{"id":49445,"date":"2019-02-19T12:47:49","date_gmt":"2019-02-19T11:47:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=49445"},"modified":"2019-02-19T14:19:59","modified_gmt":"2019-02-19T13:19:59","slug":"die-allgemeinheit-muss-fuer-die-schulden-der-fdp-haften-und-der-aufschrei-bleibt-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=49445","title":{"rendered":"Die Allgemeinheit muss f\u00fcr die Schulden der FDP haften und der Aufschrei bleibt aus"},"content":{"rendered":"<p>Niemand d&uuml;rfe auf Kosten der Allgemeinheit leben. Dies ist seit Jahren das sozial- und rentenpolitische Credo der FDP. F&uuml;r das eigene Handeln gelten diese Grunds&auml;tze jedoch offenbar nicht, wie der bizarre Streit um die Schulden der FDP-Fraktion bei einem Rentenversicherer zeigt. W&uuml;rde man eine Fraktion rechtlich wie ein normales Unternehmen behandeln, h&auml;tten sich die FDP-Granden nach Ansicht <a href=\"https:\/\/www.lto.de\/recht\/hintergruende\/h\/bundestag-fraktionen-finanzierung-fdp-pleite-ruecklagen-missbrauch\/\">der Fachzeitschrift Legal Tribune<\/a> wohl des Bankrotts strafbar gemacht. Da es hier jedoch offenbar eine Gesetzesl&uuml;cke gibt, muss nun die Allgemeinheit f&uuml;r rund sechs Millionen Euro nie gezahlter Rentenbeitr&auml;ge der FDP geradestehen. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3267\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-49445-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190219_Die_Allgemeinheit_muss_fuer_die_Schulden_der_FDP_haften_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190219_Die_Allgemeinheit_muss_fuer_die_Schulden_der_FDP_haften_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190219_Die_Allgemeinheit_muss_fuer_die_Schulden_der_FDP_haften_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190219_Die_Allgemeinheit_muss_fuer_die_Schulden_der_FDP_haften_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=49445-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190219_Die_Allgemeinheit_muss_fuer_die_Schulden_der_FDP_haften_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"190219_Die_Allgemeinheit_muss_fuer_die_Schulden_der_FDP_haften_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Der 27. September 2009 war wohl der bislang sch&ouml;nste Tag im Leben der FDP. Dank eines Ergebnisses von 14,6% konnten die Liberalen mit 93 Abgeordneten in den 17. Bundestag einziehen. Doch die Freude w&auml;hrte nicht lang. War der 27. September 2009 der sch&ouml;nste Tag, dann war der 23. September 2013 wohl der schlimmste Tag im Leben der FDP. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte scheiterten die Liberalen an der F&uuml;nf-Prozent-H&uuml;rde und zogen damit nicht in den 18. Bundestag ein. Damit l&ouml;ste sich auch die bisherige Bundestagsfraktion der FDP auf und mehr als 100 feste Mitarbeiter der Fraktion mussten entlassen werden. Damit stellte sich jedoch das Problem, wie mit deren an die Arbeitsverh&auml;ltnisse des &Ouml;ffentlichen Dienstes angepassten Zusatzversorgung, die seit 2002 als Betriebsrente firmiert, umzugehen ist. <\/p><p>Die Fraktionsmitarbeiter der FDP waren daf&uuml;r bei der Rheinischen Zusatzversorgungskasse (RZVK) in einem Umlageverfahren versichert &ndash; offenbar traut die FDP den von ihr propagierten kapitalgebundenen Altersvorsorgeprodukten selbst nicht &uuml;ber den Weg. Mit der Aufl&ouml;sung der FDP-Fraktion, die nach Parteiengesetz organisatorisch ja strikt von der Partei selbst getrennt sein muss, standen den bereits erworbenen Anwartschaften der Fraktionsmitarbeiter nun aber keine Pr&auml;mienzahlungen des Arbeitsgebers mehr gegen&uuml;ber und die alte FDP-Fraktion hatte bar jeder ordentlichen kaufm&auml;nnischen Sorgfaltspflicht in den letzten zwei Jahren ihrer Existenz die R&uuml;cklagen in H&ouml;he von acht Millionen Euro &ndash; rechtlich umstritten &ndash; verpulvert und es vers&auml;umt, R&uuml;ckstellungen f&uuml;r die Altersvorsorge ihrer Mitarbeiter zu bilden. So kam es, wie es kommen musste. Die FDP-Fraktion in Liquidation wollte und konnte die ausstehenden Forderungen der Versorgungskasse ihrer Mitarbeiter nicht begleichen. Laut einem Gutachten der RZVK betrug damals die Forderungssumme stolze 5,8 Millionen Euro.<\/p><p>W&auml;re die FDP-Fraktion ein Unternehmen, h&auml;tte man das Verpulvern der R&uuml;ckstellungen und R&uuml;cklagen wohl als Straftat gewertet und der damalige Fraktionsvorsitzende Rainer Br&uuml;derle h&auml;tte sich zusammen mit den verantwortlichen Fraktionsgesch&auml;ftsf&uuml;hrern wegen Bankrott (&sect; 283 StGB) vor Gericht verantworten und auf eine Freiheitsstrafe bis zu f&uuml;nf Jahren einstellen m&uuml;ssen. Das rechtliche Wesen einer parlamentarischen Fraktion ist jedoch umstritten und obgleich den Fraktionen eine ordnungsgem&auml;&szlig;e Buchf&uuml;hrung vorgeschrieben ist, die R&uuml;ckstellungen f&uuml;r drohende Verluste vorschreibt, konnte sich die FDP-Fraktion, die sich seit der Wahlniederlage 2013 in Liquidation befand, bislang ohne rechtliche Folgen aus der Verantwortung stehlen. <\/p><p>Schuld daran ist auch die Rheinische Zusatzversorgungskasse, die es auf Rat ihrer Anw&auml;lte hin unterlassen hat, die FDP-Fraktion rechtlich zu belangen. Aufgrund der nicht vorhanden Geldmittel der liquidierten Fraktion sei die Forderung unabh&auml;ngig von deren rechtlicher Durchsetzbarkeit <a href=\"https:\/\/stefankaemmerling.de\/wp-content\/uploads\/Antwort-Kl.Anfrage-1166.pdf\">schlicht nicht realisierbar<\/a>. Es ist sicherlich nur ein Zufall, dass der f&uuml;r die Abwicklung zust&auml;ndige RZVK-Gesch&auml;ftsbereichsleiter Zusatzversorgung <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/fdp-bezahlt-millionen-schulden-nicht-und-kommt-damit-durch-a-1220026.html\">offenbar<\/a> ein langj&auml;hriges FDP-Mitglied ist. So kam es, dass die RZVK ihre Forderungen an die FDP ganz einfach verj&auml;hren lie&szlig; und nun die &uuml;brigen 340.000 RZVK-Versicherten den Fehlbetrag querfinanzieren m&uuml;ssen. Die Aufsicht der RZVK obliegt &uuml;brigens paradoxerweise nicht der BaFin oder dem Bundesfinanzministerium, sondern dem nordrhein-westf&auml;lischen Heimatministerium, das vom Koalitionspartner der FDP gef&uuml;hrt wird.<\/p><p>Um die L&uuml;cke zu schlie&szlig;en, k&uuml;rzte die RZVK zum Jahreswechsel <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/fdp-bezahlt-schulden-nicht-versicherer-kuerzt-renten-a-1253182.html\">die Anspr&uuml;che von rund 21.500 Versicherten um bis zu 25%<\/a>, die sich f&uuml;r eine kapitalgedeckte Zusatzrente entschieden haben. Anders als beim Umlagesystem gibt es bei kapitalgedeckten Systemen einen &bdquo;freiwilligen&ldquo; Anteil der Versicherer, der bei prek&auml;ren finanziellen Engp&auml;ssen auch schon mal gestrichen werden kann. W&auml;re es f&uuml;r die Gesch&auml;digten nicht so bitter traurig, man m&uuml;sste an dieser Stelle schallend lachen &ndash; die FDP, die stets kapitalgedeckte Altersvorsorgemodelle propagiert und umlagefinanzierte Modelle verteufelt, entzieht sich mit einem rechtlich fragw&uuml;rdigen Trick den Forderungen des Umlagesystems und sorgt so daf&uuml;r, dass ein schlechter abgesichertes kapitalgedecktes Modell zusammenbricht. &bdquo;Besser&ldquo; k&ouml;nnte man die Ruchlosigkeit der FDP und die Konstruktionsfehler einer kapitalgedeckten Altersvorsorge wohl kaum demonstrieren. Die ehemaligen Fraktionsmitarbeiter der FDP k&ouml;nnen nur heilfroh sein, dass die Partei ihrem eigenen Geschw&auml;tz zur Altersvorsorge keinen Glauben schenkt.<\/p><p>Erstaunlich mag es auf den ersten Blick sein, dass die alten Gl&auml;ubiger der FDP-Fraktion leer ausgehen, obgleich die FDP doch seit 2017 wieder im Bundestag vertreten ist. Hier gibt es jedoch eine zweite Gesetzesl&uuml;cke. Die aktuelle FDP-Fraktion ist rechtlich gesehen eine neue juristische Person, die nicht die Rechtsnachfolge der alten FDP-Fraktion angetreten hat und daher auch weder zivil- noch strafrechtlich f&uuml;r die Taten der alten FDP-Fraktion rechenschaftspflichtig ist. Die RZVK kann sich mit ihrer Forderung also nur an die alte FDP-Fraktion in Liquidation wenden, bei der es jedoch anscheinend nichts zu holen gibt. Zeitgleich greift die neue FDP-Fraktion ihren Teil von den 115 Millionen Euro j&auml;hrlich ab, die die Bundestagsfraktionen vom Steuerzahler bekommen. <\/p><p>Man kann nur hoffen, dass der W&auml;hler seine eigenen Schl&uuml;sse aus diesem Skandal zieht und einer Partei, bei der ordentliche kaufm&auml;nnische Buchf&uuml;hrung offenbar genauso wie Anstand und Moral ein Fremdwort ist, k&uuml;nftig ihre Stimme verweigert. Und wenn demn&auml;chst ein Maulheld der FDP mal wieder &uuml;ber Menschen herzieht, die seiner Meinung nach auf Kosten der Allgemeinheit leben, dann erinnern Sie ihn doch einfach mal daran, wer in diesem Staat tats&auml;chlich auf Kosten der Allgemeinheit lebt. <\/p><p>Titelbild: Mattis Kaminer\/shutterstock.com<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/00ab2840360e40f8b47dc2288a499699\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Niemand d&uuml;rfe auf Kosten der Allgemeinheit leben. Dies ist seit Jahren das sozial- und rentenpolitische Credo der FDP. F&uuml;r das eigene Handeln gelten diese Grunds&auml;tze jedoch offenbar nicht, wie der bizarre Streit um die Schulden der FDP-Fraktion bei einem Rentenversicherer zeigt. 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