{"id":49585,"date":"2019-02-26T12:00:52","date_gmt":"2019-02-26T11:00:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=49585"},"modified":"2022-04-01T11:52:52","modified_gmt":"2022-04-01T09:52:52","slug":"20-jahre-waehrungsunion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=49585","title":{"rendered":"20 Jahre W\u00e4hrungsunion"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/190226_joerg_bibow.jpg\" alt=\"J&ouml;rg Bibow\" title=\"J&ouml;rg Bibow\"><\/div><p><strong>Ein Interview mit dem &Ouml;konomen J&ouml;rg Bibow &uuml;ber die Gegenwart und Zukunft des Euro.<\/strong> Im Januar ist der Euro 20 Jahre alt geworden. Kurz zuvor im Dezember haben sich die Staats- und Regierungschefs der Europ&auml;ischen Union (EU) auf einem Euro-Gipfel in Br&uuml;ssel &uuml;ber die Vertiefung der W&auml;hrungsunion verst&auml;ndigt. Ferner stehen im Mai Europawahlen an, bei denen EU-kritische Kr&auml;fte weiter an Boden gewinnen d&uuml;rften. Die Eurokrise selbst ist keineswegs gel&ouml;st, auch wenn sie gerade etwas aus den Medien verschwunden ist. Der Euro wird also weiter f&uuml;r Gespr&auml;chsstoff sorgen. <strong>Thomas Trares<\/strong> hat f&uuml;r die NachDenkSeiten den &Ouml;konomen <strong>J&ouml;rg Bibow<\/strong>[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=49585#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>] zu diesem Thema befragt, der zusammen mit Heiner Flassbeck im vergangenen Jahr das Buch &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.westendverlag.de\/buch\/das-euro-desaster\/\">Das Euro-Desaster<\/a>&ldquo; geschrieben hat.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9461\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-49585-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190226_20_Jahre_Waehrungsunion_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190226_20_Jahre_Waehrungsunion_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190226_20_Jahre_Waehrungsunion_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190226_20_Jahre_Waehrungsunion_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=49585-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/190226_20_Jahre_Waehrungsunion_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"190226_20_Jahre_Waehrungsunion_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Herr Bibow, Sie haben sich in den zur&uuml;ckliegenden Jahren viel mit dem Euro und mit der Krisenpolitik der Europ&auml;ischen Zentralbank (EZB) besch&auml;ftigt. Wie f&auml;llt Ihre Bilanz nach 20 Jahren Euro aus? War tats&auml;chlich alles nur ein &bdquo;Desaster&ldquo;, wie der Titel Ihres Buches unterstellt?<\/strong><\/p><p>Ja, f&uuml;r Europa, wenngleich scheinbar nicht f&uuml;r Deutschland, ist es ein Desaster. Die Situation in Europa heute ist gef&auml;hrlich fragil. Der fehlkonstruierte Euro hat hierzu einen ma&szlig;geblichen Beitrag geleistet. In den ersten zehn Jahren hat man interne Divergenzen und Ungleichgewichte nicht wirksam verhindert. Als diese sich dann entluden und Finanzsystem und Wirtschaft in die Krise st&uuml;rzten, war die W&auml;hrungsunion auch nicht daf&uuml;r gewappnet, die Notlage wirksam zu bek&auml;mpfen. Vielmehr hat die improvisierte wirtschaftspolitische Reaktion, die von Deutschland erzwungen wurde, den Schaden vielfach noch erheblich verst&auml;rkt. So sind die Partner immer weiter auseinandergedriftet. Deutschland ist heute soweit von Frankreich und Italien entfernt, wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Wer ehrlich ist, muss heute eingestehen, dass der Euro nur wenige Gewinner erzeugt hat. Deutschlands &bdquo;top 1 percent&ldquo; stehen da sicher ganz oben an. Aber wer noch? Deutschlands Normalverdiener haben in den letzten 20 Jahren wenig Boden gewonnen, f&uuml;hlen sich heute nur im Vergleich zu den Verliererl&auml;ndern &uuml;berlegen; obgleich best&auml;ndig um ihren Vorteil bangend, weil die Mainstream-Medien solche &Auml;ngste instigieren. Dass aber selbst in den Verliererl&auml;ndern der Euro laut Umfragen noch recht popul&auml;r ist, ist eigentlich erstaunlich.<\/p><p><strong>Wirklich? Wo ist der Euro denn noch popul&auml;r? Oder meinen Sie damit etwa, dass es selbst in den Krisenl&auml;ndern keine Mehrheit f&uuml;r einen Euro-Austritt gibt?<\/strong><\/p><p>Ja. Viele Menschen haben schon begriffen, dass Sparpolitik und Lohndumping ihre Wohlfahrt nicht erh&ouml;ht haben. Sie haben Deutschland als ma&szlig;gebliche Quelle des Unheils auch h&auml;ufig richtig identifiziert. Aber viele EU-B&uuml;rger selbst in Eurokrisenl&auml;ndern scheinen diese Entwicklungen irgendwie noch vom Euro selbst zu trennen, haben ihn noch nicht aufgegeben. Das ist des Euros Gl&uuml;ck. Aber im Grunde sind der Euro und die eben genannten Fehlentwicklungen nat&uuml;rlich ein und dieselbe Packung gewesen.<\/p><p><strong>In Ihrem Buch schreiben Sie, dass die Euro-W&auml;hrungsunion falsch konstruiert sei insbesondere gegen Krisen sei sie nicht gewappnet. Das gr&ouml;&szlig;te Manko sehen Sie in der fehlenden Fiskalunion. Deswegen wollen Sie ein Euro-Schatzamt einrichten. K&ouml;nnen Sie das einmal n&auml;her erl&auml;utern? <\/strong><\/p><p>Auf ein sehr kritisches Manko hatte ich gerade eben bereits hingewiesen: das Versagen, interne Divergenzen und Ungleichgewichte wirksam zu verhindern. Konkret ist hier die Notwendigkeit gleichgewichtiger Wettbewerbspositionen zu nennen. L&ouml;hne und Lohnst&uuml;ckkosten m&uuml;ssen sich im Einklang mit dem vereinbarten Inflationsziel entwickeln. Es ist schon verr&uuml;ckt, dass Europa 50 Jahre damit zubrachte, die Gefahr von W&auml;hrungsabwertungswettl&auml;ufen einzud&auml;mmen, was dann mit dem Euro erreicht wurde, nur um dann durch die Hintert&uuml;r dieselbe &bdquo;beggar-thy-neighbour&ldquo;-Nummer &uuml;ber Lohndumping zu betreiben. Deutschland hat in dieser Sache die Ursprungss&uuml;nde begangen. In der zweiten Runde hat man die Euro-Partner dann ihre Volkswirtschaften per &bdquo;interne Abwertung&ldquo; gegen die Wand fahren lassen.<\/p><p>Aber das noch gr&ouml;&szlig;ere Manko ist tats&auml;chlich die fehlende Fiskalunion. Die Mainstream-Theorie der optimalen W&auml;hrungsr&auml;ume behauptet, dass die Mitglieder einer W&auml;hrungsunion zwar ihre nationale Geld- und Wechselkurspolitik als wirtschaftspolitische Instrumente verlieren, aber noch auf ihre Fiskalpolitik vertrauen k&ouml;nnten, speziell um &bdquo;asymmetrische Schocks&ldquo; zu bek&auml;mpfen. Das sind Schocks, die nicht die W&auml;hrungsunion insgesamt, sondern nur bestimmte L&auml;nder betreffen. Das ist ein fataler Trugschluss, worauf Chartalisten wie Charles Goodhart fr&uuml;h warnend hingewiesen haben. Wer seine W&auml;hrung aufgibt, macht sich damit auch fiskalpolitisch impotent. Denn die Mitglieder einer W&auml;hrungsunion emittieren ihre Schuldtitel in einer Fremdw&auml;hrung. Die nationale Fiskalpolitik hat keine Unterst&uuml;tzung durch die Zentralbank mehr, was sie sehr verwundbar macht.<\/p><p><strong>Und dieses Manko soll nun ein Euro-Schatzamt beheben?<\/strong><\/p><p>Ja, denn im Umkehrschluss gilt ja auch, dass die gemeinsame Zentralbank, die das gemeinsame Mittel zur Bek&auml;mpfung von &bdquo;symmetrischen Schocks&ldquo; in der W&auml;hrungsunion sein soll, keine Unterst&uuml;tzung durch ein gemeinsames Euro-Schatzamt hat. Hierin liegt die entscheidende Verwundbarkeit des Euro begr&uuml;ndet. Hierauf beruhte die Unf&auml;higkeit, die Eurokrise wirksam zu bek&auml;mpfen. Und das gilt bis heute. Zumal man sich das v&ouml;llig hirnrissige und &uuml;berhaupt nicht praktikable Ziel gesetzt hat, in der Eurozone insgesamt best&auml;ndig einen strukturell ausgeglichenen Staatshaushalt zu fahren. Das setzt aber dauerhaft hohe Leistungsbilanz&uuml;bersch&uuml;sse voraus. Mit genau dem Modell hat Deutschland die W&auml;hrungsunion an die Wand gefahren. Und die riesigen Leistungsbilanz&uuml;bersch&uuml;sse der Eurozone sind heute auch global der wichtigste St&ouml;rfaktor einer ausgeglichenen weltwirtschaftlichen Entwicklung. Aber man lernt in Deutschland nichts dazu, h&auml;lt die eigenen krassen Ungleichgewichte weiterhin f&uuml;r einen Ausdruck von Tugend.<\/p><p>Der Staat muss im Normalfall Schulden machen, am besten f&uuml;r Zukunftsinvestitionen. Darauf basiert mein Vorschlag eines Euro-Schatzamts. Das soll f&uuml;r die W&auml;hrungsunion gemeinsame Schulden machen. Daraus werden den Mitgliedsl&auml;ndern gem&auml;&szlig; ihrem Anteil am Bruttoinlandsprodukt Mittel f&uuml;r Investitionen zugeteilt. Im Gegenzug hat jeder seinen Anteil am Zinsdienst der gemeinsamen Schuld zu leisten. Dies halte ich f&uuml;r die Minimalfiskalunion, die der Euro braucht, um die Wohlfahrt der B&uuml;rger steigern und damit dauerhaft &uuml;berleben zu k&ouml;nnen. <\/p><p><strong>In der Politik hat man offenbar erkannt, dass hier Handlungsbedarf besteht. Frankreichs Pr&auml;sident Emmanuel Macron hat schon bei seiner Rede an der Sorbonne im September 2017 ein gemeinsames Eurozonen-Budget und einen Euro-Finanzminister gefordert. Auf dem Euro-Gipfel im Dezember haben die Staats- und Regierungschefs der EU ein Reformpaket gebilligt, das zumindest eine Mini-Variante eines Eurozonen-Budgets beinhaltet. Bundesfinanzminister Olaf Scholz sagte k&uuml;rzlich: &bdquo;Wir sind schon ziemlich vorangekommen in Europa. Es ist einiges beschlossen worden, was vor einem Jahr noch undenkbar schien.&ldquo; K&ouml;nnen Sie dem folgen?<\/strong><\/p><p>Nein. Herr Scholz schm&uuml;ckt da nur das Euro-Schwein mit Lippenstift, wie der Amerikaner hier sagen w&uuml;rde. Was da beschlossen wurde, ist nur Kosmetik. Die Optimisten behaupten zwar, dass man mit dieser kosmetischen Ma&szlig;nahme zumindest eine bislang versperrte T&uuml;r erstmals aufgesto&szlig;en h&auml;tte. Nur hat die Bemalung bis auf Weiteres keinerlei Wirksamkeit. Dem Euro gibt das keine wirkliche Unterst&uuml;tzung. Und ich sehe auch &uuml;berhaupt nicht, dass sich in Deutschland intellektuell irgendetwas bewegt hat. Man tr&auml;umt weiter von der schwarzen Null. Man h&auml;lt weiterhin an seinen alten Irrlehren fest und verweigert jede ernsthafte Auseinandersetzung mit Theorie und Faktenlage.<br>\nDie urspr&uuml;nglichen Vorschl&auml;ge Macrons gingen dagegen in die richtige Richtung, waren meiner Euro-Schatzamtsidee in mancher Hinsicht &auml;hnlich. Aber der Mann hat heute ganz andere Probleme. Auch und besonders, weil Deutschland ihn im Regen hat stehen lassen. <\/p><p><strong>Sie haben sich ja jetzt schon mehrfach kritisch zur deutschen Position ge&auml;u&szlig;ert. Auffallend ist ja, dass die Vertreter der Bundesregierung, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel k&uuml;rzlich beim Weltwirtschaftsforum in Davos, auf der gro&szlig;en B&uuml;hne gerne den Multilateralismus beschw&ouml;ren. Wenn es dann aber ums Kleingedruckte geht, steht man gerne auf der Bremse, in der Euro-Debatte etwa bei der Transfer- und Haftungsunion, beim gemeinsame Eurozonen-Budget oder bei der gemeinsamen Einlagensicherung, ohne die es ja keine Bankenunion geben kann. Wie passt all dies zusammen?<\/strong><\/p><p>Es passt eben nicht zusammen. Es ist wieder nur reiner Opportunismus. Weil es international f&uuml;r Deutschland nicht so gut steht. Man ist im Visier Donald Trumps. Der konzentriert sich zwar zurzeit auf China. Aber Deutschland steht offensichtlich ganz weit oben auf der Abschlussliste. Da versteckt man sich dann gern im Kreis der europ&auml;ischen Partner. Das lenkt ab und gibt wohl etwas mehr Schutz. Schlie&szlig;lich ist die EU handelspolitisch ein Gigant und die Europ&auml;ische Kommission hat sich bislang gegen&uuml;ber Trump recht wacker schlagen k&ouml;nnen. Deutschland will sich diesen Schutz aber nichts kosten lassen. Die Angst vor der Transfer- und Haftungsunion scheint den Geist lahmzulegen. Deswegen sieht mein Euro-Schatzamtsplan &uuml;brigens auch keine Transferunion vor bzw. schlie&szlig;t sie per Design aus. Ohne die gemeinsame Haftung etwa bei der Einlagensicherung geht es aber nicht. Deutschland macht sich hier durch Verweigerung auch selbst nur noch verwundbarer. Deutschland kann sich vor Krisen in der Eurozone nicht abschotten. Solange die Eurozone nicht standhafter f&uuml;r Krisen gemacht wird, bleibt auch die deutsche Krisenwahrscheinlichkeit erh&ouml;ht.<br>\nZurzeit ist es nur opportun, dass die relativ wackelige Wirtschaftslage in der Eurozone einen schwachen Euro und damit die deutschen Exporte beg&uuml;nstigt. Warum soll man da die W&auml;hrungsunion und damit den Euro st&auml;rken? <\/p><p><strong>Wenn man jetzt mal die Lage allein nur in den drei gr&ouml;&szlig;ten Volkswirtschaften der Eurozone betrachtet; in Frankreich gibt es massive Sozialproteste seitens der &bdquo;Gelbwesten&ldquo;, in Italien sind mit der F&uuml;nf-Sterne-Bewegung und der Lega Nord gerade zwei im Kern Anti-Euro-Parteien an der Regierung, und in Deutschland stellt man sich auf den Standpunkt: &bdquo;Mit uns hat das alles nichts zu tun, wir machen ja alles richtig, wie unsere Exporterfolge beweisen&ldquo;. Kann man in solch einem Umfeld &uuml;berhaupt noch weitere Fortschritte bei der Euro-W&auml;hrungsunion erwarten?<\/strong><\/p><p>Ja, Sie haben Recht. Man muss sich schon um sehr viel Optimismus bem&uuml;hen, um einen Ausweg aus dieser verfahrenen Situation immer noch f&uuml;r m&ouml;glich zu erachten. Ich muss dazu alle meine Willenskraft aufbringen. Denn im Prinzip halte ich die Idee einer gemeinsamen europ&auml;ischen W&auml;hrung weiterhin f&uuml;r richtig. Diese W&auml;hrung darf auch Euro hei&szlig;en. Der Euro muss aber dringend reformiert und besser gemanagt werden. Dazu muss sich in erster Linie Deutschland gewaltig &auml;ndern. Deutschland muss vielleicht zu seinem Gl&uuml;ck gezwungen werden. Vielleicht wird die n&auml;chste Krise das bewegen. Vielleicht aber auch gerade nicht. Die AfD hat jedenfalls andere Pl&auml;ne f&uuml;r Deutschland und den Euro. <\/p><p><strong>Wie ist Ihre Prognose? Wird es den Euro auch in 20 Jahren noch geben? Und wenn ja, wie wird er aussehen?<\/strong><\/p><p>Sie wissen doch: volkswirtschaftliche Prognosen sind immer schwierig, besonders, wenn sie die Zukunft betreffen. Der Euro hat 20 Jahre lang &uuml;berlebt, ohne die an ihn urspr&uuml;nglich gekn&uuml;pften Erwartungen auch nur ann&auml;herungsweise erf&uuml;llt zu haben oder erf&uuml;llen zu k&ouml;nnen. Bislang hat man sich noch immer so irgendwie durchwursteln k&ouml;nnen. Aber wie lange noch?<br>\nIch halte die Situation in Europa jedenfalls f&uuml;r sehr bedrohlich. Das ist kein stabiles Gleichgewicht. Eine zwanzigj&auml;hrige Zukunft f&uuml;r ein solches Desaster sehe ich gar nicht. Zumal auch das globale Umfeld, auf das die Eurozone seit der Krise, wie der gigantische Leistungsbilanz&uuml;berschuss klar zeigt, noch mehr vertraut hat, deutlich schwieriger geworden ist. Man kann die kritischen Reformen nicht ewig hinausz&ouml;gern. Die habe ich oben genannt. Werden sie kommen, bevor es zu sp&auml;t ist? Das kann ich hoffen, aber nicht vorhersagen.<\/p><p><strong>Herr Bibow, vielen Dank f&uuml;r das Gespr&auml;ch.<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] <strong>Zur Person:<\/strong> J&ouml;rg Bibow ist Professor f&uuml;r Volkswirtschaftslehre am Skidmore College in New York. Seine Forschungsschwerpunkte sind Internationale Finanzen, Geldtheorie und Europ&auml;ische Integration. Er ist als Forscher mit dem Think Tank Levy Economics Institute assoziiert. Im M&auml;rz 2018 erschien das Buch &bdquo;Das Euro-Desaster&ldquo;, das er zusammen mit dem &Ouml;konomen Heiner Flassbeck geschrieben hat.<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/3d4b1820c4a64a1abc87392245b14356\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/190226_joerg_bibow.jpg\" alt=\"J&ouml;rg Bibow\" title=\"J&ouml;rg Bibow\"\/><\/div>\n<p><strong>Ein Interview mit dem &Ouml;konomen J&ouml;rg Bibow &uuml;ber die Gegenwart und Zukunft des Euro.<\/strong> Im Januar ist der Euro 20 Jahre alt geworden. Kurz zuvor im Dezember haben sich die Staats- und Regierungschefs der Europ&auml;ischen Union (EU) auf einem Euro-Gipfel in Br&uuml;ssel<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=49585\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,13,139,22,212,209],"tags":[423,507,499,2052,319,333,2066,831,1895,687,781],"class_list":["post-49585","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-denkfehler-wirtschaftsdebatte","category-euro-und-eurokrise","category-europaische-union","category-gedenktagejahrestage","category-interviews","tag-austeritaetspolitik","tag-ezb","tag-handelsbilanz","tag-investitionen","tag-lohnentwicklung","tag-lohnstueckkosten","tag-macron-emmanuel","tag-scholz-olaf","tag-schwarze-null","tag-ungleichheit","tag-waehrungsunion"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/49585","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=49585"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/49585\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":82537,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/49585\/revisions\/82537"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=49585"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=49585"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=49585"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}