{"id":49173,"date":"2019-02-10T11:45:22","date_gmt":"2019-02-10T10:45:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=49173"},"modified":"2019-02-11T07:37:31","modified_gmt":"2019-02-11T06:37:31","slug":"der-fall-hammarskjoeld-33","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=49173","title":{"rendered":"Der Fall Hammarskj\u00f6ld 3\/3"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wurde Aids von einer S&ouml;Idnertruppe bewusst in S&uuml;den Afrikas verbreitet?<\/strong> Am letzten Januarwochenende hatte beim Sundance Film Festival der Dokumentarfilm &ldquo;Cold Case Hammarskj&ouml;ld&rdquo; von Mads Br&uuml;gger und Andreas Rocksen Premiere. Die beiden Filmemacher recherchierten &uuml;ber den mysteri&ouml;sen Flugzeugabsturz, bei dem der UN-Generalsekret&auml;r Dag Hammarskj&ouml;ld 1961 in Afrika ums Leben kam. Dabei stie&szlig;en sie auf sensationelle Informationen, bei denen die geheime Miliz SAIMR eine wichtige Rolle spielt. Ihre Blutspur zieht sich durch den ganzen afrikanischen Kontinent.&nbsp; Der britische Guardian berichtet in mehreren Artikeln dar&uuml;ber. Von <strong>Emma Graham-Harrison<\/strong>, <strong>Andreas Rocksen<\/strong> und <strong>Mads Br&uuml;gger<\/strong>. <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/world\/2019\/jan\/27\/south-african-intelligence-officers-spread-aids-black-communities\">Aus dem Englischen<\/a> von <strong>Josefa Zimmermann<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<em>Lesen Sie dazu auch <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=48995\">den ersten<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=49169\">zweiten Teil der Hammarskj&ouml;ld-Trilogie<\/a>.<\/em><\/p><p><em>Einer in S&uuml;dafrika stationierten S&ouml;ldnertruppe wird von ehemaligen Mitgliedern vorgeworfen, in den 1980er und 1990er Jahren versucht zu haben, Aids in S&uuml;dafrika zu verbreiten. Diesen Vorwurf &auml;u&szlig;ert Alexander Jones in dem Dokumentarfilm Cold Case Hammarskj&ouml;ld, der am letzten Januarwochenende beim Sundance Film Festival Premiere hatte. Er sagte, er habe vor drei Jahrzehnten als Geheimdienstoffizier beim South African Institute for Marine Research (SAIMR) gearbeitet, einer Organisation, die vor allem in Staatsstreiche und andere Gewalthandlungen in ganz Afrika verwickelt war.<\/em><\/p><p><em>Der Film befasst sich auch mit dem ungekl&auml;rten Mord an einer jungen SAIMR-Mitarbeiterin, deren Familie &uuml;berzeugt ist, dass sie wegen ihrer Arbeit an einem Aids-Projekt, das von SAIMR in S&uuml;dafrika und Mosambik durchgef&uuml;hrt wurde, ihr Leben lie&szlig;.<\/em><\/p><p>Und der Film zeigt, dass der damalige F&uuml;hrer der S&ouml;ldnertruppe auf eine rassistische, apokalyptische Weise von Aids \/ HIV geradezu besessen war. Keith Maxwell schrieb &uuml;ber die Seuche, von der er hoffte, dass sie die schwarze Bev&ouml;lkerung dezimieren, die wei&szlig;e Herrschaft zementieren und konservative religi&ouml;se Werte wiedererstarken lie&szlig;e, hei&szlig;t es in den Dokumenten der Filmemacher.<\/p><p>Maxwell hatte keinerlei medizinischen Qualifikationen, aber er leitete Kliniken in armen Gebieten mit &uuml;berwiegend schwarzer Bev&ouml;lkerung in der N&auml;he von Johannesburg und behauptete, Arzt zu sein. Dadurch erhielt er die M&ouml;glichkeit, unheilvolle Experimente durchzuf&uuml;hren, sagt Jones in dem Film. Die Filmemacher recherchierten &uuml;ber SAIMR, weil die Truppe sich verantwortlich erkl&auml;rt hatte f&uuml;r den mysteri&ouml;sen Flugzeugabsturz im Jahr 1961, bei dem der damalige UN-Generalsekret&auml;r Dag Hammarskj&ouml;ld get&ouml;tet worden war. &bdquo;Wo ist es einfacher, an Versuchskaninchen zu kommen, als in einem Apartheidsstaat?&rdquo; sagt Jones in dem Film. &bdquo;Schwarze Menschen haben keine Rechte, aber sie brauchen &auml;rztliche Behandlung. Dann kommt ein wei&szlig;er &bdquo;Philanthrop&rdquo; daher und sagt: &rdquo; Wisst ihr, ich werde diese Kliniken er&ouml;ffnen und ich werde euch behandeln&rdquo;. Und in Wirklichkeit ist er der Wolf im Schafspelz.&ldquo;<\/p><p>Ein Schild mit der Aufschrift &bdquo;Dokotela Maxwell&rdquo; h&auml;ngt noch immer an der Seite eines Geb&auml;udes in Putfontein, wo sich die Einheimischen an einen angesehenen Mann erinnern, der gewisserma&szlig;en das Monopol auf die Gesundheitsf&uuml;rsorge der Region hatte. Er bot seltsame Behandlungsmethoden an. Dazu geh&ouml;rte, Patienten in &bdquo;R&ouml;hren&ldquo; zu schieben, die ihm erlaubten, in ihren K&ouml;rper zu sehen. Er gab auch &ldquo;falsche Spritzen&rdquo;, sagte Ibrahim Karolia, der auf der anderen Stra&szlig;enseite einen Laden besa&szlig;. <\/p><p>In der &Ouml;ffentlichkeit zeigte Maxwell sich besorgt &uuml;ber Aids. Claude Newbury, ein Arzt und Abtreibungsgegner, der den S&ouml;ldnerf&uuml;hrer kannte, best&auml;tigte, dass er keine medizinischen Qualifikationen besa&szlig;, beschrieb ihn aber als engagierten Menschenfreund. &bdquo;Er war gegen V&ouml;lkermord und versuchte, ein Heilmittel gegen HIV zu finden&rdquo;, sagte Newbury den Filmemachern.<br>\nEin bizarres Interview in der Johannesburg Sunday Times mit einer SAIMR-Rekrutin im  Teenager-Alter, Debbie Campbell, vom August 1989 zeigt das Foto einer jungen Frau mit krausen Haaren, die die Wasserverschmutzung misst und die dann auch &uuml;ber die Suche nach einem Heilmittel f&uuml;r HIV \/ Aids spricht. Aber das freundliche Bild hat einen dunklen Beigeschmack. Sie beschreibt, dass sie im Alter von 13 Jahren direkt von der Schule rekrutiert wurde, und man kann sich eigentlich nicht vorstellen, welches harmlose Interesse eine internationale S&ouml;ldnertruppe an der Rekrutierung von M&auml;dchen im pubert&auml;ren Alter haben k&ouml;nnte. <\/p><p>Die von den Filmemachern gesammelten Dokumente zeigen offenbar, dass sich Maxwells private Ansichten sehr von seinen &ouml;ffentlich ge&auml;u&szlig;erten unterschieden. Die Papiere deuten auf seine perfide Freude &uuml;ber das Auftreten von Epidemien hin. In einem Dokument schreibt er: &bdquo;Mit einer wei&szlig;en Bev&ouml;lkerungsmehrheit kann S&uuml;dafrika bis 2000 Wahlgleichheit erreichen und eine R&uuml;ckkehr der Religion in ihrer konservativen, traditionellen Auspr&auml;gung. Abtreibung auf Wunsch, Drogenmissbrauch und all die anderen Exzesse der 1960er, 70er und 80er Jahre werden keinen Platz mehr in einer Welt nach Aids haben.&ldquo;<\/p><p>Die Papiere klingen wie der Fiebertraum eines Mannes, der sich als der Josef Mengele S&uuml;dafrikas f&uuml;hlt. Es gibt detaillierte, wenn auch teilweise unvollst&auml;ndige Berichte &uuml;ber seine Vorstellungen dar&uuml;ber, wie der HI-Virus isoliert, verbreitet und zur Dezimierung von Schwarzafrikanern eingesetzt werden k&ouml;nnte. Weniger klar ist, ob er die Sachkenntnis oder das Geld hatte, seine albtraumhaften Visionen zu verwirklichen. Der Ex-Mitarbeiter von SAIMR, Jones, behauptet, genau das sei aber geschehen. &bdquo;Wir waren in Mosambik damit besch&auml;ftigt, das Aids-Virus durch medizinische Programme zu verbreiten,&ldquo; sagt er. <\/p><p>Zumindest eine SAIMR-Mitarbeiterin hatte offenbar Bedenken ge&auml;u&szlig;ert hinsichtlich der medizinischen Programme der Organisation. Dagmar Feil war Meeresbiologin und wurde durch ihren Freund in die Organisation gebracht. 1990 wurde sie vor ihrem Haus in Johannesburg ermordet. Ihre Verwandten glauben, dass der Mord mit ihrer Mitarbeit bei der Arbeit im Aids-Programm von SAIMR zusammenh&auml;ngt.<\/p><p>&ldquo;Meine Schwester kam zu mir und sagte, sie m&uuml;sse sich mir anvertrauen&rdquo;, erkl&auml;re ihr Bruder Karl Feil den Filmemachern. &ldquo;Sie sa&szlig; bei mir und erz&auml;hlte, dass sie um ihr Leben f&uuml;rchtet &ldquo;.  Sie sagte, drei oder vier andere in ihrem Team seien bereits ermordet worden, aber auf die Frage, um welches Team es sich handelt, antwortete sie, das k&ouml;nne sie mir nicht sagen.&rdquo;<\/p><p>&bdquo;Das Thema Aids-Forschung wurde mehrmals erw&auml;hnt, so nebenbei in Gespr&auml;chen, aber ich habe nie eins und eins zusammengez&auml;hlt&ldquo;, sagt Feil in dem Film. Stattdessen bat Dagmar ihren Bruder, mit ihr in die Kirche zu gehen, damit sie &bdquo;mit Gott ins Reine komme&ldquo;. Wenige Wochen sp&auml;ter war sie tot.<\/p><p>Jones sagt, er kannte Dagmar Feil und behauptet, sie sei nach einer Reise nach Mosambik get&ouml;tet worden, eine Reise, mit der der Grundstein f&uuml;r die medizinischen Versuche der Truppe gelegt wurde. Sie wurde f&uuml;r medizinische Forschung eingestellt, sagte er. Sie war erfolgreich und stieg in den inneren Zirkel auf bei dieser Operation. Sie ging nach Mosambik, um ihre beruflichen Pflichten zu erf&uuml;llen, und&hellip; es wurde bekannt, dass sie vorhatte, auszusagen. &ldquo;<\/p><p>Feils Familie hat jahrelang versucht herauszufinden, was mit ihr passiert war, aber die Polizei zeigte wenig Interesse, sagt ihr Bruder. W&auml;hrend dieser Zeit teilte die Familie mit, dass sie von einem anderen SAIMR-Mitglied Dokumente erhalten habe, von denen angenommen wird, dass es sich um Maxwells Memoiren und seinen Bericht &uuml;ber SAIMR handelt. Diese Dokumente &uuml;berlie&szlig; die Familie sp&auml;ter den Filmemachern.<\/p><p>Dagmar Feils Mutter sprach mehrmals bei der Kommission f&uuml;r Wahrheit und Vers&ouml;hnung in S&uuml;dafrika vor, sagte Karl Feil. Sie bat um die Untersuchung des Mordes an ihrer Tochter als Teil einer gr&ouml;&szlig;eren Verschw&ouml;rung, wurde jedoch abgewiesen. <\/p><p>Die Kommission best&auml;tigte zwar erstmals &ouml;ffentlich die Existenz von SAIMR, war aber &uuml;berfordert und mit falschen Gest&auml;ndnissen konfrontiert. Die Hoffnung der Familie auf Aufdeckung der Wahrheit wurde zerschlagen.<\/p><p>&bdquo;Sie h&ouml;rten sie einfach nicht an,&ldquo; sagt Karl Feil. &bdquo;Sie wollten dieses Thema &uuml;berhaupt nicht diskutieren.&rdquo;<\/p><p><em>Andreas Rocksen war Co-Produzent und Mads Br&uuml;gger f&uuml;hrte Regie bei dem Dokumentarfilm Cold Case Hammarskj&ouml;ld.<\/em><\/p><p>Titelbild: Cold Case Hammarskj&ouml;ld<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Wurde Aids von einer S&ouml;Idnertruppe bewusst in S&uuml;den Afrikas verbreitet?<\/strong> Am letzten Januarwochenende hatte beim Sundance Film Festival der Dokumentarfilm &ldquo;Cold Case Hammarskj&ouml;ld&rdquo; von Mads Br&uuml;gger und Andreas Rocksen Premiere. Die beiden Filmemacher recherchierten &uuml;ber den mysteri&ouml;sen Flugzeugabsturz, bei dem der UN-Generalsekret&auml;r Dag Hammarskj&ouml;ld 1961 in Afrika ums Leben kam. 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