{"id":49281,"date":"2019-02-13T12:00:11","date_gmt":"2019-02-13T11:00:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=49281"},"modified":"2019-02-15T07:23:50","modified_gmt":"2019-02-15T06:23:50","slug":"europa-droht-hochgefaehrlicher-atomarer-ruestungswettlauf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=49281","title":{"rendered":"Europa droht hochgef\u00e4hrlicher atomarer R\u00fcstungswettlauf"},"content":{"rendered":"<p>Zur Rettung des INF-Vertrages muss die Friedensbewegung Forderungen an Washington und an Moskau erheben, fordert <strong>Andreas Zumach<\/strong> im folgenden Gastartikel f&uuml;r die NachDenkSeiten. Die NachDenkSeiten freuen sich, ihren Lesern diesen Text vorzustellen. Einiges sehen wir anders. Deshalb wird, weil wir die Diskussion f&uuml;r wichtig halten, noch ein erg&auml;nzender und kommentierender Text von Albrecht M&uuml;ller folgen. Der Artikel erscheint auch Mitte Februar in der vom Schweizerischen Friedensrat in Z&uuml;rich herausgegebenen &ldquo;Friedenzeitung&rdquo;.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6625\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-49281-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190214_Europa_droht_hochgefaehrlicher_atomarer_Ruestungswettlauf_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190214_Europa_droht_hochgefaehrlicher_atomarer_Ruestungswettlauf_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190214_Europa_droht_hochgefaehrlicher_atomarer_Ruestungswettlauf_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190214_Europa_droht_hochgefaehrlicher_atomarer_Ruestungswettlauf_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=49281-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190214_Europa_droht_hochgefaehrlicher_atomarer_Ruestungswettlauf_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"190214_Europa_droht_hochgefaehrlicher_atomarer_Ruestungswettlauf_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Nachdem Anfang Februar zun&auml;chst die Trump-Administration in Washington und dann auch die Regierung Putin in Moskau den Austritt aus dem INF-Mittelstreckenabkommen von 1987 angek&uuml;ndigt haben, droht ein atomarer Aufr&uuml;stungswettlauf in Europa. Er k&ouml;nnte noch weit gef&auml;hrlicher werden als die Aufr&uuml;stung mit sowjetischen SS-20 sowie US-amerikanischen Pershing 2 und Cruise-Missiles in den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts. Entsprechende Ank&uuml;ndigungen, Drohungen und Forderungen sind aus Washington, Moskau sowie in der innenpolitischen Debatte in Deutschland und anderen europ&auml;ischen NATO-Staaten bereits zu h&ouml;ren. Die Debatte wird mit zum Teil wortgleichen Behauptungen, Rechtfertigungen und Argumenten gef&uuml;hrt, wie die Kontroverse Ende der 70er, Anfang der 80er.<\/p><p>Damals demonstrierten in der bis dato gr&ouml;&szlig;ten Friedensbewegung seit dem 2. Weltkrieg Millionen von Menschen in Westeuropa &ndash; darunter auch in der Schweiz &ndash; in den USA und schlie&szlig;lich auch in der DDR und anderen osteurop&auml;ischen L&auml;ndern gegen &bdquo;Geist, Logik und Politik der atomaren Aufr&uuml;stung und Abschreckung&ldquo; und blockierten die Stationierungsorte f&uuml;r atomare Raketen. Diese Friedensbewegung trug wesentlich dazu bei, dass die Regierungschefs der USA und der damaligen Sowjetunion, Ronald Reagan und Michail Gorbatschow, am 7. Dezember das INF-Abkommen abschlossen, das ein Verbot landgest&uuml;tzter, mit Atomsprengk&ouml;pfen best&uuml;ckbarer Kurz- und Mittelstreckenraketen und Marschflugk&ouml;rper mit Reichweiten von 500 bis 5.500 Kilometer verh&auml;ngte. In Umsetzung dieses Abkommen verschrotteten Washington und Moskau ihr gesamtes, fast ausschlie&szlig;lich auf dem eurasischen Kontinent stationiertes Arsenal von insgesamt rund 2.700 Atomwaffen dieser Kategorie.<\/p><p><strong>Noch bleibt Zeit zur Rettung des INF-Vertrages<\/strong><\/p><p>In Kraft treten die Austrittsank&uuml;ndigungen der USA und Russlands allerdings erst am 2. August. Bis dahin sind noch sechs Monate Zeit, diesen hochgef&auml;hrlichen R&uuml;ckschritt in eine Zukunft mit wieder erh&ouml;hter Atomkriegsgefahr noch zu verhindern. Das kann &ndash; wenn &uuml;berhaupt &ndash; aber nur gelingen, wenn die Friedensbewegung politischen Druck macht auf beide Seiten &ndash; sowohl auf die Regierungen der USA und der europ&auml;ischen NATO-Verb&uuml;ndeten wie auf die Regierung Putin in Moskau. Das Wichtigste ist hierbei die Forderung nach einer m&ouml;glichst baldigen umfassenden, seri&ouml;sen &Uuml;berpr&uuml;fung der gegenseitigen Vorw&uuml;rfe aus Washington und Moskau (siehe Kasten). Denn diese Vorw&uuml;rfe sind auf beiden Seiten bislang nur Behauptungen, die weder &uuml;berzeugend belegt noch widerlegt sind. Zur &Uuml;berpr&uuml;fung sollten die Regierungen Trump und Putin die weitreichenden Inspektions- und Kontrollmechanismen des INF-Abkommens wieder in Kraft setzen und anwenden.<\/p><p>Mit diesen im Dezember 1987 f&uuml;r die Laufzeit von 13 Jahren vereinbarten Mechanismen &uuml;berwachten sich beide Seiten gegenseitig zun&auml;chst beim Abzug und der am 31. Mai 1991 abgeschlossenen Verschrottung aller unter das INF-Abkommen fallenden Atomwaffen. Und in den folgenden zehn Jahren bis zum 31. Mai 2001 dienten diese Mechanismen der Sicherheit und dem Vertrauen beider Seiten, dass die jeweils andere Seite keine neuen Typen der unter das INF-Verbot fallenden Kategorie von Atomwaffen entwickelt. Dieses gegenseitige Vertrauen hielt auch noch f&uuml;r weitere 13 Jahre vor. Erst 2014 erhoben die USA &ndash; noch unter Pr&auml;sident Barack Obama &ndash; erstmals informell den Vorwurf, Russland versto&szlig;e mit der Entwicklung einer neuen Mittelstreckenrakete gegen das Abkommen. Die Regierung Putin machte denselben Vorwurf gegen die inzwischen mit Unterst&uuml;tzung der NATO vollzogene Stationierung von &bdquo;Raketenabwehrsystemen&ldquo; der USA in Rum&auml;nien und Polen.<\/p><p><strong>Blinde Vasallentreue der europ&auml;ischen NATO-Regierungen<\/strong><\/p><p>Die Regierungen der europ&auml;ischen NATO-Verb&uuml;ndeten haben die Vorw&uuml;rfe der USA an die Adresse Moskaus ohne ausreichende Pr&uuml;fung &uuml;bernommen. Bei der NATO-Au&szlig;enministertagung Anfang Dezember 2018 stellten sie sich hinter das 60-Tage-Ultimatum, mit dem US-Au&szlig;enminister Mike Pompeo die Regierung Putin damals aufforderte, die behaupteten Vertragsverst&ouml;&szlig;e bis zum 2. Februar zu korrigieren. Nur wenige Stunden nach der Ank&uuml;ndigung des Austritts der USA durch Pompeo am 1. Februar stellten sich die NATO-Verb&uuml;ndeten in einer gemeinsamen Erkl&auml;rung sofort hinter diesen Schritt.<\/p><p>Mit dieser vorschnellen, vasallentreuen Solidarit&auml;tsadresse haben die europ&auml;ischen Regierungen ihre Einflussm&ouml;glichkeiten sowohl in Washington als auch in Moskau zun&auml;chst einmal sehr geschw&auml;cht. Angesichts dieser Solidarit&auml;tsadresse mit der Trump-Administration sind die Beteuerungen des sozialdemokratischen deutschen Au&szlig;enministers Heiko Maas und anderer Mitglieder europ&auml;ischer NATO-Regierungen, sie seien &bdquo;gegen die Stationierung neuer Mittelstreckenraketen&ldquo; in ihren L&auml;ndern, wenig glaubw&uuml;rdig. Und ganz wie in den 80er Jahren kritisieren PolitikerInnen von CDU\/CSU in Deutschland sowie konservative Parteien in anderen L&auml;ndern derartige Beteuerungen &bdquo;als grundfalsch&ldquo; und als &bdquo;Verrat an der B&uuml;ndnistreue in der NATO&ldquo;. Sie fordern, &bdquo;alle Optionen, inklusive der Stationierung neuer atomarer Mittelstreckenraketen in Europa&ldquo; m&uuml;ssten jetzt auf den Tisch. Nur auf diese Weise sei Russland zu &bdquo;Konzessionen&ldquo;, zu &bdquo;Verhandlungsbereitschaft&ldquo; und zur &bdquo;Korrektur der Verst&ouml;&szlig;e gegen den INF-Vertrag&ldquo; zu bewegen.<\/p><p>D&eacute;j&agrave;-vu der 70er und 80er Jahre. Der deutsche gr&uuml;ne Au&szlig;enpolitiker und ehemalige Umweltminister J&uuml;rgen Trittin ist bislang einer der wenigen, der auch die Vorw&uuml;rfe Russlands an USA und NATO ber&uuml;cksichtigt. Trittin forderte &bdquo;eine Abr&uuml;stungsinitiative, um den Verzicht auf atomare Mittelstreckenraketen in Europa zu sichern&rdquo; und regte eine neue Variante des Doppelbeschlusses von 1979 an. Die NATO solle Russland anbieten, auf die US-Raketenabwehrsysteme in Europa zu verzichten und die taktischen Atomwaffen der USA aus Deutschland und anderen europ&auml;ischen Staaten abzuziehen. Im Gegenzug m&uuml;sse Russland ebenfalls bei den bereits in Kaliningrad stationierten Iskander-Raketen (die mit Reichweiten von knapp 500 Kilometern auch die NATO-Mitglieder Polen sowie die drei baltischen Staaten erreichen k&ouml;nnen) sowie bei Marschflugk&ouml;rpern abr&uuml;sten.<\/p><p><strong>Hochgef&auml;hrliche Atomwaffen in der Pipeline f&uuml;r ein neues Wettr&uuml;sten<\/strong><\/p><p>In den 70er Jahren erregten zun&auml;chst im Westen die sowjetischen Mittelstreckenraketen vom Typ SS-20 besondere Sorge, weil sie in gro&szlig;er Zahl westlich des Ural stationiert waren. In der Reichweite der SS-20 lag das gesamte Territorium der westeurop&auml;ischen NATO-Staaten. Die NATO reagierte Ende 1979 mit ihrem &bdquo;Doppelbeschluss&ldquo;, der die Stationierung neuer Pershing-2-Raketen und Cruise-Missiles androhte, falls Moskau die SS-20-Arsenale nicht abr&uuml;sten w&uuml;rde. Ab Ende 1983 wurden die Atomwaffen der USA in Deutschland, Italien, Belgien, den Niederlanden und Gro&szlig;britannien stationiert. Die bereits lange vor dem Doppelbeschluss entwickelte Pershing 2 h&auml;tte wegen ihrer hohen Geschwindigkeit und Pr&auml;zision acht Minuten nach Abschuss von ihren drei Stationierungsorten in Baden-W&uuml;rttemberg Ziele bei Moskau erreichen und zerst&ouml;ren k&ouml;nnen. Mit einer ausreichenden Zahl von Pershing 2 h&auml;tten die USA einen Enthauptungsschlag gegen sowjetische Raketenstellungen f&uuml;hren k&ouml;nnen. Entsprechende Bef&uuml;rchtungen wurden noch best&auml;rkt durch Strategiekonzepte aus der damaligen Administration von US-Pr&auml;sident Ronald Reagan, in denen eine solcher Enthauptungsschlag und das Szenario eines auf Europa begrenzten Atomkrieges er&ouml;rtert und bef&uuml;rwortet wurden.<\/p><p>Die Waffensysteme, die jetzt in den USA und in Russland in der Pipeline f&uuml;r einen neuen atomaren R&uuml;stungswettlauf in Europa sind, lassen die Pershing 2 und die SS-20 alt aussehen. Der US-Kongress bewilligte der Trump-Administration bereits f&uuml;r das Haushaltsjahr 2018 eine erste Tranche von 500 Millionen Dollar zur Entwicklung einer neuen landgest&uuml;tzten Mittelstreckenrakete, die die technologischen F&auml;higkeiten der Pershing 2 deutlich &uuml;bertreffen soll hinsichtlich Geschwindigkeit, Pr&auml;zision, Zerst&ouml;rungskraft, Steuerungsf&auml;higkeit und der M&ouml;glichkeit, nicht nur feste, sondern auch bewegliche Ziele zu treffen. Denselben &bdquo;Fortschritt&ldquo; bringen auch die bereits in der Produktion befindlichen Nachfolgemodelle f&uuml;r die atomaren Fallbomben vom Typ B61-12, die die USA ab 2020 auf ihren Milit&auml;rbasen im deutschen B&uuml;chel in der Eifel sowie in den Niederlanden und in Belgien stationieren wollen. Diese &bdquo;Modernisierungsma&szlig;nahme&ldquo; wird von allen NATO-B&uuml;ndnispartnern der USA ausdr&uuml;cklich unterst&uuml;tzt.<\/p><p>Hinzu kommen neue Atomwaffen mit niedrigerer Sprengkraft &ndash; sogenannte &bdquo;Mininukes&ldquo; &ndash; deren Produktion und Stationierung in Europa US-Pr&auml;sident Donald Trump bereits Anfang 2018 angek&uuml;ndigt hatte. Laut Trump sollen diese Waffen mit einer Sprengkraft von immerhin noch einem Mehrfachen der Hiroshima-Bombe eine derzeit angeblich bestehende &bdquo;Abschreckungsl&uuml;cke&ldquo; gegen&uuml;ber Russland schlie&szlig;en. Moskau m&uuml;sse &uuml;berzeugt werden, dass die USA selbst bei einem rein konventionellen Angriff Russlands etwa auf Polen oder die baltischen Staaten (eine Gefahr, die von der NATO seit der v&ouml;lkerrechtswidrigen russischen Annexion der Krim behauptet wird) bereit und in der Lage sind, atomar zu reagieren.<\/p><p>Der russische Pr&auml;sident Wladimir Putin und Verteidigungsminister Sergey Schoigu k&uuml;ndigten Anfang Februar die Entwicklung und Stationierung neuer landgest&uuml;tzter Mittelstreckenraketen sowie von Abschussger&auml;ten f&uuml;r Kalibr-Raketen an, die bislang auf Schiffen stationiert sind und daher nicht unter das Verbot des INF-Vertrages fielen. Die neuen Raketen und Abschussger&auml;te sollen bis Ende 2021 einsatzbereit sein. Au&szlig;erdem betreibt Russland laut Putin die Entwicklung von Hyperschallraketen mit gr&ouml;&szlig;erer Reichweite, die mit mindestens f&uuml;nffacher Schallgeschwindigkeit auf ihr Ziel zusteuern. Den Prototyp einer neuen Interkontinentalrakete mit Hyperschallgeschwindigkeit hatte Russland bereits 2018 vorgestellt.<\/p><p>Das endg&uuml;ltige Ende des INF-Vertrages w&uuml;rde aber nicht nur zu einem neuen gef&auml;hrlichen atomaren R&uuml;stungswettlauf der USA und Russlands in Europa f&uuml;hren, sondern auch global. Die Chance, dass sich Washington und Moskau dann noch auf ein Nachfolgeabkommen f&uuml;r den 2021 auslaufenden START-Vertrag mit zahlenm&auml;&szlig;igen Obergrenzen f&uuml;r strategische Atomsprengk&ouml;pfe und ihre Tr&auml;gersysteme (Interkontinentalraketen, U-Boote, Langstreckenbomber) einigen k&ouml;nnen, werden von R&uuml;stungskontrollexperten als minimal beurteilt. Bislang haben Washington und Moskau noch nicht einmal Verhandlungen &uuml;ber ein START-Nachfolgeabkommen aufgenommen.<\/p><p>Im schlimmsten Fall k&ouml;nnte es auch zu einer Aufk&uuml;ndigung des atomaren Teststoppabkommens kommen .Und sollten die USA und Russland wieder ungehemmt atomar aufr&uuml;sten, entgegen ihrer Verpflichtungen aus dem Vertrag &uuml;ber die Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen (NPT), wird auch dieses Abkommen von den 186 Staaten, die seit 1970 mit ihrer Unterzeichnung des NPT auf die Entwicklung und den Besitz von Atomwaffen verzichtet haben, immer st&auml;rker in Frage gestellt werden. Eine neue Eskalation der atomaren Aufr&uuml;stung in den USA und in Russland wird zudem auch zu entsprechenden Anstrengungen in China f&uuml;hren sowie in der Folge dann auch den beiden inoffiziellen Atomwaffenstaaten Indien und Pakistan.<\/p><p><strong>China, Indien, Iran und andere einbinden?<\/strong><\/p><p>Als US-Pr&auml;sident Trump den Austritt aus dem INF-Abkommen im Oktober 2018 erstmals androhte, benannte er zur Rechtfertigung neben angeblichen Vertragsverst&ouml;&szlig;en Russlands auch die heutigen Mittelstreckenraketen in China, Indien, Iran, Nordkorea und anderen L&auml;ndern, die bei Abschluss des INF-Vertrages im Dezember 1987 noch nicht existierten. Allein China verf&uuml;gt heute &uuml;ber rund 2.000 Mittelstreckenraketen, die mit Reichweiten von &uuml;ber 2.000 Kilometern US-amerikanische Ziele im Pazifik und im asiatischen Meer erreichen k&ouml;nnen. Trump forderte, der bilaterale INF-Vertrag zwischen Washington und Moskau m&uuml;sse multilateralisiert und auf China und andere L&auml;nder ausgeweitet werden. Das ist aus friedens- und r&uuml;stungskontrollpolitischer Sicht durchaus eine richtige Forderung. Nur ist die Zerst&ouml;rung des bestehenden bilateralen INF-Vertrages mit Sicherheit der falsche Weg, um zu einem multilateralen Abkommen zu gelangen.<\/p><div style=\"background: #f1f1f1; padding: 20px 20px 5px 20px; margin-bottom: 20px;\">\nGegenseitige Vorw&uuml;rfe zwischen Washington und Russland\n<p>Die Trump-Administration rechtfertigt ihren Ausstieg aus dem INF-Abkommen mit dem Vorwurf, Russland habe unter Versto&szlig; gegen den Vertrag eine neue landgest&uuml;tzte Mittelstreckenrakete vom Typ 9M729 (Nato-Code: SSC-8) entwickelt mit Reichweiten bis 2.600 Kilometer. Russland habe bereits 64 dieser Raketen an vier verschiedenen Standorten stationiert (bei einem Ausbildungsbataillon auf dem s&uuml;drussischen Testgel&auml;nde Kapustin Jar, einem Bataillon in Kamyschlow &ouml;stlich von Jekaterinburg sowie auf einem Milit&auml;rst&uuml;tzpunkt in Schuja bei Moskau und in Mosdok in Nordossetien), verbreiteten Medien in Deutschland, den USA und anderen NATO-Staaten am 10. Februar unter Berufung auf nicht n&auml;her spezifizierte &bdquo;westliche Geheimdienstkreise&rdquo;. Moskau bestreitet den Vorwurf der Vertragsverletzung und erkl&auml;rt, die neue Rakete bleibe mit lediglich 480 Kilometern Reichweite unterhalb der Verbotsgrenze des Abkommens. Umgekehrt behauptet Russland, die USA w&uuml;rden mit ihrem im rum&auml;nischen Deveselu sowie in Polen stationierten Raketenabwehrsystem vom Typ Aegis Ashor gegen das INF-Abkommen versto&szlig;en. Denn die Startger&auml;te vom Typ MK 41 f&uuml;r die Abwehrraketen w&uuml;rden die USA auch auf Kriegsschiffen f&uuml;r den Abschuss von seegest&uuml;tzten Marschflugk&ouml;rpern vom Typ Tomahawk verwenden. Daher, so Moskau, k&ouml;nnten diese Marschflugk&ouml;rper auch von dem landstationierten System in Rum&auml;nien abgeschossen werden. Washington bestreitet dies.\n<\/p><\/div><p>Titelbild: Alexyz3d\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Rettung des INF-Vertrages muss die Friedensbewegung Forderungen an Washington und an Moskau erheben, fordert <strong>Andreas Zumach<\/strong> im folgenden Gastartikel f&uuml;r die NachDenkSeiten. Die NachDenkSeiten freuen sich, ihren Lesern diesen Text vorzustellen. Einiges sehen wir anders. 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