{"id":49,"date":"2004-01-12T16:47:38","date_gmt":"2004-01-12T14:47:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=49"},"modified":"2024-10-14T21:08:02","modified_gmt":"2024-10-14T19:08:02","slug":"verlagerung-von-arbeitsplatzen-hinweis-auf-eine-studie-des-fraunhofer-instituts-karlsruhe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=49","title":{"rendered":"Verlagerung von Arbeitspl\u00e4tzen &#8211; Hinweis auf eine Studie des Fraunhofer-Instituts, Karlsruhe"},"content":{"rendered":"<p>In der &ouml;ffentlichen Debatte haben heute dramatisierende und &uuml;bertreibende Stimmen die Oberhand. Zum Beispiel M. Miegel mit seinem Buch, &bdquo;Die deformierte Gesellschaft&ldquo;, Oswald Metzger mit &bdquo;Einspruch. Wider den organisierten Staatsbankrott&ldquo;, und dann vergangenen Herbst Hans-Werner Sinn, immerhin Pr&auml;sident des Ifo-Instituts und &Ouml;konomieprofessor an der M&uuml;nchener Universit&auml;t, mit &bdquo;Ist Deutschland noch zu retten?&rdquo;. Steffen Kinkel vom Fraunhofer-Institut, Karlsruhe r&uuml;ckt einige der g&auml;ngigen &Uuml;bertreibungen zurecht. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nEiner der vielen ma&szlig;losen &Uuml;bertreibungen in dem insgesamt unertr&auml;glichen Werk von Professor Sinn ist die Behauptung, Deutschland verliere Weltmarktanteile und werde &ldquo;wieder von den Weltm&auml;rkten verdr&auml;ngt &ldquo;. Weil diese Behauptung genauso wie jene einer mangelnden Wettbewerbsf&auml;higkeit auf den Weltm&auml;rkten so ganz und gar nicht zu der Entwicklung eines gro&szlig;en Leistungsbilanz&uuml;berschuss passt, warnt Professor Sinn vor der Entwicklung Deutschlands von einem Industriestandort zu einer Basar-&Ouml;konomie, wie er das nennt, &ldquo;die die in Osteuropa produzierten Waren in aller Welt verkauft.&rdquo; Da dieses Bild ja nicht damit &uuml;bereinstimmt, dass der Leistungsbilanz-&Uuml;berschuss Deutschlands gro&szlig; ist, behauptet Sinn in einer Rede am 15. November 2003, &ldquo;die Statistiken t&auml;uschten, denn sie nehmen keine R&uuml;cksicht darauf, welcher Anteil der Exporterl&ouml;se auf eine Wertsch&ouml;pfung in Deutschland zur&uuml;ckzuf&uuml;hren ist. Der von Deutschland exportierte Audi, dessen Motor aus Ungarn kommt, wird zu 100 Prozent den deutschen Exporten zugerechnet.&rdquo; <\/p><p>Herr Professor Sinn vers&auml;umt es, darauf hinzuweisen, dass die Motoren und die anderen importierten Produkte als Importe ebenfalls in die Leistungsbilanz einflie&szlig;en und also gegengerechnet werden. Wenn hierzulande keine gro&szlig;e Wertsch&ouml;pfung mehr stattf&auml;nde, dann k&ouml;nnte es keinen Leistungsbilanz-&Uuml;berschuss geben.<\/p><p>In einem wohltuend n&uuml;chternen Interview hatte sich der Mitarbeiter des Fraunhofer Instituts in Karlsruhe, Steffen Kinkel, schon im vorigen Jahr zu den Fragen der Verlagerung in Billigstandorte in den neuen EU-Mitgliedsl&auml;ndern und zur optimalen Strategie der Deutschen Industrie ge&auml;u&szlig;ert. <\/p><p>Hier einige Ausz&uuml;ge:<\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Durch unsere Befragungen wissen wir, dass eine strategisch gut &uuml;berlegte Auslandsproduktion einen Wachstumsschub f&uuml;rs Unternehmen insgesamt und damit auch f&uuml;r Arbeitspl&auml;tze in Deutschland ausl&ouml;sen kann. Dabei wiesen diejenigen Firmen den positivsten Besch&auml;ftigungssaldo auf, die sowohl im Ausland wie auch in Deutschland produzieren und ihre Fertigungsvolumina flexibel an den jeweils geeignetsten Standorten verteilten.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n&ldquo;Sechs Jahre zuvor lag der Anteil der abwanderungswilligen Unternehmen n&auml;mlich noch bei knapp 30 Prozent. Wir haben also mittelfristig eine deutlich abfallende Abwanderungstendenz. Da wird politisch argumentiert, nicht wissenschaftlich. So etwas &auml;rgert mich.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n&ldquo;Die Unternehmen haben mittlerweile einschl&auml;gige Erfahrungen gemacht. Es ist eben nicht so, dass sich geringere Lohnkosten im Ausland eins zu eins in geringere Fertigungskosten &uuml;bersetzen lassen. Oftmals zeigen sich jenseits der Grenze deutliche Einbu&szlig;en bei Flexibilit&auml;t und Qualit&auml;t. Meist dauert es einige Zeit, bis der Produktionsablauf an der neuen Fertigungsst&auml;tte &uuml;berhaupt so l&auml;uft, wie man es sich vorstellt. Zudem sind die Overhead-Kosten h&auml;ufig deutlich h&ouml;her als urspr&uuml;nglich kalkuliert &ndash; wenn sie denn &uuml;berhaupt eingeplant wurden, denn die meisten Auswanderer k&ouml;nnen sich einfach nicht vorstellen, welch erheblichen Betreuungsaufwand Auslandst&ouml;chter erfordern. Dazu kommt, dass sich das Lohnniveau in Osteuropa schneller, als man noch vor ein paar Jahren glaubte, dem deutschen angleicht.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n&ldquo;Die St&auml;rken des Standortes Deutschland sind wieder sichtbarer geworden. In Deutschland haben wir ein gewachsenes Bewusstsein der Arbeitnehmer f&uuml;r Qualit&auml;t, Schnelligkeit und Produktivit&auml;t der Prozesse sowie nahezu durchgehend bessere Qualifikationen. Wenn man sich anderswo erst mal eine blutige Nase geholt hat, wei&szlig; man das umso mehr zu sch&auml;tzen.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p><a href=\"http:\/\/www.isi.fraunhofer.de\/i\/dokumente\/pi26.pdf\" title=\"Externer Link zur Studie\">Link zur Studie [PDF &ndash; 440 KB]<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der &ouml;ffentlichen Debatte haben heute dramatisierende und &uuml;bertreibende Stimmen die Oberhand. Zum Beispiel M. Miegel mit seinem Buch, &bdquo;Die deformierte Gesellschaft&ldquo;, Oswald Metzger mit &bdquo;Einspruch. Wider den organisierten Staatsbankrott&ldquo;, und dann vergangenen Herbst Hans-Werner Sinn, immerhin Pr&auml;sident des Ifo-Instituts und &Ouml;konomieprofessor an der M&uuml;nchener Universit&auml;t, mit &bdquo;Ist Deutschland noch zu retten?&rdquo;. Steffen Kinkel vom<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=49\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[141,35,123,157],"tags":[499,487,424,443],"class_list":["post-49","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-arbeitsmarkt-und-arbeitsmarktpolitik","category-aufbau-gegenoeffentlichkeit","category-kampagnentarnworteneusprech","category-wettbewerbsfaehigkeit","tag-handelsbilanz","tag-produktivitaet","tag-sinn-hans-werner","tag-standortwettbewerb"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/49","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=49"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/49\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":123106,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/49\/revisions\/123106"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=49"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=49"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=49"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}