{"id":4954,"date":"2010-03-26T09:07:51","date_gmt":"2010-03-26T08:07:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4954"},"modified":"2014-08-07T13:06:07","modified_gmt":"2014-08-07T11:06:07","slug":"jahresgutachten-des-aktionsrats-bildung-2010-bildungsautonomie-zwischen-regulierung-und-eigenverantwortung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4954","title":{"rendered":"Jahresgutachten des \u201eAktionsrats Bildung\u201c 2010: \u201eBildungsautonomie: Zwischen Regulierung und Eigenverantwortung\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Das vierte Jahresgutachten des von der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft ins Leben gerufenen &bdquo;Aktionsrats Bildung&ldquo; ist ein klassisches Beispiel daf&uuml;r, wie von Seiten der Wirtschaft das dort vorherrschende libert&auml;re Gesellschaftsbild propagiert und &uuml;ber die Politik in die gesellschaftliche Wirklichkeit, hier in den Bildungssektor implementiert werden soll.<br>\nDieses Gutachten liefert eine ideologische Fundierung f&uuml;r eine deregulierte, wettbewerbsgesteuerte Organisation von Bildungseinrichtungen vom Kindergarten bis zur Hochschule. F&uuml;r alle, die das der &bdquo;selbst&auml;ndigen Schule&ldquo; oder der autonomen &bdquo;unternehmerischen&ldquo; Hochschule zugrunde liegende Paradigma noch nicht kennen sollten, ist das Gutachten eine wahre Fundgrube. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><\/p><p><strong>Wer ist eigentlich der &bdquo;Aktionsrat Bildung&ldquo;<\/strong><br>\nUm es vorauszuschicken: Der &bdquo;Aktionsrat Bildung&ldquo; ist ins Leben gerufen worden um den bildungspolitischen Vorstellungen der Initiative der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V. (vbw) &bdquo;noch mehr Gewicht zu verleihen&ldquo;. Er wird finanziell unterst&uuml;tzt vom Verband der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie (VBM). <\/p><p>Vorsitzender dieses &bdquo;Aktionsrats&ldquo; ist Dieter Lenzen, der umstrittene Pr&auml;sident der vom bertelsmannschen Centrum f&uuml;r Hochschulentwicklung (CHE) und der Financial Times Deutschland zur &bdquo;unternehmerischsten Hochschule Deutschlands&ldquo; <a href=\"\/?p=2497\">gek&uuml;rten Freien Universit&auml;t Berlin<\/a>. Er wird demn&auml;chst wohl die Uni Hamburg leiten. Der autorit&auml;re Wirtschaftsfreund ist Botschafter und einer der Mitgr&uuml;nder der neoliberalen PR-Agentur &bdquo;Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft&ldquo;.<\/p><p>Die vbw gab &ndash; unterst&uuml;tzt von VBM &ndash; zusammen mit der Prognos AG und Prof. Dieter Lenzen mehrere Studien unter dem Titel <a href=\"http:\/\/www.aktionsrat-bildung.de\/uploads\/media\/Bildung_neu_denken_Band_I_Zusammenfassung_neu_01.pdf\">&ldquo;Bildung neu denken!&rdquo; [PDF &ndash; 725KB]<\/a>  heraus. Dort wird unter anderem die Einschulung ab 4 Jahren, eine &ldquo;Deregulierung des Bildungswesens&rdquo;, z.B. die Abschaffung von Staatspr&uuml;fungen, die Zulassung privater Akkreditierungsunternehmen sowie einen R&uuml;ckzug des Staates gefordert werden. Der &bdquo;Aktionsrat Bildung&ldquo;, dem der FU-Pr&auml;sident Dieter Lenzen vorsteht, hat schon vor geraumer Zeit gefordert, dass Schulen mit &ouml;ffentlichen Geldern finanziert, aber privat gef&uuml;hrt werden sollen.<\/p><p>Lenzen vertritt zum Beispiel die Ansicht, dass unsere Gesellschaft &uuml;beraltert ist und wir deshalb bis 70 arbeiten m&uuml;ssten. Er propagiert einen Unterrichtsbetrieb mit professionellen Spezialisten, deren Leistungsf&auml;higkeit der eines Jetpiloten entsprechen m&uuml;sse. Kinder sollten an Schulen vergebens nach Ersatzv&auml;tern bzw. in der Grundschule nach Ersatzm&uuml;ttern suchen, sie sollten nicht &bdquo;bet&uuml;ttelt&ldquo; werden, sondern lernen. Das Leistungsprinzip steht demzufolge an oberster Stelle. Wer nicht leistungsf&auml;hig ist, hat eben schlechte Chancen. Das auch in der Lissabon-Strategie der EU festgeschriebene Konzept des lebenslangen Lernens, erfordert seiner Meinung nach eine Einschulungsm&ouml;glichkeit mit vier Jahren, ein Ende der Schulpflicht mit 14 Jahren und ein Abitur mit 17 Jahren. Dem liegt das Bestreben zugrunde, dass Absolventen von Allgemeinbildungseinrichtungen der Wirtschaft m&ouml;glichst fr&uuml;h zur Verf&uuml;gung stehen sollten. Dieter Lenzen fordert mehr Selbstverantwortung des Einzelnen. Es stellt sich f&uuml;r ihn nicht die Frage, aus welchen Bereichen sich der Staat zur&uuml;ckziehen darf, sondern aus welchen Bereichen er sich zur&uuml;ckziehen muss, weil er nicht mehr &uuml;ber die n&ouml;tigen finanziellen Mittel verf&uuml;gt. Seiner Ansicht nach ist staatliche Verantwortlichkeit im Bildungsbereich ein deutsches Unikum, weil diese hierzulande f&auml;lschlicherweise immer noch als ordnungspolitisch richtig angesehen werde. Seiner Meinung nach m&uuml;sse nicht der Staat sondern vor allem die privaten Haushalte und private Investoren st&auml;rker in die Bildung investieren. Dem Staat solle allenfalls noch die so genannte Prim&auml;rausbildung &uuml;berlassen bleiben, f&uuml;r eine weitere Qualifizierung verf&uuml;ge er nicht mehr &uuml;ber die n&ouml;tigen finanziellen Mittel. Nach seiner Meinung entst&uuml;nde dadurch zugleich mehr Individualit&auml;t, <a href=\"\/?p=236\">Freiheit und Gerechtigkeit<\/a>. <\/p><p><a href=\"http:\/\/www.vbw-bayern.de\/agv\/vbw-Themen-Bildung-Bildung_neu_denken-Publikationen-Bildungsautonomie_Zwischen_Regulierung_und_EigenverantwortungJahresgutachten_2010--14852,ArticleID__12991.htm\">Das 170 Seiten starke Jahresgutachten 2010<\/a>  zur Bildungsautonomie ist inzwischen das vierte Gutachten dieses selbst ernannten &bdquo;Aktionsrats Bildung&ldquo;. Dem Gutachten wird als zweiter Band noch ein 100-seitiges sog. &bdquo;Expertenrating der Schul- und Hochschulgesetze&ldquo; beigef&uuml;gt in dem die Landesschul- und Landeshochschulgesetze nach ihrem jeweils erreichten &bdquo;Autonomiegrad&ldquo; in eine Rangfolge gestellt werden (S. 70 ff.).<br>\nWie mit allen solchen Rankings soll damit ein politischer Konformit&auml;ts- und Anpassungsdruck auf die Bildungspolitik der L&auml;nder ausge&uuml;bt werden. <\/p><p><strong>Deregulierung als Grundprinzip<\/strong><\/p><p>Die politische Streitschrift kommt zu folgendem Ergebnis:<\/p><p><em>&bdquo;In allen Bildungsphasen sollte die Regulierung auf das Notwendigste beschr&auml;nkt sein sowie auf eine Prozessregulierung verzichtet und eine Effektregulierung angestrebt werden. Denn schlie&szlig;lich f&uuml;hrt eine Effektregulierung zu mehr Qualit&auml;t. Bei diesem Durchgang durch die einzelnen Phasen des Bildungssystems kommt das Gutachten zu dem Schluss, dass aufgrund der teilweise historisch zuf&auml;llig entstandenen Gegebenheiten im vorschulischen Bereich ein Regulierungsbedarf, insbesondere im Hinblick auf Standardisierung, Qualifizierung und Finanzierung, besteht und dass im allgemein bildenden<br>\nSchulwesen eher umgekehrte Tendenzen zielf&uuml;hrend sein d&uuml;rften, w&auml;hrend im Berufsbildungssystem eher ein Nachregulierungsbedarf, besonders im Hinblick auf die &Uuml;bergangsma&szlig;nahmen, besteht.  Der Hochschulbereich zeichnet sich demgegen&uuml;ber durch eine fortgeschrittene Deregulierung aus, wenngleich Tendenzen etatistischer Politiker nicht zu verkennen sind, durch gezielte gesetzliche und politische &Uuml;bergriffe einen &bdquo;Rollback&ldquo; in Richtung auf mehr politische Vorgaben vorzubereiten. Der Weiterbildungsbereich schlie&szlig;lich entzieht sich seiner Freiwilligkeitsnatur nach weitgehenden Regulierungen.&ldquo;<\/em><\/p><p>M&ouml;glichst weitgehende Deregulierung im gesamten Bildungsbereich ist also das angestrebte Ziel:  <em>&bdquo;Absicht der Deregulierung ist es, durch eine Verlagerung von Verantwortung auf dezentrale Ebenen die M&ouml;glichkeit des Wettbewerbs zwischen einzelnen, eigenverantwortlichen Einheiten zu schaffen. Dadurch sollen Qualit&auml;t und Effizienz von Institutionen gesteigert werden.&ldquo;<\/em><\/p><p><strong>Individualpsychologische Motivation als Begr&uuml;ndung f&uuml;r Autonomie<\/strong><br>\nAls zentrale Begr&uuml;ndung f&uuml;r die Forderung nach einer m&ouml;glichst weitgehenden Deregulierung werden &bdquo;Grundprinzipien menschlicher Motivation&ldquo; genannt. &bdquo;Selbstbestimmung&ldquo; sei eine &bdquo;intrinsische Form der Motivation&ldquo; (also eine dem Menschen innewohnende Motivation) durch das durch das Wegfallen von Vorgaben, Regeln und Vorschriften und die Erweiterung des individuellen Handlungs- und Entscheidungsfreiraums k&ouml;nne dem menschlichen Grundbed&uuml;rfnis nach Autonomie entsprochen werden.<\/p><p>Ideologisch &uuml;berh&ouml;ht wird diese individualpsychologische Begr&uuml;ndung durch die neoliberale individuelle Freiheitsdoktrin, die gegen jede Lenkung und jeden Kollektivismus verteidigt werden muss: <em>&bdquo;Regulierungskritik speist sich also aus der Idee der St&auml;rkung b&uuml;rgerlicher Freiheiten des<br>\nIndividuums gegen Obrigkeit, Kollektivismus und B&uuml;rokratie.&ldquo;<\/em><\/p><p><strong>Wettbewerb als Steuerungsprinzip<\/strong><br>\nDie Interessen der Gesellschaft, werden definiert als die Interessen aller einzelnen Individuen.<br>\nDie Vermittlung zwischen dem Einzelinteresse, das jeder am besten kenne, und dem Gesamtinteresse leistet im neoliberalen Weltbild der sich selbst lenkende Markt. Da auch der Aktionsrat erkennt, dass es &bdquo;den&ldquo; Bildungsmarkt nicht gibt, soll an seine Stelle der Wettbewerb treten. Das elementare Prinzip der Steuerung der vom Staat losgelassenen Bildungseinrichtungen ist somit der Wettbewerb:<br>\n<em>&bdquo;Bildungsinstitutionen werden von Eltern, Sch&uuml;lern oder Studierenden als miteinander im Wettbewerb stehend und somit in ihrer Qualit&auml;t unterscheidbar wahrgenommen. Der Nachfrager von Bildung empfindet sich also st&auml;rker als &bdquo;Kunde&ldquo;, der selbstverantwortlich zwischen verschiedenen Angeboten w&auml;hlt, d. h. eigene Erwartungen und Anspr&uuml;che an die Bildungsinstitution herantr&auml;gt, aber auch bereit ist, in die Inanspruchnahme von Bildungsangeboten finanziell zu investieren.&ldquo;<br>\n<\/em><\/p><p><strong>Funktionelle Privatisierung des Bildungswesens<\/strong><br>\nDie &ouml;ffentliche Verantwortung des Staates soll sich auf &bdquo;strategische Entscheidungen&ldquo;, d.h. Ziele in Form von Bildungsstandards vorzugeben und der Erreichung evaluieren zu lassen, beschr&auml;nken.<br>\nDer Staat sollte am besten die allgemeine Bildung nur noch<em> &bdquo;finanzieren, die Aufgabe der Leitung der Bildungseinrichtungen aber in weitem Ma&szlig;e dem privaten Sektor &uuml;bertragen, da die Kombination von privater Tr&auml;gerschaft mit &ouml;ffentlicher Finanzierung durch Wahlfreiheit und Wettbewerb die besten Bildungsergebnisse hervorbringt.&ldquo;<br>\n<\/em><br>\nDer Staat soll also die Grundfinanzierung aller Bildungseinrichtungen durch Zusch&uuml;sse garantieren und die Nachfrager von Bildung w&auml;hlt dann die Bildungseinrichtung aus und ist dann je nach seinen individuellen Anspr&uuml;chen an die Bildungsinstitution bereit, die staatlichen Grundmittel durch private Investitionen (also Schul- oder Studiengeb&uuml;hren) erg&auml;nzend zu finanzieren. D.h. der Wettbewerb der Bildungseinrichtungen findet letztlich dar&uuml;ber statt, inwieweit es ihnen gelingt zus&auml;tzliche private Mittel einzuwerben.<\/p><p>Das Ziel ist also die funktionelle Privatisierung auch der &ouml;ffentlichen und &uuml;berwiegend staatlich finanzierten Bildungseinrichtungen.<\/p><p><strong>Der anonyme Zwang des Wettbewerbs als Freiheitsversprechen<\/strong><br>\nSelbst wenn man der psychologischen &Uuml;bertragung von individuellen Motiven auf die Organisationsprinzipien von gesellschaftlichen Einrichtungen zustimmt, so stellt sich die Kernfrage, wie diese &bdquo;intrinsische Motivation&ldquo; sich wiederum zum zweiten elementaren  Prinzip dieses Gutachtens, dem Wettbewerbsprinzip als Instrument zur Erlangung von Effektivit&auml;t und Qualit&auml;t von Bildungsinstitutionen verh&auml;lt. Wettbewerb misst sich am Anderen, seine Triebkr&auml;fte sind also eher extrinsische Motive. <\/p><p>Das Gutachten benutzt das &uuml;bliche T&auml;uschungsman&ouml;ver, die Zw&auml;nge des anonymen Wettbewerbs bedeuteten Freiheit, w&auml;hrend politische Vorgaben des demokratischen Gesetzgebers oder von demokratisch legitimierten Aufsichtsorganen die Freiheit erdrosselten.<\/p><p><strong>Wettbewerb als Gefahr f&uuml;r den Zusammenhalt und die Demokratie<\/strong><br>\nNichts gegen Wettbewerb, weder im Sport und schon gar nichts gegen den Wettbewerb zwischen Betrieben und ihren jeweiligen Produkten auf dem Markt. Der Wettbewerb hat zwischen den Marktteilnehmern eine unersetzbare steuernde Funktion. Das Wettbewerbsprinzip jedoch immer mehr auf die Gesellschaft und den Staat und auch auf Bildung und Wissenschaft zu &uuml;bertragen, birgt riesige Gefahren f&uuml;r den Zusammenhalt des politischen Gemeinwesens und f&uuml;r die Demokratie insgesamt. <\/p><p>Ich <a href=\"\/wp-print.php?p=2518\">wiederhole<\/a> dazu meine Kritik an diesem Denken bezogen auf Bildung und Wissenschaft:<\/p><ul>\n<li>Man wird wohl kaum bestreiten k&ouml;nnen, dass hinter dem Wettbewerb das Motiv des <strong>Eigennutzes<\/strong> steht, w&auml;hrend die demokratische Gesellschaft f&uuml;r das <strong>Gemeinn&uuml;tzige<\/strong> oder sogar f&uuml;r das Solidarische steht. Auch eine Hochschule hat die verfassungsrechtliche Garantie ihrer Freiheit vor allem aus dem gemeinn&uuml;tzigen Grund der Suche nach Wahrheit unabh&auml;ngig von an sie herangetragenen eigenn&uuml;tzigen Interessen gesellschaftlicher (und vor allem zahlungskr&auml;ftiger) Gruppen.<\/li>\n<li>Wettbewerb richtet sich gegen den anderen Wettbewerber und ist diesem gegen&uuml;ber tendenziell <strong>destruktiv<\/strong>, w&auml;hrend die demokratische Gesellschaft und immer auch das Ganze im Auge haben sollte und von daher eher <strong>konstruktiv<\/strong> ist. Die Mitglieder der Gesellschaft sind auch f&uuml;reinander da oder zumindest aufeinander angewiesen. Gerade auch Wissenschaft, so sehr zwischen den einzelnen Wissenschaftlern ein Wettbewerb um die bessere und richtige L&ouml;sung eines bisher ungel&ouml;sten Problems stattfinden mag, ist auf konstruktive, teamf&ouml;rmige Zusammenarbeit angewiesen. Bei der heutigen Gro&szlig;forschung mehr denn je.<\/li>\n<li>Wettbewerb lebt von der <strong>Konkurrenz<\/strong>, ein demokratisches Gemeinwesen aber auch von der <strong>Kooperation<\/strong>. Auch eine gesellschaftliche Institution wie die Hochschule, die scientific community ist auf Kooperation angewiesen.<\/li>\n<li>Wettbewerb misst sich am Anderen. Triebkr&auml;fte sind also eher <strong>extrinsische Motive<\/strong>. Ein demokratisches Gemeinwesen lebt aber auch von der <strong>intrinsischen Motivation<\/strong> seiner B&uuml;rger, einer Motivation die auch Anreizen folgt, die jenseits der &ouml;konomischen liegen und auch inneren, wertbezogenen Antrieben Raum gibt.<\/li>\n<li>Wettbewerb schielt auf den <strong>kurzfristigen Erfolg<\/strong>. Ein Staat muss auch die <strong>l&auml;ngerfristigen Interessen<\/strong> der Gesamtbev&ouml;lkerung im Auge haben.<\/li>\n<li>Der Wettbewerb schafft <strong>&auml;u&szlig;ere, fremdbestimmte Zw&auml;nge<\/strong>, Demokratie macht aber <strong>Selbstbestimmung<\/strong> oder wenigstens <strong>Mitbestimmung<\/strong> aus.<\/li>\n<li>Es wird doch geradezu als Kult gepflegt, dass im einzelwirtschaftlichen Wettbewerb immer auch <strong>autorit&auml;re Entscheidungen<\/strong> der &bdquo;Unternehmensf&uuml;hrer&ldquo; verlangt und erwartet werden, die Gesellschaft, der Staat oder die L&auml;nder untereinander, sind jedoch keine einzelwirtschaftlich agierende Unternehmen mit einem Unternehmer oder Managern an der Spitze, sondern sie sind jedenfalls nach unserer Verfassung <strong>demokratisch<\/strong> konstituiert.<\/li>\n<li>Wettbewerb <strong>h&auml;lt Ungleichheit aus<\/strong>, ja braucht sie geradezu als Antriebskraft, eine Gesellschaft bricht jedoch auseinander, wenn <strong>zuviel Ungleichheit<\/strong> herrscht.<\/li>\n<li>Wettbewerb ist <strong>gewinnorientiert<\/strong>, eine offene demokratische Gesellschaft, die ihre Zukunft gestalten will, verlangt jedoch gerade mehr <strong>Spielraum f&uuml;r das Neue<\/strong>, das Unsichere, das sich nicht sofort und kalkulierbar in Profit Niederschlagende &ndash; man denke doch nur an Bildung und Forschung.<\/li>\n<li>Wettbewerb mag zu <strong>einzelwirtschaftlicher Effizienz<\/strong> f&uuml;hren, die <strong>volkswirtschaftliche Effizienz<\/strong> misst sich aber auch am Allgemeinwohl und am allgemeinen Wohlstand und daf&uuml;r bedarf es zumindest auch wertender Rahmensetzungen &ndash; z.B. der Prinzipien des Sozialstaats oder auch dem Grundsatz der Freiheit der Wissenschaft.<\/li>\n<\/ul><p><strong>Haushaltsengp&auml;sse als Hebel zur Durchsetzung individueller Freiheit<\/strong><\/p><p>Bemerkenswert ist, dass das Gutachten ganz offen die Verarmung des Staates als Hebel f&uuml;r die Durchsetzung des Deregulierungsgedankens genannt wird:<br>\nEs m&uuml;sse nachdenklich stimmen, <em>&bdquo;dass die Durchsetzung individueller Freiheiten sich nicht aus der Umsetzung von Prinzipien historisch ergeben hat, sondern erst &uuml;ber den Umweg von Ressourcenknappheit und Qualit&auml;tsm&auml;ngeln m&ouml;glich wurde&ldquo;<\/em>, hei&szlig;t es dort. Und an anderer Stelle wird ganz offen zugegeben, dass der <em>&bdquo;Deregulierungsgedanke&ldquo;<\/em> unter anderem <em>&bdquo;unter dem Eindruck wachsender Haushaltsengp&auml;sse&ldquo;<\/em> auch im Bildungssystem verlangt wurde.<\/p><p>Das Aushungern des Staates also als Einfallstor f&uuml;r die neoliberale Ideologie der Deregulierung und funktionellen Privatisierung und der Steuerung des Bildungssystems durch den Wettbewerb auf dem Ausbildungsmarkt.<\/p><p><strong>CEOs an Schulen und Hochschulen<\/strong><\/p><p>An kaum einer Stelle macht das Gutachten klar, dass die von ihm geforderte Wettbewerbssteuerung voraussetzt, dass an den verselbst&auml;ndigten Bildungseinrichtungen eine &bdquo;unternehmerische&ldquo; Leitungsstruktur erforderlich ist. Kollegialprinzipien, Selbstverwaltung oder Elternmitsprache haben dabei kaum noch Platz. Der &bdquo;Kunde&ldquo; kann eben nicht mitbestimmen, er kann nur eine andere Auswahlentscheidung treffen.<\/p><p><strong>Die Vorschl&auml;ge des &bdquo;Aktionsrats Bildung&ldquo; f&uuml;r die Hochschulen<\/strong><\/p><p>&bdquo;Aus Sicht des Aktionsrats Bildung sollte die Politik der Hochschulautonomie auf Bundes- und Landesebene fortgef&uuml;hrt werden und ein weiterer Abbau staatlicher Detailsteuerung beispielsweise in Form von Genehmigungs- und Zustimmungsvorbehalten erfolgen. Die Regelungsdichte von Hochschulgesetzen und Zielvereinbarungen soll weiter reduziert werden (das nordrhein-westf&auml;lische &bdquo;Hochschulfreiheitsgesetz&ldquo; umfasst &uuml;ber 100 Seiten); Aufgabenbereiche, die durch Zielvereinbarungen geregelt sind, sollen f&uuml;r die Dauer der Vereinbarung der Fachaufsicht entzogen sein. Als Rechtsform sollen die Hochschulen zwischen &bdquo;K&ouml;rperschaft des &ouml;ffentlichen Rechts und staatliche Einrichtung&ldquo;, &bdquo;K&ouml;rperschaft des &ouml;ffentlichen Rechts&ldquo;, &bdquo;Stiftung des &ouml;ffentlichen Rechts&ldquo; und &bdquo;Stiftung nach Privatrecht&ldquo; w&auml;hlen k&ouml;nnen.<br>\nDie Universit&auml;tsautonomie kann weiter gest&auml;rkt werden, indem die Vorgaben zur Binnenstruktur der Hochschule dereguliert werden.<br>\nF&uuml;r eine effiziente Hochschulsteuerung werden ein umfassender und mehrj&auml;hriger Globalhaushalt, die Bildung von freien R&uuml;cklagen sowie der Aufbau eines Stiftungsverm&ouml;gens als notwendig erachtet. Hierf&uuml;r m&uuml;ssen die Rahmenbedingungen f&uuml;r das Engagement Privater an der Universit&auml;t verbessert werden.<br>\nDie Universit&auml;ten sollen die M&ouml;glichkeit erhalten, sich neue Finanzierungsquellen durch Forschungs- und Wissenstransfer (z. B. durch Patentverwertungen oder Weiterbildung), Einwerbung von Spenden und Sponsoringmitteln (z. B. durch Alumni-Vereinigung) und durch wirtschaftliche Aktivit&auml;ten (z. B. durch Liquidit&auml;tsmanagement, Gr&uuml;ndung von Dienstleistungsunternehmen) erschlie&szlig;en zu k&ouml;nnen. Ferner sollen den Hochschulen Eigentumsrechte an den Liegenschaften &uuml;bertragen werden, einschlie&szlig;lich des Rechts, Liegenschaften zu errichten, zu ver&auml;ndern und zu ver&auml;u&szlig;ern.<br>\nIm Bereich der Professorenbesoldung muss im Interesse der Wettbewerbsf&auml;higkeit der Vergaberahmen abgeschafft oder zumindest erweitert werden. F&uuml;r eine flexible Gestaltung der Arbeitsverh&auml;ltnisse der Mitarbeitenden sollen Stellenpl&auml;ne aufgehoben, das Personalrecht dereguliert und ein Angebot an Personalentwicklungsma&szlig;nahmen geschaffen werden. Der Universit&auml;tspr&auml;sident soll Dienstvorgesetzter des gesamten Personals sein. &Uuml;ber die Einf&uuml;hrung und Abschaffung von Studieng&auml;ngen soll die Hochschule ohne Zustimmung des Ministeriums entscheiden und die Studienkapazit&auml;ten selbst festsetzen k&ouml;nnen. Die Lehrleistung soll durch die Universit&auml;tsleitung durch Gesamtdeputate individuell festgelegt werden k&ouml;nnen.<br>\nMit der &Uuml;bertragung von Zust&auml;ndigkeiten auf die Hochschule durch das Land m&uuml;ssen auch die entsprechenden personellen und finanziellen Ressourcen von den Ministerien an die Hochschule verlagert werden.<br>\nRechenschaftslegung und Qualit&auml;tsmanagement m&uuml;ssen so gestaltet werden, dass &Uuml;berregulierung und B&uuml;rokratisierung vermieden werden.<\/p><p>Um die Autonomie an den Universit&auml;ten weiterhin zu st&auml;rken und zu f&ouml;rdern, werden ein weiterer Abbau staatlicher Detailsteuerung sowie eine Erweiterung der Gestaltungs- und Handlungsspielr&auml;ume der Hochschulen empfohlen.<br>\nDabei wird darauf zu achten sein, dass das Vertrauen der Hochschulmitglieder in die Hochschulautonomie durch hinreichende Formen der Partizipation stabilisiert wird; anders w&uuml;rden die Reformen ins Leere laufen und ihre Ziele verfehlen, zu denen auch die Sicherung der Freiheit von Forschung und Lehre geh&ouml;rt.<\/p><p>Ma&szlig;nahmen:<\/p><p>Die Universit&auml;t als autonome und selbstgesteuerte Bildungseinrichtung mit folgenden Rechten, Aufgaben und Handlungsspielr&auml;umen:<\/p><ul>\n<li>Vollst&auml;ndige &Uuml;bertragung der Dienstherreneigenschaft,<\/li>\n<li>Aufhebung starrer Stellenpl&auml;ne,<\/li>\n<li>Abschaffung (oder zumindest Erweiterung) des Vergaberahmens bei der Professorenbesoldung,<\/li>\n<li>Honorierung hervorragender Leistungen (eigenst&auml;ndiger Tarifvertrag f&uuml;r die Wissenschaft),<\/li>\n<li>Entscheidung &uuml;ber die Einf&uuml;hrung und Abschaffung von Studieng&auml;ngen,<\/li>\n<li>Abschaffung der Staatsexamina,<\/li>\n<li>Wegfall der Kapazit&auml;tsverordnung (KapVO),<\/li>\n<li>Aufbau eines Stiftungsverm&ouml;gens und Bildung von freien R&uuml;cklagen,<\/li>\n<li>Bauherreneigenschaft und Eigentumsrechte f&uuml;r Liegenschaften (einschlie&szlig;lich des Rechts auf Errichtung, Ver&auml;nderung und Ver&auml;u&szlig;erung von Liegenschaften).<\/li>\n<\/ul><p>Ich erspare mir an dieser Stelle eine Detailkritik an diesem Konzept einer entstaatlichten, wettbewerbsgesteuerten &bdquo;unternehmerischen&ldquo; Hochschule und verweise auf meine fr&uuml;heren kritischen Beitr&auml;ge u.a.:<\/p><ul>\n<li><a href=\"\/?p=3978\">Humboldts Begr&auml;bnis &ndash; Zehn Jahre Bologna-Prozess<\/a><\/li>\n<li><a href=\"\/?p=3954\">Manager erobern die Unis<\/a><\/li>\n<li><a href=\"\/?p=3865\">Das Scheitern der Wettbewerbsideologie bei einer zukunftsf&auml;higen Entwicklung der Bildungs- und Hochschullandschaft<\/a><\/li>\n<li><a href=\"\/?p=3333#more-3333\">Von der Freiheit der Wissenschaft zur &bdquo;unternehmerischen Hochschule&ldquo;<\/a> <\/li>\n<\/ul><p>Siehe auch: Die Auslieferung der Universit&auml;ten an die Wirtschaft, in Albrecht M&uuml;llers Buch &bdquo;Meinungsmache&ldquo;<\/p><p>Siehe als ein Gegenmodell zur wettbewerbsgesteuerten, deregulierten Hochschule:<br>\n<a href=\"\/?p=4506\">Leitbild f&uuml;r eine demokratische und soziale Hochschule <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das vierte Jahresgutachten des von der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft ins Leben gerufenen &bdquo;Aktionsrats Bildung&ldquo; ist ein klassisches Beispiel daf&uuml;r, wie von Seiten der Wirtschaft das dort vorherrschende libert&auml;re Gesellschaftsbild propagiert und &uuml;ber die Politik in die gesellschaftliche Wirklichkeit, hier in den Bildungssektor implementiert werden soll.<br \/> Dieses Gutachten liefert eine ideologische Fundierung f&uuml;r eine deregulierte,<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4954\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[34,128,129,160],"tags":[409,231,235,442,234,687,565],"class_list":["post-4954","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bildung","category-insm","category-lobbyorganisationen-und-interessengebundene-wissenschaft","category-markt-und-staat","tag-bildungschancen","tag-che","tag-drittmittel","tag-eigenverantwortung","tag-studiengebuehren","tag-ungleichheit","tag-unternehmerische-hochschule"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4954","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4954"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4954\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7136,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4954\/revisions\/7136"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4954"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4954"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4954"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}