{"id":48692,"date":"2019-01-26T11:45:14","date_gmt":"2019-01-26T10:45:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=48692"},"modified":"2019-01-28T07:31:52","modified_gmt":"2019-01-28T06:31:52","slug":"der-aufstieg-des-karrieristen-zum-geburtshelfer-bolsonaros","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=48692","title":{"rendered":"Der Aufstieg des Karrieristen zum Geburtshelfer Bolsonaros"},"content":{"rendered":"<p>Ein Dossier zu S&eacute;rgio Moro &ndash; Teil 1. Mit der Amtseinf&uuml;hrung Pr&auml;sident Jair Bolsonaros am vergangenen 1. Januar &uuml;bernahm im gr&ouml;&szlig;ten und bev&ouml;lkerungsreichsten Land Lateinamerikas und der neuntgr&ouml;&szlig;ten Volkswirtschaft der Welt eine rechtsextremistische Regierung die politische Macht. Grob umrissen sind die rechtsradikalisierten Polizei- und Streitkr&auml;fte mit evangelikal-fundamentalistischen Sekten die tragenden Machts&auml;ulen des neuen Regimes. Von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDie beachtliche Anzahl hochrangiger Uniformierter im zerschlagenen Staatsapparat Bolsonaros signalisiert daher ein einmaliges Ph&auml;nomen seit Ende der Milit&auml;rdiktatur (1964-1985): nach der 2014 begonnenen Aush&ouml;hlung des Rechtsstaats nun seine Re-Militarisierung. Ein Drittel der 22 Ministerien und Sondersekretariate &ndash; vom Pr&auml;sidialamt &uuml;ber das Energie-, bis hin zu den Verteidigungs- und Medienressorts &ndash; wird bereits seit Jahresbeginn von Gener&auml;len befehligt.<\/p><p>Einer von ihnen ist General Guilherme Theophilo. Doch er empf&auml;ngt seine Anweisungen von einem Zivilisten: S&eacute;rgio Moro, bis vor wenigen Wochen zust&auml;ndiger Ermittlungsrichter im s&uuml;dbrasilianischen Curitiba f&uuml;r die weltweit medial ausgeschlachtete brasilianische Sondereinsatzgruppe zur angeblichen Korruptionsbek&auml;mpfung, bekannt als &ldquo;Opera&ccedil;&atilde;o Lava Jato&ldquo; (Unternehmen Autowaschanlage). Moro wurde von Bolsonaro zum Justizminister ernannt und schlie&szlig;t mit seiner Amts&uuml;bernahme einen zweiten abgr&uuml;ndigen Kreis, n&auml;mlich das Zusammenspiel von rechtsradikal unterwanderter Justiz mit dem Oberkommando der brasilianischen Streitkr&auml;fte hin zum autorit&auml;ren Staat.<\/p><p>Wie jedoch vertr&auml;gt sich Moros Zusage mit seiner <a href=\"https:\/\/politica.estadao.com.br\/noticias\/eleicoes,em-2016-sergio-moro-disse-que-jamais-entraria-para-a-politica,70002578956\">wiederholten Zusicherung<\/a>, er werde &bdquo;niemals in die Politik einsteigen&ldquo;? War Moros Nominierung ein politisches Gesch&auml;ft, oder krasser gefragt, etwa ein Obolus f&uuml;r seine wiederholten Eingriffe in die Pr&auml;sidentschaftskampagne zur Beg&uuml;nstigung von Bolsonaros Wahlsieg?<\/p><p>Mit einf&uuml;hrender Entschuldigung f&uuml;r den Textumfang verfolgt diese weit &uuml;ber den Tagesjournalismus hinausreichende, passagenweise herbe, jedoch faktenreiche Recherche den Zweck, neugierige sowie argw&ouml;hnische Leser und investigative Journalisten mit einem zusammenfassenden &bdquo;Nachschlagewerk&ldquo; &uuml;ber eine der Schl&uuml;sselfiguren des autorit&auml;ren Staates unter F&uuml;hrung Jair Bolsonaros, jedoch auch &uuml;ber den neutypischen Agenten politischer Destabilisierung im Dienste der USA zu versorgen.<\/p><p><strong>Der Aufstieg eines Karrieristen<\/strong><\/p><p>Seit 2014 erfreute sich der brasilianische Provinzrichter unbestrittenerma&szlig;en wachsender einheimischer und internationaler Popularit&auml;t. In der Google-Suchmaschine &uuml;bersteigt sein Name mit spektakul&auml;ren 38 Millionen Linkverweisen bereits mehr als die H&auml;lfte der 70-Millionen-Popularit&auml;tsrankings Wladimir Putins und Donald Trumps.<\/p><p>Der 46-j&auml;hrige Jurist S&eacute;rgio Fernando Moro wuchs in den s&uuml;dbrasilianischen St&auml;dten Maring&aacute; und Ponta Grossa als Sohn des Geographielehrers Dalton &Aacute;ureo Moro und seiner Ehefrau auf. Die Moros z&auml;hlten zu den <em>Oriundi<\/em>, jene seit Mitte des 19. Jh. massenhaft ausgewanderten Italienern, die mit 25 Millionen Nachkommen in Brasilien als gr&ouml;&szlig;te italienische Gemeinde der Welt fern des Mutterlandes gelten. Wie die Mehrheit auch polnischer, ukrainischer, japanischer und deutscher Emigranten aus dem Hunsr&uuml;ck entstammen die meisten <em>Italo-Brasilianer<\/em> aus dem nordostitalienischen Veneto ebenso &auml;rmlichen, b&auml;uerlichen Verh&auml;ltnissen.<\/p><p>Ihre Ansiedlung in Brasilien war nicht zuf&auml;llig, sondern eine Initiative des Milit&auml;rregimes, das mit der Ausrufung der Republik unmittelbar nach Beendigung der Sklaverei im Jahr 1888 die Macht &uuml;bernahm und mit einer geplanten Gro&szlig;raum-Besiedlung sowohl Kleinbauern f&uuml;r die landwirtschaftliche Entwicklung als auch Ersatzkr&auml;fte f&uuml;r die ehemaligen Sklaven afrikanischer Herkunft auf den florierenden Kaffeeplantagen ins Land holte.<\/p><p>War die &bdquo;Neue Welt&ldquo; drei Jahrhunderte lang f&uuml;r 3,5 Millionen afrikanischer Sklaven das unfreiwillige Territorium ihrer Schmach und Entmenschlichung, wirkte sie umgekehrt im Bewusstsein der meisten europ&auml;ischen Einwanderer als &bdquo;Land der Verhei&szlig;ungen&ldquo; und des kirchlich &ndash; sowohl von katholischen wie lutherischen Kanzeln &ndash; eingepeitschten und mit Ellenbogen durchgesetzten sozialen Aufstiegs um jeden Preis.<\/p><p>Als &bdquo;Erbe&ldquo; dieser Tradition ist Sergio Moro die fulminante Inkarnation des <em>social climbers<\/em>; eine &Uuml;berlieferung, die Aldous Huxley allerdings in seinem Kultroman &ldquo;Sch&ouml;ne, neue Welt&ldquo; mit dem Satz anmahnte, &bdquo;Der Glaube an eine gr&ouml;&szlig;ere und bessere Zukunft ist einer der m&auml;chtigsten Feinde gegenw&auml;rtiger Freiheit.&ldquo; Wie die Jahre nach 2014 in Brasilien auf dramatische Weise verdeutlichen, stieg Sergio Moro zu einem der gef&auml;hrlichsten Feinde der demokratischen Freiheiten auf.<\/p><p>Nach dem Jurastudium an der Universit&auml;t Maring&aacute; schrieb Moro seine Magisterarbeit, promovierte an der Bundesuniversit&auml;t Paran&aacute; und besuchte 1998 das Anwalts-Ausbildungsprogramm der Harvard Law School. Als Experte f&uuml;r Wirtschafts- und Finanzkriminalit&auml;t bewarb er sich f&uuml;r den Posten des Bundesrichters und bearbeitete in dieser Funktion F&auml;lle wie den sogenannten <em>Banestado<\/em>-Skandal. Doch seine nationale und internationale Popularit&auml;t erreichte Moro erst mit der <em>Sondereinsatzgruppe Lava Jato<\/em> f&uuml;r die Korruptionsermittlungen im halbstaatlichen &Ouml;lkonzern Petrobras, die mit gewaltiger medialer Ausschlachtung bald zum &bdquo;gr&ouml;&szlig;ten Korruptionsskandal aller Zeiten&ldquo; umgebogen und umgedichtet wurden.<\/p><p>Als &bdquo;Mann des Jahres&ldquo; von der beherrschenden brasilianischen Mediengruppe <em>O Globo<\/em> ausgezeichnet, von der US-amerikanischen <em>Time<\/em> mit einem Titelblatt geehrt, als Gastredner von US-Universit&auml;ten und politischen Think Tanks wie dem regierungs- und CIA-nahen Woodrow Wilson Center <a href=\"https:\/\/www.wilsoncenter.org\/person\/sergio-moro\">gefeiert<\/a>, schien dem Provinzjuristen bald der Erfolg in den Kopf gestiegen zu sein.<\/p><p>Seit 2015 schwelgte er nun mit erkl&auml;rten Feinden der Regierung Rousseff und der Arbeiterpartei auf Empf&auml;ngen, so mit dem von Rousseff 2014 besiegten Pr&auml;sidentschaftskandidaten und dem vielf&auml;ltiger Korruption angeklagten ehemaligen Senator A&eacute;cio Neves, dem Playboy und B&uuml;rgermeister S&atilde;o Paulos, Jo&atilde;o D&oacute;ria, oder selbst an der Seite des ebenfalls schwerer Korruption anklagten, jedoch immer wieder verschonten De-facto-Pr&auml;sidenten Michel Temer &ndash; &ldquo;liasons douteuses&rdquo; und promiske N&auml;he zur politischen Macht, vor allem zur ultrakonservativen Opposition, die die brasilianische Ausgabe von <em>Huffington Post<\/em> <a href=\"https:\/\/www.huffpostbrasil.com\/2018\/05\/16\/parece-que-sergio-moro-nao-se-arrependeu-de-ter-tirado-foto-com-aecio-neves_a_23436106\/\">zur Feststellung veranlasste<\/a>, im Antlitz des tendenzi&ouml;sen Richters sei keine Spur von Verlegenheit zu vernehmen.<\/p><p>Dass, von wenigen Ausnahmen &ndash; wie der Verhaftung des ehemaligen Vorsitzenden der Abgeordnetenkammer, Eduardo Cunha &ndash; abgesehen, trotz massenhafter Anklagen kaum Politiker der Opposition von Moro behelligt wurden, f&uuml;llt hunderte von Presseberichten in Brasilien und spricht ideologische B&auml;nde.<\/p><p><strong>Doppelmoral und eine dreiste Portion Zynismus<\/strong><\/p><p>Kampf der Korruption? In seiner Beamtenkarriere und im privaten Leben nahm S&eacute;rgio Moro seine Kampfparole noch nie ernst. Da l&auml;sst er andere, doppelte Standards gelten, vor allem die zur Sicherung seines Lebensstandards.<\/p><p>So erfuhr die &Ouml;ffentlichkeit zum Beispiel im August 2015, dass Moro mit fadenscheinigen Begr&uuml;ndungen mitunter sich ein <a href=\"https:\/\/csalignac.jusbrasil.com.br\/noticias\/340793197\/juiz-sergio-moro-recebe-r-77-mil-por-mes-bem-acima-do-teto-constitucional\">doppeltes Monatssal&auml;r<\/a> in H&ouml;he von 77.000 Reais (umgerechnet 19.000 Euro) auszahlen lie&szlig;, damit jedoch die Obergrenze des von der Verfassung festgeschriebenen Richtergehalts gesetzwidrig &uuml;berschritt; eine von den NachDenkSeiten <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39349\">im Juli 2017 dokumentierte<\/a>, unversch&auml;mte Praxis, die landesweit an brasilianischen Gerichten &uuml;blich ist.<\/p><p>Wie damals erw&auml;hnt, &bdquo;mit Monatsgeh&auml;ltern um die 25.000 Euro und exklusiven Limousinen samt Fahrern ausgestattet, bedienen sich die 16.500 Richter im Lande an der Staatskasse mit allerlei undurchsichtigen &bdquo;Leistungspr&auml;mien&rdquo;, wie &bdquo;Miet-&rdquo;, &bdquo;Ausbildungs-&rdquo; oder gar &bdquo;Essens-Zusch&uuml;ssen&rdquo;. Angehende Staatsanw&auml;lte verdienen dreimal mehr als ein promovierter Universit&auml;tsprofessor und fast das Doppelte wie ein Botschafter oder ein F&uuml;nf-Sterne-General. Auf die Einkassierung seines &bdquo;Mietzuschusses&ldquo; in H&ouml;he von umgerechnet 1.200 Euro angesprochen, der einzig und allein f&uuml;r Richter erlaubt ist, die fern ihres Wohnortes t&auml;tig sind, <a href=\"https:\/\/veja.abril.com.br\/politica\/para-moro-auxilio-moradia-compensa-falta-de-aumento-a-juizes\/\">antwortete<\/a> der mehrfache Wohnungsbesitzer S&eacute;rgio Moro mit &uuml;blichem Zynismus, &bdquo;der Mietzuschuss ist ein Ausgleich f&uuml;r mangelnde Gehaltserh&ouml;hung der Richter&ldquo;.<\/p><p>F&uuml;nf Jahre lang ermittelte S&eacute;rgio Moro &uuml;ber Korruptionspraktiken im halbstaatlichen &Ouml;lkonzern Petrobr&aacute;s. Im Mai 2018 sollte er daf&uuml;r von der Amerikanisch-Brasilianischen Handelskammer die Auszeichnung &bdquo;Pers&ouml;nlichkeit des Jahres&ldquo; w&auml;hrend einer Zeremonie an der University of Notre Dame in New York erhalten und anschlie&szlig;end einen Vortrag auf Einladung des Forums Investment Lide, des Playboys und B&uuml;rgermeisters S&atilde;o Paulos, Jo&atilde;o Doria, halten. Moro erhielt seine W&uuml;rdigung und sprach vor einem Heer von B&ouml;rsen- und Hedgefonds-Spekulanten, zahlte jedoch keinen Pfennig f&uuml;r Reise- und Unterbringungskosten. Die <a href=\"https:\/\/www.diariodocentrodomundo.com.br\/exclusivo-palestra-de-moro-em-nova-york-foi-bancada-por-escritorio-contratado-pela-petrobras-por-joaquim-de-carvalho\/\">&uuml;bernahm<\/a> ein Anwalts- und Vertretungsb&uuml;ros von Petrobr&aacute;s. Interessenkonflikte?<\/p><p>Man bedenke den Fall des ehemals vom Odebrecht-Baukonzern mit der Zahlung von Bestechungsgeldern beauftragten und daf&uuml;r angeklagten spanisch-brasilianischen Anwalts Rodrigo Tacla-Dur&aacute;n. Wie die investigativen brasilianischen Magazine <em>GGN<\/em> und <em>Diario do Centro do Mundo<\/em> auf der Grundlage vielf&auml;ltiger Beweise Tacla-Dur&aacute;ns ermittelten, stehen S&eacute;rgio Moro und seine Ehefrau, die Anw&auml;ltin Ros&acirc;ngela Moro, im Mittelpunkt einer <a href=\"https:\/\/www.diariodocentrodomundo.com.br\/categorias\/especiais-dcm\/a-industria-da-delacao-premiada-na-lava-jato\/\">&ldquo;Industrie des Zeugenverrates&rdquo;<\/a>. Im Klartext: Eine seit Jahren laufende Erpressungsmaschine, die die Taschen von Privatanw&auml;lten, Staatsanw&auml;lten und Richtern mit der Zahlung von millionenschweren Dollarbetr&auml;gen illegaler &bdquo;Handlungskommissionen&rdquo; zur Strafma&szlig;reduzierung f&uuml;llen sollte.<\/p><p>Mit Hilfe von Interpol hatte Moro die Auslieferung des in Spanien lebenden Tacla-Dur&aacute;n gefordert, doch die internationale Polizei-Organisation verweigerte die Auslieferung mit der <a href=\"https:\/\/politica.estadao.com.br\/noticias\/geral,interpol-tira-tacla-duran-da-lista-de-procurados-internacionais,70002430571\">Begr&uuml;ndung<\/a>, das unredliche Verhalten Moros versto&szlig;e gegen die Interpol-Normen und das internationale Recht.<\/p><p><strong>Der &bdquo;ungel&ouml;ste&ldquo; Banestado-Skandal<\/strong><\/p><p>Mit Verweis auf vielf&auml;ltige Einzelheiten <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=36249\">berichteten die NachDenkSeiten<\/a> bereits im Dezember 2016 &uuml;ber den Fall.<\/p><p>Banestado war, zusammengefasst, das K&uuml;rzel der Regionalbank des s&uuml;dbrasilianischen Bundesstaates Paran&aacute;, deren Geheimkonten nach Sch&auml;tzungen der Staatsanwaltschaft in den sp&auml;ten 1990-er Jahren f&uuml;r die Devisenflucht und Geldw&auml;sche brasilianischer Steuerhinterzieher &ndash; darunter der Mediengruppe <em>O Globo<\/em> und einschl&auml;giger Politiker der regierenden PSDB-Partei, die nachtr&auml;glich viermal die Pr&auml;sidentschaftswahlen gegen die Arbeiterpartei verlor &ndash; in H&ouml;he schwindelerregender 124 Milliarden Dollar genutzt wurden. Die tats&auml;chliche Summe &ndash; &bdquo;die Mutter aller Korruptionsskandale&ldquo;, mit den Worten des Senators Roberto Requi&atilde;o &ndash; wurde entweder mit unzul&auml;nglichen, oft widerspr&uuml;chlichen Angaben von Ermittlungsrichter S&eacute;rgio Moro zun&auml;chst auf 30 Milliarden, schlie&szlig;lich auf 2,5 Milliarden US-Dollar heruntergespielt.<\/p><p>Kritische Medien <a href=\"https:\/\/www.diariodocentrodomundo.com.br\/exclusivo-o-dcm-joga-novas-luzes-sobre-o-escandalo-do-banestado-por-renan-antunes-de-oliveira\/\">merkten an<\/a>, dass Moro zwar &bdquo;Laranjas&ldquo; (Strohm&auml;nner), jedoch nie deren Hinterm&auml;nner anklagen und verhaften lie&szlig;. Allerdings, als der &auml;u&szlig;erst professionell vorgehende Staatsanwalt Celso Tr&ecirc;s und sein Stellvertreter Jos&eacute; Castilho den &bdquo;Deckel der Kloake&ldquo; aufklappten und einer Reihe von PSDB-Politikern auf die Schliche gekommen waren, wurden sie in einer Nacht-und-Nebel-Aktion versetzt und ihre Karriere fand ein Ende. Nach mehr als sechsj&auml;hrigen Ermittlungen und der Einberufung einer parlamentarischen Untersuchungskommission (CPI) wurde der Fall Banestado 2009 &bdquo;ergebnislos&ldquo; ad acta gelegt.<\/p><p>Sodann assistierte Moro STF-Richterin Rosa Weber im Fall &bdquo;Mensal&atilde;o&ldquo;, in dem wegen angeblicher monatlicher Geheimzahlungen zur Sicherung parlamentarischer Mehrheiten w&auml;hrend der ersten Amtszeit Lulas (2003-2006) Ermittlungen gegen die regierende PT mit der Verhaftung einflussreicher Ex-Minister, wie Jos&eacute; Dirceu, stattfanden.<\/p><p><strong>Der Brandstifter<\/strong><\/p><p>&bdquo;S&eacute;rgio Moro war schon immer ein Politiker in den Kleidern eines Richters. Er vertrat eine Fraktion des Justizapparates mit populistischen Z&uuml;gen, die vors&auml;tzlich am Aufbau eines Umfelds arbeitete, in dem nicht nur die Pr&auml;sidentschaftskandidatur einer angefeindeten Pers&ouml;nlichkeit verhindert, sondern auch die Macht&uuml;bernahme durch einen Politiker mit autorit&auml;rem und raches&uuml;chtigem Profil beg&uuml;nstigt werden sollte. Er setzte viel darauf, in diesem neuen Umfeld eine relevante Rolle spielen zu k&ouml;nnen. Er nutzte die Justiz zu politischen Zwecken, unter anderem f&uuml;r den Aufbau seiner eigenen Karriere jenseits der Justiz. Was ihn korrupter macht als die M&auml;nner, die er verurteilt hat. Denn es gibt keine tiefere Korruption als die der Moral&ldquo;, <a href=\"https:\/\/leitor.expresso.pt\/diario\/sexta-3\/html\/caderno1\/opiniao\/A-confissao-de-Sergio-Moro\">kommentierte der Journalist Daniel Oliveira<\/a> Ende 2018 in der einflussreichen portugiesischen Tageszeitung Expresso das mittlerweile weltweit abgelehnte Vorgehen des Provinzrichters.<\/p><p>Der nicht weniger renommierte brasilianische Journalist Luis Nassif bezeichnete bereits im Jahr 2015 den Modus Operandi Moros als <a href=\"https:\/\/jornalggn.com.br\/noticia\/como-a-lava-jato-foi-pensada-como-uma-operacao-de-guerra\">&bdquo;Kriegsoperation&rdquo;<\/a>. In den Beobachtungen Nassifs geh&ouml;rten &bdquo;die wassersturzartige Leckage von Zeugenaussagen an die &Ouml;ffentlichkeit, das steifnackige Einschie&szlig;en auf Lula als Angriffsziel, der bedingungslose Pakt mit den Medien, die Verhaftung und Drangsalierung von Verd&auml;chtigen bis zu ihrer Annahme eines Kronzeugen-Deals&ldquo; zu den fragw&uuml;rdigen, nahezu kriminellen Praktiken des Richters und seiner Sondereinsatzgruppe.<\/p><p>Der r&uuml;de Stil, der von &bdquo;Unternehmen Lava Jato&ldquo; &uuml;bernommen wurde, war bereits 2004 im Artikel Moros <a href=\"https:\/\/www.conjur.com.br\/dl\/artigo-moro-mani-pulite.pdf\">&bdquo;&Uuml;berlegungen zur Operation Mani Pulite&ldquo;<\/a> vorgesehen, der den Erfolg des italienischen Justizfalls Mani Pulite lobpries. Als &ldquo;am meisten einleuchtende Pr&auml;ambel, die bisher f&uuml;r Lava Jato geschrieben wurde&ldquo; (Nassif), diente sie als Grundlage f&uuml;r die angewandte Strategie.<\/p><p>Auf sieben Textseiten analysiert Moro &ldquo;Mani Pulite&ldquo; und skizziert eine Art Handbuch zum Aufbau &auml;hnlicher Operationen in Brasilien. Eine zentrale Rolle erhalten darin nicht juristische, sondern eminent politische Begriffe wie <em>&Ouml;ffentlichkeit<\/em> und <em>Medien<\/em>. Nach Moro herrsche in Brasilien ein Machtsystem, das es zu bek&auml;mpfen gelte, genauer: &bdquo;die traditionelle Politik mit all ihren Verzerrungen und Einfl&uuml;ssen auf das Justizsystem, insbesondere auf die Hohen Gerichte&ldquo;.<\/p><p>Dieses System verhindere die Bestrafung korrupter Politiker und &ouml;ffentlicher Amtstr&auml;ger wegen angeblich eingebauter politischer Hindernisse und &ndash; man staune &ndash; &bdquo;der Beweislast, die erforderlich ist, um in Strafverfahren verurteilt zu werden&rdquo;. Den Ausweg aus diesen Zw&auml;ngen nennt der Richter &bdquo;Demokratie&ldquo;, worunter er eine Art direkte Verbindung zur &bdquo;aufgekl&auml;rten &ouml;ffentlichen Meinung&rdquo; versteht &ndash; also der Meinung, die von den herrschenden Medien verbreitet wird, mit gleichzeitiger Umgehung s&auml;mtlicher formal respektierter Systeme und Institutionen.<\/p><p>Unn&ouml;tig und l&auml;cherlich schwerbewaffnete Polizeiaufgebote bei der Verhaftung und Abf&uuml;hrung von Korruptionsverd&auml;chtigen (Fall Lula), deren &ouml;ffentliche Beleidigung und Erniedrigung mit Kahlrasur zur kriminellen Brandmarkung noch vor jeder Gerichtsverhandlung und Beweisf&uuml;hrung entpuppten sich als Methode der &bdquo;direkten Verbindung zur aufgekl&auml;rten &ouml;ffentlichen Meinung&rdquo;, die den Provinzrichter bald als neuen Nationalhelden feierte.<\/p><p>Mit kaum zu &uuml;berbietendem Zynismus bedankte sich Moro Mitte M&auml;rz 2016 nach der ersten Verhaftung Lulas, <a href=\"https:\/\/oglobo.globo.com\/brasil\/sergio-moro-diz-ter-ficado-tocado-com-homenagens-em-manifestacoes-18866816\">zutiefst &bdquo;ger&uuml;hrt&ldquo;<\/a> von den rechtsradikalen Aufm&auml;rschen und Ehrungen. Die brasilianische Vereinigung der Richter f&uuml;r die Demokratie (AJD) verurteilte das Vorgehen aufs Sch&auml;rfste und bezeichnete es als <a href=\"https:\/\/www.brasil247.com\/pt\/247\/brasil\/220070\/Ju%C3%ADzes-condenam-%E2%80%9Cshow-midi%C3%A1tico\">&bdquo;Medienspektakel&ldquo;<\/a>. Moro kam zugute, dass die brasilianischen Monopol-Medien, im Besitz von f&uuml;nf Familien, bereits seit der ersten Amtsperiode Rousseffs (2010-2014) &bdquo;ihre Seite&rdquo; gew&auml;hlt hatten.<\/p><p>Titelbild: Marcelo Chello\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Dossier zu S&eacute;rgio Moro &ndash; Teil 1. Mit der Amtseinf&uuml;hrung Pr&auml;sident Jair Bolsonaros am vergangenen 1. Januar &uuml;bernahm im gr&ouml;&szlig;ten und bev&ouml;lkerungsreichsten Land Lateinamerikas und der neuntgr&ouml;&szlig;ten Volkswirtschaft der Welt eine rechtsextremistische Regierung die politische Macht. Grob umrissen sind die rechtsradikalisierten Polizei- und Streitkr&auml;fte mit evangelikal-fundamentalistischen Sekten die tragenden Machts&auml;ulen des neuen Regimes. Von<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=48692\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":48693,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[198,126,20,127],"tags":[2454,1613,930,2056,2497],"class_list":["post-48692","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-einzelne-politiker-personen-der-zeitgeschichte","category-erosion-der-demokratie","category-landerberichte","category-lobbyismus-und-politische-korruption","tag-bolsonaro-jair","tag-brasilien","tag-justiz","tag-lula-da-silva-luiz-inacio","tag-moro-sergio"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/190126_shutterstock_786088882.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/48692","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=48692"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/48692\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":48735,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/48692\/revisions\/48735"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/48693"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=48692"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=48692"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=48692"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}