{"id":49361,"date":"2019-02-16T11:45:14","date_gmt":"2019-02-16T10:45:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=49361"},"modified":"2022-04-01T11:57:22","modified_gmt":"2022-04-01T09:57:22","slug":"die-geschichte-der-fpoe-ihre-verankerung-in-teilen-der-oesterreichischen-gesellschaft-und-die-defizite-der-politischen-linken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=49361","title":{"rendered":"Die Geschichte der FP\u00d6, ihre Verankerung in Teilen der \u00f6sterreichischen Gesellschaft und die Defizite der politischen Linken"},"content":{"rendered":"<p>Je nach politischer Grundausrichtung werden der Freiheitlichen Partei &Ouml;sterreichs (FP&Ouml;) eine tiefe Verwurzelung im historischen Nationalsozialismus attestiert oder aber dieser Vorhalt wird vehement bestritten. Nach zahlreichen Skandalen hat die Partei inzwischen eine Historikerkommission eingesetzt, um dieses Thema zu kl&auml;ren. Im Gespr&auml;ch mit der Kultur- und Sozialhistorikerin Edith Friedl wurden Antworten auf offene Fragen zur Geschichte der FP&Ouml;, zu ihrer Verankerung in Teilen der &ouml;sterreichischen Gesellschaft und zu den Defiziten der politischen Linken gesucht. Das Interview f&uuml;hrte <strong>Norbert Wiersbin<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7986\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-49361-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190216_Die_Geschichte_der_FPOE_und_die_Defizite_der_politischen_Linken_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190216_Die_Geschichte_der_FPOE_und_die_Defizite_der_politischen_Linken_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190216_Die_Geschichte_der_FPOE_und_die_Defizite_der_politischen_Linken_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190216_Die_Geschichte_der_FPOE_und_die_Defizite_der_politischen_Linken_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=49361-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190216_Die_Geschichte_der_FPOE_und_die_Defizite_der_politischen_Linken_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"190216_Die_Geschichte_der_FPOE_und_die_Defizite_der_politischen_Linken_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Frau Friedl, ich habe neulich in einem Beitrag des &bdquo;Standard&ldquo;  gelesen,  dass schon bei Gr&uuml;ndung der FP&Ouml; deren f&uuml;hrende K&ouml;pfe direkt aus dem Zentrum des NS-Systems kamen. Der heutige Parteiobmann (zu Deutsch: Vorsitzende) Heinz-Christian Strache bestreitet das und verweist auf Wurzeln im &ldquo;Verband der Unabh&auml;ngigen&ldquo; (VdU). Die FP&Ouml; hatte ja im vergangenen Jahr eine Historikerkommission eingesetzt, um die Geschichte ihrer Partei zu durchforsten. Laut eines Zwischenberichtes der &uuml;berwiegend parteinahen Kommissionsmitglieder wurden dann doch &bdquo;hier und da braune Flecken&ldquo; geortet[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]. Wie ich weiteren Quellen entnehme, sah sich der VdU als Interessenvertretung ehemaliger Nationalsozialisten, Heimatvertriebener, Heimkehrer und Landsmannschaften. Er galt als Auffangbecken deutschnational gesinnter Kr&auml;fte und forderte die Beseitigung der NS-Gesetze, mit  denen die NSDAP verboten und die Entnazifizierung &Ouml;sterreichs rechtlich geregelt wurde. Wenig sp&auml;ter in &bdquo;Verbotsgesetz&ldquo; umbenannt, hat es bis heute Verfassungsrang. Interne Konflikte sollen zu Ende der Besatzungszeit  dazu gef&uuml;hrt haben, dass der VdU aufgel&ouml;st  und von der 1955 gegr&uuml;ndeten FP&Ouml; absorbiert wurde.[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]<\/strong><\/p><p><strong>Wer hat nun Recht, ist die FP&Ouml; im historischen Nationalsozialismus verwurzelt oder doch eher weniger?<\/strong><\/p><p>Ja, eindeutig, da gibt es genug seri&ouml;se Untersuchungen, die ganz klar belegen, dass die FP&Ouml; immer schon von den Nationalsozialisten dominiert wurde. Angefangen hat das so: Nach 1945 gab es verschiedene Str&ouml;mungen. Ein Teil der Nazis hatte versucht, in anderen Parteien Fu&szlig; zu fassen, sie sind geradezu untergekrochen: Bei der &Ouml;VP, aber vor allem auch bei den Sozialdemokraten. Und ein weiterer Teil dieser immer noch Nazis hat dann den VdU gegr&uuml;ndet. Sie konnten das nat&uuml;rlich nicht als Partei deklarieren, das war ja noch w&auml;hrend der Besatzungszeit und da h&auml;tten die Sowjets sicherlich einiges dagegen einzuwenden gehabt. Deshalb haben sie das relativ harmlos als &bdquo;Verband der Unabh&auml;ngigen&ldquo; konzipiert und schickten in dessen erste Reihe liberal-nationalistische Kr&auml;fte. Die waren sozusagen das Aush&auml;ngeschild, aber die F&auml;den haben &ndash; und das ist ganz eindeutig  nachgewiesen, das kann man jederzeit belegen &ndash; die Hardcore-Nazis gezogen. Als dann 1955 die Besatzungsm&auml;chte in &Ouml;sterreich abzogen, war das Erste, dass aus diesem VdU die FP&Ouml; gegr&uuml;ndet wurde. Der erste Vorsitzende war Anton Reinthaller, ein hoher ehemaliger NS-Funktion&auml;r, der ein deklarierter Nazi bis zu seinem Tode war. Der Nachfolger dieses Reinthaller war dann Friedrich Peter, ein ehemaliger &bdquo;Obersturmf&uuml;hrer beim 10. Regiment der 1. SS-Infanteriebrigade, die an zahlreichen Kriegsverbrechen beteiligt war&ldquo;.[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] Interessanterweise &ndash; und da kommt wieder die Sozialdemokratie ins Spiel &ndash; hat Bruno Kreisky diesen Peter Mitte der 70er Jahre in die Regierung geholt und ihn immer vor dem ber&uuml;hmten Nazij&auml;ger Simon Wiesenthal verteidigt. Das war ein taktisches Man&ouml;ver, Kreisky wollte die FP&Ouml; in eine Minderheitsregierung einbinden. Aber das war vor allem ein moralisches Debakel, weil man so ein Kaliber, wie es Friedrich Peter war, trotz allen Kalk&uuml;ls doch nicht verteidigen kann.  <\/p><p>Gr&uuml;ndungsmitglieder der FP&Ouml; rekrutierten sich also direkt aus dem VdU, ein Gro&szlig;teil dieses Verbandes ging nahtlos in die neugegr&uuml;ndete Partei &uuml;ber. Wenn Strache heute behauptet, die FP&Ouml; h&auml;tte nichts mit den Nationalsozialisten zu tun, dann ist das eine Geschichtsklitterung par excellence.<\/p><p><strong>Seitdem Strache die Partei f&uuml;hrt, gewinnen teils extrem rechte Burschenschaftler und M&auml;delschaftlerinnen an Einfluss. Sie sitzen heute in zahlreichen Regierungs&auml;mtern auf Bundes- und Landesebene oder besetzen wichtige Posten in den Ministerien, wo sich dar&uuml;ber hinaus auch Mitglieder der Identit&auml;ren eingerichtet haben. Im Gegensatz zu dem verstorbenen Parteivorsitzenden J&ouml;rg Haider scheint sein Nachfolger Strache weniger Probleme mit der N&auml;he zu den extremen Rechten zu haben. Ist das nur die ber&uuml;chtigte &bdquo;Freundlwirtschaft&ldquo; oder nicht doch ein deutlicher Beleg f&uuml;r die Rechtslastigkeit der FP&Ouml;?[<a href=\"#foot_0\" name=\"note_0\">*<\/a>]<\/strong><\/p><p>Noch einmal zur FP&Ouml; zur&uuml;ck: Diese Partei hatte mal f&uuml;r eine kurze Zeit eine Phase, in der sie versucht hatte, sich ein liberales M&auml;ntelchen umzuh&auml;ngen. Das war w&auml;hrend der Zeit des Norbert Steger, da haben sie allerdings massiv an Stimmen verloren. Das ist f&uuml;r viele ein deutliches Zeichen daf&uuml;r, dass die FP&Ouml; immer schon eine rechtsau&szlig;en verortete, wenn nicht sogar eine rechtsradikale Partei war. In dieser Zeit, dieser kurzen liberalen Phase,  sind ihnen zahlreiche Anh&auml;nger aus Entt&auml;uschung entfleucht. Haider hat dann den Karren wieder herumgerissen, hat gegen Steger geputscht und hat wieder die markigen, ideologisch ad&auml;quaten Inhalte vermittelt. Allerdings, und das ist der wesentliche Unterschied zu Strache, hat er, obwohl er selber Burschenschaftler war, nie die Burschenschaften in dieser Massivit&auml;t geh&auml;tschelt. Zu dieser Zeit hatte der Ring freiheitlicher Studenten, das Sammelbecken der schlagenden Burschenschaften, so gut wie keine Resonanz. Haider hatte eher diese &bdquo;Buberlpartie&ldquo; gehabt, das war ja allgemein bekannt in &Ouml;sterreich. Das waren diese jungen Politiker, die Haider um sich geschart und in eher unorthodoxen Situationen kennengelernt hatte. Die wurden nach Sympathie ausgew&auml;hlt, weniger aus ideologischen Gesichtspunkten heraus. Walter Maischberger oder auch Karl-Heinz Grasser sind zwei prominente Beispiele daf&uuml;r. Dabei hatte auch Haider allerdings nie vergessen, wo die Wurzeln seiner Partei zu finden waren und hatte immer wieder Sidesteps zu den alten Nazis gemacht: Am Ulrichsberg hat er eine Rede gehalten, er hat die Wehrmacht und auch die SS immer wieder positiv hervorgehoben usw. <\/p><p>Strache war schon immer besser eingebunden in die Burschenschaften, Haider war dann doch deutlich eigenst&auml;ndiger in seiner Egomanie. Der brauchte zwar Zuwendung und Applaus, aber er war wesentlich selbstbewusster als Strache. Strache ist dann eher ein Produkt seiner Netzwerke, gest&uuml;tzt auf die Burschenschaften. Das ist eine Win-Win-Situation f&uuml;r beide: Einerseits wird Strache so stabilisiert und andererseits werden Burschenschafter durch wichtige &Auml;mter in &Ouml;sterreich honoriert. <\/p><p><strong>Bei den Nationalratswahlen 2017 erzielte die FP&Ouml; ein Ergebnis von satten 26 Prozent, sie ist aktuell auch in allen Landesparlamenten vertreten. Dieses Ausma&szlig; der W&auml;hlerzustimmung &uuml;berrascht mich als Deutscher dann doch, auch wenn mir immer wieder gesagt wird, in &Ouml;sterreich habe es nie eine vergleichbare Aufarbeitung der NS-Zeit gegeben. Worin sehen Sie die Ursachen f&uuml;r diese offenbar tiefe und anhaltende Verankerung in Teilen der Gesellschaft?<\/strong><\/p><p>Ich glaube, da muss man bis zur Monarchie zur&uuml;ckgehen, die von Devotheit und Untertanentum gepr&auml;gt war. Eigentlich gab es, mit kurzer Ausnahme in 1848, kein Aufbegehren gegen die absolutistischen Herrscher. Im Zuge jener b&uuml;rgerlich-demokratischen Revolution wurde ein hoher Blutzoll gezahlt und in der Folge hatte sich in das kollektive Bewusstsein eingebrannt: Wir haben gegen die Monarchie verloren. Die Conclusio daraus war massive Einsch&uuml;chterung und umso st&auml;rker hat sich der Absolutismus entwickeln k&ouml;nnen. Auch die zaghaften Versuche, nach dem Ende der Monarchie 1918 eine radikaldemokratische R&auml;terepublik zu begr&uuml;nden, wurden schnell unterbunden &ndash; nicht zuletzt durch die Sozialdemokratie. Dann gab es noch den Austromarxismus, eine eher weichgesp&uuml;lte &ouml;sterreichische Version des Sozialismus. Der hat sich vor allem dadurch ausgezeichnet, dass er verbalradikal daher kam, aber wenn es darauf ankam, wurde immer bes&auml;nftigt und die Arbeiterschaft schlussendlich im Regen stehen gelassen. Diese historischen Erz&auml;hlungen waren dazu geeignet, dass in &Ouml;sterreich nie eine Tradition der Resistenz aufkam, im Gegensatz zu Frankreich zum Beispiel.  <\/p><p>Hinzu gab es immer eine massive Pr&auml;senz der katholischen Kirche, eine weitere streng hierarchisch strukturierte Organisation. Ein Gro&szlig;teil des Landes war ja immer landwirtschaftlich gepr&auml;gt und dort haben von der Kanzel herab die Vertreter der Kirche die beste PR-Arbeit geleistet und haben jeden Sonntag ihre Ideologie verbreitet. Das Untertanentum zeichnet sich dadurch aus, dass nach oben gebuckelt und nach unten getreten wird. Solche autorit&auml;ren Charaktere sind besonders empf&auml;nglich f&uuml;r faschistische Heilslehren. Theodor W. Adorno, aber auch Hannah Arendt haben nach dem Krieg zu diesem Thema bahnbrechende Arbeiten geleistet. Dieses Wesen des Untertanentums sehen wir heute wieder, da wird nach unten getreten, gegen Fremde zum Beispiel oder gegen die wirtschaftlich schlechter gestellten Bev&ouml;lkerungsteile. <\/p><p>Der &ouml;sterreichische Faschismus hatte also zwei Entstehungsstr&auml;nge: Die katholische Kirche mit ihrem erkl&auml;rten Antisemitismus &ndash; demnach waren es die Juden, die Jesus umgebracht hatten &ndash; und zweitens die Rassenideologie der Nazis. Dann kam in den Anf&auml;ngen des Nationalsozialismus noch hinzu, dass immer wieder suggeriert wurde, dass es soziale Aspekte g&auml;be: Die da oben, die Eliten, sind die B&ouml;sen und wir sind das Volk &ndash; &auml;hnlich wie heute. Die haben sich in der Folge durchaus um &auml;rmere Leute gek&uuml;mmert, dass sie sich dann aber mit dem Kapital verb&uuml;ndeten, haben sie diesen Menschen nat&uuml;rlich nicht erz&auml;hlt. <\/p><p>Es gibt da noch ein Spezifikum im Gegensatz zu Deutschland: Die &ouml;sterreichische Monarchie war ein Vielv&ouml;lkerstaat, in dem es immer massive Nationalit&auml;tenkonflikte gegeben hatte. Mit den Ungarn, mit den Tschechen, mit den Slawen usw. Die deutschsprachige Bev&ouml;lkerung hatte immer die Vorherrschaft und hat sich, um es provokant zu sagen, als Herrenmenschen gef&uuml;hlt. Diese Abgrenzung hat dann den Nationalismus bis in den Faschismus hinein bef&ouml;rdert. <\/p><p><strong>Wir m&uuml;ssen feststellen, dass in diesem Spektrum hochkar&auml;tige Experten am Werke sind. Die ziehen ihre Strippen aus dem Hintergrund, w&auml;hrend die Leute in der ersten Reihe f&uuml;r die handwerkliche Umsetzung zust&auml;ndig zu sein scheinen. Ich erinnere an die Kampagne der T&uuml;rkisen anl&auml;sslich der letzten Nationalratswahlen, die &ndash; das m&uuml;ssen wir neidlos anerkennen &ndash; fachlich exzellent gestrickt war. Und auch der FP&Ouml; m&uuml;ssen wir zugestehen, dass sie sich mit einer ausgefeilten Strategie eine gewisse  Meinungshoheit erobert. <\/strong><br>\n<strong>Der deutsche Wahrnehmungs- und Kognitionsforscher Rainer Mausfeld verweist immer wieder darauf, dass die Machteliten sehr viel Geld in die Hand nehmen, um sich die besten Sozialforscher dienlich zu machen. Die sich sodann in einem weltweiten Netzwerk von Denkfabriken wie der Mont Pelerin Society organisiert haben, um eben diesen Eliten ihre  Macht zu sichern.[<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>]  Damit hat  sich das obere 1 Prozent eindeutige Vorteile verschafft, w&auml;hrend die verbleibenden 99 Prozent der Menschheit ihnen auf den ersten Blick ohnm&auml;chtig, also ohne jede Macht, ausgeliefert scheinen. Haben Sie eine Idee, wie wir dieser krassen Ungleichheit der K&ouml;pfe etwas entgegensetzen k&ouml;nnen?<\/strong><\/p><p>Oh, ich denke, das ist jetzt die wohl schwierigste Frage des gesamten Interviews. Es gibt zwei Ans&auml;tze: Der eine ist der alte Satz, &bdquo;man muss die Feinde besser kennen als sie sich selbst.&ldquo; Das hei&szlig;t, die Linke hat ja auch hochkar&auml;tige K&ouml;pfe, allerdings nicht in diesen Denkfabriken. Also m&uuml;ssten zumindest Teile der Linken damit beginnen, sich diese Denkfabriken genauer anzuschauen. Wie arbeiten die wirklich, um als n&auml;chstes alternative Denkfabriken zu entwickeln. Der zweite Ansatz w&auml;re ein sogenannter Linkspopulismus. Die Linke ist aufgrund ihres Wissens ziemlich kopflastig, der Humor fehlt&hellip;<\/p><p><strong>Das w&auml;re jetzt meine n&auml;chste Frage gewesen: Die politische Linke kommt doch viel zu oft verkopft daher und kommt auch deshalb au&szlig;erhalb ihrer akademischen Echokammern gar nicht an, w&auml;hrend es den Populisten gelingt, die Herzen der Menschen zu erreichen.  W&auml;re es nicht f&uuml;r die Linke angebracht, in ihre Kampagnen eine ordentliche Prise Populismus einzustreuen, so wie es ein Jeremy Corbyn in Gro&szlig;britannien mit gro&szlig;em Erfolg exerziert? <\/strong><\/p><p>Es w&auml;ren zwei gleichwertige Ans&auml;tze, die beachtet werden sollten: Einerseits der &bdquo;wissenschaftliche Bereich&ldquo; und als zweites dieser emotionale Aspekt, der viel mehr und unbedingt beachtet werden muss. Wer macht denn derzeit linke Politik? Das sind doch immer so ein bisschen die &bdquo;Bobos&ldquo;, die kommen aus der mittleren bis oberen Mittelschicht. Gut ausgebildete und gut situierte Leute, ohne Kontakt zur Arbeiterschaft. Das ist doch eine einzige Blase. <\/p><p>Wer sich davon zurzeit absetzt, sind Corbyn und die Gelbwesten in Frankreich. Letztere wurden aber sofort von der etablierten Mittelschichtslinken diskreditiert, die seien rechts unterwandert und bildeten eine Querfront. Da kamen sofort Totschlagargumente zum Einsatz. Das ist nat&uuml;rlich ein ungeheures Manko: keine Verankerung bei den &bdquo;Normalverbrauchern&ldquo; und dann fehlt auch noch der Humor. Ich erinnere an die 68er, da gab es so etwas wie eine Spa&szlig;guerilla, die ja wirklich unheimlich witzige Aktionen auf die Beine gestellt hat. <\/p><p>Jetzt ist das hingegen alles eine verstaubte und ranzige Sache geworden. Den Leuten wird st&auml;ndig gesagt, was sie nicht tun d&uuml;rfen: Sie d&uuml;rfen nicht rauchen, keinen Kaffee trinken, m&uuml;ssen auf den Cholesterinspiegel aufpassen, sie sollen dies nicht und sollen das nicht. Diese Linken exerzieren doch das, was wir so berechtigt an den politischen Gegnern kritisieren: ein durch und durch autorit&auml;res Gehabe, immer mit erhobenem Zeigefinger durch die Lande. Deswegen hat auch wohl die FP&Ouml; erhebliche W&auml;hlerstimmen eingefangen, weil sie n&auml;mlich gegen das Rauchverbot war. Die Hackler in der Voest rauchen und lassen sich von irgendeinem dahergelaufenen gr&uuml;nen Oberlehrer nicht sagen, dass sie nicht rauchen d&uuml;rfen. Es fehlt also dieser Humor, dieses Laufenlassen, dieses Spa&szlig;haben. Dieser st&auml;ndige Zeigefinger, dieses Sich-Abkapseln in den Echokammern, dieses ewige Besserwissen sind verantwortlich daf&uuml;r, dass die Linke in der W&auml;hlerschaft nicht wirklich ankommt. Hinzu kommen diese unverst&auml;ndliche Sprache und dieser zur Schau gestellte akademische Habitus. Da steigen die Leute einfach aus, die sind verletzt und machen sofort die Klappe zu. <\/p><p>Die Linke braucht viel mehr Lockerheit und vor allem muss sie sich den Menschen und deren Lebenswelten zuwenden! <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Dr. phil. <strong>Edith Friedl<\/strong> ist Architektin und promovierte Kultur- und Sozialhistorikerin. Ihre akademische Laufbahn begann sie als Assistentin an der Lehrkanzel f&uuml;r Umraumgestaltung der Uni Linz und unterrichtete seit 1991 an der Linzer HBLA. Sie ist Tr&auml;gerin mehrerer Architekturpreise und Autorin zahlreicher Fachb&uuml;cher zur urbanen Entwicklung. Dar&uuml;ber hinaus ist sie Mitarbeiterin und Kolumnistin verschiedener gesellschaftskritischer Publikationen. Als politischer Mensch ist sie zeit ihres Lebens &bdquo;aus guten Gr&uuml;nden&ldquo; parteiunabh&auml;ngig geblieben.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>[<a href=\"#note_0\" name=\"foot_0\">&laquo;*<\/a>]<em>Anmerkung: Das &ouml;sterreichische  Bundesamt f&uuml;r Verfassungsschutz und Terrorismusbek&auml;mpfung (BVT) verweist bereits  in seinem Verfassungsschutzbericht 2016 darauf, dass die Identit&auml;ren an &bdquo;klassische rechtsextremistische Ideologieelemente&ldquo; ankn&uuml;pfen und dabei sind, &bdquo;aus dem verworrenen Ideenreservoir der neurechten Vordenker eine europaweite aktive Massenbewegung zu entwickeln.&ldquo;[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>]  Auch in Deutschland stehen die Identit&auml;ren wegen ihrer offenen Feindschaft gegen die demokratische Grundordnung und wegen ihrer Gewaltbereitschaft seit einiger Zeit unter der Beobachtung des Verfassungsschutzes.[<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>] Dem Journalisten und Autoren Hans-Henning Scharsach verdanken wir es, dieses Thema umfassend aufgearbeitet zu haben.[<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>]<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] derstandard.at &ndash; <a href=\"https:\/\/derstandard.at\/2000096984927\/Immer-rechts-auch-in-der-NSDAP-Die-Gruendervaeter-der-FPOe?fbclid=IwAR2jo4VjiAzD_w3W-BaQHVzlrNcmzjxYH-GM9zLTTUOVLc8UTUvGFh55XSU\">&ldquo;Immer rechts, auch in der NSDAP&rdquo;: Die Gr&uuml;nderv&auml;ter der FP&Ouml;<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] austria-forum.org &ndash; <a href=\"https:\/\/austria-forum.org\/af\/AEIOU\/Verband_der_Unabh%C3%A4ngigen%2C_VdU\">Verband der Unabh&auml;ngigen, VdU<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] demokratiezentrum.org &ndash; <a href=\"http:\/\/www.demokratiezentrum.org\/wissen\/wissenslexikon\/peter-friedrich.html\">Peter, Friedrich<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Bundesministerium f&uuml;r Inneres, Bundesamt f&uuml;r Verfassungsschutz und Terrorismusbek&auml;mpfung (BVT), Verfassungschutzbericht 2016, S. 43 f, Quelle: <a href=\"https:\/\/www.bvt.gv.at\/401\/files\/Verfassungsschutzbericht2016.pdf\">bvt.gv.at<\/a>, aufgerufen am 08.02.2019<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Bundesamt f&uuml;r Verfassungsschutz, Identit&auml;re Bewegung Deutschland (IBD; Verdachtsfall), Quelle: <a href=\"https:\/\/www.verfassungsschutz.de\/de\/arbeitsfelder\/af-rechtsextremismus\/zahlen-und-fakten-rechtsextremismus\/identitaere-bewegung-deutschland\">verfassungsschutz.de<\/a>, aufgerufen am 08.02.2019<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] nachdenkseiten.de &ndash; <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42071\">Stille Machtergreifung &ndash; &Ouml;sterreichs neue alte Rechte<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] Die Angst der Machteliten vor dem Volk. Demokratiemanagement durch Soft-Power-Techniken. In: Rainer Mausfeld, Warum schweigen die L&auml;mmer, Westend 2018, S. 57 ff<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Je nach politischer Grundausrichtung werden der Freiheitlichen Partei &Ouml;sterreichs (FP&Ouml;) eine tiefe Verwurzelung im historischen Nationalsozialismus attestiert oder aber dieser Vorhalt wird vehement bestritten. Nach zahlreichen Skandalen hat die Partei inzwischen eine Historikerkommission eingesetzt, um dieses Thema zu kl&auml;ren. 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