{"id":48988,"date":"2019-02-04T08:50:53","date_gmt":"2019-02-04T07:50:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=48988"},"modified":"2019-02-05T14:24:11","modified_gmt":"2019-02-05T13:24:11","slug":"lachen-in-der-luecke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=48988","title":{"rendered":"Lachen in der L\u00fccke"},"content":{"rendered":"<p>&raquo;<em>Die Anstalt<\/em>&laquo; feiert in diesen Tagen ihren f&uuml;nften Geburtstag und hat sich inzwischen als die Institution etabliert, deren Insassen sich um Aufkl&auml;rung und Durchblick im allt&auml;glichen Wahnsinn von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft hervortun. &raquo;<em>Die Anstalt<\/em>&laquo; leistet Journalismusersatz und ist politisches Theater &ndash; stets mit scharfem und hintergr&uuml;ndigem Humor im Dienste der Augen &ouml;ffnenden Wahrheitsfindung. Zum Geburtstag ist nun ein von <strong>Dietrich Krau&szlig;<\/strong> &ndash; neben <strong>Max Uthoff<\/strong> und <strong>Claus von Wagner<\/strong> der dritte Kopf hinter der Anstalt &ndash; herausgegebenes Buch &uuml;ber die Anstalt erschienen, &ldquo;<a href=\"https:\/\/www.westendverlag.de\/buch\/die-rache-des-mainstreams-an-sich-selbst\/\">Die Rache des Mainstreams an sich selbst<\/a>&ldquo;, aus dem wir einen Auszug bringen.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5876\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-48988-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190204_Lachen_in_der_Luecke_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190204_Lachen_in_der_Luecke_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190204_Lachen_in_der_Luecke_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190204_Lachen_in_der_Luecke_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=48988-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190204_Lachen_in_der_Luecke_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"190204_Lachen_in_der_Luecke_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/190204_buch.jpg\" alt=\"Die Rache des Mainstreams an sich selbst\" title=\"Die Rache des Mainstreams an sich selbst\"><\/div><p>Fast jede Diskussion &uuml;ber Satire und die <em>Anstalt<\/em>, sei es live[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] oder im Netz, landet fr&uuml;her oder sp&auml;ter bei der Frage: &raquo;Warum muss ich eigentlich eine Satiresendung gucken, um diese Dinge zu erfahren? Eigentlich seid ihr doch die Nachrichten!&laquo; Vor Jahren w&auml;re ein solches Statement noch auf blankes Unverst&auml;ndnis gesto&szlig;en. Heute geht meist ein beif&auml;lliges Nicken und Klicken durch die analogen und digitalen R&auml;ume. Fast immer schwingt im Lob der faktenreichen Satire Kritik am aktuellen Zustand der Medien mit, von deren &raquo;Mainstreamjournalismus&laquo; man sich nicht ausreichend informiert f&uuml;hlt. Und das, obwohl dank Internet und Digitalisierung der Zugang zu einer breiten Auswahl an Informationen so leicht ist wie nie zuvor. Die Tatsache, dass satirische Formate wie die <em>heute<\/em>-show und <em><em>Die Anstalt<\/em><\/em> wiederum selbst im &ouml;ffentlich-rechtlichen Fernsehen vor einem Millionenpublikum ausgestrahlt werden, wird dabei mit gro&szlig;er Verwunderung konstatiert, weil es nicht ins Bild passt vom vorgeblich weichgesp&uuml;lten Mainstream. <em><em>Die Anstalt<\/em><\/em>, das sei wohl die &raquo;Rache des Mainstreams an sich selbst&laquo;, sp&ouml;ttelte Max Uthoff, und umrei&szlig;t damit die widerspr&uuml;chliche Ausgangssituation, der ich hier auf den Grund gehen will.[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]<\/p><p>Hat sich also tats&auml;chlich etwas gewandelt an der Qualit&auml;t von Journalismus und an seinem Verh&auml;ltnis zur Satire? Oder ist dies die Fehlwahrnehmung eines &uuml;berforderten Publikums, das in Zeiten der Un&uuml;bersichtlichkeit die harte Nachrichtenkost scheut und die bittere Wirklichkeit am liebsten nur noch ges&uuml;&szlig;t mit satirischen Beigaben konsumiert?<\/p><p>In Zeiten wachsenden Misstrauens gegen&uuml;ber den klassischen Medien[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] boomt jedenfalls die Satire, die inzwischen vermehrt genutzt wird, um sich politisch zu informieren. und das durchaus erfolgreich: In den USA gibt es erste wissenschaftliche Studien, die belegen, dass die Zuschauer der satirischen Formate <em>Last Week Tonight<\/em> oder <em>Colbert-Report<\/em> &uuml;ber politische Inhalte wie Wahlkampffinanzierung oder Netzneutralit&auml;t[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] besser im Bilde sind als Nutzer klassischer Nachrichtenkan&auml;le, wie <em>CNN<\/em> oder <em>MSNBC<\/em>.[<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>] <\/p><p>Auch in Deutschland diskutiert man im Feuilleton und auf Fachpodien, ob Satiresendungen mittlerweile die informativeren Nachrichten liefern.[<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>] Viele Fans bejahen das emphatisch, viele Journalisten rollen dagegen pikiert mit den Augen.[<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>]<\/p><p>Erste Forschungsarbeiten k&ouml;nnen inzwischen auch f&uuml;r Deutschland den hohen Informationsgehalt aktueller TV-Satire belegen: Eine Inhaltsanalyse der Zeppelin-Universit&auml;t Friedrichshafen kommt zu dem Ergebnis, dass in den Formaten <em>heute-show<\/em> und <em>Die Anstalt<\/em> &uuml;berwiegend (gesellschafts-)politische Themen aufgegriffen und zudem oft hintergr&uuml;ndig aufgearbeitet werden. Durch ihre inhaltliche Kritik an politischen Zust&auml;nden und Akteuren vermittle vor allem die Anstalt zudem politische Orientierung. Beide Formate leisten, so die Studie, einen produktiven Beitrag zur politischen Meinungsbildung.[<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>] Und auch eine Inhaltsanalyse von Bernd G&auml;bler im Auftrag der Otto-Brenner-Stiftung attestiert den Formaten <em>heute-show<\/em>, <em>Die Anstalt<\/em> und extra 3 zumindest ein hohes aufkl&auml;rerisches Potenzial und eine sehr hohe Dichte an politischen Inhalten.[<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>] Obwohl die <em>heute-show<\/em> schon lange das direkt davor laufende heute-journal an Zuschauerzuspruch &uuml;berholt hat und jedes Jahr zu neuen Quotenrekorden eilt, sieht er aber keine Belege daf&uuml;r, dass Zuschauer sich, wie in den USA, weg von klassischen Nachrichten und hin zur Satire bewegen. Trotzdem scheint sie, jedenfalls in der &ouml;ffentlichen Wahrnehmung, Teile der Informationsfunktion journalistischer Magazine zu &uuml;bernehmen. Zumindest liefern die satirischen TV-Magazine zurzeit mehr Gespr&auml;chsstoff als die klassischen Politmagazine der O&#776;ffentlich-Rechtlichen.[<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>] Vor allem ein jugendliches Publikum entdeckt Satiresendungen wie <em>Die Anstalt<\/em> oder die <em>heute-show<\/em> weniger als Instrument der Unterhaltung denn als Medium politischer Aufkl&auml;rung. Die <em>heute-show<\/em> hat sich auf diese Rezeption als satirisches Informationsmagazin eingestellt und reicht die Quellen zu den Inhalten der Satire auf der Homepage &raquo;What the Fakt&laquo; nach.[<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>] Angefangen mit diesem Service hat die ZDF-Kabarettshow <em>Die Anstalt<\/em>, die zu jeder Sendung schon seit 2014 einen umfangreichen Faktencheck liefert. Hier kann der Zuschauer auf bis zu 30 Seiten nachlesen, woher die Informationen stammen, die in den Kabarettszenen verarbeitet wurden.[<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>] Viele Journalisten reagieren zunehmend gereizt auf den Boom einer Satire, die sich nicht mehr mit sp&ouml;ttischer Gesellschaftskritik begn&uuml;gen mag. Dass Satire in diesem Ausma&szlig; als origin&auml;res Informationsmedium wahrgenommen wird, ist eine neue Entwicklung, die die klassische Rollenverteilung auf den Kopf stellt: Immer schon war die Satire so etwas wie der kleine schmutzige Bruder des gro&szlig;en Journalismus, der Fakten und Meinungen von der Stra&szlig;e aufliest, die der seri&ouml;se Berichterstatter dort hat liegen lassen. Das Hochhalten von Standpunkten, die in der &ouml;ffentlichen Debatte zu kurz gekommen sind, verschafft der Satire den Nimbus einer subversiven Gegen&ouml;ffentlichkeit. Doch Spott und Verzerrungen richten sich dabei klassischerweise zumeist auf allseits bekannte Tatsachen, die vom Kabarett in spielerischer Form aufgegriffen und auf ihre Bruchstellen hin unterhaltsam seziert werden. Daher r&uuml;hrt die bekannte Rede &raquo;vom Spiel mit dem Wissenszusammenhang des Publikums&laquo;.[<a href=\"#foot_13\" name=\"note_13\">13<\/a>] Es sind die Journalisten, die diesen Zusammenhang zuvor &uuml;ber die klassischen Medien hergestellt haben und die das Gros der Informationen recherchiert haben, die dann von den Satirikern weiterverarbeitet und h&ouml;chstens um brisante &Uuml;berlegungen <em>erg&auml;nzt<\/em> werden. <\/p><p>Die vom Journalismus produzierte &ouml;ffentliche Meinung findet also ihre Erg&auml;nzung in einer satirischen Gegen&ouml;ffentlichkeit, die die herrschenden Deutungen dabei wie in einem Zerrspiegel reflektiert. Ihre &Uuml;bertreibungen und Einseitigkeiten sind kein Mangel, sondern im Gegenteil f&uuml;r diese Gattung konstitutiv. <\/p><p>Doch der umfassende journalistische Anspruch der neuen Satireformate, wie er in monothematischen Sendungen von <em>Daily Show<\/em> oder <em>Last Week Tonight<\/em>, in den Beitr&auml;gen der <em>heute-show<\/em>&nbsp;&ndash; zum Beispiel zum V&ouml;lkermord an den Hereros&nbsp;&ndash; oder in den Erkl&auml;rst&uuml;cken der <em>Anstalt<\/em> zu den Themen Leiharbeit, Rente oder EU mitschwingt, bricht mit der klassischen Rollenverteilung. Satire versucht nun selbst pointiert Wissenszusammenh&auml;nge zu vermitteln, zum Beispiel in den Tafelnummern der <em>Anstalt<\/em>. Diese sind besonders deshalb beliebt, weil dort Politik, die im aktuellen Nachrichtenjournalismus oft als Kette fragmentierter Einzelereignisse erscheint, in einem gr&ouml;&szlig;eren&nbsp;&ndash; oft zeitgeschichtlichen&nbsp;&ndash; Kontext dargestellt wird: welche politischen Weichenstellungen zu Mietpreisexplosion und Pflegenotstand gef&uuml;hrt haben; wie Think Tanks Hartz IV und die neoliberale Wende auf den Weg gebracht haben; wie Gesetze, die R&uuml;stungsexport und Leiharbeit eind&auml;mmen sollen, de facto das Gegenteil bewirken&nbsp;&ndash; auf dem Tafelbild k&ouml;nnen solche gr&ouml;&szlig;eren Linien und Interessenkonstellationen herausgearbeitet werden.<\/p><p>Dabei sollte &raquo;journalistisches&laquo; Kabarett eigentlich ein Ding der Unm&ouml;glichkeit sein: Gute Satire verzerrt per Definition die Wirklichkeit und &uuml;bertreibt ganz bewusst, um auf Missst&auml;nde hinzuweisen.[<a href=\"#foot_14\" name=\"note_14\">14<\/a>] Guter Journalismus ist dagegen der sachlichen Richtigkeit und Ausgewogenheit verpflichtet. Anforderungen, die guter Satire v&ouml;llig zuwiderlaufen&nbsp;&ndash; so sollte man jedenfalls meinen. Umso bemerkenswerter ist es, dass &uuml;berhaupt eine ernsthafte Debatte dar&uuml;ber gef&uuml;hrt wird, ob Satire wom&ouml;glich der bessere Journalismus sei. <\/p><p>Ein wichtiger Grund daf&uuml;r k&ouml;nnte darin liegen, dass weite Teile des Journalismus, die der durchschnittliche Mediennutzer rezipiert&nbsp;&ndash; in der Wahrnehmung des Publikums seinen Aufgaben nicht mehr gerecht wird. Der Satireboom mit seinen neuen Formen informativer Komik und hintergr&uuml;ndigen Spotts kann als Symptom einer Vertrauenskrise zwischen Publikum und klassischen Medien interpretiert werden.<\/p><p>Dabei kann man drei Entwicklungen unterscheiden, die eine kritische Medienwahrnehmung beim Publikum bef&ouml;rdern.<\/p><p>Da sind zun&auml;chst die v&ouml;llig neuen Formen der Welterfassung via Internet, die eine Art kopernikanische Wende auf der Ebene gesellschaftlicher Selbstwahrnehmung herbeif&uuml;hren: Die Unmenge neuer Informationsm&ouml;glichkeiten f&uuml;hrt beim Publikum zu einer Art Erkenntnisschock. Wie am Ende des Mittelalters der ber&uuml;hmte Mensch in Flammarions Holzstich den Kopf durch die Himmelssph&auml;re der Erdscheibe steckt und dahinter erstmals das unendliche Universum erblickt, so er&ouml;ffnet sich dem Rezipienten via Internet durch die alte Welt der Zeitung hindurch erstmals der Blick hinter die Kulissen des Journalismus auf ein bisher weithin unbekanntes Universum von Ereignissen, Meinungen und Fakten. Ein Gutteil des Medienmisstrauens mag von der Erkenntnis herr&uuml;hren, dass das, was man bislang f&uuml;r die objektive Abbildung der ganzen Welt via Zeitung und Rundfunk gehalten hat, nur ein winziger Ausschnitt war. Die &rsaquo;guten alten&lsaquo; Nachrichten waren und sind immer nur das Ergebnis begrenzter Erfahrungsreichweite und eines notwendigen Auswahlprozesses.  Jede Zeitung ist per Definition &raquo;L&uuml;ckenpresse&laquo;, denn von den allermeisten Ereignissen wird man nie erfahren. Dass Nachrichtensendungen und Berichterstattungen weniger als Spiegel der Welt dienen, sondern eher Konstruktionen von Realit&auml;t darstellen, ist in der Medientheorie ein alter Hut, der aber durch das Internet f&uuml;r das gemeine Publikum ganz real erfahrbar wird. Der B&uuml;rger muss sich also von dem naiven Anspruch verabschieden, Medien k&ouml;nnten die Wahrheit beziehungsweise ein objektives Abbild der Realit&auml;t liefern, das Tag f&uuml;r Tag auf wundersame Weise in ein Zeitungsformat passt. Das Unbehagen dar&uuml;ber, einem un&uuml;bersichtlichen und komplexen Universum ausgeliefert zu sein, richtet sich dann gegen die jeweils zur Kenntnis genommenen klassischen Medien, in deren kleinem Ausschnitt der Realit&auml;t immer Teile dessen fehlen, was man selbst gerade f&uuml;r wichtig h&auml;lt und was man da drau&szlig;en im World Wide Web dann sofort mit wenigen Klicks aufst&ouml;bern kann. Dem ehemals privilegierten journalistischen Gatekeeper, der f&uuml;r das Publikum entscheidet, welche Ereignisse den Weg &uuml;ber die Nachrichten zu ihm finden sollen, schl&auml;gt nun offenes Misstrauen entgegen. Das Internet mit seinen alternativen Angeboten ganz unterschiedlicher journalistischer Qualit&auml;t erlaubt es dem Publikum, sich m&uuml;helos selbstst&auml;ndig mit anderen Perspektiven und Fakten, auch aus Originaldokumenten, zu versorgen und sich daraus seine eigene Zeitung zu basteln.<\/p><p>Alternative Erz&auml;hlungen lassen sich inzwischen mit wenig Aufwand aufsp&uuml;ren und das Genre der sogenannten Gegen&ouml;ffentlichkeit, die einst im Gefolge der 68er-Revolte ihre eigenen Sprachrohre erfand und schon weitgehend ausgestorben war, erlebt in Zeiten der frei verf&uuml;gbaren Informationsflut des Internets eine regelrechte Renaissance. Hier geh&ouml;rt es zum guten Ton, sich als Alternative zum offiziellen Mainstream zu positionieren. Unter diesem Label sind allerdings keineswegs mehr nur linke aufkl&auml;rerische Gesellschaftskritik zu finden, sondern auch vielfach ressentimentgeladene, rechtspopulistische Blogs, ja schlechthin alles vom qualitativ hervorragenden Fachportal bis zur nationalistischen P&ouml;belecke.[<a href=\"#foot_15\" name=\"note_1\">15<\/a>]<\/p><p>Auch die Satire, als Spielart der Gegen&ouml;ffentlichkeit, erlebt in dieser Gemengelage einen Aufschwung. Die polemische Selbstgewissheit satirischer Entlarvungsrhetorik suggeriert dem Publikum eine Gewissheit mit kritischem Zungenschlag, die in unsicheren Zeiten anziehend wirkt und die die Begrenztheit auch ihrer zugespitzten Teilwahrheiten vergessen l&auml;sst. Und selbst wenn man sich eingesteht, dass auch die Satire die Realit&auml;t nicht objektiv zu fassen kriegt, so kann man sich mit ihr zumindest lustig machen &uuml;ber die Einseitigkeit der ver&ouml;ffentlichten Meinung. [&hellip;]<\/p><p><em>Dietrich Krau&szlig; (Hg.): &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.westendverlag.de\/buch\/die-rache-des-mainstreams-an-sich-selbst\/\">Die Rache des Mainstreams an sich selbst. 5 Jahre &sbquo;<em>Die Anstalt<\/em>&lsquo;<\/a>&ldquo;, 308 Seiten, Westend Verlag, 1.2.2019<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Jeden Mittwoch nach der Ausstrahlung der Sendung l&auml;dt die Evangelische Akademie Frankfurt ein, um gemeinsam die aktuelle Folge zu schauen, danach <a href=\"https:\/\/www.evangelische-akademie.de\/kalender\/die-anstalt\">&uuml;ber das Thema der Sendung zu diskutieren<\/a>.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Der Versuch, in die Rolle des Satire-Beobachters zu schl&uuml;pfen, bleibt dabei notwendigerweise von begrenzter Objektivit&auml;t, da ich als Anstaltsmacher nat&uuml;rlich Teil des Ph&auml;nomens Satire bin, das ich hier zu verstehen suche.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Wobei die Faktenlage wesentlicher widerspr&uuml;chlicher ist als gemeinhin behauptet wird. Eine NDR-Studie von 2014 dokumentiert etwa gesunkenes Medienvertrauen: &#8811;ZAPP Studie: Vertrauen in Medien ist gesunken&#8810;, ndr.de, 17.12.2014; Eine <em>Zeit<\/em>-Studie von 2015 sagt: 60 Prozent der B&uuml;rger hat kein oder wenig Vertrauen in Medien, &#8811;Deutsche haben wenig Vertrauen in die Medien &#8810;, zeit.de, 24. 6. 2015; Eine Eurobarometer Studie von 2016 konstatiert dagegen: &#8811;Medienvertrauen so hoch wie lange nicht&#8810;, ejo-online.eu, 5. April 2017.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Beitrag von John Oliver zur Netzneutralit&auml;t: &#8811;Net Neutrality: Last Week Tonight with John Oliver (HBO)&#8810;, youtube.com, 1.6.2014; Colbert Report zu Super Pacs: &#8811;Colbert and his Colbert Super PAC&#8810;, youtube.com, 8.4.2013.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Studie zum Colbert Report: Bruce Hardy; Jeffrey Gottfried et al.: Stephen Colbert &#769;s Civic Lesson, How Colbert Super PAC taught viewers about campaigning finance, in: <em>Journal of Mass Communication and Society<\/em>, Volume 17, 2014, S. 329-353; Studie zu Daily Show und Netzneutralit&auml;t: Center for Political Communication: &#8811;National survey shows public overwhelmingly opposes Internet &#8810;fast lanes&rdquo;, Delaware, 10.11.2014; Artikel zum Thema: &#8811;Yet Another Study Shows US Satire Programs Do A Better Job Informing Viewers Than Actual News Outlets&#8810;, techdirt.com, 20.11.2014; Fredy Gsteiger: &#8811;Besser informiert dank Satire&#8810;, srf.ch, 24.02.2015.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] 3-Sat <em>Kulturzeit<\/em>: Wenn Satire Journalismus ersetzt, 29.5.2015.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] Jo&#776;rg Wimalasena: Die PARTEI macht Politik nicht besser, taz, 5.9.2017.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] Dennis Lichtenstein, Cordula Nitsch: Informativ und kritisch? Die Politikdarstellung in deutschen Satiresendungen, <em>M&amp;K<\/em> 66. Jahrgang 1\/2018, S. 5-21.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] Bernd G&auml;bler: Quatsch oder Aufkl&auml;rung? Witz und Politik in heute show und Co., 26.9.2016, online unter: Otto-Brenner-Stiftung.de, 2016; Ebd.: Wirkungen und Nebenwirkungen der &#8811;heute-show&#8810;, <em>Tagesspiegel<\/em>, 26.09.2016.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] Niloufar Behradi-Ohnacker: Keep it simple, warum Satire besser informiert; Blogrebellen, 1.12. 2014.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] Faktencheck zur <em>heute-show<\/em>: &#8811;What the Fakt?&#8810;, Zur jeweils aktuellen Sendung auf zdf.de.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_12\" name=\"foot_12\">&laquo;12<\/a>] Matthias Kalle, Witzecheck f&uuml;r geklaute Gags; <em>Tagesspiegel<\/em>, 29.5. 2015; Detlef Esslinger: Da lacht der Ochsenfrosch, <em>S&uuml;ddeutsche Zeitung<\/em>, 6.6.2014.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_13\" name=\"foot_13\">&laquo;13<\/a>] &#8811;Kabarett ist das Spiel mit dem erworbenen Wissenszusammenhang des Publikums&#8810;, J&uuml;rgen Hennigsen: <em>Theorie des Kabaretts<\/em>, 1967, S.9.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_14\" name=\"foot_14\">&laquo;14<\/a>] Eine klassische Satire-Definition stammt von Erich K&auml;stner: &#8811;U&#776;bertriebene Darstellung negativer Tatsachen mit mehr oder weniger k&uuml;nstlerischen Mitteln zu einem mehr oder weniger au&szlig;erk&uuml;nstlerischen Zweck. Und zwar nur im Hinblick auf den Menschen und dessen Verb&auml;nde, von der Ein-Ehe bis zum Weltstaat.&#8810;, Erich K&auml;stner &#8811;Eine kleine Sonntagspredigt. Sinn und Wesen der Satire?, in: Erich K&auml;stner, <em>Der t&auml;gliche Kram, Chansons und Prosa<\/em>. 1945-1948; Z&uuml;rich 1948.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_15\" name=\"foot_15\">&laquo;15<\/a>] Nicht nur der Mainstream, auch die Gegeno&#776;ffentlichkeit verliert in diesem Prozess seine Unschuld, wird legitimationspflichtig. Gina Bucher, Jan Feddersen: 50 Jahre gegen den Strom, Sonderbeilage Gegen&ouml;ffentlichkeit, Taz, 24.5.2017; Jan Feddersen: Auf die Nerven gehen, <em>Taz<\/em>, 23.5. 2017.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&raquo;<em>Die Anstalt<\/em>&laquo; feiert in diesen Tagen ihren f&uuml;nften Geburtstag und hat sich inzwischen als die Institution etabliert, deren Insassen sich um Aufkl&auml;rung und Durchblick im allt&auml;glichen Wahnsinn von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft hervortun. &raquo;<em>Die Anstalt<\/em>&laquo; leistet Journalismusersatz und ist politisches Theater &ndash; stets mit scharfem und hintergr&uuml;ndigem Humor im Dienste der Augen &ouml;ffnenden Wahrheitsfindung. Zum<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=48988\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":48989,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,35,41,183],"tags":[2218,1998,2213,369,1919,1331],"class_list":["post-48988","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-aufbau-gegenoeffentlichkeit","category-medienanalyse","category-medienkritik","tag-alternative-medien","tag-anstalt","tag-heute-show","tag-kabarett","tag-lueckenpresse","tag-satire"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/190204_titel.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/48988","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=48988"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/48988\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":49058,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/48988\/revisions\/49058"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/48989"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=48988"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=48988"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=48988"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}