{"id":49580,"date":"2019-02-26T08:35:08","date_gmt":"2019-02-26T07:35:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=49580"},"modified":"2019-05-22T11:40:38","modified_gmt":"2019-05-22T09:40:38","slug":"russiagate-medienzirkus-und-gezielte-eskalation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=49580","title":{"rendered":"\u201eRussiagate\u201c: Medienzirkus und gezielte Eskalation"},"content":{"rendered":"<p>Ein gescheitertes Abkommen mit der EU f&uuml;hrte vor genau f&uuml;nf Jahren zu den Maidan-Protesten in der Ukraine und Europa in eine der gef&auml;hrlichsten Krisen der vergangenen Jahrzehnte. Mit dem internationalen Bestseller &bdquo;Wir sind die Guten&ldquo; schauten <strong>Mathias Br&ouml;ckers und Paul Schreyer<\/strong> hinter die Kulissen eines politischen Spiels, das t&ouml;dlicher Ernst geworden ist. Denn seit der Westen sich im Kampf mit Putins Russland um die Ukraine w&auml;hnt, werden auch in Deutschland l&auml;ngst vergessene Kriegs&auml;ngste wieder wach. F&uuml;nf Jahre sp&auml;ter analysieren Br&ouml;ckers und Schreyer in der komplett &uuml;berarbeiteten und erweiterten Neuauflage &bdquo;<strong>Wir sind immer die Guten<\/strong>&ldquo; den historischen Hintergrund des Ukraine-Konflikts, die Rolle der Geopolitik und gehen der Frage nach, wer die wirklichen Akteure in diesem t&ouml;dlichen Spiel sind und welche Interessen sie verfolgen. Wir bringen zum Erscheinen des Buches einen Auszug zu diesem aktuellen wichtigen Thema.<br>\n<!--more--><br>\nDie Hoffnungen auf eine sich ihrer Schl&uuml;sselfunktion im Ost-West-Konflikt bewussten deutschen Diplomatie und eine europ&auml;ische Friedenspolitik, wie wir sie im Sommer 2014 in der Erstausgabe von &raquo;Wir sind die Guten&laquo; &auml;u&szlig;erten, haben sich nicht erf&uuml;llt. Im Gegenteil haben sich Deutschland und Europa unter der Federf&uuml;hrung der Vereinigten Staaten immer weiter in einen Kalten Krieg mit Russland hineinman&ouml;vriert: Nicht &raquo;Wandel durch Ann&auml;herung&laquo; lautet das Motto dieser Politik, sondern &raquo;Konfrontation durch Eskalation&laquo;. Sowohl in Form &ouml;konomischer Sanktionen und milit&auml;rischer Aufr&uuml;stung wie auch mit der Versch&auml;rfung des Informations- und Propagandakriegs.<br>\nZumal die Kritik an Russland sp&auml;testens seit einem innenpolitischen Betriebsunfall in den USA &ndash; der Wahl Donald Trumps zum Pr&auml;sidenten &ndash; in eine neue Dimension gesprungen ist. Weil sich Russland nicht nur der angeblichen &raquo;Invasion&laquo; der Ukraine schuldig gemacht hat, sondern auch der Manipulation und Beeinflussung der amerikanischen Pr&auml;sidentschaftswahlen: &raquo;Russische Hacker&laquo; sollen diskreditierende E-Mails von Hillary Clinton und aus der Zentrale der Demokratischen Partei (DNC) gestohlen und ver&ouml;ffentlicht haben. <\/p><p>Mit &raquo;Russiagate&laquo; erhielt die Aff&auml;re schnell den an den Watergate-Skandal gemahnenden Titel, doch anders als die damals schnell ertappten Einbrecher, die in der Parteizentrale der Demokraten nach diskreditierendem Material gesucht hatten &ndash; was zum R&uuml;cktritt von Pr&auml;sident Nixon f&uuml;hrte &ndash;, sind die T&auml;ter auch nach Jahren noch v&ouml;llig unbekannt und die Bezeichnung &raquo;russische Hacker&laquo; nicht mehr als eine Behauptung. Weder das FBI noch ein Gericht haben diese Datenlecks untersucht und justiziable Beweise auf die T&auml;ter und ihre Herkunft zu Tage f&ouml;rdern k&ouml;nnen &ndash; bis der Sonderermittler Robert Mueller im Februar 2018 eine erste Anklageschrift vorlegte.<br>\nDass jetzt endlich die &raquo;Smoking Gun&laquo; auf den Tisch k&auml;me, der unwiderlegbare Beweis, wie der perfide Putin Trump auf den Thron gehievt hat, diesem H&ouml;hepunkt von &raquo;Russiagate&laquo; war in den Tagen zuvor mit multimedialem Trommelfeuer entgegengefiebert worden. Die Anklage von 13 russischen Staatsb&uuml;rgern, so der <em>Spiegel<\/em> nach einem ersten Blick in das Papier, &raquo;ist ein einmaliges Dokument: Erstmals erh&auml;lt die &Ouml;ffentlichkeit einen pr&auml;zisen und detaillierten Einblick in den geheimen Wahlkampf russischer Agenten in den USA zwischen 2014 und 2016.&laquo;<br>\nWer nun aber einen James-Bond-artigen Agententhriller erwartete, Details &uuml;ber den Hack von Hillarys Privatserver und der Korrespondenz des DNC wie auch &uuml;ber den Weg der Daten zu WikiLeaks und in die &Ouml;ffentlichkeit, wurde schwer entt&auml;uscht. Was da n&auml;mlich nach neunmonatigen Ermittlungen angeklagt wurde, war nicht mehr als eine R&auml;uberpistole, die unter dem Titel &raquo;Putins Koch und die Wilde Dreizehn&laquo; in der Augsburger Puppenkiste aufgef&uuml;hrt werden k&ouml;nnte. <\/p><p>Unter Anleitung eines verm&ouml;genden russischen Gastronomen, der auch &raquo;Putins Koch&laquo; genannt wird, sollen die 13 eine &raquo;Verschw&ouml;rung&laquo; zur Einmischung in den US-Wahlkampf finanziert haben, mit dem Ziel Hillary Clinton zu kritisieren und Bernie Sanders und Trump zu unterst&uuml;tzen. Dieser &raquo;Informationskrieg&laquo;, so der stellvertretende Justizminister Rod Rosenstein, h&auml;tte allerdings &raquo;den Ausgang der Wahl nicht beeinflusst&laquo;. Pr&auml;zise und detailliert konnte man in diesem &raquo;einmaligen Dokument&laquo; (Spiegel) also nun nachlesen, wie 13 Russen doch tats&auml;chlich Twitter- und Facebook- Accounts unter falschem Namen er&ouml;ffnet und Anti-Hillary-Botschaften gepostet haben &ndash; und sogar &raquo;&uuml;ber hundert Amerikaner&laquo; kontaktiert haben sollen. Und das mitten im Wahlkampf, dessen Ausgang davon aber nicht tangiert wurde. Wahnsinn, diese russischen Agenten!<br>\nDass diese Cyberkriminellen &raquo;&uuml;ber 60 000 Dollar&laquo; in Facebook-Anzeigen investierten, ohne den Wahlausgang zu beeinflussen, wundert allerdings nicht, wo Hillary Clinton 1,5 Milliarden und Trump 800 Millionen in Wahlwerbung gesteckt haben. F&uuml;r eine Anklage reichte die Nummer aber allemal und erm&ouml;glichte, da die &raquo;Wilde Dreizehn&laquo; komplett in Russland ans&auml;ssig ist und nicht vorgeladen werden kann, eine widerspruchslose und fl&auml;chendeckende &raquo;Russiagate&laquo;-Berichterstattung auf allen Kan&auml;len. (&hellip;)<\/p><p>Dass es sich bei der ganzen Legende um die &raquo;russischen Hacker&laquo; um eine unbewiesene Verschw&ouml;rungstheorie handelte, hinderte die Medien freilich nicht, sie immer weiter zu kolpor- tieren, nicht als bunte Geschichte im Unterhaltungsressort, sondern als politische Nachricht auf den Titelseiten. &raquo;Russland hat unsere Wahlen gehackt, das war ein Anschlag wie der 11. September (&rsaquo;a 9\/11-scale event&lsaquo;) auf den Kern unserer Demokratie, ein Ereignis wie Pearl Harbor&laquo; &ndash; t&ouml;nte der Chefkolumnist der <em>New York Times<\/em>, Thomas Friedman, entsetzt im MSNBC-Fernsehen. Doch gerichtsfeste Beweise, echte Fakten f&uuml;r diesen &raquo;Anschlag&laquo; sind in &uuml;ber zwei Jahren keine aufgetaucht. (&hellip;)<\/p><p>W&auml;re das Ganze nicht gef&auml;hrlicher Ernst, k&ouml;nnte man &uuml;ber die plumpen und offensichtlichen F&auml;lschungen, aus denen die &raquo;Russiagate&laquo;-Story gestrickt ist, nur lachen. Doch was hier geschieht, ist fatal: Um einen gew&auml;hlten Pr&auml;sidenten zu vertreiben, wird die Gewaltenteilung des demokratischen Systems aufgehoben: Geheimdienste (CIA, NSA, MI6), Polizei (FBI) und Medien arbeiten Hand in Hand, und die vom Horrorclown Donald Trump nachhaltig geschockten Demokraten, Liberalen, Linken feuern diese polizeistaatlichen, totalit&auml;ren Methoden sogar noch an. Und so erleben wir die surreale Situation, dass es nicht der monstr&ouml;se Meteorit Trump ist, dessen Einschlag die Grundfesten der freiheitlichen Demokratie ersch&uuml;ttert, sondern seine Gegner, die abseits aller rechtsstaatlichen Regeln und mit einer nahezu uniformen Medienfront gegen ihn vorgehen. <\/p><p>Wenn man auf diese untragbaren Zust&auml;nde, die jeden Anh&auml;nger eines demokratischen Rechtsstaats eigentlich aus dem H&auml;uschen bringen m&uuml;ssten, in Gespr&auml;chen mit Kollegen und Freunden hinweist, kommt des &Ouml;fteren die Frage: &raquo;Ja findest du den Trump etwa gut?&laquo; &ndash; was zeigt, welches Klima zwei Jahre &raquo;Russiagate&laquo;-Bullshit in den K&ouml;pfen schon erzeugt haben. Wer auch nur ein gutes Haar an &raquo;K&ouml;nig Donald und seiner pr&auml;chtigen Eichh&ouml;rnchenfrisur&laquo; l&auml;sst, macht sich umgehend unm&ouml;glich. Auch der Hinweis, dass sich die liberale Demokratie nicht mit illiberalen Methoden retten l&auml;sst und eine unabh&auml;ngige Presse nicht zum Sprachrohr der Geheimdienste verkommen darf, verpufft. Gegen einen wie Trump sind offenbar alle Mittel erlaubt. <\/p><p>Der Grund daf&uuml;r liegt auf der Hand: Trump ist definitiv kein Kandidat des hinter den Kulissen waltenden Establishments. Vorg&auml;nger wie Bush, aber auch Clinton oder Obama waren Politiker, die von jener Elite schon vor der Wahl akzeptiert und umgarnt beziehungsweise &uuml;berhaupt erst aufgebaut wurden. Trump hingegen trat als heftig bek&auml;mpfter Au&szlig;enseiter an. Nicht nur fast alle Leitmedien stellten sich gegen ihn, sondern auch der Geheimdienstapparat der USA.<br>\nDas Unbehagen dieser einflussreichen Eliten l&auml;sst sich kaum ernsthaft mit Trumps R&uuml;pelhaftigkeit, Chauvinismus oder Muslimfeindlichkeit erkl&auml;ren. Zum Auss&auml;tzigen machen ihn vielmehr politische Positionen, in denen es um Macht und Geld geht: Etwa seine teilweise Abkehr von der Idee des internationalen Freihandels, sein Unwillen, Russland weiterhin kategorisch als Feind zu betrachten, sowie sein eher l&auml;ssiges Verh&auml;ltnis zur Nato. <\/p><p>Der Freihandel ist eine zentrale &Uuml;bereinkunft zum Nutzen vor allem der multinationalen Konzerne. Daran r&uuml;hrt niemand ungestraft. Das Feindbild Russland wiederum ist in den vergangenen Jahren mit Hilfe der Medien und Dutzender Denkfabriken systematisch und mit gro&szlig;em Aufwand aufgebaut worden. Feindbilder sind austauschbar, entscheidend ist, dass sie existieren, um permanent aufr&uuml;sten und Machtanspr&uuml;che in fremden L&auml;ndern geltend machen zu k&ouml;nnen.<br>\nDas Feindbild Russland ist sp&auml;testens seit der Ukraine-Krise 2014 im Westen fest installiert und dient als zentraler Motor der Geopolitik, als Hebel und moralische Rechtfertigung. Wer solch ein m&uuml;hsam installiertes Feindbild in Frage stellt, der bedroht damit ein komplexes System aus Milit&auml;r, R&uuml;stung, Geheimdiensten und Konzernen. Als au&szlig;enpolitisches Ziel hatte Trump in jeder seiner Wahlkampfreden &raquo;to come along with Russia&laquo; herausgestellt und dass er als harter Verhandler &raquo;mit Putin schon klarkommen&laquo; werde. Das h&auml;tte er besser nicht so oft und nicht so laut gesagt, denn seit zwei Jahren wird es ihm so gut wie unm&ouml;glich gemacht, sich mit dem russischen Pr&auml;sidenten auch nur zu treffen und ausf&uuml;hrlich zu besprechen. <\/p><p>Trump mag ein narzisstischer und unsympathischer Chauvinist sein &ndash; m&auml;chtige Gegner aber hat er sich nicht mit seinem zweifelhaften Charakter gemacht, sondern mit solchen politischen Ansichten und Absichten. Und solange er diesen nicht abschw&ouml;rt, wird die geballte Macht des &raquo;Deep State&laquo; ihn weiter im Visier und den bizarren &raquo;Russiagate&laquo;-Zirkus ad infinitum weiter in den Schlagzeilen halten.<\/p><p><em>Mathias Br&ouml;ckers, Paul Schreyer: &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.westendverlag.de\/buch\/wir-sind-immer-die-guten\/\">Wir sind immer die Guten &ndash; Ansichten eines Putinverstehers oder wie der Kalte Krieg neu entfacht wird<\/a>&ldquo;, Westend Verlag, 224 Seiten, 18 Euro<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein gescheitertes Abkommen mit der EU f&uuml;hrte vor genau f&uuml;nf Jahren zu den Maidan-Protesten in der Ukraine und Europa in eine der gef&auml;hrlichsten Krisen der vergangenen Jahrzehnte. Mit dem internationalen Bestseller &bdquo;Wir sind die Guten&ldquo; schauten <strong>Mathias Br&ouml;ckers und Paul Schreyer<\/strong> hinter die Kulissen eines politischen Spiels, das t&ouml;dlicher Ernst geworden ist. Denn seit der<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=49580\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":49581,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,126,123,190],"tags":[1090,2012,895,2102,1268,2301,915,2614,259,1800,260,1556,682],"class_list":["post-49580","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-erosion-der-demokratie","category-kampagnentarnworteneusprech","category-wahlen","tag-clinton-hillary","tag-cyberkriminalitaet","tag-freihandel","tag-geostrategie","tag-kalter-krieg","tag-konfrontationspolitik","tag-putin-wladimir","tag-russiagate","tag-russland","tag-trump-donald","tag-ukraine","tag-usa","tag-verschwoerungstheorie"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/190226_WSIDG.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/49580","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=49580"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/49580\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":51919,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/49580\/revisions\/51919"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/49581"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=49580"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=49580"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=49580"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}