{"id":4874,"date":"2010-03-22T10:15:58","date_gmt":"2010-03-22T09:15:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4874"},"modified":"2014-08-07T12:10:45","modified_gmt":"2014-08-07T10:10:45","slug":"zum-programmentwurf-der-partei-die-linke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4874","title":{"rendered":"Zum Programmentwurf der Partei DIE LINKE"},"content":{"rendered":"<p>Ein Programmentwurf, der die Kritik vieler Menschen aufgreift und den herrschenden Verh&auml;ltnissen positive Utopien entgegenstellt. Die Kritik tut den etablierten Parteien weh und dementsprechend aggressiv ist die Abwehr der Forderungen der Linkspartei. Dennoch, bis zur Verabschiedung sind noch viele Fragen zu kl&auml;ren. Allzu oft, werden die kritisierten Missst&auml;nde undifferenziert auf die kapitalistische Verwertungslogik zur&uuml;ckgef&uuml;hrt. Dem bestehenden System wird unvermittelt ein alternatives System gegen&uuml;bergestellt. Es hapert an einer mittleren und konkret untermauerten Perspektive. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><\/p><p><em>&bdquo;Wir k&auml;mpfen f&uuml;r eine Gesellschaft, in der kein Kind in Armut aufwachsen muss, in der alle Menschen in Frieden, W&uuml;rde und sozialer Sicherheit leben und die gesellschaftlichen Verh&auml;ltnisse demokratisch gestalten k&ouml;nnen. Um dies zu erreichen, brauchen wir ein anderes Wirtschafts- und Gesellschaftssystem: den demokratischen Sozialismus<\/em>&ldquo;, hei&szlig;t es im ersten Absatz des Entwurfs eines <a href=\"http:\/\/die-linke.de\/fileadmin\/download\/programmdebatte\/100320_programmentwurf_final.pdf\">Grundsatzprogramms der Partei DIE LINKE [PDF &ndash; 188 KB]<\/a>,  das nach zweieinhalbj&auml;hriger Beratung von einer 16-k&ouml;pfigen Programmkommission unter Leitung der noch amtierenden Parteichefs, Oskar Lafontaine und Lothar Bisky jetzt der &Ouml;ffentlichkeit vorgestellt wurde.<\/p><p>Es trifft durchaus zu, was <a href=\"http:\/\/www.stern.de\/politik\/deutschland\/programm-der-linkspartei-sprengstoff-fuer-andere-parteien-1552480.html\">Hans Peter Sch&uuml;tz im stern schreibt<\/a>, n&auml;mlich dass der Programmentwurf gef&auml;hrlich ist f&uuml;r die etablierten Parteien. <\/p><p>Denn selbst viele Wertkonservative k&ouml;nnten S&auml;tze wie diese unterschreiben:<br>\n<em>&bdquo;Eine Gesellschaft, in der jede Lebensregung sich rechnen muss, ist inhuman. Wo vor allem der Profit regiert, bleibt kein Raum f&uuml;r Demokratie. Die ungeb&auml;ndigte Freiheit der Finanzhaie bedeutet Unfreiheit f&uuml;r die Mehrheit der Menschen. Wir wollen alle gesellschaftlichen Verh&auml;ltnisse &uuml;berwinden, in denen Menschen ausgebeutet, entrechtet und entm&uuml;ndigt werden und in denen ihre sozialen und nat&uuml;rlichen Lebensgrundlagen zerst&ouml;rt werden. Wir setzen uns daf&uuml;r ein, die neuen M&ouml;glichkeiten einer Wissens-, Kommunikations- und Kulturgesellschaft konsequent f&uuml;r eine soziale, demokratische und friedliche Zivilisation und f&uuml;r eine lebenswerte Umwelt zu nutzen. Wir wollen patriarchale Strukturen &uuml;berwinden. Wir verteidigen die Errungenschaften der K&auml;mpfe f&uuml;r politische, soziale und kulturelle Menschenrechte, f&uuml;r Rechtsstaat, Demokratie und Sozialstaat.&ldquo;<\/em><\/p><p>Und weiter hei&szlig;t es da:<br>\n<em>&bdquo;Demokratie, Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit, Internationalismus und Solidarit&auml;t geh&ouml;ren zu unseren grundlegenden Werten.&ldquo;<\/em><br>\nUnd in Abwandlung des bekannten Zitats aus dem Kommunistischen Manifests wird res&uuml;miert:<br>\n<em>&bdquo;Wir wollen eine Gesellschaft des demokratischen Sozialismus aufbauen, in der die Freiheit und Gleichheit jeder und jedes Einzelnen zur Bedingung der solidarischen Entwicklung Aller wird.&ldquo;<\/em><\/p><p>Dem Programm mag man entgegenhalten, dass hier ein &bdquo;Utopia&ldquo;, eine sch&ouml;ne heile Welt ertr&auml;umt wird, in der wie im Neuen Testament L&auml;mmer und W&ouml;lfe friedlich zusammen leben. Aber warum soll eigentlich ein Grundsatzprogramm einer Partei &ndash; wie es leider &uuml;blich geworden ist &ndash; nur von den tats&auml;chlichen oder vermeintlichen Zw&auml;ngen und vom vorausgegangenen politischen Handeln ausgehen und unter den obwaltenden Verh&auml;ltnissen das Machbare zum Ziel erheben. <\/p><p>F&uuml;r den eiligen Leser stellt das Programm die Ziele der LINKEN in 11 Kernforderungen zusammen: <\/p><ul>\n<li><em><strong>f&uuml;r eine andere, demokratische Wirtschaftsordnung,<\/strong><br>\ndie die Marktsteuerung von Produktion und Verteilung der demokratischen, sozialen und &ouml;kologischen Rahmensetzung und Kontrolle unterordnet. Sie  muss dazu auf &ouml;ffentlichem und demokratisch kontrolliertem Eigentum in der Daseinsvorsorge, an der gesellschaftlichen Infrastruktur, in der Energiewirtschaft und im Finanzsektor sowie der demokratischen Vergesellschaftung weiterer strukturbestimmender Bereiche auf der Grundlage von staatlichem, kommunalem, genossenschaftlichem oder Belegschaftseigentum beruhen und den privatwirtschaftlichen Sektor strikter Wettbewerbskontrolle unterwerfen&hellip;<\/em><\/li>\n<li><em><strong>f&uuml;r ein Recht auf gute, existenzsichernde Arbeit,<\/strong><br>\nf&uuml;r Vollbesch&auml;ftigung und die Umverteilung von Arbeit durch Arbeitszeitverk&uuml;rzung, gegen Billigjobs, Hungerl&ouml;hne und gegen den Ersatz regul&auml;rer Besch&auml;ftigung durch Leiharbeit oder Scheinselbstst&auml;ndigkeit&hellip;<\/em><\/li>\n<li><strong>f&uuml;r einen sozial-&ouml;kologischen Umbau in Richtung<\/strong><br>\neines nachhaltigen, ressourcensparenden und umweltbewahrenden<br>\nWirtschaftens und Lebens. Wir brauchen reguliertes, selektives Wachstum auf der Basis von erneuerbaren Energien.<\/li>\n<li><em><strong>f&uuml;r ein Leben in sozialer Sicherheit, <\/strong><br>\nf&uuml;r eine sanktionsfreie armutsfeste Grundsicherung und umfassenden K&uuml;ndigungsschutz. Hartz IV muss weg, niemand darf mehr gezwungen werden, Besch&auml;ftigung unter Missachtung seiner Qualifikation oder zu Hungerl&ouml;hnen anzunehmen.<\/em><\/li>\n<li><em><strong>f&uuml;r eine armutsfeste gesetzliche Rente <\/strong><br>\nf&uuml;r alle Erwerbst&auml;tigen, die parit&auml;tisch von Besch&auml;ftigten und Unternehmen finanziert wird, den Lebensstandard im Alter sichert und, anders als die private Vorsorge, nicht von den Launen der Finanzm&auml;rkte abh&auml;ngig ist. Eine Gesellschaft, die Millionen alte Menschen zu einem Leben in Armut verdammt, ist unmenschlich.<\/em><\/li>\n<li><em><strong>f&uuml;r eine solidarische B&uuml;rgerversicherung<\/strong><br>\n F&uuml;r Gesundheit und Pflege, in die alle Menschen nach Ma&szlig;gabe ihrer Einkommen einzahlen und die im Bedarfsfall alle medizinischen und pflegerischen Leistungen &uuml;bernimmt. Die medizinische Versorgung darf keine Frage der pers&ouml;nlichen Brieftasche sein.<\/em><\/li>\n<li><em><strong>f&uuml;r gute, geb&uuml;hrenfreie und f&uuml;r alle zug&auml;ngliche Bildung von der Krippe an, <\/strong><br>\ndie Grundlagen f&uuml;r ein selbstbestimmtes solidarisches Leben, die aktive Teilhabe an der Gesellschaft und demokratisches Engagement schafft. Wir wollen ein Bildungssystem, das die Gesellschaft durch gemeinsames Lernen eint, Benachteiligungen nicht verst&auml;rkt, sondern ausgleicht und allen berufliche M&ouml;glichkeiten und Lebensperspektiven er&ouml;ffnet.<\/em><\/li>\n<li><em><strong>f&uuml;r ein gerechtes Steuersystem, <\/strong><br>\ndas Gering- und Mittelverdiener entlastet, Spitzenverdiener st&auml;rker belastet und gro&szlig;e Verm&ouml;gen, Erbschaften, Kapitalertr&auml;ge und Konzerngewinne deutlich st&auml;rker zur Finanzierung des Gemeinwesens und zum sozial-&ouml;kologischen Umbau heranzieht. Wir wollen Einkommen und Verm&ouml;gen von oben nach unten umverteilen und die Finanzierung der &ouml;ffentlichen Leistungen sicherstellen und verbessern.<\/em><\/li>\n<li><em><strong>f&uuml;r Frieden und Abr&uuml;stung, gegen Imperialismus und Krieg, <\/strong><br>\nf&uuml;r eine Welt ohne Massenvernichtungswaffen, ein sofortiges Ende aller Kampfeins&auml;tze der Bundeswehr, ein Verbot von R&uuml;stungsexporten, f&uuml;r zivile Entwicklungsunterst&uuml;tzung und ein Ende der &ouml;konomischen Ausbeutung der Dritten Welt. Krieg l&ouml;st kein Problem, er ist immer Teil des Problems.<\/em><\/li>\n<li><em><strong>f&uuml;r eine Erneuerung der Europ&auml;ischen Union<\/strong><br>\nAls demokratische, soziale und Friedensunion, f&uuml;r hohe und stetig zu verbessernde europaweite Mindeststandards des sozialen und Umweltschutzes sowie der Unternehmens- und Verm&ouml;genssteuern, f&uuml;r eine demokratisch kontrollierte Europ&auml;ische Zentralbank und eine europ&auml;ische Wirtschaftsregierung&hellip; <\/em><\/li>\n<li><em><strong>f&uuml;r die Durchsetzung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit,<\/strong><br>\ngegen die Erpressungsmacht gro&szlig;er Konzerne, f&uuml;r ein Verbot von Spenden von Unternehmen an Parteien wie in Frankreich und die Unvereinbarkeit von politischen und Wirtschaftsmandaten, f&uuml;r mehr direkte Demokratie in Form von Volksabstimmungen&hellip;<\/em><\/li>\n<\/ul><p>Diese am Anfang des Textes nur knapp und zugespitzt formulierten Kernforderungen werden in einem Kapitel IV. als &bdquo;Schritte gesellschaftlicher Umgestaltung&ldquo; detaillierter ausgef&uuml;hrt. <\/p><p>Wer sich nicht auf die Kritik derjenigen st&uuml;tzen m&ouml;chte, die nur reflexartig ihre Vorurteile gegen die Linkspartei reproduzieren, ohne das Programm zur Kenntnis genommen zu haben, sollte sich den Text einfach einmal in aller Ruhe durchlesen. <\/p><p>Die Kritik etwa von Andrea Nahles, der SPD-Generalsekret&auml;rin, die Linke mache die &bdquo;Vergangenheit zum Programm&ldquo; oder es handle sich um <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,684802,00.html%20\">&bdquo;DDR-Nostalgie&ldquo;<\/a> zeigt nur, dass die inhaltliche Auseinandersetzung verweigert wird. Und die Emp&ouml;rung des CSU-Landesgruppenchefs Hans-Peter Friedrichs, dass die Linke einen &bdquo;Systemwechsel&ldquo; fordere, w&auml;re nur dann glaubw&uuml;rdig, wenn sich die CSU  genauso vehement &uuml;ber die Systemver&auml;nderer aus dem Arbeitgeberlager und deren Propagandaagenturen emp&ouml;ren w&uuml;rde. Wer der Linken vorh&auml;lt, sie mache es sich mit ihrer Kapitalismuskritik zu einfach, der m&uuml;sste mit der FDP, die die L&ouml;sung aller Probleme in Steuersenkungen sieht, noch viel h&auml;rter ins Gericht gehen.<\/p><p>Wie die meisten Papiere der politischen Linken hat der Programmentwurf der Partei DIE LINKE seine St&auml;rke in der Kritik an den bestehenden Verh&auml;ltnissen. Es ist diese durch Tatsachen gest&uuml;tzte Kritik am Scheitern der Politik der letzten Jahrzehnte, die den anderen Parteien so weh tut. Schlie&szlig;lich waren sie ja alle &ndash; jedenfalls zeitweise &ndash; an der Regierung beteiligt und tragen damit an den unleugbaren Missst&auml;nden Mitverantwortung. Die LINKE kann sich &ndash; jedenfalls auf Bundesebene &ndash; von den von ihr kritisierten Entwicklungen freizeichnen und gerade diese &bdquo;R&uuml;cksichtslosigkeit&ldquo; ist wohl der Hauptgrund, warum man ihr &bdquo;Regierungsunf&auml;higkeit&ldquo; oder &bdquo;Regierungsunwilligkeit&ldquo; vorwirft.<\/p><p>Radikale Kritik an der herrschenden Politik, wird von den Kritikern allzu oft mit der Radikalit&auml;t der politischen Forderungen der LINKEN gleichgesetzt. Liest man n&auml;mlich die Forderungen und ihre Begr&uuml;ndungen im Detail f&auml;llt die Kritik viel schwerer.<br>\nMan k&ouml;nnte dennoch an vielen Punkten einhaken und viele Vorschl&auml;ge hinterfragen, das w&uuml;rde zwar den Umfang dieses Artikels sprengen, w&auml;re jedoch aller M&uuml;hen wert. Man kann wohl davon ausgehen, dass bis zur endg&uuml;ltigen Verabschiedung dieses Programms m&ouml;glicherweise in einer Urabstimmung innerhalb dieser Partei bis Ende 2011 noch viele Kl&auml;rungen vorgenommen werden (m&uuml;ssen).<\/p><p>Mich pers&ouml;nlich st&ouml;rt an diesem Programm, dass richtig beschriebene Missst&auml;nde allzu unvermittelt einer kapitalistischen Profit- und Verwertungslogik zugeschrieben werden. Typisch f&uuml;r viele Schriften der Linken gef&auml;llt man sich in einer Art Subsumtionsrhetorik: Hauptsache, jedes Problem kann der Kapitallogik untergeordnet werden. Der Verweis auf &bdquo;das Kapital&ldquo; wird zum Buhmann f&uuml;r alles Elend. Doch Vieles, was sich unter kapitalistischen Verh&auml;ltnissen politisch und real auspr&auml;gt, ist viel vermittelter und widerspr&uuml;chlicher als dass es einer simplen Kapitalverwertungslogik folgte. Warum g&auml;be es denn sonst etwa das angels&auml;chsische und das v&ouml;llig unterschiedliche skandinavische Modell f&uuml;r kapitalistisch gepr&auml;gte Gesellschaften? <\/p><p>Kurz gesagt, die Analyse der gesellschaftlichen Wirklichkeit in Form eines st&auml;ndigen Bem&uuml;hens, sie einem nicht einmal n&auml;her erl&auml;uterten &bdquo;Kapitalbegriff&ldquo; zu subsumieren, ist mir zu mechanisch und zu undifferenziert. Dar&uuml;ber k&ouml;nnte man hinwegsehen, wenn sich daraus nicht ein strategischer Fehler f&uuml;r ein politisches Programm ergeben w&uuml;rde, das ja in praktisches Handeln umgesetzt werden soll. <\/p><p>Damit kein Missverst&auml;ndnis aufkommt: Mir geht es bei dieser Kritik nicht um die ziemlich oberfl&auml;chliche Frage nach einer Regierungsf&auml;higkeit der LINKEN. Diese Frage stellt sich wie etwa die Koalitionen mit der LINKEN fr&uuml;her in Mecklenburg-Vorpommern und jetzt in Berlin oder Brandenburg viel pragmatischer und sie beantwortet sich aus ganz anderen Motiven.<\/p><p>Das Problem liegt vielmehr darin, dass durch die allzu einfache &bdquo;Ableitung&ldquo; aller Probleme dieser Welt aus der Kapitallogik, die Gegenvorschl&auml;ge unvermittelt, ja sogar unvermittelbar neben bzw. gegen das herrschende System gestellt werden m&uuml;ssen. Es wird sozusagen ein alternatives System abrupt gegen das bestehende System gestellt. Zugespitzt gesagt: Viele Vorschl&auml;ge und Forderungen k&ouml;nnten erst dann verwirklicht werden, wenn der Kapitalismus abgeschafft ist. Der Weg zum &bdquo;Dritten Weg&ldquo; ist jedoch gerade das entscheidende Problem<\/p><p><em>&bdquo;DIE LINKE steht in grunds&auml;tzlicher gesellschaftlicher und politischer Opposition zu Neoliberalismus und Kapitalherrschaft, imperialistischer Politik und Krieg.&ldquo;<\/em><\/p><p>Solche apodiktischen S&auml;tze bergen die die Gefahr, dass diese grunds&auml;tzliche Alternative nicht mit den obwaltenden Gegebenheiten in ihren Widerspr&uuml;chlichkeiten vermittelt werden kann. Sie kann &ndash; wie sich etwa in Brandenburg gezeigt hat &ndash; bei politischer Handlungsverantwortung in einer Regierungsbeteiligung sozusagen in den &bdquo;Gebetswinkel&ldquo; gestellt werden und dort zwar &bdquo;angebetet&ldquo; werden, aber in der praktischen Politik kaum mehr eine Rolle spielen und zu opportunistischer Anpassung f&uuml;hren.<\/p><p>Eine weitere Gefahr besteht darin, dass es innerhalb der LINKEN selbst oder innerhalb einer linken Bewegung zu den &uuml;blichen rechthaberischen Debatten um analytische Feinheiten auf abgehobener Abstraktionsebene ohne Bezug auf das praktische Handeln der Partei kommt. <\/p><p>Die Gegen&uuml;berstellung und die Hervorhebung eines grundlegend alternativen Systems zum bestehenden, schafft aber auch Ohnmachtsgef&uuml;hle, ja sogar &Auml;ngste bei den Menschen, die das Programm ja ansprechen soll. Die meisten Menschen sind vor einem &bdquo;Systemwechsel&ldquo;, der vorgibt, alle Probleme l&ouml;sen zu k&ouml;nnen, misstrauisch, zumal wenn es keine gelungenen Beispiele gibt. Gerade auf dieses Misstrauen nutzen die politischen Gegner der Linken mit ihren &bdquo;Roten-Socken-Kampagnen&ldquo; und ihren Stasi-Vorw&uuml;rfen aus. <\/p><p>Mir fehlt auch bei allem Bem&uuml;hen zur Operationalisierung der &bdquo;linken Reformprojekte&ldquo; die mittlere instrumentelle Perspektive. So fehlt m.E. ein wirtschaftspolitischer Gegenentwurf zur herrschenden &ouml;konomischen Lehre. Wie k&ouml;nnte etwa eine aktive Wirtschafts- und Besch&auml;ftigungspolitik aussehen, die das Ziel der Vollbesch&auml;ftigung anstreben k&ouml;nnte? Wie k&ouml;nnte &uuml;ber die Forderung nach einer gerechteren Steuerbelastung hinaus ein finanzpolitisches Gegenkonzept zur gescheiterten Sparpolitik aussehen? Wie sieht ein bildungs&ouml;konomisch und p&auml;dagogisch untermauertes alternatives Leitbild zur wettbewerbsgesteuerten &bdquo;unternehmerischen Hochschule&ldquo; und zur Ideologie der &bdquo;selbstst&auml;ndigen Schule&ldquo; aus?<br>\nWie k&ouml;nnte eine Medienordnung aussehen, die die herrschende Meinungsmache und damit auch die Verteufelung der Linkspartei durchbricht?<br>\nWie k&ouml;nnte die Verhandlungsmacht der Gewerkschaften wieder gest&auml;rkt werden?<\/p><p>Man k&ouml;nnte und m&uuml;sste noch viele solcher Fragen stellen. Und DIE LINKE w&auml;re gut beraten, wenn sie sich solchen Fragen stellte.<br>\nBevor man sich der Kritik der anderen Parteien oder der Leitartikler der meisten Medien anschlie&szlig;t.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Programmentwurf, der die Kritik vieler Menschen aufgreift und den herrschenden Verh&auml;ltnissen positive Utopien entgegenstellt. 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