{"id":49071,"date":"2019-02-06T08:52:00","date_gmt":"2019-02-06T07:52:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=49071"},"modified":"2019-02-06T09:57:46","modified_gmt":"2019-02-06T08:57:46","slug":"brasilien-der-korruptionssumpf-des-bolsonaro-clans-und-seine-involvierung-in-das-organisierte-verbrechen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=49071","title":{"rendered":"Brasilien \u2013 Der Korruptionssumpf des Bolsonaro-Clans und seine Involvierung in das organisierte Verbrechen"},"content":{"rendered":"<p>Kaum ist die Regierung Jair Bolsonaro einen Monat im Amt, schon steht sie im Mittelpunkt eines Skandals, der von massiver Geldw&auml;sche bis zur Verbindung mit Verbrecher-Syndikaten reicht, die mehrheitlich von ehemaligen oder noch beamteten Polizisten der ber&uuml;hmt-ber&uuml;chtigten und verfilmten &ldquo;Elitetruppe&rdquo; der Polizei Rio de Janeiros kontrolliert werden. Von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nSchlimmer noch: Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und kritischen Medien beweisen vielf&auml;ltige Verstrickungen des Pr&auml;sidenten-Sohns und gerade gew&auml;hlten Senators Fl&aacute;vio Bolsonaro in den Mitte M&auml;rz vergangenen Jahres <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42987\">ver&uuml;bten Mordanschlag<\/a> auf die Stadtverordnete Marielle Franco. Allerdings, als selbst konservative brasilianische Medien den Fall wochenlang als <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=4VVf7_iroBM\">Aufmacher ihrer TV-Nachrichtensendungen<\/a> und ihrer <a href=\"https:\/\/www1.folha.uol.com.br\/poder\/2019\/01\/entenda-as-suspeitas-sobre-flavio-bolsonaro-e-o-ex-assessor-fabricio-queiroz.shtml\">Titelseiten<\/a> beharrlich der &Ouml;ffentlichkeit pr&auml;sentierten, kamen seiner Kl&auml;rung, insbesondere der l&auml;ngst f&auml;lligen Anklage des Pr&auml;sidentenspr&ouml;&szlig;lings, zwei rettende Ereignisse in die Quere, die mit dem Skandal vor&uuml;bergehend um die Schlagzeilen konkurrierten.<\/p><p>Zum einen der Dammbruch von Brumadinho mit seinen mehr als 300 Todesopfern, zum anderen die Einlieferung des Pr&auml;sidenten zur chirurgischen Entfernung eines Kolostomiebeutels, den Jair Bolsonaro seit dem auf ihn angeblich ausge&uuml;bten Attentat vom September 2018 als k&uuml;nstlichen Darmausgang benutzte. Die einschr&auml;nkende Wortwahl &bdquo;angeblich&ldquo; ist deshalb empfohlen, weil selbst an der vermeintlichen Messerattacke auf den damaligen Pr&auml;sidentschaftskandidaten in Brasilien mittlerweile ernsthafte Zweifel gehegt werden. Keine Blutspuren, umso mehr viele offene Fragen, weswegen ein <a href=\"https:\/\/jornalggn.com.br\/noticia\/documentario-levanta-duvidas-sobre-atentado-contra-bolsonaro\">akribisch-investigativer Dokumentarfilm<\/a> die M&ouml;glichkeit einer politisch-medialen Inszenierung erw&auml;gt, die die Wahl des seit Jahren <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=5Q-uHNJBC9I\">darmerkrankten Bolsonaro<\/a> bef&ouml;rdern sollte.<\/p><p>Was aber bedeutet das Schweigen und die Unt&auml;tigkeit des Ex-Richters und seit dem 1. Januar 2019 amtierenden Justizministers S&eacute;rgio Moro? Mehrfach von lokalen Medien auf den Fall Fl&aacute;vio Bolsonaro angesprochen, redete sich die Ikone der Korruptionsbek&auml;mpfung bereits Anfang Januar mit dem fadenscheinigen Hinweis heraus, der <a href=\"https:\/\/veja.abril.com.br\/politica\/para-moro-bolsonaro-ja-esclareceu-caso-de-ex-assessor-do-filho\/\">Pr&auml;sident habe &bdquo;den Fall gekl&auml;rt&ldquo;<\/a>. Was absolut nicht stimmte. Im Gegenteil: Je mehr der frischgew&auml;hlte, rechtsradikale Ex-Hauptmann die Aff&auml;re von sich abzuwenden versuchte, <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/portuguese\/brasil-46951192\">umso konfuser und suspekter wirkte sie<\/a> danach.<\/p><p>&bdquo;Er ist &uuml;ber die Ma&szlig;en zynisch!&ldquo;, kommentierte der nordostbrasilianische Richter im Ruhestand, Marcelo Tadeu Lemos de Oliveira, die <a href=\"https:\/\/jornalggn.com.br\/noticia\/juiz-ve-cinismo-de-moro-ante-possivel-lavagem-de-dinheiro-envolvendo-bolsonaro\">Haltung des neuen Justizministers<\/a>. Nach Meinung Oliveiras sollte Moro sich sch&auml;men und seinen Hut nehmen, wenn er seine Legende retten wolle. &bdquo;Entweder die falsche Legende oder den scheinheiligen Glanz. Weil er jetzt wegen seiner Haltung v&ouml;llig demoralisiert wird. Dieser Richter Sergio Moro hat mich nie get&auml;uscht!&rdquo;, warnte der Kollege im Ruhestand.<\/p><p><strong>Die Geldw&auml;scherei des Bolsonaro-Clans<\/strong><\/p><p>An Oliveiras Tadel ist mehr dran als blo&szlig;e Kritik an der Loyalit&auml;t Moros zum Pr&auml;sidenten. Sein Ministerium &uuml;berwacht n&auml;mlich seit dem 1. Januar den Kontrollausschuss f&uuml;r finanzielle Unternehmungen (COAF), der seit rund zwei Jahrzehnten als Abteilung des Finanzministeriums die Rechtm&auml;&szlig;igkeit von Finanz-Transaktionen, darunter eventuelle Geldw&auml;sche, &uuml;berwachte. Von Bolsonaro auf den Posten des Justizministers angesprochen, machte Moro die Ausgliederung des COAF ins Justizministerium zur Bedingung einer Zusage; angeblich zur effektiveren &Uuml;berwachung von Wirtschafts- und Finanzkriminalit&auml;t.<\/p><p>Moros Doppelspiel erhellte sich jedoch am Tag seiner Amts&uuml;bernahme, als mit Artikel 7 des Erlasses 9.663 vom 1. Januar 2019 die Ermittlungst&auml;tigkeit des COAF unter rigorose Zensur gestellt wurde. Wortw&ouml;rtlich hei&szlig;t es in Absatz III des Novellierungstextes, &bdquo;Dem Pr&auml;sidenten, den Ratsmitgliedern und den im COAF amtierenden Bediensteten ist es untersagt, in jedwedem Medium eine Stellungnahme zu im Plenum anh&auml;ngigen Verfahren abzugeben&rdquo;. Das Dekret verbietet Bediensteten auch, &bdquo;vertrauliche Informationen, die bereits bekannt sind oder aufgrund ihrer Amtsaus&uuml;bung ermittelt wurden, auch gegen&uuml;ber ihren Herkunftsorganen&rdquo; bereitzustellen oder weiterzugeben.<\/p><p>Mit der Verh&auml;ngung dieser Schweigepflicht, so kommentieren vereinzelte brasilianische Medien, d&uuml;rfte vor allem ein prominenter Tatverd&auml;chtiger gegen seine Anklage gepanzert werden: der ehemalige Stadtverordnete und im Oktober 2018 zum Senator gew&auml;hlte j&uuml;ngste Pr&auml;sidenten-Sohn, Fl&aacute;vio Bolsonaro. Der 38-j&auml;hrige Bolsonaro-Junior hatte n&auml;mlich das Pech, dass COAF zwischen Juni und Juli 2017 rund 48 &bdquo;ungew&ouml;hnliche&ldquo; Einzahlungen in H&ouml;he von 2.000 Reais (umgerechnet ca. 500 Euro) und ein Depot im Wert von 1 Million Reais (rund 250.000 Euro) <a href=\"https:\/\/g1.globo.com\/rj\/rio-de-janeiro\/noticia\/2019\/01\/18\/coaf-aponta-que-em-1-mes-foram-feitos-48-depositos-suspeitos-a-flavio-bolsonaro-no-total-de-r-96-mil.ghtml\">auf seinem Bankkonto ermittelte<\/a>.<\/p><p>Es blieb nicht dabei, die COAF-Beamten stie&szlig;en auf einen noch skurrileren Fund. Sie stellten fest, dass der bis Ende 2018 als &bdquo;Referent&ldquo; &ndash; sprich: Fahrer und Leibgardist &ndash; beim Stadtverordneten Fl&aacute;vio Bolsonaro besch&auml;ftigte ehemalige Polizist Fabr&iacute;cio Queiroz innerhalb von drei Jahren nicht weniger <a href=\"https:\/\/g1.globo.com\/politica\/blog\/matheus-leitao\/post\/2019\/01\/20\/coaf-queiroz-movimentou-r-7-milhoes-em-3-anos-militares-estao-em-21-areas-do-governo-federal-jornais-de-domingo-20.ghtml\">&bdquo;atypische&rdquo; Kontobewegungen<\/a> in H&ouml;he von 7 Mio. Reais (1,7 Millionen Euro) verzeichnete. Queiroz&lsquo; Kontobewegungen waren nicht nur &bdquo;atypisch&ldquo;, weil seine Eigentumsverh&auml;ltnisse mit seinem Grundgehalt unvereinbar waren, sondern weil der Ex-Polizist wiederum Dutzende Einzelbetr&auml;ge auf fremde Konten &uuml;berwies.<\/p><p>Queiroz versteckte sich zun&auml;chst in der Hochburg der kriminellen Milizen in Rio das Pedras und lie&szlig; sich sp&auml;ter wegen einem angeblichen Herzversagen in Brasiliens teuerstem Albert-Einstein-Hospital einliefern, in dem er allerdings wenig sp&auml;ter bei einem Freudentanz <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ReBhFYocoU4\">von einem Mobiltelefon gefilmt<\/a> wurde. Die Szene untermauerte den vielf&auml;ltigen Eindruck von Brasilien als einem unberechenbaren Irrenhaus.<\/p><p>Im Dezember 2018 trafen die Ermittlungen pl&ouml;tzlich den gerade zum Pr&auml;sidenten gew&auml;hlten Jair Bolsonaro in Person. Queiroz hatte n&auml;mlich einen Scheck in H&ouml;he von 24.000 Reais (umgerechnet 8.000 Euro) an Frau Michelle Bolsonaro, die zuk&uuml;nftige First Lady, &uuml;berwiesen. Ihr Ehemann, der rechtsradikale Ex-Hauptmann, redete sich damit heraus, es habe sich um die &bdquo;R&uuml;ckzahlung einer Anleihe&ldquo; seines langj&auml;hrigen Freundes Queiroz gehandelt, die er &bdquo;mangels Zeit, einen Geldautomaten zu bedienen&ldquo;, auf das <a href=\"https:\/\/g1.globo.com\/politica\/noticia\/2018\/12\/07\/bolsonaro-diz-a-site-que-deposito-de-ex-assessor-do-filho-na-conta-da-mulher-foi-para-pagar-divida.ghtml\">Konto seiner Ehefrau habe &uuml;berweisen lassen<\/a>. Die mehr als zweifelhafte Ausrede wurde von einem <a href=\"http:\/\/g1.globo.com\/globo-news\/jornal-globo-news\/videos\/v\/bolsonaro-justifica-repasse-de-ex-assessor-a-mulher-dele\/7219650\/\">stotternden und den Blickkontakt meidenden, nun auch verd&auml;chtigten Staatspr&auml;sidenten<\/a> vorgetragen.<\/p><p>Die COAF-Beh&ouml;rde war nur zuf&auml;llig auf die Unregelm&auml;&szlig;igkeiten des Bolsonaro-Clan-Geldverkehrs gesto&szlig;en. Der den Medien zugespielte Ermittlungsbericht war im Rahmen von &bdquo;Operation Furna da On&ccedil;a (Leoparden-Grube)&rdquo; zur Korruptionsermittlung gegen Rio de Janeiros inhaftierten ehemaligen Gouverneur S&eacute;rgio Cabral, zahlreiche seiner Referenten und 20 Abgeordnete von Rios Legislative entstanden, gegen deren Mehrheit die Staatsanwaltschaft Haftbefehle beantragte.<\/p><p><strong>Die Bolsonaros, Rios Milizen und der Mordanschlag auf Marielle Franco<\/strong><\/p><p>Lange vor dem COAF-Skandal hatten Brasiliens beherrschende Medien Fragen nach dem pl&ouml;tzlichen Reichtum des Bolsonaro-Clans gestellt. Bolsonaro-Sohn Eduardo erh&ouml;hte beispielsweise in knapp vier Jahren sein Verm&ouml;gen um 55 Prozent, sein Bruder Fl&aacute;vio um erstaunliche 432 Prozent. Die nach wie vor offene Frage lautet: Flossen Fl&aacute;vios &bdquo;atypische&ldquo; Einnahmen in sein Privatverm&ouml;gen oder wurden Teilsummen seiner und der Kontobewegungen seines Leibgardisten Queiroz zur Finanzierung des organisierten Verbrechens weitergeleitet beziehungsweise kassieren umgekehrt die Bolsonaros Beuteanteile der kriminellen Milizen?<\/p><div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/190206_plakat.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Nach Jair Bolsonaros Amts&uuml;bernahme erhellte sich das Familien-Narrativ zur Abwendung jedweden Verdachts allerdings im Licht einer makabren Pointe. Als die Staatsanwaltschaft Rio de Janeiro ihr &bdquo;Unternehmen Die Unantastbaren&ldquo; (Opera&ccedil;&atilde;o Intoc&aacute;veis) mit einem Haftbefehl gegen Milizion&auml;re er&ouml;ffnete, denen vorgeworfen wurde, das Gangster-Syndikat und gef&auml;hrlichste Killerkommando in der Favela Rio das Pedras mit dem einf&auml;ltigen Namen &bdquo;Escrit&oacute;rio do Crime&ldquo; (&bdquo;Verbrecherb&uuml;ro&ldquo;) angef&uuml;hrt zu haben, stie&szlig; sie nicht nur auf zwei jener Drehbuch-Helden aus dem im Jahr 2008 auf der Berlinale preisgekr&ouml;nten Film &bdquo;Die Elite-Truppe&ldquo; (siehe Poster), sondern noch einmal auf den Pr&auml;sidenten-Sohn Fl&aacute;vio Bolsonaro.<\/p><p>Im Jahr 2003 hatte der damalige Stadtverordnete Bolsonaro den ehemaligen Hauptmann des BOPE (Bataillon f&uuml;r Polizei-Sondereins&auml;tze), Adriano N&oacute;brega, und seinen Kollegen Major Ronald Pereira von der Stadtverordnetenkammer mit einer Medaille &bdquo;f&uuml;r au&szlig;erordentliche Dienste&ldquo; auszeichnen lassen. Beide wurden allerdings wenige Tage sp&auml;ter wegen der Zugeh&ouml;rigkeit zu einer &bdquo;Garnison des &Uuml;bels&ldquo; <a href=\"https:\/\/oglobo.globo.com\/brasil\/flavio-bolsonaro-homenageou-policiais-acusados-de-participar-de-guarnicao-do-mal-23424182\">angeklagt und verhaftet<\/a>, jedoch auf unerkl&auml;rliche Weise wieder auf freien Fu&szlig; gesetzt.<\/p><p>Nach vielf&auml;ltigen Recherchen &ndash; insbesondere des vom ehemaligen Brasilien-Korrespondenten des britischen <em>Guardian<\/em>, Glenn Greenwald, herausgegebenen Investigativ-Portals <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=wcgiVlyavXI\"><em>The Intercept<\/em><\/a> &ndash; stellte die Tageszeitung <em>Folha de S.Paulo<\/em> vergangenen 30. Januar die Bolsonaros mit einem <a href=\"https:\/\/www1.folha.uol.com.br\/poder\/2019\/01\/powerpoint-dos-bolsonaros-entenda-a-relacao-da-familia-com-queiroz-e-as-milicias.shtml\">denkw&uuml;rdigen Diagramm<\/a> blo&szlig;.<\/p><p>Der Titel servierte schweren Tobak: &bdquo;Das PowerPoint-Diagramm zu den Verbindungen der Bolsonaros mit Queiroz und den Milizen&ldquo;, das u.a. von mehrfachen parlamentarischen Lobesliedern Jair Bolsonaros auf die Milizen und Zufallsbildern aus den vergangenen Jahren untermauert wird, auf denen Vater und Sohn Bolsonaro Arm in Arm mit verbrecherischen Milizion&auml;ren l&auml;chelnd in die Kamera schauen. In einem Wort: Der Milizion&auml;r Adriano N&oacute;brega ist der mutma&szlig;liche M&ouml;rder der erschossenen Stadtverordneten Marielle Franco.<\/p><p>Doch die ahnungslosen brasilianischen Leser bekamen vor Staunen den Mund nicht mehr zu, als sie erfuhren, dass die Mutter und die Ehefrau N&oacute;bregas ebenfalls bis Ende 2018 <a href=\"https:\/\/www.sul21.com.br\/ultimas-noticias\/politica\/2019\/01\/mae-e-esposa-de-suspeito-em-assassinato-de-marielle-trabalhavam-para-flavio-bolsonaro\/\">im Stadtverordnetenb&uuml;ro Fl&aacute;vio Bolsonaros angestellt waren<\/a>.<\/p><p><strong>Was sind die Milizen?<\/strong><\/p><p>Milizen bezeichnet den Modus Operandi Mafia-&auml;hnlicher, krimineller Vereinigungen in Rio de Janeiro, insbesondere in den <em>Favelas<\/em> (einkommensschwache Gemeinden und Elendsviertel), die unter dem Vorwand der Bek&auml;mpfung des Verbrechens und des Drogenhandels in den vergangenen 20 Jahren paramilit&auml;rischen Charakter angenommen haben und illegal operieren. Aus ehemaligen und amtierenden Polizeibeamten, Feuerwehr- und Wachleuten, Gef&auml;ngnis- und Milit&auml;ragenten rekrutiert, werden sie von Gemeindevorst&auml;nden unterst&uuml;tzt sowie von lokalen Politikern gedeckt und gar zu Mordanschl&auml;gen unter Vertrag genommen. Zahlreiche Milizion&auml;re agieren seit Jahren als Stadt- und Landtagsabgeordnete in Rio de Janeiro.<\/p><p>Ihr Hauptfinanzierungsmittel ist die Erpressung von Gesch&auml;ftsleuten und selbst der armen Bev&ouml;lkerung mit der Erhebung von &bdquo;Schutzgeb&uuml;hren&ldquo;, sie betreiben jedoch auch den illegalen Handel mit Gas, Kabelfernsehen, Spielautomaten, Immobilien sowie alternative Massenverkehrsmittel in den Vorst&auml;dten. Nach Angaben des Zentrums f&uuml;r Gewaltforschung der staatlichen Universit&auml;t von Rio de Janeiro (UERJ) beherrschten die Milizen <a href=\"https:\/\/www1.folha.uol.com.br\/cotidiano\/2010\/11\/838275-trafico-em-baixa-da-espaco-a-milicias-diz-ex-secretario-nacional-de-seguranca.shtml\">bereits im Jahr 2010<\/a> mindestens 41 Prozent der 1.006 Favelas in Rio de Janeiro. Acht Jahre sp&auml;ter berichtete die <a href=\"https:\/\/theintercept.com\/2018\/04\/05\/milicia-controle-rio-de-janeiro\/\">April-Ausgabe 2018 von <em>The Intercept<\/em><\/a>, &bdquo;Die Milizen haben die vollst&auml;ndige Kontrolle &uuml;ber Rio de Janeiro &uuml;bernommen&ldquo;.<\/p><p>Titelbild: Marielle Franco<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kaum ist die Regierung Jair Bolsonaro einen Monat im Amt, schon steht sie im Mittelpunkt eines Skandals, der von massiver Geldw&auml;sche bis zur Verbindung mit Verbrecher-Syndikaten reicht, die mehrheitlich von ehemaligen oder noch beamteten Polizisten der ber&uuml;hmt-ber&uuml;chtigten und verfilmten &ldquo;Elitetruppe&rdquo; der Polizei Rio de Janeiros kontrolliert werden. Von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[60,20,127],"tags":[2454,1613,1978,1760,2520,2497],"class_list":["post-49071","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-innere-sicherheit","category-landerberichte","category-lobbyismus-und-politische-korruption","tag-bolsonaro-jair","tag-brasilien","tag-geldwaesche","tag-kriminalitaet","tag-mord","tag-moro-sergio"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/49071","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=49071"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/49071\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":49075,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/49071\/revisions\/49075"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=49071"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=49071"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=49071"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}