ouml;VP\/FP&Ouml;-Koalition bereits anfangs der 2000er  Jahre verbrannte Erde hinterlassen hatte, die bis heute nicht wirklich gel&ouml;scht werden konnte. Oder auch die Hochfinanz, die mit &uuml;ppigen Spenden den &uuml;berfallartigen Wahlkampf des Empork&ouml;mmlings gesponsert hat. B&ouml;se Zungen sprechen gar von einem Putsch des Studienabbrechers und seinen Proteg&eacute;s. Nicht von ungef&auml;hr f&uuml;hlen sich die ewiggestrigen Vorsprecher der FP&Ouml; immer wieder berufen, darauf hinzuweisen, dass die &bdquo;alte &Ouml;VP&ldquo; (gemeint sind die parteiinternen Kritiker der Putschisten) noch nicht im t&uuml;rkisen Zeitalter angekommen sei. Will sagen: Ihr habt noch nicht verstanden, was unter uns alles m&ouml;glich ist. Norbert Hofer (FP&Ouml;), der nur knapp unterlegene Pr&auml;sidentschaftskandidat und bekennende Burschenschaftler, l&auml;sst immer wieder  nachhaltig gr&uuml;&szlig;en.<\/p><p>Aber ich will meine Leserschaft nicht in die gro&szlig;e Depression entlassen. Es gibt Anzeichen der Hoffnung, Zeichen des Aufbegehrens und des zivilgesellschaftlichen Widerstandes gegen diese verheerenden Entwicklungen. Ob es die regelm&auml;&szlig;igen Demonstrationen zigtausender Menschen gegen diese Regierung sind, die anschwellenden landesweiten Donnerstagsdemonstrationen (eine Wiederbelebung der Proteste gegen die Regierung Sch&uuml;ssel), ob  es die neuformierten &bdquo;Omas gegen Rechts&ldquo; sind, die unerm&uuml;dlich zu zivilem Ungehorsam aufrufen und inzwischen europaweit Beachtung finden, ob die eindringlichen Stimmen aus der Wissenschaft oder die eindeutigen Korrekturen der obersten Gerichte. Und nicht zu untersch&auml;tzen: Die Kritik der katholischen Gemeinde wird lauter, sollte die sich verfestigen, k&ouml;nnte es schon bald sehr eng werden f&uuml;r das derzeitige Machtgef&uuml;ge. Noch bist du nicht verloren, tu felix  austria!<\/p><p>Titelbild: Alexandros Michailidis\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In wohlkalkulierter Arbeitsteilung f&auml;hrt die aktuelle &ouml;sterreichische Regierung unter Sebastian Kurz (&Ouml;VP) und seinem Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FP&Ouml;) die Alpenrepublik geradezu mit Vollgas gegen die Wand. 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