{"id":48633,"date":"2019-01-23T09:00:58","date_gmt":"2019-01-23T08:00:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=48633"},"modified":"2019-01-23T12:01:16","modified_gmt":"2019-01-23T11:01:16","slug":"lesermails-zum-schlamassel-um-den-brexit-die-botschaft-der-meisten-austritt-muss-moeglich-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=48633","title":{"rendered":"Lesermails zum Schlamassel um den Brexit. Die Botschaft der Meisten: Austritt muss m\u00f6glich sein."},"content":{"rendered":"<p>Der Artikel &ndash; <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=48514\">Der unendliche Schlamassel um den Brexit zeigt: Die M&ouml;glichkeit des Austritts ist ein Irrsinn<\/a> &ndash; hat ein gro&szlig;es und auch kritisches Echo ausgel&ouml;st. Die Mehrheit der Lesermailsschreiber h&auml;lt die M&ouml;glichkeit des Austritts aus der EU f&uuml;r sehr wichtig. Dass ich das anders sehe, liegt schlicht daran, dass aus der Sicht der meisten Kritiker die Europ&auml;ische Gemeinschaft so etwas wie ein normales B&uuml;ndnis oder sogar nur ein Verein ist. Da sei es dann selbstverst&auml;ndlich, dass einzelne V&ouml;lker das B&uuml;ndnis auch wieder verlassen k&ouml;nnen m&uuml;ssten. Das sehe ich anders. Siehe am Ende der Zusammenstellung. &ndash; In einem wichtigen Punkt k&ouml;nnten wir mehrheitlich einer Meinung sein: die EU bedarf einer grundlegenden Ver&auml;nderung, man k&ouml;nnte von der Notwendigkeit einer Kulturrevolution sprechen. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nUm dieser Ver&auml;nderung &uuml;berhaupt n&auml;herzukommen, bedarf es einer umfassenden Information &uuml;ber den Zustand und die Defizite der EU. Zumindest diese Informationen sollten wir k&uuml;nftig zusammentragen und auf den NachDenkSeiten zur Verf&uuml;gung stellen.<br>\n<strong>Die EU hat heute ein viel zu gutes Image. Dies zu hinterfragen und zu kippen, w&auml;re die Voraussetzung f&uuml;r eine grundlegende Ver&auml;nderung.<\/strong><\/p><p>Es folgen jetzt viele, genau 15 Leserbriefe. Daran anschlie&szlig;end ganz am Ende noch ein paar erg&auml;nzende Bemerkungen von mir.<\/p><p><strong>1. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr Albrecht M&uuml;ller,<\/p><p>ich gebe Ihnen Recht, dass ein Austritt viel Arbeit macht und dass eine Alternative die Reform der EU w&auml;re.<\/p><p>Aber ist es wirklich so, dass es man aufgrund der vorauszusehenden Schwierigkeiten den Austritt gar nicht in Erw&auml;gung ziehen sollte? Egal welches Mitglied? Ist nicht ein Ende mit Schrecken besser, als ein Schrecken ohne Ende?<\/p><p>Ich setze keinen Pfifferling mehr in die Reformbarkeit dieser EU. Sie ist einfach zu gross und wird durch eine Elite bestimmt. Genau das ist meines Erachtens der falsche Weg. Der Weg in mehr Regionalit&auml;t, die &uuml;berschaubarer und steuerbarer durch den B&uuml;rger ist, ist die richtige Struktur, die der Korruption und der Elitenpolitik zumindest einen Rahmen vorgibt, in dem es schwieriger f&uuml;r sie wird. Beispiel ist die Schweiz mit ihren vielen Kompetenzen auf Gemeinde und kantonaler Ebene. Auch nicht das Goldene vom Ei, aber in einem globalen kapitalistischen System vielleicht die einzige Struktur, die die B&uuml;rgerdemokratie unterst&uuml;tzt. <\/p><p>Ausserdem finde ich Ihr Argument der jahrelangen Verflechtung schwach. Sicherlich werden grosse multinationale Firmen, die es sich leisten k&ouml;nnen, ihren Hauptsitz wechseln oder andere Reorganisationen durchf&uuml;hren, die Auswirkungen auf normale Besch&auml;ftigte haben. Trotzdem werden lokale Betriebe weiter existieren, und auch weiter exportieren k&ouml;nnen so lange sie gute Qualit&auml;t liefern. Personen, die in England leben, sollten sowieso England- und nicht EU-orientiert sein. Kein Normalb&uuml;rger f&auml;hrt jeden Tag von London nach Paris. Ich m&ouml;chte damit sagen, dass eine lokale Orientierung sowieso das ges&uuml;ndeste und nat&uuml;rlichste einer Gesellschaft ist und von 99% der Bev&ouml;lkerung auch gew&uuml;nscht wird. Auf diese lokale Orientierung hat der Brexit kaum oder keine Auswirkungen. F&uuml;r internationale Verbindungen gibt es Regeln, auch ausserhalb der EU. Auch hier ist die Schweiz ein Beispiel. <\/p><p>V0iele Gr&uuml;sse und vielen Dank f&uuml;r das Angebot der Nachdenkseiten<br>\nPeter Jordan<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>2. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Herr M&uuml;ller, <\/p><p>es mag sein, dass die M&ouml;glichkeit zum Austritt ein Irrsinn darstellt. F&uuml;r mich ist die reale EU derselbe Irrsinn. Mann k&ouml;nnte noch weiter gehen, sehr vieles in dieser Welt erscheint mir irrsinnig. <\/p><p>Sie schreiben: &ldquo;Die kritische Diagnose der EU ist berechtigt und dennoch ist die Aufl&ouml;sung dieser Staatengemeinschaft oder der Austritt aus ihr keine vern&uuml;nftige L&ouml;sung des Problems. Sehr viel vern&uuml;nftiger w&auml;re die grundlegende Reform der EU. Das ist leicht gesagt, aber schwer zu realisieren. Das ist mir klar. Aber manchmal hat man im politischen Leben nur die Wahl zwischen zwei ziemlich miesen Alternativen. Im konkreten Fall ist das so.&rdquo; <\/p><p>Die grundlegende Reform der EU ist in meinen Augen nicht nur nicht schwer zu realisieren, sie ist auf normalem (demokratischen) Wege gar nicht zu realisieren. Im Grunde wei&szlig; ich, dass Warren Buffett recht hat: &bdquo;Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg f&uuml;hrt, und wir gewinnen&rdquo;. <\/p><p>Den Kampf gegen die Ungerechtigkeiten dieser Welt kann man eigentlich nur f&uuml;hren, wenn man mit einer hohen Frustrationsschwelle gesegnet ist und einen unersch&uuml;tterlichen Glauben an das Gute im Menschen hat. Und mit dem Glauben ist das so eine Sache, wie wir seit rund 2000 Jahren wissen. <\/p><p>&Uuml;brigens habe ich mir vorgenomnen, wenn ich nur 2 miese Alternativen zu Wahl habe, also in Wirklichkeit keine, w&auml;hle ich nicht mehr. <\/p><p>Warum ich trotzdem noch Nachdenkseiten und in anderen nachdenkendswerten Portalen lese und warum ich in meinem Umfeld so manchen mit nachdenklichen Gedanken qu&auml;le, obwohl ich wei&szlig;, es ist f&uuml;r die Katz, liegt wohl haupts&auml;chlich an meiner rebellischen Natur. <\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en,<br>\nHans-Joachim M&uuml;ller <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>3. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr M&uuml;ller,<\/p><p>Ich denke, wir sollten den Austritt GB aus der EU nicht zu sehr &nbsp;dramatisieren. Die beteiligten &nbsp;Spieler (EU, EU-Staaten und GB) hatten gen&uuml;gend Zeit, die zweifelsohne mit dem BREXIT entstandenen &nbsp;Probleme zu l&ouml;sen. <\/p><p>Als Wladimir Putin die bei der Gr&uuml;ndung der UdSSR getroffene Festlegung, dass jede Sowjetrepublik die M&ouml;glichkeit habe, aus der Union auszutreten, scharf kritisierte und die Aufl&ouml;sung der UdSSR sinngem&auml;&szlig; als gr&ouml;&szlig;te geopolitische Katastrophe des 20. Jh. &nbsp;bezeichnete, wurde er in den westlichen Medien regelrecht verpr&uuml;gelt. Anfang der 90-iger Jahre erkl&auml;rte eine Sowjetrepublik nach der Anderen unter lautstarkem Jubel des Westens &nbsp;urpl&ouml;tzlich ihre Unabh&auml;ngigkeit. Die politische, menschliche, milit&auml;rische und wirtschaftliche Verflechtung&nbsp; war wesentlich fortgeschrittener als in der EU. Intensiv und gro&szlig; verhandelt wurde nicht. Welche Folgen das f&uuml;r die Menschen hatte, wissen wir. Auch heute noch gibt es gen&uuml;gend ungel&ouml;ste Konflikte (die Krim l&auml;sst gr&uuml;&szlig;en). Zur&uuml;ck zum BREXIT. &nbsp;Wie gesagt, die EU und GB h&auml;tten den Austritt zur Zufriedenheit aller Beteiligten regeln k&ouml;nnen, wenn es den politischen Willen gegeben h&auml;tte. Die EU war und ist an einer vern&uuml;nftigen Regelung nicht interessiert, eher aber an einer abschreckenden Situation f&uuml;r den Rest der EU. &nbsp;Nicht der BREXIT, sondern die EU ist das Problem. &nbsp;Das transatlantische GB kann von mir aus ihren politischen Einfluss in der EU deutlich &nbsp;verlieren. Die zwischenmenschlichen Probleme sind mit etwas Willen nicht unl&ouml;sbar. Der Knackpunkt ist die wirtschaftliche Verflechtung. Nicht die EU als ganzes treibt Handel mit GB, sondern die einzelnen EU-Mitglieder. Also h&auml;tten die handelspolitischen Beziehungen zwischen GB und den einzelnen Staaten verhandelt werden m&uuml;ssen. Wer zwingt den z.B. Deutschland, sich nicht auf eine Zollfreiheit mit GB &nbsp;zu einigen? Deutschland liefert einfach, wie gehabt, nach erfolgten Verhandlungen, &nbsp;Waren und Dienstleistungen an GB und umgekehrt. Es wird ja auch Handel mit der Schweiz oder Norwegen betrieben, ohne dass gleich die Welt untergeht. &nbsp;<\/p><p>Nein, das geht nicht, weil die EU voll die Kontrolle behalten &nbsp;und es den Briten zeigen will. Ach ja, da gibt es noch Artikel mit diesbez&uuml;glichen Bestimmungen. Im Falle Griechenlands h&auml;tten die EU-Oberen &nbsp;auf diese Artikel gepfiffen. Wenn sich Griechenland nicht &nbsp;unter das Diktat der Troika untergeordnet h&auml;tte, dann &hellip;.. War da nicht die Rede vom Rauswurf Griechenlands aus der EU? &nbsp;Ja, es ist sogar &nbsp;lautstark &nbsp;der Rauswurf von deutschen Medien\/ Politikern gefordert worden. <\/p><p>Die Linken, auch NDS, fordern die Reform der EU. Wie soll den das gehen? Die EU vertritt nun mal die Interessen der weltweit operierenden Konzerne und Banken, welche sich im Privatbesitz befinden und f&uuml;r m&auml;rchenhafte &nbsp;Renditen sorgen. &nbsp;Zur Not werden in der EU sogar die US-Interessen mehr verfolgt, als die der eigenen Mitglieder. Die EU wird, an den eigenen Widerspr&uuml;chen und unterschiedlichen Interessen der Staaten zu Grunde gehen. Noch h&auml;lt Deutschland alle gerade noch &nbsp;so bei der Stange, weil es aktuell von der EU profitiert. Das kann sich schnell &auml;ndern. Die EU ist nicht reformierbar, weil sie sich nicht reformieren l&auml;sst und weil &nbsp;das Kapital an einer Reform zu Gunsten der Massen kein Interesse hat. &nbsp;Es ist leider so.<\/p><p>Viele Gr&uuml;&szlig;e<br>\nV.Z.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>4. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr M&uuml;ller,<\/p><p>Ihr Artikel &bdquo;Die M&ouml;glichkeit des Austritts ist ein Irrsinn&ldquo; hat mich doch einigerma&szlig;en erstaunt, beziehen sie doch mit diesem Beitrag Position gegen das Selbstbestimmungsrecht der V&ouml;lker. Bisher hatte ich sie immer so verstanden, dass das Selbstbestimmungsrecht der V&ouml;lker &ndash; z.B. der Austritt der Krim aus der Ukraine &ndash; f&uuml;r sie ein hohes Gut darstellt. Jetzt erwecken sie bei mir den Eindruck, dass auch sie sich von den permanent erzeugten Brexit-Horrorszenarien haben beeindrucken lassen, die t&auml;glich in den Medien erzeugt werden. Diese Horrorszenarien reichen von IRA-Rentnern, die ihre Waffen wieder aus dem Keller holen, und den bewaffneten Kampf wieder beginnen, weil s&uuml;dirische LKW an der nordirischen Grenze vom Zoll kontrolliert werden, bis zu der d&auml;mlichen Aussage eines s&uuml;dirischen Journalisten vor 3 Tagen in der Ph&ouml;nix-Runde, dass man dann demn&auml;chst vielleicht eine Luftbr&uuml;cke brauche, wenn s&uuml;dirische LKW nicht mehr &uuml;ber Nordirland und England in die EU fahren k&ouml;nnten.<\/p><p>Ich bin erstaunt &uuml;ber die unangemessenen Aufregung, die der Austritt Gro&szlig;britanniens aus der EU erzeugt. Norwegen ist nicht in der EU, die Schweiz ist nicht in der EU, viele L&auml;nder der Welt sind nicht in der EU &ndash; und trotzdem funktioniert der Austausch mit der EU. Ich glaube, dass die Angstmache und die Horrorscenarien nur einem Zweck dienen: Andere EU-L&auml;nder, z.B. Italien sollen von &auml;hnlichen &Uuml;berlegungen abgeschreckt werden. Deswegen will die EU an den Briten ein Exempel statuieren. Denn mit einigen gutem Willen auf beiden Seiten, auch auf Seiten der EU, kann man all die Probleme l&ouml;sen, die sie in ihrem Artikel genannt haben &ndash; siehe die Beziehungen Norwegens oder der Schweiz zur EU.<\/p><p>Ich halte die EU f&uuml;r strukturell neoliberal, daf&uuml;r sorgen schon die EU-Vertr&auml;ge und die Unm&ouml;glichkeit, sie auch in 100 Jahren nicht mit einer linken Mehrheit in den EU-Staaten zu reformieren, weil viele EU-Regelungen nur einstimmig ge&auml;ndert werden k&ouml;nnen. Es reicht schon ein einziges Land unter den 27 Staaten, um linke Reformen in der EU zu verhindern. Wer an eine nach links reformierbare EU glaubt, gibt sich Illusionen hin. Jeremy Corwin sieht das schon realistischer: Er wei&szlig;, dass er innerhalb der EU weder die Wasserversorgung noch die Eisenbahn noch andere Infrastrukturbereiche verstaatlichen kann &ndash; weil EU-Recht das verbieten w&uuml;rde.<\/p><p>Auch ich halte einen europ&auml;ischen Staatenbund f&uuml;r w&uuml;nschenswert, nicht jedoch diese EU. Von mir aus kann diese strukturell neoliberale EU zerfallen &ndash; und auf ihren Tr&uuml;mmern kann dann eine neue EU entstehen, mit einer guten Verfassung, ohne die Vorgabe neoliberaler Strukturen und ohne die Vorgabe, die milit&auml;rische R&uuml;stung zu f&ouml;rdern. Aber ich verstehe, dass eine solche radikale Entwicklung ihrem ur-sozialdemokratischen Herzen weh tun w&uuml;rde.<\/p><p>Freundliche Gr&uuml;&szlig;e<br>\nHolger Kaschuge<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>5. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Guten Tag.<\/p><p>So sehr ich die Kommentare und Analysen von Hn. M&uuml;ller sonst sch&auml;tze, so sehr muss ich ihm bei diesem Artikel widersprechen.<\/p><p>Ich bin &Ouml;sterreicher, der schon vor dem EU-Beitritt &Ouml;sterreichs einige Jahre in Deutschland gearbeitet hat (und der daher auch die &bdquo;Segnungen&ldquo; des deutschen Pensionssystems ein wenig &bdquo;genie&szlig;en&ldquo; darf) und habe vielleicht auch deshalb eine andere Sichtweise, weil die EU (bzw. die Vorg&auml;ngerorganisationen) f&uuml;r mich nicht einfach &bdquo;immer&ldquo; schon da war, sondern ich vor der in &Ouml;sterreich stattfindenden Volksabstimmung bewusst Pro- und Kontraargumente anh&ouml;ren und abw&auml;gen konnte. Ein &ndash; wie sich jetzt herausstellt nur zu berechtigtes &ndash; Kontraargument war z.B. die von den Gegnern des Beitritts prophezeite Aufgabe der Neutralit&auml;t &Ouml;sterreichs. Genau das ist eingetreten und eine eigenst&auml;ndige Au&szlig;enpolitik wie in den 70er-Jahren ist heute nicht mehr m&ouml;glich. <\/p><p>Leider nicht eingetreten sind die Proargumente, die mich letztendlich zu meinem &bdquo;Ja&ldquo; zum Beitritt bewegten.<\/p><p>Weder gibt es die Sozialunion, die das Modell des europ&auml;ischen Sozialstaates weiterentwickelt und weiterverbreitet, noch gibt es eine EU, die unabh&auml;ngig von anderen M&auml;chten ist. Ganz im Gegenteil: jede Vereinheitlichung ist eine Nivellierung nach unten und ich &bdquo;erbe&ldquo; das US-Vasallentum der NATO-Staaten in der EU. <\/p><p>Zynisch zusammengefasst: ich halte die EU mittlerweile blo&szlig; noch f&uuml;r den zivilen Arm der NATO.<\/p><p>Deshalb ist es f&uuml;r mich prinzipiell gut, dass es die M&ouml;glichkeit eines Austritts gibt! Ein aus parteipolitischen Gr&uuml;nden (auch von Corbyn) &nbsp;verursachtes Chaos ist kein Argument dagegen.<\/p><p>Ich m&ouml;chte auch zu den angef&uuml;hrten Argumenten einzeln Stellung nehmen.<\/p><p>Erstens ist es nat&uuml;rlich richtig, dass ein Austritt ein kompliziertes Unterfangen ist. Allerdings ist auch der Beitritt ein kompliziertes Unterfangen, da der Beitrittskandidat sein Gesetze, Strukturen, Regeln an die der EU anpassen muss. Das ist zwar ein m&uuml;hsamer Prozess, aber er ist machbar. Genau so kann auch ein Austritt machbar sein. Au&szlig;erdem gibt es nat&uuml;rlich die M&ouml;glichkeit, bilaterale Regelungen zu treffen.<\/p><p>Zweitens ist das Argument mit den Schicksalen der Menschen und Unternehmen, die anders disponiert haben, in meinen Augen nicht schlagend, da vor manchmal raschen &Auml;nderungen der Lebensumst&auml;nde niemand gefeit ist. Damit h&auml;tte man auch gegen die Wiedervereinigung, die f&uuml;r viele B&uuml;rger der DDR genau das gebracht hat, argumentieren k&ouml;nnen. Und f&uuml;r viele Griechen hat der Verbleib in der EU ebenfalls eine radikale &Auml;nderung der Lebensumst&auml;nde gebracht. Ich wei&szlig;, dass Hr. M&uuml;ller die Behandlung der Griechen durch die EU unter Deutschland (verzeihen Sie diese Spitze) ablehnt, aber genau so ist die EU heute eben. Und auch hier gibt es die M&ouml;glichkeit, schlimmste Folgen durch Gesetze zu verhindern. In &Ouml;sterreich z.B. durch ein &bdquo;Brexit-Begleitgesetz&ldquo;.<\/p><p>Drittens &ndash; und das ist der wichtigste Punkt &ndash; ich sehe keine Kraft, die imstande w&auml;re, Druck auf die EU auszu&uuml;ben, sich in eine andere Richtung zu entwickeln. Zu hoffen, dass ein solcher Druck von Corbyn kommen k&ouml;nnte, ist nicht realistisch. Dazu ist er bei denen , die in der EU etwas zu sagen haben, viel zu sehr persona non grata.<\/p><p>Ich halte also ein &bdquo;Weiter so und hoffen wir das Beste&ldquo; f&uuml;r nicht zielf&uuml;hrend. <\/p><p>Und wenn &Auml;nderungen nur mit einer Verkleinerung der EU m&ouml;glich sind, dann soll es so sein.<\/p><p>MfG<br>\nHelmut Wolff<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>6. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Moin,<\/p><p>Ihrem Artikel &ldquo;Der unendliche Schlamassel um den Brexit zeigt: Die M&ouml;glichkeit des Austritts ist ein Irrsinn&rdquo; widerspreche ich. Dabei geht es mir gar nicht um den konkreten aktuellen Fall Gro&szlig;britannien. Man kann durchaus der Ansicht sein, dass der Brexit ein Irrsinn ist, aber in Ihrem Artikel geht es ja darum, dass es keinen Austritt aus der EU geben d&uuml;rfte. Und das kann meiner Ansicht nach nicht sein.<\/p><p>Die EU ist ein Staatenb&uuml;ndnis und es kann doch nicht sein, dass wenn Land X im Jahr Y der EU beigetreten ist, alle zuk&uuml;nftigen Generationen dieses Landes in der EU verbleiben M&Uuml;SSEN. Selbst aus Nationalstaaten sollte meiner Ansicht nach ein Austritt m&ouml;glich sein, wenn die Bev&ouml;lkerung eines Teilgebietes sich nicht mehr zugeh&ouml;rig f&uuml;hlt. Auch dies ist f&uuml;r mich eine Option, die in einer Demokratie jederzeit m&ouml;glich sein muss.<\/p><p>Dass ein solcher Austritt schwierig ist, widerspricht dem nicht. Im Fall von Gro&szlig;britannien bin ich im &uuml;brigen der &Uuml;berzeugung, dass die EU den Austrittsvertrag extra ung&uuml;nstig f&uuml;r Gro&szlig;britannien gestaltet hat, damit Nachahmer abgeschreckt werden. Ich bin durchaus der &Uuml;berzeugung, dass, w&auml;re guter Wille vorhanden, eine einfachere Vereinbarung m&ouml;glich gewesen w&auml;re.<\/p><p>Zur&uuml;ck zum Brexit: Ob eine Mehrheit von 51% f&uuml;r einen solchen Schritt ausreichend sein sollte, dar&uuml;ber kann man sicherlich streiten. Auch in anderen F&auml;llen bedarf es ja eine 2\/3tel oder 3\/4tel-Mehrheit. Die ver&auml;ndern sich dann auch meistens nicht so schnell. Auch sollte vereinbart werden, dass ein Austritt (oder ein eventueller Wiedereintritt) erst nach einer bestimmten Zeit (10 oder 20 Jahre) erfolgen kann, damit es nicht zu Ein-, Aus- und Wiedereintritt in rascher Folge kommt. Das w&uuml;rde die EU-Institutionen tats&auml;chlich zu sehr belasten.<\/p><p>Freundliche Gr&uuml;sse<br>\nRalf Henrichs<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>7. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Herr M&uuml;ller wendet sich vehement gegen die grunds&auml;tzliche M&ouml;glichkeit eines Austritts aus der EU. Andererseits gibt er zu, dass eine Reform kaum realisierbar ist, aber so sei es in der Politik nun einmal. Dem B&uuml;rger bleibt halt keine Wahl. Als Hauptargument f&uuml;hrt er an, viele Menschen m&uuml;ssten unter dem Austritt leiden. Was ist denn das f&uuml;r eine irrsinnige Logik! Wurde bisher nicht immer zu recht argumentiert, dass Millionen Menschen unter der neoliberalen Politik der EU und den undemokratischen Strukturen leiden m&uuml;ssen und dass gerade aufgrund dieser Strukturen grundlegende progressive Reformen gar nicht m&ouml;glich sind? Hat Herr M&uuml;ller denn das Leid der Griechen v&ouml;llig vergessen?&nbsp;<br>\n&nbsp;<br>\nEberhard Schwarz<\/p><p><em><strong>Anmerkung A. M.:<\/strong> Das Leid der Griechen habe ich ganz und gar nicht vergessen. Ich f&uuml;rchte nur, dass es bei einem Austritt aus der EU noch gr&ouml;&szlig;er w&uuml;rde. Wie ich geschrieben habe: so ist das manchmal im Leben, man hat nur die Wahl zwischen zwei miesen Situationen.<\/em><br>\n&#65279; <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>8. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr M&uuml;ller,<\/p><p>Ihr Text zum Brexit vom heutigen Donnerstag, dem 17. J&auml;nner 2019, erfordert meines Erachtens deutlichen Widerspruch.<\/p><p>Die Feststellung, schon die Austrittsoption sei Wahnsinn teile ich nicht nur nicht, sondern ich m&ouml;chte hierbei wirklich dringend und deutlich an die demokratischen Grundlagen und ihre Respektierung erinnern.<\/p><p>Zugegeben, die Mehrheit f&uuml;r den Brexit bei dessen Referendumsabfrage war nicht besonders komfortabel, aber sie war eindeutig genug, um selbst dem legalit&auml;ren Fl&uuml;gel der Remainders eindeutig klar zu machen: Mit einem Florida-Ansatz wie Dick Cheney und Bush junior 2001 gegen Al Gore (z&auml;hlen aufh&ouml;ren bzw solange in den &bdquo;richtigen&ldquo; Wahllokalen z&auml;hlen bis es reicht und dann einen Z&auml;hlschluss gerichtlich erzwingen) k&auml;men sie nicht weiter.<\/p><p>Gut so.<\/p><p>Ich gebe Ihnen recht, dass eine Ver&auml;nderung der katastrophal fehlkonstruierten EU dringend von N&ouml;ten ist, und ich gebe Ihnen sogar recht dass unsere Britischen Nachbarn mit ihrem demokratisch ausgedr&uuml;ckten &bdquo;Leave&ldquo; Willen in der Bev&ouml;lkerung dabei ausserordentlich hilfreich sein k&ouml;nnten &ndash; allein, Sie haben sich entschieden gehen zu wollen, und das ist zu respektieren wie der Wahlsieg der Hamas 2005 in Gaza beispielsweise, oder wie die vielerorts sehr starke AfD in Deutschland: Das verlassen des demokratischen Bodens geht gar nicht. Grunds&auml;tzlich nicht. Egal ob der demokratische Boden verlassen wird indem man die Gegner als &bdquo;Antidemokraten&ldquo; diffamiert, mit denen sich folglich nicht mehr auseinanderzusetzen w&auml;re, oder ob man die Frage der demokratischen Entscheidungsm&ouml;glichkeit grunds&auml;tzlich verneinen will.<\/p><p>Die Britische Bev&ouml;lkerung ist gebeten worden abzustimmen, und sie hat abgestimmt.<\/p><p>Vor der Britischen Bev&ouml;lkerung haben schon andere Nationen in Abstimmungen verschiedentlich sehr deutlich gemacht, was sie von der EU in ihrer derzeitigen Form halten, wenn sie denn gefragt worden sind, so beispielsweise die Franzosen und Niederl&auml;nder bei der deutlichen Ablehnung des damals noch &bdquo;EU-Verfassung&ldquo; genannten Lissabon-Vertrages. Und sie haben ihn NICHT wegen der Austrittsklausel abgelehnt, sondern als EU-Machwerk insgesamt.<\/p><p>Die -in ihren Grundz&uuml;gen antidemokratisch aufgebaute- EU der G&rsquo;sch&auml;ftlmacher und Sozialdumpingprofiteure hat stets nach solchen Klatschen entweder solange abstimmen lassen bis das Ergebnis dann doch noch passend gemacht werden konnte (eine Vorgehensweise die auch diesmal in Gro&szlig;britannien noch nicht vom Tisch ist), oder sie haben die Ergebnisse schlicht ignoriert und eben wie immer auch ohne die Zustimmung bzw gegen den vielerorts vielfach erkl&auml;rten Willen ihrer jeweiligen Bev&ouml;lkerungen in Br&uuml;ssel weiter an ihrem antidemokratischen, antisozialen neoliberalen G&rsquo;sch&auml;ftlmachers&uuml;ppchen herumgek&ouml;chelt.<\/p><p>Eine deutliche Versch&auml;rfung der antidemokratischen Vorgehensweise der EU hat sich nach der Bankenkrise 2008 ff vollzogen, insbesondere in Form des &bdquo;Handlings&ldquo; dieser Krise durch die Euro-Gruppe, und hier wiederum insbesondere durch deren erst &bdquo;Troika&ldquo; und sp&auml;ter &bdquo;die Institutionen&ldquo; genannten Henker und Vollstrecker:<\/p><p>in meiner Erinnerung gipfelt die antidemokratische Unversch&auml;mtheit in der eigentlich sogar strafrechtlich relevanten Behauptung Wolfgang Sch&auml;ubles 2015 nach dem Oxi-Referendum und der anschliessenden Wiederwahl der Syriza noch mit Yanis Varoufakis, Wahlen k&ouml;nnten und d&uuml;rften keinesfalls etwas an den Verh&auml;ltnissen &auml;ndern.<\/p><p>Einer EU entfliehen zu wollen, die massgeblich von solcherart antidemokratischen Tyrannen gepr&auml;gt und &uuml;ber ihre V&ouml;lker und Nationen gest&uuml;lpt wird ist ein ausserordentlich verst&auml;ndliches Ziel.<\/p><p>Das bereits angeklagte &bdquo;Handling&ldquo; der Banksterkrise samt Milliardengr&auml;bern an vielerlei Bankstandorten ohne jegliche M&ouml;glichkeit, jemals irgend eine Art R&uuml;ckgriff auf die verschleuderten Bankrettungsmilliarden nehmen zu k&ouml;nnen, die absolute Immunit&auml;t aller Henker und Vollstrecker der Troika bzw &bdquo;&ldquo;der Institutionen&ldquo;, der grunds&auml;tzliche Ausschluss auch nur der Pr&uuml;fung der Legitimit&auml;t all der aufgeb&uuml;rdeten Schulden nicht nur in Griechenland, sondern auch nat&uuml;rlich in Spanien, Irland, Portugal, Italien und anderswo, und dazu die fortgesetzte Hegemonie der selbstgef&auml;lligen Bundesdeutschen &bdquo;Bestwirtschafter&ldquo; auf Kosten der deutschen Mittelschicht- und Unterschicht sowie um so mehr auf Kosten der gesamten Eurozonenwirtschaften rundum mit deutlichen Auswirkungen auch zu lasten der Nicht-Euro Nachbarn lassen, ganz grunds&auml;tzlich, erst einmal an Flucht und Selbstrettung denken statt an den Versuch, dem h&auml;sslichen Deutschen ein verdammtes Drittes Mal innerhalb eines Jahrhunderts die Macht aus der tyrannisch indoktrinierenden Hand zu schlagen &ndash; auch wenn das schlussendlich der einzig gangbare Weg sein wird..<\/p><p>Selbst Spaniens Franquisten, Chiles Pinochetisten oder die Protagonisten der verschiedenen T&uuml;rkischen Milit&auml;rregierungen sind nicht derart sakrosankt und unverfolgbar wie die menschenverachtenden Troika-Vollstrecker, deren &Auml;gide sich in Griechenland zu einem gr&ouml;sseren Wirtschaftskraftverlust summiert als ihn die deutsche Besatzung im zweiten Weltkrieg zu verantworten hatte &ndash; von der Zahl der Menschenleben, die der Troikatyrannei zuzuordnen sind, durch nicht mehr erh&auml;ltlichen Lebenswichtigkeiten wie Insulin oder Cytostatika bis runter zur signifikant erh&ouml;hten Suizidrate seit Beginn des Troikaterrors ganz zu Schweigen.<\/p><p>So eine EU verlassen zu wollen ist legitim, ernstzunehmen und -so denn eine Entscheidung f&auml;llt wie die Britische gegen den Verbleib- unbedingt zu respektieren.<\/p><p>Die M&ouml;glichkeit einfach nicht anzubieten wie Sie implizieren hilft dabei f&uuml;rchte ich ganz und gar nicht &ndash; im Gegenteil.<\/p><p>So wie der Euro eine f&uuml;rchterliche Chim&auml;re ist, die zu t&ouml;ten dringend und schnellstens erforderlich w&auml;re, damit die anderen Teilnehmer ENDLICH wieder die M&ouml;glichkeit bek&auml;men, die Deutsche W&auml;hrung relativ dorthin zu zwingen wo sie hingeh&ouml;rt, so ist auch die EU insgesamt ein antidemokratisches Gebilde, das im schlimmsten Fall als gescheiterter Versuch zerschlagen geh&ouml;rt, anstatt seine Teilnehmer auf Gedeih und Verderb zusammenzuzwingen.<\/p><p>Wie Heiner Flassbeck so sch&ouml;n &uuml;ber Deutschland schreibt: Mit diesen Deutschen ist keine W&auml;hrungsunion zu machen. Ebenso muss man leider feststellen, dass mit diesen Deutschen auch jenseits des Euro kaum ein Europa zu machen ist, sei das die offizielle Russophobie, sei es die himmelschreiende Wirtschaftsignoranz in Tateinheit mit der missionarischen Penetranz, auch alle anderen unter die Knute einer vollkommen fiktiven &bdquo;Wettbewerbsf&auml;higkeit&rdquo; zwingen zu wollen, oder gar die &bdquo;wir-schaffen-das&ldquo; Gr&ouml;ssenphantasie von 2015, die als Einzelfaktor eines der wesentlichsten Argumente f&uuml;r die Brexitieers war und auch bei anderen Nachbarn dazu gef&uuml;hrt hat, in Italien beispielsweise einen gewissen Salvini als eine der wichtigsten Verbesserungen der neuen Doppelaussenregierung der Anti-Establishment-Parteien wahrzunehmen &ndash; landesweit und fl&uuml;gel&uuml;bergeifend, wenn man die Leute in der Bar bzw. den sprichw&ouml;rtlichen kleinen Mann auf der italienischen Strasse fragt.<\/p><p>Das sollte uns zu Denken geben, wie ich meine.<\/p><p>Die Frage nach der Souver&auml;nit&auml;t der einzelnen Teilnehmer ist dabei noch gar nicht mal angeschnitten worden.<\/p><p>Der Souver&auml;n, in demokratisch verfassten Nationalstaaten gemeinhin also der W&auml;hler, von dem alle Macht auszugehen habe, will nun mal nicht dass seine Macht durch die Amts- und W&uuml;rdentr&auml;ger auf die er seine souver&auml;ne Macht qua Wahl &uuml;bertr&auml;gt, in Br&uuml;ssel willf&auml;hrig zu Markte getragen wird &ndash; deshalb insbesondere bei Europawahlen die bekannt noch extremeren Ergebnisse als sie inzwischen auch europaweit bei nationalen Wahlen zu verzeichnen sind.<\/p><p>Der Idee, diese Art der Willensentscheidung gegen die weitere Teilnahme bzw. f&uuml;r ein Ausscheiden grunds&auml;tzlich nicht zuzulassen ist daher eine klare Absage zu erteilen wie ich f&uuml;rchte: Die anderen, also die Antidemokraten, haben gewonnen in dem Moment, in dem wir (die Demokraten) beginnen, uns ihrer Methoden zu bedienen.<\/p><p>Diese Dilemma ist eines der am schwersten verdaulichen, das ist mir dabei vollkommen bewusst.<\/p><p>Die Terroristen dieser Welt allerdings haben ebenfalls in dem Moment gewonnen, in dem der -bis dahin &uuml;berwiegend als solcher anerkannte- Weltpolizist U.S.A. beginnt, sich der Methoden der Terroristen zu bedienen, beispielsweise geheim Gericht zu halten und dann mit weltweitem Drohnenterror gegen vermeintliche &bdquo;Feinde&ldquo; &bdquo;Todesurteile&rdquo; zu &bdquo;vollstrecken&rdquo;, deren Zustandekommen jeglicher verfassungstreuen Jurisdiktion Hohn sprechen &ndash; reinster Terrorismus. Das ist also das Niveau das wir erreichen wenn wir uns der Methodik unserer Feinde bedienen.<\/p><p>Das aber ist die Aussicht, wenn grunds&auml;tzliche Entscheidungen wie der Austritt aus einer f&uuml;r den Einzelnen sch&auml;dlichen Zwangsgemeinschaft demokratisch nicht mehr m&ouml;glich sein sollen.<\/p><p>Selbst wenn der Einzelne die m&ouml;glichen Folgen anders einsch&auml;tzt als die Eliten seines oder anderer beteiligten L&auml;nder: Demokratie ist Demokratie, und sollte nicht in Frage gestellt werden nur weil sich einige aus welchen Gr&uuml;nden auch immer Sorgen machen, selbst wenn die Sorgen, wie Ihre, sehr geehrter Herr M&uuml;ller, im h&ouml;chsten Masse gut gemeint sind.<\/p><p>Mit freundlichem Gruss<br>\nMichael Scheuer<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>9. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Herr M&uuml;ller,<\/p><p>danke f&uuml;r Ihren Artikel &uuml;ber den Brexit.<\/p><p>Ich bin da anderer Meinung und sehe die Probleme eher im Verhalten der Administration bzw. Merkel, Juncker und anderen Beteiligten, als bei Frau May, bzw. GB.<\/p><p>Warum kann man May mit ihren Forderungen nicht entgegenkommen um ein Drama in der englischen, vielleicht auch westl. Wirtschaft zu verhindern?<\/p><p>Warum sind diese Vertreter der EU so verbissen und kleinkariert und treten noch nach, obwohl gesehen wird, dass es May &uuml;beraus schwer hat, mit ihren auch ge&auml;nderten Vorschl&auml;gen, ihr nicht entgegenkommen und einfach im Regen stehen lassen? <\/p><p>Wie peinlich zu sehen und zu lesen, wie Merkel May auf ihrem Kurzbesuch in Berlin abblitzen lie&szlig; und auch Juncker kein gutes Wort f&uuml;r sie fand! So was nennt man Strafe! Wo blieb das demokratische Bewusstsein bei Merkel, bei Juncker?<\/p><p>Dieser &bdquo;Irrsinn und unendliche Schamassel&ldquo; ist eine bewusst inszenierte Aktion, um andere L&auml;nder einzusch&uuml;chtern. Dass sie es nicht wagen sollen, es GB nachzumachen!<\/p><p>Mir w&auml;re es sehr recht gewesen, wenn auch &nbsp;Griechenland diesen Schritt zum Austritt aus der EU gegangen w&auml;re. Leider haben die sich nicht getraut und lieber zugeschaut, wie Land und Leute zugrunde gehen.<\/p><p>Es wird interessant sein zu sehen, was nun mit Italien geschieht. Der Haushalt ist von der EU-Kommission abgelehnt worden. Es soll gespart werden, wohl wissend, dass damit eine &Auml;ra der Massenarbeitslosigkeit und Massenarmut und Widerstand in Italien beginnt.<\/p><p>Wer will denn als verantwortungsvoller Pr&auml;sident seines Landes &nbsp;mit so einer negativen, unsolidarischen, raffgierigen, kriegerischen Organisation wie der EU noch ernsthaft zusammenarbeiten wollen?<\/p><p>Im Meinungsstreit und bei Trennungen kommt die Wahrheit ans Licht. Dann sieht man sehr genau, wie fair jemand streitet und k&auml;mpft. Die EU, bzw. deren Vertreter, die diesen Brexit regeln sollen, zeigen nun ihr wahres Gesicht. Sie sind engstirnig und vor allen Dingen, rachs&uuml;chtig und wollen es dem Gegner May und GB so schwer und schlimm wie m&ouml;glich machen. <\/p><p>Scheidungen k&ouml;nnen &auml;hnlich schlimm ablaufen. Kluge Anw&auml;lte raten dann zu einer Mediation, die beiden Seiten zeigt, wie fair und anst&auml;ndig und zugunsten beider Seiten, sich getrennt werden kann.<\/p><p>Leider findet das &nbsp;bei dieser Trennung GB-EU nicht statt. Es sollte gesetzlich vorgeschrieben werden: Kein Austritt aus der EU ohne begleitende Mediation! Dann k&ouml;nnten beide Seiten Gr&ouml;&szlig;e zeigen und niemandem w&uuml;rde geschadet. Doch so wie jetzt zeigt sich die EU als das, was sie ist und niemals sein darf: Diktatorisch- autorit&auml;r, uneinsichtig, uneinf&uuml;hlsam, unfair, verlogen, &uuml;ber Leichen gehend und knallhart. So geht man mit anderen L&auml;ndern einfach nicht um!<\/p><p>Deutschland sollte so einen &bdquo;Verein EU&ldquo; auch verlassen. Ich will so ein krankes Gebilde f&uuml;r unsere Gesellschaft nicht.<\/p><p>Beste Gr&uuml;&szlig;e<br>\nKarola Schramm<\/p><p>Lieber Herr M&uuml;ller,<\/p><p>Und zum guten Schluss noch <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=oRVv6ct6CZ4\">hier ein Youtube Interview mit Flassbeck<\/a>, in dem auch &uuml;ber den Brexit gesprochen wird. Besser nicht, meint Flassbeck, aber wenn doch &ndash; dann bitte mit freundlichen Hilfen. <\/p><p>In diesem Sinn hat er das vorweg genommen, was GB nicht gew&auml;hrt wurde und gew&auml;hrt werden soll: Mit netter, freundlicher Hilfe der EU-Kommission den Brexit geschehen zu lassen.<\/p><p>Freundliche Gr&uuml;&szlig;e<br>\nKarola Schramm<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>10. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Liebe NDS Redaktion, speziell Herren M&uuml;ller und Berger<\/p><p>erlauben Sie mir ein paar Gedanken aus franz&ouml;sischer, rein pers&ouml;nlicher Sicht zum Brexit. Ihre Stellungnahmen sind eindeutig deutsche Sichtweisen, und diesmal muss ich auch hinzuf&uuml;gen: deutscher Mainstream. Man hat den Eindruck dass nicht einmal die M&ouml;glichkeit eines Brexit jemals bis zu Ende gedacht wurde, mit allen Vor-und Nachteilen. Was nicht sein darf , gibt es auch nicht. Gibt es aber doch!<\/p><p>Ich bin auch durchaus Ihrer Meinung dass die englischen Parlamentarier ein unw&uuml;rdiges Schauspiel auff&uuml;hren. Und trotzdem bleibt als Fakt dass das britische Volk f&uuml;r den Brexit gestimmt hat, ob knapp oder nicht, ob manipuliert oder nicht und vor allem heute wohl auch erneut daf&uuml;r stimmen w&uuml;rde. Mit oder ohne Wahlmanipulation, diesmal von EU Seite. So what? <\/p><p>Dar&uuml;berhinaus haben sie eine Premierministerin die, obwohl sie pers&ouml;nlich gegen den Brexit war, die Aufgabe &uuml;bernehmen will dieses Abstimmungsergebnis so gut wie m&ouml;glich umzusetzen. Eigentlich eine demokratische Selbstverst&auml;ndlichkeit, scheint aber nicht mehr zu gelten. Und viel geholfen wird ihr auch nicht dabei, weder zu Hause noch in Br&uuml;ssel. Vor allem nicht in Br&uuml;ssel (und Berlin?) Unsere Erfahrung in 2005 war da eine ganz andere: ein gegen alle Erwartungen abgelehnter neuer EU Vertrag wurde &uuml;ber ein Referendum abgelehnt , Verh&auml;ltnis 55\/45. Eigentlich ein klares Votum. Sie wissen was draus gemacht wurde. Unsere Verantwortlichen haben alles getan um dieses Ergebnis NICHT in eine neue konkrete EU Politik zu verwandeln . Zur Erinnerung: abgelehnt wurde nicht der europ&auml;ische Gedanke, sondern das auf ewige Zeiten festgeschriebene Wirstschaftscredo des freien Handels &ldquo; concurrence libre et non fauss&eacute;e&ldquo; dass den neoliberalen Wirschftskriminellen T&uuml;r und Tor &ouml;ffnen sollte. Und jetzt haben wir die &bdquo;gilets jaunes&ldquo; und die werden auch nicht so schnell wieder verschwinden. Denn was soll Macron denn auch machen? Er KANN ja gar nichts anderes als EU Vorgaben umsetzen. Denn wir haben ja Schulden, ach ja ! <\/p><p>Und nun zu Ihrem Aufschrei gegen den Austrittsparagraphen. Da bin ich nun absolut nicht Ihrer Meinung, es kann kein Vertragswerk dass die Souver&auml;nit&auml;t des Staates betrifft , hier w&uuml;rde man von der &bdquo;Nation&ldquo; sprechen, ohne eine M&ouml;glichkeit der &Auml;nderung oder des eindeutigen Ausstiegs geben. Dass die Bedingungen entsprechend restriktiv sein k&ouml;nnen bzw. m&uuml;ssen ist auch klar. Dieses europ&auml;ische Nachkriegsprojekt ist eine grossartige Sache gewesen,aber es ist ein Projekt dass sich anders entwickelt hat als wir es verstanden haben und es muss erlaubt sein es erstens auf den Pr&uuml;fstand zu legen , und zweitens zu verlassen . Aus welchen Gr&uuml;nden auch immer. &Uuml;brigens w&auml;re ich auch f&uuml;r eine Rausschmissklausel&hellip;. <\/p><p>Ich verstehe sehr wohl die Gefahr einer Aufl&ouml;sung der EU, bin auch nicht daf&uuml;r. Aber ich hoffe dass ein schlussendlich akzeptabler Brexit uns auch die M&ouml;glichkeit bietet endlich das Rad anders zu drehen und uns wieder an die gemeinsamen Ziele zu erinnern: Kooperation statt Konkurrenz aller gegen alle, Frieden unter uns und Frieden stiften wo immer wir k&ouml;nnen statt Kriege zu f&ouml;rdern, sozialer Fortschritt f&uuml;r alle und nicht nur f&uuml;r eine kleine Minderheit, endlich den Klimawandel von der richtigen Seite angehen usw. usw. Das alles geht aber nur auf freiwilliger Basis und wahrscheinlich auch erst nachdem das Europroblem aus nichtdeutscher Sicht angegangen wird. Sonst haben wir nach dem Brexit bald einen Euroexit von Italien und den franz&ouml;sischen gleich hinterher.<\/p><p>Zur&uuml;ck zum Brexit: die Briten waren am Anfang der EU nicht dabei, haben erst mal wait and see gespielt, machen wir es diesmal umgekehrt, sie gehen und wir wait and see.<\/p><p>Mit besten Gr&uuml;ssen aus Toulouse,<br>\nJutta Dumas<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>11. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr M&uuml;ller<\/p><p>Ich kann mich Ihrer Einsch&auml;tzung nicht anschliessen, wonach die M&ouml;glichkeit eines Austrittes aus einem B&uuml;ndnis ein Fehler sein soll. Man muss doch einem Staat und einem Staatsvolk die M&ouml;glichkeit geben, B&uuml;ndnisse zu schliessen und aufzul&ouml;sen. Das ist f&uuml;r mich ein Grundrecht, ohne das jegliche einzelstaatliche Souver&auml;nit&auml;t aufh&ouml;rt zu sein. Ist diese so wenig wert in Ihren Augen? Und wenn ein Land wie Irland den Vertrag von Maastricht ablehnt und dann &ndash; weil Br&uuml;ssel das Ergebnis nicht passt &ndash; ein zweites Mal abstimmen muss, nach intensiver monatelanger Pro-Maastricht-Propaganda, und dann annimmt. Das soll dann in Ihren Augen eine ewig g&uuml;ltige Entscheidung sein, die ebenfalls das Leben von Millionen von Menschen und vielen Generationen beeinflusst? Und sind Sie sicher, dass der Grexit f&uuml;r die Griechen nicht die bessere L&ouml;sung gewesen w&auml;re? Ich nicht. Demokratisch verfasste Selbstbestimmung ist f&uuml;r mich ein sehr hohes Gut, f&uuml;r das sich zu k&auml;mpfen lohnt. Sehen Sie das anders oder verstehe ich Sie falsch?<\/p><p>Mit grossem Respekt f&uuml;r Sie und f&uuml;r die NDS und mit freundlichen Gr&uuml;ssen <\/p><p>Rainer Fribolin<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>12. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Herr M&uuml;ller, <\/p><p>sie schreiben, dass sich viele &uuml;ber ihren Artikel wundern werden, ich geh&ouml;re dazu. Sie sagen, dass es die M&ouml;glichkeit des Austritts aus der EU nicht h&auml;tte geben d&uuml;rfen.<\/p><p>Nun gibt es diese M&ouml;glichkeit, und wir m&uuml;ssen damit umgehen. <\/p><p>Die Briten haben demokratisch abgestimmt, die EU zu verlassen. Auch, wenn diese Entscheidung knapp war, muss sie respektiert werden. <\/p><p>Ich glaube, dass die EU den Druck von unten braucht, damit sich etwas grunds&auml;tzlich &auml;ndert. Sie meinen, dass die EU grunds&auml;tzlich reformiert werden soll. Ich meine das ist eine Illusion.Die EU ist ein neoliberales Projekt, das die Marktwirtschaft in ihren Vertr&auml;gen (Lissabonner Vertrag) als Wirtschaftsform festgeschrieben hat. Somit werden alle Angelegenheiten der &Ouml;konomie untergeordnet (marktkonforme Demokratie). Die Demokratie spielt dabei eine Nebenrolle und bleibt h&auml;ufig auf der Strecke. Die EU mischt sich bis hin zu den Kommunen in wirtschaftliche und soziale Zusammenh&auml;nge ein. Die Menschen sp&uuml;ren dies erst, wenn sie davon betroffen sind, wenn z.B. &uuml;ber den R&uuml;ckkauf von Stromnetzen abgestimmt wurde, dann aber pl&ouml;tzlich der R&uuml;ckkauf europaweit ausgeschrieben werden muss und der alte Besitzer den Zuschlag bekommt.<\/p><p>Ich denke mit einer Reform ist es da nicht getan. Die EU muss neu gegr&uuml;ndet werden. Druck von unten wird da n&ouml;tig sein. Die Brexitdebatte kann dabei hilfreich sein. Dabei muss der Focus auf dem neoliberalen, undemokratischen und intransparenten Charakter der EU liegen.<\/p><p>Rolf Urban, Glinde<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>13. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter M&uuml;ller,<\/p><p>hier f&uuml;hrt Ihnen die Demokratie in Frankreich vor Augen, wie unm&ouml;glich es ist, diese EU, <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Polizeigewalt-gegen-Proteste-der-Gelbwesten-Reihenweise-Verstuemmelungen-4281441.html?seite=all\">respektive diese &ldquo;Demokratie&rdquo;, zu reformieren<\/a>.<\/p><p>Ich w&uuml;rde behaupten: Eine &Auml;nderung dieser EU ist nur mit einem hohen Blutzoll machbar. Oder meinen Sie, dass sich die Damen und Herren ihren schwer erarbeiteten Leistungslohn von einer Horde mit gelben Westen wegnehmen lassen?<\/p><p>Ich w&uuml;nsche ein erholsames Wochenende.<\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nJan Skalla<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>14. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Albrecht M&uuml;ller,<\/p><p>als langj&auml;hriger Leser der Nachdenkseiten hat mich Ihr Artikel zum Brexit etwas irritiert. Wenn ich Ihre Kommentare zu bestimmten Zust&auml;nden (bspw. Arbeitsbedingungen der Trucker\/ Postzusteller aus Osteuropa) in der EU noch in Erinnerung habe, sagen Sie immer: &bdquo;&hellip;Diese EU braucht kein Mensch&hellip;&ldquo;. Aber jetzt soll der Austritt aus der EU pl&ouml;tzlich Irrsinn sein? Sicher, der Austritt aus der EU wurde von Hardlinern innerhalb der Torries organisiert. Der Brexit hat aber auch gezeigt, das die Erpressungsstrategie der EU gescheitert ist. Junker, Merkel, Tusk u. a. ging es nur darum, die Interessen der europ&auml;ischen Gro&szlig;konzerne (wie in Griechenland) zu retten. Au&szlig;erdem sollte ein Exempel statuiert werden, um andere L&auml;nder (Italien: Streit um Haushaltsdefizit) vom Austritt abzuschrecken.<\/p><p>Ist aber nicht genau dieser Austritt die eigentliche Chance f&uuml;r Labour unter Jeremy Corbin? Besteht hier nicht die M&ouml;glichkeit, (mit Druck der Stra&szlig;e\/ Arbeiterbewegung, siehe Gelbwesten) die neoliberalen Knebelvertr&auml;ge der EU (Defizitkriterien, Schuldenbremse, keine Staatsfinanzierung, etc) zu beenden. Warum soll Labour f&uuml;r einen Verbleib von GB in der EU eintreten und auf &bdquo;Reformen&ldquo; innerhalb dieser neoliberalen EU der 27 hoffen? Warum sollen Linke Parteien immer den Herzschrittmacher f&uuml;r den antagonistischen Neoliberalismus spielen? Negativbeispiel: Die Wahlverluste der PDS nach der Koalition mit der SPD in Berlin.<\/p><p>Labour mu&szlig; die Unzufriedenheit der Bev&ouml;lkerung &uuml;ber die schlechten Lebensbedingungen nutzen. Es mu&szlig; diese Massen mobilisieren und den Druck der Stra&szlig;e erh&ouml;hen. Frankreich macht das gerade vor. Passive Linkskr&auml;fte und angepasste Gewerkschaften st&auml;rken nur die Rechten.<\/p><p>Freundliche Gr&uuml;&szlig;e.<br>\nBodo M&uuml;ller<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>15. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrte Damen und Herren,<\/p><p>schon bei der &Uuml;berschrift habe ich mich gefragt, ob dieser Stil zu den NDS passt. Es ist schon traurig, wenn eine Selbstverst&auml;ndlichkeit, n&auml;mlich die M&ouml;glichkeit, einen Vertrag, der von Menschen gemacht wurde, k&uuml;ndigen zu k&ouml;nnen, als Irrsinn bezeichnet wird. Meines Erachtens muss in Demokratien jeder Vertrag &auml;nderbar und k&uuml;ndbar sein.<\/p><p>Als anma&szlig;end empfinde ich es, Vereinbarungen zu treffen oder Vertr&auml;ge zu schlie&szlig;en, die unk&uuml;ndbar sein sollen. Niemand kann die Ver&auml;nderungen der folgenden Jahre und Jahrzehnte voraussagen. Die Menschen, die nachfolgenden Generationen, brauchen immer die M&ouml;glichkeit, ihre Geschicke m&ouml;glichst weitgehend selbst zu bestimmen.<\/p><p>Auch einen Vorsprung von 1.269.501 Stimmen, entsprechend 3,78 Prozentpunkte, als winzig zu bezeichnen, wirkt nicht gerade seri&ouml;s. Wenn ein paar (Hundert) EU-Funktion&auml;re, gew&auml;hlt oder nicht, Millionen von Menschen in die EU aufnehmen, in den betreffenden und den alten EU-L&auml;ndern keine Volksabstimmung dazu stattfindet, dann ist wohl alles im Lot. Die Menschen sollen laut Albrecht M&uuml;ller an die EU gebunden sein, da sie ja nicht wieder hinaus d&uuml;rfen. Hier offenbart sich ein merkw&uuml;rdiges Demokratieverst&auml;ndnis.<\/p><p>Viele Gr&uuml;&szlig;e<br>\nDietmar Siefert<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><em><strong>Abschlie&szlig;ende Anmerkungen von Albrecht M&uuml;ller:<\/strong><\/em><\/p><p><em>Die in den meisten Leserbriefen erkennbare Differenz zu meinem Artikel wird im letzten Leserbrief pr&auml;gnant formuliert: ein Vertrag, der von Menschen gemacht wurde, muss auch k&uuml;ndbar sein. Drastisch ist das auch im Leserbrief von Michael Scheuer formuliert, bezogen auf Sch&auml;ubles Umgang mit Griechenland:<\/em><\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Einer EU entfliehen zu wollen, die massgeblich von solcherart antidemokratischen Tyrannen gepr&auml;gt und &uuml;ber ihre V&ouml;lker und Nationen gest&uuml;lpt wird, ist ein ausserordentlich verst&auml;ndliches Ziel.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><em><strong>Ich verstehe das ja alles, m&ouml;chte aber daran erinnern, dass die Europ&auml;ische Vereinigung nicht als Verein angelegt war, in den man eintreten und austreten kann, wie man will. Die europ&auml;ische Vereinigung ist mehr als ein zeitlich begrenzter Zweckverband.<\/strong> Als etwas &auml;lterer Zeitgenosse will ich an dieser Stelle ein paar pers&ouml;nliche Anmerkungen machen: Mein Gro&szlig;vater, dem ich als Zw&ouml;lfj&auml;hriger am Krankenbett gelegentlich Erfrischungen reichte, erz&auml;hlte mir oft von den Kriegen zwischen uns, den Deutschen, und den Franzosen, den &bdquo;Welschen&ldquo;, wie man das im S&uuml;dwesten nannte. Obwohl er einen seiner S&ouml;hne schon im Ersten Weltkrieg verloren hatte, war er auch nach dem Zweiten Weltkrieg immer noch zum kriegerischen Konflikt mit den Franzosen geneigt. Diese feindselige Stimmung hat meine Generation dann &uuml;berwunden. Dies war auch dadurch m&ouml;glich, dass wir erstens das Zusammenleben unserer V&ouml;lker genossen, und dass dann zweitens auch die Gemeinschaft mit den anderen V&ouml;lkern Europas mehr war als ein Zweckb&uuml;ndnis, in das man nach Gutd&uuml;nken eintreten und auch wieder austreten kann. <\/em><\/p><p><em><strong>Auch die sp&auml;ter der Europ&auml;ischen Gemeinschaft beitretenden V&ouml;lker haben mehr von diesem B&uuml;ndnis erwartet.<\/strong> Da waren viele von Emotionen bestimmte Erwartungen im Spiel. Dass die Realit&auml;t der Europ&auml;ischen Union dann diese emotionalen Erwartungen entt&auml;uschte und entt&auml;uscht, ist schlimm. Aber diese Erfahrung &auml;ndert ja nichts an der Berechtigung der emotionalen Seite der europ&auml;ischen Vereinigung. Weil ich das so sehe, kann ich manche n&uuml;chternen Feststellungen in den Leserbriefen nicht verstehen.<\/em><\/p><p><em><strong>&Uuml;brigens haben einige der sp&auml;ter beitretenden V&ouml;lker die Entscheidung auch im Vertrauen darauf getroffen, dass andere Nationen und Nachbarn in diesem Verband bleiben.<\/strong> Ein praktisches Beispiel: Slowenien ist vermutlich auch mit der Erwartung beigetreten, dass der Nachbar &Ouml;sterreich auf Dauer im B&uuml;ndnis bleibt.<\/em><\/p><p><em>Mein Fazit: Die in der Leserbriefen immer wiederkehrenden Hinweise darauf, dass man Vertr&auml;ge schlie&szlig;en kann und wieder aufl&ouml;sen kann, sind auf die Europ&auml;ische Gemeinschaft angewandt, schon ein bisschen fragw&uuml;rdig. Dass viele Leserinnen und Leser das anders sehen, ist ihr gutes Recht.<\/em><\/p><p><em><strong>Mit den meisten Leserbriefschreibern teile ich die H&auml;rte der Kritik am realen Zustand Europ&auml;ischen Union. Vermutlich ist es richtig, im Austritt auch einen Hebel zur Ver&auml;nderung dieser Zust&auml;nde zu sehen. Das w&auml;re aber im Einzelfall durchzupr&uuml;fen, unter Beachtung der zu erwartenden Praxis und Realit&auml;t.<\/strong><\/em><\/p><p><em>Ob Staaten, die wegen der neoliberalen Orientierung der Europ&auml;ischen Union austreten, dann ihr Land im Alleingang wirklich besser, fortschrittlicher und sozialer gestalten k&ouml;nnen, w&auml;re zu pr&uuml;fen und zu hinterfragen, m&ouml;glichst vor dem Austritt. Sch&ouml;n w&auml;re es. Aber Zweifel sind berechtigt, ob die eigene, nicht-neoliberale Gestaltung wirklich gelingt. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass wir alle, ob im B&uuml;ndnis oder eigenst&auml;ndig drau&szlig;en, unter dem Druck der Dispositionen der sogenannten Anleger stehen. Wie wir mit dieser Geisel fertig werden, das ist eine ganz dringliche Frage. &Uuml;brigens unabh&auml;ngig davon, ob drinnen oder drau&szlig;en.<\/em><\/p><p><em>Etwas seltsam empfand ich die gelegentliche Bewunderung f&uuml;r Frau May und f&uuml;r ihr Brexit-Begehren. Manche Zeitgenossen, die die neoliberale Europ&auml;ische Union mit Recht kritisieren, verkennen, dass das Vereinigte K&ouml;nigreich noch neoliberaler ist, und es mitnichten haupts&auml;chlich fortschrittliche Kr&auml;fte sind, die den Brexit vorantreiben.<\/em><\/p><p><em><strong>Ich bezweifle, dass es notwendig ist, auszutreten, um das eigene Land besser und weniger neoliberal zu gestalten.<\/strong> Wie flexibel die Gestaltungsm&ouml;glichkeit ist, das k&ouml;nnen wir zurzeit doch wunderbar beobachten, auch im eigenen Land: Lange tat man bei uns so, als seien wir zum Beispiel <\/em><\/p><ul>\n<li><em>zum Verzicht auf den sozialen Wohnungsbau,<\/em><\/li>\n<li><em>zum Verkauf der &ouml;ffentlichen Wohnungsbest&auml;nde,<\/em><\/li>\n<li><em>zur Privatisierung der Wasserversorgung, der Stadtwerke und auch der Bahn verpflichtet.<\/em><\/li>\n<\/ul><p><em>Jetzt hat der Trend umgeschlagen &ndash; meines Erachtens viel zu sp&auml;t &ndash;: jetzt soll der soziale Wohnungsbau wieder gef&ouml;rdert werden und einzelne St&auml;dte kaufen Wohnungsbest&auml;nde zur&uuml;ck, die Wasserwerke und Stadtwerke werden wieder in &ouml;ffentliche Regie &uuml;bernommen. Alles innerhalb der Europ&auml;ischen Union und ohne vorher austreten zu m&uuml;ssen. &ndash; Schlimm ist, dass wir den teuren Umweg gegangen sind. Auch unter dem Druck der Propaganda und dem mangelnden Mut zur &ouml;ffentlichen Gestaltung wichtiger Bereiche unseres Zusammenlebens.<\/em><\/p><p><em>Die Europ&auml;ische Union hat auch nicht zur Zerst&ouml;rung der Leistungsf&auml;higkeit der gesetzlichen Rente und zur staatlichen F&ouml;rderung der Privatvorsorge verpflichtet. Das war die ureigene und mit Korruption geschmierte Auslieferung an die Interessen der Finanzwirtschaft.<\/em><\/p><p><em>Die EU zwingt uns auch nicht dazu, die Infrastruktur verlottern zu lassen. Die schwarze Null ist zun&auml;chst einmal eine deutsche Erfindung.<\/em><\/p><p><em>Trotzdem, die EU ist in einem schlimmen Zustand. Frage: &Auml;ndern Austritte daran etwas? Eher nein, meine ich. Dass andere anders denken, zeigen die Leserbriefe.<\/em><\/p><p><em><strong>In jedem Fall sollten wir uns darin einig sein, dass, wie eingangs vorgeschlagen, die Kritik an der Europ&auml;ischen Union zu einem gro&szlig;en Thema werden muss. Auf der Basis von guten Analysen. Darum werden die NachDenkSeiten sich ein bisschen k&uuml;mmern, vielleicht auch mit Hilfe unserer sachverst&auml;ndigen Leserinnen und Leser. <\/strong><\/em><br>\n<em><strong>An dieser Stelle noch einmal ein dickes Dankesch&ouml;n an alle, die geschrieben haben, und an Moritz M. f&uuml;r die Zusammenstellung.<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Artikel &ndash; <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=48514\">Der unendliche Schlamassel um den Brexit zeigt: Die M&ouml;glichkeit des Austritts ist ein Irrsinn<\/a> &ndash; hat ein gro&szlig;es und auch kritisches Echo ausgel&ouml;st. Die Mehrheit der Lesermailsschreiber h&auml;lt die M&ouml;glichkeit des Austritts aus der EU f&uuml;r sehr wichtig. Dass ich das anders sehe, liegt schlicht daran, dass aus der Sicht der<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=48633\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[22,180,103],"tags":[423,1843,1043,1555,577,685,1185,1940,315,2147,654,1464],"class_list":["post-48633","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-europaische-union","category-europaeische-vertraege","category-leserbriefe","tag-austeritaetspolitik","tag-brexit","tag-frankreich","tag-griechenland","tag-italien","tag-juncker-jean-claude","tag-marktkonforme-demokratie","tag-may-theresa","tag-merkel-angela","tag-sowjetunion","tag-troika","tag-volksabstimmung"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/48633","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=48633"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/48633\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":48642,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/48633\/revisions\/48642"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=48633"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=48633"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=48633"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}