{"id":49003,"date":"2019-02-04T11:00:46","date_gmt":"2019-02-04T10:00:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=49003"},"modified":"2019-04-01T16:37:16","modified_gmt":"2019-04-01T14:37:16","slug":"juan-guaido-ein-staatchef-aus-dem-regime-change-labor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=49003","title":{"rendered":"Juan Guaid\u00f3: Ein Staatschef aus dem Regime-Change-Labor"},"content":{"rendered":"<p>Juan Guaid&oacute; ist das Produkt von mehr als zehn Jahren Arbeit, koordiniert von den Regime-Change-Trainern der Washingtoner Elite. W&auml;hrend er vorgibt, ein Verfechter der Demokratie zu sein, steht er in Wirklichkeit an der Spitze einer brutalen Destabilisierungskampagne. Von Dan Cohen und Max Blumenthal. <a href=\"https:\/\/grayzoneproject.com\/2019\/01\/29\/the-making-of-juan-guaido-how-the-us-regime-change-laboratory-created-venezuelas-coup-leader\/\">Aus dem Englischen<\/a> von <strong>Josefa Zimmermann<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2992\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-49003-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190206_Juan_Guaido_Ein_Staatschef_aus_dem_Regime_Change_Labor_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190206_Juan_Guaido_Ein_Staatschef_aus_dem_Regime_Change_Labor_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190206_Juan_Guaido_Ein_Staatschef_aus_dem_Regime_Change_Labor_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190206_Juan_Guaido_Ein_Staatschef_aus_dem_Regime_Change_Labor_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=49003-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190206_Juan_Guaido_Ein_Staatschef_aus_dem_Regime_Change_Labor_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"190206_Juan_Guaido_Ein_Staatschef_aus_dem_Regime_Change_Labor_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Vor dem schicksalhaften 22. Januar hatte nicht einmal jeder f&uuml;nfte Venezolaner jemals von Juan Guaid&oacute; geh&ouml;rt. Noch vor wenigen Monaten war der 35-J&auml;hrige ein obskurer Charakter in einer rechtsextremen politischen Randgruppe, die eng mit grausamen Stra&szlig;enk&auml;mpfen in Verbindung gebracht wurde. Selbst in seiner eigenen Partei hatte Guaid&oacute; nur einen mittleren Status in der oppositionsdominierten Nationalversammlung, die nun nach der venezolanischen Verfassung ver&auml;chtlich gemacht wird.<\/p><p>Doch nach einem einzigen Anruf von US-Vizepr&auml;sident Mike Pence erkl&auml;rte Guaid&oacute; sich selbst zum Pr&auml;sidenten von Venezuela. Von Washington zum F&uuml;hrer seines Landes erkoren, wurde ein bislang unbekannter, zum politischen Bodenpersonal z&auml;hlender Mann Pr&auml;sident der Nation mit den gr&ouml;&szlig;ten &Ouml;lreserven der Welt und r&uuml;ckte ins internationale Rampenlicht. <\/p><p>Im Konsens mit Washington begr&uuml;&szlig;te die Redaktion der New York Times Guaid&oacute; als &bdquo;glaubw&uuml;rdigen Rivalen&rdquo; von Maduro mit einem &bdquo;erfrischenden Stil und der Vision, das Land voranzubringen&rdquo;. Die Redaktion der Bloomberg News applaudierte ihm f&uuml;r die &bdquo;Wiederherstellung der Demokratie&rdquo; und das Wall Street Journal erkl&auml;rte ihn &bdquo;zu einem neuen demokratischen F&uuml;hrer&rdquo;. Inzwischen haben Kanada, zahlreiche europ&auml;ische Staaten, Israel und der Block der rechtsgerichteten lateinamerikanischen Regierungen, bekannt als Lima-Gruppe, Guaid&oacute; als legitimen F&uuml;hrer Venezuelas anerkannt. <\/p><p>W&auml;hrend Guaid&oacute; sich aus dem Nichts materialisiert zu haben scheint, ist er in Wirklichkeit das Produkt von mehr als zehn Jahren eifriger Aufzucht durch die Regime-Change-Fabriken der Washingtoner Elite. In einem Kader rechtgerichteter studentischer Aktivisten wurde Guaid&oacute; aufgebaut, um die sozialistische Regierung Venezuelas zu unterminieren, das Land zu destabilisieren und eines Tages die Macht zu ergreifen. Obwohl er in der venezolanischen Politik eine untergeordnete Rolle spielte, stellte er viele Jahre stillschweigend seinen Wert f&uuml;r die Machtzirkel in Washington unter Beweis.<\/p><p>&bdquo;Juan Guaid&oacute; ist die Figur, die f&uuml;r diese Situation geschaffen wurde&ldquo;, bemerkte  Marco Teruggi, ein argentinischer Soziologe und Chronist der venezolanischen Politik, gegen&uuml;ber The Grayzone. &bdquo;Es ist wie in einem Labor &ndash; Guaid&oacute; ist wie eine Mischung aus verschiedenen Elementen, die verschmolzen wurden zu einem Charakter, der sich, ehrlich gesagt, zwischen l&auml;cherlich und Besorgnis erregend bewegt.&rdquo; <\/p><p>Diego Sequera, ein venezolanischer Journalist und Autor bei dem investigativen Magazin Misi&oacute;n Verdad, stimmte zu: &bdquo;Guaid&oacute; ist au&szlig;erhalb Venezuelas beliebter als im Land selbst, besonders in den Elite-Zirkeln der Ivy-League-Universit&auml;ten und in Washington.&rdquo; Sequera bemerkte gegen&uuml;ber The Grayzone: &bdquo;Dort ist er als Charakter bekannt, er ist berechenbar rechts und gilt als loyal gegen&uuml;ber dem Programm.&ldquo;<\/p><p>W&auml;hrend Guaid&oacute; heute als das Gesicht des demokratischen Wiederaufbaus verkauft wird, absolvierte er seine Karriere in der brutalsten Gruppierung von Venezuelas radikalster Oppositionspartei und stand an der Spitze mehrerer Destabilisierungskampagnen. Seine Partei war in Venezuela weithin diskreditiert und wird teilweise f&uuml;r die Fragmentierung der stark geschw&auml;chten Opposition verantwortlich gemacht.&ldquo;<\/p><p>&bdquo;Diese radikalen F&uuml;hrer bleiben bei Umfragen unter 20 %&ldquo;, schrieb Luis Vicente Le&oacute;n, der f&uuml;hrende Meinungsforscher Venezuelas. Laut L&eacute;on ist Guaid&oacute;s Partei bei der Mehrheit der Bev&ouml;lkerung isoliert, denn die Mehrheit der Bev&ouml;lkerung &bdquo;will keinen Krieg. Was sie will, sind L&ouml;sungen.&rdquo;<\/p><p>Doch genau aus diesem Grund wurde Guaid&oacute; von Washington ausgew&auml;hlt: Niemand erwartet von ihm, dass er Venezuela zur Demokratie f&uuml;hrt, sondern dass er das Land destablilisiert, weil es zwei Jahrzehnte lang ein Bollwerk des Widerstands gegen die US-Hegemonie war. Sein merkw&uuml;rdiger Aufstieg bildet den H&ouml;hepunkt eines zwei Jahrzehnte dauernden Projekts zur Zerschlagung eines stabilen sozialistischen Experiments.<\/p><p><strong>Die &bdquo;Troika der Tyrannei&ldquo; im Visier<\/strong><\/p><p>Seit der Wahl von Hugo Ch&aacute;vez 1998 k&auml;mpften die USA f&uuml;r die Wiedererlangung der Kontrolle &uuml;ber Venezuela und seine riesigen &Ouml;lreserven. Durch Ch&aacute;vez&rsquo; sozialistische Programme wurde der Reichtum des Landes umverteilt und Millionen Menschen aus der Armut geholt, aber sie machten ihn auch zur Zielscheibe. <\/p><p>2002 setzte Venezuelas rechte Opposition Chavez mit Unterst&uuml;tzung der USA kurzerhand ab, bevor das Milit&auml;r ihn nach einer Massenmobilisierung wieder in sein Amt einsetzte. W&auml;hrend der Amtszeiten der US-Pr&auml;sidenten George W. Bush und Barack Obama &uuml;berlebte Ch&aacute;vez zahllose Mordanschl&auml;ge, bevor er 2013 an Krebs starb. Sein Nachfolger Nicolas Maduro &uuml;berlebte drei Mordanschl&auml;ge. <\/p><p>Die Trump-Administration erhob Venezuela sofort zum Top-Kandidaten auf der Regime-Change-Liste Washingtons und brandmarkte es als wichtigsten Staat in der &bdquo;Troika der Tyranneien&ldquo;. Im vergangenen Jahr versuchte Trumps nationales Sicherheitsteam Mitglieder des Milit&auml;rs zur Installierung einer Milit&auml;rjunta zu rekrutieren,  aber der Versuch schlug fehl. <\/p><p>Laut venezolanischer Regierung waren die USA auch in eine Verschw&ouml;rung mit dem Codenamen &bdquo;Operation Constitution&ldquo; verwickelt, die zum Ziel hatte, Maduro im Pr&auml;sidentenpalast Miraflores gefangen zu nehmen, und in eine zweite namens &bdquo;Operation Armageddon&ldquo;, bei der er im Juli 2017 bei einer Milit&auml;rparade get&ouml;tet werden sollte. Etwas mehr als ein Jahr sp&auml;ter versuchten Oppositionsf&uuml;hrer vom Ausland aus vergeblich, Maduro w&auml;hrend einer Milit&auml;rparade in Caracas mit Drohnenbomben zu t&ouml;ten. <\/p><p>Mehr als ein Jahrzehnt vor diesen Intrigen wurde eine Gruppe handverlesener rechtsgerichteter Studenten von einer US-finanzierten Akademie, in der Regime-Changes trainiert werden, ausgebildet, um die Regierung Venezuelas zu st&uuml;rzen und eine neoliberale Ordnung einzuf&uuml;hren. <\/p><p><strong>Die &lsquo;Export-A-Revolution-Gruppe&rsquo; legt die Samen f&uuml;r eine ANZAHL von Farbenrevolutionen<\/strong><\/p><p>Am 5. Oktober 2005, als Ch&aacute;vez auf dem H&ouml;hepunkt seiner Popularit&auml;t war und seine Regierung sozialistische Reformen plante, landeten f&uuml;nf &bdquo;Studentenf&uuml;hrer&ldquo; aus Venezuela in Belgrad, um f&uuml;r einen Umsturz zu trainieren. <\/p><p>Die Studenten waren mit freundlicher Unterst&uuml;tzung des Center for Applied Non-Violent Action and Strategies (CANVAS) aus Venezuela angereist. Diese Gruppe wird &uuml;berwiegend vom National Endowment for Democracy, einem CIA-Ableger, finanziert, der der US-Regierung als Hauptinstrument zur Durchsetzung von Regime-Change-Aktivit&auml;ten dient, ebenso wie die Ableger  International Republican Institute und National Democratic Institute for International Affairs.<\/p><p>Wie durch geleakte E-Mails von Stratfor bekannt wurde, einem Geheimdienst-Unternehmen, das auch &bdquo;Schatten-CIA&ldquo; genannt wird, finanzierte und trainierte die CIA CANVAS wahrscheinlich w&auml;hrend der K&auml;mpfe gegen Milosevic 1999\/2000.<\/p><p>CANVAS ist eine Ausgliederung von Otpor, einer serbischen Protestorganisation, die 1998 von Srdja Popoviv an der Universit&auml;t von Belgrad gegr&uuml;ndet wurde. Otpor, das serbische Wort f&uuml;r Widerstand, war eine studentische Gruppe, die international ber&uuml;hmt &ndash; und hollywoodm&auml;&szlig;ig promoted &ndash; wurde durch das Organisieren von Protesten, die schlie&szlig;lich zum Sturz von Slobodan Milosevic f&uuml;hrten.<\/p><p>Diese kleine Zelle von Regime-Change-Spezialisten operierte nach Methoden des k&uuml;rzlich verstorbenen Gene Sharp mit dem so genannten &bdquo;gewaltfreien Kampf nach Clausewitz&rdquo;, den Sharp gemeinsam mit einem ehemaligen Geheimdienstanalysten der Defense Intelligence Agency (DIA), Oberst Robert Helvey, entwickelt hatte, um einen strategischen Plan zu konzipieren, der bewaffneten Protest als eine Form hybrider Kriegsf&uuml;hrung einsetzte und sich gegen Staaten richtete, die sich der unipolaren Dominanz Washingtons widersetzten. <\/p><p>Otpor wurde unterst&uuml;tzt vom National Endowment for Democracy (USAID) und von Sharps Albert Einstein Institute. Sinisa Sikman, einer der Chef-Ausbilder von Otpor, behauptete einmal, dass die Organisation direkt von der CIA finanziert w&uuml;rde.<\/p><p>Laut einer geleakten E-Mail von einem hochrangigen Stratfor-Mitarbeiter nach dem Sturz von Milosewic &bdquo;wurden die Otpor-Kinder erwachsen, trugen Anz&uuml;ge und kreierten CANVAS&hellip; oder mit anderen Worten, eine &lsquo;Export-A-Revolution-Gruppe&rsquo;, die die Samen legte f&uuml;r einen ANZAHL von Farbenrevolutionen. Sie sind immer noch von der US-Finanzierung abh&auml;ngig und ziehen durch die ganze Welt, um Diktatoren und autokratische Regime zu st&uuml;rzen (alle, die von den USA nicht gemocht werden).<\/p><p>Stratfor enth&uuml;llte, dass CANVAS im Jahr 2005 &bdquo;seine Aufmerksamkeit Venezuela zuwandte&rdquo;, nachdem es bis dahin Oppositionsgruppen ausgebildet hatte, die NATO-freundliche Regime-Change-Operationen in Ost-Europa durchf&uuml;hrten.<\/p><p>W&auml;hrend der &Uuml;berwachung des CANVAS-Ausbildungsprogramms umriss Stratfor seine Aufstands-Agenda in erstaunlich deutlicher Formulierung: &bdquo;Erfolg ist keineswegs garantiert. Und studentische Proteste sind nur der Anfang eines m&ouml;glichen jahrelangen Kampfes, um in Venezuela eine Revolution zu entfachen, aber die Ausbilder haben beim &bdquo;Schl&auml;chter des Balkans&ldquo; Erfahrungen gesammelt. Sie besitzen immense F&auml;higkeiten. Wenn Sie feststellen, dass Studenten an f&uuml;nf Universit&auml;ten in Venezuela gleichzeitig demonstrieren, dann wissen Sie, dass die Ausbildung abgeschlossen ist und die wirkliche Arbeit beginnt.&ldquo; <\/p><p><strong>Die Geburt der Regime-Change-Kadergruppe &bdquo;Generation 2007&rdquo;<\/strong><\/p><p>Die wirkliche Arbeit begann zwei Jahre sp&auml;ter, 2007, als Guaid&oacute; sein Studium an der Katholischen Universit&auml;t Andr&eacute;s Bello in Caracas abgeschlossen hatte. Er zog nach Washington DC, um sich an der George-Washington-University f&uuml;r ein Studium in &bdquo;Governance and Political Management&ldquo; einzuschreiben, bei dem venezolanischen &Ouml;konomen Luis Enrique Berrizbeitia, einem  lateinamerikanischen Spitzen&ouml;konomen neoliberaler Ausrichtung. Berrizbeitia war fr&uuml;her Chef des International Monetary Fund (IMF) und verbrachte unter der alten oligarchischen Herrschaft, die durch Chavez beendet wurde, mehr als ein Jahrzehnt in Venezuela, wo er im Energiesektor t&auml;tig war. <\/p><p>In diesem Jahr half Guaid&oacute; bei der Organisation regierungsfeindlicher Demonstrationen, nachdem die venezolanische Regierung sich geweigert hatte, die Lizenz von Radio Caracas Televisi&oacute;n (RCTV) zu erneuern. <\/p><p>Dieser Privatsender hatte eine f&uuml;hrende Rolle beim Putsch gegen Chavez 2002 gespielt. RCTV half bei der Mobilisierung f&uuml;r regierungsfeindliche Demonstranten, gab gef&auml;lschte Informationen heraus, legte den Unterst&uuml;tzern der Regierung Gewalttaten zur Last, die Oppositionelle begangen hatten, und unterbrach w&auml;hrend des Staatsstreiches jede regierungsfreundliche Berichterstattung. Die Rolle von RCTV und anderer Sender, die sich im Besitz von Oligarchen befanden, wurde in der gefeierten Dokumentation &bdquo;The Revolution will not be televised&ldquo; aufgezeigt.<\/p><p>In demselben Jahr behaupteten die Studenten, das Verfassungsreferendum f&uuml;r einen &bdquo;Sozialismus des 21. Jahrhunderts&ldquo; verhindert zu haben, der versprach, &bdquo;den rechtlichen Rahmen f&uuml;r die politische und soziale Reorganisation des Landes zu etablieren, in dem organisierte Gemeinwesen unmittelbare Macht erhalten, ein neues Wirtschaftssystem zu entwickeln.&ldquo;<\/p><p>Mit den Protesten um RCTV und um das Referendum war eine neue Klasse von US-unterst&uuml;tzten Spezialkadern und Regime-Change-Aktivisten geboren. Sie nannten sich &bdquo;Generation 2007&rdquo;.<\/p><p>Die Ausbilder dieser Zelle von Stratfor und CANVAS identifizierten Guaid&oacute;s Mitk&auml;mpfer &ndash; einen libert&auml;ren Organisator politischer Aktionen namens Yon Goicoechea &ndash; als eine &bdquo;Schl&uuml;sselfigur&rdquo; bei der Niederschlagung des Verfassungsreferendums. Im folgenden Jahr wurde Goicochea f&uuml;r seine Bem&uuml;hungen mit dem &bdquo;Prize for Advancing Liberty&ldquo; des Cato-Institutes von Milton Friedmann ausgezeichnet. Die damit verbundenen 500 000 Dollar investierte er sofort in den Aufbau eines politischen Netzwerks. <\/p><p>Friedmann war bekanntlich der Ziehvater der notorischen neoliberalen Chicago Boys, die vom Pr&auml;sidenten der Junta, Augusto Pinochet, nach Chile eingeflogen wurden, um die radikale fiskale Austeri&auml;tspolitik im Sinne der Schock-Doktrin zu implementieren. Und das Cato-Institut ist der libert&auml;re Think-Tank, in Washington DC von den Koch-Br&uuml;dern gegr&uuml;ndet, den gr&ouml;&szlig;ten Sponsoren der Republikanischen Partei, die zu aggressiven Unterst&uuml;tzern der rechten Politik in Lateinamerika wurden. <\/p><p>WikiLeaks ver&ouml;ffentlichte 2007 eine E-Mail des amerikanischen Botschafters in Venezuela, William Brownfield, an das Au&szlig;enministerium, den Nationalen Sicherheitsrat und das Department of Defense Southern Command. Er lobte &bdquo;Generation of &rsquo;07&rdquo;, weil sie &bdquo;den venezolanischen Pr&auml;sidenten, der es gewohnt ist, die politische Agenda festzulegen, gezwungen hat (&uuml;ber)zureagieren.&ldquo; Zu den &bdquo;aufstrebenden F&uuml;hrern&rdquo;, die Brownfield identifizierte, geh&ouml;rten Freddy Guevara und Yon Goicoechea. Er applaudierte dem Letzteren als &bdquo;einem der klarsten Verteidiger b&uuml;rgerlicher  Freiheiten&rdquo;.<\/p><p>Ausgestattet mit dem Geld libert&auml;rer Oligarchen und den Soft-Power-Waffen der US-Regierung trugen die radikalen venezolanischen Kaderorganisationen die Otpor-Taktik auf die Stra&szlig;e, zusammen mit dem Logo der Gruppe:<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/190204_grayzone_01.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p><strong>&bdquo;&Ouml;ffentliche Unruhen instrumentalisieren&hellip; um Vorteile aus der Situation zu ziehen und sie gegen Chavez wenden.&ldquo;<\/strong><\/p><p>2009 veranstalteten die jungen Aktivisten der Generation 2007 ihre bislang provokativste Demonstration. Sie lie&szlig;en auf der Stra&szlig;e ihre Hosen fallen, entbl&ouml;&szlig;ten ihr Ges&auml;&szlig; und wandten die Guerillia-Theater-Taktik aus Gene Sharps Regime-Change-Handb&uuml;chern an. Die Demonstranten hatten gegen die Festnahme eines Verb&uuml;ndeten aus einer anderen Gruppe junger Aktivisten namens JAVU mobilisiert. Diese rechtsextreme Gruppe &bdquo;sammelte Gelder aus einer Vielzahl von US-Regierungsquellen, das es ihr erm&ouml;glichte, schnell als die Hardliner im Stra&szlig;enkampf der Opposition bekannt zu werden&ldquo;, so George Ciccariello-Maher in seinem Buch &bdquo;Building the Commune&ldquo;.<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/190204_grayzone_02.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>Obwohl keine Videos der Proteste verf&uuml;gbar sind, identifizierten viele Venezolaner Guaid&oacute; als einen der wichtigsten Teilnehmer der Demonstration. Der Vorwurf ist zwar unbest&auml;tigt, aber durchaus plausibel. Die Protestierenden, die ihre nackten Hinterteile zeigten, waren Mitglieder des inneren Kerns der Generation 2007, zu dem Guaid&oacute; geh&ouml;rte, und sie trugen T-Shirts mit ihrem Logo Resistencia! Venezuela!, wie auf dem Foto zu sehen ist.  <\/p><p>In dem Jahr exponierte sich Guaid&oacute; auf andere Weise in der &Ouml;ffentlichkeit und gr&uuml;ndete eine politische Partei, um die Anti-Chavez-Energie zu nutzen, die seine Generation 2007 aufgebaut  hatte. Partei des Volkswillens (Partido de la Voluntad Popular) war ihr Name, angef&uuml;hrt wurde sie von Leopoldo L&oacute;pez, einem in Princeton ausgebildeten rechten Hitzkopf, der stark verwickelt war in die Programme von National Endowment for Democracy und zum B&uuml;rgermeister eines Bezirks in Caracas gew&auml;hlt wurde, einem der reichsten Bezirke des Landes. Lopez war ein Abbild der venezolanischen Aristokratie, ein direkter Abk&ouml;mmling des ersten Pr&auml;sidenten seines Landes. Er war auch ein Cousin ersten Grades von Thor Halvorssen, dem Gr&uuml;nder der in den USA ans&auml;ssigen Human Rights Foundation, die als De-facto-Propagandainstrument f&uuml;r die US-unterst&uuml;tzten Aktivisten gegen die Regierungen der L&auml;ndern fungiert, die von Washington f&uuml;r einen Regime-Change vorgesehen sind. <\/p><p>Obwohl Lopez&rsquo; Interessen praktisch mit denen Washingtons identisch waren, wies die von WikiLeaks ver&ouml;ffentlichte US-amerikanische diplomatische Korrespondenz auf seine fanatischen Tendenzen hin, die letztendlich zu einer Marginalisierung der Partei f&uuml;hren sollten. Ein Schreiben identifizierte Lopez als &bdquo;eine spalterische Figur innerhalb der Opposition &hellip; die oft als arrogant, rachs&uuml;chtig und machthungrig beschrieben wird&ldquo;. Andere Schreiben betonten seine Besessenheit von Stra&szlig;enk&auml;mpfen und seine &bdquo;kompromisslose Herangehensweise&ldquo; als Ursache von Spannungen mit anderen Oppositionsf&uuml;hrern, deren vorrangige Ziele Einheit und Beteiligung an den demokratischen Institutionen des Landes waren. <\/p><p>Im Jahr 2010 nutzten die Partei des Volkswillens und ihre ausl&auml;ndischen Geldgeber die gr&ouml;&szlig;te D&uuml;rre, die Venezuela seit Jahrzehnten heimgesucht hatte. Aufgrund des Mangels an Wasser, das f&uuml;r  den Betrieb von Wasserkraftwerken ben&ouml;tigt wurde, kam es zu einer enormen Stromknappheit im Land. Eine weltweite wirtschaftliche Rezession und sinkende &Ouml;lpreise verst&auml;rkten die Krise und auch die Unzufriedenheit der Bev&ouml;lkerung. <\/p><p>Stratfor und CANVAS &ndash; wichtige Berater von Guaid&oacute; und seiner regierungsfeindlichen Kadertruppe &ndash; hatten einen schockierend zynischen Plan entwickelt, um einen Dolch ins Herz der bolivarischen Revolution zu sto&szlig;en. Bereits im April 2010 waren 70 Prozent der Stromversorgung zusammengebrochen. <\/p><p>&bdquo;Dies k&ouml;nnte ein Wendepunkt sein, da Chavez wenig tun kann, um die Armen vor dem Zusammenbruch des Systems zu sch&uuml;tzen&rdquo;, war in einem internen Memo von Stratfor zu lesen. &bdquo;Die Folge k&ouml;nnte das Aufkommen &ouml;ffentlicher Unruhen sein und keine Oppositionsgruppe k&ouml;nnte sie besser sch&uuml;ren. Das ist beste Zeitpunkt f&uuml;r eine Oppositionsgruppe, die Situation zu nutzen und sie gegen Chavez und zum eigenen Vorteil zu wenden.&ldquo; <\/p><p>Zu diesem Zeitpunkt erhielt die venezolanische Opposition laut US-amerikanischen Beh&ouml;rden von US-Regierungsorganisationen wie USAID und dem National Endowment for Democracy die beeindruckende Summe von 40 bis 50 Millionen Dollar pro Jahr. Auch die eigenen Auslandskonten warfen hohe Renditen ab. <\/p><p>W&auml;hrend sich das von Stratfor anvisierte Szenario nicht verwirklichen lie&szlig;, distanzierten sich die Aktivisten der Partei des Volkswillens und ihre Verb&uuml;ndeten von jeglichem Anspruch auf Gewaltlosigkeit und bekannten sich zu einem radikalen Plan zur Destabilisierung des Landes.<\/p><p><strong>Auf dem Weg zur gewaltsamen Destabilisierung<\/strong><\/p><p>Laut E-Mails venezolanischer Geheimdienste, die im November 2010 vom ehemaligen Justizminister Miguel Rodr&iacute;guez Torres ver&ouml;ffentlicht wurden, nahmen Guaid&oacute;, Goicoechea und mehrere andere studentische Aktivisten an einem geheimen f&uuml;nft&auml;gigen Training in einem Hotel namens &bdquo;Fiesta Mexicana&ldquo; in Mexiko teil. Das Training wurde von Otpor durchgef&uuml;hrt, dem Regime-Change-Unternehmen aus Belgrad, das von der US-Regierung gesponsert wurde. Berichten zufolge war die Veranstaltung von Otto Reich, einem fanatischen Castro-Gegner im Exil, der im State Department von George W. Bush arbeitete, und dem rechtsgerichteten kolumbianischen Pr&auml;sidenten Alvaro Uribe abgesegnet. Bei den Treffen, so hei&szlig;t es in den E-Mails, br&uuml;teten Guaid&oacute; und seine Mitstreiter einen Plan aus, Pr&auml;sident Hugo Chavez zu st&uuml;rzen, indem sie chaotische Zust&auml;nde durch immer wieder aufbrechende gewaltsame Stra&szlig;enk&auml;mpfe herbeif&uuml;hrten. <\/p><p>Drei Galionsfiguren der Erd&ouml;lindustrie &ndash; Gustavo Torrar, Eligio Cede&ntilde;o und Pedro Burelli &ndash; hatten angeblich die Kosten von 52 000 Dollar f&uuml;r das Meeting &uuml;bernommen. Torrar bezeichnet sich selbst als &bdquo;Menschenrechtsaktivist&ldquo; und &bdquo;Intellektuellen&ldquo;, dessen j&uuml;ngerer Bruder Reynaldo Tovar Arroyo der Repr&auml;sentant des privaten mexikanischen  &Ouml;l- und Gas-Unternehmens Petroquimica del Golfo in Venezuela war, das vertragliche Verbindungen mit dem Staat Venezuela hat.  <\/p><p>Cede&ntilde;o ist seinerseits ein gefl&uuml;chteter venezolanischer Gesch&auml;ftsmann, der in den USA  Asyl beantragt hat und Pedro Burelli ist ehemaliger JP-Morgan-Manager und ehemaliger Direktor  des venezolanischen staatlichen &Ouml;lunternehmens Petroleum of Venezuela (PDVSA). Er trennte sich 1998 von der Firma, als Hugo Chavez an die Macht kam, und ist Mitglied des Beirats des Latin America Leadership Program der Georgetown Universit&auml;t. <\/p><p>Burelli insistierte, dass die E-Mails, in denen er seine Teilnahme detailliert beschrieb, gef&auml;lscht seien. Er beauftragte sogar einen Privatdetektiv, um dies zu beweisen. Der Ermittler erkl&auml;rte, die Google-Protokolle zeigten, dass die Mails angeblich nie abgeschickt worden seien. Heute macht Burelli kein Geheimnis aus seinem Wunsch, den venezolanischen Pr&auml;sidenten Nicol&aacute;s Maduro abgesetzt zu sehen. Nach seinen Vorstellungen soll er sogar durch die Stra&szlig;en geschleift und von einem Bajonett aufgespie&szlig;t werden, genau wie es bei dem libyschen F&uuml;hrer Moammar Gaddafi durch die NATO-gest&uuml;tzten Milizen geschah. <\/p><p><em><strong>Update:<\/strong> Burelli kontaktierte das Grayzone-Magazin nach der Ver&ouml;ffentlichung dieses Artikels, um seine Beteiligung an der Fiesta-Mexicana-Geschichte zu erl&auml;utern.<\/em><\/p><p><em>Burelli nannte das Meeting &bdquo;eine legitime Aktion&ldquo;, die in einem Hotel mit einem anderen Namen in Mexiko stattfand.<\/em><\/p><p><em>Auf die Frage, ob Otpor das Treffen koordinierte, stellte er lediglich fest, dass er die Arbeit von Otpor\/CANVAS &bdquo;sch&auml;tzt&ldquo; und obwohl er sie nicht finanziell f&ouml;rdert, habe er bereits &bdquo;Aktivisten aus verschiedenen L&auml;ndern empfohlen, ihre Arbeit zu verfolgen und an den von ihnen angebotenen Veranstaltungen in verschiedenen L&auml;ndern teilzunehmen.&ldquo;<\/em><\/p><p><em>Burelli f&uuml;gte hinzu: &bdquo;Das Einstein-Institut trainierte Tausende [Aktivisten] &ouml;ffentlich in Venezuela. Gene Sharpes Philosophie wurde weithin studiert und &uuml;bernommen. Und vermutlich sorgte sie daf&uuml;r, dass die Unruhen nicht in einen B&uuml;rgerkrieg ausarteten.&rdquo;<\/em><\/p><p>Die angebliche Fiesta-Mexicana-Verschw&ouml;rung floss ein in einen weiteren Destabilisierungsplan,  der in einer Reihe von Dokumenten, die die venezolanische Regierung ver&ouml;ffentlichte, enth&uuml;llt wurde. Im Mai 2014 ver&ouml;ffentlichte Caracas Dokumente, in denen ein Attentat gegen Pr&auml;sident Nicol&aacute;s Maduro beschrieben wurde. Die Ver&ouml;ffentlichung lie&szlig; erkennen, dass der Anti-Chavez-Hardliner Maria Corina Machado dahinter steckte &ndash; heute der wichtigste Handlanger von Senator Marco Rubio.  Als Gr&uuml;nder der vom National Endowment for Democracy finanzierten Gruppe &bdquo;Sumate&ldquo; fungierte Machado als internationaler Verbindungsmann der Opposition, der 2005 Pr&auml;sident George W. Bush besuchte.<\/p><p>&bdquo;Ich denke, es ist an der Zeit, die Anstrengungen zu verst&auml;rken. Erledigen Sie die notwendigen Anrufe und sorgen Sie f&uuml;r die Finanzmittel, um Maduro zu vernichten, und alles Andere wird sich l&ouml;sen&ldquo;, schrieb Machado 2014 an den ehemaligen venezolanischen Diplomaten Diego Arria. <\/p><p>In einer anderen E-Mail behauptete Machado, der gewaltsame Plan sei von dem US-Botschafter in Kolumbien, Kevin Whitaker, abgesegnet. &bdquo;Ich habe mich bereits entschieden und dieser Kampf wird fortgesetzt, bis dieses Regime gest&uuml;rzt ist und wir unseren Freunden in der Welt liefern k&ouml;nnen. Wenn ich nach San Cristobal ginge und mich vor die OAS stellte, ich h&auml;tte nichts zu bef&uuml;rchten. Kevin Whitaker hat seine Unterst&uuml;tzung bereits best&auml;tigt und die n&auml;chsten Schritte beschrieben. Wir haben mehr Geld als das Regime, um den internationalen Sicherheitsring zu durchbrechen.&rdquo;<\/p><p><strong>Guaid&oacute; geht auf die Barrikaden<\/strong><\/p><p>In Februar errichteten studentische Demonstranten, die als Sto&szlig;trupp der im Exil lebenden Oligarchen fungierten, im ganzen Land gewaltsam Barrikaden und verwandelten die von der Opposition kontrollierten Quartiere in aggressive Festungen, die als Guarimbas bekannt wurden.  W&auml;hrend internationale Medien den Aufruhr als spontanen Protest gegen Maduros eiserne Faust darstellten, gab es zahlreiche Beweise daf&uuml;r, dass die Partei des Volkswillens die Show inszeniert hatte. &bdquo;Keiner der Demonstranten an den Universit&auml;ten trug ein Universit&auml;ts-T-Shirt, sie trugen alle T-Shirts mit dem Logo der Partei des Volkswillen oder von Gerechtigkeit Jetzt&rdquo;, sagte ein Guarimba-Teilnehmer damals. &ldquo;Es waren vielleicht Studentengruppen, aber die Studentenr&auml;te sind mit den Oppositionsparteien verbunden und sind ihnen Rechenschaft schuldig.&rdquo;<\/p><p>Auf die Frage nach den R&auml;delsf&uuml;hren sagte der Guarimba-Teilnehmer: &ldquo;Wenn ich ganz ehrlich bin, diese Leute sind jetzt Abgeordnete.&rdquo;<\/p><p>Etwa 43 Menschen wurden 2014 bei den Guarimbas get&ouml;tet. Drei Jahre sp&auml;ter gab es neue Ausbr&uuml;che und es kam zu massenhafter Zerst&ouml;rung der &ouml;ffentlichen Infrastruktur, der Ermordung von Unterst&uuml;tzern der Regierung und 126 Toten, von denen die meisten Chavez-Anh&auml;nger waren. In einigen F&auml;llen wurden die Regierungsanh&auml;nger von bewaffneten Gangs lebendig verbrannt.<\/p><p>2014 war Guaid&oacute; direkt an den Guarimbas beteiligt. Tats&auml;chlich twitterte er ein Video, das ihn mit Helm und Gasmaske zeigte, umgeben von maskierten und bewaffneten Elementen, die eine Autobahn blockiert hatten und in einen gewaltsamen Zusammensto&szlig; mit der Polizei verwickelt waren. Bezug nehmend auf seine Mitgliedschaft bei der Generation 2007 proklamierte er: &bdquo;Ich erinnere mich an 2007. Damals proklamierten wir &lsquo;Studenten!&rsquo; Jetzt rufen wir &lsquo;Widerstand!Widerstand!&rsquo;&ldquo;<\/p><p>Guaido l&ouml;schte den Tweet in offensichlicher Sorge um sein Image als Verteidiger der Demokratie.<\/p><p>Am 12. Februar 2014, in der hei&szlig;en Phase der Guarimbas in diesem Jahr, ging Guaid&oacute; w&auml;hrend des Wahlkampfs der Partei und von Gerechtigkeit Jetzt! zu Lopez auf die B&uuml;hne. W&auml;hrend einer sehr langen Hetzrede gegen die Regierung dr&auml;ngte Lopez die Menge zum Marsch auf das Geb&auml;ude der Generalstaatsanw&auml;ltin Luisa Ortega Diaz. Bald darauf wurde Diaz&rsquo; B&uuml;ro von bewaffneten Banden angegriffen, die es in Brand zu setzen versuchten. Sie verurteilte die Aktion als &bdquo;geplante und vors&auml;tzliche Gewalt&rdquo;. <\/p><p>Bei einem Fernsehauftritt im Jahr 2016 bezeichnete Guaid&oacute; die Todesf&auml;lle infolge von Guayas &ndash; einer Guarimba-Taktik, bei der Stahldraht &uuml;ber eine Fahrbahn gespannt wird, um Motorradfahrer zu verletzen oder zu t&ouml;ten &ndash; als &bdquo;Mythos&ldquo;. Seine Kommentare verharmlosten eine fatale Taktik, durch die Zivilisten wie Santiago Pedroza get&ouml;tet und neben vielen Anderen ein Mann namens Elvis Dur&aacute;n enthauptet wurde. <\/p><p>Diese abscheuliche Missachtung des menschlichen Lebens sollte seine Partei des Volkswillens in den Augen eines Gro&szlig;teils der &Ouml;ffentlichkeit einschlie&szlig;lich vieler Gegner von Maduro kennzeichnen. <\/p><p><strong>Die Regierung zeigt H&auml;rte gegen die Partei des Volkswillens<\/strong><\/p><p>Die Eskalation der Gewalt und die politische Polarisierung im ganzen Land veranlasste die Regierung, gegen die Parteif&uuml;hrer vorzugehen, die die Eskalation gesch&uuml;rt hatten. Freddy Guevara, Vizepr&auml;sident der Nationalversammlung und stellvertretender Vorsitzender der Partei des Volkswillens, war einer der Anf&uuml;hrer bei den Stra&szlig;enkrawallen 2017. Angesichts des drohenden Prozesses wegen seiner Rolle bei den Aufst&auml;nden suchte er Zuflucht in der chilenischen Botschaft, wo er sich immer noch aufh&auml;lt. <\/p><p>Ester Toledo, ein Abgeordneter der Partei aus dem Bundesstaat Zulia, wurde im September 2016 von der venezolanischen Regierung wegen Terrorfinanzierung und der Planung von Mordanschl&auml;gen gesucht. Er soll die Mordpl&auml;ne gemeinsam mit dem ehemaligen kolumbianischen Pr&auml;sidenten &Aacute;lavaro Uribe entwickelt haben. Toledo floh aus Venezuela und hielt Vortr&auml;ge bei Human Rights Watch, bei dem von der US-Regierung unterst&uuml;tzten Freedom House, dem spanischen Kongress und dem Europ&auml;ischen Parlament. <\/p><p>Carlos Graffe, ein weiteres von Otpor ausgebildetes Mitglied der Generation 2007, das die Partei f&uuml;hrte, wurde im Juli 2017 festgenommen. Laut Polizei war er im Besitz einer Tasche, in der sich N&auml;gel, der Sprengstoff C4 und ein Z&uuml;nder befand. Er wurde am 27. Dezember 2017 freigelassen.<\/p><p>Leopoldo Lopez, der langj&auml;hrige Vorsitzende der Partei, steht heute unter Hausarrest wegen seiner Schl&uuml;sselrolle bei der T&ouml;tung von 13 Personen bei den Guarimbas 2014. Amnesty International lobte ihn als &bdquo;Gefangenen mit gutem Gewissen&ldquo; und verurteilte seine Verlegung vom Gef&auml;ngnis in sein Haus als &bdquo;nicht ausreichend&ldquo;. Mittlerweile initiierten Angeh&ouml;rige der  Opfer eine Petition f&uuml;r eine h&ouml;here Strafe. <\/p><p>Yon Goicoechea, der Posterboy der Koch-Br&uuml;der, wurde 2016 von Sicherheitskr&auml;ften festgenommen, weil sie angeblich ein Kilogramm Sprengstoff in seinem Wagen gefunden hatten. In einem Kommentar der New York Times protestierte Goicoechea, die Beschuldigungen seien &bdquo;frei erfunden&ldquo;, und behauptete, er sei nur wegen seines &bdquo;Traumes von einer demokratischen Gesellschaft, frei von Kommunismus&ldquo; in Haft. Er wurde im November 2017 entlassen. <\/p><p>David Smolansky, ebenfalls Mitglied der urspr&uuml;nglich von Otpor ausgebildeten Generation 2007, wurde der j&uuml;ngste B&uuml;rgermeister von Venezuela, als er 2013 in dem wohlhabenden Vorort El Hatillo gew&auml;hlt wurde. Er musste jedoch zur&uuml;cktreten und wurde vom Obersten Gerichtshof zu 15 Monaten Gef&auml;ngnis verurteilt, nachdem er f&uuml;r schuldig befunden wurde, bei den Guarimbas Gewalt angestachelt zu haben.  <\/p><p>Als die Gef&auml;ngnisstrafe drohte, rasierte sich Smolansky den Bart ab, setzte eine Sonnenbrille auf und verschwand, als Priester verkleidet, nach Brasilien, mit einer Bibel in der Hand und einem Rosenkranz um den Hals. Heute lebt er in Washington, DC, wo er vom Sekret&auml;r der Organisation der Amerikanischen Staaten, Luis Almagro, auserkoren wurde, die Arbeitsgruppe &uuml;ber die venezolanische Migrations- und Fl&uuml;chtlingskrise zu leiten. <\/p><p>Am 26. Juli vergangenen Jahres veranstaltete Smolansky ein von ihm so genanntes &bdquo;freundschaftliches Wiedersehen&ldquo; mit Elliot Abrams, dem verurteilten Verbrecher aus der Iran-Contra-Aff&auml;re, der von Trump als Sondergesandter in Venezuela eingesetzt wurde. Abrams war f&uuml;r die &Uuml;berwachung der geheimen US-Politik der Bewaffnung der rechten Todesschwadronen in Nicaragua, El Salvador und Guatemala zust&auml;ndig. Seine wichtige Rolle bei dem Putsch in Venezuela l&auml;sst bef&uuml;rchten, dass ein weiterer blutiger Stellvertreterkrieg bevorsteht. <\/p><p>Vier Tage davor hatte Machado Maduro ein weiteres Mal gedroht und ihm erkl&auml;rt, wenn er &bdquo;sein Leben retten will, sollte er verstehen, dass seine Zeit abgelaufen ist&rdquo;.<\/p><p><strong>Ein Bauer im Spiel<\/strong><\/p><p>Der Zusammenbruch der Partei des Volkswillens unter dem Gewicht der von ihr inszenierten gewaltsamen Destabilisierungskampagne entfremdete gro&szlig;e Teile der &Ouml;ffentlichkeit von ihr und brachte ihr F&uuml;hrungspersonal ins Exil oder in Haft. Guaid&oacute; spielte dabei eine untergeordnete Rolle, da er die meiste Zeit seiner neunj&auml;hrigen Karriere als Abgeordneter in der Nationalversammlung verbracht hatte. Guaid&oacute;, der aus einem der d&uuml;nn besiedelten Bundesstaaten Venezuelas stammt, erreichte  bei den Parlamentswahlen 2015 den zweiten Platz und gewann nur 26 Prozent der abgegebenen Stimmen, um seinen Platz in der Nationalversammlung halten. In der Tat war sein Hintern vielleicht bekannter als sein Gesicht.<\/p><p>Guaid&oacute; ist bekannt als Pr&auml;sident der von der Opposition dominierten Nationalversammlung, aber er wurde nie in diese Position gew&auml;hlt. Die vier Oppositionsparteien, aus denen sich der Runde Tisch der Demokratischen Einheit zusammensetzte, hatten sich auf eine rotierende Pr&auml;sidentschaft geeinigt. Die Partei des Volkswillens war an der Reihe, aber ihr Gr&uuml;nder Lopez stand unter Hausarrest. Unterdessen hatte sein Stellvertreter, Guevara, in der chilenischen Botschaft Zuflucht gesucht. Eine Figur namens Juan Andr&eacute;s Mej&iacute;a w&auml;re als N&auml;chster an der Reihe gewesen, aber aus Gr&uuml;nden, die erst jetzt klar sind, wurde Juan Guaid&oacute; ausgew&auml;hlt.<\/p><p>&ldquo;Der Aufstieg von Guaid&oacute; hat etwas mit der Klasse zu tun&rdquo;, bemerkte der venezolanische Analyst Sequera. &bdquo;Mej&iacute;a ist erstklassig, hat an einer der teuersten Privatuniversit&auml;ten in Venezuela studiert, aber er konnte nicht so leicht der &Ouml;ffentlichkeit verkauft werden wie Guaid&oacute;. Zum einen hat Guaid&oacute; Mestizo-Gesichtsz&uuml;ge, wie die meisten Venezolaner, und er erscheint eher wie ein Mann aus dem Volk. Zum Anderen stand er nicht so sehr im Mittelpunkt des Medieninteresses, so dass man aus ihm so ziemlich alles formen konnte.&ldquo; Im Dezember 2018 schlich sich Guaid&oacute; &uuml;ber die Grenze und machte Ausfl&uuml;ge nach Washington, Kolumbien und Brasilien, um die Pl&auml;ne f&uuml;r Massendemonstrationen w&auml;hrend der Amtseinf&uuml;hrung von Pr&auml;sident Maduro zu koordinieren. In der Nacht vor Maduros Vereidigung riefen der US-Vizepr&auml;sident Mike Pence und die kanadische Au&szlig;enministerin Chrystia Freeland Guaid&oacute; an, um ihn ihrer Unterst&uuml;tzung zu versichern. Eine Woche sp&auml;ter schlossen sich Senator Marco Rubio, Senator Rick Scott und der Abgeordnete Mario Diaz-Balart &ndash; alles Abgeordnete aus dem St&uuml;tzpunkt der rechten kubanischen Exil-Lobby in Florida &ndash; Pr&auml;sident Trump und Vizepr&auml;sident Pence im Wei&szlig;en Haus an. Auf ihre Bitte hin stimmte Trump zu, Guaid&oacute; zu unterst&uuml;tzen, wenn er sich selbst zum Pr&auml;sidenten erkl&auml;rt. US-Au&szlig;enminister Mike Pompeo traf sich laut Wall Street Journal am 10. Januar pers&ouml;nlich mit Guaid&oacute;. Pompeo konnte den Namen von Guaid&oacute; jedoch nicht aussprechen, als er ihn am 25. Januar in einer Pressekonferenz erw&auml;hnte und ihn &ldquo;Juan Guido&rdquo; nannte. <\/p><p>Bis zum 11. Januar wurde Guaid&oacute;s Wikipedia-Eintrag 37-mal ver&auml;ndert, in dem Bem&uuml;hen, das Image der zuvor unbekannten Figur aufzupeppen, die nun ein Tableau f&uuml;r Washingtons Regime-Change-Ambitionen darstellte. Schlie&szlig;lich wurde die Redaktion f&uuml;r seinen Eintrag dem elit&auml;ren Gremium der &ldquo;Bibliothekare&rdquo; von Wikipedia &uuml;bergeben, das ihn zum &ldquo;umstrittenen&rdquo; Pr&auml;sidenten von Venezuela erkl&auml;rte.<\/p><p>Guaid&oacute; ist vielleicht eine obskure Figur, aber er kombiniert Radikalismus mit Opportunismus und erf&uuml;llt so die Bed&uuml;rfnisse Washingtons. &ldquo;Dieses Puzzlest&uuml;ck fehlte&rdquo;, sagte ein Vertreter der Trump-Administration &uuml;ber Guaid&oacute;. &ldquo;Er war das St&uuml;ck, das wir brauchten, damit unsere Strategie koh&auml;rent und vollst&auml;ndig wird.&rdquo; <\/p><p>&ldquo;Zum ersten Mal&rdquo;, frohlockte Brownfield, der ehemalige amerikanische Botschafter in Venezuela, gegen&uuml;ber der New York Times, &ldquo;haben wir einen Oppositionsf&uuml;hrer, der den Streitkr&auml;ften und den Strafverfolgungsbeh&ouml;rden klar signalisiert, dass er sie auf der Seite der Engel und der Guten halten will. &ldquo;<\/p><p>Aber Guaid&oacute;s Partei des Volkswillens bildete die Sto&szlig;truppen der Guarimbas, die den Tod von Polizeibeamten und einfachen B&uuml;rgern verursachten. Er r&uuml;hmte sich sogar, selbst an den Stra&szlig;enk&auml;mpfen beteiligt gewesen zu sein. Und jetzt muss er diese blutige Geschichte ausl&ouml;schen,  um Herz und Verstand von Milit&auml;r und Polizei zu gewinnen.  <\/p><p>Am 21. Januar, einen Tag bevor es mit dem Putsch ernst wurde, hielt Guaid&oacute;s Frau eine Video-Ansprache, in der sie das Milit&auml;r aufforderte, sich gegen Maduro zu erheben. Ihr Auftritt war h&ouml;lzern und und nicht gerade inspirierend, was auch die politischen Grenzen ihres Mannes unterstreicht.<\/p><p>W&auml;hrend Guaid&oacute; auf direkte Hilfe wartet, bleibt er das, was er schon immer war &ndash; ein Lieblingsprojekt von zynischen Kr&auml;ften aus dem Ausland. &ldquo;Es spielt keine Rolle, ob er nach all diesen Missgeschicken abst&uuml;rzt und verbrennt&rdquo;, sagte Sequera im Staatsfernsehen. &ldquo;F&uuml;r die Amerikaner ist er entbehrlich.&rdquo;<\/p><p>Titelbild: Julio Lovera\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Juan Guaid&oacute; ist das Produkt von mehr als zehn Jahren Arbeit, koordiniert von den Regime-Change-Trainern der Washingtoner Elite. W&auml;hrend er vorgibt, ein Verfechter der Demokratie zu sein, steht er in Wirklichkeit an der Spitze einer brutalen Destabilisierungskampagne. Von Dan Cohen und Max Blumenthal. <a href=\"https:\/\/grayzoneproject.com\/2019\/01\/29\/the-making-of-juan-guaido-how-the-us-regime-change-laboratory-created-venezuelas-coup-leader\/\">Aus dem Englischen<\/a> von <strong>Josefa Zimmermann<\/strong>.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast<\/em><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=49003\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":49004,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,198,126,20,125,11],"tags":[2573,1276,282,1795,1754,1334,901,2564,2565,1426,2144,2071,2520,1995,663,1418,2203,2305,1800,1556,1333,1464],"class_list":["post-49003","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-einzelne-politiker-personen-der-zeitgeschichte","category-erosion-der-demokratie","category-landerberichte","category-rechte-gefahr","category-strategien-der-meinungsmache","tag-abrams-elliott","tag-attentat","tag-buergerproteste","tag-chavez-hugo","tag-energieversorgung","tag-erdoel","tag-geheimdienste","tag-gewalt","tag-guaido-juan","tag-hegemonie","tag-libertarismus","tag-maduro-nicolas","tag-mord","tag-pence-mike","tag-putsch","tag-regime-change","tag-serbien","tag-stratfor","tag-trump-donald","tag-usa","tag-venezuela","tag-volksabstimmung"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/shutterstock_1301367937.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/49003","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=49003"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/49003\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":50614,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/49003\/revisions\/50614"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/49004"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=49003"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=49003"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=49003"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}