{"id":4948,"date":"2010-03-25T11:27:25","date_gmt":"2010-03-25T10:27:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4948"},"modified":"2015-12-16T14:47:17","modified_gmt":"2015-12-16T13:47:17","slug":"isst-unsere-bundeskanzlerin-dollarnoten-amerikanische-staatspapiere-und-britische-pfund","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4948","title":{"rendered":"Isst unsere Bundeskanzlerin Dollarnoten, amerikanische Staatspapiere und britische Pfund?"},"content":{"rendered":"<p>Angela Merkel ist stolz auf die deutschen Export&uuml;bersch&uuml;sse. Wir leben aber nicht von Export&uuml;bersch&uuml;ssen und den daf&uuml;r erhaltenen Dollarnoten, amerikanischen Staatspapieren und anderen Forderungen an ausl&auml;ndische Volkswirtschaften, die wir mit den &Uuml;bersch&uuml;ssen unserer Leistungsbilanz erwerben. Der Stolz auf die Export&uuml;bersch&uuml;sse folgt aus einer einseitig monet&auml;ren Betrachtung des Wirtschaftsgeschehens und f&uuml;hrt in der aktuellen Situation, wo &uuml;ber die Zukunft der Eurozone entschieden wird, m&ouml;glicherweise zu gravierenden Fehlentscheidungen. Albrecht M&uuml;ller<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Denken in real terms, das hei&szlig;t: die g&uuml;terwirtschaftliche Betrachtung, w&auml;re angesagt<\/strong><\/p><p>Popul&auml;r &uuml;bersetzt k&ouml;nnte man sagen: Wir essen Bananen und nicht Dollarnoten. &ndash; Mit st&auml;ndigen Leistungsbilanz&uuml;bersch&uuml;ssen h&auml;ufen wir Forderungen gegen&uuml;ber anderen V&ouml;lkerschaften an, wie fast im gesamten letzten Jahrzehnt geschehen. Wir leisten mehr, als wir selbst zur Verf&uuml;gung haben. Wir leben unterhalb unserer Verh&auml;ltnisse. Ob die angeh&auml;uften Forderungen dann irgendwann auch noch zum angemessenen Wert an uns zur&uuml;ckgezahlt werden, ist zudem oft fraglich. Wenn zum Beispiel der Dollar auf mittlere und lange Sicht an Wert verliert, dann haben wir zum Teil um sonst gearbeitet und geleistet.<br>\nUnabh&auml;ngig von dieser sachlichen realen Betrachtung muss man feststellen, dass weite Teile der Meinungsf&uuml;hrer in Medien, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft dem monet&auml;ren Denken und dem besonderen Glauben an die Bedeutung der Export&uuml;bersch&uuml;sse verfallen sind. Das ist schon etwas eigenartig, denn im normalen gesch&auml;ftlichen Leben w&uuml;rden wir ja auch jemanden, der hohe und nicht unbedingt wertgesicherte Forderungen\/Au&szlig;enst&auml;nde um sich herum aufbaut, nicht gerade f&uuml;r klug halten. Aber der Mythos der Export&uuml;bersch&uuml;sse ist so gro&szlig;, dass sie zum Kriterium des Erfolgs der Wirtschaftspolitik eines Landes gemacht werden. Siehe dazu den als Anlage angef&uuml;gten Artikel im Spiegel Online. Dort wird beschrieben, wie die Export&uuml;bersch&uuml;sse unseres Landes von Angela Merkel als Triumph benutzt werden. Und dies wird nicht ansatzweise kritisch kommentiert.<br>\nAuch die meisten deutschen Wissenschaftler haben offenbar nie in ihrer Ausbildung gelernt, in real terms zu denken. Ihnen sind offensichtlich die zugrundeliegenden Welfareeconomics fremd. Diese Erfahrung habe ich &uuml;brigens schon 1968 gemacht, als ich von einem Institut der M&uuml;nchner Universit&auml;t, wo Welfareconomics intensiv gelehrt und studiert wurden, zum Bundeswirtschaftsministerium in Bonn wechselte und dort auf den Grundsatzreferenten Hans Tietmeyer, den Staatssekret&auml;r Klaus von Dohnanyi, den Abteilungsleiter Schlecht und andere Berater des Bundeswirtschaftsministers Karl Schiller traf. Allen war damals schon das monet&auml;re Denken eigen. <\/p><p><strong>Den Erfolg einer Wirtschaftspolitik kann man an verschiedenen Gr&ouml;&szlig;en messen. Man sollte ihn in jedem Fall auch an realen Werten messen.<\/strong><\/p><p>Aus der einseitigen Orientierung an monet&auml;ren Gr&ouml;&szlig;en folgen heute Fehleinsch&auml;tzungen des Erfolgs einer Wirtschaftspolitik. Angela Merkel und die deutsche Wirtschaftspolitik gelten bei Anlegern, B&ouml;rsen und hin bis zu den Rating Agenturen als erfolgreich, obwohl sie dies bei n&auml;herer Betrachtung und insbesondere bei Betrachtung der realen Entwicklung nicht sind:<\/p><ul>\n<li>Bei der Bewertung der Entwicklung der Masseneinkommen, also der Lohneinkommen, der Renten usw. schneiden wir ausgesprochen schlecht ab. Die realen Lohneinkommen stagnieren praktisch seit 1993. Die Entwicklung der Lohnquote ist miserabel.<\/li>\n<li>Bei der Entwicklung des pro Kopf Einkommens bzw. des Bruttoinlandsprodukt pro Kopf ist die Bilanz ebenfalls nicht gut. Unteres Ende im europ&auml;ischen Vergleich.<\/li>\n<li>Auch die Entwicklung der Arbeitsproduktivit&auml;t ist in Deutschland nicht herausragend.<\/li>\n<li>Die Staatsschulden nehmen zu, nicht ganz so sehr wie in Griechenland, aber jedenfalls sehr stark.<\/li>\n<li>Die Bundesregierung hat f&uuml;r die Banken mit dem Rettungsschirm &uuml;ber 480 Milliarden &uuml;berproportional hohe Verpflichtungen zu unseren Lasten &uuml;bernommen. Und in den Bankbilanzen schlummern weiterhin extrem hohe Risiken, die uns alle treffen, wenn weiter gilt, was Frau Merkel behauptet, alle Banken seien systemrelevant.<\/li>\n<li>Damit verbunden ist ein &auml;u&szlig;erst hohes Risiko f&uuml;r uns alle, das aus der Interessenverflechtung unserer Politik mit der Finanzindustrie folgt. Man kann dies an der Unt&auml;tigkeit auf dem Feld der besseren Regulierung der Finanzm&auml;rkte sehen. Nichts wirklich Einschneidendes ist geschehen. Die Bankenabgabe ist ein M&auml;uschen. Die Steuerprivilegien der Hedgefonds und PrivateEquityGruppen gelten nach wie vor: Gewinne beim Verkauf von Unternehmen und Unternehmensteilen sind immer noch steuerfrei. Das hei&szlig;t: bei uns k&ouml;nnen auch weiter Betriebe verscherbelt und damit viele Menschen steuerfrei hin und her geschoben werden.<\/li>\n<\/ul><p>Man kann also insgesamt nicht davon sprechen, dass Deutschland besonders erfolgreich gewesen sei. Wenn in dem Spiegel Online-Artikel mal wieder die Rede von den &bdquo;Schweinestaaten&ldquo; ist, dann kann man das Deutschland der Angela Merkel und des Gerhard Schr&ouml;der, des Wolfgang Sch&auml;uble, Peer Steinbr&uuml;ck, Hans Eichel und Wolfgang Clement ruhig zu den &bdquo;Schweinestaaten&ldquo; rechnen. Vor allem ist hier mit den so genannten Reformen die soziale Sicherheit massiv zerst&ouml;rt worden, Millionen Menschen sind arbeitslos, oder in unsichere und unterbezahlte Arbeitsverh&auml;ltnisse getrieben worden.<\/p><p>Es gibt jedenfalls keinen realen Grund daf&uuml;r, dass sich Bundeskanzlerin Merkel bei den aktuellen Konferenzen auf europ&auml;ischer Ebene als die harte Kanzlerin aufspielt. Dass sie das tut und vermutlich auch kann, ist wiederum ein deutlicher Beleg f&uuml;r die Rolle von Meinungsmache. Die hohe Verantwortung der deutschen Bundesregierungen f&uuml;r das Desaster ist erfolgreich weg manipuliert.<\/p><p><strong>Anhang:<\/strong><\/p><p>24. M&auml;rz 2010,<br>\n<strong>Griechenland-Poker in der EU<\/strong><br>\nMerkel l&auml;sst &ldquo;Club Med&rdquo; abblitzen<br>\nAngela Merkel bleibt hart &ndash; und scheint sich durchzusetzen. Einen Nothilfeplan f&uuml;r Griechenland wird es auf dem EU-Gipfel nur zu den Bedingungen der Bundeskanzlerin geben. Vorst&ouml;&szlig;e von klammen Mittelmeer-Anrainern laufen ins Leere: Deutschland will nicht l&auml;nger Zahlmeister der EU sein.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/0,1518,685480,00.html\">SPIEGEL Online<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Angela Merkel ist stolz auf die deutschen Export&uuml;bersch&uuml;sse. Wir leben aber nicht von Export&uuml;bersch&uuml;ssen und den daf&uuml;r erhaltenen Dollarnoten, amerikanischen Staatspapieren und anderen Forderungen an ausl&auml;ndische Volkswirtschaften, die wir mit den &Uuml;bersch&uuml;ssen unserer Leistungsbilanz erwerben. 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